Nierenersatztherapie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 3. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei der Nierenersatztherapie wird die Nierenfunktion eines Patienten mit Niereninsuffizienz partiell oder total ersetzt. Die Verfahren reichen über verschiedene Dialysemethoden bis hin zur Nierentransplantation. Ein Transplantat wird vor allem deshalb angestrebt, weil eine langjährige Dialyse den Blutkreislauf und andere Organe belasten kann und die Nierenfunktion nur teilweise ersetzt.
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Was ist die Nierenersatztherapie?
Die Nierenersatztherapie entspricht dem medizinischen Behandlungsweg bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz. Nierenersatztherapeutische Behandlungen ersetzen partiell oder total die Nierenfunktion. Therapeutisch gibt es mehrere Einzelverfahren mit diesem Ziel: Die Hämodialyse, die Peritonealdialyse und die Nierentransplantation sind die bekanntesten davon.
Therapiewege wie die Hämodialyse und die Peritonealdialyse werden auch unter dem Begriff der Nierenersatzverfahren zusammengefasst. Nierenersatzverfahren werden sowohl bei temporärem als auch bei dauerhaftem Teil- oder Gesamtverlust der Nierenfunktionen angewandt. Auch Verfahren wie die Ultrafiltration fallen in diese methodische Gruppe. Als Verpflanzung einer Spenderniere in einen Organempfänger ist die Nierentransplantation das weitreichendste Nierenersatzverfahren.
Wichtig für das Verständnis ist, dass „Nierenersatztherapie“ kein einzelnes Verfahren bezeichnet, sondern eine ganze Gruppe. Der Begriff steht für den Behandlungsweg als solchen und umfasst gleichermaßen die Dialyseverfahren und die Verpflanzung einer Spenderniere. Wer von Nierenersatztherapie spricht, meint also nicht die Dialyse allein - und ebenso wenig nur die Transplantation. Für den einzelnen Patienten schließen sich beide Wege auch nicht aus: Die meisten Transplantierten haben zuvor über längere Zeit dialysiert, und wer ein Transplantat verliert, kehrt zur Dialyse zurück.
Von benachbarten Eingriffen an der Niere ist die Nierenersatztherapie klar zu unterscheiden. Die Nephrektomie, also die operative Entfernung einer Niere, beseitigt ein erkranktes Organ; sie ersetzt keine Funktion und zählt deshalb nicht zu den Nierenersatzverfahren. Umgekehrt ist die Nierentransplantation zwar eine Operation, wird aber ihrem Zweck nach zur Nierenersatztherapie gerechnet, weil sie die ausgefallene Leistung wiederherstellt.
Was genau ersetzt werden muss, ergibt sich aus den Aufgaben des Organs. Die Nieren scheiden Abbauprodukte des Stoffwechsels aus, regeln den Wasserhaushalt und die Zusammensetzung der Elektrolyte im Blut, halten den Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht, beteiligen sich an der Regelung des Blutdrucks, bilden einen Botenstoff, der die Blutbildung im Knochenmark anregt, und wandeln Vitamin D in seine wirksame Form um. Ein Dialyseverfahren übernimmt im Wesentlichen die ersten Aufgaben - es entgiftet, entwässert und ordnet den Salz- und Säurehaushalt. Die hormonellen Leistungen ersetzt es nicht; sie müssen zusätzlich medikamentös ausgeglichen werden. Genau deshalb gilt die Dialyse als Teilersatz, während allein ein gut arbeitendes Transplantat die Nierenfunktion in ihrer ganzen Breite übernimmt.
Zu unterscheiden ist ferner, aus welchem Anlass ersetzt wird. Beim akuten Nierenversagen fällt die Nierenfunktion plötzlich aus, etwa im Rahmen einer schweren Erkrankung, eines Kreislaufschocks oder einer Blutvergiftung. Hier ist der Ersatz eine Überbrückung: Er hält den Patienten über die Zeit, bis sich die Nieren erholen, und wird in der Intensivmedizin häufig als kontinuierlich über den Tag laufendes Verfahren durchgeführt, weil dies den Kreislauf schwerkranker Patienten weniger belastet. Bei der chronischen, nicht mehr rückbildungsfähigen Niereninsuffizienz dagegen ist der Ersatz auf Dauer angelegt und bestimmt den Alltag über Jahre.
Zu den Erkrankungen, die am Ende dorthin führen, gehören unter anderem der Diabetes mellitus, ein über lange Zeit unzureichend behandelter Bluthochdruck, Entzündungen der Nierenkörperchen wie die Nierenentzündung sowie erbliche Veränderungen wie die Zystennieren. Weil diese Krankheiten sich meist über Jahre entwickeln, bleibt in der Regel Zeit, den Übergang zur Nierenersatztherapie vorzubereiten.
Funktion, Wirkung & Ziele
Nach einer Lebendspende oder einer postmortalen Spende wird dem Patienten dabei in einer allogenen, heterotopen und substitutiven Transplantation eine neue Niere verpflanzt. Die Blutgruppe und immunologische Konstitution von Spender und Empfänger müssen weitestgehend übereinstimmen, damit eine Transplantation erfolgen kann. Inzwischen sind unter besonderen Voraussetzungen auch Transplantationen über die Blutgruppengrenze hinweg möglich. Meist wird die Niere nicht an die eigentliche Position der Nieren verpflanzt, sondern in den Beckenbereich. Die eigenen Nieren bleiben in der Regel im Körper und die neue Niere übernimmt fortan deren Arbeit. Die Blutgefäße der Spenderniere werden zu diesem Zweck mit den Beckengefäßen vernäht. Der Harnleiter des Transplantats wird direkt an die Blase angebunden. Häufig nimmt die neue Niere noch während der Transplantation die Arbeit auf. Mitunter setzt die Funktion aber erst nach Tagen oder Wochen ein.
Um Abstoßungen durch das Immunsystem zu vermeiden, werden dem Patienten in der Regel Immunsuppressiva gegeben. Manche Patienten kommen allerdings generell nicht als Transplantatempfänger infrage. Das gilt speziell für Patienten, bei denen eine bestimmte Krankheit das Nierenleiden auslöst und auch nach einer Transplantation wieder eintreten lassen wird. In solchen Fällen sind Dialyseverfahren als Nierenersatztherapie angezeigt. Dasselbe gilt für Patienten, für die sich zeitnah keine geeignete Spenderniere findet. Bei der nierenersatztherapeutischen Peritonealdialyse dient das Peritoneum, also das Bauchfell, als Dialysemembran. Dialysat wird bei der Behandlung in die Bauchhöhle eingelassen. Das Bauchfell wird als Membran zur Ausschwemmung ausscheidungspflichtiger Stoffe verwendet.
Der Zugang zum Bauchfell wird durch ein Kathetersystem ermöglicht. Dieses System wird mithilfe einer subkutanen Tunnelung bis in die Bauchhöhle geführt. Bei der Hämodialyse filtert ein Dialysator die ausscheidungspflichtigen Substanzen dagegen aus dem Blut heraus. Um den Blutfluss in den Dialysator zu gewährleisten, wird dem Patienten zuvor operativ ein sogenannter Dialyseshunt angelegt, eine Kurzschlussverbindung zwischen einer Arterie und einer Vene, meist am Unterarm. Die Dialysebehandlung selbst überwacht der Nephrologe. Diese drei Verfahren der Nierenersatztherapie sind bei Weitem nicht die einzigen. Im Bereich der Dialyseverfahren zählen zum Beispiel auch die SLEDD und die Ultrafiltration zu den Nierenersatzverfahren, die als eine Art Spezialdialysen gelten. Keine Dialyse kann die Leistung einer gesunden Niere allerdings vollständig ersetzen. Sobald die Nieren vollständig ausfallen, wird daher auf lange Sicht, wenn möglich, eine Transplantation angestrebt.
Wann eine Nierenersatztherapie beginnt, entscheidet sich nicht an einem einzelnen Laborwert. Maßgeblich ist das Gesamtbild aus Beschwerden, körperlichem Befund und Verlauf. Für einen baldigen Beginn sprechen eine Wassereinlagerung, die sich medikamentös nicht mehr beherrschen lässt, ein aus dem Gleichgewicht geratener Kalium- oder Säurehaushalt, eine Herzbeutelentzündung oder Bewusstseinsstörungen im Rahmen einer Harnvergiftung. Auch anhaltende Übelkeit, Appetitlosigkeit, quälender Juckreiz und zunehmende Erschöpfung sind Anlass, den Beginn nicht länger aufzuschieben. Umgekehrt ist ein früher Beginn ohne solche Zeichen nicht von sich aus vorteilhaft.
Die Vorbereitung reicht deshalb weit vor die erste Behandlung zurück. Wird ein Patient rechtzeitig an einen Nephrologen angebunden, lässt sich der Übergang planen statt notfallmäßig einzuleiten. Dazu gehört, dass die Verfahren in Ruhe erklärt werden, dass ein Zugang rechtzeitig angelegt wird - eine neu geschaffene Gefäßverbindung muss erst reifen, bevor sie belastbar ist - und dass geprüft wird, ob eine Transplantation infrage kommt. Am günstigsten ist es, wenn ein Transplantat verpflanzt werden kann, bevor überhaupt mit der Dialyse begonnen wurde; das setzt allerdings voraus, dass ein geeignetes Organ zur Verfügung steht.
Für die Hämodialyse gibt es mehrere Zugangswege. Bevorzugt wird eine dauerhafte Verbindung aus körpereigenen Gefäßen, bei der eine Arterie mit einer benachbarten Vene verbunden wird, sodass die Vene sich unter dem höheren Druck weitet und kräftiger wird. Sind die eigenen Gefäße dafür nicht geeignet, kann eine Gefäßprothese aus Kunststoff dazwischengeschaltet werden. Als dritte Möglichkeit bleibt ein Katheter in einer großen körpernahen Vene; er ist sofort einsatzbereit und deshalb in dringenden Fällen unverzichtbar, birgt aber ein deutlich höheres Infektionsrisiko und wird nach Möglichkeit nur vorübergehend genutzt. Während der Behandlung muss die Blutgerinnung gehemmt werden, damit das Blut im Schlauchsystem nicht verklumpt.
Auch in der Organisation gibt es mehr als einen Weg. Die Behandlung kann in einem Dialysezentrum unter ständiger Betreuung stattfinden, in einer Einrichtung mit geringerer Betreuungsdichte, bei der Patienten einen Teil der Handgriffe selbst übernehmen, oder zu Hause. Manche Patienten dialysieren nachts im Schlaf. Die Bauchfelldialyse wird ohnehin überwiegend zu Hause durchgeführt, entweder mit Beutelwechseln von Hand über den Tag verteilt oder maschinengestützt in der Nacht. Wer regelmäßig verreisen möchte, kann Behandlungen an anderen Orten vereinbaren; das erfordert Vorlauf, ist aber üblich.
Welches Verfahren gewählt wird, ist deshalb selten allein eine medizinische Frage. Es zählen die verbliebene eigene Nierenleistung, der Zustand von Herz und Kreislauf, frühere Bauchoperationen, Sehkraft und Handgeschick, die Wohnverhältnisse, die Unterstützung durch Angehörige, die Entfernung zum nächsten Zentrum und die berufliche Situation. Ebenso zählt, was der Patient sich zutraut und was er sich wünscht. Eine gute Entscheidung entsteht im Gespräch, und sie ist nicht unumstößlich: Ein Wechsel von einem Verfahren zum anderen ist möglich und im Verlauf einer langen Behandlungszeit häufig.
Zur Nierenersatztherapie gehört überdies eine umfangreiche Begleitbehandlung. Der Blutdruck muss eingestellt, eine Blutarmut behandelt, die Aufnahme von Phosphat aus der Nahrung begrenzt und der Vitamin-D-Stoffwechsel unterstützt werden; andernfalls leiden auf Dauer Knochen und Gefäße. Eine Ernährungsberatung hilft, die nötigen Einschränkungen mit einer ausreichenden Versorgung zu vereinbaren. Empfohlen werden außerdem regelmäßige Bewegung sowie ein vollständiger Impfschutz, weil die Abwehrlage bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz geschwächt ist.
Schließlich gibt es einen Weg, der bewusst gegen ein Ersatzverfahren führt. Bei sehr alten Menschen und bei Patienten mit schweren Begleiterkrankungen kann eine Dialyse die verbleibende Lebenszeit stark belasten, ohne sie wesentlich zu verlängern. In solchen Fällen ist eine konservative Behandlung möglich, die auf das Ersatzverfahren verzichtet und stattdessen die Beschwerden lindert, den Salz- und Wasserhaushalt so gut wie möglich ordnet und die Begleitung im Sinne der Palliativmedizin in den Vordergrund stellt. Diese Entscheidung setzt eine offene Aufklärung über beide Wege voraus und kann jederzeit überdacht werden.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Verglichen mit der Hämodialyse werden bei der Peritonealdialyse mehr Proteine, dafür aber weniger Kreatinin und Harnstoff ausgeleitet. Auf lange Sicht kann jede Dialyse die Blutgefäße, die Gelenke oder sogar das Herz Schaden nehmen lassen. Dialyseverfahren sind für den Patienten sowohl körperlich als auch psychisch eine große Belastung und erfordern die strikte Orientierung an bestimmten Ernährungsregeln. Kaliumhaltige Nahrungsmittel müssen zum Beispiel gemieden werden, da ansonsten das Risiko für Herzrhythmusstörungen steigt. Da die Dialyse wasserlösliche Vitamine aus dem Körper schwemmt, müssen Dialysepatienten außerdem Nahrungsergänzung betreiben. Ihre Lebensqualität empfinden sie meist als eingeschränkt.
Da die Hämodialyse in der Regel mehrmals pro Woche stattfindet und die Peritonealdialyse täglich durchgeführt wird, sind die Patienten auch in der Planung ihres Alltags nicht mehr frei. Die Nierentransplantation beschränkt die Lebensqualität auf lange Sicht deutlich weniger. Dieser Therapieweg ist außerdem die einzige Nierenersatztherapie, die die Nierenfunktion vollständig ersetzen kann. Sie verbessert die Lebensqualität und den allgemeinen Gesundheitszustand der Patienten, ist wie auch die Dialyse aber mit Risiken verbunden. Neben den allgemeinen Risiken von Operationen und Anästhesien besteht bei einer Nierentransplantation immer das Risiko einer Abstoßung. Dieses Risiko ist für den Patienten psychisch enorm belastend. Eine Abstoßung kann unter Umständen auch dann noch erfolgen, wenn der Körper die Niere unmittelbar nach der Operation angenommen zu haben scheint. Auch ein Transplantat arbeitet nicht unbegrenzt lange; verliert es seine Funktion, ist erneut eine Dialyse oder eine weitere Transplantation nötig.
Obwohl Immunsuppressiva die Abstoßungsrate im Allgemeinen verringern, ist eine Abstoßung bei einer Transplantation niemals vollkommen ausgeschlossen. Auch entzündliche Immunreaktionen sind ein gewisses Risiko. Nichtsdestotrotz ist die Transplantation ab einem bestimmten Stadium die Therapie der Wahl.
Bei der Hämodialyse treten die Beschwerden vor allem während und kurz nach der Behandlung auf. Wird dem Körper zu viel Flüssigkeit oder wird sie zu rasch entzogen, kann der Blutdruck abfallen; die Betroffenen werden blass, schwitzen, klagen über Schwindel oder Übelkeit. Auch Muskelkrämpfe und Kopfschmerzen sind verbreitet, ebenso eine ausgeprägte Erschöpfung an den Behandlungstagen, die manche Patienten den Rest des Tages kostet. Der Gefäßzugang selbst kann Probleme bereiten: Die Verbindung kann sich verengen oder verschließen, sich sackartig erweitern oder sich entzünden, und in seltenen Fällen wird die Hand hinter dem Zugang nicht mehr ausreichend durchblutet. Ein liegender Katheter birgt zusätzlich die Gefahr, dass Erreger unmittelbar in die Blutbahn gelangen.
Die Bauchfelldialyse bringt andere Schwierigkeiten mit sich. Der Katheter kann verrutschen, die Flüssigkeit nicht mehr richtig ein- oder auslaufen, und der ständige Druck im Bauchraum begünstigt einen Leistenbruch oder einen Nabelbruch. Da die Spülflüssigkeit Zucker enthält, der teilweise aufgenommen wird, kommt es häufig zu einer Gewichtszunahme und zu ungünstigen Veränderungen der Blutfette. Über die Jahre kann das Bauchfell zudem seine Filterleistung verlieren, sodass ein Wechsel zur Hämodialyse notwendig wird - die Bauchfelldialyse ist damit für viele Patienten ein Verfahren auf Zeit.
Unabhängig vom gewählten Verfahren wirkt sich die Behandlung auf den ganzen Körper aus. Die Haut wird trocken und juckt, das Knochengerüst leidet unter dem gestörten Kalzium- und Phosphathaushalt, die Gefäße verkalken schneller, und viele Betroffene sind anhaltend erschöpft. Auch die seelische Belastung ist erheblich: Der Verlust der Selbstbestimmung über die eigene Zeit, die Abhängigkeit von einer Maschine, Einschränkungen bei Essen und Trinken und die Sorge um die berufliche Zukunft führen häufig zu Niedergeschlagenheit. Angehörige tragen einen großen Teil dieser Last mit. Sozialrechtliche Beratung, psychologische Unterstützung und der Austausch mit anderen Betroffenen gehören deshalb zu einer guten Betreuung.
Bei der Nierentransplantation stehen zunächst die Risiken des Eingriffs selbst im Vordergrund. Es kann zu Nachblutungen, zu Wundheilungsstörungen und zu Ansammlungen von Lymphflüssigkeit um das Transplantat kommen; die Verbindung des Harnleiters mit der Blase kann undicht werden oder vernarben, und im ungünstigsten Fall verschließt sich ein Blutgefäß des Transplantats. Nimmt das Organ seine Arbeit verzögert auf, ist vorübergehend weiter eine Dialyse nötig, bis die Funktion einsetzt.
Auf längere Sicht bestimmen die Medikamente das Bild, die eine Abstoßung verhindern sollen. Sie müssen dauerhaft und sehr zuverlässig eingenommen werden, denn schon einzelne Auslassungen können eine Abstoßung auslösen. Weil sie die körpereigene Abwehr insgesamt dämpfen, treten Infektionen häufiger auf und verlaufen schwerer; auch Erreger, die sonst kaum Beschwerden verursachen, können gefährlich werden. Über die Jahre steigt außerdem das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen, insbesondere für Hautkrebs, weshalb konsequenter Sonnenschutz und regelmäßige Kontrollen der Haut empfohlen werden. Hinzu kommen mögliche Nebenwirkungen wie Bluthochdruck, erhöhte Blutzuckerwerte, Zittern oder Veränderungen des Zahnfleischs.
Eine Transplantation entlässt den Patienten daher nicht aus der Behandlung, sondern führt ihn in eine andere Form der Betreuung über. Lebenslang sind regelmäßige Kontrollen der Nierenwerte, der Medikamentenspiegel und des allgemeinen Gesundheitszustands erforderlich, anfangs engmaschig, später in größeren Abständen. Für viele Betroffene wiegt der Gewinn an Freiheit diese Verpflichtung deutlich auf - die Entscheidung für oder gegen einen Behandlungsweg bleibt aber eine, die nur im Einzelfall und gemeinsam mit den behandelnden Ärzten getroffen werden kann.
Quellen
- Kuhlmann, U., Böhler, J., Luft, F. C., et al.: Nephrologie.
ISBN: 9783137002062
- Geberth, S., Nowack, R.: Praxis der Dialyse.
ISBN: 9783642412073
- Breuch, G., Servos, W.: Dialyse für Einsteiger.
ISBN: 9783437252570
- Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Innere Medizin.
ISBN: 9783132443471
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
