Restless-Legs-Syndrom (Unruhige Beine)

Letzte Aktualisierung am 21. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Das Restless-Legs-Syndrom, RLS oder umgangssprachlich auch unruhige Beine genannt, ist eine Erkrankung, deren Ursachen noch weitgehend unbekannt sind. Symptomen kann mit verschiedenen medizinischen Ansätzen begegnet werden.

Inhaltsverzeichnis

Definition Restless-Legs-Syndrom

Beim Restless-Legs-Syndrom handelt es sich um eine neurologische Erkrankung, von der meist Beine und Füße eines Patienten betroffen sind. In selteneren Fällen wirkt sich das Restless-Legs-Syndrom auf die Arme aus. Ins Deutsche übersetzt bedeutet das Restless-Legs-Syndrom soviel wie 'Syndrom der ruhelosen Beine'.

Symptomatisch zeigt sich die Erkrankung unter anderem in einem starken Bewegungsdrang und Gefühlsstörungen in Beinen oder Armen. Außerdem kann das Restless-Legs-Syndrom bei Betroffenen zu unwillkürlichen Bewegungen führen, die sich häufig in Situationen der Ruhe oder auch während des Schlafs steigern.

Unterschieden wird beispielsweise zwischen der idiopathischen (selbstständigen) und der sekundären (sich auf der Grundlage anderer Störungen entwickelnden) Form des Restless-Legs-Syndroms.

Schätzungen zufolge liegt in Deutschland das Restless-Legs-Syndrom bei ca. 5-10% der Bevölkerung vor; Frauen sind dabei tendenziell häufiger vom Restless-Legs-Syndrom betroffen als Männer.

Ursachen

Welche Ursachen dem Restless-Legs-Syndrom zugrunde liegen, ist in der Wissenschaft noch nicht abschließend geklärt; vermutet wird unter anderem der Einfluss einer zu geringen Konzentration des Neurotransmitters Dopamin (eines Botenstoffes des Nervensystems, der umgangssprachlich auch als Glückshormon bezeichnet wird) und der Einfluss motorischer Störungen (Störungen des Bewegungsapparates) auf das Restless-Legs-Syndrom.

Außerdem ist es möglich, dass verschiedene Nervenbahnen bei vom Restless-Legs-Syndrom Betroffenen überdurchschnittlich empfindlich bzw. übererregbar reagieren.

Das Restless-Legs-Syndrom in seiner sekundären Form kann beispielsweise durch neurologische Erkrankungen (wie etwa Morbus Parkinson), Mangelerscheinungen oder verschiedene Medikamente verursacht sein. Ist das Restless-Legs-Syndrom idiopathisch (selbstständig) ausgebildet, werden in der Medizin genetische Ursachen angenommen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Symptomatisch ist in ruhender Körperhaltung ein quälender Bewegungsdrang in den Beinen. Dieser kann in Form von Reißen, Ziehen oder Brennen während der unkontrollierten Muskelbewegungen auftreten. Die unwillkürlichen Muskelzuckungen treten sowohl im wachen Zustand, als auch während des Schlafs auf. Häufig sind dabei die Waden betroffen.

Es kommt zu periodischen Beinbewegungen während des Schlafens, die zum häufigen Aufwachen führen. Die Beschwerden setzen verstärkt abends und nachts ein und können einseitig oder beidseitig einsetzen. Die Missempfindungen können kaum spürbar, aber auch intensiv für kurze oder längere Zeit auftreten. In schwereren Fällen kann das Restless-Legs-Syndrom (RLS) zu erheblichen Schlafstörungen trotz vorhandener Müdigkeit führen.

Diese können bis zum frühen Morgen anhalten. Aufgrund der Tagesmüdigkeit können nächsten Tag erhebliche Problemen bei der Alltagsbewältigung auftreten. Dazu zählen Konzentrationsstörungen, schlechte Laune, Gereiztheit und depressive Verstimmungen. Beim Autofahren kann ein Sekundenschlaf auf die Ursache eines Restless-Legs-Syndroms hindeuten. Als Anzeichen für ein Restless-Legs-Syndrom kann es ebenso zu Juckreiz, Schmerzen und Taubheitsgefühlen kommen.

Außerdem weisen ein morgens übermäßig zerwühltes Bett, häufiges Aufwachen sowie Aufstehen auf dieses Krankheitsbild hin. Ein Anzeichen für eine RLS-Erkrankung kann auch bereits tagsüber das Wohlbefinden beim Sitzen beeinträchtigt werden. Zu den Empfindungsstörungen in den Beinen kann ebenfalls ein unnatürliches Gefühl von Kälte oder Hitze zählen. Typisch für ein Restless-Legs-Syndrom ist die Besserung der Beschwerden durch Bewegung.

Diagnose & Verlauf

Diagnostiziert wird das Restless-Legs-Syndrom in der Regel durch einen Neurologen (auch als Nervenarzt bezeichnet). Eine entsprechende Verdachtsdiagnose erfolgt häufig zunächst auf der Grundlage der beobachtbaren bzw. der vom Patienten geschilderten Symptome.

Des Weiteren stehen dem Neurologen verschiedene Tests zur Verfügung, die die Diagnose Restless-Legs-Syndrom erhärten können: Ein entsprechender Test besteht beispielsweise in einer einmaligen Verabreichung von L-Dopa (einem Wirkstoff, der unter anderem bei Dopaminmangel eingesetzt wird); tritt aufgrund dieser Gabe eine Besserung der Symptome auf, spricht dies für das Restless-Legs-Syndrom.

Der Verlauf des Syndroms hängt unter anderem zusammen mit der Form, die das Restless-Legs-Syndrom aufweist: Handelt es sich um die idiopathische (selbstständige) Form, so ist der Krankheitsbeginn bei Betroffenen häufig im dritten Lebensjahrzehnt zu beobachten. Oft ist beim idiopathischen Restless-Legs-Syndrom eine moderate (häufig aber nicht kontinuierliche) Zunahme der Symptome im Lauf des Lebens von Betroffenen zu beobachten.

Im Allgemeinen sind die Symptome beim Restless-Legs-Syndrom relativ schwach ausgeprägt, sodass in den meisten Fällen auf medikamentöse Behandlungen verzichtet werden kann.

Komplikationen

Das Restless-Legs-Syndrom ruft zwar keine körperlichen Komplikationen hervor. Allerdings treten das quälende Kribbeln, die Schmerzen und die Unruhe vor allem in Zeiten der Ruhe auf. Aus diesem Grund kann sich der Organismus nicht entspannen. Des Weiteren verstärken sich die Symptome gerade abends vor dem Schlafengehen, sodass ein Ein- und Durchschlafen nicht möglich ist.

Die Folge ist, dass viele Betroffene an Schlafmangel leiden und sich tagsüber extrem müde und schlapp fühlen. Sie können das tägliche Leben oftmals nur noch mit Mühe bewältigen, da sie erschöpft, niedergedrückt und antriebslos sind. Patienten mit RLS können so ihre vollständige Leistungsfähigkeit einbüßen. In der Folge erfahren die Betroffenen häufig auch negative soziale Auswirkungen aufgrund ihrer Müdigkeit und ihres ständigen Bewegungsdranges.

Ein längeres gemütliches Zusammensitzen mit Freunden und Bekannten ist nicht möglich, weil immer der Drang besteht, ständig herumzulaufen. Da auch Freunde und Familie oft kein Verständnis für dieses Verhalten haben, kommt es nicht selten zur sozialen Isolierung. Auf dieser Grundlage wird auch das psychische Wohlbefinden der Erkrankten stark beeinträchtigt.

So kann das Restless-Legs-Syndrom Ursache für weitere psychische Erkrankungen sein. Die soziale Isolierung erhöht das Risiko für Depressionen und Suizidgedanken. Um die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen, wird neben der medikamentösen Behandlung des Syndroms auch eine psychotherapeutische Unterstützung durch einen Psychologen empfohlen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Unruhige Beine zu haben, hat an sich keinen Krankheitswert. Zu hoher Koffeinkonsum oder Nervosität können die Ursache sein.

Liegt aber ein Restless-Legs-Syndrom vor, kann man von einem Krankheitswert ausgehen. Es handelt sich um eine mehr oder weniger ausgeprägte neurologische Störung. Diese erfordert den Besuch bei einem Neurologen. Das Restless-Legs-Syndrom kann beispielsweise als Nebenwirkung bei der Einnahme von Antidepressiva auftreten.

Etwa 5-10 Prozent der Bevölkerung sind von einem Restless-Legs-Syndrom betroffen. Eine medizinische Behandlung ist aber nur bei jedem fünften Betroffenen notwendig, nämlich bei sehr starken Symptomen. Es ist meistens ein gefühlter Leidensdruck, der die Menschen zum Arztbesuch treibt. Starker Bewegungsdrang, der meist die Beine betrifft, mindert die Lebensqualität.

Wenn zunehmend soziale Isolation und ein Vermeiden sitzender Tätigkeiten aus dem Restless-Legs-Syndrom resultieren, sollte der Arztbesuch nicht mehr verschoben werden. Möglicherweise kann der Arzt die Ursachen des Restless-Legs-Syndroms ermitteln und abstellen. Handelt es sich beispielsweise um Medikamenten-Nebenwirkungen, können möglicherweise andere Arzneimittel mit identischen Haupt-Wirkstoffen vorordnet werden.

In anderen Fällen können dämpfende Präparate verordnet werden, die die Symptomatik des Restless-Legs-Syndrom abmildern. Zu beachten ist dabei, dass oft schon andere Medikamente eingenommen werden. Diese müssen miteinander kompatibel sein. Der Arzt sollte daher erfahren, an welchen Krankheiten der Betroffene leidet und welche Medikamente er regelmäßig einnehmen muss.

Behandlung & Therapie

Eine medizinische Behandlung beim Restless-Legs-Syndrom orientiert sich in der Regel am Leidensdruck des individuellen Patienten. Da das Restless-Legs-Syndrom häufig zu Einschränkungen der Schlafqualität beiträgt, setzt eine Therapie in vielen Fällen bei einer entsprechenden Verbesserung an.

Patienten, bei denen das Restless-Legs-Syndrom mit ausgeprägten Symptomen und einem hohen Leidensdruck verbunden ist, werden häufig medikamentös behandelt; eine solche Behandlung kann je nach Beschwerdebild kontinuierlich oder bedarfsorientiert erfolgen. Zum Einsatz kommen beim Restless-Legs-Syndrom beispielsweise Wirkstoffe, die eine Vorstufe des Neurotransmitters Dopamin darstellen und vom Körper in Dopamin umgewandelt werden.

Auch sogenannte Dopaminagonisten (also Substanzen, die dem Dopamin ähneln) finden beim Restless-Legs-Syndrom Anwendung: Diese Substanzen können dazu beitragen, Nervenzellen für die Aufnahme von Dopamin zu sensibilisieren. Ist das Restless-Legs-Syndrom relativ leicht ausgeprägt, werden teilweise nicht-medikamentöse Verfahren, wie Massagen, eingesetzt.

Auch heißes oder kaltes Duschen wird von einigen Patienten als lindernd beschrieben. Liegt das Restless-Legs-Syndrom in sekundärer Form vor, setzt eine Therapie in der Regel zunächst bei der Bekämpfung entsprechender zugrunde liegender Erkrankungen oder Störungen an.

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Vorbeugung

Da die Ursachen für das Restless-Legs-Syndrom noch nicht abschließend geklärt sind, gibt es derzeit kaum Möglichkeiten, dem Syndrom vorzubeugen. Um zu verhindern, dass sich ein Restless-Legs-Syndrom in sekundärer Form entwickelt, kann eine konsequente Therapie möglicher Grunderkrankungen hilfreich sein.

Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013


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