Phlebitis migrans

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Bei einer Phlebitis migrans handelt es sich um eine spezielle Form der Thrombophlebitis. Eine Thrombophlebitis ist eine akut auftretende Thrombose an den hautnahen Venen, die gemeinsam mit einer Entzündung auftritt. Auf der anderen Seite wird eine Thrombose in den tiefen Venen als Phlebothrombose bezeichnet. Die Phlebitis migrans ist eine Thrombophlebitis, die an wechselnden Stellen am Körper vorkommt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Phlebitis migrans?

Phlebitis migrans
In vielen Fällen finden sich die betroffenen Stellen an den Außenseiten der Beine. Weitaus seltener kommt die Phlebitis migrans am Stamm oder am Arm vor.
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Es existieren zahlreiche Synonyme für den Begriff Phlebitis migrans, zum Beispiel Phlebitis saltans, Thrombophlebitis migrans oder Thrombophlebitis saltans. Kennzeichnend für eine Phlebitis migrans ist, dass die Vene nicht als Krampfader erscheint. Die Erkrankung ereignet sich in zeitlicher Abfolge und tritt an wechselnden Orten auf.

Grundsätzlich handelt es sich also um eine Thrombophlebitis, die ihre Lokalisation verändert. Die Thrombophlebitis hat in diesem speziellen Fall die Eigenschaften, oberflächlich, migratorisch und vor allem unerwartet zu erscheinen. Zugleich gilt sie mitunter als ein frühes Symptom eines sogenannten viszeralen okkulten Tumors. Fachleute sprechen bei einer wandernden Venenentzündung als Hinweis auf einen verborgenen Tumor auch vom Trousseau-Syndrom. Eine Phlebitis migrans ist deshalb kein rein örtliches Hautproblem, sondern ein Warnzeichen, das stets die Suche nach einer dahinterliegenden Erkrankung nach sich ziehen sollte.

Aus diesem Grund wird die Erkrankung auch als fakultatives paraneoplastisches Syndrom bezeichnet. Bei der Phlebitis migrans als 'wandernder' Entzündung der Venen geht die Entzündung von bereits erkrankten Venenbereichen aus. Die Entzündung kann sich sowohl in Fließrichtung des Blutes als auch entgegengesetzt dazu ausbreiten.

Die Erkrankung betrifft stets die oberflächlichen Venen nahe der Haut. Dabei ist die Entzündung an der Wand der Vene lokalisiert. In der Folge kann sich ein Blutgerinnsel beziehungsweise ein Thrombus bilden, was jedoch nicht in jedem Fall erfolgt.

Ursachen

Prinzipiell kann eine Phlebitis migrans ein Hinweis auf ernstzunehmende Grunderkrankungen sein. So kann sie etwa im Rahmen eines paraneoplastischen Syndroms auftreten, etwa bei einem Pankreaskarzinom, einem Bronchialkarzinom oder auch bei einer Leukämie. Darüber hinaus kann die Phlebitis migrans als begleitendes Symptom im Zusammenhang mit bakteriellen und viralen Infektionen vorkommen.

In vielen Fällen ist es jedoch nicht möglich, die genaue Ursache der Phlebitis migrans festzustellen. Am häufigsten tritt die Phlebitis migrans in Kombination mit der Thrombangiitis obliterans auf. Beobachtungen weisen darauf hin, dass bis zu 62 Prozent der an einer Thrombangiitis obliterans erkrankten Personen auch an einer Phlebitis migrans leiden.

Mitunter kommt die Phlebitis migrans auch bei Vaskulitiden und Kollagenosen vor, etwa bei Lupus erythematodes, der Wegener-Granulomatose, die heute Granulomatose mit Polyangiitis heißt, oder einer Riesenzellarteriitis bei Vorliegen einer Polymyalgia rheumatica. Grund für die Entstehung ist vermutlich eine thrombotische, allergisch-hyperergische Reaktion der Gefäße. Derartige Reaktionen können zum Beispiel durch chronische, bakterielle Herdinfektionen ausgelöst werden.

Doch auch Morbus Behçet, Karzinome an Lunge, Pankreas und Prostata sowie Leukosen und bösartige Lymphogranulomatosen können die Auslöser sein. Tumoren sind in der Lage, Cystein-Proteinasen freizusetzen. Dadurch wird ein noch nicht vollständig erforschter Mechanismus in Gang gesetzt, der die Produktion des Stoffes Thrombin steigert.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Phlebitis migrans ruft bei den betroffenen Personen diverse typische Symptome und Beschwerden hervor. In vielen Fällen finden sich die betroffenen Stellen an den Außenseiten der Beine. Weitaus seltener kommt die Phlebitis migrans am Stamm oder am Arm vor. Charakteristisch für die Erkrankung sind Rötungen auf der Haut, die eine geringe Fläche einnehmen und schmerzen.

Zur gleichen Zeit zeigen sich in manchen Fällen auch kleine Ödeme. Diese Art von Venenentzündung heilt an der einzelnen Stelle in der Regel von selbst wieder ab, so dass dort meistens keine behandlungstechnischen Maßnahmen erforderlich sind. Die Abklärung einer möglichen Grunderkrankung erübrigt sich dadurch jedoch nicht. Im überwiegenden Teil der Fälle sind Männer von der Phlebitis migrans betroffen. Die Erkrankung verläuft meist in Schüben und erstreckt sich über verschiedene Abschnitte der Venen.

Dabei zeigt sich eine akute und schmerzhafte, strangförmige und leicht tastbare Thrombophlebitis. Die Symptome klingen in der Regel nach zwei bis drei Wochen wieder ab, wobei meist eine schwache Hyperpigmentierung zurückbleibt. Dabei gelangen Riesenzellen und Histiozyten in die Vene. Eine Phlebitis migrans kann auch Hinweise auf das Vorliegen anderer Krankheiten geben.

So steht die Erkrankung gehäuft in Zusammenhang mit malignen Tumoren, dem Morbus Buerger, diversen Autoimmunerkrankungen oder Tuberkulose. Aus diesem Grund ist eine Abklärung anderer Grunderkrankungen dringend erforderlich.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose von Phlebitis migrans muss in jedem Fall von einem Facharzt durchgeführt werden. Zunächst erörtert dieser gemeinsam mit dem Patienten dessen Krankengeschichte (Anamnese), wobei auch die genaue Symptomatik abgeklärt wird. Um den Verdacht auf Phlebitis migrans zu erhärten, kommen in den meisten Fällen bildgebende Verfahren zum Einsatz.

Mit deren Hilfe werden die Gefäße der Extremitäten analysiert. Darüber hinaus ist eine Probebiopsie in Betracht zu ziehen. Im Rahmen der Differentialdiagnose muss zum Beispiel das Vorliegen einer Pannikulitis untersucht werden.

Komplikationen

Die Beschwerden der Phlebitis migrans können sehr unterschiedlich ausfallen, sodass ein allgemeiner Verlauf der Krankheit in der Regel nicht vorhergesagt werden kann. Allerdings treten die Beschwerden selbst in den meisten Fällen auf den Beinen auf, sodass es an diesen Regionen des Körpers zu deutlichen Rötungen auf der Haut kommt. Die Haut selbst kann dabei auch spannen und schmerzen.

In den meisten Fällen führt die Krankheit weiterhin auch zu einer Hyperpigmentierung, die sich negativ auf das Aussehen des Betroffenen auswirkt. Sollte die Phlebitis migrans von einem Tumor verursacht werden, so leiden die Betroffenen auch an einer dauerhaften Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Auch ein Gewichtsverlust und starke Schmerzen können dabei auftreten. In vielen Fällen findet bei der Venenentzündung allerdings eine Selbstheilung statt, sodass keine zusätzliche Behandlung notwendig ist.

Die weitere Behandlung erfolgt allerdings in Abhängigkeit der Grunderkrankung, falls sie notwendig ist. In der Regel werden dabei Medikamente eingesetzt. Raucher sollten die Gewohnheit aufgeben, da sich ein gesunder Lebensstil sehr positiv auf die Phlebitis migrans auswirkt. Als Komplikation kann sich die Entzündung in das tiefe Venensystem fortsetzen; daraus können eine tiefe Beinvenenthrombose und im schlimmsten Fall eine Lungenembolie entstehen. Die schwerste Gefahr geht jedoch von der auslösenden Grunderkrankung aus, etwa einem bis dahin unentdeckten Tumor. Allerdings kann auch die Hyperpigmentierung nach einer erfolgreichen Behandlung verbleiben.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

In der Regel sollte Phlebitis migrans immer von einem Arzt untersucht werden. Zwar bilden sich die einzelnen Entzündungsherde meist von selbst zurück, doch treten sie immer wieder an neuen Stellen auf und können auf eine ernste Grunderkrankung hinweisen. Deshalb ist eine frühzeitige Diagnose wichtig. Der Arzt ist bei Phlebitis migrans dann aufzusuchen, wenn es an der Haut zu Rötungen oder zu starken Flecken kommt. Diese Rötungen treten ohne einen besonderen Grund auf und kehren nach dem Abheilen an anderer Stelle wieder. Schmerzen treten bei Phlebitis migrans nicht immer auf, können jedoch die Lebensqualität des Patienten deutlich einschränken.

Beim Auftreten dieser Flecken in verschiedenen Körperregionen ist ein Arzt aufzusuchen. Ebenfalls kann eine Hyperpigmentierung auf Phlebitis migrans hindeuten und sollte untersucht werden. Da hinter einer Phlebitis migrans ein bislang unentdeckter Tumor innerer Organe stecken kann, sind hierbei eine gründliche internistische Abklärung und regelmäßige Kontrolluntersuchungen sehr sinnvoll. In der Regel wird Phlebitis migrans durch einen Hautarzt oder einen Facharzt für Gefäßerkrankungen diagnostiziert und behandelt. Ob es dabei zu einer verringerten Lebenserwartung des Patienten kommt, kann nicht im Allgemeinen vorhergesagt werden.

Behandlung & Therapie

Die Therapie von Phlebitis migrans richtet sich in erster Linie nach den Ursachen, die jedoch nicht in jedem Fall eindeutig feststellbar sind. Raucher werden dazu angehalten, die Sucht aufzugeben. Außerdem wird verstärkt nach Tumoren gesucht.

Als externe Therapiemethode von Phlebitis migrans werden oft Heparinsalben und Kompressionsverbände verwendet. Im Rahmen einer internen Therapie kommen meist Antiphlogistika oder auch Kortikoide zum Einsatz. Nachdem die Schübe abgeheilt sind, bleibt meist eine Hyperpigmentierung zurück.


Aussicht & Prognose

Der weitere Verlauf einer Phlebitis migrans kann in der Regel nicht im Allgemeinen vorhergesagt werden, da dieser sehr stark von der Ausprägung dieser Krankheit abhängig ist. Daher sollte schon bei den ersten Anzeichen und Symptomen der Erkrankung ein Arzt aufgesucht und auch eine Behandlung eingeleitet werden, damit im weiteren Verlauf das Risiko von Komplikationen und anderen Beschwerden sinkt. Die einzelnen Entzündungsherde bilden sich bei der Phlebitis migrans zwar meist von selbst zurück, die Erkrankung als Ganzes klingt damit aber nicht ab, sodass der Betroffene in der Regel immer auf den Besuch bei einem Arzt angewiesen ist.

Sollte es nicht zu einer Behandlung kommen, so können sich die Beschwerden auch in andere Regionen des Körpers ausbreiten und auch dort zu Beschwerden führen. Dabei sind vor allem Raucher betroffen und sollten daher das Rauchen vollständig aufgeben oder reduzieren. Dabei kann sich auch eine gesunde Lebensweise mit einer gesunden Ernährung ebenso positiv auf den weiteren Verlauf der Phlebitis migrans auswirken.

Durch die Behandlung mit verschiedenen Salben oder Cremes können die Beschwerden ebenso gelindert werden. Allerdings ist bei dieser Erkrankung die Behandlung der zugrundeliegenden Krankheit sehr wichtig und sollte daher im Vordergrund stehen. Von ihr hängt es auch ab, ob die Lebenserwartung des Betroffenen verringert ist.

Vorbeugung

Konkrete Maßnahmen zur Prävention einer Phlebitis migrans existieren nach derzeitigem Stand der Forschung nicht. Ein gesunder Lebensstil und insbesondere der Verzicht auf das Rauchen verringern womöglich die Wahrscheinlichkeit, an einer Phlebitis migrans zu erkranken.

Nachsorge

Betroffenen stehen bei Phlebitis migrans in den meisten Fällen nur wenige beziehungsweise eingeschränkte Maßnahmen einer direkten Nachsorge zur Verfügung. Bei dieser Krankheit ist eine frühzeitige Diagnose mit der anschließenden Behandlung sehr wichtig, da nur so weitere Komplikationen und Beschwerden verhindert werden können. Auf eine dauerhafte Selbstheilung können sich Betroffene bei Phlebitis migrans nicht verlassen, sodass sie idealerweise schon bei den ersten Symptomen und Anzeichen einen Arzt aufsuchen sollten.

Um die Genesung positiv zu beeinflussen, sollten Raucher diese Gewohnheit vollständig aufgeben. Im Allgemeinen wirkt sich auch eine gesunde Lebensweise mit einer ausgewogenen Ernährung positiv auf den weiteren Verlauf der Krankheit aus. Dabei sind auch regelmäßige Kontrollen und Untersuchungen durch einen Arzt sehr wichtig, um einen möglicherweise zugrunde liegenden Tumor schon früh zu erkennen und dann zu entfernen.

Ebenso ist nicht selten auch die Einnahme von verschiedenen Medikamenten notwendig, um die Beschwerden zu lindern. Betroffene sollten stets auf eine regelmäßige Einnahme und die richtige Dosierung achten. Bei Nebenwirkungen oder bei Unklarheiten ist zuerst ein Arzt zu konsultieren. Wie sich die Erkrankung auf die Lebenserwartung auswirkt, hängt vor allem von der jeweiligen Grunderkrankung ab; die Venenentzündung selbst wird nur dann gefährlich, wenn sie in das tiefe Venensystem übergreift.

Das können Sie selbst tun

Beim Auftreten einer Phlebitis migrans besteht die wichtigste Maßnahme darin, zeitnah einen Arzt aufzusuchen. Ein Notarzt ist dann zu rufen, wenn plötzlich Atemnot, Brustschmerzen oder eine starke einseitige Schwellung des Beins hinzukommen, denn dahinter können eine tiefe Beinvenenthrombose oder eine Lungenembolie stecken. Dringend abzuklären ist die Erkrankung vor allem deshalb, weil eine ernste Grunderkrankung dahinterstehen kann.

Nach der initialen Behandlung müssen die Ursachen für die Thrombophlebitis ermittelt und behoben werden. Besteht zusätzlich Übergewicht, hilft es den Gefäßen, dieses durch Sport und eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu verringern. Zudem sollte eine umfassende Untersuchung stattfinden, da möglicherweise noch andere gesundheitliche Beschwerden vorliegen, die in der Zukunft weitere Probleme verursachen können. Auch Raucher müssen Maßnahmen ergreifen, um einer erneuten Phlebitis migrans vorzubeugen. Zunächst sollte das Rauchen aufgegeben werden, unterstützt durch eine Umstellung der Ernährung und die Einführung positiver Gewohnheiten.

Im Allgemeinen kann ein gesunder Lebensstil mit einer geeigneten Diät und ausreichend Bewegung das Risiko für die Entstehung einer Phlebitis migrans womöglich verringern. Betroffene Personen sollten mit einem Ernährungsberater sprechen und gemeinsam mit diesem und dem Hausarzt geeignete Schritte einleiten, um die Gesundheit der Gefäße zu gewährleisten.

Quellen

  • Hirsch, T., Schick, K., Stücker, M. (Hrsg.): Referenz Phlebologie.
    ISBN: 9783132455634
  • Noppeney, T., Nüllen, H.: Repetitorium Phlebologie.
    ISBN: 9783662683842
  • Hoffmann, U., Weiss, N., Czihal, M., et al. (Hrsg.): Klinische Angiologie.
    ISBN: 9783662608807
  • Rabe, E. (Hrsg.): Grundlagen der Phlebologie und Lymphologie.
    ISBN: 9783934371682
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

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