Restless-Legs-Syndrom (Unruhige Beine)
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 22. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Das Restless-Legs-Syndrom, RLS oder umgangssprachlich auch unruhige Beine genannt, ist eine Erkrankung, deren Ursachen noch weitgehend unbekannt sind. Den Symptomen kann mit verschiedenen medizinischen Ansätzen begegnet werden.
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Was ist ein Restless-Legs-Syndrom?
Beim Restless-Legs-Syndrom handelt es sich um eine neurologische Erkrankung, von der meist Beine und Füße eines Patienten betroffen sind. In selteneren Fällen wirkt sich das Restless-Legs-Syndrom auf die Arme aus. Ins Deutsche übersetzt bedeutet das Restless-Legs-Syndrom so viel wie 'Syndrom der ruhelosen Beine'.
Symptomatisch zeigt sich die Erkrankung unter anderem in einem starken Bewegungsdrang und Gefühlsstörungen in Beinen oder Armen. Außerdem kann das Restless-Legs-Syndrom bei Betroffenen zu unwillkürlichen Bewegungen führen, die sich häufig in Situationen der Ruhe oder auch während des Schlafs steigern.
Unterschieden wird beispielsweise zwischen der idiopathischen (selbstständigen) und der sekundären (sich auf der Grundlage anderer Störungen entwickelnden) Form des Restless-Legs-Syndroms.
Schätzungen zufolge liegt in Deutschland das Restless-Legs-Syndrom bei ca. 5-10% der Bevölkerung vor; Frauen sind dabei tendenziell häufiger vom Restless-Legs-Syndrom betroffen als Männer.
Ursachen
Außerdem ist es möglich, dass verschiedene Nervenbahnen bei vom Restless-Legs-Syndrom Betroffenen überdurchschnittlich empfindlich bzw. übererregbar reagieren.
Das Restless-Legs-Syndrom in seiner sekundären Form kann beispielsweise durch neurologische Erkrankungen (wie etwa Morbus Parkinson), Mangelerscheinungen oder verschiedene Medikamente verursacht sein. Ist das Restless-Legs-Syndrom idiopathisch (selbstständig) ausgebildet, werden in der Medizin genetische Ursachen angenommen.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Symptomatisch ist in ruhender Körperhaltung ein quälender Bewegungsdrang in den Beinen. Dieser kann in Form von Reißen, Ziehen oder Brennen während der unkontrollierten Muskelbewegungen auftreten. Die unwillkürlichen Muskelzuckungen treten sowohl im wachen Zustand, als auch während des Schlafs auf. Häufig sind dabei die Waden betroffen.
Es kommt zu periodischen Beinbewegungen während des Schlafens, die zum häufigen Aufwachen führen. Die Beschwerden setzen verstärkt abends und nachts ein und können einseitig oder beidseitig einsetzen. Die Missempfindungen können kaum spürbar, aber auch intensiv für kurze oder längere Zeit auftreten. In schwereren Fällen kann das Restless-Legs-Syndrom (RLS) zu erheblichen Schlafstörungen trotz vorhandener Müdigkeit führen.
Diese können bis zum frühen Morgen anhalten. Aufgrund der Tagesmüdigkeit können am nächsten Tag erhebliche Probleme bei der Alltagsbewältigung auftreten. Dazu zählen Konzentrationsstörungen, schlechte Laune, Gereiztheit und depressive Verstimmungen. Beim Autofahren kann ein Sekundenschlaf auf die Ursache eines Restless-Legs-Syndroms hindeuten. Als Anzeichen für ein Restless-Legs-Syndrom kann es ebenso zu Juckreiz, Schmerzen und Taubheitsgefühlen kommen.
Außerdem weisen ein morgens übermäßig zerwühltes Bett, häufiges Aufwachen sowie Aufstehen auf dieses Krankheitsbild hin. Ein Anzeichen für eine RLS-Erkrankung kann auch sein, dass bereits tagsüber das Wohlbefinden beim Sitzen beeinträchtigt ist. Zu den Empfindungsstörungen in den Beinen kann ebenfalls ein unnatürliches Gefühl von Kälte oder Hitze zählen. Typisch für ein Restless-Legs-Syndrom ist die Besserung der Beschwerden durch Bewegung.
Diagnose & Verlauf
Diagnostiziert wird das Restless-Legs-Syndrom in der Regel durch einen Neurologen (auch als Nervenarzt bezeichnet). Eine entsprechende Verdachtsdiagnose erfolgt häufig zunächst auf der Grundlage der beobachtbaren bzw. der vom Patienten geschilderten Symptome.
Des Weiteren stehen dem Neurologen verschiedene Tests zur Verfügung, die die Diagnose Restless-Legs-Syndrom erhärten können: Ein entsprechender Test besteht beispielsweise in einer einmaligen Verabreichung von L-Dopa (einem Wirkstoff, der unter anderem bei Dopaminmangel eingesetzt wird); tritt aufgrund dieser Gabe eine Besserung der Symptome auf, spricht dies für das Restless-Legs-Syndrom.
Heute stützt sich die Diagnose allerdings in erster Linie auf fünf klinische Kriterien: einen Bewegungsdrang mit Missempfindungen in den Beinen, seine Zunahme in Ruhe, die Besserung durch Bewegung, die Betonung am Abend und in der Nacht sowie das Fehlen einer anderen Erklärung für die Beschwerden. Der L-Dopa-Test wird nur noch ergänzend herangezogen. Hinzu kommt eine Blutuntersuchung, insbesondere des Eisenspeicherwerts Ferritin, denn ein Eisenmangel kann die Beschwerden auslösen oder verstärken.
Der Verlauf des Syndroms hängt unter anderem zusammen mit der Form, die das Restless-Legs-Syndrom aufweist: Handelt es sich um die idiopathische (selbstständige) Form, so ist der Krankheitsbeginn bei Betroffenen häufig im dritten Lebensjahrzehnt zu beobachten. Oft ist beim idiopathischen Restless-Legs-Syndrom eine moderate (häufig aber nicht kontinuierliche) Zunahme der Symptome im Lauf des Lebens von Betroffenen zu beobachten.
Im Allgemeinen sind die Symptome beim Restless-Legs-Syndrom relativ schwach ausgeprägt, sodass in den meisten Fällen auf medikamentöse Behandlungen verzichtet werden kann.
Komplikationen
Das Restless-Legs-Syndrom ruft zwar keine unmittelbaren körperlichen Schäden hervor. Allerdings treten das quälende Kribbeln, die Schmerzen und die Unruhe vor allem in Zeiten der Ruhe auf. Aus diesem Grund kann sich der Organismus nicht entspannen. Des Weiteren verstärken sich die Symptome gerade abends vor dem Schlafengehen, sodass ein Ein- und Durchschlafen nicht möglich ist.
Die Folge ist, dass viele Betroffene an Schlafmangel leiden und sich tagsüber extrem müde und schlapp fühlen. Sie können das tägliche Leben oftmals nur noch mit Mühe bewältigen, da sie erschöpft, niedergedrückt und antriebslos sind. Patienten mit RLS können so ihre vollständige Leistungsfähigkeit einbüßen. In der Folge erfahren die Betroffenen häufig auch negative soziale Auswirkungen aufgrund ihrer Müdigkeit und ihres ständigen Bewegungsdranges.
Ein längeres gemütliches Zusammensitzen mit Freunden und Bekannten ist nicht möglich, weil immer der Drang besteht, ständig herumzulaufen. Da auch Freunde und Familie oft kein Verständnis für dieses Verhalten haben, kommt es nicht selten zur sozialen Isolierung. Auf dieser Grundlage wird auch das psychische Wohlbefinden der Erkrankten stark beeinträchtigt.
So kann das Restless-Legs-Syndrom Ursache für weitere psychische Erkrankungen sein. Die soziale Isolierung erhöht das Risiko für Depressionen und Suizidgedanken. Um die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen, wird neben der medikamentösen Behandlung des Syndroms auch eine psychotherapeutische Unterstützung durch einen Psychologen empfohlen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Unruhige Beine zu haben, hat an sich keinen Krankheitswert. Zu hoher Koffeinkonsum oder Nervosität können die Ursache sein.
Liegt aber ein Restless-Legs-Syndrom vor, kann man von einem Krankheitswert ausgehen. Es handelt sich um eine mehr oder weniger ausgeprägte neurologische Störung. Diese erfordert den Besuch bei einem Neurologen. Das Restless-Legs-Syndrom kann beispielsweise als Nebenwirkung bei der Einnahme von Antidepressiva auftreten.
Etwa 5-10 Prozent der Bevölkerung sind von einem Restless-Legs-Syndrom betroffen. Eine medizinische Behandlung ist aber nur bei jedem fünften Betroffenen notwendig, nämlich bei sehr starken Symptomen. Es ist meistens ein gefühlter Leidensdruck, der die Menschen zum Arztbesuch treibt. Starker Bewegungsdrang, der meist die Beine betrifft, mindert die Lebensqualität.
Wenn zunehmend soziale Isolation und ein Vermeiden sitzender Tätigkeiten aus dem Restless-Legs-Syndrom resultieren, sollte der Arztbesuch nicht mehr verschoben werden. Möglicherweise kann der Arzt die Ursachen des Restless-Legs-Syndroms ermitteln und abstellen. Handelt es sich beispielsweise um Medikamenten-Nebenwirkungen, können möglicherweise Arzneimittel mit einem anderen Wirkstoff verordnet werden.
In anderen Fällen können dämpfende Präparate verordnet werden, die die Symptomatik des Restless-Legs-Syndrom abmildern. Zu beachten ist dabei, dass oft schon andere Medikamente eingenommen werden. Diese müssen miteinander kompatibel sein. Der Arzt sollte daher erfahren, an welchen Krankheiten der Betroffene leidet und welche Medikamente er regelmäßig einnehmen muss.
Wer wegen der Schlaflosigkeit anhaltend niedergeschlagen ist oder Gedanken hat, sich das Leben zu nehmen, sollte nicht bis zum nächsten regulären Termin warten. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenfrei unter 0800 111 0 111 erreichbar; bei akuter Selbstgefährdung ist der Notruf 112 zu wählen.
Behandlung & Therapie
Eine medizinische Behandlung beim Restless-Legs-Syndrom orientiert sich in der Regel am Leidensdruck des individuellen Patienten. Da das Restless-Legs-Syndrom häufig zu Einschränkungen der Schlafqualität beiträgt, setzt eine Therapie in vielen Fällen bei einer entsprechenden Verbesserung an.
Patienten, bei denen das Restless-Legs-Syndrom mit ausgeprägten Symptomen und einem hohen Leidensdruck verbunden ist, werden häufig medikamentös behandelt; eine solche Behandlung kann je nach Beschwerdebild kontinuierlich oder bedarfsorientiert erfolgen. Zum Einsatz kommen beim Restless-Legs-Syndrom beispielsweise Wirkstoffe, die eine Vorstufe des Neurotransmitters Dopamin darstellen und vom Körper in Dopamin umgewandelt werden.
Auch sogenannte Dopaminagonisten (also Substanzen, die dem Dopamin ähneln) finden beim Restless-Legs-Syndrom Anwendung: Diese Substanzen binden selbst an die Dopamin-Rezeptoren der Nervenzellen und ahmen dort die Wirkung des Botenstoffs nach.
Lange Zeit galten L-Dopa und Dopaminagonisten als Standardbehandlung. Nach heutigem Kenntnisstand wird davon zurückhaltender Gebrauch gemacht, weil bei dauerhafter Einnahme die sogenannte Augmentation droht: Die Beschwerden setzen dann früher am Tag ein, werden stärker und greifen auf Arme und Rumpf über. Sie ist die häufigste und folgenschwerste Komplikation der dopaminergen Langzeittherapie und tritt unter L-Dopa besonders oft auf. Aktuelle Leitlinien empfehlen deshalb, vor jeder Dauermedikation den Eisenspeicher zu bestimmen und bei einem Ferritinwert unter etwa 75 Mikrogramm pro Liter zunächst Eisen zu ersetzen. Als Alternative zu den dopaminergen Mitteln stehen die Alpha-2-Delta-Liganden Gabapentin und Pregabalin zur Verfügung, unter denen eine Augmentation deutlich seltener auftritt. Die deutsche Leitlinie von 2022 stellt sie gleichberechtigt neben die Dopaminagonisten, die amerikanische Leitlinie von 2024 zieht sie ihnen vor. In Deutschland sind beide Wirkstoffe für das Restless-Legs-Syndrom nicht zugelassen und werden nur im sogenannten Off-Label-Use verordnet; darüber muss der Arzt aufklären. Er dosiert langsam ein – Pregabalin abends vor dem Schlafengehen, Gabapentin je nach Tagesdosis auf mehrere Einnahmen verteilt.
Ist das Restless-Legs-Syndrom relativ leicht ausgeprägt, werden teilweise nicht-medikamentöse Verfahren, wie Massagen, eingesetzt.
Auch heißes oder kaltes Duschen wird von einigen Patienten als lindernd beschrieben. Liegt das Restless-Legs-Syndrom in sekundärer Form vor, setzt eine Therapie in der Regel zunächst bei der Bekämpfung entsprechender zugrunde liegender Erkrankungen oder Störungen an.
Vorbeugung
Da die Ursachen für das Restless-Legs-Syndrom noch nicht abschließend geklärt sind, gibt es derzeit kaum Möglichkeiten, dem Syndrom vorzubeugen. Um zu verhindern, dass sich ein Restless-Legs-Syndrom in sekundärer Form entwickelt, kann eine konsequente Therapie möglicher Grunderkrankungen hilfreich sein.
Nachsorge
Da ein Restless-Legs-Syndrom nicht vollständig heilbar ist, steht die Nachsorgebehandlung eines Restless-Legs-Syndroms in engem Zusammenhang mit dessen Therapie. Wer wegen ausgeprägter Beschwerden Medikamente benötigt, muss sie in der Regel dauerhaft einnehmen, weil die Beschwerden nach dem Absetzen zurückkehren. Ziel der Nachsorgebehandlung sollte sein, mit der niedrigsten wirksamen Dosis auszukommen und stärker wirkende Mittel wie Opioide nur dann einzusetzen, wenn es nötig ist.
Niedrig dosierte Opioide sind bei sehr schweren, mit anderen Mitteln nicht beherrschbaren Beschwerden allerdings eine anerkannte Behandlungsoption. Ihre Risiken liegen weniger in Organschäden als in Gewöhnung und Abhängigkeit, Verstopfung und einer Dämpfung der Atmung. Wegen der Medikamenteneinnahme sollten zur Nachbehandlung regelmäßige Blutkontrollen erfolgen. Insbesondere die Leber- und Nierenfunktionswerte müssen intensiv überwacht werden. Verschlechtern sich diese gravierend, muss auf ein anderes Medikament umgestellt werden.
Daneben kann die Kontrolle der Eisenwerte und eine gegebenenfalls notwendige Einnahme von Eisenpräparaten das erneute Ausbrechen der Krankheit oder eine Verschlechterung der Symptome verhindern. Vermieden werden sollte nach Möglichkeit die Einnahme von Schlafmitteln (Z-Drugs), Antidepressiva, Neuroleptika und Betablockern, da diese Medikamente eine Verschlimmerung oder den erneuten Ausbruch des Restless-Legs-Syndroms zur Folge haben können. Das Gleiche gilt für die frei verkäuflichen älteren Antihistaminika wie Diphenhydramin und Doxylamin, die als Schlafmittel und gegen Übelkeit eingenommen werden.
Eine gesunde Schlafhygiene, also ein regelmäßiger Schlafrhythmus mit ausreichend Erholungsphasen ist gegen das Restless-Legs-Syndrom nachhaltig förderlich. Außerdem ist sportliche Aktivität, die die Beine beansprucht, förderlich für die Durchblutung derselben. Auf diese Weise kann einer Verschlechterung der Symptome vorgebeugt werden. Auf Koffein und aufputschende Mittel, zu denen auch Nikotin gehört, sollte verzichtet werden.
Das können Sie selbst tun
Betroffene, die unter dem Restless-Legs-Syndrom leiden, können sich auch selbst helfen, um die Symptome zumindest zu lindern. Beispielsweise hilft vielen, wenn die unruhigen Beine auftreten, diese kalt abzuduschen. Durch die Kälte ziehen sich die Blutgefäße zusammen und auch die Nerven beruhigen sich. Zusätzlich beschreiben Patienten eine positive Wirkung durch Bewegung. So lässt sich die Unruhe durch regelmäßige Spaziergänge am Abend abmildern. Auch Yoga und Pilates beruhigen.
Zudem ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung bei RLS von großer Bedeutung. Durch schlechtes Essen entsteht im Körper oft ein Nährstoffmangel. Besonders fehlendes Magnesium und Eisen werden mit den Restless Legs in Verbindung gebracht. Dieser Speicher kann am besten durch die Nahrung aufgefüllt werden. Alkohol und zu viel Zucker sind zu vermeiden. Viele Patienten schildern auch eine Verbesserung der Symptome durch eine gezielte Massage der Beine, besonders der betroffenen Stellen.
Da die Ursachen des RLS noch nicht abschließend erforscht sind, können auch regelmäßige Entspannungsübungen helfen, das Stresslevel im Körper zu senken und damit die Nerven zu beruhigen. Wichtig ist, dass die Symptome nicht über Nacht verschwinden, sondern die Maßnahmen erst nach einigen Wochen greifen.
Quellen
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- Diener, H.-C., Steinmetz, H., Kastrup, O. (Hrsg.): Referenz Neurologie.
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