Pulpitis

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Als Pulpitis wird eine Entzündung der Pulpa, der Nervenkammer im Inneren eines Zahns bezeichnet, was Schmerzen und Druck auslöst. Dieser Zahnkern enthält die Nervenenden und die Blutgefäße des Zahns. Wird eine Pulpitis rechtzeitig behandelt, kommt es in der Regel nicht zu weiteren Problemen. Wird sie dagegen hinausgezögert, kann die Entzündung auf die Wurzelspitze und den Kieferknochen übergreifen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Pulpitis?

Pulpitis
Grundsätzlich sollte eine Pulpitis immer von einem Zahnarzt behandelt werden. Es handelt sich dabei in der Regel um eine Wurzelkanalbehandlung oder eine Entfernung des Zahnkerns.
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Bei einer Pulpitis baut sich ein Druck im Hohlraum des Zahnmarks auf, der auf die Zahnnerven und das umgebende Gewebe ausstrahlt. Im Gegensatz zu anderen Teilen des Körpers kann der Druck in der Pulpa nicht durch die umliegenden Weichteile abgeleitet werden.

Der Zahnkern ist von Dentin, einem harten Gewebe, umgeben, wodurch ein Druckabbau nicht möglich ist. So ist es vor allem die erhöhte Durchblutung, die die leichten bis extremen Schmerzen verursacht. Werden bei der Behandlung tiefe Zahnbereiche beschliffen, kann dies je nach Lage, Infektionsintensität und Größe der behandelten Fläche zu einer irreversiblen Pulpitis führen.

Muss daraufhin das Zahnmark entfernt werden, führt dies bei den betroffenen Zähnen in der Regel zu einer reduzierten Empfindsamkeit und einer erhöhten Rate von weiteren Zahnbeschädigungen. Milchzähne und bleibende Zähne können gleichermaßen von einer Pulpitis betroffen sein.

Ursachen

Die Pulpitis ist eine Entzündung, die durch eine bakterielle Infektion infolge von Karies oder Zahnverfall verursacht wird. Die betroffene Pulpa ist der interne Teil des Zahnes und besteht aus Nervenenden, Blutgefäßen und Bindegewebe.

Die auslösende Karies ist eine Läsion des Zahnschmelzes, die durch Säureerosion der Zahnoberfläche infolge bakteriellen Zahnbelags (Plaque) verursacht wird. Ist die Karies tief, wird das Zahnmark gereizt und Bakterien können eindringen, wodurch eine Entzündung ausgelöst wird. Diese erhöht den Druck im Gewebe und verursacht die Schmerzen.

Abgesehen davon kann eine Pulpitis auch von anderen Faktoren ausgelöst werden: Verletzungen, die kleine Risse im Zahn verursacht haben, invasive Eingriffe wie Zahnfüllungen oder Kronen sowie säurehaltige Speisereste. Ist die Pulpitis nicht allzu fortgeschritten, kann der Schmerz verschwinden, sobald die Ursache beseitigt wird.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Zahnwurzelentzündung äußert sich in erster Linie durch starke Schmerzen im Bereich der Zahnwurzeln. Die Zahnschmerzen nehmen bei äußeren Reizen wie Hitze, Kälte oder Druck zu. Bei schweren Entzündungen scheint der Zahn zu pochen, und die Schmerzen strahlen auf den Kieferknochen und das umliegende Gewebe aus.

Schließlich bildet sich ein Abszess, der äußerlich an einer Schwellung zu erkennen ist. Wenn die Pulpitis nicht behandelt wird, nehmen die Beschwerden an Intensität zu. In letzter Konsequenz kann es zum Absterben eines oder mehrerer Zähne kommen. Zudem besteht das Risiko, dass sich eine Blutvergiftung entwickelt. Falls die Entzündung in umliegende Regionen verschleppt wird, können auch Entzündungen der Zähne selbst sowie des Kiefers und der Schleimhäute auftreten.

Die Pulpitis selbst führt zu Vereiterungen, die neben Mundgeruch und einem starken Unwohlsein auch Infektionen hervorrufen können. Zudem kann es im Bereich von Mund und Kiefer zu schmerzhaften Zysten und Blutungen kommen. Die Symptome einer Zahnwurzelentzündung stellen sich normalerweise innerhalb weniger Tage ein und nehmen rasch an Intensität zu. Wird die Krankheit frühzeitig behandelt, klingen die Krankheitszeichen ebenso schnell wieder ab. In Einzelfällen bleibt eine Lockerheit der Zähne bestehen.

Diagnose & Verlauf

Bei einer Pulpitis treten zunächst häufig Symptome wie eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Reizen (z.B. heiß und kalt) auf. Auch dauerhaft pochende Schmerzen können mit der Krankheit in Verbindung gebracht werden.

Eine Pulpitis kann jedoch auch ohne Schmerzen auftreten. Bei einer akuten Pulpitis ist der Schmerz intensiv und kann kontinuierlich oder in Abständen auftreten. Bei einer eitrig akuten Pulpitis ist das Zahnmark völlig entzündet. Der äußerst schmerzhafte Zustand verschlechtert sich oft beim Hinlegen. Bei einer anderen Form beginnt das Zahnmark abzusterben. Diese Form ist zwar weniger schmerzhaft, kann jedoch zur Bildung eines Granuloms oder eines Abszesses führen.

Für die Behandlung entscheidend ist die Unterscheidung zwischen einer reversiblen und einer irreversiblen Pulpitis. Bei der reversiblen Form kann sich das Zahnmark wieder erholen, wenn die Ursache beseitigt wird, also etwa die Karies entfernt und der Zahn gefüllt wird. Bei der irreversiblen Form ist das nicht mehr möglich; hier bleibt nur die Wurzelbehandlung oder das Ziehen des Zahns. Für die irreversible Form sprechen Schmerzen, die nach dem Wegfall des Reizes noch minutenlang anhalten, Schmerzen ohne erkennbaren Auslöser sowie Schmerzen, die nachts oder im Liegen auftreten. Welche Form vorliegt, kann nur der Zahnarzt feststellen.

Auch eine chronische Pulpitis ist durch weniger intensive Schmerzen als bei der akuten Form der Krankheit gekennzeichnet, kann sich jedoch im Wurzelkanal ausbreiten. Infolge des erheblichen Drucks auf die Zahnnerven ist das Auffinden der Schmerzquelle recht schwierig, weshalb Verwechslungen mit den benachbarten Zähnen auftreten können.

Komplikationen

Aufgrund der Pulpitis leiden die Patienten in den meisten Fällen an Beschwerden im Mundraum und vor allem an den Zähnen. Es kommt dabei zu starken Zahnschmerzen, meist auf dem Boden einer bereits länger bestehenden Karies. Die Zahnschmerzen breiten sich dabei nicht selten auch in den Kopf oder in die Ohren aus, sodass die Betroffenen an Störungen der Konzentration und auch an dauerhaften Schmerzen leiden.

Die Zähne selbst sind dabei gegenüber kalten und heißen Nahrungsmitteln sehr empfindlich, sodass eine gewöhnliche Nahrungsaufnahme für den Betroffenen in der Regel nicht mehr möglich ist. Die Patienten können an Gewichtsverlust und auch an depressiven Verstimmungen leiden. Sollte die Pulpitis nicht behandelt werden, so kommt es nicht selten zu einer Entzündung der Zahnwurzeln.

In diesem Falle muss in der Regel das entzündete Gewebe vollständig aus dem Wurzelkanal entfernt werden, da die Schmerzen anderweitig nicht verschwinden. In der Regel kann die Pulpitis relativ einfach durch einen Zahnarzt behandelt werden, und bei rechtzeitiger Behandlung bleiben Folgeschäden meist aus. Breitet sich die Entzündung dagegen über die Wurzelspitze hinaus aus, kann ein Abszess im Kieferbereich entstehen, der eine Schwellung von Wange, Mundboden oder Hals hervorruft und in seltenen Fällen lebensbedrohlich wird. Eventuell ist der Betroffene dabei auf Schmerzmittel angewiesen. Weiterhin kann die Pulpitis auch im weiteren Verlauf des Lebens beim Patienten auftreten.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Da es sich bei der Pulpitis um eine ernsthafte Erkrankung handelt, sollte diese immer frühzeitig behandelt werden. Dadurch kann eine weitere Zerstörung des Zahns verhindert werden. Wird sie rechtzeitig erkannt, lässt sich die Pulpitis in der Regel gut behandeln, sodass es nicht zu weiteren Komplikationen oder zu anderen Beschwerden kommt. Wer dagegen abwartet, bis der Schmerz von allein nachlässt, riskiert, dass das Zahnmark unbemerkt abstirbt und die Entzündung auf den Kieferknochen übergreift. Nachlassende Schmerzen bedeuten daher nicht, dass die Entzündung ausgeheilt ist.

Ein Arzt ist dann aufzusuchen, wenn der Betroffene unter starken Schmerzen am Zahn leidet. Dabei breiten sich die Schmerzen häufig auch in den Kopf oder in die Ohren aus, sodass es auch in diesen Bereichen zu sehr unangenehmen Gefühlen kommen kann. Ebenso reagiert der betroffene Zahn sehr empfindlich auf Kälte oder auf Hitze, wobei auch das Essen mit dem Zahn kaum mehr möglich ist. Ein Arzt sollte auch dann aufgesucht werden, wenn die Pulpitis schon zu einer Blutung des Zahns führt. In der Regel wird die Krankheit durch einen Zahnarzt behandelt. Bei rechtzeitiger Behandlung bestehen gute Aussichten auf eine vollständige Ausheilung.

Sofortige Hilfe ist nötig, wenn zu den Zahnschmerzen eine sichtbare Schwellung von Wange, Unterkiefer oder Mundboden hinzukommt, wenn sich der Mund nicht mehr richtig öffnen lässt, wenn Fieber oder Schluckbeschwerden auftreten oder wenn die Schwellung bis zum Auge reicht. Bei Atemnot, Schluckstörungen oder rasch zunehmender Schwellung am Hals ist sofort der Notruf 112 zu wählen. Außerhalb der Sprechzeiten hilft ansonsten der zahnärztliche Notdienst weiter.

Behandlung & Therapie

Grundsätzlich sollte eine Pulpitis immer von einem Zahnarzt behandelt werden. Es handelt sich dabei in der Regel um eine Wurzelkanalbehandlung oder eine Entfernung des Zahnkerns.

Eine Möglichkeit zur Linderung der Schmerzen ist zunächst die Einnahme rezeptfreier Schmerzmittel. Die wirksamsten Medikamente basieren auf den Wirkstoffen Ibuprofen, Paracetamol und Acetylsalicylsäure (enthalten etwa in Aspirin) und enthalten kein Cortison. Vor einem zahnärztlichen Eingriff ist Acetylsalicylsäure allerdings ungünstig, weil sie die Blutgerinnung hemmt und die Blutung nach der Behandlung verstärken kann. Acetylsalicylsäure und Ibuprofen wirken sowohl schmerzstillend als auch entzündungshemmend, Paracetamol dagegen schmerzstillend und fiebersenkend, ohne die Entzündung zu bremsen. Für Kinder und Jugendliche ist Acetylsalicylsäure nicht geeignet; für sie kommen Paracetamol oder Ibuprofen in der für Alter und Gewicht vorgesehenen Dosierung infrage.

Wenn die Pulpitis durch eine Karies verursacht wurde, sollte die Läsion behandelt werden. Die beschädigte Stelle wird gereinigt und mit steriler Watte getrocknet. Der Hohlraum kann mit zusätzlicher Watte, die mit einem schmerzstillenden Desinfektionsmittel getränkt wurde, gefüllt werden. Solche Einlagen wurden lange Zeit verwendet. Bei einer irreversiblen Pulpitis wird heute stattdessen zügig die Wurzelbehandlung durchgeführt, weil eine Einlage die Entzündung nicht beseitigt und das Gewebe zusätzlich reizen kann. Alle diese Schritte gehören in die Hand des Zahnarztes. Wer den Zahn selbst mit Watte oder anderen Mitteln verschließt, schließt die Bakterien darin ein und verschlimmert die Entzündung.


Vorbeugung

Der beste Weg, eine Pulpitis zu vermeiden, ist eine gute Mundhygiene. Lange galt die Empfehlung, die Zähne mindestens drei Mal am Tag zu reinigen. Nach heutigem Kenntnisstand kommt es vor allem darauf an, zweimal täglich gründlich und mit fluoridhaltiger Zahnpasta zu putzen. Jeder Zahn einschließlich seiner inneren Oberfläche bedarf einer gründlichen Pflege. Dabei sollte vorsichtig geputzt werden, da sonst der empfindliche Zahnschmelz beschädigt werden könnte.

Die alle zwei Monate zu wechselnden Zahnbürsten sollten eine mittlere Härte und abgerundete Borsten besitzen. Fluoridhaltige Zahnpasten stärken den Zahnschmelz und beugen Karies vor. Gleichzeitig empfiehlt sich zur Reinigung der Zahnzwischenräume die Verwendung von Zahnseide oder Interdentalbürsten. Mundwasser ergänzt die Reinigung, kann sie aber nicht ersetzen, weil es den Belag in den Zwischenräumen nicht entfernt.

Nachsorge

Bei einer reversiblen Pulpitis genügt es meist, die Ursache zu beseitigen, also etwa die Karies zu entfernen und den Zahn zu füllen. Entzündungshemmende Schmerzmittel können die Zeit bis zum Zahnarzttermin überbrücken, die Entzündung selbst behandeln sie nicht. Ist eine Zahnmarkentzündung irreversibel chronisch, kann eine Wurzelbehandlung oder eine Wurzelspitzenresektion notwendig sein. Erfolgte eine operative Resektion, zeigen weitere Röntgenbilder, ob die Entzündung der Zahnpulpa komplett ausgeräumt und die Wurzelspitze gereinigt beziehungsweise gefüllt wurde. Im Anschluss an einen kieferchirurgischen Eingriff unterstützt die Nachbehandlung den Heilungsprozess.

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen dienen der Sicherung des Behandlungserfolgs und helfen, eine erneute Pulpitis im Frühstadium zu erkennen. Außerdem informieren Zahnmediziner ausführlich über das Verhalten im Anschluss an eine Operation. Schwellungen verringern sich etwa durch Kühlung. In der ersten Zeit ist weiche Kost wie Milchbrei oder Suppen am besten zum Verzehr geeignet.

Der Einsatz von Interdentalraumbürsten, antibakteriellen Mundspülungen und Mundduschen ergänzt eine sorgfältige Zahnpflege. In der Nachsorge einer Pulpitis ist eine halbjährlich durchgeführte professionelle Zahnreinigung (PZR) zu empfehlen. Trotz Schallzahnbürste, Zahnseide und fluoridhaltiger Zahnpasta lässt sich bakterieller Belag an schwer zugänglichen Stellen nicht entfernen.

Zahnmediziner oder speziell ausgebildetes Praxispersonal nutzen geeignete Instrumente zur gründlichen Entfernung krankmachender Beläge sowie zum Polieren und Fluoridieren. Da Karies ein häufiger Auslöser für entzündliche Veränderungen des Zahnmarks ist, verringert eine Intensivreinigung die bakterielle Neubesiedelung. Neben der frühzeitigen Diagnose und Therapie ist die planmäßige Nachsorge, insbesondere bei einer schweren Pulpitis, ein essentieller Faktor für eine gute Prognose.

Quellen

  • Hellwig, E., Schäfer, E., Klimek, J., Attin, T.: Einführung in die Zahnerhaltung.
    ISBN: 9783769137859
  • Weber, T.: Memorix Zahnmedizin.
    ISBN: 9783132417779
  • Schwenzer, N., Ehrenfeld, M. (Hrsg.): Zahnärztliche Chirurgie.
    ISBN: 9783132430327
  • Wolf, H. F., Rateitschak-Plüss, E. M., Rateitschak, K. H.: Parodontologie.
    ISBN: 9783131698032
  • Horch, H.-H., Neff, A. (Hrsg.): Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie.
    ISBN: 9783437242465

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