Leser-Trélat-Syndrom

Letzte Aktualisierung am 20. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Beim Leser-Trélat-Syndrom tritt bei Patienten hohen Lebensalters eine bösartige Krebserkrankung der inneren Organe auf, die von zahlreichen Alterswarzen begleitet ist. Oft wird das Phänomen zusätzlich von Juckreiz und der Acanthosis nigricans begleitet. Die Therapie beinhaltet die Entfernung der Warzen und die Behandlung des Tumors.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Leser-Trélat-Syndrom?

Das Leser-Trélat-Syndrom ist ein seltenes und paraneoplastisches Syndrom, das vor allem im höheren Lebensalter auftritt. Den Betroffenen der Erkrankung wachsen zahlreiche Alterswarzen. Die Namensgeber der Erscheinung sind ihre Erstbeschreiber Leser und Trélat, die das Phänomen schon im 19. Jahrhundert entdeckt haben. Ihre Entdeckungen standen miteinander nicht in Zusammenhang. Später stellte sich heraus, dass beide eigentlich das senile Hämangiom beschrieben hatten.

Auch E. Hollander steht mit der Erforschung des Leser-Trelat-Syndroms in Verbindung. Er spekulierte im 20. Jahrhundert über einen ursächlichen Zusammenhang zwischen den Alterskeratosen und Malignomen der inneren Organe. Dass das Leser-Trélat-Syndrom tatsächlich in einem ursächlichen Zusammenhang mit einer bösartigen Krebserkrankung steht, lässt sich bis heute allerdings nur schwer beweisen und wird daher von zahlreichen Autoren angezweifelt.

Ursachen

Bei der Frage nach den Ursachen des Leser-Trélat-Syndroms teilt sich die Wissenschaft. Einige Wissenschaftler halten die Spekulationen E. Hollanders für begründet und gehen von einer anderen Krebserkrankung als Ursache der Alterswarzen aus. In der Regel wird das Phänomen nach dieser Meinung durch einen bösartigen Tumor wie ein Adenokarzinom des Magen-Darm-Trakts oder der Brust ausgelöst, die stimulierende Wachstumsfaktoren abgeben sollen.

Ebenso häufig sollen bösartige Lymphome, Leukämie oder Lungenkarzinome das Phänomen auslösen können. Da sich die Verbindung mit anderen Tumoren aber nur schwer beweisen lässt, bezweifelt die andere Hälfte der Wissenschaft den ursächlichen Zusammenhang mit Karzinomen der inneren Organe. In etwa 30 Prozent der Fälle liegt gleichzeitig zum Leser-Trélat-Syndrom die Hauterkrankung Acanthosis nigricans vor. Daher wird das Phänomen von vielen Autoren eher für eine unvollständige Form dieser dermatologischen Krankheit gehalten.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Leitsymptom des Leser-Trélat-Syndroms sind plötzlich auftretende seborrhoische Keratosen. Die Alterswarzen treten im Rahmen des Syndroms besonders zahlreich und eher diffus verteilt auf. Eine besondere Ausprägung ist am Körperstamm zu beobachten. In der Hälfte aller Fälle sind die Alterswarzen mit einem mehr oder weniger starken Juckreiz verbunden. Von seborrhoischen Keratosen im Sinne von generalisierten Hautausschlägen unterscheiden sich die Alterswarzen des Leser-Trélat-Syndroms insofern, als dass in der Regel zusätzlich ein Malignom in den inneren Organen vorliegt.

Auch wenn Karzinome der inneren Organe unter Umständen nicht die Ursache der Erscheinung sind, liegt beim Leser-Trélat-Syndrom also ein unstrittiger Zusammenhang zwischen einer bösartigen Krebserkrankung und den Warzen vor. Zusätzlich können im Rahmen des Syndroms schmutzig braune bis graue Veränderungen der Haut auftreten. Vor allem die Arme und Beine der Patienten wirken im Rahmen dessen vergleichsweise stark pigmentiert.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Der erste Verdacht auf das Leser-Trélat-Syndrom stellt sich blickdiagnostisch. Die Anamnese kann bereits diagnosesichernd sein, falls der Patient beim Anamnese-Gespräch von einer Karzinomerkrankung der inneren Organe berichtet. Falls eine bösartige Krebserkrankung der inneren Organe noch nicht diagnostiziert worden ist, lokalisiert der Arzt bei Verdacht auf das Leser-Trélat-Syndrom gegebenenfalls per Bildgebung bestehende Tumore.

Spätestens der Nachweis dieser Tumore gilt in Zusammenhang mit den Alterswarzen als diagnosesichernd für das Syndrom. Um die Malignität der Karzinome einzuschätzen und eine Prognose geben zu können, orientiert sich der Arzt in der Regel an der WHO. Die Prognose unterscheidet sich beim Leser-Trélat-Syndrom also von Fall zu Fall und wird maßgeblich von dem zugrunde liegenden Tumor, dessen Lokalisation und Therapierbarkeit bestimmt.

Komplikationen

Da es sich beim Leser-Trélat-Syndrom um einen Tumor handelt, kann dieser im schlimmsten Fall zum Tode des Patienten führen. Dies tritt allerdings nur dann auf, wenn die Behandlung des Syndroms nicht frühzeitig eingeleitet wird und die Diagnose erst spät aufgestellt werden. Die Patienten leiden dabei vor allem an einem Juckreiz und an starken Ausschlägen auf der Haut.

Durch die Beschwerden kommt es auch zu einer verringerten Ästhetik bei den Patienten. Weiterhin führt das Leser-Trélat-Syndrom zur Ausbildung von Warzen auf der Haut. Die Warzen selbst sind dabei sehr dunkel. Kommt es nicht zu einer Behandlung, so kann sich die Krankheit auch weiterhin ausbreiten und weitere gesunde Areale im Körper befallen. Aus diesem Grund ist eine sofortige Behandlung notwendig.

Die betroffenen Regionen können durch einen Eingriff entfernt werden. Dabei kann allerdings nicht universell vorausgesagt werden, ob der Krebs durch die Entfernung vollständig besiegt wird. Unter Umständen wird durch das Leser-Trélat-Syndrom die Lebenserwartung des Betroffenen verringert. Weiterhin kann auch eine Bestrahlung eingesetzt werden, um die Symptome und Beschwerden des Leser-Trélat-Syndroms zu behandeln. Die Behandlung selbst führt allerdings zu keinen weiteren Komplikationen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ältere Personen, die plötzlich Hautveränderungen an sich feststellen oder unter einem ungewöhnlichen Juckreiz leiden, sollten den Hausarzt kontaktieren. Spätestens, wenn starke Hautausschläge oder die charakteristischen Warzen auftreten, bedarf dies einer ärztliche Behandlung. Andernfalls können sich die Wucherungen auf gesunde Körperregionen ausbreiten und im Verlauf der Erkrankung weitere Komplikationen hervorrufen. Sollten sich starke Schmerzen einstellen, muss umgehend der Notarzt gerufen werden. Selbiges gilt bei Herz-Kreislaufbeschwerden und Atemnot.

Das Leser-Trélat-Syndrom tritt vorwiegend bei älteren Menschen auf. Senioren, die an genannten Beschwerden leiden oder bereits einmal an Krebs erkrankt sind, sollten enge Rücksprache mit dem Arzt halten. Eine umfassende körperliche Untersuchung ist in jedem Fall angezeigt. Die richtige Kontaktstelle ist der Hausarzt oder ein Dermatologe. Wer sich infolge der äußerlichen Veränderungen unwohl fühlt, sollte ein Beratungsgespräch mit einem Therapeuten vereinbaren, bevor sich ernste Beschwerden entwickeln. Ausgeprägte Minderwertigkeitskomplexe oder Depressionen bedürfen einer langjährigen Therapie. Mit Kindern ist bei Anzeichen des Leser-Trélat-Syndroms der Kinderarzt aufzusuchen.

Behandlung & Therapie

Falls sich bereits Metastasen gebildet haben, ist eine kurative Behandlung eines Karzinoms im Rahmen des Leser-Trélat-Syndroms nicht mehr möglich. Bedarfsgerechte Chirurgie und symptomatische Behandlungen können das Leben der Patienten eventuell verlängern. Die Lebenserwartung liegt für einen aggressiven Verlauf allerdings bei rund elf Monaten.

Wenn keine Metastasen vorliegen, konzentriert sich die Therapie des Leser-Trélat-Syndroms auf die chirurgische Entfernung des Tumors. Unter Umständen wird zusätzlich eine Bestrahlung angewandt, um im Organismus verbliebene Krebszellen abzutöten. Auch die Alterswarzen auf der Haut werden in der Regel entfernt. Die Entfernung kann zum Beispiel mittels Exzision stattfinden. Mit der Kryotherapie bietet sich alternativ die Möglichkeit, das befallene Gebiet einzufrieren.

Dabei wird das betroffene Gewebe entweder von außen mittels einer Kältesonde behandelt oder das Kühlmittel wird direkt in die Warzen eingespritzt. Die Kryotherapie arbeitet in jedem Fall mit Temperaturen zwischen Minus 70 und Minus 200 Grad Celsius. Eine dritte Möglichkeit ist die Kürettage. Dabei wird das krankhaft veränderte Gewebe chirurgisch entfernt, indem die Warzen mithilfe einer Kürette ausgeschabt werden. In der Regel finden die Eingriffe zur Entfernung der Warzen unter örtlicher Betäubung statt und erfordern keine Vollnarkose.

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Vorbeugung

Da das Leser-Trélat-Syndrom ursächlich bislang nicht abschließend erforscht ist, lässt sich dieser Erkrankung nur schwer vorbeugen. Falls ein Krebs der inneren Organe tatsächlich ursächlich ist, spielt die genetische Ebene für den Ausbruch der Krankheit eine nicht zu unterschätzende Rolle. Bei genetischen Dispositionen sind sämtliche Vorbeugemaßnahmen ohnehin nur mit Einschränkungen wirksam.

Das können Sie selbst tun

Das Leser-Trélat-Syndrom stellt eine Bedrohung für das Leben der Erkrankten dar, sodass umgehend ein Arzt zu besuchen ist. Wenngleich die Patienten unter dem ästhetischen Makel durch die Alterswarzen leiden, steht die Behandlung des bösartigen Tumors an den inneren Organen an erster Stelle. Die Patienten erfahren durch die Diagnose meist eine erhebliche seelische Belastung und fühlen sich in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. Aufkommende Depressionen dürfen jedoch keinesfalls dazu führen, dass die Patienten die Therapie aus mangelnder Antriebskraft hinauszögern.

Denn bei der Entfernung des malignen Tumors ist es essentiell für den Behandlungserfolg, dass die Ärzte die Operation so schnell wie möglich durchführen. Damit ist ein Aufenthalt in einer Klinik verbunden, wobei sich die Patienten an die ärztlichen Vorschriften hinsichtlich körperlicher Aktivitäten, Ruhezeiten und der Einnahme von medizinischen Wirkstoffen halten.

Nach der Entfernung des Tumors wünschen sich viele Patienten eine kosmetische Behandlung der Alterswarzen, die sie als unattraktiv und störend empfinden. Die Entfernung der Alterswarzen übernimmt ein Hautarzt. Anschließend achten die Erkrankten darauf, die gereizten Hautstellen nicht zusätzlich zu beanspruchen. Der Hautarzt gibt dem Patienten dazu Ratschläge für die Körperhygiene, die Nutzung kosmetischer Produkte sowie die Kleidungswahl, die der Betroffene einige Wochen lang befolgt.

Quellen

  • Pfeifer, B., Preiß, J., Unger, C. (Hrsg.): Onkologie integrativ. Urban & Fischer, München 2006
  • Preiß, J. et al.(Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt, München 2014
  • Sauer, R.: Strahlentherapie und Onkologie. Urban & Fischer, München 2009


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