Gebärmutterspiegelung

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 26. März 2025
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Gebärmutterspiegelung (med. Hysteroskopie) ermöglicht dem Gynäkologen eine äußerst aussagekräftige Inspektion des Inneren der Gebärmutter. Die einfach durchzuführende und weitgehend komplikationsarme Untersuchungsmethode kann zu diagnostischen Zwecken, bei therapeutischen Eingriffen und zur Optimierung einer Kinderwunschbehandlung eingesetzt werden. Aufgrund des relativ kurzen Eingriffs (je nach Fragestellung zwischen fünf und 60 Minuten), des natürlichen Zugangs durch die Scheide und der kurzen Erholungszeit wird die Gebärmutterspiegelung in dem meisten Fällen ambulant durchgeführt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Gebärmutterspiegelung?

Aufgrund des relativ kurzen Eingriffs, des natürlichen Zugangs durch die Scheide und der kurzen Erholungszeit wird die Gebärmutterspiegelung in dem meisten Fällen ambulant durchgeführt.

Die Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) gehört zu den Standardeingriffen der Gynäkologie und kann – je nach medizinischer Fragestellung – auch mit einer Bauchspiegelung (Laparoskopie) kombiniert werden.

Bei der Gebärmutterspiegelung schiebt der Arzt unter ständiger Sichtkontrolle ein sehr dünnes Röhrchen (Hysteroskop) über die Scheide und durch den Gebärmutterhals direkt in die Gebärmutter hinein, um sie fachgerecht von innen zu beurteilen und dort gegebenenfalls notwendige medizinische Eingriffe vorzubereiten und durchzuführen. Die mit der Lichtquelle verbundene Kamera ermöglicht es dem Gynäkologen, die Struktur und Schleimhaut der Gebärmutter, sowie die Abgänge der Eileiter auf mögliche Veränderungen hin zu beurteilen.

Mit zwei bis fünf, maximal zehn Millimetern ist die Staboptik sehr dünn, so dass oft keine oder nur eine geringe Dehnung von Muttermund beziehungsweise Gebärmutterhals notwendig ist. Die Gebärmutter muss dagegen – zum Beispiel mit einem kohlendioxidhaltigen Gas oder einer sterilen Flüssigkeit – aufgefaltet werden, um bei der Gebärmutterspiegelung eine optimale Sicht und damit die bestmöglichen diagnostischen oder therapeutischen Ergebnisse zu gewährleisten.

Ist kein Zeitdruck vorhanden, sollte der Eingriff aufgrund der günstigeren Sichtverhältnisse in der ersten Zyklushälfte durchgeführt werden. In den meisten Fällen erfolgt die Gebärmutterspiegelung unter einer kurzen Vollnarkose.

Geschichte & Entwicklung

Die Gebärmutterspiegelung, medizinisch als Hysteroskopie bezeichnet, hat ihren Ursprung im 19. Jahrhundert. Erste Versuche, die Gebärmutterhöhle visuell zu inspizieren, wurden bereits um 1869 vom französischen Arzt Pantaleoni unternommen, der ein modifiziertes Zystoskop verwendete, um einen Polypen zu entfernen. Diese frühen Verfahren waren jedoch wegen unzureichender Technik und mangelnder Lichtquellen begrenzt.

Erst mit der Entwicklung besserer optischer Systeme durch den deutschen Arzt Maximilian Nitze im späten 19. Jahrhundert wurde die Endoskopie präziser. Die Hysteroskopie blieb dennoch über Jahrzehnte eine selten angewandte Methode, da das Einführen von Instrumenten in die Gebärmutter als risikoreich galt. In den 1970er Jahren veränderte sich dies grundlegend durch technische Innovationen wie die Verbesserung der Fiberoptik, die Miniaturisierung der Instrumente und die Entwicklung sicherer Distensionsmedien zur Erweiterung der Gebärmutterhöhle.

Durch diese Fortschritte wurde die Hysteroskopie zunehmend als diagnostisches und operatives Verfahren etabliert. In den 1980er und 1990er Jahren gewann sie in der Gynäkologie weltweit an Bedeutung. Seither wird sie erfolgreich zur Abklärung von Blutungsstörungen, zur Entfernung von Myomen oder Polypen und bei Fruchtbarkeitsabklärungen eingesetzt.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die hauptsächlichen Anwendungsgebiete der Gebärmutterspiegelung liegen in der Diagnostik, der Therapie und der Kinderwunschbehandlung. Bei der rein diagnostischen Gebärmutterspiegelung können bestehende Beschwerden oder unklare Sonografiebefunde abgeklärt sowie im Rahmen der Nachsorge der Erfolg von Operationen oder möglicherweise aufgetretene Rezidive von Tumorerkrankungen festgestellt werden.

Durch die ausgezeichnete Sicht können ungeklärte Blutungsursachen, Myome (Muskelknoten), Polypen (Auswüchse der Schleimhaut), bösartige Neubildungen oder Schleimhautveränderungen bei einer Gebärmutterspiegelung mit hoher Sicherheit und darüber hinaus sehr schonend entdeckt werden. Einen besonderen Stellenwert hat die Gebärmutterspiegelung in der Kinderwunschdiagnostik, da eine Vielzahl von möglichen Gründen für eine Unfruchtbarkeit oder häufige Fehlgeburten (beispielsweise ungünstige Bedingungen für die Einnistung des Embryos wie eine angeborene Trennwand oder Blutungsstörungen) erkannt werden.

Bei bestehenden Befunden wird die Gebärmutterspiegelung auch für operative Eingriffe genutzt – häufig in den folgenden Fällen:

  • Abtragung von Myomen, Polypen oder Fehlbildungen sowie die Durchtrennung von angeborenen Trennwänden (Uterusseptum)
  • Ablation des Endometriums (Gebärmutterschleimhaut) bei starker Regelblutung (nur bei nicht mehr vorhandenem Kinderwunsch!). Diese Therapieform kann der Patientin im Erfolgsfall die Entfernung der Gebärmutter ersparen.

Bei einer Vielzahl von diagnostischen und operativen Eingriffen ist die Gebärmutterspiegelung mit der Entnahme von Gewebeproben für eine nachfolgende histologische Untersuchung verknüpft.


Einsatz & Indikation

Eine Gebärmutterspiegelung wird durchgeführt, um die Gebärmutterhöhle und den Gebärmutterhals von innen zu beurteilen. Sie kommt sowohl zu diagnostischen als auch zu therapeutischen Zwecken zum Einsatz. Häufige Gründe für eine Hysteroskopie sind unklare oder starke Blutungen, insbesondere außerhalb der Menstruation oder nach den Wechseljahren. Auch bei unerfülltem Kinderwunsch oder wiederholten Fehlgeburten kann sie notwendig sein, um mögliche strukturelle Veränderungen wie Polypen, Myome, Verwachsungen oder eine Gebärmutterseptum zu erkennen.

Darüber hinaus wird die Hysteroskopie eingesetzt, wenn Ultraschalluntersuchungen auffällige Befunde zeigen, die weiterer Abklärung bedürfen. In solchen Fällen erlaubt die direkte Sichtkontrolle eine präzisere Diagnose. Therapeutisch dient die Gebärmutterspiegelung zur Entfernung kleiner gutartiger Veränderungen, zur Behandlung von Verwachsungen (Asherman-Syndrom) oder zur Entfernung von Geweberesten nach Fehlgeburten.

Auch zur Abklärung von Zyklusstörungen bei Frauen unter Hormontherapie oder zur Kontrolle nach operativen Eingriffen an der Gebärmutter kann sie angezeigt sein. In der Regel wird der Eingriff ambulant durchgeführt und ist minimalinvasiv, was ihn zu einem schonenden Verfahren mit schneller Genesung macht.

Vorteile & Nutzen

Die Gebärmutterspiegelung bietet gegenüber anderen diagnostischen und therapeutischen Verfahren in der Gynäkologie mehrere bedeutende Vorteile. Einer der größten Vorteile ist die Möglichkeit der direkten Sicht auf die Gebärmutterhöhle. Im Gegensatz zu bildgebenden Verfahren wie dem Ultraschall erlaubt die Hysteroskopie eine exakte Beurteilung der Schleimhaut und möglicher Veränderungen wie Polypen, Myome oder Verwachsungen. Dadurch können Auffälligkeiten nicht nur erkannt, sondern oft sofort behandelt werden – beispielsweise durch die Entfernung von Gewebe oder die Korrektur anatomischer Besonderheiten.

Ein weiterer Vorteil ist die hohe Präzision und Aussagekraft der Methode. Unspezifische Befunde im Ultraschall können mithilfe der Hysteroskopie eindeutig eingeordnet werden. Zudem ist sie minimalinvasiv, was bedeutet, dass kein Bauchschnitt erforderlich ist. Die meisten Eingriffe können ambulant durchgeführt werden, oft ohne Vollnarkose, und mit einer sehr kurzen Erholungszeit.

Im Vergleich zur Ausschabung (Kürettage), die "blind" erfolgt, ermöglicht die Gebärmutterspiegelung eine gezielte und schonende Behandlung. Dadurch wird das Risiko von Verletzungen und Komplikationen reduziert. Besonders in der Reproduktionsmedizin ist sie ein wertvolles Instrument, um Ursachen für Unfruchtbarkeit oder wiederholte Fehlgeburten aufzudecken und zu behandeln.

Durchführung & Ablauf

Der Ablauf einer Gebärmutterspiegelung, auch Hysteroskopie genannt, ist in der Regel unkompliziert und kann ambulant durchgeführt werden. Vor dem Eingriff erfolgt ein ausführliches Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt, bei dem über den Ablauf, mögliche Risiken und die Narkoseform informiert wird. Die Untersuchung wird meist in der ersten Zyklushälfte durchgeführt, wenn die Gebärmutterschleimhaut noch dünn ist und der Blick ins Innere am besten möglich ist.

Zu Beginn des Eingriffs wird ein dünnes, optisches Instrument – das Hysteroskop – durch die Scheide und den Gebärmutterhals in die Gebärmutterhöhle eingeführt. Um diese besser sichtbar zu machen, wird ein steriles Gas (meist Kohlendioxid) oder eine Flüssigkeit (z. B. Kochsalzlösung) eingebracht, die die Gebärmutter dehnt. Über eine Kamera am Hysteroskop wird das Innere der Gebärmutter auf einen Monitor übertragen.

Je nach Ziel des Eingriffs können nun Auffälligkeiten begutachtet oder direkt behandelt werden – etwa durch feine Instrumente, die durch das Hysteroskop eingeführt werden. Der gesamte Eingriff dauert meist nur 10 bis 30 Minuten. Nach einer kurzen Erholungszeit kann die Patientin in der Regel noch am selben Tag nach Hause gehen.

Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Die Gebärmutterspiegelung ist ein sehr schonender und in den meisten Fällen komplikationsarmer Eingriff. Stärkere Blutungen kommen gelegentlich bei operativen Gebärmutterspiegelungen vor und können mithilfe eines Katheters meist gut beherrscht werden.

Äußerst gering ist die Gefahr, dass mit dem Hysteroskop die Wand des Uterus durchstoßen wird, da von Beginn des Eingriffs an unter ständiger Sichtkontrolle gearbeitet wird. Das Risiko einer Infektion ist bei Gebärmutterspiegelungen aufgrund der sterilen Operationsbedingungen sehr klein. Die Gefahr von Infektionen nach der Operation kann durch bewusstes Verhalten der Patientin (Verzicht auf Tampons, Schwimmbad und Geschlechtsverkehr während der Phase des Abheilens) deutlich minimiert werden.

Normale Nachwirkungen der Gebärmutterspiegelung sind ein menstruationsähnliches Ziehen im Unterbauch, leichte Wundblutungen sowie eine Schläfrigkeit als Folge der Narkose.

Wichtig: Jeder Hysteroskopie muss ein umfassendes Aufklärungsgespräch sowie eine gründliche Untersuchung vorausgehen. Bei einer Schwangerschaft, einer Krebserkrankung von Gebärmutterhals oder Gebärmutter (auch beim dringenden Verdacht darauf) oder einer akuten Infektion sollte keine Gebärmutterspiegelung durchgeführt werden.

Alternativen

Falls eine Gebärmutterspiegelung nicht möglich oder nicht gewünscht ist, stehen mehrere alternative Verfahren zur Verfügung, die zur Untersuchung der Gebärmutter eingesetzt werden können. Eine der häufigsten Methoden ist die transvaginale Ultraschalluntersuchung. Sie ist schmerzfrei, nicht-invasiv und liefert gute Informationen über die Gebärmutterstruktur, die Schleimhaut und eventuelle Raumforderungen wie Myome oder Polypen. Allerdings ist ihre Aussagekraft bei bestimmten Veränderungen begrenzt, da keine direkte Sicht auf die Gebärmutterhöhle möglich ist.

Eine weitere Alternative ist die sogenannte Sonohysterographie (auch Hydrosonografie), bei der während des Ultraschalls eine sterile Flüssigkeit über einen dünnen Katheter in die Gebärmutter eingebracht wird. Dies verbessert die Darstellung der Schleimhaut und möglicher Veränderungen. Auch dieses Verfahren ist weniger invasiv als eine Hysteroskopie, kann aber bei Verwachsungen oder bestimmten anatomischen Besonderheiten ungenau sein.

In seltenen Fällen kann eine diagnostische Ausschabung (Kürettage) vorgenommen werden. Sie erfolgt meist unter Narkose, ist jedoch eine „blinde“ Methode, bei der Gewebe ohne direkte Sicht entnommen wird. Bei bestimmten Patientinnen, etwa mit stark verengtem Gebärmutterhals oder akuten Infektionen, kann eine Hysteroskopie schwierig oder kontraindiziert sein – in solchen Fällen sind die genannten Alternativen eine sinnvolle Option.

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie. Urban & Fischer, München 2003
  • Kaufmann, M., Costa, S.-D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie. Springer, Berlin 2013

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