Anästhesie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Anästhesie ist ein medizinisches Verfahren, mit welchem die körperliche Schmerzempfindung und bestimmte Funktionen des Körpers ausgeschaltet werden. Es wird eingesetzt, um operative Eingriffe oder Diagnoseverfahren für den Patienten schmerzfrei durchführen zu können.
Was ist Anästhesie?
Es gibt verschiedene Arten von Anästhesien, am bekanntesten sind die Allgemeinanästhesie (Vollnarkose), die Lokalanästhesie (örtliche Betäubung) und die Regionalanästhesie (Betäubung von größeren Bereichen).
Der Begriff Anästhesie kommt aus dem Griechischen und wird aus den Worteilen an - ohne und aisthesis - Empfindung zusammengesetzt. Mit einer Anästhesie wird Empfindungslosigkeit und damit Schmerzfreiheit, entweder im ganzen Körper oder lokal begrenzt, hergestellt. Durchgeführt wird die Anästhesie von einem Facharzt, dem Anästhesisten.
Die Schmerzfreiheit wird durch Verabreichen von Medikamenten, als Injektion in eine Vene oder in die Umgebung bestimmter Nervenbahnen, oder durch die Gabe von Narkosegasen erreicht. Bei einer Vollnarkose tritt vollständige Bewusstlosigkeit ein, so dass der Patient die medizinischen Eingriffe nicht wahrnimmt; bei lokaler und regionaler Betäubung ist der Patient wach, empfindet aber keinen Schmerz.
Geschichte & Entwicklung
Die Entdeckung und Entwicklung der Anästhesie revolutionierte die Medizin und ermöglichte schmerzfreie chirurgische Eingriffe. Erste Versuche zur Schmerzvermeidung reichen bis in die Antike, wo Substanzen wie Alkohol, Opium oder Mandragora verwendet wurden, um den Schmerz zu lindern. Die moderne Anästhesiegeschichte begann jedoch im 19. Jahrhundert.
1846 führte der amerikanische Zahnarzt William T.G. Morton die erste öffentliche Demonstration einer erfolgreichen Äthernarkose durch. Er verwendete Diethylether während einer Operation zur Entfernung eines Tumors in Boston. Diese Demonstration markierte einen Meilenstein und leitete das Zeitalter der modernen Anästhesie ein. Bereits um 1800, also fast ein halbes Jahrhundert früher, hatte der englische Chemiker Humphry Davy die schmerzlindernde Wirkung von Lachgas (Distickstoffmonoxid) beschrieben, das aber erst deutlich später klinisch genutzt wurde.
Im Jahr 1847 führte der schottische Geburtshelfer James Young Simpson Chloroform in die Geburtshilfe ein, was bald darauf breite Anwendung in der Chirurgie fand. Die Einführung von Chloroform brachte allerdings auch Risiken mit sich, da es toxisch war und Herzstillstände verursachen konnte. Dennoch blieb es für Jahrzehnte weit verbreitet.
Mit der Entdeckung lokaler Betäubungsmittel wie Kokain im Jahr 1884 durch Carl Koller wurde eine weitere Dimension der Anästhesie eröffnet. Kokain war das erste Lokalanästhetikum, das in der Augenheilkunde und bald darauf in anderen Bereichen eingesetzt wurde, was die Entwicklung moderner Lokalanästhetika einleitete.
Einsatz & Indikation
Eine Anästhesie wird durchgeführt, um Schmerzempfindungen während medizinischer Eingriffe auszuschalten und den Patienten in einen schmerzfreien Zustand zu versetzen. Sie wird notwendig, wenn chirurgische oder diagnostische Verfahren Schmerzen verursachen, die für den Patienten unerträglich wären, oder wenn es erforderlich ist, den Patienten ruhig und entspannt zu halten. Dies gilt insbesondere bei Operationen, Zahnbehandlungen, orthopädischen Eingriffen oder bei schmerzhaften diagnostischen Prozeduren wie Endoskopien.
Die Anästhesie ist auch unerlässlich bei Notfalloperationen, bei denen der Patient nicht wach bleiben kann, oder bei längeren, komplexen Eingriffen, um den Körper vor dem Stress zu schützen. Abhängig von der Art des Eingriffs und dem Zustand des Patienten wird zwischen verschiedenen Anästhesieformen unterschieden: Die Vollnarkose (Allgemeinanästhesie) wird eingesetzt, wenn der gesamte Körper betäubt werden muss und der Patient bewusstlos ist. Eine Regionalanästhesie, wie die Spinal- oder Epiduralanästhesie, wird verwendet, um größere Körperregionen zu betäuben, während der Patient wach bleibt. Lokalanästhesien kommen bei kleineren Eingriffen zum Einsatz, wie etwa bei Zahnbehandlungen oder bei der Entfernung von Hautveränderungen, um nur einen kleinen Bereich zu betäuben.
Anästhesie wird auch bei schmerzhaften Therapien, wie bei der Krebsbehandlung oder intensiven Wundbehandlungen, eingesetzt, um den Patienten zu schonen.
Vorteile & Nutzen
Die Anästhesie bietet gegenüber anderen Behandlungsmethoden erhebliche Vorteile, insbesondere bei chirurgischen Eingriffen und schmerzhaften Prozeduren. Einer der Hauptvorteile ist die komplette Schmerzfreiheit während der Operation, was dem Patienten körperlichen und psychischen Stress erspart. Dies ermöglicht nicht nur eine bessere Erfahrung für den Patienten, sondern auch präzisere und ruhigere Arbeitsbedingungen für den Chirurgen, da unwillkürliche Bewegungen oder Reaktionen vermieden werden.
Darüber hinaus ermöglicht die Anästhesie eine Erweiterung der medizinischen Möglichkeiten. Komplexe und langwierige Operationen, die ohne Betäubung aufgrund von Schmerz oder Stress unmöglich wären, können sicher und effektiv durchgeführt werden. Dies gilt sowohl für große chirurgische Eingriffe unter Vollnarkose als auch für kleinere Eingriffe unter Lokalanästhesie oder Regionalanästhesie, bei denen nur bestimmte Körperregionen betäubt werden.
Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, die Anästhesie individuell an den Patienten anzupassen. Je nach Eingriff, Alter, Gesundheitszustand und Vorerkrankungen des Patienten kann die Art der Anästhesie variiert werden, um die Risiken zu minimieren und die Sicherheit zu erhöhen. Außerdem reduziert die Anästhesie die Notwendigkeit invasiverer Schmerzmanagement-Methoden nach dem Eingriff, da postoperative Schmerzen oft durch eine gute anästhesiologische Betreuung reduziert werden können.
Funktion, Wirkung, Anwendung & Ziele
Anästhesien werden immer dann eingesetzt, wenn Behandlungen oder diagnostische Untersuchungen Schmerzen verursachen würden. Dies ist bei operativen Eingriffen der Fall, bei bestimmten Diagnoseverfahren, bei Geburten und in der Schmerztherapie.
Operationen werden je nach Umfang und Dauer des Eingriffs unter örtlicher Betäubung oder unter Vollnarkose durchgeführt. Zur Diagnostik wird die Anästhesie bei Verfahren wie beispielsweise der Endoskopie (Spiegelung = Einführen einer Kamera in Organe) oder der Angiographie (Einspritzen von Kontrastmittel in Blutgefäße, um sie sichtbar zu machen) eingesetzt. Der Verlauf von Geburten wird mit Hilfe der Periduralanästhesie (PDA) erleichtert, da der Wehenschmerz durch die Betäubung deutlich gelindert wird.
Aber auch für Kaiserschnitte wird eine Regionalanästhesie eingesetzt, um der werdenden Mutter die Möglichkeit zu geben, die Geburt bei Bewusstsein zu erleben. Schließlich kommt Anästhesie auch bei der Therapie von chronischen Schmerzzuständen zum Einsatz. Mittels in den Körper eingesetzter Medikamentenpumpen werden dauerhaft Schmerzmittel in den Körper abgegeben, die dem Patienten Schmerzfreiheit ermöglichen.
Die Allgemeinanästhesie oder Vollnarkose schaltet mittels verschiedener Medikamente die Schmerzempfindung des ganzen Körpers aus und versetzt den Patienten in völlige Bewusstlosigkeit. Die Komponenten sind schmerzstillende, betäubende und entspannende Substanzen. Sie verhindern den Schmerz, versetzen den Patienten in eine Art Tiefenschlaf und lassen die Muskeln erschlaffen.
Finden längere Eingriffe statt, so wird bei einer Allgemeinanästhesie ein Tubus (Beatmungsschlauch) in die Luftröhre eingeführt, um dauerhaft eine ausreichende Atmung sicherzustellen. Während der Operation überprüft der Narkosearzt ständig die Körperfunktionen des Patienten und reguliert die Stärke der Anästhesie dementsprechend.
Bei der Lokalanästhesie werden begrenzte Areale des Körpers so betäubt, dass dort kein Schmerz mehr wahrgenommen werden kann. Der Patient bleibt bei Bewusstsein und die Motorik funktioniert weiterhin. Wenn beispielsweise eine Wunde an der Hand genäht werden muss, so kann der Arzt gezielt die Nerven medikamentös betäuben, die für die Versorgung und damit für die Wahrnehmung dieser Stelle zuständig sind. Auch der Zahnarzt wendet die Lokalanästhesie bei der Behandlung von Zähnen an, indem er das Anästhetikum in die Umgebung des Nervs einspritzt, der den betroffenen Zahn versorgt.
Regionalanästhesien betäuben einen größeren Bereich des Körpers als das bei der örtlichen Anästhesie der Fall ist. Bei der Periduralanästhesie beispielsweise wird das betäubende Mittel in den sogenannten Periduralraum eingespritzt und unterbindet damit die Schmerzempfindung in der Körperregion unterhalb der Einstichstelle.
Durchführung & Ablauf
Der Ablauf einer Anästhesie beginnt mit einer präoperativen Untersuchung, bei der der Anästhesist den Gesundheitszustand des Patienten beurteilt, relevante Vorerkrankungen und mögliche Risiken identifiziert und die passende Anästhesieform festlegt. Diese Untersuchung umfasst meist eine Befragung, eine körperliche Untersuchung und gegebenenfalls Blutuntersuchungen oder EKG.
Am Tag des Eingriffs wird der Patient in den Operationssaal gebracht, wo eine Überwachung der Vitalfunktionen wie Herzfrequenz, Blutdruck und Sauerstoffsättigung installiert wird. Bei einer Vollnarkose wird zunächst ein Beruhigungsmittel (Sedativum) verabreicht, gefolgt von einem Narkosemittel, das intravenös oder als Inhalation gegeben wird. Sobald der Patient bewusstlos ist, wird oft ein Beatmungsschlauch (Endotrachealtubus) eingesetzt, um die Atmung während des Eingriffs sicherzustellen.
Während des gesamten Eingriffs überwacht der Anästhesist kontinuierlich die Vitalfunktionen und passt die Narkosemedikation entsprechend an. Bei Regional- oder Lokalanästhesien wird ein Betäubungsmittel in den zu behandelnden Bereich injiziert, während der Patient wach bleibt. Hierbei wird der betroffene Bereich durch Hemmung der Nervenleitungen schmerzfrei gemacht.
Nach dem Eingriff wird die Anästhesie gestoppt, und der Patient erwacht im Aufwachraum, wo er weiter überwacht wird. Postoperative Schmerzen werden gegebenenfalls durch Schmerzmittel behandelt, und der Patient wird erst entlassen, wenn er sich ausreichend erholt hat.
Gefahren & Risiken
Durch modernste Geräte und gut ausgebildete Fachärzte sind die Gefahren bei einer Anästhesie heutzutage gering; wie hoch das Risiko im Einzelfall ist, hängt allerdings maßgeblich von Alter, Vorerkrankungen und Umfang des Eingriffs ab. Häufigste Nebenwirkung nach einer Vollnarkose sind Übelkeit und Erbrechen; bei entsprechend gefährdeten Patienten werden jedoch schon vorbeugend Medikamente gegeben, die diese Beschwerden abschwächen.
Ein mögliches Risiko bei einer Anästhesie mit Intubation ist die falsche Positionierung des Tubus in die Speiseröhre statt in die Luftröhre, doch passiert dies äußerst selten und wird in der Regel sofort bemerkt. Aspiration von eventuell noch vorhandenem Mageninhalt stellt eine weitere Gefahr dar. Um dieses Risiko zu verringern, dürfen Patienten vor einer Narkose über einen festgelegten Zeitraum nichts mehr essen.
Bei lokaler und regionaler Anästhesie können Blutergüsse oder Infektionen an der Injektionsstelle auftreten, sowie allergische Reaktionen vorkommen. Es sind Verletzungen der Nerven möglich, bei rückenmarksnahen Verfahren kommt es außerdem häufig zu einem Blutdruckabfall und selten zu Herzrhythmusstörungen.
Alternativen
Es gibt einige alternative Verfahren zur Anästhesie, die in Betracht gezogen werden können, wenn eine Anästhesie nicht möglich oder nicht empfehlenswert ist, etwa aufgrund von Vorerkrankungen, Allergien oder Unverträglichkeiten gegenüber den verwendeten Medikamenten.
Hypnose ist eine Möglichkeit, die bei bestimmten Patienten eingesetzt werden kann, um den Schmerz zu kontrollieren und Angstzustände zu verringern. In tiefen Hypnosezuständen können Menschen in der Lage sein, Schmerzempfindungen zu blockieren, was besonders bei kleineren Eingriffen nützlich sein kann. Dieses Verfahren erfordert jedoch einen gut trainierten Hypnotiseur und die Bereitschaft sowie Eignung des Patienten.
Ein weiteres Verfahren ist die Akupunktur, eine traditionelle chinesische Methode, die in einigen Fällen zur Schmerzkontrolle eingesetzt wird. Sie kann als Ergänzung oder als Alternative zu herkömmlichen Schmerzmitteln oder Anästhesie dienen, wobei feine Nadeln in bestimmte Punkte des Körpers eingeführt werden, um den Schmerz zu lindern.
Auch die elektrische Nervenstimulation (TENS) kann in bestimmten Fällen als schmerzreduzierende Maßnahme verwendet werden. Durch elektrische Impulse, die über die Haut geleitet werden, können Schmerzen gelindert werden.
Lokal- und Regionalanästhesien, wie die Spinal- oder Epiduralanästhesie, können ebenfalls als Alternative zur Vollnarkose in Betracht gezogen werden. Diese Techniken betäuben nur bestimmte Körperbereiche und sind besonders hilfreich bei Eingriffen, bei denen eine Vollnarkose aufgrund von Gesundheitsrisiken nicht empfohlen wird.
Psychologische Techniken zur Schmerzbewältigung, einschließlich Meditation und Atemtechniken, können ebenfalls unterstützend eingesetzt werden.
Überwachung während der Anästhesie
Ein wesentlicher Teil der anästhesiologischen Arbeit besteht nicht im Betäuben selbst, sondern in der lückenlosen Überwachung des Patienten. Der Anästhesist verfolgt während des gesamten Eingriffs eine Reihe von Messgrößen, die auf einem Monitor dargestellt werden und bei Abweichungen einen Alarm auslösen. Die deutliche Verbesserung der Narkosesicherheit in den vergangenen Jahrzehnten wird nicht zuletzt auf diese Überwachung zurückgeführt.
Zur Grundüberwachung gehören das Elektrokardiogramm (EKG), das die elektrische Tätigkeit des Herzens abbildet, die Messung des Blutdrucks und die Pulsoxymetrie, die über einen Sensor an Finger oder Ohrläppchen die Sauerstoffsättigung des Blutes bestimmt. Bei beatmeten Patienten kommt die Messung des Kohlendioxids in der Ausatemluft hinzu; sie zeigt nicht nur an, wie gut die Beatmung gelingt, sondern bestätigt auch die richtige Lage des Beatmungsschlauchs in der Luftröhre. Bei längeren Eingriffen wird zusätzlich die Körpertemperatur überwacht, weil Narkosemittel die Wärmeregulation stören und Patienten im Operationssaal auskühlen; deshalb wird häufig aktiv gewärmt.
Je nach Eingriff und Zustand des Patienten treten weitere Verfahren hinzu. Über einen dünnen Schlauch in einer Schlagader lässt sich der Blutdruck fortlaufend statt in Abständen messen und zugleich wiederholt Blut für Laborbestimmungen entnehmen; über einen Zugang in einer großen Vene nahe dem Herzen können kreislaufwirksame Medikamente sicher verabreicht werden. Werden Muskelrelaxanzien eingesetzt, wird deren Wirkung mit schwachen elektrischen Reizen über einem Nerv geprüft, damit der Patient nach dem Eingriff wieder ausreichend selbst atmen kann. Geräte, die aus den Hirnströmen einen Zahlenwert für die Narkosetiefe errechnen, sollen helfen, ungewollte Wachzustände während der Narkose zu vermeiden.
Auch die Geräte selbst werden überwacht: Vor jedem Einsatz wird das Narkosegerät auf Dichtigkeit und Funktion geprüft, während des Eingriffs misst es die abgegebene Sauerstoff- und Narkosegaskonzentration und meldet Abweichungen von Druck und Volumen im Beatmungssystem. Neben der Technik steht der Mensch: Die ständige Anwesenheit des Anästhesieteams am Patienten ist durch kein Gerät zu ersetzen.
Anästhesie bei Kindern und älteren Menschen
Eine Anästhesie wird nicht für einen Durchschnittspatienten geplant, sondern für den einzelnen Menschen. Besonders deutlich wird das an den beiden Enden der Altersspanne.
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Ihr Sauerstoffvorrat ist im Verhältnis zum Verbrauch geringer, weshalb bei Störungen der Atmung weniger Zeit zum Handeln bleibt; ihre Atemwege sind enger und empfindlicher, und sie kühlen rascher aus. Die Narkose wird bei kleinen Kindern häufig über eine Atemmaske eingeleitet, weil das Legen eines venösen Zugangs am wachen Kind schwierig und belastend ist. Eine große Rolle spielt zudem die Angst: Die Eltern werden nach Möglichkeit bis zur Einleitung einbezogen, und die Vorbereitung wird kindgerecht gestaltet. Nach dem Aufwachen kommt es bei Kindern häufiger als bei Erwachsenen zu einer vorübergehenden Unruhe und Desorientiertheit, die von selbst wieder abklingt. Eingriffe bei sehr kleinen Kindern werden deshalb bevorzugt an Einrichtungen vorgenommen, die darin geübt sind.
Bei älteren Menschen liegt die Schwierigkeit weniger im Lebensalter selbst als in den Begleiterkrankungen. Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, eine eingeschränkte Nierenfunktion, eine Zuckerkrankheit oder eine Demenz verändern die Wirkung der Narkosemittel und die Belastbarkeit während des Eingriffs. Der Körper baut die Wirkstoffe langsamer ab, sodass geringere Mengen genügen und die Wirkung länger anhält. Nach größeren Operationen tritt bei älteren Patienten häufiger eine vorübergehende Verwirrtheit auf; ihr wird unter anderem durch eine gute Schmerzbehandlung, frühe Mobilisierung, geregelten Tag-Nacht-Rhythmus und die Rückgabe von Brille und Hörgerät begegnet. Auch die Frage, ob eine Regionalanästhesie statt einer Vollnarkose in Betracht kommt, wird in dieser Altersgruppe besonders sorgfältig erwogen.
Abgrenzung verwandter Begriffe
Um die Anästhesie herum hat sich eine Gruppe ähnlich klingender Begriffe gebildet, die im Sprachgebrauch häufig durcheinandergeraten.
Die Anästhesie ist das Verfahren und zugleich der damit erzeugte Zustand der Empfindungslosigkeit. Die Anästhesiologie dagegen ist das ärztliche Fachgebiet, in dem dieses Verfahren gelehrt und ausgeübt wird; es umfasst über die Betäubung hinaus die Intensivmedizin, die Notfallmedizin und die Schmerztherapie. Die Anästhetika wiederum sind die Wirkstoffe, mit denen der Zustand hergestellt wird.
Enger gefasst als die Anästhesie ist die Analgesie: Sie nimmt allein den Schmerz, während Berührungsempfindung und Bewusstsein erhalten bleiben können. Wieder etwas anderes bezeichnen die Sedierung, also die Dämpfung der Wachheit, und die Anxiolyse, die Lösung von Angst. Bei einer Vollnarkose treffen alle diese Wirkungen zusammen, weil das Bewusstsein aufgehoben ist; bei kleineren Eingriffen werden sie dagegen gezielt einzeln oder in Teilen herbeigeführt.
Innerhalb der Anästhesie selbst wird nach der Ausdehnung unterschieden: Die Lokalanästhesie betäubt einen eng begrenzten Bezirk, die Regionalanästhesie – etwa die Spinalanästhesie, die Periduralanästhesie oder die Plexusanästhesie am Armnervengeflecht – einen ganzen von bestimmten Nerven versorgten Körperabschnitt, und die Allgemeinanästhesie den gesamten Körper einschließlich des Bewusstseins. Umgangssprachlich meint das Wort Narkose gewöhnlich die Allgemeinanästhesie; von einer örtlichen Narkose zu sprechen, ist daher missverständlich, denn bei der örtlichen Betäubung bleibt der Patient wach.
Quellen
- Larsen, R.: Anästhesie.
ISBN: 9783437225123
- Rossaint, R., Werner, C., Zwißler, B. (Hrsg.): Die Anästhesiologie.
ISBN: 9783662545058
- Striebel, H. W.: Die Anästhesie.
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- Schulte am Esch, J., Bause, H., Kochs, E., Scholz, J. (Hrsg.): Anästhesie.
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- Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
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