Lebertransplantation
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 3. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Eine Lebertransplantation ist bei schweren Lebererkrankungen nötig, wenn konservative Maßnahmen keinen Erfolg mehr zeigen. Dabei wird dem Erkrankten eine gesunde Leber in den Bauchraum eingesetzt und sein Immunsystem danach unterdrückt, damit das Transplantat nicht abgestoßen wird.
Was ist eine Lebertransplantation?
Bei einer Lebertransplantation wird eine kranke Leber durch die gesunde Leber einer anderen Person ersetzt. Am häufigsten wird die orthotope Lebertransplantation angewandt.
Dabei entfernen die behandelnden Chirurgen die Leber des Patienten vollständig und ersetzen diese an derselben Stelle durch ein Spenderorgan. Bei einer Lebertransplantation handelt es sich um einen schweren chirurgischen Eingriff, welcher hauptsächlich bei Leberkrankheiten im Endstadium und akutem Leberversagen eingesetzt wird.
Wird eine vollständige Leber transplantiert, stammt diese von einem verstorbenen Menschen. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit einen Teil der Leber eines gesunden Menschen zu transplantieren.
Geschichte & Entwicklung
Die Geschichte der Lebertransplantation begann Mitte des 20. Jahrhunderts und entwickelte sich über Jahrzehnte zu einer etablierten medizinischen Praxis. Der erste ernsthafte Versuch, eine Lebertransplantation durchzuführen, fand 1963 unter der Leitung von Dr. Thomas Starzl in Denver, Colorado, statt. Dieser erste Eingriff war jedoch nicht erfolgreich; der Patient überlebte die Übertragung der Leber nicht.
In den folgenden Jahren entwickelte Dr. Starzl, zusammen mit anderen Forschern, bessere Techniken zur Transplantation und insbesondere zur Immunsuppression. 1967 gelang ihm die erste erfolgreiche Lebertransplantation, bei der die Patientin – ein Kleinkind mit einem Lebertumor – gut ein Jahr überlebte. Dies markierte einen Durchbruch in der Transplantationsmedizin.
In den 1980er Jahren revolutionierte die Einführung des Immunsuppressivums Cyclosporin die Lebertransplantation, da es die Abstoßung der Organe deutlich reduzierte und die Überlebensraten der Patienten stark verbesserte.
Eine der ersten Lebendspende-Lebertransplantationen wurde 1989 in Chicago durchgeführt, wobei ein Teil der Leber eines lebenden Spenders transplantiert wurde. Da sich die Leber regenerieren kann, ist dieser Ansatz besonders bei Kindern nützlich.
Heute gilt die Lebertransplantation als lebensrettender Eingriff für Patienten mit schweren Lebererkrankungen, und es werden jährlich Tausende erfolgreiche Transplantationen weltweit durchgeführt. Die Weiterentwicklung von chirurgischen Techniken und Immunsuppressiva hat die Langzeitprognosen der Patienten erheblich verbessert.
Einsatz & Indikation
Eine Lebertransplantation wird durchgeführt, wenn die Leber ihre Funktion nicht mehr ausreichend erfüllen kann und andere Behandlungsmethoden erschöpft sind. Sie ist notwendig, wenn eine Leberinsuffizienz oder eine schwerwiegende Lebererkrankung vorliegt, die das Leben des Patienten bedroht. Zu den häufigsten Ursachen für eine Lebertransplantation gehört die Zirrhose, eine Erkrankung, bei der das Lebergewebe durch Narbenbildung geschädigt wird. Dies kann durch Alkoholkonsum, chronische Virushepatitis (wie Hepatitis B oder C) oder Fettlebererkrankungen verursacht werden.
Eine Transplantation kann auch notwendig sein bei akutem Leberversagen, das durch Toxine, Medikamentenüberdosierungen (wie bei Paracetamol), Virusinfektionen oder Autoimmunerkrankungen ausgelöst wird. Zudem kann sie bei Lebertumoren, insbesondere bei hepatozellulärem Karzinom (Leberkrebs), in Betracht gezogen werden, wenn der Tumor nicht operativ entfernt werden kann und andere Therapien versagen.
Auch genetisch bedingte Stoffwechselerkrankungen wie Morbus Wilson oder Hämochromatose können zu irreversiblen Leberschäden führen und eine Transplantation erfordern.
In all diesen Fällen ist die Lebertransplantation oft die einzige lebensrettende Option, da die Leber ein Organ ist, das viele lebenswichtige Funktionen erfüllt, darunter die Entgiftung des Blutes, die Produktion wichtiger Proteine und die Regulierung des Stoffwechsels.
Vorteile & Nutzen
Eine Lebertransplantation bietet entscheidende Vorteile gegenüber anderen Behandlungsmethoden, insbesondere bei Patienten mit irreversiblen Leberschäden. Während medikamentöse Therapien oder andere Behandlungsansätze oft nur darauf abzielen, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen oder die Symptome zu lindern, kann eine Lebertransplantation eine kurative Lösung darstellen.
Bei einer Transplantation wird die erkrankte Leber vollständig durch ein gesundes Organ ersetzt, was die normale Leberfunktion wiederherstellt und dem Patienten eine längere Lebenserwartung sowie eine bessere Lebensqualität ermöglicht.
Für Patienten mit schwerer Zirrhose, Leberkrebs oder akutem Leberversagen ist eine Transplantation oft die einzige Möglichkeit, das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten. Medikamente, diätetische Anpassungen oder andere unterstützende Behandlungen sind in diesen Fällen meist nicht ausreichend, um die Leberfunktion langfristig zu stabilisieren. Eine Transplantation kann das Risiko von Komplikationen wie Leberkoma, Blutungen oder Infektionen deutlich reduzieren.
Darüber hinaus bietet eine Lebertransplantation Patienten, die an genetischen Stoffwechselerkrankungen wie Morbus Wilson oder Hämochromatose leiden, eine dauerhafte Lösung, indem sie die zugrunde liegenden Ursachen dieser Krankheiten behebt. Insgesamt bietet eine Lebertransplantation in Fällen, in denen die Leber irreversibel geschädigt ist, die beste Chance auf eine deutliche Besserung und ein weitgehend normales Leben.
Funktion, Wirkung & Ziele
Eine Lebertransplantation ist üblicherweise der letzte Versuch eine ansonsten nicht mehr therapierbare Lebererkrankung zu behandeln. Seltener ist eine Lebertransplantation bei Kindern bzw. Jugendlichen nötig. Dies ist meist der Fall, wenn eine Missbildung der Gallenwege vorliegt.
Auch verschiedene Stoffwechselerkrankungen können die Funktion der Leber so schwer beeinträchtigen, dass diese entfernt und eine gesunde eingesetzt werden muss. Dazu gehören unter anderem Morbus Wilson sowie die familiäre Amyloidose. Indikationen für eine Lebertransplantation sind zum Beispiel Zirrhosen ausgelöst durch Hepatitis B/C oder durch Fettleibigkeit (Fettleber).
Tritt im Rahmen von Unfällen ein Lebertrauma auf, kann auch hier eine Transplantation nötig werden. Zu einem akuten Leberversagen kann es in Folge einer schweren Intoxikation kommen. Darüber hinaus können Gifte wie die des Knollenblätterpilzes bzw. Medikamente wie Paracetamol die Leber schädigen. Ein weiteres Anwendungsgebiet der Lebertransplantation sind maligne Erkrankungen wie etwa hepatozelluläre Karzinome oder Hepatoblastome.
Ist eine Lebertransplantation notwendig, wird am häufigsten die orthotope Lebertransplantation durchgeführt. Dabei handelt es sich um ein standardisiertes Verfahren, bei dem die gesamte Leber des Patienten entnommen wird und die Leber eines Verstorbenen eingesetzt wird.
Damit die Leber nach der Transplantation funktionieren kann, müssen die Chirurgen die Blutgefäße des Patienten mit denen des Transplantats verbinden. Ist es den Ärzten möglich, den Blutfluss wiederherzustellen, wird die transplantierte Leber mit Sauerstoff versorgt und kann ihre Funktion aufnehmen.
Im letzten Schritt wird der Gallengang des Patienten noch mit dem Gallengang des Spenderorgans verbunden und der Bauch wird verschlossen. Eingesetzte Drainagen sorgen dafür, dass Wundsekret abfließen kann. Eine orthotope Lebertransplantation dauert mehrere Stunden. Ist die Operation gut verlaufen, muss der Patient für einige Wochen im Krankenhaus bleiben.
Neben der Übertragung einer Leber von einem verstorbenen Spender ist auch eine Lebendspende möglich. Dabei wird einem Familienangehörigen oder Bekannten des Patienten ein Teil der Leber entnommen. Danach wird die Leber des Patienten entfernt und der Teil des Spenders eingesetzt. Der entnommene Teil der Leber des Spenders wächst nach einigen Wochen wieder nach.
Durchführung & Ablauf
Eine Lebertransplantation ist ein komplexer chirurgischer Eingriff, der in mehreren Schritten abläuft. Zunächst wird der Patient in Vollnarkose versetzt. Der Chirurg beginnt mit der Entfernung der erkrankten Leber. Dazu wird ein Schnitt im Oberbauch gemacht, um Zugang zur Leber zu bekommen. Die kranke Leber wird von den umgebenden Blutgefäßen und den Gallengängen getrennt und vollständig entfernt.
Das gespendete Organ, das entweder von einem verstorbenen Spender stammt (postmortale Transplantation) oder von einem lebenden Spender, wird dann an die Blutgefäße und Gallengänge des Empfängers angeschlossen. Dies erfordert Präzisionsarbeit, da die Blutversorgung und der Gallenfluss wiederhergestellt werden müssen, um die Leberfunktion zu ermöglichen.
Nach der Transplantation wird der Patient intensiv überwacht, um sicherzustellen, dass das neue Organ richtig funktioniert und keine Abstoßungsreaktionen oder Komplikationen auftreten. In den ersten Tagen nach der Operation wird der Patient auf der Intensivstation betreut, um die Vitalfunktionen und die Leberfunktion genau zu beobachten.
Der gesamte Eingriff dauert in der Regel 6 bis 12 Stunden, abhängig von der Komplexität des Falls. Nach der Operation muss der Patient lebenslang Immunsuppressiva einnehmen, um eine Abstoßung des transplantierten Organs zu verhindern.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Eine Lebertransplantation birgt viele Gefahren und Risiken und wie bei jeder Operation kann der Patient dabei sogar sterben. Das Operationsrisiko ist umso höher, je weiter die Lebererkrankung fortgeschritten ist.
Da die Vorteile und Risiken einer Lebertransplantation sehr individuell sind, ist eine genaue Aufklärung des Patienten vor dem Eingriff von größter Bedeutung. Bereits die Vollnarkose birgt Risiken. Nicht selten kommt es nach dem Aufwachen zu postoperativer Übelkeit und Erbrechen. Auch allergische Reaktionen auf die gegebenen Medikamente können nicht ausgeschlossen werden. Bei Patienten mit weit fortgeschrittener Lebererkrankung ist das Narkoserisiko allerdings deutlich erhöht.
Ein erheblich größeres Risiko stellt die mögliche Abstoßung des Spenderorgans dar. Um eine Abstoßung zu verhindern, müssen Immunsuppressiva verabreicht werden, welche das Immunsystem des Patienten unterdrücken. Diese medikamentöse Therapie muss über einen langen Zeitraum bzw. lebenslang durchgeführt werden. Mögliche Nebenwirkungen der Immunsuppression sind Durchfall, Übelkeit, Kopfschmerzen und Magenprobleme bis hin zu Magengeschwüren.
Zusätzlich besteht ein erhöhtes Osteoporoserisiko und die Nierenfunktion kann eingeschränkt sein. Durch die starke Immunsuppression weisen die Patienten nach der Transplantation ein deutlich erhöhtes Infektionsrisiko auf. Dieses Risiko besteht jedoch in diesem Ausmaß nur in der ersten Zeit nach der Transplantation, da danach die Medikamentendosis deutlich erniedrigt werden kann.
Alternativen
Wenn eine Lebertransplantation nicht möglich ist, gibt es verschiedene alternative Verfahren zur Behandlung von Lebererkrankungen, abhängig von der Schwere und Ursache der Erkrankung. Eine wichtige Option ist die medikamentöse Therapie, insbesondere bei weniger fortgeschrittenen Lebererkrankungen. Eine chronische Hepatitis C lässt sich mit antiviralen Medikamenten heute meist ausheilen; bei einer chronischen Hepatitis B können sie die Viren dauerhaft unter Kontrolle halten und das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen. Ebenso können Leberzirrhose und Fettlebererkrankungen durch Lebensstiländerungen, Diät und medikamentöse Unterstützung stabilisiert werden.
Ein weiteres Verfahren ist der TIPS (transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Shunt), bei dem ein Stent zwischen der Pfortader und einer Lebervene eingesetzt wird. Dieses Verfahren hilft, den Blutdruck in der Pfortader zu senken und Komplikationen wie Aszites oder Blutungen aus Krampfadern der Speiseröhre zu verhindern, die durch fortgeschrittene Leberzirrhose verursacht werden.
In sehr spezifischen Fällen kann eine Leberresektion in Betracht gezogen werden, bei der ein erkrankter Teil der Leber entfernt wird. Dies wird vor allem bei Lebertumoren oder fokalen Läsionen angewendet, wenn die Leber insgesamt noch funktionsfähig ist.
Eine weitere vielversprechende Option ist die Regenerationstherapie, bei der Leberzellen (Hepatozyten) oder Stammzellen gezielt zur Unterstützung der Leberregeneration eingesetzt werden. Diese Ansätze sind noch in der Forschung, könnten aber in der Zukunft wichtige Alternativen bieten.
Warteliste & Organvergabe
Vor der Aufnahme auf die Warteliste steht eine umfassende Untersuchung, die Evaluation genannt wird. Sie soll zwei Fragen beantworten: ob die Lebererkrankung eine Transplantation tatsächlich erfordert und ob der Patient den Eingriff und die anschließende dauerhafte Behandlung voraussichtlich bewältigen kann. Dazu gehören Laboruntersuchungen, Bildgebung des Bauchraums, die Prüfung von Herz, Lunge und Nieren, die Suche nach Infektionsherden – auch an Zähnen – sowie eine Krebsvorsorge. Bestehende Infektionen, eine schwere Erkrankung anderer Organe oder ein bereits gestreuter Tumor können gegen eine Transplantation sprechen. Bei alkoholbedingter Leberzirrhose wird zusätzlich geprüft, ob die Alkoholabhängigkeit überwunden ist und eine Betreuung besteht. Über die Aufnahme entscheidet eine interdisziplinäre Konferenz aus Chirurgie, Hepatologie, Anästhesie und weiteren Fachrichtungen, nicht ein einzelner Arzt.
Die Zuteilung der knappen Spenderorgane erfolgt in Deutschland nicht durch die Klinik selbst, sondern durch eine internationale Vermittlungsstelle, an die mehrere europäische Länder angeschlossen sind. Maßgeblich ist dabei nicht die Wartezeit, sondern die Dringlichkeit. Sie wird über eine Punktzahl abgebildet, die nach der geltenden Richtlinie der Bundesärztekammer aus vier Laborwerten berechnet wird: dem Gallenfarbstoff Bilirubin, dem Nierenwert Kreatinin, dem Natriumgehalt des Blutes und einem Maß für die Blutgerinnung. Ältere Fassungen dieser Punktzahl kamen ohne den Natriumwert aus; er wurde aufgenommen, weil ein niedriger Natriumspiegel bei fortgeschrittener Lebererkrankung zusätzliche Aussagekraft über die Gefährdung besitzt. Je schlechter diese Werte sind, desto höher fällt die Punktzahl aus und desto weiter rückt der Patient in der Rangfolge nach vorn. Für Erkrankungen, deren Bedrohlichkeit sich in diesen Werten nicht abbildet, etwa bestimmte Lebertumoren, gibt es gesonderte Regelungen. Bei akutem Leberversagen kann eine besonders dringliche Meldung erfolgen. Neben der Dringlichkeit werden Blutgruppe und Körpergröße berücksichtigt, damit das Organ überhaupt passt.
Weil das Angebot an Organen die Nachfrage nicht deckt, ist die Wartezeit für viele Betroffene die schwierigste Phase. Sie müssen jederzeit erreichbar sein, regelmäßig zu Kontrollen erscheinen und ihren Zustand melden, denn eine Verschlechterung ändert die Position auf der Liste. In dieser Zeit wird die Grunderkrankung weiterbehandelt und der Ernährungszustand stabilisiert, weil ein guter Allgemeinzustand die Erholung nach dem Eingriff erleichtert. Verschlechtert sich der Zustand so stark, dass der Patient den Eingriff nicht überstehen würde, kann er vorübergehend von der Liste genommen werden.
Leben nach der Transplantation
Mit der Entlassung endet die Behandlung nicht, sie ändert nur ihre Form. Die Nachsorge erfolgt lebenslang und anfangs sehr engmaschig, später in größeren Abständen. Kontrolliert werden Leberwerte, Nierenwerte, Blutbild und der Medikamentenspiegel der Immunsuppressiva im Blut; hinzu kommen Ultraschalluntersuchungen des Transplantats und seiner Gefäße. Ziel der Spiegelmessung ist ein schmaler Bereich: zu wenig Wirkstoff lässt eine Abstoßung zu, zu viel verstärkt die Nebenwirkungen.
Die zuverlässige Einnahme der Medikamente ist deshalb der wichtigste Beitrag, den Betroffene selbst leisten. Eigenmächtiges Absetzen oder Verändern der Einnahme kann das Transplantat gefährden. Weil manche Immunsuppressiva mit anderen Arzneimitteln und auch mit Grapefruit sowie mit dem pflanzlichen Mittel Johanniskraut wechselwirken, sollte jedes neue Medikament – auch ein frei verkäufliches – mit dem Transplantationszentrum abgestimmt werden.
Aus der dauerhaft gedämpften Abwehr ergeben sich weitere Vorsichtsmaßnahmen. Infektionen verlaufen leichter schwer und werden früher abgeklärt; Fieber ist nach einer Transplantation stets ein Grund, ärztlichen Rat zu suchen. Beim Essen wird auf Hygiene geachtet und auf rohe tierische Lebensmittel meist verzichtet. Der Impfschutz wird überprüft und möglichst schon vor der Transplantation vervollständigt, weil Lebendimpfstoffe unter Immunsuppression in der Regel nicht mehr gegeben werden dürfen; Impfungen mit abgetöteten Erregern, etwa gegen Grippe, bleiben möglich. Da die langfristige Immunsuppression das Risiko für Hautkrebs erhöht, gehören konsequenter Sonnenschutz und regelmäßige Hautkontrollen zur Nachsorge. Ebenfalls beobachtet werden Blutdruck, Blutzucker, Blutfette, Nierenfunktion und Knochendichte, da alle diese Bereiche durch die Medikamente belastet werden können.
Auf der anderen Seite steht der Gewinn an Lebensqualität. Viele Transplantierte kehren nach der Erholungsphase in ihren Beruf zurück, treiben Sport und führen ein weitgehend normales Leben; eine Rehabilitationsmaßnahme im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt unterstützt diesen Weg. Bei alkoholbedingter Grunderkrankung ist dauerhafte Abstinenz Voraussetzung, und auch unabhängig davon wird Alkohol nach einer Lebertransplantation gemieden. Warnzeichen, die zu einer raschen Vorstellung führen sollten, sind Gelbfärbung von Haut oder Augen, dunkler Urin, heller Stuhl, Fieber, Schmerzen im rechten Oberbauch und ein deutlicher Leistungsknick – sie können auf eine Abstoßung, eine Infektion oder ein Problem an Gallenwegen oder Blutgefäßen hinweisen.
Besonderheiten der Lebendspende
Die Übertragung eines Leberteils von einem lebenden Spender unterliegt in Deutschland engen Regeln. Sie ist nur zulässig, wenn kein passendes Organ eines verstorbenen Spenders zur Verfügung steht, und nur zwischen Menschen, die einander persönlich nahestehen – etwa nahen Verwandten, Ehepartnern oder Personen in besonderer persönlicher Verbundenheit. Vor jeder Lebendspende prüft eine unabhängige Kommission, ob die Entscheidung freiwillig erfolgt und kein Handel mit Organen im Spiel ist.
Der Spender durchläuft eine eigene, sehr gründliche Untersuchung. Sie klärt, ob seine Leber anatomisch geeignet ist, ob der verbleibende Anteil für ihn ausreicht und ob keine Erkrankungen vorliegen, die den Eingriff zu riskant machen. Entscheidend ist dabei, dass es sich beim Spender um einen gesunden Menschen handelt, dem eine große Operation ohne eigenen medizinischen Nutzen zugemutet wird; Komplikationen bis hin zu lebensbedrohlichen Verläufen sind möglich und müssen offen besprochen werden. Auch die Nachsorge des Spenders ist geregelt und erstreckt sich über einen längeren Zeitraum.
Für den Empfänger hat die Lebendspende den Vorteil, dass der Eingriff planbar ist und nicht abgewartet werden muss, bis sich der Zustand weiter verschlechtert. Besonders häufig wird sie angewandt, wenn Kinder ein Organ benötigen, weil für sie passende Spenderorgane besonders knapp sind und bereits ein kleiner Leberanteil ausreicht. Eine verwandte Möglichkeit ist die Aufteilung einer Spenderleber auf zwei Empfänger, meist auf ein Kind und einen Erwachsenen.
Quellen
- Billmann, F., Keck, T. (Hrsg.): Facharztwissen Viszeralchirurgie.
ISBN: 9783662728826
- Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
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- Wagner, J. C., Germer, C.-T., Wiegering, A. (Hrsg.): Perioperative Medizin für die Allgemein- und Viszeralchirurgie.
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- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
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- Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Innere Medizin.
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