Flavonoide

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 6. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Flavonoide gehören zur Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe. Hierbei handelt es sich um gewisse chemische Verbindungen, welche die Pflanzen weder für ihren Baustoffwechsel noch für ihren Energiestoffwechsel benötigen. Chemisch gesehen sind sie Mitglied der Polyphenole. Den Flavonoiden werden zudem aufgrund ihrer Inhalte bestimmte Wirkungsweisen zugeschrieben, welche der Gesundheit positiv dienen können.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Flavonoide?

Flavonoide
Flavonoide, die in vielen Pflanzen vorkommen, sind äußerst wirksame Antioxidantien, welche freie Radikale innerhalb des Körpers sozusagen einfangen.

Einige Tierarten wie beispielsweise Schmetterlinge besitzen diese Pflanzenstoffe in ihrem Körper, was durch die Nahrungsaufnahme und deren Einlagerung in ihren Körpern zu erklären ist.

Flavonoide schützen jedoch universell sämtliche Pflanzen vor äußeren Umweltwidrigkeiten und versehen sie mit Farbe, die je nach Untergruppe von Gelb bis Blau reicht. Zudem können sie den menschlichen Organismus vor bestimmten Erkrankungen bewahren oder die Krankheitsrisiken senken. Sie besitzen die Fähigkeit, gesundheitsschädliche freie Radikale, welche im Organismus aggressive Sauerstoffverbindungen darstellen, zu neutralisieren.

Für unterschiedliche Flavonoid-Typen wird unter anderem untersucht, ob sie das Krebsrisiko senken können; belegt ist ein solcher Zusammenhang bislang nicht. Einigen Flavonoiden wird zudem zugeschrieben, die Vermehrung unerwünschter Viren, Bakterien sowie Pilze zu hemmen und den Blutdruck günstig zu beeinflussen. Des Weiteren sollen einige Flavonoide im menschlichen Organismus gefäßerweiternd sowie entzündungshemmend und krampflösend wirken.

Geschichte & Entwicklung

Die Entdeckung und Entwicklung von Flavonoiden als Arzneimittel hat ihre Wurzeln in der Antike, als pflanzliche Heilmittel bereits weit verbreitet waren. Doch erst im 20. Jahrhundert begann die systematische wissenschaftliche Untersuchung dieser Verbindungen.

In den 1930er Jahren isolierte der ungarische Wissenschaftler Albert Szent-Györgyi erstmals Flavonoide, die er als „Vitamin P“ bezeichnete, aus Zitrusfrüchten. Er entdeckte ihre Rolle bei der Kapillarpermeabilität und -festigkeit. Die Bezeichnung „Vitamin P“ wurde später wieder aufgegeben, da Flavonoide die Kriterien eines Vitamins nicht erfüllen. Diese frühen Studien legten den Grundstein für das Verständnis der gesundheitlichen Vorteile von Flavonoiden.

In den folgenden Jahrzehnten intensivierte sich die Forschung, und die chemische Struktur von Flavonoiden wurde genauer untersucht. Forscher entdeckten, dass Flavonoide in fast allen Pflanzen vorkommen und eine Vielzahl biologischer Aktivitäten besitzen, darunter antioxidative, entzündungshemmende und antimikrobielle Eigenschaften.

Ab den 1970er Jahren begannen klinische Studien, die gesundheitlichen Vorteile von Flavonoiden in der menschlichen Ernährung zu bestätigen. Flavonoide wurden als potenziell schützend gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bestimmte Krebsarten und neurodegenerative Erkrankungen identifiziert. Diese Erkenntnisse führten zur Entwicklung von Nahrungsergänzungsmitteln und pflanzlichen Arzneimitteln, die Flavonoide enthalten.

In den letzten Jahrzehnten hat die Forschung weiter Fortschritte gemacht, insbesondere bei der Isolierung und Synthese spezifischer Flavonoide. Moderne Technologien haben es ermöglicht, die Wirkmechanismen dieser Verbindungen besser zu verstehen und ihre potenziellen Anwendungen in der Medizin zu erweitern.

Heute sind Flavonoide ein aktives Forschungsgebiet in der Pharmakologie, mit einem wachsenden Interesse an ihrer Nutzung zur Prävention und Behandlung von Krankheiten. Sie werden sowohl in der traditionellen als auch in der modernen Medizin als vielversprechende therapeutische Wirkstoffe betrachtet.

Pharmakologische Wirkung

Flavonoide wirken wie andere Polyphenole als äußerst wirksame Antioxidantien, welche freie Radikale innerhalb des Körpers sozusagen einfangen. Die freien Radikale stellen immens reaktive Verbindungen dar, welche zum Beispiel durch intensive Sonneneinstrahlung entstehen.

Bevor derartige Verbindungen die Lipide, Proteine oder die DNA schädigen können, sind Flavonoide in der Lage die hochreaktiven Stickstoff- und Sauerstoffmoleküle zu deaktivieren und dadurch eine oxidative Schädigung zu vermeiden. Antioxidativ wirken beispielsweise auch die Vitamine C sowie E. Flavonoide besitzen zudem eine gewisse antimikrobielle Wirkungsweise. So enthält zum Beispiel grüner Tee Epigallocatechin, wodurch innerhalb des menschlichen Organismus genau diese Wirkung erzielt wird.

Den Flavonoiden wird ebenfalls eine bestimmte antivirale Wirkungsweise nachgesagt. Eine weitere Wirkung der Polyphenole soll die Immunsuppression (unterdrückt immunologische Prozesse) sowie die Entzündungshemmung sein. Flavonoide sollen ebenso auf das Herz-Kreislauf-System unterstützend wirken, da so der Blutdruck innerhalb eines gewissen Bereiches ausgeglichen wird.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Unterschiedliche Pflanzenfarben wie violett, rot, gelb und blau werden von den Flavonoiden in Szene gesetzt. Diese Nährstoffe befinden sich oftmals an den Randschichten oder direkt unterhalb der Schale etlicher Gemüse- und Obstsorten. Aus diesen Gründen ist es empfehlenswert, die Schale mitzuessen, um wertvolle Flavonoide nicht zu verlieren.

Zahlreiche Inhaltsstoffe dieser Art befinden sich in etlichen Obstsorten wie Birnen und Pflaumen, Beeren und Trauben sowie Kirschen und Äpfeln. Allerdings enthalten auch diverse Gemüse wie Grünkohl oder Auberginen und Zwiebeln diese Nährstoffe in besonders ausreichendem Maß und gelten somit als äußerst gesundes Gemüse. Selbst innerhalb doch recht unscheinbarer Lebensmittel wie Kakao, Tee oder Schokolade finden sich reichhaltige Flavonoide.

Somit sind diese Genussmittel nicht allein Balsam für die Seele, sondern auch ein wahrer Gesundheitstipp. Um den effektiven Nutzen der Flavonoide aufrechtzuerhalten, ist es unabdingbar, diese gewissen Lebensmittel auch täglich in den Speiseplan zu integrieren. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, täglich reichlich Gemüse und Obst zu essen.

Dadurch bekommt der Organismus außer den lebensnotwendigen Mineralien, Vitaminen und Spurenelementen auch automatisch etliche Flavonoide wie auch sekundäre Pflanzenstoffe. Zudem sollte besser schwarzer oder grüner Tee anstatt Limonade getrunken werden. Lange Zeit galt ein Glas Rotwein am Abend als herz- und gefäßschützend, weil rote Traubenschalen reichlich Flavonoide enthalten. Nach heutigem Kenntnisstand gilt jedoch keine Alkoholmenge als gesundheitlich unbedenklich; die Weltgesundheitsorganisation stufte 2023 auch geringen Alkoholkonsum als risikobehaftet ein.


Risiken & Nebenwirkungen

Die vorzüglichen Eigenschaften der Flavonoide werden erst seit dem 20. Jahrhundert systematisch untersucht, sodass ihre positive Wirkungsweise noch nicht vollkommen belegt ist. Bei der Aufnahme über die Nahrung zeigten sie innerhalb der Studien keine Schädigung beim Menschen. Als Arzneimittelbestandteil werden Flavonoide bei Herz-Kreislauf-Mitteln, als Lebertherapeutika sowie Diuretika (Ausschwemmung von Flüssigkeit) und bei Magen-Darm-Beschwerden als Spasmolytika (senkt die Muskelspannung/löst ihre Verkrampfung) genutzt. Nebenwirkungen sind bei der Aufnahme über die Nahrung bisher kaum bekannt; bei hoch dosierten Präparaten sind sie dagegen möglich.

Anwendung & Sicherheit

Die Anwendung von Flavonoiden als Arzneimittel erfolgt meist in Form von Nahrungsergänzungsmitteln, pflanzlichen Extrakten oder standardisierten Medikamenten. Diese Präparate können oral eingenommen werden und sind in verschiedenen Darreichungsformen wie Kapseln, Tabletten, Pulvern oder flüssigen Extrakten erhältlich. Flavonoide werden zur Unterstützung der Herz-Kreislauf-Gesundheit, zur Reduzierung von Entzündungen, zur Unterstützung des Immunsystems und als Antioxidantien verwendet.

Die Sicherheit von Flavonoiden hängt von der Dosierung, der Reinheit und der individuellen Verträglichkeit ab. Im Allgemeinen gelten Flavonoide als sicher, wenn sie in den üblichen Mengen aus der Nahrung oder als standardisierte Ergänzungen eingenommen werden. Nebenwirkungen sind selten, können aber bei hohen Dosen oder bei Menschen mit bestimmten Allergien auftreten. Bei Vorerkrankungen und in der Schwangerschaft wird die Einnahme von Flavonoid-Präparaten deshalb ärztlich abgeklärt.

Die Qualitätskontrolle bei der Herstellung von Flavonoid-Präparaten ist entscheidend, um die Sicherheit und Wirksamkeit zu gewährleisten. Hersteller müssen strenge Richtlinien und Standards wie die Good Manufacturing Practices (GMP) einhalten. Diese Standards stellen sicher, dass die Produkte frei von Verunreinigungen sind und die angegebene Menge an Wirkstoffen enthalten. Regelmäßige Tests und Analysen durch unabhängige Labors sind üblich, um die Qualität und Reinheit der Flavonoide zu überprüfen.

Darüber hinaus müssen Hersteller genaue Etikettierungen und Anweisungen zur Dosierung bereitstellen, um den sicheren Gebrauch der Produkte zu gewährleisten. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, dass Flavonoid-Präparate eine zuverlässige und wirksame Option für die Ergänzung der Gesundheit bleiben.

Alternativen

Es gibt mehrere alternative Medikamente zu Flavonoiden, die je nach therapeutischem Ziel und Erkrankung eingesetzt werden können. Hier sind einige Beispiele und ein Vergleich mit Flavonoid-Therapieformen:

Andere Antioxidantien: Zu den alternativen Antioxidantien gehören Vitamin C, Vitamin E und Beta-Carotin. Diese Substanzen wirken ähnlich wie Flavonoide, indem sie freie Radikale neutralisieren und oxidative Schäden reduzieren. Während Flavonoiden zusätzliche entzündungshemmende und kardiovaskuläre Wirkungen zugeschrieben werden, sind die genannten Vitamine gezielter und können bei spezifischen Mangelzuständen eingesetzt werden.

Entzündungshemmende Medikamente: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen und Aspirin werden häufig zur Linderung von Entzündungen und Schmerzen verwendet. Im Vergleich zu Flavonoiden wirken NSAR schneller und gezielter bei akuten Entzündungen, können jedoch Nebenwirkungen wie Magenbeschwerden und erhöhtes Blutungsrisiko verursachen. Ein vergleichbarer entzündungshemmender Nutzen von Flavonoiden ist beim Menschen bislang nicht belegt.

Cholesterinsenkende Medikamente: Statine wie Atorvastatin und Simvastatin sind gängige Medikamente zur Senkung des Cholesterinspiegels und zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Während Flavonoide ebenfalls zur Verbesserung der Herzgesundheit beitragen können, sind Statine in ihrer Wirksamkeit und in der Fähigkeit, LDL-Cholesterin zu senken, stärker. Als Ersatz für Statine sind Flavonoide dagegen nicht geeignet.

Antihypertensiva: Medikamente wie ACE-Hemmer, Betablocker und Kalziumkanalblocker werden zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt. Diese Medikamente sind hochwirksam und oft notwendig für Patienten mit schwerem Bluthochdruck. Flavonoide können helfen, den Blutdruck moderat zu senken und die Gefäßgesundheit zu unterstützen, ersetzen eine blutdrucksenkende Behandlung jedoch nicht.

Immunmodulatoren: Medikamente wie Methotrexat und Biologika werden zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen verwendet. Sie wirken gezielt und stark, um das Immunsystem zu regulieren. Flavonoide bieten eine mildere Unterstützung des Immunsystems und können entzündungshemmend wirken, sind jedoch nicht so spezifisch oder stark wie diese Medikamente.

Diese alternativen Medikamente bieten spezifische Vorteile und sind oft notwendiger Bestandteil der Behandlung schwerwiegender Erkrankungen. Flavonoide bieten eine natürlichere Ergänzung oder Unterstützung, besonders bei chronischen und präventiven Gesundheitsmaßnahmen.

Forschung & Zukunft

Aktuelle Trends in der Forschung zu Flavonoiden als Arzneimittel konzentrieren sich auf ihre vielfältigen therapeutischen Potenziale und die Verbesserung ihrer Bioverfügbarkeit. Ein bedeutender Trend ist die Untersuchung der molekularen Mechanismen, durch die Flavonoide wirken. Forscher versuchen, die genauen Signalwege zu identifizieren, die von Flavonoiden beeinflusst werden, um gezieltere und effektivere Therapien zu entwickeln.

Ein weiterer wichtiger Forschungsbereich ist die Verbesserung der Bioverfügbarkeit von Flavonoiden. Da viele Flavonoide schlecht wasserlöslich sind und vom Körper nicht optimal aufgenommen werden, arbeiten Wissenschaftler an neuen Formulierungen und Trägersystemen wie Nanopartikeln, Liposomen und Phytosomen. Diese Technologien können die Aufnahme und Wirksamkeit von Flavonoiden im Körper erhöhen.

Zudem wird intensiv an der Nutzung von Flavonoiden zur Krebsprävention und -therapie geforscht. Einige Studien haben gezeigt, dass Flavonoide das Wachstum von Krebszellen hemmen und deren Apoptose fördern können. Klinische Studien untersuchen derzeit die Kombination von Flavonoiden mit traditionellen Chemotherapien, um die Wirksamkeit zu erhöhen und Nebenwirkungen zu reduzieren.

Ein weiterer innovativer Ansatz ist die Anwendung von Flavonoiden zur Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson. Forschungen deuten darauf hin, dass Flavonoide neuroprotektive Eigenschaften besitzen und die Gehirnfunktion verbessern können. Diese Eigenschaften machen sie zu vielversprechenden Kandidaten für die Entwicklung neuer Therapien.

Darüber hinaus wird die Rolle von Flavonoiden in der Mikrobiom-Gesundheit untersucht. Einige Studien legen nahe, dass Flavonoide das Wachstum nützlicher Darmbakterien fördern und entzündliche Prozesse im Darm reduzieren können. Dies könnte weitreichende Auswirkungen auf die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden haben.

Diese Trends zeigen, dass die Forschung zu Flavonoiden als Arzneimittel stetig voranschreitet und neue, vielversprechende Behandlungsansätze entwickelt werden.

Untergruppen und was sie unterscheidet

Flavonoide sind keine einheitliche Substanz, sondern eine Stoffklasse mit einem gemeinsamen chemischen Grundgerüst. Übersichtsarbeiten gliedern sie in Untergruppen: Flavone, Flavonole, Flavanone, Flavanole, Anthocyane, Isoflavone und Chalkone. Welcher Untergruppe eine Verbindung angehört, entscheidet sich an vergleichsweise feinen Unterschieden im Bau dieses Gerüsts.

Diese Einteilung ist mehr als eine Ordnungsfrage, denn die Untergruppen kommen in verschiedenen Lebensmitteln vor und verhalten sich im Körper unterschiedlich. Zu den Flavonolen zählt Quercetin, das vor allem in Zwiebeln, Äpfeln und Beeren steckt. Flavanone sind für Zitrusfrüchte kennzeichnend, Anthocyane geben dunklen Beeren, Rotkohl und blauen Trauben ihre Farbe, und die Isoflavone finden sich vor allem in der Sojabohne und in daraus hergestellten Lebensmitteln.

Wer über „die Flavonoide“ spricht, meint daher meist nur eine dieser Untergruppen. Eine Beobachtung an Kakaoflavanolen sagt nichts über Isoflavone aus, und ein Befund zu einem einzelnen Flavonol lässt sich nicht auf die Stoffklasse hochrechnen. Viele scheinbare Widersprüche zwischen einzelnen Untersuchungen lösen sich auf, sobald man nachsieht, welche Untergruppe jeweils gemeint war.

Was beworben werden darf

Für Aussagen über Flavonoide auf Verpackungen und in der Werbung gilt in der Europäischen Union die Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben. Ihr Artikel 10 kehrt die gewohnte Beweislast um: Gesundheitsbezogene Angaben sind verboten, sofern sie nicht ausdrücklich zugelassen und in die Unionsliste der zulässigen Angaben aufgenommen worden sind. Nicht der Zweifelnde muss belegen, dass eine Aussage falsch ist, sondern der Hersteller, dass sie zutrifft – in einem Verfahren, in dem die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit die vorgelegten Studien bewertet.

In dieser Unionsliste, aufgestellt mit der Verordnung (EU) Nr. 432/2012, steht bis heute ein einziger Eintrag, der Flavonoide betrifft: die Kakaoflavanole. Er wurde 2013 durch die Verordnung (EU) Nr. 851/2013 eingefügt und lautet im Wortlaut: „Kakaoflavanole fördern die Elastizität der Blutgefäße, was zum normalen Blutfluss beiträgt.“ Selbst dieser Eintrag ist eng gefasst. Er darf nur bei Kakaogetränken, dunkler Schokolade und flavanolreichen Kakaoextrakten verwendet werden, und der Verbraucher ist darüber zu informieren, dass sich die beschriebene Wirkung erst ab einer bestimmten täglichen Aufnahme einstellt.

Alles Weitere, was Flavonoiden im Alltag zugeschrieben wird, darf in Kennzeichnung und Werbung nicht als gesundheitsbezogene Angabe auftreten. Für Nahrungsergänzungsmittel kommt hinzu, dass die Richtlinie 2002/46/EG es untersagt, ihnen in Kennzeichnung, Aufmachung oder Werbung Eigenschaften zuzuschreiben, die der Verhütung, Behandlung oder Heilung einer menschlichen Krankheit dienen. Das ist keine Aussage darüber, ob eine Wirkung besteht. Es ist eine Aussage darüber, was als hinreichend belegt gilt, um damit werben zu dürfen.

Wenn das Lebensmittel das Medikament stört

Dass ein flavonoidreiches Lebensmittel die Wirkung eines Arzneimittels verändert, heißt noch nicht, dass die Flavonoide dafür verantwortlich sind. Die Grapefruit ist dafür das Lehrstück. Ihre Wechselwirkung mit zahlreichen Arzneistoffen wurde lange dem Flavonoid Naringin zugeschrieben. Als Hauptursache des bekanntesten Teils dieses Effekts gilt heute eine andere Stoffgruppe: die Furanocumarine, die chemisch keine Flavonoide sind. Sie hemmen ein Enzym in der Darmwand, das viele Wirkstoffe bereits vor dem Übertritt ins Blut abbaut; fällt dieser Abbau weg, gelangt mehr Wirkstoff in den Kreislauf als vorgesehen.

Naringin ist damit nicht aus dem Spiel, wirkt aber in die Gegenrichtung. In klinischen Untersuchungen einer Arbeitsgruppe um D. G. Bailey hemmte es ein Transportsystem in der Darmwand, das bestimmte Wirkstoffe aus dem Darm aufnimmt; die in den Körper gelangende Menge fiel dadurch geringer aus. Dieselbe Frucht kann also die Aufnahme des einen Arzneistoffs steigern und die eines anderen senken, und zwar über zwei verschiedene Inhaltsstoffe. Für Flavonoide im Allgemeinen folgt daraus keine Regel – wohl aber, dass sich die Frage, welcher Inhaltsstoff eine Beobachtung erklärt, nicht am Ruf der Stoffgruppe entscheiden lässt.

Quellen

  • Biesalski, H. K., Bischoff, S. C., Pirlich, M., Weimann, A. (Hrsg.): Ernährungsmedizin.
    ISBN: 9783132445956
  • Hahn, A., Ströhle, A., Wolters, M.: Ernährung.
    ISBN: 9783804739628
  • Elmadfa, I., Leitzmann, C.: Ernährung des Menschen.
    ISBN: 9783825288099
  • Bühring, U.: Lehrbuch Heilpflanzenkunde.
    ISBN: 9783132455290
  • Heinrich, P. C., Müller, M., Graeve, L., Koch, H.-G. (Hrsg.): Löffler/Petrides Biochemie und Pathobiochemie.
    ISBN: 9783662602652

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