Meningokokken

Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 25. Februar 2025Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei Meningokokken handelt es sich um bakterielle Krankheitserreger, die durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen werden. Die Erreger können schwerwiegende Erkrankungen hervorrufen – es muss jedoch nicht immer zu einem Krankheitsausbruch kommen. Die Meningokokken-Bakterien, die Erkrankungen verursachen, werden medizinisch unter der Gruppe Neisseria meningitidis geführt.
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Was sind Meningokokken?

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Meningokokken sind häufig im Nasen-Rachenraum zu finden, ohne eine unmittelbare Gefahr darzustellen. Die Bakterien besitzen verschiedene Kapseleigenschaften und werden medizinisch in zwölf Kategorien unterteilt.
Die Kapseln, die die Bakterien umgeben, sind zäh und können vom Immunsystem nicht zerstört werden. Bundesweit überwiegen Meningokokken Erreger der Typen B und C – die bakteriellen Mikroorganismen werden, da sie gemeinsame Eigenschaften aufweisen, in entsprechende Serogruppen unterteilt. Gegen den in Deutschland verbreiteten Typ C gibt es gut verträgliche Impfstoffe, die bereits vom Säuglings- und Kleinkindalter an verabreicht werden können.
Erkrankungen, die durch Meningokokken hervorgerufen werden, sind laut Infektionsschutzgesetz meldepflichtig, was auch bei Verdachtsfällen gilt. Die Meldung beim Gesundheitsamt schützt familiäre Kontaktpersonen vor dem Ausbruch einer Infektion, da der behandelnde Arzt vorbeugend ein Antibiotika gegen Meningokokken verschreiben wird.
Bedeutung & Funktion
Zwischen Ansteckung und Ausbruch einer durch Meningokokken ausgelösten Infektionskrankheit können 2 bis 10 Tage vergehen. Zunächst verspüren die Betroffenen Symptome, die einem schweren grippalen Infekt ähneln, wie zum Beispiel Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Schwindel, hohe Lichtempfindlichkeit oder Erbrechen.
Ein alarmierendes Anzeichen, die Nackensteifigkeit, deutet jedoch auf eine schwerwiegende Erkrankung, die Gehirnhautentzündung, hin – auch, dass sich der Krankheitsverlauf dann innerhalb kürzester Zeit erheblich verschlechtert. Da es hierbei zu extrem schweren Verläufen kommen kann, ist auch die Sterblichkeitsrate relativ hoch. Entsprechend wichtig für eine erfolgreiche Heilung ist daher eine frühzeitige Erkennung der durch Meningokokken ausgelösten Krankheitsformen.
Einen verlässlichen Schutz bieten sowohl Impfstoffe, als auch Antibiotika, das engen Kontaktpersonen von Erkrankten verabreicht wird. Wer von einer Infektion, die durch Meningokokken ausgelöst wird, betroffen ist, kann sowohl an einer Gehirnhautentzündung, medizinisch Meningoenzephalitis, als auch an einer Blutvergiftung, der Sepsis, erkranken. Säuglinge, Kleinkinder und Jugendliche sind insbesondere in den Wintermonaten und im Frühjahr gefährdet, an Meningokokken zu erkranken.
Überträger der Krankheiten können Menschen aller Altersgruppen sein, da die Erreger zeitweise im Rachen vorhanden sein können, wo sie jedoch meist vom körpereigenen Immunsystem in Schach gehalten werden. Weshalb die Erreger, die für die meisten Menschen keine Bedrohung darstellen, in Einzelfällen zu schweren Erkrankungen führen können, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt.
Es wird vermutet, dass ein geschwächtes Immunsystem den Ausbruch einer von Meningokokken verursachten Krankheit begünstigen kann, daher zählen auch Kinder unter 5 Jahren zu den besonders gefährdeten Personengruppen. Außerhalb des menschlichen Körpers verlieren die Meningokokken jedoch innerhalb kürzester Zeit an Kraft.
Biologische Eigenschaften
Meningokokken (Neisseria meningitidis) sind gramnegative, kapseltragende Diplokokken und gehören zur Familie Neisseriaceae. Sie sind streng humanpathogen und besiedeln bevorzugt die Schleimhäute des Nasen-Rachen-Raums. Taxonomisch gehören sie zur Gattung Neisseria, zu der auch Neisseria gonorrhoeae zählt.
Meningokokken sind aerobe Bakterien, die sich durch ihre Bohnenform und paarweise Anordnung auszeichnen. Ihre Zellwand enthält Lipooligosaccharide (LOS), die als Endotoxine wirken und eine starke Immunantwort auslösen. Sie besitzen eine Polysaccharid-Kapsel, die sie in 13 Serogruppen (z. B. A, B, C, W, Y, X) unterteilt, von denen einige besonders virulent sind.
Für ihr Wachstum benötigen Meningokokken kohlenstoffreiche Medien, wie Schokoladenagar, und einen erhöhten CO₂-Gehalt (5–10 %). Sie sind empfindlich gegenüber Umwelteinflüssen und außerhalb des Wirts nur begrenzt überlebensfähig.
Das Genom von N. meningitidis besteht aus einem zirkulären Chromosom mit etwa 2,2 Millionen Basenpaaren. Es weist eine hohe genetische Variabilität auf, bedingt durch horizontalen Gentransfer, insbesondere über Transformationsmechanismen. Diese genetische Plastizität ermöglicht die schnelle Anpassung an das Immunsystem des Wirts und erschwert die Impfstoffentwicklung. Besonders problematisch ist die Fähigkeit zur Phasenvariation, die eine Veränderung der Oberflächenproteine erlaubt und so eine Immunflucht begünstigt.
Vorkommen & Verbreitung
Meningokokken kommen ausschließlich beim Menschen vor und besiedeln vor allem die Schleimhäute des Nasen-Rachen-Raums. Sie gehören zur normalen Mikrobiota der oberen Atemwege und werden bei etwa 5–10 % der gesunden Bevölkerung nachgewiesen, ohne eine Erkrankung auszulösen. Diese asymptomatische Besiedlung dient als wichtiges Reservoir für die Übertragung.
Die Übertragung erfolgt hauptsächlich über [[Tröpfcheninfektion] oder engen direkten Kontakt, etwa durch Husten, Niesen oder Küssen. Besonders in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kasernen oder Studentenwohnheimen steigt das Ansteckungsrisiko. Die Bakterien können sich schnell ausbreiten, insbesondere in Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte.
In der Umwelt überleben Meningokokken nur kurz, da sie empfindlich gegenüber Austrocknung, UV-Strahlung und Temperaturschwankungen sind. Daher spielen sie in externen Ökosystemen kaum eine Rolle und gelten als streng humanadaptierte Pathogene.
Geografisch treten Meningokokken-Infektionen weltweit auf, wobei Epidemien vor allem in der sogenannten Meningitis-Gürtel-Region Afrikas (Subsahara-Zone) besonders häufig sind. In diesen Gebieten führen klimatische Bedingungen, wie Trockenheit und Staubbelastung, sowie eine hohe Bevölkerungsdichte zu einem erhöhten Infektionsrisiko. In gemäßigten Klimazonen treten sporadische Fälle oder lokale Ausbrüche auf, häufig durch reisende Infektionsträger.
Krankheiten
Sobald Meningokokken eine der beiden Erkrankungen, Sepsis und Gehirnhautentzündung, auslösen, kann dies zu schwerwiegenden Verläufen führen.
Die durch Meningokokken bedingte Gehirnhautentzündung tritt seltener auf, als eine durch Viren ausgelöste – die bakteriellen Erreger sind dagegen wesentlich gefährlicher, daher wird diese Form der Gehirnhautentzündung auch sofort als Notfall eingestuft. Entscheidend für eine schnelle Genesung der Patienten ist die unverzügliche Behandlung durch einen Arzt mit der entsprechenden Therapie. Bei Babys und Kleinkindern kann eine Erkrankung durch Meningokokken anhand von Apathie, Blässe, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Vorwölbung der Fontanelle, Fieber, Reizbarkeit und Weinen oder Wimmern erkannt werden.
Auch punktförmige, rötliche Hautblutungen können zu den äußeren Anzeichen einer Gehirnhautentzündung gehören. Kommt es zum einzelnen Ausbruch von Meningitis, so kann der Kindergarten- oder Schulbetrieb auch ohne Schließung fortgeführt werden, da auch hier die vorbeugende Behandlung mit Antibiotika Personen mit unmittelbarem Kontakt schützt.
Symptome einer Sepsis können gleichzeitig mit einer Gehirnhautentzündung auftreten, was zu einem schweren, septischen Schock führen kann. Dieser Krankheitsverlauf wird medizinisch als Waterhouse-Friderichsen-Syndrom bezeichnet, der bei Betroffenen bereits im Frühstadium an einem charakteristischen Hautausschlag erkannt werden kann. Auch Blutbläschen, die sich an Füßen und Händen bilden können, zählen zu den äußeren Symptomen einer von Meningokokken ausgelösten Sepsis.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung einer Meningokokken-Infektion muss schnellstmöglich erfolgen, da die Erkrankung, insbesondere die Meningokokken-Meningitis oder Meningokokkensepsis, lebensbedrohlich sein kann. Die Standardtherapie besteht in der Gabe von hochdosierten Beta-Lactam-Antibiotika, insbesondere Ceftriaxon oder Cefotaxim. Diese Cephalosporine der dritten Generation wirken bakterizid und sind gut liquorgängig, was entscheidend für die Behandlung einer bakteriellen Meningitis ist. Alternativ kann auch Penicillin G eingesetzt werden, sofern keine Resistenzen vorliegen.
Da Meningokokken-Infektionen hoch ansteckend sind, erhalten enge Kontaktpersonen eine prophylaktische Antibiotikatherapie, meist mit Rifampicin, Ciprofloxacin oder Ceftriaxon, um die weitere Ausbreitung zu verhindern.
Eine zunehmende Herausforderung stellt das Auftreten von antibiotikaresistenten Meningokokken-Stämmen dar. Während Resistenzen gegen Penicillin gelegentlich beobachtet wurden, sind bislang wenige Fälle von Resistenzen gegen Cephalosporine bekannt. Dies macht eine sorgfältige Antibiotikaresistenz-Überwachung erforderlich.
Neue und experimentelle Therapieansätze umfassen bakterienspezifische Phagentherapien, die gezielt gegen Meningokokken wirken, sowie monoklonale Antikörper, die bestimmte bakterielle Oberflächenstrukturen blockieren. Zudem wird an Immunmodulatoren geforscht, die überschießende Immunreaktionen kontrollieren und so das Risiko eines septischen Schocks verringern könnten. Aktuelle Entwicklungen in der RNA-Therapie könnten in Zukunft neue Behandlungsstrategien ermöglichen.
Impfungen gegen Meningokokken: Schutz und Herausforderungen
Die Impfung gegen Meningokokken ist die wichtigste Maßnahme zur Prävention schwerwiegender Infektionen wie Meningitis und Sepsis. Es gibt mehrere Impfstoffe, die gegen unterschiedliche Meningokokken-Serogruppen gerichtet sind. Besonders gefährlich sind die Serogruppen A, B, C, W und Y, die weltweit für die meisten Krankheitsfälle verantwortlich sind.
Die konjugierten Polysaccharid-Impfstoffe gegen die Serogruppen A, C, W und Y sind besonders wirksam, da sie nicht nur eine direkte Immunantwort auslösen, sondern auch eine langfristige Gedächtnisreaktion im Immunsystem bewirken. Diese Impfstoffe werden in vielen Ländern als Standardimpfung für Kleinkinder, Jugendliche und Reisende in Hochrisikogebiete empfohlen.
Die Impfung gegen Meningokokken B stellt eine besondere Herausforderung dar, da die Polysaccharid-Kapsel dieser Serogruppe dem körpereigenen Gewebe ähnelt und daher schwer als fremd erkannt wird. Erst in den letzten Jahren wurden proteinbasierte Impfstoffe entwickelt, die gegen bestimmte Oberflächenproteine der Bakterien gerichtet sind. Diese Impfstoffe, wie Bexsero und Trumenba, bieten Schutz gegen die meisten, aber nicht alle Stämme von Meningokokken B.
Trotz der Wirksamkeit dieser Impfstoffe gibt es Herausforderungen. Meningokokken weisen eine hohe genetische Variabilität auf, was die Entwicklung universeller Impfstoffe erschwert. Zudem gibt es Serogruppen, gegen die bisher keine breit verfügbaren Impfstoffe existieren, wie z. B. Serogruppe X, die in bestimmten Regionen Afrikas gehäuft auftritt.
Ein weiteres Problem ist die unzureichende Durchimpfungsrate in einigen Ländern. Viele Menschen sind sich der Gefahr durch Meningokokken nicht bewusst, und Impfempfehlungen variieren je nach Land. Während in Deutschland die Impfung gegen Meningokokken C im Rahmen der Standardimpfungen für Kleinkinder vorgesehen ist, sind Impfungen gegen Meningokokken B und die Serogruppen A, W und Y nicht generell für alle verpflichtend, sondern werden nur für bestimmte Risikogruppen empfohlen.
Forschungen konzentrieren sich zunehmend auf die Entwicklung eines universellen Meningokokken-Impfstoffs, der alle Serogruppen abdeckt und eine noch länger anhaltende Immunität bietet. Neue Ansätze nutzen mRNA-Technologien oder breit wirksame Proteinimpfstoffe, die potenziell in der Lage sind, eine noch bessere Immunantwort hervorzurufen. Auch personalisierte Impfstoffe, die auf die individuellen genetischen Eigenschaften des Immunsystems abgestimmt sind, könnten in Zukunft eine Rolle spielen.
Quellen
- Ableitner, O.: Einführung in die Molekularbiologie. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2018
- Dülligen, M., Kirov, A., Unverricht, H.: Hygiene und medizinische Mikrobiologie. Schattauer, Stuttgart 2016
- Gries, O., Ly, T.: Infektologie - Kompendium humanpathogener Infektionskrankheiten und Erreger. Springer, Berlin 2019