Rötelnembryofetopathie

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 13. April 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Rötelnembryofetopathie ist eine Rötelnerkrankung des Fetus. Die Infektion wird über die Plazenta auf die Leibesfrucht übertragen und ruft schwere Missbildungen hervor. Die Impfprophylaxe gegen Röteln ist vor einer Schwangerschaft dringend anzuraten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Rötelnembryofetopathie?

Die Pränataldiagnostik ist einer der Gründe, aus denen sich die Inzidenz der Rötelnembryofetopathie im Rückgang befindet. Bei anamnestischen Hinweisen durch die Mutter ordnet der Gynäkologe einen Nachweis des Virus im Blut, im Urin oder Speichel der Mutter an.
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Als Röteln-Virus ist ein humanpathogene Virus aus der Virengattung Rubivirus, die den Togaviren angehört. Es handelt sich um den einigen pathogenen Erreger aus dieser Gattung. Bessre bekannt ist das Virus als Erreger der Röteln. Über die Röteln hinaus kann eine Infektion mit dem Virus eine Rötelnembryofetopathie der Leibesfrucht hervorrufen, falls sich die Mutter in der Schwangerschaft infiziert.

Die Röteln-Embryopathie ist demzufolge eine durch Übertragung des Röteln-Erregers auf den Fetus, wie sie über die Plazenta stattfinden kann. Die Infektion des Fetus entspricht einer schwerwiegenden Komplikation mütterlicher Röteln und wird außerdem als schwergradige Schwangerschaftskomplikation bezeichnet. Mittlerweile ist die Inzidenz zur Rötelnembryopathie deutlich abgesunken und liegt bei nur mehr einem Fall auf 10.000 Geburten.

Zu verdanken ist die geringe Inzidenz der breitflächigen MMR-Impfung und der konsequenten Vorgeburtsdiagnostik. Im ersten Trimenon der Schwangerschaft besteht ein höheres Risiko für eine Rötelnembryofetopathie als in späteren Stadien. Infiziert sich die werdende Mutter im den ersten drei Monaten der Schwangerschaft, tritt fast in einem Drittel aller Fälle eine diaplazentare Übertragung ein. Die Folge einer Rötelnembryofetopathie sind mehr oder weniger schwere Fehlbildungen des Fetus, die sich vom Zentralnervensystem bis über das Herz erstrecken können.

Ursachen

Wenn sich eine werdende Mutter in der Schwangerschaft mit dem Röteln-Virus ansteckt, kann es zu einer generalisierten Ausbreitung des Virus im Körper kommen. Diese generalisierte Ausbreitung erstreckt sich bis hin zur Plazenta. Über die Plazenta kann schließlich eine Übertragung des Virus auf den Fetus erfolgen. Die Infektion ruft Störungen der Zellteilungen des Fetus hervor.

Die Differenzierungsvorgänge der Zellen sind gestört und einzelne Gewebe entwickeln sich nicht wie vorgesehen. Abhängig von der Phase der Embryonalentwicklung kann dieser Zusammenhang einen Abort herbeiführen, so vor allem, wenn durch die Fehlentwicklungen grundsätzlich keine Lebensfähigkeit für das Individuum besteht. Falls kein Abort eintritt, entwickelt sich durch die Infektion eine sogenannte Embryopathie in Form eines Röteln-Syndroms.

Die Schwangere kann bei einer Infektion mit üblicherweise eher mildem Verlauf vollständig asymptomatisch bleiben. Diese Asymptomatik der werdenden Mutter lässt allerdings keine Aussagen über den Zustand des Kindes zu. Infektionen nach dem dritten Schwangerschaftsmonat sind mit zehn Prozent relativ selten. Im ersten Schwangerschaftsmonat besteht dagegen ein rund 60-prozentiges Risiko.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Röteln-Embryopathie ruft eine Vielzahl von Fehlbildungen hervor, so vor allem in den Organsystemen des zentralen Nervensystems, der Ohren und dem Herzen. Neben [Geistige Behinderung|geistiger Retardierung]] manifestiert sich die Rötelnembryofetopathie besonders oft in Hepatosplenomegalie und Hepatitis.

Darüber hinaus liegen Petechien, ausgeprägte Mikrozephalie oder Enzephalitis vor. Ein besonders verbreitetes Symptom ist außerdem der kongenitale Herzfehler in Form eines Ductus Botalli apertus, einer Pulmonalstenose oder einer Fallot-Tetralogie. Auch eine Myokarditis ist denkbar.

Zusätzlich können die Augen von angeborenen Funktionsbeeinträchtigungen betroffen sein. Das ist zum Beispiel bei einem Glaukom der Fall, das im Verlauf zur Erblindung führt. Außerdem liegt im Bereich der Augen oft Katarakt vor. Dasselbe gilt für retinale Fehlbildungen. Auch die Ohren sind oft von Funktionsbeeinträchtigungen betroffen, so vor allem von Innenohrschwerhörigkeit oder Taubheit.

Wachstumsverzögerungen sind verbreitet. Klassischerweise liegen nicht alle der genannten Symptome vor, sondern die Patienten leiden an einem Trias aus angeborenem Herzfehler, Katarakt und Innenohrtaubheit. Die Schwere der Fehlbildungen unterscheidet sich von Fall zu Fall. Bei besonders schweren Fällen besteht keine Lebensfähigkeit mehr und das Kind stirbt im Mutterleib.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Pränataldiagnostik ist einer der Gründe, aus denen sich die Inzidenz der Rötelnembryofetopathie im Rückgang befindet. Bei anamnestischen Hinweisen durch die Mutter ordnet der Gynäkologe einen Nachweis des Virus im Blut, im Urin oder Speichel der Mutter an. Eine weiterführende Diagnostik ist nur erforderlich, wenn kein Nachweis über eine zweimalige Rötelnimpfung der Mutter vorliegt.

Ein IgM-Nachweis am Neugeborenen ist etwa ab dem fünften Schwangerschaftsmonat möglich. Ein PCR-Nachweis kann durch eine Analyse des Fruchtwassers erbracht werden. Eine Rötelnembryofetopathie wird so in aller Regel vor der Geburt des Kindes diagnostiziert. Die Prognose hängt vor allem von dem Stadium der Schwangerschaft bei Infektion ab.

Komplikationen

Im schlimmsten Fall kann die Rötelnembryofetopathie zum Tod des Kindes führen. Aus diesem Grund muss diese Erkrankung schon frühzeitig diagnostiziert und behandelt werden. Die betroffenen Kinder leiden in der Regel an einem Herzfehler und sind damit in ihrem Leben auf regelmäßige Untersuchungen angewiesen, um einen plötzlichen Herztod und andere Herzbeschwerden zu vermeiden. Auch eine Hepatitis kann bei den Patienten auftreten und sich sehr negativ auf die Lebensqualität auswirken.

Mitunter können Hörbeschwerden oder eine Erblindung im Laufe der Entwicklung des Kindes auftreten. Die Patienten leiden häufig an einer deutlich verzögerten Entwicklung und sind damit in ihrem Leben auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen. Weiterhin kann es auch zu einer geistigen Retardierung kommen. In schwerwiegenden Fällen versterben die Kinder schon direkt nach der Geburt, da sie nicht überlebensfähig sind.

In der Regel kann der Rötelnembryofetopathie gut mit Hilfe von Medikamenten vor der Schwangerschaft vorgebeugt werden. Dabei treten keine besonderen Komplikationen auf. Mit Hilfe regelmäßiger Untersuchungen kann die Krankheit auch während der Schwangerschaft früh erkannt und direkt behandelt werden. Dadurch werden die Beschwerden vollständig vermieden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Rötelnembryofetopathie sollte immer von einem Arzt untersucht und behandelt werden. Im schlimmsten Fall kann es dabei zum Tod des Kindes oder zu schweren Missbildungen kommen, die zu weiteren Komplikationen führen können. Je früher die Rötelnembryofetopathie dabei erkannt wird, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Heilung dieser Erkrankung. Ein Arzt ist dabei dann aufzusuchen, wenn die Betroffene während einer Schwangerschaft an einer Hepatitis erkrankt ist. Dabei können auch Herzbeschwerden auf diese Erkrankung hindeuten und sollten von einem Arzt untersucht werden.

Beim Kind zeigt sich die Rötelnembryofetopathie durch ein verzögertes Wachstum und Seh- oder Hörbeschwerden. In einigen Fällen kann es dabei auch zu einer vollständigen Taubheit oder Blindheit kommen. Treten diese Beschwerden auf, so muss auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden. Die Rötelnembryofetopathie kann durch einen Kinderarzt oder durch einen Allgemeinarzt erkannt werden. Für die weitere Behandlung sind jedoch Besuche bei einem Facharzt notwendig. Dabei kann nicht im Allgemeinen vorausgesagt werden, ob die Rötelnembryofetopathie zu einer verringerten Lebenserwartung führt.

Behandlung & Therapie

Nach einer bereits stattgefundenen diaplanzentaren Übertragung der Röteln-Infektion auf den Fetus ist eine ursächliche Therapie nicht mehr möglich. Die Vorbeugung ist das entscheidende Moment bei der Rötelnembryopathie. Der mütterliche Impfschutz sollte gesichert sein. Vor jeder geplanten Schwangerschaft ist ein Röteln-Titer zu erheben.

Bei unzureichendem Impfschutz sind Nachimpfungen anzuordnen. Bereits schwangere Frauen werden idealerweise nicht geimpft. Der Lebensimpfstoff kann eine Infektion des Ungeborenen bewirken. Nichtsdestotrotz werden im Notfall auch Schwangere teils trotzdem nachgeimpft. Die Infektion durch den Impfvirus ist verglichen mit der Röteln-Embryopathie das kleinere Übel. In der Regel führt der Impfvirus selbst nicht zur Embryopathie.

Schwangere sollten nicht in den Kontakt mit Rötel-Infizierten geraten. Falls sich der Kontakt nicht vermeiden lässt, ist eine passive Immunisierung induziert. Bei einem IgG-Antikörper-Nachweis der Mutter besteht vermutlich Immunität durch vorausgegangene Impfung oder Erkrankung.

Die Betroffene sollte zumindest bis Ende des vierten Schwangerschaftsmonats regelmäßig nach frischen Infektionen durchsucht werden. Wenn eine Infektion der Mutter bis zum vierten Schwangerschaftsmonat eintritt und die werdenden Eltern die vorauszusehenden Missbildungen des Kindes nicht akzeptieren können, kann ein Schwangerschaftsabbruch erwogen werden.


Vorbeugung

Die wirksamste Vorbeugung der Rötelnembryofetopathie ist die Impfung der Mutter gegen Röteln. Die Masern-Mumps-Röteln-Schutzimpfung erfolgt erstmals im ersten Lebensjahr und abermals im fünften Lebensjahr. Der Titer für Röteln-Antikörper wird idealerweise vor jeder geplanten Schwangerschaft bestimmt, um bei Bedarf Nachimpfungen durchführen zu können.

Nachsorge

Da es sich bei der Rötelnembryofetopathie um ein angeborenes Fehlbildungssyndrom handelt, gibt es keine direkte Nachsorge-Empfehlung. Die Probleme lassen sich lediglich symptomatisch behandeln aber nicht kausal. Im Zusammenhang mit einem Kinderwunsch ist eine detaillierte genetische Beratung sinnvoll. Für die Betroffenen selbst ist eine umfassende, liebevolle Pflege wichtig.

Die Eltern sollten sich auf eine dauerhafte Betreuung einrichten und auch die anderen Familienmitglieder können sich beteiligen. Mittels einer intensiven Pflege lässt sich der Verlauf des Syndroms etwas lindern, zudem treten dadurch weniger Komplikationen auf. Dieser positive Einfluss wird von regelmäßigen ärztlichen Kontrollen weiter gefördert.

Der verantwortliche Arzt kann mögliche, weitere Schäden des Organismus frühzeitig feststellen und rechtzeitig handeln. Aufgrund der psychischen Belastung der betroffenen Patienten und ihrer Familien ist es ratsam, gegebenenfalls professionelle psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch Gespräche mit der Familie und mit engen Freunden können die Schwierigkeiten lindern.

In Selbsthilfegruppen oder über den behandelnden Arzt finden die Familien Kontakt zu weiteren Betroffenen. Der hier stattfindende Austausch ermöglicht es allen Beteiligten, über die Problematik zu sprechen und sich mit Lösungen zu beraten, die den Alltag erleichtern. Damit lassen sich beginnende Depressionen oder ernsthafte psychische Schwierigkeiten recht gut verarbeiten.

Das können Sie selbst tun

Schwangere Frauen sind über mögliche Risiken, Gefahren und Einflussfaktoren einer Schwangerschaft zu informieren. Das eigene Verhalten ist zu optimieren und sollte im Sinne des ungeborenen Kindes gestaltet werden.

Aus diesem Grund sind Umgebungen und Kontakte zu Menschen vollständig zu vermeiden, die an Röteln erkrankt sind. Die Erkrankung gilt als hochansteckend und kann zu schweren Komplikationen während der Schwangerschaft führen. Daher sollte sich die werdende Mutter rechtzeitig darüber informieren, welche Erkrankungen in ihrer unmittelbaren Umgebung vorhanden sind. Orte, an denen sich Menschen mit diagnostizierten Röteln aufgehalten haben, sollten unter allen Umständen gemieden werden. Bereits bei den ersten Anzeichen oder Unregelmäßigkeiten ist zudem Konsultation eines Arztes zwingend erforderlich.

Die Maßnahmen der Selbsthilfe genügen nicht, um eine Linderung der Beschwerden oder Heilung erwirken zu können. Es können lediglich Vorsichtsmaßnahmen vor der Viruserkrankung getroffen werden. Bereits vor der Planung des Nachwuchses empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem Arzt. Dieser kann bei einem bestehenden Kinderwunsch frühzeitig den Gesundheitszustand der Mutter einschätzen und sofern notwendig einen möglichen Impfschutz verabreichen. Zudem findet in der Beratung eine rechtzeitige Aufklärung über besondere Situationen mit bestimmten Risiken statt. Da eine bereits schwangere Frau nicht geimpft werden kann, ist das Ergreifen der Vorabmaßnahmen besonders wichtig und anzuraten.

Quellen

  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Uhl, B.: Gynäkologie und Geburtshilfe compact. Thieme, Stuttgart 2013

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