Retinitis
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 22. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Mediziner verstehen unter dem Begriff Retinitis eine Entzündung der Augennetzhaut. Ausgelöst durch unterschiedliche Faktoren kann sie im weiteren Verlauf bis zum vollständigen Verlust der Sehkraft führen.
Inhaltsverzeichnis |
Was ist eine Retinitis?
Bei einer Retinitis handelt es sich um eine Entzündung der Netzhaut (Retina), die häufig durch Infektionen ausgelöst wird. Der Verlauf der Erkrankung kann von harmlosen Symptomen geprägt sein, aber auch zur vollständigen Erblindung führen.
Ursachen
Ein Herpes-Simplex-Virus ist in der Absonderung der Tränenflüssigkeit nachweisbar. Er kann sich in der Retina manifestieren und lokale Entzündungsherde auslösen, die rasch zur Erblindung führen. Eine Herpes-Simplex-Retinitis wird oft im Anschluss an eine HSV-Erkrankung beobachtet, kann jedoch nach Monaten oder Jahren auftreten.
Der häufigste Erreger einer Netzhautentzündung ist der Parasit Toxoplasma gondii. Eine solche Toxoplasmose-Retinitis kann noch Jahre nach einer Ansteckung wieder aufflammen, greift meist auf die Aderhaut über und hinterlässt eine scharf begrenzte Narbe auf der Netzhaut. Bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem – etwa bei fortgeschrittener HIV-Infektion oder nach einer Organtransplantation – kommt zudem die Retinitis durch das Zytomegalievirus vor, die unbehandelt innerhalb weniger Wochen zur Erblindung führen kann.
Auch die durch den Biss einer Zecke ausgelöste Borreliose steht im Verdacht. Die Ursachen für die Entstehung sind vielfältig. Auch genetische Faktoren oder massive mechanische Einwirkungen spielen eine Rolle.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Auf Entzündungen reagiert der Körper mit bestimmten Reizen. Er erkennt somit die schädlichen Fremdstoffe und zeigt dabei Entzündungssymptome wie Gewebeschwellung, Rötung oder Wärmeentwicklung bis Fieber. Zahlreiche Abwehrprozesse greifen ineinander. Die Schwellung des Gewebes entsteht durch einen erhöhten Flüssigkeitsgehalt, der schädliche Erreger aus dem Körper ausspülen soll.
So führt bei einer Retinitis die stärkere Durchblutung der Netzhaut zu einer Rötung und zugleich besseren Versorgung des Gewebes. Die Wärmebildung bei Entzündungen ist für den Organismus ein enormer Kraftakt, wobei verschiedene Stoffwechselprozesse auch Schäden am Gewebe entstehen lassen. Im Normalfall repariert der Körper diese nach der Akutphase.
Verläuft die Reparatur bei einer Retinitis erfolgreich, klingt die Entzündung ohne Beeinträchtigungen ab. Die Netzhaut kann sich erholen und das betroffene Auge ist wieder komplett einsatzfähig. Falls jedoch der Ablauf keine normale Reaktion zeigt, sind mitunter bleibende Schäden zu erwarten.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Sobald eine Verdachtsdiagnose feststeht, ist bei einer Retinitis der genaue Krankheitsverlauf oft noch unklar. Dazu müssen erst noch die jeweiligen Auslöser der Erkrankung ermittelt werden. Weiterhin ist die Retinitis in Untergruppen mit verschiedenen Spezifizierungen oder Klassifikationen gegliedert.
Es gibt die Retinitis centralis, bei der hauptsächlich der mittlere Netzhautbereich betroffen ist. Somit ist hier nicht die gesamte Fläche des Auges betroffen, sondern nur das Netzhautzentrum. Dieser Bereich enthält eine Vielzahl an Sehzellen, die für die Scharfstellung des optischen Bildes zuständig sind.
Ein schwerer Krankheitsverlauf der Retinitis centralis ist deshalb meist mit bleibenden Schäden und dem Verlust der Sehkraft für das mittlere Sichtfeld des betroffenen Auges verbunden. Eine Retinitis mit Blutungen ist als Retinitis haemorrhagica bekannt. Aus einer Sepsis (Blutvergiftung) kann eine septische Retinitis entstehen, und eine Retinitis syphilitica ist die Folge einer Syphilis.
Eine Aderhautentzündung (Chorioretinitis) ist häufig im Zusammenhang mit der Retinitis exsudativa zu beobachten. Typische Symptome sind ausgeprägte Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme), vereinzelt auch Blutungen. In der weiteren Folge zeigen sich Netzhautablösungen, die unmittelbar darauf zu Ausfallerscheinungen im zentralen Bereich der Netzhaut führen.
Eine Retinitis kann ebenfalls im Rahmen des Harada-Syndroms auftreten. Hier liegt zusätzlich noch eine Meningoenzephalitis (Entzündung der Hirnhäute und des Gehirns) vor. Die Symptome zeigen sich in den typischen Gleichgewichtsstörungen, Hörproblemen, Pigmentverlust und Haarausfall. Ohne konsequente Behandlung drohen bei dieser Konstellation dauerhafte Sehschäden bis hin zur Erblindung.
Zur Feststellung einer Retinitis mit deren multiplen Erscheinungsformen stehen zahlreiche Untersuchungsmethoden zur Verfügung. In erster Linie erfolgt die Untersuchung des Auges mittels einer Spaltlampe für den vorderen, mittleren und hinteren Augenbereich. Zur Darstellung des Augenhintergrundes erfolgt die Spiegelung mit Hilfe eines Ophthalmoskops. Das Spektrum der Diagnoseverfahren reicht von der Messung des Augeninnendruckes, über die Hornhauttopographie bis hin zur Feststellung des Auflösungsvermögens der Augennetzhaut mittels Retinometer.
Heute gehören zur Abklärung einer Netzhautentzündung zusätzlich die optische Kohärenztomographie (OCT), die die Netzhautschichten in feinen Schnittbildern darstellt, und die Fluoreszenzangiographie, bei der die Netzhautgefäße mit einem Farbstoff sichtbar gemacht werden. Zur Bestimmung des Erregers werden Blutuntersuchungen auf Antikörper durchgeführt; bei unklaren Fällen kann aus einer kleinen Probe des Kammerwassers das Erbgut des Erregers nachgewiesen werden.
Komplikationen
Erworbene Formen der Retinitis werden nicht selten von Infektionen oder Autoimmunerkrankungen ausgelöst. Bestimmte Formen der Retinitis können zu vielen kleinen Blutungen in der Netzhaut führen. Besonders Diabetiker besitzen ein größeres Risiko, eine Retinitis haemorrhagica (Netzhautblutungen) zu entwickeln. Häufig kommt im Zusammenhang mit einer Retinitis auch eine Aderhautentzündung vor, die durch Wassereinlagerungen im Gewebe, kleine Blutungen in der Netzhaut und Netzhautablösungen gekennzeichnet ist.
Eine Retinitis entwickelt sich auch im Rahmen des sogenannten Vogt-Koyanagi-Harada-Syndroms. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, die auf einer Autoimmunreaktion gegen körpereigene Melanozyten beruht. Diese Form der Retinitis ist mit einer Hirnhautentzündung, Pigmentstörungen, Haarausfall und einer gesteigerten Empfindlichkeit für hohe Töne verbunden. Wird das Vogt-Koyanagi-Harada-Syndrom nicht früh und ausreichend lange mit entzündungshemmenden Medikamenten behandelt, drohen bleibende Sehschäden.
Manchmal kann die Sehfähigkeit bei den verschiedenen Formen der Retinitis auch noch nach dem Abheilen der Entzündung stark beeinträchtigt sein. Das ist besonders dann der Fall, wenn sich Vernarbungen auf der Netzhaut gebildet haben. In einer Narbe sind die Sehzellen dauerhaft zerstört, sodass an dieser Stelle des Gesichtsfeldes ein bleibender Ausfall zurückbleibt. Liegt die Narbe im Netzhautzentrum, ist auch die Sehschärfe stark herabgesetzt.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Da eine Retinitis unbehandelt zur Erblindung führen kann, muss diese Krankheit auf jeden Fall durch einen Mediziner untersucht und behandelt werden. Nur durch eine medizinische Untersuchung können weitere Komplikationen vermieden werden. Ein Arzt ist bei der Retinitis dann aufzusuchen, wenn das Sehen auf einem Auge unscharf oder verschleiert wird, dunkle Flecken, Punkte oder Schlieren im Blickfeld auftreten oder das Auge schmerzt und gerötet ist. Sollte die Schwellung nicht wieder von alleine verschwinden, so sollte immer ein Arzt aufgesucht werden. Dadurch kann auch das Sichtfeld des Betroffenen gestört werden. Da es sich bei dieser Erkrankung um eine Entzündung handelt, kann sie auch von Fieber begleitet werden.
In der Regel wird die Retinitis von einem Augenarzt behandelt. Wird die auslösende Infektion rechtzeitig erkannt und gezielt behandelt, ist der Krankheitsverlauf oft günstig. Bleiben jedoch Narben auf der Netzhaut zurück, sind dauerhafte Ausfälle im Gesichtsfeld möglich; auch eine Netzhautablösung, eine Linsentrübung und ein erhöhter Augeninnendruck können folgen. Die Lebenserwartung des Patienten wird durch die Erkrankung in der Regel nicht eingeschränkt. Allerdings kann der Betroffene im schlimmsten Falle die Sehkraft vollständig verlieren, falls die Retinitis nicht behandelt wird.
Verschlechtert sich das Sehvermögen innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen deutlich, oder schiebt sich plötzlich ein dunkler Vorhang, ein Schatten oder ein Rußregen ins Blickfeld, gehört der Betroffene noch am selben Tag in die Notfallsprechstunde einer Augenklinik – hier zählt jede Stunde. Treten zu einem plötzlichen Sehverlust Sprachstörungen, Verwirrtheit, Schwindel oder eine einseitige Schwäche hinzu, steckt möglicherweise ein Schlaganfall dahinter. In diesem Fall ist sofort der Notruf 112 zu wählen.
Behandlung & Therapie
In Vorbereitung der Behandlung und Therapie wird der Facharzt in einem intensiven Anamnesegespräch mögliche Risikofaktoren ermitteln. Die Angaben über derzeitige Erkrankungen, infektiöse Prozesse oder genetisch bedingte Erbkrankheiten innerhalb der Familie sind für den weiteren Behandlungsverlauf dringend erforderlich. Je nach ursächlicher Erkrankung erfolgt die individuelle Therapie.
Wird die Retinitis durch Bakterien verursacht, findet eine Anwendung mit Antibiotika statt. Das ist beispielsweise bei der Beteiligung einer Aderhautentzündung (Chorioretinitis) der Fall. Hier werden meist antibiotikahaltige Augentropfen verabreicht. Bei einer Virusinfektion helfen Virostatika.
War zugleich die Hornhaut entzündet, wie es etwa bei einer Herpesinfektion des Auges vorkommt, bilden sich in seltenen Fällen nach dem Abklingen Vernarbungen auf der Hornhaut. Es kommt zur Bildung von Geschwüren oder auch kleinen Einrissen der Hornhaut, die anfangs kaum wahrgenommen werden, später jedoch enorme Sehbeschwerden auslösen. Durch einen chirurgischen Eingriff wird eine Amnionmembran (gewonnenes Gewebe aus der Plazenta) auf die betroffene Stelle aufgenäht.
Diese wirkt wie eine entzündungshemmende Schutzschicht und unterstützt gleichzeitig die Heilung des Auges durch bestimmte Wundheilungsstoffe. Der nur wenige Minuten dauernde Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung. Sobald die Risserscheinungen unter der Schutzmembran abgeheilt sind, wird die Amnionmembran wieder entfernt.
Vorbeugung
Eine Retinitis tritt oft erst in einem späten Stadium als Folge von infektiösen Erkrankungen oder anderen gesundheitlichen Beschwerden auf. Daher ist eine Vorbeugung der Netzhautentzündung nur eingeschränkt möglich. Gegen die häufigste Ursache, die Toxoplasmose, hilft es, kein rohes oder halbgares Fleisch zu essen, Obst und Gemüse gründlich zu waschen und die Katzentoilette nicht selbst zu reinigen – das gilt besonders in der Schwangerschaft. Allerdings kann das Immunsystem gestärkt werden, um Viren und Bakterien abzuwehren.
Als generelle Maßnahmen gelten besonders eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, sportlichen Aktivitäten, Aufenthalt im Freien und angemessene Ruhephasen. Sollten jedoch Auffälligkeiten am Auge mit Schmerzen und Rötungen auftreten, ist schnellstens ärztlicher Rat einzuholen. Unabhängig davon, schützen regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt vor bösen Überraschungen.
Nachsorge
Das primäre Ziel einer Nachsorge bei Retinitis ist der Erhalt des Augenlichts. Eine fortschreitende Ablösung der Netzhaut sowie eine rasche Zerstörung der Sehzellen sollen verlangsamt werden, da sie langfristig zur Erblindung führen würden. Eine lang anhaltende Entzündung im Auge und ihre Behandlung mit Kortison können zusätzlich eine Linsentrübung (Katarakt) begünstigen. Auch hier können im Zuge der Nachsorge vorbeugende Maßnahmen getroffen werden.
Ob die Entzündung folgenlos ausheilt, hängt von ihrer Ursache und vom Zeitpunkt der Behandlung ab; bereits vernarbte Netzhautbereiche lassen sich nach dem derzeitigen Stand nicht wiederherstellen. Wird die Diagnose früh gestellt, sind die Behandlungsmöglichkeiten noch größer als zu einem späteren Zeitpunkt. Bei der Nachbehandlung muss der Augenarzt den derzeitigen Zustand des Patienten beachten.
Ein Teil der Betroffenen ist annähernd beschwerdefrei. Andere Erkrankte, bei denen die Retinitis schon weit fortgeschritten ist, sind in ihrer Sehfähigkeit bereits stark eingeschränkt. In diesem Stadium sind ausgedehnte Bereiche der Netzhaut vernarbt. Je nach Ausprägung der Symptome werden die Patienten bei der Nachsorge behandelt.
Falls die Beschwerden der Retinitis den Erkrankten emotional stark belasten, empfiehlt sich zudem eine psychotherapeutische Betreuung. Dabei werden Möglichkeiten erarbeitet, wie der Betroffene seinen Alltag trotz der Sehbehinderung einfacher bewältigen kann. Die Entstehung einer Depression wird bei den Therapiesitzungen ebenfalls präventiv behandelt.
Das können Sie selbst tun
Eine Retinitis wird ursächlich behandelt, indem der auslösende Erreger oder die zugrunde liegende Erkrankung bekämpft wird. Bereits eingetretene Netzhautschäden lassen sich dagegen nicht rückgängig machen; hier geht es darum, das verbliebene Sehvermögen zu erhalten und die Beschwerden zu lindern.
Die Betroffenen können ihre Lebensqualität erhöhen, indem sie enge Rücksprache mit dem Augenarzt halten und ihre Spezial-Brille regelmäßig anpassen lassen. Spezielle Kantenfiltergläser mit UV-Schutz sorgen für zusätzlichen Schutz der Augen. Begleitend dazu kann ein Orientierungs- und Mobilitätstraining in Anspruch genommen werden. In diesem Rahmen lernen die Betroffenen wie sie sich mit eingeschränkter Sehkraft fortbewegen und orientieren können. Einzelne Komplikationen wie Grauer Star oder Zellstörungen der Macula lutea müssen individuell behandelt werden.
Im Alltag sollten die Betroffenen außerdem auf ausreichend Ruhe und Entspannung achten. Die Retinitis stellt eine große psychische Belastung dar, welche die Lebensqualität erheblich reduzieren kann. Umso wichtiger ist es, diesen Verlust durch ein ausgefülltes Leben zu kompensieren. Betroffene müssen die regelmäßigen Verlaufskontrollen durch den Arzt in Anspruch nehmen und sich überdies mit verschiedenen Fachärzten in Verbindung setzen, da stets neue Behandlungsmöglichkeiten für die Retinitis erarbeitet werden, die für Patienten mit den nötigen Grundvoraussetzungen in Frage kommen könnten.
Quellen
- Grehn, F.: Augenheilkunde.
ISBN: 9783662591536
- Lang, G. K., Lang, S. J. (Hrsg.): Augenheilkunde.
ISBN: 9783132454446
- Lang, G. K., Lang, G. E., Auw-Hädrich, C. (Hrsg.): Entzündliche Augenerkrankungen.
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- Salmon, J. F., Wolf, A. (Hrsg.): Kanskis Klinische Ophthalmologie.
ISBN: 9783437234859
- Kampik, A., Grehn, F. (Hrsg.): Augenärztliche Differenzialdiagnose.
ISBN: 9783132422353

