Lupus-Nephritis


Medizinische Qualitätssicherung am 22. Oktober 2019 von Dr. med. Nonnenmacher

Lupus-Nephritis ist eine Entzündung der Nieren, die durch systemischen Lupus erythematodes (SLE) hervorgerufen wird. SLE wiederum ist eine Autoimmunerkrankung, die, neben der Haut, auch verschiedene Organe oder Regionen des Körpers befallen kann. Bei Patienten, die an Lupus-Nephritis leiden, sind also die Nieren in Mitleidenschaft gezogen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Lupus-Nephritis?

Wurde bei einem Patienten SLE festgestellt, wird der Arzt eine Reihe von Untersuchungen und Tests anordnen, um die Nierenfunktion zu überprüfen. Darunter fallen zunächst eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung.
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Etwa 70 bis 100 Prozent der Patienten, die an SLE leiden, sind auch an Lupus-Nephritis erkrankt. Laut Histologie können alle SLE-Patienten auch Lupus-Nephritis in sich tragen, selbst wenn die klinischen Untersuchungen noch keine Schädigung der Nieren zeigen. Der Name leitet sich ab von dem lateinischen Wort „lupus“ (der Wolf) sowie „nephritis“ (Sammelbegriff für alle entzündlichen Erkrankungen der Nieren).

Die Krankheit tritt in Schüben auf. Nach dem Abklingen eines Schubes soll die Haut der Lupus-Patienten durch die narbenähnlichen Vertiefungen einem Wolfsgesicht ähneln, so erklärt sich der Name der Krankheit. Bei Lupus-Nephritis liegt eine Glomerulonephritis vor, das ist eine abakterielle (ohne Nachweis von Keimen am Entzündungsort) Entzündung, die in der Regel beide Nieren befällt.

Die Glomeruli sind kleine Ansammlungen von Gefäßen oder Nerven. Bei den Nieren sind sie ein wesentlicher Bestandteil der Nierenkörperchen, die für die Filtration des Harns zuständig sind. Unbehandelt kann Lupus-Nephritis zum totalen Nierenversagen führen.

Ursachen

Wie bereits weiter oben beschrieben, tritt Lupus-Nephritis bei den meisten Patienten auf, die an systemischem Lupus erythematodes leiden. Das ist eine Autoimmunerkrankung, die zu den sogenannten Kollagenosen gehört. Das bedeutet, das körpereigene Immunsystem greift das eigene Bindegewebe an und löst dort Entzündungen aus.

In der Regel treten solche Erkrankungen im mittleren Lebensalter auf. Frauen sind häufiger davon betroffen als Männer. Die genaue Ursache von Lupus erythematodes ist unbekannt, jedoch fallen bestimmte vorherrschende genetische Faktoren auf, die die Krankheit begünstigen. Auch äußere Umstände, wie zum Beispiel hormonelle Veränderungen, Stress, andere Infekte oder auch Medikamente, können Lupus-Nephritis auslösen.

An SLE erkrankte Patienten sollten also in jedem Fall auch auf ihre Nierenfunktion getestet werden, um ein eventuelles Vorliegen von Lupus-Nephritis zu diagnostizieren oder auszuschließen. Bleibt die Krankheit unbehandelt, kann totales Nierenversagen die Folge sein. Deshalb gilt, je früher Lupus-Nephritis entdeckt wird, desto günstiger ist die Prognose für die Betroffenen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Lupus-Nephritis ist eine ernste Erkrankung. Leider ist es nicht immer einfach, sie sofort zu diagnostizieren, da sie eine Reihe von unspezifischen Symptomen haben kann. Genauer hinsehen sollte der Arzt jedoch, wenn Patienten über Schwellungen der Beine, besonders der Knöchel klagen.

Manchmal können auch Hände oder Gesicht anschwellen. Andere Symptome für Lupus-Nephritis können ein Anstieg des Gewichts oder hoher Blutdruck sein. Verdächtig ist es auch, wenn der Urin dunkel verfärbt oder schaumig ist. Nächtlicher Harndrang kann ebenfalls auf Lupus-Nephritis hinweisen.

Proteinurie, also eine verstärkte Ansammlung von Eiweiß im Urin, sowie eine Mikrohämaturie (Blut im Urin, das mit dem bloßen Auge nicht sichtbar ist) sollten den Arzt auch hellhörig machen. In seltenen Fällen zeigt sich bei Lupus-Nephritis auch eine Makrohämaturie, das bedeutet, es ist so viel Blut im Urin, dass es ohne Mikroskop sichtbar ist. Manche Medikamente, die bei Lupus gegeben werden, können diese Symptome auch hervorrufen, hier kann ein vorübergehendes Absetzen der Medikation Klarheit bringen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Wurde bei einem Patienten SLE festgestellt, wird der Arzt eine Reihe von Untersuchungen und Tests anordnen, um die Nierenfunktion zu überprüfen. Darunter fallen zunächst eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung. Eine Ultraschall-Untersuchung der Nieren sowie verschiedene Labortests, die bei Nierenproblemen üblich sind (Blut- und Urintests) geben ebenfalls Aufschluss.

Komplettiert wird die Diagnose schließlich durch die Nierenbiopsie. Es gibt sechs Typen von Lupus-Nephritis, die gemäß ISN/RPS (International Society of Nephrology/Renal Pathology Society)wie folgt klassifiziert werden:

  • I. Minimale mesangiale Lupus-Nephritis
  • II. Mesangiale proliferative Lupus-Nephritis
  • III. Fokale Lupus-Nephritis
  • IV. Diffuse segmentale oder globale Lupus-Nephritis
  • V. Membranöse Lupus-Nephritis
  • VI. Fortgeschrittene sklerosierte Lupus-Nephritis

Das Ergebnis der Biopsie gibt Aufschluss darüber, um welchen Typ der Lupus-Nephritis es sich handelt. Schweregrad und Krankheitsverlauf sind von Patient zu Patient verschieden, deshalb kann hier keine pauschale Aussage getroffen werden.

Komplikationen

In vielen Fällen kann die Lupus-Nephritis nicht direkt diagnostiziert werden, sodass eine frühzeitige Behandlung in vielen Fällen nicht möglich ist und daher auch nicht stattfindet. In der Regel leiden die Betroffenen allerdings an starken Schwellungen an den Beinen und damit in vielen Fällen an Bewegungseinschränkungen oder auch an Schmerzen.

Weiterhin können die Schwellungen auch an den Händen oder sogar im Gesicht auftreten und dabei die Ästhetik des Betroffenen verringern. Nicht selten kommt es dabei zu einem verringerten Selbstwertgefühl oder zu Minderwertigkeitskomplexen. Weiterhin führt die Lupus-Nephritis zu einem nächtlichen Harndrang, welcher zu Depressionen und anderen psychischen Verstimmungen führen kann.

Im schlimmsten Falle kommt es durch diese Erkrankung zu einer Niereninsuffizienz, die weiterhin auch zum Tode des Betroffenen führen kann. Die Behandlung dieser Krankheit wird mit Hilfe von Medikamenten durchgeführt. Besondere Komplikationen treten dabei nicht auf und stellt sich meistens ein positiver Krankheitsverlauf ein. Allerdings können die Medikamente starke Nebenwirkungen haben.

In schwerwiegenden Fällen ist der Betroffene auf eine Transplantation der Niere oder auf eine Dialyse angewiesen. Dabei kann es mitunter zu einer Verringerung der Lebenserwartung des Patienten kommen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die Konsultation eines Arztes ist angezeigt, sobald sich Beschwerden und Unregelmäßigkeiten beim Wasserlassen einstellen. Verfärbungen des Urins, Veränderungen der Konsistenz des Urins oder ein erneuter Harndruck unmittelbar nach dem Toilettengang sind ärztlich untersuchen und behandeln zu lassen. Nimmt die Urinmenge ab oder wird die Flüssigkeitszufuhr verweigert, ist es ratsam, einen Arzt zu konsultieren. Erwacht der Betroffene wiederholt während des Nachtschlafs aufgrund einer notwendigen Blasenentleerung, gilt dies als ungewöhnlich und sollte weiter beobachtet werden.

Halten die Beschwerden über eine längere Zeit an, obgleich keine starke Flüssigkeitsaufnahme unmittelbar vor der Bettruhe stattfindet, sollten die Hinweise mit einem Arzt besprochen werden. Kommt es zu einem nicht erklärbaren Anstieg des Körpergewichts, einem diffusen Schmerzerleben im Körperinnern oder einem allgemeinen Unwohlsein, ist ein Arztbesuch zur Klärung der Ursache notwendig. Bei einem Krankheitsgefühl oder psychischen Auffälligkeiten ist die Rücksprache mit einem Arzt notwendig.

Wird ein Rückzugsverhalten bemerkt, nimmt die Teilnahme an Freizeitaktivitäten ab oder stellen sich Stimmungsschwankungen ein, besteht Handlungsbedarf. Schwellungen, Verdickungen der Beine sowie der Knöchel sind Anzeichen für gesundheitliche Unstimmigkeiten. Ein Arztbesuch sollte erfolgen, damit eine Behandlung eingeleitet werden kann. Leidet der Betroffene unter Beschwerden der Mobilität, einer Abnahme seiner körperlichen Leistungsfähigkeit oder einer inneren Schwäche, empfiehlt sich zur Abklärung der Symptome eine umfassende Untersuchung.

Behandlung & Therapie

Da Lupus-Nephritis so facettenreich ist, wird die Behandlung individuell auf den jeweiligen Patienten zugeschnitten. Zunächst wird der Arzt versuchen, die Krankheit mit Medikamenten zu kontrollieren. Die Gabe von Kortikosteroiden kann einen akuten Entzündungsschub lindern.

Da diese Medikamente schwere Nebenwirkungen haben können, muss der Patient engmaschig überwacht werden. In der Regel wird die Dosis verringert, sobald sich die Symptome bessern. Auch immunsuppressive Medikamente können zum Einsatz kommen. Sie unterdrücken die nierenschädigende Aktivität des Immunsystems.

Cyclophosphamid, Azathioprin oder Mycophenolat gehören zur Familie der Immunsuppressiva. Desweiteren werden in manchen Fällen auch Blutverdünner oder Blutdrucksenker gegeben. Die medikamentöse Therapie kann jedoch ein weiteres Verschlechtern der Nierenfunktion nicht immer verhindern. Sollte es zum totalen Nierenversagen kommen, benötigt der Patient eine Dialyse und, im Extremfall, sogar eine Nierentransplantation.

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Aussicht & Prognose

Die Prognose der Lupus-Nephritis hängt von dem Stadium der Erkrankung ab. Zudem ist der allgemeine Gesundheitszustand des Betroffenen entscheidend für den weiteren Krankheitsverlauf. Eine Heilung ist möglich, wenn die Diagnosestellung bereits im Frühstadium stattfindet und der Betroffene unter keinen weiteren Krankheiten leidet. Unbehandelt kann es zu einem irreparablen Nierenschaden kommen.

In schweren Fällen droht dem Betroffenen das vorzeitige Ableben. Ein ähnlich ungünstiger Krankheitsverlauf ist bei Patienten gegeben, bei denen die Erkrankung in einem fortgeschrittenen Stadium stattfindet. Die besondere Herausforderung besteht in einer frühzeitigen Diagnosestellung, da die Beschwerden meist diffus sind und erst spät ein Arzt konsultiert wird.

Die Behandlung erfolgt im Normalfall durch die Gabe von Medikamenten. Diese sind mit starken Nebenwirkungen behaftet, sodass die Lebensqualität des Betroffenen eingeschränkt ist. In einigen Fällen wird trotz aller Bemühungen keine Linderung der Beschwerden erreicht.

Häufig muss der Patient eine Dialyse vornehmen lassen, damit sein Überleben gesichert ist. Im weiteren Verlauf benötigt der Patient die Transplantation eines Spenderorgans. Eine Nierentransplantation ist mit besonderen Risiken verbunden. Nicht immer wird der Spenderorgan vom Organismus auch erfolgreich angenommen. Zudem müssen auch unter optimalen Bedingungen langfristig Medikamente eingenommen werden und regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden. Die Strukturierung des Alltags ist darüber hinaus an die körperlichen Gegebenheiten anzupassen.

Vorbeugung

Da Lupus-Nephritis zu den Autoimmunerkrankungen gehört, die ihre Ursache meistens in der genetischen Veranlagung haben, ist es schwer, gezielt vorzubeugen. Jeder Mensch kann jedoch dafür Sorge tragen, sich und sein Immunsystem möglichst gesund zu erhalten. Gesunde Ernährung, wenig Stress, ausreichend Schlaf sowie Verzicht auf Nikotin oder Kosmetika, die Weichmacher enthalten, können hier viel bewirken.

Nachsorge

Die Lupus-Nephritis kann zu verschiedenen Beschwerden und Komplikationen führen, sodass der Betroffene bei dieser Krankheit auf jeden Fall schon frühzeitig einen Arzt aufsuchen sollte. Dabei wirkt sich eine frühe Diagnose immer sehr positiv auf den weiteren Verlauf der Erkrankung aus und kann auch weitere Beschwerden verhindern. Die meisten Betroffenen leiden durch die Lupus-Nephritis an stark angeschwollenen Beinen.

Es kommt daher auch zu Einschränkungen in der Bewegung und damit auch zu deutlichen Einschränkungen im Alltag des Betroffenen, weshalb viele Patienten auf Hilfe von Freunden und Verwandten angewiesen sind. Ebenso kann es zu einem starken nächtlichen Harndrang kommen, welcher sich sehr negativ auf den Schlaf des Betroffenen auswirken kann.

Die Betroffenen sind dabei gereizt und unzufrieden, was sogar zu Depressionen und zu anderen psychischen Verstimmungen führen kann. Dabei hängt der weitere Verlauf der Lupus-Nephritis sehr stark von den genauen Ursachen der Krankheit ab, sodass eine allgemeine Voraussage nicht möglich ist. Eventuell ist dabei auch die Lebenserwartung des Patienten verringert. In der Regel wirkt sich ein stressfreier Alltag und eine gesunde Lebensweise positiv auf die Genesung aus.

Das können Sie selbst tun

Welche Maßnahmen der Betroffene bei einer Nierenentzündung selbst ergreifen kann, hängt unter anderem von der medizinischen Behandlung und den Vorgaben des Arztes ab. Grundsätzlich sollten sich Betroffene schonen. Die eigentliche Behandlung ist individuell auf den Patienten zugeschnitten.

In der akuten Phase der Erkrankung sollte gut auf ungewöhnliche Symptome und etwaige Nebenwirkungen der verordneten Medikamente geachtet werden, damit die Medikation optimal eingestellt werden kann. Allgemeinmaßnahmen wie eine gesunde Ernährung, wenig Stress, ausreichend Schlaf und der Verzicht auf Alkohol, Nikotin und andere Genussmittel kann die Genesung unterstützen. Betroffene sollten außerdem auf Kosmetika verzichten, die Weichmacher enthalten. Sollten sich Schwellungen einstellen, können kühlende Auflagen oder sanfte Massagen helfen. Ein Anstieg des Gewichts lässt sich durch eine angepasste Diät vermeiden.

Bei nächtlichem Harndrang kann es notwendig sein, Hilfsmittel wie Erwachsenenwindeln zu verwenden. Empfehlenswert ist dies vor allem in der akuten Phase der Erkrankung, in der es oft zu einer vorübergehenden Inkontinenz kommt. Nachdem die akute Lupus Nephritis abgeklungen ist, darf der Körper langsam wieder belastet werden. In jedem Fall muss ein Arzt die Genesung überwachen.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Keller, C.K., Geberth, S.K.: Praxis der Nephrologie. Springer, Berlin 2010
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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