Kardioversion
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Als Kardioversion wird die Wiederherstellung eines normalen Sinusrhythmus und normaler Frequenz bei Vorliegen einer gravierenden Herzrhythmusstörung bezeichnet. In der weit überwiegenden Zahl der Fälle soll durch die Kardioversion ein Vorhofflimmern mit einer Kammerfrequenz von über 100 Schlägen pro Minute und einer spürbaren Leistungseinbuße behoben werden. Grundsätzlich kann die Kardioversion medikamentös oder über die Abgabe eines Stromstoßes – ähnlich dem eines Defibrillators – erfolgen.
Was ist die Kardioversion?
Unter Kardioversion versteht man die qualitative und quantitative Konversion des Herzrhythmus bei einer anhaltenden (persistierenden) Rhythmusstörung in einen normalen Sinusrhythmus mit einer Frequenz innerhalb des Normbereichs von etwa 60 bis 100 Schlägen pro Minute ohne körperliche Belastung. Prinzipiell kann die Kardioversion medikamentös oder per Stromstoß erfolgen; der elektrischen Variante wird häufig der Vorzug gegeben, weil sie in den meisten Fällen die höhere Erfolgsquote bietet und es seltener zu einem Rückfall in die Arrhythmie kommt.
Im Erfolgsfall stellt sich bei der Elektrokardioversion (ECV) unmittelbar nach dem Stromstoß ein (normaler) Sinusrhythmus ein. Persistierende Rhythmusstörungen in Form eines Vorhofflimmerns kommen vor allem bei Menschen über 60 Jahren vor; Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Das Vorhofflimmern mit einer Kammerfrequenz über 100 Schlägen pro Minute ist in der Regel nicht unmittelbar lebensbedrohlich, darf aber nicht mit dem sogenannten Kammerflimmern verwechselt werden, das unmittelbar lebensbedrohend ist. Falls für die Arrhythmie oder das Vorhofflimmern keine organischen Ursachen wie Herzklappenfehler oder Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche) erkennbar sind, sind die Erfolgsaussichten einer Kardioversion besonders hoch.
Funktion, Wirkung & Ziele
Als Vorhofflimmern wird ein arrhythmisches und ungeordnetes Schlagen der Vorhöfe bezeichnet, das unregelmäßig auf die Herzkammern übergeleitet wird und dort häufig zu einer Frequenz von über 100 bis teilweise 150 Schlägen pro Minute führt. Falls das Auswurfvolumen der Vorhöfe durch die ungeordneten Kontraktionen beeinträchtigt wird, kommt es zu spürbaren Leistungseinbußen, so dass die Wiederherstellung des Sinusrhythmus für den Patienten eine spürbare Verbesserung seines Befindens bewirkt. Die Elektrokardioversion, die unter Kurznarkose durchgeführt wird, hat gegenüber dem Versuch einer medikamentösen Herzrhythmusumwandlung je nach Art der Rhythmusstörung den Vorteil der höheren und anhaltenderen Erfolgsquote.
Die ECV ist vergleichbar mit der Wirkung eines Defibrillators, weil auch bei der Elektrokardioversion mit Gleichstrom gearbeitet wird. Der Hauptunterschied besteht darin, dass man bei der ECV mit einer geringeren Energie (50 bis 100 Joule) auskommt und dass der Zeitpunkt des Elektroschocks durch das EKG gesteuert wird. Der Schock wird mit der R-Zacke des EKG synchronisiert abgegeben, damit er nicht in die empfindliche Phase der Herzerregung fällt. Das Verfahren erhöht die Erfolgsaussichten, das Herz in einen anhaltenden Sinusrhythmus zu konvertieren und minimiert die Gefahr eines Kammerflimmerns. Falls die Rhythmusstörung bereits länger als 48 Stunden vor der Konversion bestanden hat, muss vorher abgeklärt werden, ob sich evtl. Blutgerinnsel (Thromben) in den Vorhöfen gebildet haben, die durch Verschleppung in die Blutbahn eine Embolie oder einen Schlaganfall verursachen können.
Ein evtl. vorhandener Vorhofthrombus kann über eine transösophageale Echokardiographie (TEE) festgestellt werden. Hierzu wird eine Ultraschallsonde über den Mund in die Speiseröhre eingeführt. Die Echos werden an einen Monitor gesendet. Das TEE liefert auch Hinweise über die Funktionstüchtigkeit der Herzklappen und die Beschaffenheit der Herzmuskulatur (Myokard). Insbesondere interessiert, ob evtl. eine Verdickung (Hypertrophierung) vorliegt, die längerfristig zu einer Insuffizienz führen kann. Es wird empfohlen, vor und nach der Kardioversion – auch bei der medikamentösen Kardioversion – Gerinnungshemmer einzunehmen. In beiden Fällen sollte der wiederhergestellte Sinusrhythmus über längere Zeit medikamentös unterstützt werden.
Meist werden auch blutdrucksenkende Medikamente benötigt, weil z. B. das Vorhofflimmern häufig durch eine über einen langen Zeitraum bestehende Hypertonie ausgelöst wird. Bei Vorliegen definierter Arrhythmien kann die sogenannte Katheterablation als Alternative für die elektrische oder medikamentöse Konversion in Betracht kommen, bei der ein oder mehrere Katheter durch Venen in der Leiste bis in den linken Vorhof geschoben werden und gezielt Zellen im linken Vorhof, die für die Arrhythmie verantwortlich sind, zerstört bzw. ihrer Leitfähigkeit beraubt werden.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Falls die Thromben ein Gehirngefäß verschließen, kommt es zum Schlaganfall mit entsprechenden Symptomen und Ausfallerscheinungen. Dieses Risiko wird durch die vorher durchgeführte TEE und die Gabe von Gerinnungshemmern deutlich verringert, aber nicht vollständig ausgeschlossen. Bei der medikamentösen Konversion besteht zusätzlich das Risiko schädlicher Nebenwirkungen der Medikamente, die für bestimmte Patientengruppen mit Vorschädigungen wie Insuffizienz des Myokards oder der Herzklappen durchaus gravierend sein können und ernsthaft beachtet werden müssen. Bei einer elektrischen Kardioversion besteht zusätzlich ein geringes Narkoserisiko aufgrund der notwendigen Kurzzeitnarkose. Auch kann sich eine vorübergehende Hautrötung an den Kontaktstellen der Elektroden mit der Haut einstellen.
Verbrennungserscheinungen an den Kontaktstellen treten extrem selten auf. Häufiger sind harmlose muskelkaterartige Symptome im Bereich der Brustmuskulatur, die nach wenigen Tagen wieder verschwinden. Wegen der prophylaktischen Einnahme von Gerinnungshemmern zur Vorbeugung vor Schlaganfall und Embolien kann es in seltenen Fällen bei inneren oder äußeren Verletzungen zu schweren Blutungen kommen.
Vorbereitung und Durchführung der elektrischen Kardioversion
Die elektrische Kardioversion ist ein geplanter Eingriff und wird entsprechend vorbereitet. Weil sie in einer kurzen Narkose erfolgt, muss der Patient nüchtern erscheinen. Vorher werden ein Elektrokardiogramm geschrieben und Blutwerte bestimmt, darunter die Elektrolyte – insbesondere Kalium – und die Schilddrüsenwerte, da eine Schilddrüsenüberfunktion eine Herzrhythmusstörung auslösen oder unterhalten kann. Geprüft wird außerdem, ob die Gerinnungshemmung im erforderlichen Umfang eingenommen wurde. Eine Echokardiographie gibt Auskunft über Herzklappen, Herzmuskel und Vorhofgröße.
Für den Eingriff selbst wird ein Zugang in eine Vene gelegt. Überwacht werden fortlaufend das Elektrokardiogramm, der Blutdruck und die Sauerstoffsättigung. Zwei großflächige Klebeelektroden werden auf den Brustkorb aufgebracht, entweder vorn und hinten oder vorn und seitlich; entscheidend ist, dass der Stromfluss möglichst weitgehend durch das Herz verläuft. Anschließend wird eine kurze Narkose eingeleitet, sodass der Patient von der Schockabgabe selbst nichts bemerkt. Diese dauert nur den Bruchteil einer Sekunde.
Die abgegebene Energie wird in Joule angegeben. Joule ist eine Einheit der Energie und keine Angabe zur Stromstärke – ein Punkt, der in Darstellungen des Verfahrens häufig verwechselt wird. Bleibt die Rhythmusstörung nach dem ersten Versuch bestehen, kann mit höherer Energie oder veränderter Elektrodenlage ein weiterer Versuch unternommen werden. Nach dem Eingriff wird der Patient bis zum vollständigen Abklingen der Narkose überwacht; das Elektrokardiogramm wird dabei über einen längeren Zeitraum weiter aufgezeichnet. Am Tag des Eingriffs darf wegen der Narkose kein Fahrzeug geführt werden.
Die medikamentöse Kardioversion
Bei der medikamentösen Variante wird der Sinusrhythmus nicht durch einen Stromstoß, sondern mit Antiarrhythmika wiederhergestellt. Ihr Vorteil liegt darin, dass keine Narkose nötig ist. Ihre Erfolgsaussicht ist allerdings geringer, sie tritt nicht sofort ein, und sie fällt umso besser aus, je kürzer die Rhythmusstörung besteht: Ein erst seit Kurzem bestehendes Vorhofflimmern lässt sich auf diesem Weg deutlich eher beenden als ein seit Monaten anhaltendes.
Welcher Wirkstoff infrage kommt, hängt vor allem davon ab, ob das Herz strukturell vorgeschädigt ist. Liegen eine Herzinsuffizienz, ein durchgemachter Herzinfarkt oder ein bedeutsamer Herzklappenfehler vor, scheiden bestimmte Wirkstoffgruppen aus, weil sie in dieser Situation selbst gefährliche Rhythmusstörungen auslösen können. Diese sogenannte proarrhythmische Wirkung ist das wesentliche Risiko der medikamentösen Kardioversion. Aus diesem Grund wird die erste Gabe eines solchen Mittels häufig unter Überwachung im Krankenhaus vorgenommen, damit das Elektrokardiogramm fortlaufend beurteilt werden kann.
Von der Wiederherstellung des Rhythmus zu unterscheiden ist die reine Frequenzkontrolle. Dabei wird nicht versucht, das Vorhofflimmern zu beenden; stattdessen wird mit Wirkstoffgruppen wie den Betablockern lediglich die Überleitung auf die Herzkammern gebremst, sodass die Kammerfrequenz sinkt und die Beschwerden nachlassen. Welcher der beiden Wege gewählt wird, richtet sich unter anderem nach Beschwerden, Alter, Begleiterkrankungen und der Dauer der Rhythmusstörung.
Gerinnungshemmung rund um den Eingriff
Die Gerinnungshemmung ist der sicherheitsentscheidende Teil der Behandlung, und zwar unabhängig davon, ob elektrisch oder medikamentös konvertiert wird. Der Grund liegt in der Entstehung der Gerinnsel: Weil die Vorhöfe beim Vorhofflimmern nicht mehr geordnet auswerfen, kann Blut in ihnen liegen bleiben und verklumpen. Beendet man das Flimmern, nimmt der Vorhof seine Auswurftätigkeit wieder auf und kann ein bereits vorhandenes Gerinnsel mit fortschwemmen.
Deshalb gilt die weiter oben genannte Grenze von 48 Stunden als Wegscheide: Besteht die Rhythmusstörung nachweislich kürzer, ist die Gefahr eines bereits gebildeten Gerinnsels gering. Ist sie länger oder – was häufiger vorkommt – von unbekannter Dauer, wird entweder über einen ausreichenden Zeitraum vorher gerinnungshemmend behandelt oder der Vorhof zuvor mit der Schluckechokardiographie eingesehen.
Wenig bekannt ist, dass die Gefahr mit dem gelungenen Eingriff nicht endet. Der Vorhof erlangt seine mechanische Pumpleistung erst nach und nach zurück, obwohl das Elektrokardiogramm bereits einen normalen Sinusrhythmus zeigt. In dieser Phase können sich weiterhin Gerinnsel bilden. Die Gerinnungshemmung wird daher über den Eingriff hinaus für einen ärztlich festgelegten Zeitraum fortgeführt. Ob sie darüber hinaus dauerhaft notwendig ist, richtet sich nicht nach dem Erfolg der Kardioversion, sondern nach dem individuellen Risiko für einen Schlaganfall, das anhand von Begleiterkrankungen und Alter abgeschätzt wird. Ein Patient mit hohem Risiko benötigt sie deshalb auch dann weiter, wenn der Sinusrhythmus stabil erscheint.
Wann eine Kardioversion nicht infrage kommt
Nicht jede anhaltende Rhythmusstörung wird konvertiert. Ist ein Gerinnsel im Vorhof nachgewiesen, wird der Eingriff verschoben, bis es sich unter Gerinnungshemmung zurückgebildet hat. Auch eine unbehandelte Hyperthyreose, eine ausgeprägte Störung des Kalium- oder Magnesiumhaushalts oder eine akute Erkrankung wie ein fieberhafter Infekt sprechen gegen den Eingriff, weil die zugrunde liegende Ursache dann zuerst zu behandeln ist. Beruht die hohe Frequenz auf einer Blutarmut, einer Infektion oder einer Überfunktion der Schilddrüse, wäre eine Konversion ohnehin nicht von Dauer.
Gegen den Versuch spricht ferner eine geringe Aussicht auf einen anhaltenden Erfolg. Sie ist unter anderem dann zu erwarten, wenn die Rhythmusstörung schon sehr lange besteht, wenn die Vorhöfe stark vergrößert sind oder wenn frühere Konversionen jeweils nur kurz gehalten haben. In solchen Fällen wird eher die Frequenzkontrolle gewählt. Auch der Wunsch des Patienten und die Frage, wie stark er unter der Rhythmusstörung überhaupt leidet, gehen in die Entscheidung ein: Wer beschwerdefrei ist, hat von der Wiederherstellung des Sinusrhythmus wenig zu erwarten.
Nach dem Eingriff und im weiteren Verlauf
Eine gelungene Kardioversion beseitigt die Rhythmusstörung, nicht deren Ursache. Rückfälle sind daher häufig, und zwar besonders in den ersten Wochen. Aus diesem Grund gehört zur Behandlung, dass die begünstigenden Faktoren angegangen werden. Dazu zählen der Bluthochdruck, eine Schlafapnoe, deutliches Übergewicht, eine Alkoholabhängigkeit oder auch nur regelmäßiger Alkoholkonsum sowie eine Schilddrüsenfunktionsstörung. Häufig wird der wiederhergestellte Rhythmus zusätzlich medikamentös gestützt.
Kontrolliert wird der Verlauf mit dem Elektrokardiogramm, oft ergänzt durch eine Langzeitaufzeichnung. Diese ist deshalb wichtig, weil ein erneutes Vorhofflimmern nicht immer zu spüren ist; ein beschwerdefreier Patient kann also durchaus wieder flimmern. Genau deshalb wird die Entscheidung über die Gerinnungshemmung nicht davon abhängig gemacht, wie der Patient seinen Herzschlag empfindet. Auf Anzeichen wie Herzstolpern, plötzliche Atemnot, Schwindel oder eine Synkope sollte ärztlich reagiert werden.
Kehrt die Rhythmusstörung wiederholt zurück, kann eine Kardioversion mehrfach durchgeführt werden. Als weitergehende Möglichkeit kommt bei geeigneten Patienten die Verödung der auslösenden Bereiche über einen Herzkatheter in Betracht, die im kardiologischen Fachgebiet als eigenständiges Verfahren gilt.
Abgrenzung zur Defibrillation
Kardioversion und Defibrillation werden im Sprachgebrauch häufig verwechselt, unterscheiden sich aber in nahezu jeder Hinsicht. Die Defibrillation ist eine Notfallmaßnahme bei Kammerflimmern oder einer Kammertachykardie ohne tastbaren Puls. Der Betroffene ist dabei bewusstlos und hat keinen wirksamen Kreislauf; die Maßnahme ist Teil der Reanimation, sie wird sofort und ohne Narkose durchgeführt, und der Schock wird ungesteuert abgegeben, weil es im Kammerflimmern keine verwertbare Herzaktion gibt, auf die man ihn abstimmen könnte.
Die Kardioversion dagegen richtet sich an einen ansprechbaren Patienten mit erhaltenem Kreislauf. Der Schock wird auf die R-Zacke des Elektrokardiogramms abgestimmt, damit er nicht in die verletzliche Phase der Erregungsrückbildung fällt – geschähe das, könnte gerade dadurch ein Kammerflimmern ausgelöst werden. Auch die benötigte Energie ist geringer als bei der Defibrillation.
Der Unterschied erklärt zugleich, warum die beiden Zustände im Vorfeld sorgfältig auseinandergehalten werden müssen. Beim Vorhofflimmern schlagen die Vorhöfe ungeordnet mit etwa 350 bis 600 Erregungen je Minute; davon wird jedoch nur ein Bruchteil auf die Herzkammern übergeleitet, weil der Übergang zwischen Vorhof und Kammer wie ein Filter wirkt. Die Kammern schlagen deshalb sehr viel langsamer als die Vorhöfe, und das Herz wirft weiterhin Blut aus – unregelmäßig und weniger wirksam, aber ausreichend für einen Kreislauf. Beim Kammerflimmern dagegen zittert die Herzkammer selbst, es wird kein Blut mehr ausgeworfen, und ohne sofortige Behandlung führt der Zustand binnen Minuten zum Tod.
Quellen
- Marx, N., Erdmann, E. (Hrsg.): Klinische Kardiologie.
ISBN: 9783662629314
- Pinger, S.: Repetitorium Kardiologie.
ISBN: 9783769136876
- Nickenig, G. (Hrsg.): Therapie-Handbuch Kardiologie.
ISBN: 9783437210037
- Ziegenfuß, T.: Notfallmedizin.
ISBN: 9783662703977
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
