Pyomyositis

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Als Pyomyositis wird eine akute Infektion der Skelettmuskulatur bezeichnet. In den meisten Fällen entsteht sie durch das Bakterium Staphylococcus aureus.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Pyomyositis?

Pyomyositis
Bei einer Pyomyositis bilden sich oft Abszesse, die grundsätzlich an jedem Muskel des Körpers auftreten können. Große Muskeln scheinen häufiger von der Abszessentstehung betroffen zu sein als kleinere.
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In der Medizin trägt die Pyomyositis auch die Bezeichnungen Pyomyositis tropicans, Lambo Lambo, Bungpagga oder Myositis purulenta. Gemeint ist damit eine akute Infektion an den Skelettmuskeln. Dabei kommt es am betroffenen Muskel zu Schmerzen und Druckempfindlichkeit. Darüber hinaus können sich eitergefüllte Abszesse innerhalb der Muskeln bilden.

Die Pyomyositis zeigt sich bevorzugt in tropischen Regionen, wo sie endemisch verbreitet ist. Besonders betroffen ist der Osten Ugandas. Dort treten jedes Jahr zwischen 400 und 900 Krankheitsfälle auf. Bei den meisten Erkrankten handelt es sich um Männer. Etwa 13 Prozent aller Patienten versterben an der Pyomyositis. Grundsätzlich kann die Infektionskrankheit in jedem Lebensalter auftreten, am häufigsten zeigt sie sich jedoch zwischen 10 und 40 Jahren.

In den nicht-tropischen Gebieten kommt die Pyomyositis dagegen nur selten vor. Lange galt sie sogar als rein tropische Erkrankung. Heute wird sie auch in den gemäßigten Breiten zunehmend beobachtet, vor allem bei Menschen mit einer Zuckerkrankheit, mit geschwächter Abwehr oder mit einer HIV-Infektion. Dort erkranken in erster Linie erwachsene Personen und Senioren. In den meisten Fällen stellt die Pyomyositis eine Folgeerscheinung von schweren Krankheiten wie Krebs im Zusammenhang mit einer Chemotherapie oder AIDS dar. Aber auch Patienten, bei denen eine Organtransplantation durchgeführt wurde und die Immunsuppressiva einnehmen müssen, sind gefährdet.

Bei circa 20 Prozent aller Pyomyositis-Patienten besteht eine HIV-Infektion. Etwa 25 Prozent aller Betroffenen unternahmen vor Krankheitsausbruch eine Reise in tropische Gefilde. 25 bis 40 Prozent aller Patienten erlitten im Vorfeld eine Verletzung im erkrankten Muskelbereich durch einen Unfall oder Gewalteinwirkung.

Ursachen

Verursacht wird die Pyomyositis durch einen Befall der Skelettmuskulatur mit Bakterien. In den meisten Fällen ist das Bakterium Staphylococcus aureus für die Erkrankung verantwortlich. So zeigt sich der Keim bei 90 bis 95 Prozent aller Patienten in tropischen Ländern sowie bei 70 bis 75 Prozent aller betroffenen Personen in nicht-tropischen Staaten.

Bei den restlichen Erregern handelt es sich um Streptococcus pyogenes, Streptococcus pneumoniae, Staphylococcus epidermidis, Escherichia coli, Yersinia enterocolitica, Proteus mirabilis sowie diverse Salmonellen. Als häufiger Risikofaktor für eine Pyomyositis-Infektion werden Verletzungen angesehen. Dabei handelt es sich neben Traumen auch um generalisierte Muskelkontraktionen, die im Rahmen von Elektrounfällen auftreten, sowie starke Belastungen.

Ebenfalls als Risikofaktoren eingestuft werden chronische Erkrankungen wie die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) sowie das Einnehmen von Steroiden und Arzneimitteln wie Zidovudin, die die Muskeln schädigen. Zidovudin wird in der HIV-Therapie allerdings nur noch selten verwendet; heute stehen besser verträgliche Wirkstoffe zur Verfügung. Früher wurden für die tropische Pyomyositis auch Viren oder Wurmerkrankungen, die von Fadenwürmern ausgehen, als unmittelbare Auslöser angesehen. Nach heutigem Kenntnisstand schädigen sie eher den Muskel vor und bahnen so der bakteriellen Infektion den Weg. Die Entstehung der Pyomyositis ließ sich bislang noch nicht genau klären.

Viele Fakten sprechen jedoch für eine bakterielle Genese. Mediziner vermuten, dass es sich bei der Erkrankung um die Komplikation einer Bakteriämie handelt. Dabei gelangen Bakterien ins Blut. Durch eine Verletzung in der Muskulatur bildet sich eine Stelle mit herabgesetzter Widerstandsfähigkeit gegen den Befall mit Bakterien, sodass diese weiter vordringen können. Auch das Freisetzen von Eisen aus dem Myoglobin von geschädigten Muskeln soll das Wachstum der Keime fördern.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bei einer Pyomyositis bilden sich oft Abszesse, die grundsätzlich an jedem Muskel des Körpers auftreten können. Große Muskeln scheinen häufiger von der Abszessentstehung betroffen zu sein als kleinere. Den ersten Abschnitt der Pyomyositis bezeichnen Ärzte als invasive Phase. Sie umfasst die ersten ein bis zwei Wochen der Erkrankung. Die Beschwerden, die sich dabei zeigen, gelten als unspezifisch und subakut. Weil in dieser Zeit oft nur ein dumpfer Muskelschmerz ohne sichtbare Schwellung besteht, wird die Erkrankung leicht für eine Zerrung gehalten, und die richtige Diagnose verzögert sich.

Nicht selten bleiben sie sogar unentdeckt. Als typische Symptome gelten Appetitlosigkeit und Fieber. Außerdem können leichte Schmerzen und Schwellungen auftreten. Einige Patienten leiden darüber hinaus an Überwärmung der erkrankten Stellen und geröteter Haut. Die zweite Phase wird als eiternde Phase bezeichnet.

Sie ist gekennzeichnet durch Schüttelfrost, hohes Fieber sowie SIRS (Systemisches inflammatorisches Response-Syndrom). Der Begriff SIRS wird heute allerdings kaum noch verwendet; stattdessen wird beurteilt, ob die Infektion bereits Organfunktionen beeinträchtigt. Weiterhin zeigen sich verstärkte Schmerzen und Spannungen an den Muskeln, Hautentzündungen und Eiterbildung.

Die dritte und gravierendste Phase stellt die Spätphase dar, in deren Rahmen sich mehr Eiter bildet. Es kommt verstärkt zur Entstehung von Abszessen und Gelenkentzündungen. Außerdem können die Nieren versagen und eine Blutvergiftung (Sepsis), die mit einem septischen Schock einhergeht, auftreten.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose der Pyomyositis gilt als schwierig. Zum Einsatz gelangen bildgebende Methoden sowie eine Ultraschalluntersuchung. Mit der Sonographie können Eiteransammlungen in den Muskeln sowie Störungen der Muskelstruktur festgestellt werden. In der ersten Erkrankungsphase hat dies jedoch nur einen beschränkten Nutzen.

Um das Ausmaß und die Lage der Infektion zu ermitteln, findet eine Magnetresonanztomographie (MRT) statt. Sie gilt heute als das Verfahren der Wahl, weil sie die Entzündung im Muskel schon vor der Bildung eines Abszesses sichtbar macht. Bestätigen lässt sich die Diagnose durch einen mikrobiologischen Nachweis der Erreger, wobei eine Punktion der Abszesse erfolgt. Wird die Pyomyositis in der ersten oder zweiten Phase erkannt und entsprechend behandelt, nimmt sie zumeist einen positiven Verlauf. Schreitet die Erkrankung jedoch weiter voran, kann sie lebensgefährliche Ausmaße annehmen.

Komplikationen

In der Regel wird die Pyomyositis selbst erst relativ spät diagnostiziert, da die Beschwerden nicht besonders charakteristisch und uneindeutig sind. Die Betroffenen leiden dabei vor allem an Fieber und an einer starken Appetitlosigkeit. Dabei kommt es zu einem starken Gewichtsverlust und weiterhin auch zu Mangelerscheinungen.

Diese wirken sich sehr negativ auf die Lebensqualität und die allgemeine Gesundheit des Betroffenen aus. Die Haut der Betroffenen ist durch die Pyomyositis gerötet und es kommt zu Schwellungen und zu Schmerzen. Weiterhin leiden die Patienten an Schüttelfrost und an Gelenkschmerzen. Die Muskeln selbst sind verspannt und es kann zu Krämpfen kommen. Sollte es bei der Pyomyositis nicht zu einer Behandlung kommen, so werden auch die Nieren des Patienten geschädigt.

Gelangen die Erreger in die Blutbahn, kommt es zu einer Blutvergiftung, an welcher der Betroffene schließlich versterben kann; die Nieren entgiften den Körper dann nicht mehr ausreichend. Die Patienten sind in dieser Lage vorübergehend auf eine Dialyse angewiesen. Die Behandlung der Pyomyositis erfolgt mit Antibiotika, meist zusammen mit der operativen Eröffnung der Abszesse. Wird sie früh begonnen, heilt die Erkrankung häufig folgenlos aus. In fortgeschrittenen Fällen sind dagegen eine Blutvergiftung, Gelenkentzündungen oder bleibende Muskelschäden möglich, und die Erkrankung kann tödlich verlaufen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Pyomyositis sollte immer durch einen Arzt behandelt werden. Es handelt sich um eine schwerwiegende und vor allem ernstzunehmende Erkrankung, die auch nicht mit Mitteln der Selbsthilfe behandelt werden kann. Nur durch eine ärztliche Behandlung können weitere Komplikationen vermieden werden. Ein Arzt ist bei der Pyomyositis dann aufzusuchen, wenn der Betroffene an hohem Fieber und an einer starken Appetitlosigkeit leidet.

Dabei kann es am Körper an verschiedenen Regionen zu Schwellungen kommen, wobei auch die Haut gerötet und entzündet erscheint. Sollten diese Beschwerden länger auftreten und nicht wieder von alleine verschwinden, muss ein Arzt aufgesucht werden. Ebenso können die inneren Organe beschädigt werden. Dem Betroffenen ist häufig sehr warm und die Muskeln schmerzen.

Die Pyomyositis kann durch einen Allgemeinarzt diagnostiziert werden. In Notfällen kann allerdings auch das Krankenhaus aufgesucht oder der Notarzt gerufen werden. Wird die Pyomyositis frühzeitig erkannt, so kann sie relativ gut behandelt werden.

Treten hohes Fieber mit Schüttelfrost, Verwirrtheit, eine sehr schnelle Atmung, ein rasender Puls oder eine rasch fortschreitende Rötung und Schwellung des Muskels auf, besteht Lebensgefahr durch eine Blutvergiftung. Dann ist sofort der Notruf 112 zu wählen.

Behandlung & Therapie

Zur Therapie der Pyomyositis führt der Arzt zumeist eine chirurgische Abszess-Drainage durch. Nur selten müssen die befallenen Muskelbereiche amputiert werden. Außerdem erhält der Patient Antibiotika. Deren Auswahl richtet sich nach der Art des Bakteriums, möglichen Resistenzen sowie dem Gram-Status. Besteht der Verdacht auf einen gegen das Antibiotikum Methicillin unempfindlichen Staphylococcus aureus (MRSA), werden von Anfang an Mittel gewählt, die gegen diesen Keim wirksam sind. In der ersten Erkrankungsphase genügt oftmals schon eine reine Antibiotikabehandlung. Die Dauer der Therapie liegt in der Regel zwischen drei und vier Wochen, was jedoch vom Ausmaß der Pyomyositis abhängt.


Vorbeugung

Erfolgversprechende Maßnahmen zur Vorbeugung einer Pyomyositis sind nicht bekannt. In einigen Fällen gilt das Beseitigen der Staphylokokken auf der Nasenschleimhaut durch eine orale Rifampicingabe oder eine topische Behandlung mit Mupirocin als sinnvoll. Als Standard für diese Sanierung gilt heute die örtliche Behandlung der Nase mit Mupirocin; Rifampicin wird dabei nie allein gegeben, weil sich sonst rasch Resistenzen bilden.

Nachsorge

In der Regel sind die Maßnahmen oder die Möglichkeiten einer Nachsorge bei einer Pyomyositis deutlich eingeschränkt oder stehen dem Betroffenen gar nicht zur Verfügung. Dabei ist der Betroffene in erster Linie auf eine schnelle und vor allem auf eine frühzeitige Diagnose dieser Krankheit angewiesen, damit es im weiteren Verlauf nicht zu Komplikationen oder zu einer weiteren Ausbreitung der Infektion kommt. Eine Selbstheilung kann sich bei dieser Krankheit in der Regel nicht einstellen.

Die Betroffenen sind meist auf die Einnahme von verschiedenen Medikamenten angewiesen. Dabei sollte immer auf die vorgegebene Dosierung und auf eine regelmäßige Einnahme geachtet werden, um die Beschwerden richtig und dauerhaft zu lindern. Ebenso sind regelmäßige Kontrollen durch einen Arzt sehr sinnvoll und können dabei weitere Schäden verhindern.

Die meisten Betroffenen sind auch auf die Unterstützung der eigenen Familie oder des Partners angewiesen, wodurch die Entstehung von Depressionen oder anderen psychischen Verstimmungen verhindert werden kann. Wird die Pyomyositis rechtzeitig erkannt und behandelt, verringert sie die Lebenserwartung des Betroffenen in der Regel nicht. Der weitere Verlauf der Pyomyositis ist allerdings stark vom Zeitpunkt der Diagnose und auch von der Ausprägung der Krankheit abhängig, sodass eine allgemeine Voraussage dabei nicht möglich ist.

Quellen

  • Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S.H.E., Schulz, T.F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
    ISBN: 9783662613849
  • Hof, H., Schlüter, D. (Hrsg.): Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie.
    ISBN: 9783132443174
  • Löscher, T., Burchard, G.-D., Hoerauf, A., May, J. (Hrsg.): Tropenmedizin.
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  • Ruchholtz, S., Wirtz, D.C. (Hrsg.): Orthopädie und Unfallchirurgie essentials.
    ISBN: 9783132456310
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

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