Cyclosporin

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Cyclosporin ist ein Medikament, welches zu den Immunsuppressiva gehört. Es wird aus den Schlauchpilzen Cylindrocarpon lucidum und Tolypocladium inflatum gewonnen. Chemisch stellt es ein zyklisches Peptid aus elf Aminosäuren dar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Cyclosporin?

Cyclosporin
Cyclosporin besitzt eine dämpfende Wirkung auf das Immunsystem. Es wird daher angewandt, um z.B. die Abstoßungsreaktionen bei Organtransplantationen zu unterdrücken.

Cyclosporin ist ein Immunsuppressivum mit einer engen therapeutischen Breite. Der Abstand zwischen seiner gewollten therapeutischen und seiner toxischen Wirkung ist sehr klein. Daher wird die Behandlung engmaschig überwacht. Bei Transplantierten gilt die regelmäßige Kontrolle des Blutspiegels als wichtige Sicherheitsmaßnahme; außerhalb der Transplantationsmedizin wird der Blutspiegel nur gelegentlich bestimmt, etwa bei gleichzeitiger Gabe von Arzneimitteln, die den Umgang des Körpers mit Cyclosporin verändern, oder bei einem ungewöhnlichen Krankheitsverlauf.

Cyclosporin besitzt eine dämpfende Wirkung auf das Immunsystem. Es wird daher bei Krankheiten angewandt, die durch eine überschießende Reaktion des Immunsystems gekennzeichnet sind. Dazu zählt die Gruppe der Autoimmunerkrankungen. Auch um die Abstoßungsreaktionen bei Organtransplantationen zu unterdrücken, wird Cyclosporin angewendet.

Es ist ein zyklisches Peptid, welches aus elf Aminosäuren besteht. In den Schlauchpilzen Cylindrocarpon lucidum und Tolypocladium inflatum kommt es in größeren Konzentrationen vor. Daher wird es aus diesen Pilzen isoliert. Heute wird Cyclosporin zur medizinischen Anwendung durch Fermentation der Pilzkulturen gewonnen. Im isolierten Zustand ist es ein weißer Feststoff, der sich in Alkohol, Methanol, Chloroform oder Ether löst. Es wird oral als Weichkapsel beziehungsweise als Lösung oder parenteral unter Umgehung des Verdauungstraktes (etwa durch eine Spritze) verabreicht.

Aufgrund seiner immunsuppressiven Wirkung kann Cyclosporin bei seiner Anwendung auch mehrere Nebenwirkungen verursachen. Allerdings hat das Medikament die Medizin hinsichtlich der Abstoßungsreaktionen bei Organtransplantationen stark revolutioniert. Die Überlebenszeit der Patienten konnte deutlich gesteigert werden. Entdeckt wurde der Wirkstoff Anfang der 1970er Jahre durch die Schweizer Forscher Hartmann Stähelin und Jean-François Borel. Der internationale Freiname des Wirkstoffs lautet Ciclosporin.

Pharmakologische Wirkung

Die pharmakologische Wirkung von Cyclosporin beruht auf seiner hemmenden Wirkung auf das Enzym Kalzineurin. Kalzineurin aktiviert die Synthese von Interleukinen durch die Anregung der entsprechenden Gene. Das Enzym Kalzineurin ist in T-Lymphozyten enthalten und steuert von dort die Synthese von Interleukin 2. Interleukin 2 ruft als Botenstoff Entzündungsreaktionen hervor, die der Abwehr von körperfremdem Eiweiß (Bakterien, Viren) dienen.

Bei Autoimmunerkrankungen werden allerdings körpereigene Eiweißstoffe bekämpft. Zur Anregung des Immunsystems lagert sich Kalzineurin an das Protein NF-AT und dephosphorylisiert es. Im dephosphorylisierten Zustand regt dieses Protein die entsprechenden Gene zur Transkription von Interleukinen an, welche für die Immunreaktionen verantwortlich sind.

Diese Reaktionskaskade wird durch Cyclosporin gehemmt. Dazu lagert sich Cyclosporin an bestimmte intrazelluläre Rezeptoren der T-Lymphozyten an. Dort bindet es sich an sogenannte Immunophiline (intrazelluläre Bindungsproteine) und bildet mit ihnen einen Komplex. Dieser Komplex lagert sich wiederum an Kalzineurin. Dadurch wird dieses Enzym blockiert und kann den Transkriptionsfaktor NF-AT nicht mehr durch Dephosphorylierung aktivieren. Die weitere Bildung von Interleukinen unterbleibt, wodurch die Immunreaktionen des Körpers abgeschwächt werden.

Über den Weg des Wirkstoffs durch den Körper macht die Fachinformation genaue Angaben. Im Blut verteilt sich Cyclosporin ungleichmäßig: Der größte Anteil steckt in den roten Blutkörperchen, ein kleinerer im Plasma, wo er überwiegend an Lipoproteine gebunden vorliegt. Abgebaut wird der Wirkstoff weitgehend in der Leber, und zwar über das Enzym Cytochrom P450 3A4; dabei entstehen rund fünfzehn bekannte Abbauprodukte, von denen einige noch eine schwache immundämpfende Restwirkung haben. Ausgeschieden wird Cyclosporin vor allem über die Galle und damit über den Stuhl; nur ein kleiner Teil einer eingenommenen Menge verlässt den Körper über den Harn. Der Abbauweg über die Leber erklärt zugleich, warum so viele andere Arzneimittel den Cyclosporinspiegel verschieben.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Cyclosporin findet eine breite Anwendung bei Autoimmunerkrankungen, Schuppenflechte, entzündlichen Hauterkrankungen, rheumatischen Erkrankungen oder Organtransplantationen. Bei Autoimmunerkrankungen richtet sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper und bei Organtransplantationen gegen die transplantierten Organe in Form von Abstoßungsreaktionen. Besonders die organtransplantierten Patienten profitieren von dem Einsatz dieses Medikamentes. So hat sich seit seiner Anwendung die Überlebenszeit der Betroffenen drastisch erhöht.

Auch schwere autoimmunologisch bedingte Erkrankungen wie Kolitis ulzerosa oder die Glomerulonephritis können gut behandelt werden. Bei der Kolitis ulzerosa wird der Darm durch das eigene Immunsystem angegriffen. Diese Erkrankung ist durch schwere Darmentzündungen gekennzeichnet, die schließlich auch den Darm zerstören können. Für die Kolitis ulzerosa besteht allerdings keine Zulassung; Cyclosporin kommt dort vor allem bei schweren Schüben zum Zuge, die auf Kortison nicht ansprechen. Die Glomerulonephritis stellt eine abakterielle Entzündung der Glomeruli der Nieren dar. Sie kann unbehandelt zu einer schweren Niereninsuffizienz führen. Zugelassen ist Cyclosporin hier für das nephrotische Syndrom, das auf primäre Erkrankungen der Nierenkörperchen zurückgeht.

Auch die Psoriasis (Schuppenflechte) kann durch Anwendung von Cyclosporin gut behandelt werden. Die Zulassung ist dabei auf schwere Formen beschränkt, bei denen herkömmliche Mittel nicht geeignet oder nicht wirksam sind. Bei Entzündungen der Binde- und Hornhaut erfolgt der Einsatz von Cyclosporin durch topische Anwendung. Dabei werden cyclosporinhaltige Medikamente auf die betroffenen Stellen aufgetragen.

Bei schweren Formen der Neurodermitis wird Cyclosporin ebenfalls eingesetzt, wenn eine Behandlung des ganzen Körpers erforderlich ist. Neurodermitis stellt eine entzündliche stark juckende Hautkrankheit dar, die häufig mit allergischen Reaktionen einhergeht. Ein wichtiges Anwendungsgebiet ist schließlich auch die rheumatoide Arthritis. Die rheumatoide Arthritis gehört zu den Autoimmunerkrankungen, wobei sich das Immunsystem gegen die körpereigenen Gelenke richtet.

Zum Behandlungsspektrum von Cyclosporin gehören auch schwere entzündliche Augenerkrankungen, die zur Erblindung führen können. Die Behandlung mit Cyclosporin ist in vielen Fällen lebensrettend (Organtransplantation, schwere organzerstörende Autoimmunerkrankungen). Außerdem steigert sie die Lebensqualität vieler Patienten mit chronisch entzündlichen Erkrankungen.


Risiken & Nebenwirkungen

Leider kann Cyclosporin nicht uneingeschränkt eingesetzt werden, da es viele Nebenwirkungen hervorrufen kann. Die Nebenwirkungen und Kontraindikationen resultieren zum großen Teil aus der Schwächung des Immunsystems. So dürfen Patienten mit unbehandelten oder aktiven Infektionen nicht mit Cyclosporin behandelt werden. Durch die Immunsuppression könnte sich die Infektion noch verstärken. Auch Schwangere und Stillende sollten nicht mit Cyclosporin behandelt werden, da sich das Medikament schädigend auf das Kind auswirken könnte. Ist eine Behandlung in der Schwangerschaft dennoch zwingend nötig, etwa nach einer Organtransplantation, werden Nutzen und Risiko im Einzelfall gegeneinander abgewogen.

Die gleichzeitige Anwendung von Fototherapie bei Schuppenflechte und Behandlung mit Cyclosporin steigert das Risiko von Hautkrebs. Auch bei Nierenschäden ist eine Therapie mit Cyclosporin kontraproduktiv, da die Nieren weiter geschädigt werden können. Insgesamt steigt beim Einsatz von Cyclosporin die Infektanfälligkeit, was auf die reduzierte Immunreaktion zurückzuführen ist. Es können anfänglich Magen-Darm-Störungen auftreten, die zu Durchfall, Übelkeit und Erbrechen führen. Des Weiteren ist die Entstehung von Ödemen möglich. Auch kann es zu einer Steigerung der Körperbehaarung kommen.

Die Liste der möglichen Nebenwirkungen ist sehr lang. Allerdings müssen diese nicht auftreten. Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen, Zahnfleischwucherungen oder erhöhter Blutdruck treten allerdings häufiger auf. Daher sollten während der Behandlung mit Cyclosporin regelmäßig Blutuntersuchungen und Blutdruckmessungen durchgeführt werden.

Einen Teil dieser unerwünschten Wirkungen ordnet die Fachinformation nach Häufigkeitsklassen. Sehr häufig, also bei mehr als einem von zehn Behandelten, treten eine Nierenfunktionsstörung, erhöhte Blutfette, Zittern, Kopfschmerzen, ein erhöhter Blutdruck und eine vermehrte Körperbehaarung auf. Häufig sind erhöhte Blutzucker- und Harnsäurewerte, Appetitlosigkeit, Verschiebungen von Kalium und Magnesium, Krampfanfälle und Missempfindungen, Hitzegefühl im Gesicht, Übelkeit, Erbrechen, Bauchbeschwerden, Durchfall, eine Wucherung des Zahnfleisches und Magengeschwüre, eine gestörte Leberfunktion, Akne, Muskelschmerzen und Muskelkrämpfe sowie Fieber und Müdigkeit. Gelegentlich kommt es zu einer Funktionsstörung des Gehirns, die sich in Krampfanfällen, Verwirrtheit, Unruhe, Schlaflosigkeit und Sehstörungen äußern kann, sowie zu allergischem Ausschlag, Wassereinlagerungen und Gewichtszunahme. Selten beschrieben sind eine Bauchspeicheldrüsenentzündung, eine Nervenschädigung, Muskelschwäche, Menstruationsstörungen und eine Vergrößerung der männlichen Brustdrüse.

Verabreichung & Dosierung

Cyclosporin darf nur von Ärztinnen und Ärzten verordnet werden, die Erfahrung mit immunsuppressiven Behandlungen haben und die notwendigen Nachkontrollen sicherstellen können. Dazu gehören regelmäßige vollständige körperliche Untersuchungen, Blutdruckmessungen und Laborkontrollen. Transplantierte Menschen werden in Einrichtungen betreut, die über entsprechende Labore und medizinische Ausstattung verfügen.

Die Menge wird für jeden Menschen einzeln festgelegt und richtet sich unter anderem nach dem Körpergewicht, nach der Leistung der betroffenen Organe und nach dem Ziel der Behandlung. Nach einer Organverpflanzung liegt sie zu Beginn höher und wird anschließend schrittweise verringert; bei Autoimmunerkrankungen fällt sie niedriger aus. Die Einnahme erfolgt zu gleichbleibenden Tageszeiten und in gleichbleibendem zeitlichem Bezug zu den Mahlzeiten, damit die Aufnahme des Wirkstoffs möglichst wenig schwankt.

Ein Wechsel von einem cyclosporinhaltigen Präparat zu einem anderen erfolgt nur unter ärztlicher Aufsicht, weil sich die Zubereitungen darin unterscheiden, wie viel Wirkstoff aus ihnen in den Körper gelangt. Bei Transplantierten gehört zu einem solchen Wechsel die Kontrolle des Blutspiegels.

Außerhalb der Transplantationsmedizin nennt die Fachinformation eigene Vorgaben für die Überwachung. Vor Beginn wird die Nierenleistung in mindestens zwei getrennten Messungen bestimmt, um einen verlässlichen Ausgangswert zu erhalten. Fällt die geschätzte Filtrationsleistung später in mehr als einer Messung deutlich unter diesen Ausgangswert, wird die Menge verringert, selbst wenn die Werte noch im normalen Bereich liegen. Bessert sich die Filtrationsleistung daraufhin nicht innerhalb eines Monats, wird die Behandlung beendet. Regelmäßig kontrolliert werden außerdem der Blutdruck, der Gallenfarbstoff Bilirubin und die Leberwerte sowie die Blutfette, Kalium, Magnesium und Harnsäure.

Kontraindikationen

Die Fachinformation des oralen Präparats führt unter den Gegenanzeigen die Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile auf. Hinzu kommt die Kombination mit Zubereitungen aus Johanniskraut: Dieses beschleunigt den Abbau von Cyclosporin und kann die Blutspiegel so weit senken, dass die immunsuppressive Wirkung verlorengeht. Ausgeschlossen ist ferner die Kombination mit Arzneistoffen, die über dasselbe Transportsystem befördert werden und bei denen erhöhte Blutspiegel schwere oder lebensbedrohliche Folgen haben können; genannt sind dafür Bosentan, Dabigatranetexilat und Aliskiren. Außerhalb der Transplantationsmedizin kommt eine weitere Schranke hinzu: Bei eingeschränkter Nierenfunktion (ausgenommen ein nephrotisches Syndrom mit einem zulässigen Grad der Einschränkung), bei unbehandeltem Bluthochdruck, bei unbehandelten Infektionen und bei jeder Form einer bösartigen Erkrankung soll Cyclosporin nicht angewendet werden.

Davon zu unterscheiden sind die Warnhinweise, die eine Behandlung nicht ausschließen, aber besondere Vorsicht verlangen. Wie andere Immunsuppressiva erhöht Cyclosporin das Risiko für Lymphome und für andere bösartige Neubildungen, besonders der Haut. Dieses Risiko hängt nach der Fachinformation eher vom Ausmaß und von der Dauer der Immunsuppression ab als vom einzelnen Wirkstoff. Behandelte Menschen, vor allem solche mit Schuppenflechte oder Neurodermitis, sollen starke Sonneneinstrahlung ohne Schutz meiden und keine gleichzeitige UVB-Bestrahlung oder Photochemotherapie erhalten.

Ein zweiter Warnhinweis betrifft die Nieren. Ein Anstieg von Kreatinin und Harnstoff im Blut ist eine häufige und möglicherweise schwerwiegende Komplikation; er hängt von der verabreichten Menge ab, ist anfangs rückbildungsfähig und spricht meist auf eine Verringerung an. Bei langer Behandlungsdauer kann es zu bleibenden Veränderungen des Nierengewebes kommen, die bei Nierentransplantierten von den Folgen einer chronischen Abstoßung unterschieden werden müssen. Ein dritter Warnhinweis gilt der Leber: Cyclosporin kann Bilirubin und Leberwerte ansteigen lassen, und es liegen Meldungen über Leberschäden bis hin zum Leberversagen vor, die meist Menschen mit schweren Begleiterkrankungen oder mit weiteren leberbelastenden Arzneimitteln betrafen.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Cyclosporin wird überwiegend in der Leber über das Enzym Cytochrom P450 3A4 abgebaut. Daraus ergibt sich die Grundform seiner Wechselwirkungen: Stoffe, die dieses Enzym oder das Transportprotein P-Glykoprotein hemmen, heben den Cyclosporinspiegel an; Stoffe, die beide vermehrt bilden lassen, senken ihn. Umgekehrt hemmt Cyclosporin selbst dieses Enzym und mehrere Transportproteine und kann deshalb die Blutspiegel anderer Arzneimittel anheben.

Zu den Stoffen, die den Cyclosporinspiegel deutlich erhöhen, zählen die Makrolid-Antibiotika Erythromycin und Clarithromycin, die Azol-Antimykotika Ketoconazol, Fluconazol, Itraconazol und Voriconazol sowie die Kalziumkanalblocker Verapamil und Diltiazem. Für Erythromycin beziffert die Fachinformation die Steigerung als mehrfach, für die Azole als mehr als eine Verdopplung. Weiter genannt werden unter anderem Nicardipin, Metoclopramid, hormonelle Verhütungsmittel zum Einnehmen, hoch dosiertes Methylprednisolon, Allopurinol, Amiodaron, Danazol, Proteasehemmer, Imatinib und Colchicin. Auch Grapefruit und Grapefruitsaft erhöhen die Aufnahme des Wirkstoffs in den Körper.

Den Spiegel senken können Barbiturate, Carbamazepin, Oxcarbazepin, Phenytoin, Nafcillin, Probucol, Orlistat, Ticlopidin, Terbinafin und Bosentan. Rifampicin beschleunigt den Abbau im Darm und in der Leber so stark, dass die Menge während der gemeinsamen Anwendung deutlich angehoben werden muss. Octreotid vermindert die Aufnahme aus dem Darm.

Eine eigene Gruppe bilden Kombinationen, die die Nieren zusätzlich belasten. Vorsicht verlangt die Fachinformation bei der gleichzeitigen Gabe von Aminoglykosid-Antibiotika wie Gentamicin und Tobramycin, von Amphotericin B und von Ciprofloxacin. Umgekehrt kann Cyclosporin die Blutspiegel von Statinen anheben und damit das Risiko für Muskelschäden erhöhen, und es steigert die Nierenbelastung durch nichtsteroidale Entzündungshemmer.

Bei Transplantierten wird der Cyclosporinspiegel deshalb besonders häufig gemessen, wenn ein Begleitmedikament angesetzt oder abgesetzt wird. Bei Menschen, die aus anderen Gründen behandelt werden, ist der Zusammenhang zwischen Blutspiegel und Wirkung weniger gut bekannt; dort empfiehlt die Fachinformation, stattdessen die Nierenfunktion häufiger zu überprüfen und auf unerwünschte Wirkungen zu achten.

Alternative Behandlungsmethoden

Kommt Cyclosporin nicht infrage, stehen andere Wege der Immundämpfung zur Verfügung. Der nächstverwandte Wirkstoff ist Tacrolimus, der wie Cyclosporin das Enzym Kalzineurin hemmt, sich aber im Spektrum seiner unerwünschten Wirkungen unterscheidet. Er wird nach Organverpflanzungen und bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt und kommt vor allem dann in Betracht, wenn Cyclosporin schlecht vertragen wird.

Mycophenolat-Mofetil greift an anderer Stelle an: Es hemmt die Vermehrung der Lymphozyten und wird häufig mit weiteren Immunsuppressiva kombiniert, etwa nach Nierentransplantationen. Azathioprin ist ein älterer Wirkstoff, der vor allem bei Autoimmunerkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis und bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt wird. Kortikosteroide wie Prednisolon dienen der kurzfristigen Dämpfung oder ergänzen andere Wirkstoffe.

Für bestimmte Erkrankungen kommen zielgerichtete biotechnologisch hergestellte Arzneimittel infrage, etwa Rituximab oder Belatacept. Sie wirken auf einzelne Bestandteile der Immunabwehr, statt sie insgesamt zu dämpfen. Lässt sich eine medikamentöse Behandlung nicht durchführen, bleiben Verfahren wie die Plasmapherese oder die Photopherese, bei denen Bestandteile des Blutes außerhalb des Körpers behandelt werden.

Quellen

  • Peter, H.-H., Pichler, W. J., Müller-Ladner, U. (Hrsg.): Klinische Immunologie.
    ISBN: 9783437232565
  • Distler, J. H. W. (Hrsg.): Therapie-Handbuch Rheumatologie und Immunologie.
    ISBN: 9783437238840
  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437426223
  • Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
    ISBN: 9783804746541
  • Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
    ISBN: 9783662495445

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