Transösophageale Echokardiographie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 5. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei der Transösophagealen Echokardiographie (TEE) wird ein Echokardiogramm des Herzens durch die Speiseröhre durchgeführt. Die Untersuchung ist umgangssprachlich auch als Schluck-Echo bekannt. Die transösophageale Echokardiographie kommt zum Einsatz, wenn mittels der von außen durchgeführten Echokardiographie des Herzens bestimmte Strukturen im Herzen nicht ausreichend dargestellt werden können.
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Was ist die Transösophageale Echokardiographie?
Vor der Untersuchung wird je nach Wunsch des Patienten eine örtliche Betäubung des Rachens durchgeführt, da das Einführen des Schlauches in die Speiseröhre als unangenehm empfunden werden kann. Für die TEE muss der Patient einen Schallkopf schlucken. Dieser ist an einem biegsamen Schlauch befestigt, sodass eine Rotation des Schallkopfes um 180° möglich ist. Über die Speiseröhre wird das Gerät in der Nähe des Herzens platziert.
Dort sendet der Schallkopf Ultraschallwellen aus. Diese werden von den unterschiedlichen Gewebestrukturen des Herzens verschieden stark reflektiert. Diese reflektierten Ultraschallwellen werden vom Schallkopf wieder registriert und durch komplexe Rechenvorgänge im Computer des Ultraschallgeräts zu Bildern der Herzstrukturen zusammengesetzt. Dabei gibt es verschiedene bildliche Darstellungsmöglichkeiten. Am geläufigsten ist die B-Bild-Methode, bei der das Herz und seine Strukturen zweidimensional dargestellt werden. Mit dem sogenannten Dopplerverfahren kann sogar der Blutfluss im Herzen beurteilt und somit auch eventuell vorhandene Klappenfehler oder Gefäßverengungen diagnostiziert werden.
Der Vorteil des Zugangs über die Speiseröhre ist zugleich ein physikalischer. Ultraschall verliert an Auflösung, je weiter er in das Gewebe eindringt, und je höher die gewählte Frequenz ist, desto geringer ist seine Reichweite bei zugleich schärferem Bild. Weil der Schallkopf in der Speiseröhre nur wenige Zentimeter vom Herzen entfernt liegt, lässt sich hier mit höheren Frequenzen arbeiten als von der Brustwand aus. Das Ergebnis sind feinere Bilder von Strukturen, die von außen nur zu erahnen sind – etwa von den Segeln der Herzklappen, von Auflagerungen auf ihnen oder von den Nähten einer künstlichen Klappe.
Das Gerät selbst ähnelt einem Endoskop, wie es auch bei der Magenspiegelung verwendet wird; an seiner Spitze sitzt statt der Optik der Schallkopf. Über Rädchen am Griff lässt sich die Spitze abwinkeln, zusätzlich lässt sich die Schallebene elektronisch drehen, sodass der Untersucher das Herz aus zahlreichen Blickwinkeln betrachten kann, ohne die Sonde selbst zu bewegen. Neuere Geräte erzeugen daraus auch räumliche Darstellungen, die vor allem bei der Beurteilung der Klappen und bei der Steuerung von Kathetereingriffen genutzt werden.
Von der Untersuchung durch die Brustwand unterscheidet sich die TEE damit nicht im Prinzip, sondern im Zugangsweg. Beide arbeiten mit Ultraschall und kommen ohne Röntgenstrahlen aus, sodass sie auch wiederholt und in der Schwangerschaft eingesetzt werden können. Die Untersuchung durch die Brustwand bleibt jedoch das erste Verfahren: Sie belastet den Patienten nicht, ist überall verfügbar und beantwortet die meisten Fragen. Die TEE tritt hinzu, wenn diese Antworten nicht ausreichen.
Der Name des Verfahrens sagt genau das: trans für hindurch, ösophageal für die Speiseröhre. Im englischsprachigen Schrifttum begegnen beide Schreibweisen der Abkürzung, TEE und TOE, je nachdem ob die amerikanische oder die britische Schreibung des Wortes für die Speiseröhre zugrunde liegt; gemeint ist dieselbe Untersuchung.
Auch die Belastung durch die Untersuchung ist eine andere als bei der Untersuchung von außen. Jene ist schmerzfrei und ohne Vorbereitung möglich; die TEE dagegen setzt Nüchternheit voraus, häufig eine Betäubung des Rachens und in vielen Fällen ein beruhigendes Mittel. Sie ist damit zwar keine Operation, aber auch keine beiläufige Untersuchung – ein Grund mehr, sie erst dann einzusetzen, wenn ihre Antwort für die Behandlung gebraucht wird.
Funktion, Wirkung & Ziele
Da die Speiseröhre direkt hinter dem Herzen liegt, lassen sich von hier sehr genaue Ultraschallbilder des Herzens ohne störende Zwischenstrukturen wie den Brustkorb, das Lungengewebe oder die Rippen anfertigen. Auf die transösophageale Echokardiographie wird auch bei Artefakten, also möglichen technisch bedingten Darstellungsfehlern, in der transthorakalen Echokardiographie zurückgegriffen. Bei unklarem Befund der Untersuchung durch die Brustwand ist die TEE das genauere Verfahren zur Beurteilung von Herzklappenfehlern. So kann festgestellt werden, ob eine oder mehrere der vier Herzklappen nicht richtig schließen (Herzklappeninsuffizienz) oder durch eine Verengung nicht mehr richtig öffnen.
Hier spricht man von einer Herzklappenstenose. Mit der transösophagealen Echokardiographie kann auch beurteilt werden, ab wann diese Herzklappenfehler nicht mehr medikamentös behandelbar sind, und wann ein operativer Klappenersatz erforderlich ist. Auch erfolgt die Verlaufs- und Funktionskontrolle nach dem Einsatz einer künstlichen Herzklappe mithilfe der TEE. Das Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen und bleibt oft unerkannt. Im Gegensatz zum Kammerflimmern ist das Vorhofflimmern nicht direkt lebensbedrohlich. Durch den Blutstau in den Vorhöfen, die durch das Flimmern nicht mehr kontrahieren, können sich Blutgerinnsel bilden, die sich lösen, über die Arterien ins Gehirn wandern und dort einen Schlaganfall auslösen können.
Um diese Blutgerinnsel im Herzvorhof frühzeitig zu entdecken, wird bei nachgewiesenem Vorhofflimmern auch eine transösophageale Echokardiographie durchgeführt. Besonders wichtig ist dieser Ausschluss vor einer geplanten Kardioversion, also vor der Wiederherstellung des normalen Herzrhythmus. Auch bei einer Endokarditis, also bei einer Entzündung der inneren Herzhaut, ist die TEE Diagnoseverfahren der Wahl. Gleiches gilt für die Diagnose und die Kontrolle von unbehandelten Aortenaneurysmen. Ein Aortenaneurysma ist eine Aussackung der Aorta. Aortenaneurysmen sind oft Zufallsfunde, nur selten verursachen sie Schmerzen.
Die große Gefahr dieser Gefäßaussackungen ist eine Ruptur mit unkontrollierbaren und meist tödlich endenden inneren Blutungen. Ebenso wie die Aortenaneurysmen werden Plaques der Aorta mittels TEE beobachtet. Plaques sind Ablagerungen aus Fetten, Bindegewebe und Kalk in und an den Gefäßwänden der Arterien. Lösen sich diese, können sie je nach Lage ins Gehirn oder andere Organe wandern und dort einen akuten Gefäßverschluss mit drastischen Folgen wie beispielsweise Schlaganfall oder Niereninfarkt verursachen.
Auch Tumore des Herzens oder des Mediastinums (Mittelfellraums) werden mit einer transösophagealen Echokardiographie diagnostiziert. Ein weiteres Einsatzgebiet des Diagnoseverfahrens ist die frühzeitige Erkennung von Mangeldurchblutungen des Herzgewebes. Diese Minderdurchblutungen entstehen vor allem durch verengte Herzkranzgefäße und bergen das Risiko eines Gewebesterbens, also eines Herzinfarkts, mit der Folge der Herzinsuffizienz.
Dass sich Blutgerinnsel im Vorhof dem Blick von außen entziehen, liegt an ihrem bevorzugten Entstehungsort. Sie bilden sich meist in einer schmalen, sackförmigen Ausstülpung des linken Vorhofs, dem Vorhofohr, das von der Brustwand aus in aller Regel nicht einsehbar ist. Von der Speiseröhre aus liegt es dagegen unmittelbar im Schallfeld. Darin liegt der eigentliche Wert der Untersuchung vor einer Kardioversion: Sie kann nicht nur zeigen, dass ein Gerinnsel vorhanden ist, sondern mit einer Sicherheit, die andere Verfahren nicht bieten, auch, dass keines vorliegt.
Aus demselben Grund gehört die TEE zur Abklärung nach einem Schlaganfall, dessen Ursache unklar geblieben ist. Gesucht wird dann nach einer Quelle im Herzen: nach Gerinnseln, nach Auflagerungen auf den Klappen, nach Ablagerungen in der Aorta – und nach einer Verbindung zwischen den beiden Vorhöfen, durch die ein Gerinnsel aus dem venösen in den arteriellen Kreislauf gelangen kann. Solche Verbindungen, ein offen gebliebenes Foramen ovale oder ein Vorhofseptumdefekt, lassen sich sichtbar machen, indem eine aufgeschäumte Flüssigkeit in eine Armvene gespritzt wird: Erscheinen die Bläschen anschließend im linken Vorhof, besteht ein Übertritt.
Zwei weitere Einsatzfelder liegen außerhalb der geplanten Diagnostik. In der Notfallsituation lässt sich die TEE am Bett eines kreislaufinstabilen Patienten durchführen und gibt binnen Minuten Antworten – etwa bei dem Verdacht auf eine Aortendissektion, bei der sich die innere Wandschicht der Hauptschlagader ablöst. In der Herzchirurgie wiederum wird die Sonde nach der Narkoseeinleitung eingeführt und bleibt während des gesamten Eingriffs liegen: Sie zeigt dem Team unmittelbar, wie das Herz auf die Operation reagiert, und erlaubt nach einer Klappenrekonstruktion noch im Operationssaal die Kontrolle, ob das Ergebnis trägt. Auch Kathetereingriffe am schlagenden Herzen, etwa der Verschluss des Vorhofohrs oder die Behandlung einer undichten Klappe mit einem Clip, werden mit ihr gesteuert.
Was die Untersuchung nicht unmittelbar leistet, gehört zu ihrem Bild ebenso. Die Herzkranzgefäße stellt sie in ihrem Verlauf nicht dar; die Minderdurchblutung wird deshalb an der Bewegung der Herzwand in dem Bereich erkannt, den das betroffene Gefäß versorgt. Für die unmittelbare Darstellung der Kranzgefäße bleibt der Herzkatheter das Verfahren der Wahl. Ebenso ersetzt die TEE die Untersuchung durch die Brustwand nicht: Bestimmte Messungen, etwa an der Aortenklappe, gelingen von außen sogar besser, weil dort der Schallstrahl günstiger zur Strömungsrichtung liegt.
Wie viel die Untersuchung beiträgt, unterscheidet sich deshalb von Frage zu Frage erheblich. Beim Verdacht auf eine Entzündung der Herzinnenhaut und bei der Suche nach einem Gerinnsel im Vorhof ist ihr Beitrag groß, weil beide Befunde von außen häufig nicht zu erkennen sind. Für die Beurteilung der Pumpleistung des Herzens dagegen bringt sie gegenüber der Untersuchung von außen wenig, sodass sie allein zu diesem Zweck nicht durchgeführt wird.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Erfolgt eine Betäubung des Rachens, darf der Patient auch drei Stunden nach der Untersuchung keine Nahrung oder Flüssigkeit zu sich nehmen, da die Gefahr besteht, dass er sich verschluckt. Hat der Patient zudem eine Spritze zur Beruhigung erhalten, ist ihm das Autofahren in den nächsten 24 Stunden untersagt.
Die transösophageale Echokardiographie ist ein risikoarmes und gut verträgliches Diagnoseverfahren. In seltenen Fällen kommt es trotzdem zu Komplikationen. So können Gefäße, Nerven und Gewebe von Speiseröhre, Kehlkopf oder Luftröhre beim Einführen des Schallkopfes verletzt werden. Hat der Patient lockere Zähne, kann es zu Gebissschäden und Zahnverlust kommen. Durch die Reizung beim Einführen und Bewegen des Schallkopfes können Herzrhythmusstörungen oder Störungen des Herz-Kreislauf-Systems verursacht werden.
Bei zusätzlicher Gabe von Beruhigungsmitteln werden in seltenen Fällen auch Atemstörungen beobachtet. Zudem können Überempfindlichkeitsreaktionen auf das Betäubungsmittel auftreten, die in schweren Fällen einen anaphylaktischen Schock mit der Gefahr des Organversagens und des Erstickens zur Folge haben.
Bei Patienten mit Ösophagusvarizen darf keine TEE durchgeführt werden. Ösophagusvarizen sind Krampfadern der Speiseröhre, die insbesondere bei schweren Lebererkrankungen auftreten können. Werden diese Krampfadern verletzt, sind lebensbedrohliche Blutungen die Folge. Weitere Kontraindikationen für das Ultraschallverfahren sind Tumore der Speiseröhre (Ösophaguskarzinom) oder Blutungen im oberen Magen-Darm-Trakt.
Vor der Untersuchung fragt der Arzt nach Erkrankungen der Speiseröhre, nach Schluckstörungen, nach Voroperationen im Hals- und Brustbereich sowie nach blutverdünnenden Medikamenten. Herausnehmbarer Zahnersatz wird abgelegt; zum Schutz der Zähne und der Sonde erhält der Patient einen Beißring. Die Untersuchung findet meist in Linksseitenlage statt, Puls und Sauerstoffsättigung werden dabei überwacht. Wer möchte, erhält zusätzlich zur Betäubung des Rachens ein beruhigendes Mittel über eine Vene (Sedierung).
Für den Untersuchten selbst ist der unangenehmste Augenblick das Schlucken der Sonde. Ist sie einmal in der Speiseröhre, stört sie weniger, als die meisten erwarten: Die Atmung ist nicht behindert, weil die Sonde nicht in der Luftröhre liegt, wohl aber ist Sprechen kaum möglich, und Speichel läuft ab, statt geschluckt zu werden. Ruhiges Atmen durch die Nase erleichtert die Untersuchung. Die eigentliche Bildaufnahme dauert in der Regel nur wenige Minuten. Danach besteht häufig noch für kurze Zeit ein leichtes Kratzen im Hals, vergleichbar mit Halsschmerzen bei einer Erkältung.
Die schwerwiegendste und zugleich sehr seltene Komplikation ist ein Durchbruch der Speiseröhrenwand. Er kündigt sich durch starke Schmerzen hinter dem Brustbein, Schmerzen im Rücken, Luftnot oder Fieber an und ist ein Notfall. Weil er vor allem bei vorgeschädigter Speiseröhre droht, sind Verengungen, Aussackungen und frische Operationen an der Speiseröhre Gründe, das Verfahren zu unterlassen oder mit besonderer Vorsicht anzuwenden.
Ob die Untersuchung durchgeführt wird, ist deshalb stets eine Abwägung. Lässt sich die Frage auch anders beantworten – durch eine erneute Untersuchung von außen, durch eine Computertomographie oder eine Kernspintomographie –, wird auf die TEE verzichtet. Bleibt die Frage dagegen entscheidend für die Behandlung, etwa vor einer geplanten Operation an einer Herzklappe oder vor der Wiederherstellung des Herzrhythmus, überwiegt ihr Nutzen die geringen Risiken deutlich. Bei medizinischer Indikation gehört sie zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung.
Nach der Untersuchung besprechen Arzt und Patient den Befund. Wurde ein beruhigendes Mittel gegeben, geschieht das sinnvollerweise erst, wenn dessen Wirkung nachgelassen hat, denn unter ihm bleibt vom Gespräch oft wenig haften; aus demselben Grund ist die Begleitung durch eine zweite Person hilfreich. Bilder und Messwerte werden gespeichert, sodass sich spätere Untersuchungen unmittelbar mit ihnen vergleichen lassen – bei Erkrankungen, die sich langsam verändern, etwa an einer Herzklappe oder an der Hauptschlagader, ist gerade dieser Vergleich der eigentliche Ertrag.
Ist die Untersuchung über die Speiseröhre wegen einer der genannten Gegenanzeigen von vornherein nicht möglich, treten dieselben Verfahren an ihre Stelle; zuweilen bleibt als Antwort auch, die Behandlung so zu wählen, dass sie ohne die fehlende Information vertretbar ist. Der Verzicht auf die TEE bedeutet damit einen Umweg, nicht das Ende der Diagnostik.
Quellen
- Böhmeke, T., Schmidt, A.: Checkliste Echokardiografie.
ISBN: 9783132401068
- Flachskampf, F. A.: Kursbuch Echokardiografie.
ISBN: 9783132444355
- Marx, N., Erdmann, E. (Hrsg.): Klinische Kardiologie.
ISBN: 9783662629314
- Pinger, S.: Repetitorium Kardiologie.
ISBN: 9783769136876
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655

