Malve

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 24. April 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die wilde Malve ist eine Schleimdroge, die aufgrund ihrer Wirkstoffe reizlindernd und entzündungshemmend wirkt. In der Volksmedizin ist die Malve seit der Antike sehr beliebt und kann unkompliziert zu Hause aufbereitet werden.

Inhaltsverzeichnis

Vorkommen & Anbau der Malve

Wenn die Malve zu blühen beginnt, verlieren die Blätter ihre tiefgrüne Farbe und die Pflanze insgesamt an Üppigkeit.

Malva sylvestris oder Malva negleita ist eine zweijährige Pflanze, die in der Regel einen Meter, bei geeigneten Wachstumsverhältnissen auch bis zu 3 m hoch wachsen kann.

Die rauhaarigen Stengel der Malve tragen langstielige samtige Herz-oder nierenförmige Blätter, die wechselständig angeordnet sind. Das Kraut blüht zwischen Mai und August mit zarten, aber auffälligen lila bis violetten Blüten, die mit dunkleren Adern durchzogen sind. Jede Blüte besteht aus fünf tief ausgerandeten Blütenblättern.

Die wilde Malve wächst an Feldrainen, Hecken und auf brachliegenden Flächen inzwischen nicht nur in Europa sondern auch den Vereinigten Staaten, Kanada oder Mexiko. Die Samen der Malve sehen wie Käsescheiben aus, weshalb die wilde Malve in einigen Regionen auch als Käseblume bezeichnet wird. Wenn die Malve zu blühen beginnt, verlieren die Blätter ihre tiefgrüne Farbe und die Pflanze insgesamt an Üppigkeit.

Malve in der Natur finden

Malven (Malva) sind eine Gattung von Pflanzen, die häufig in gemäßigten Klimazonen auf der ganzen Welt vorkommen. Sie wachsen in einer Vielzahl von Habitaten, einschließlich Wegrändern, Feldrändern, Gartenanlagen und unbebauten städtischen Flächen. Um Malve in der Natur zu finden und sicher zu identifizieren, sollten Sie auf einige charakteristische Merkmale achten:

1. Standort: Malven bevorzugen offene, sonnige Standorte. Sie sind robust und können auch in gestörten Böden wachsen, wie sie oft an Bau- und Brachflächen zu finden sind.

2. Blätter: Die Blätter der Malven sind normalerweise rundlich mit fünf bis sieben Lappen und oft gezahnt. Die Textur der Blätter kann von weich bis leicht behaart variieren.

3. Blüten: Malven sind besonders bekannt für ihre auffälligen Blüten, die von Frühling bis Herbst erscheinen. Die Blüten haben fünf Blütenblätter und können je nach Art in Farben von weiß über rosa bis lila variieren. Ein charakteristisches Merkmal ist das deutliche Adernetz, das oft dunkler als die Hauptfarbe der Blütenblätter ist.

4. Höhe: Malven können je nach Art unterschiedlich hoch wachsen, einige Arten erreichen Höhen von bis zu einem Meter oder mehr.

5. Früchte: Die Frucht der Malve ist eine runde, scheibenförmige Schote, die in Segmente unterteilt ist, die bei Reife aufspringen können.

Wenn Sie eine Pflanze gefunden haben, die diesen Beschreibungen entspricht, nutzen Sie ein Bestimmungsbuch oder eine App zur Pflanzenidentifikation, um sicherzustellen, dass es sich tatsächlich um eine Malve handelt. Dies ist besonders wichtig, wenn Sie planen, Malven für kulinarische oder medizinische Zwecke zu nutzen, da eine genaue Identifikation essentiell ist, um Verwechslungen mit giftigen Pflanzen zu vermeiden.

Welche Inhaltsstoffe kommen in der Malve vor?

Malven sind nicht nur für ihre Schönheit bekannt, sondern auch für ihre vielfältigen Inhaltsstoffe, die gesundheitliche Vorteile bieten können. Die Pflanze enthält eine Reihe von wichtigen Wirkstoffen, die sie sowohl in der traditionellen als auch in der modernen pflanzlichen Medizin nützlich machen:

1. Schleimstoffe: Malvenblätter und -blüten sind reich an Schleimstoffen, die beim Kontakt mit Wasser aufquellen. Diese Schleimstoffe können eine beruhigende Wirkung auf entzündete oder gereizte Schleimhäute haben, zum Beispiel im Mund- und Rachenraum oder im Verdauungstrakt.

2. Anthocyane: Diese Pflanzenpigmente geben den Malvenblüten ihre charakteristische rosa bis violette Färbung und wirken als Antioxidantien, die den Körper vor Schäden durch freie Radikale schützen können.

3. Flavonoide: Malven enthalten verschiedene Flavonoide, die entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften besitzen. Flavonoide können zur allgemeinen Gesundheitsförderung beitragen und das Risiko für einige chronische Krankheiten senken.

4. Vitamine und Mineralien: Malven sind eine Quelle für Vitamin C und bieten auch eine gewisse Menge an Vitamin A sowie Mineralien wie Eisen und Kalzium.

5. Gerbstoffe (Tannine): In geringeren Mengen enthalten, haben die Gerbstoffe in der Malve adstringierende (zusammenziehende) Eigenschaften, die bei der Behandlung von Hautirritationen und leichten Verletzungen hilfreich sein können.

6. Essenzielle Öle: Wenngleich in kleineren Mengen vorhanden, tragen die ätherischen Öle der Malve zu ihrem Aroma bei und können antimikrobielle Eigenschaften haben.

Diese Kombination aus Inhaltsstoffen macht die Malve zu einer geschätzten Heilpflanze, die in Form von Tees, Extrakten und Salben zur Linderung verschiedener Beschwerden verwendet wird. Besonders ihre Fähigkeit, die Haut und Schleimhäute zu beruhigen und zu schützen, macht sie zu einer beliebten Wahl in der pflanzlichen Medizin.

Anwendung & Verwendung

Hauptwirkstoffe der Malve sind der reichlich enthaltene Pflanzenschleim sowie Gerbstoffe, die Proanthocyane, Rosmarinsäure und Anthocyane aufweisen. Der Schleim besteht aus einer Verbindung von Kohlenhydraten, die der Malve ihre beruhigenden Eigenschaften gibt.

Klinische Studien haben inzwischen gezeigt, dass diese Kohlenhydratverbindung das Immunsystem des menschlichen Körper beeinflussen kann, weshalb sie stärker in den Fokus der medizinischen Forschung gerückt ist. Das in den Blüten enthaltene Flavonol beinhaltet Glykoside mit einem Gossypin-3-Sulfat, Kämpferol, Hypolaetin, Methylhypolaetin sowie lsoscutellarein. Die kräftige Farbe der Blüten basiert auf Anthocyan (Malvin), einem wasserlöslichen Pigment.

Die Ernte von Blättern und Blüten erfolgt in der Zeit von Juni bis September. Die getrockneten Drogen Malvae Polium und Malvao Flos kommen als Tee oder Tinktur zur Anwendung. Zur Fertigung eines Auszuges werden zwei Teelöffel getrocknete oder frische Malvenblätter mit einem Viertelliter lauwarmen Wassers übergossen und für 5 – 10 Stunden ziehen gelassen. Eine Abkochung für Kompressen erfolgt für 10 bis 15 Minuten im selben Mischungsverhältnis.

In der Antike galt die Malve als wirksames Aphrodisiakum und fand Anwendung als Schwangerschaftstest. Blühte eine mit dem Urin der betreffenden Frau benetzte Pflanze, so schien eine Schwangerschaft sicher. Als Schmuck wurde die Malve an Türen geheftet und in Girlanden oder Kränze gewunden. Im Mittelalter wurde aus den Samen der wilden Malve ein nahrhafter Breis gekocht, um schwächliche Kinder aufzupäppeln. Die jungen Blätter werden teilweise als Wildgemüse zubereitet, mitunter werden auch die ausgekochten Wurzeln als Eiweißersatz verwendet.

Heute kommen die kräftigenden Eigenschaften der Wirkstoffe in der Naturkosmetik zum Einsatz. Vor allem reizarme Kosmetikprodukte für Kinder und kräftigende Haarshampoos beinhalten Malvenextrakte. Neuere Produktentwicklungen für Spezialmatratzen für Dekubitus-Patienten oder Allergiker sind ebenfalls mit reizlindernden Extrakten der Malve versetzt.

Bedeutung für Gesundheit, Behandlung & Vorbeugung

Bereits Plinius empfahl die Anwendung der wilden Malve zur Beseitigung von Übelkeit. Während des 16. Jahrhunderts nahm die Malve einen Stellenwert als „omnimorbia“ – Allheilmittel ein, wovon sich heute vor allem der Einsatz als entzündungshemmendes Mittel bewährt hat.

Alle Pflanzenteile der Malve wirken zudem adstringierend, abführend, harntreibend sowie schleimlösend. Die reizlindernden Eigenschaften der Flavonoide machen die Malve zu einem geeigneten und vom BGA empfohlenen Mittel zur Linderung von Reizungen, Schwellungen und kleineren Entzündungen. In der Regel wird die Droge als Tee oder Lösung zum Gurgeln zur Behandlung von Zahnfleischentzündungen, Gastritis und Magengeschwüren, Kehlkopfentzündungen und Pharyngitis, Katarrhen der oberen Atemwege oder Bronchitis angewendet, da sich der in der Malve enthaltene Schleim wie eine Schutzschicht auf die entzündeten Schleimhäute legt.

Vor allem in Teemischungen mit Eukalyptus oder Schlüsselblumenwurzel kommen die Wirkstoffe besonders gut zur Entfaltung. Malvenauszüge können auch dem Badewasser zugesetzt werden, um Hautkrankheiten zu heilen und eine strahlende Haut zu befördern. Als Kompresse dient die Droge der Heilung von Abszessen, einfachen Verbrennungen und der Verringerung von Schwellungen infolge von Insektenstichen durch Entgiftung der betroffenen Areale.


Nebenwirkungen & Wechselwirkungen

Malven gelten allgemein als sicher für die meisten Menschen, insbesondere wenn sie als Tee zur Linderung von leichten Verdauungsbeschwerden oder zur Beruhigung von Haut und Schleimhäuten verwendet werden. Dennoch, wie bei allen Heilpflanzen, gibt es potenzielle Nebenwirkungen und Wechselwirkungen, die beachtet werden sollten:

1. Nebenwirkungen: Malven sind reich an Schleimstoffen, was normalerweise als vorteilhaft angesehen wird, da sie beruhigend und schützend für die Schleimhäute wirken. In seltenen Fällen können diese Schleimstoffe jedoch bei einigen Personen zu Magenverstimmungen oder einer Gefühl von Übelkeit führen. Auch allergische Reaktionen sind möglich, insbesondere bei Personen, die bereits auf andere Pflanzen aus der Familie der Malvengewächse allergisch reagieren.

2. Wechselwirkungen: Obwohl spezifische Wechselwirkungen von Malven mit Medikamenten nicht umfassend dokumentiert sind, sollte man vorsichtig sein, wenn man Medikamente einnimmt, die die Schleimhäute beeinflussen, wie z.B. bestimmte Abführmittel oder Medikamente gegen Sodbrennen. Die Schleimstoffe der Malve könnten theoretisch die Absorption dieser Medikamente verändern.

3. Vorsichtsmaßnahmen: Frauen, die schwanger sind oder stillen, sollten vor der Anwendung von Malven oder anderen Kräuterprodukten immer einen Arzt konsultieren. Obwohl keine spezifischen Risiken für Schwangere oder stillende Mütter bekannt sind, ist generell Vorsicht geboten, da nicht ausreichend Daten zur Sicherheit vorliegen.

Insgesamt ist die Malve eine sehr sichere Pflanze zur Anwendung in der Selbstmedikation bei leichten Beschwerden. Personen mit bestehenden Erkrankungen oder die regelmäßig Medikamente einnehmen, sollten jedoch vor der Anwendung mit einem Fachmann sprechen, um potenzielle Risiken zu minimieren.

Quellen

  • "Medicinal Plants of the World" von Ben-Erik Van Wyk und Michael Wink
  • "Phytotherapy: A Quick Reference to Herbal Medicine" von Francesco Capasso, Timothy S. Gaginella
  • "Medicinal Plants of the World: Chemical Constituents, Traditional and Modern Medicinal Uses" von Ivan A. Ross

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