Spondylarthritis

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 27. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Bei der Spondylarthritis handelt es sich um eine entzündliche rheumatische Erkrankung, die besonders die Wirbelgelenke befällt. Sie tritt häufiger bei Männern als bei Frauen auf und äußert sich durch Rückenschmerzen und eine Versteifung der Wirbelsäule. Die Krankheit ist chronisch und kann nicht vollständig geheilt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Spondylarthritis?

Spondylarthritis
Im späteren Verlauf sind knöcherne Auswüchse an den betroffenen Gelenken sichtbar. Beim Abklopfen der Wirbelsäule treten bei den Patienten meist Schmerzen auf.
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Unter der Bezeichnung Spondylarthritis verstehen Mediziner eine entzündliche Erkrankung, die vornehmlich die Wirbelgelenke betrifft. Sie tritt im Rahmen rheumatischer Krankheiten auf und kann sowohl die Wirbelsäule selbst als auch andere Gelenke im Körper des Betroffenen befallen.

Es existieren unterschiedliche Arten der Erkrankung. Sie äußert sich durch Symptome wie tiefsitzende Rückenschmerzen, Gelenksteife, ein Anschwellen der Finger- oder Zehengelenke und im späteren Stadium durch eine Rückenrundbildung, die durch eine Versteifung der Wirbelsäule hervorgerufen wird.

Unter den Patienten mit einer röntgenologisch gesicherten Spondylarthritis befinden sich zu etwa 70 % Männer zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Lange Zeit galt die Erkrankung deshalb als typisch männlich. Nach heutigem Kenntnisstand sind Frauen häufiger betroffen als früher angenommen; bei ihnen zeigen sich seltener die klassischen Röntgenveränderungen, weshalb die Diagnose oft erst spät gestellt wird. Die Spondylarthritis ist eine chronische Krankheit, die zwar recht gut behandelbar, aber nicht heilbar ist.

Ursachen

Die Ursachen für das Auftreten einer Spondylarthritis konnten bisher noch nicht eindeutig geklärt werden. Wissenschaftler vermuten jedoch, dass der Erkrankung eine genetische Vorbelastung zugrunde liegen könnte.

Forschungen haben gezeigt, dass bei ungefähr 90 % aller Patienten mit einer Spondylarthritis das Gewebemerkmal HLA-B27 nachweisbar ist. Diese Zahl gilt vor allem für die Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew); bei den übrigen Formen der Spondylarthritis liegt der Anteil deutlich niedriger. Bei HLA-B27 handelt es sich um einen Proteinkomplex, der sich in nahezu allen menschlichen Zellen findet. Liegt dieses Merkmal vor, können bestimmte Autoimmunerkrankungen begünstigt werden. Es handelt sich dabei um eine normale Genvariante und nicht um einen Gendefekt; die weitaus meisten Träger von HLA-B27 erkranken nie.

Auch die Entstehung der Spondylarthritis wird auf diesen genetisch bedingten Faktor zurückgeführt. Auffällig ist ebenfalls, dass sich das Auftreten der Erkrankung nicht selten familiär häuft. Mehrere Fälle diagnostizierter Spondylarthritis in der Familie können daher bedeuten, dass auch derzeit noch symptomfreie Angehörige später erkranken können.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Eine Spondylarthritis kann vom behandelnden Arzt auf unterschiedliche Weisen diagnostiziert werden. In frühen Stadien liefern bildgebende Verfahren wie Röntgenuntersuchungen oftmals keinen Befund. Entzündliche Veränderungen an den Kreuzbein-Darmbein-Gelenken lassen sich in diesem Stadium jedoch mit der Magnetresonanztomographie (MRT) darstellen, die deshalb zum Einsatz kommt, wenn die Röntgenaufnahme keinen eindeutigen Befund liefert. Ergänzend werden die Entzündungswerte im Blut und das Gewebemerkmal HLA-B27 bestimmt.

Im späteren Verlauf sind dagegen knöcherne Auswüchse an den betroffenen Gelenken sichtbar. Beim Abklopfen der Wirbelsäule treten bei den Patienten meist Schmerzen auf. Zur sicheren Diagnose der Spondylarthritis wurden besonders folgende Kriterien eingeführt: anhaltende Rückenschmerzen über mehr als drei Monate, Bewegungseinschränkungen im Bereich der Lendenwirbelsäule und eine reduzierte Atembreite (Brustumfang bei tiefem Ein- und Ausatmen).

Bleibt eine Spondylarthritis unbehandelt, führt sie im weiteren Verlauf zu stärkeren Schmerzen, die mit deutlichen Bewegungseinschränkungen verbunden sind. In der Folge kann es so etwa zu einer Arbeitsunfähigkeit und einer Abnahme der Lebensqualität im Allgemeinen kommen.

Komplikationen

In erster Linie leiden die Betroffenen bei einer Spondylarthritis an starken Schmerzen. Diese treten dabei vor allem im Rücken oder im Kreuz auf und wirken sich dabei sehr negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen aus. In vielen Fällen breiten sich die Schmerzen auch in die Leisten oder in den Nacken aus.

Sollten die Schmerzen in der Nacht auftreten, so kommt es zu Schlafbeschwerden und damit zu einer Gereiztheit des Patienten und möglicherweise zu Depressionen. Auch Einschränkungen in der Bewegung und im Alltag können dabei eintreten. Weiterhin leiden die Betroffenen an Schwierigkeiten beim Laufen aufgrund von Schmerzen in der Ferse.

Sollte die Spondylarthritis nicht behandelt werden, können sich die Schmerzen verstärken, sodass der Betroffene arbeitsunfähig wird und die Lebensqualität weiterhin abnimmt. Die Schmerzen können bei der Spondylarthritis in erster Linie mit Hilfe von Schmerzmitteln behandelt werden. Kurzfristig sind dabei kaum Komplikationen zu erwarten.

Allerdings kann eine langwierige Einnahme von Schmerzmitteln auch den Magen schädigen. Die eingesetzten nicht-steroidalen Antirheumatika können zudem die Nierenfunktion beeinträchtigen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse erhöhen, weshalb eine Dauereinnahme ärztlich überwacht werden sollte. Weiterhin sind die Patienten auf verschiedene Übungen und Therapien angewiesen. Möglicherweise ist auch die Anbringung eines künstlichen Gelenkes notwendig, um die Beschwerden dauerhaft einzuschränken. Die Lebenserwartung des Patienten wird von der Spondylarthritis in der Regel nicht wesentlich verringert; das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist allerdings erhöht.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Spondylarthritis bedarf in der Regel immer einer medizinischen Behandlung durch einen Arzt. Da es bei dieser Erkrankung nicht zu einer Selbstheilung kommen kann und sich die Beschwerden unbehandelt meist weiter verschlechtern, sollte schon sehr frühzeitig ein Arzt aufgesucht werden. Eine vollständige Heilung der Spondylarthritis ist nicht möglich, wobei sich ein frühzeitiger Beginn der Therapie trotzdem positiv auf den weiteren Verlauf der Spondylarthritis auswirken kann.

Ein Arzt ist dann aufzusuchen, wenn der Betroffene an sehr starken Schmerzen im Rücken oder im Kreuz leidet. In der Regel kommt es vor allem am Morgen nach dem Aufwachen zu diesen Schmerzen. Auch Schmerzen an der Ferse können auf die Erkrankung hindeuten und sollten durch einen Arzt untersucht werden, wenn sie über einen langen Zeitraum auftreten und auch nicht wieder von alleine verschwinden. Weiterhin leiden viele Betroffene auch an Einschränkungen in ihrer Bewegung und damit auch in ihrem Alltag.

Bei einer Spondylarthritis kann ein Orthopäde oder ein Allgemeinarzt aufgesucht werden. Die Behandlung selbst richtet sich nach den genauen Beschwerden und nach ihrer Ausprägung. In der Regel ist die Lebenserwartung des Patienten durch diese Krankheit nicht eingeschränkt.

Behandlung & Therapie

Wurde eine Spondylarthritis diagnostiziert, steht bei der folgenden Behandlung meist zunächst die Linderung der Schmerzen an erster Stelle. Diese erfolgt in den meisten Fällen mithilfe von Schmerzmitteln, Antirheumatika oder sogenannten Muskelrelaxantien (Medikamente, welche die Muskeln entspannen).

Kälteanwendungen und gegebenenfalls eine Elektrotherapie können ebenfalls dazu beitragen, dem Betroffenen die Schmerzen zu nehmen. Zusätzlich sollte in jedem Fall eine krankengymnastische Behandlung stattfinden. Diese kann dabei helfen, die Beweglichkeit des Patienten über einen längeren Zeitraum zu erhalten. Auch die Arbeitsfähigkeit kann so länger bestehen bleiben als ohne entsprechende Behandlung.

Reichen Schmerzmittel und Antirheumatika nicht aus, kommen bei entzündlichen Spondyloarthritiden heute Biologika zum Einsatz, vor allem TNF-alpha-Blocker und Interleukin-17-Hemmer; seit einigen Jahren stehen zusätzlich sogenannte JAK-Hemmer als Tabletten zur Verfügung. Sie können die Entzündungsaktivität deutlich senken, erhöhen aber die Anfälligkeit für Infektionen und erfordern regelmäßige ärztliche Kontrollen.

Sowohl die medikamentöse als auch die physiotherapeutische Therapie der Spondylarthritis müssen dauerhaft erfolgen, um ein Fortschreiten der Krankheit soweit wie möglich zu verlangsamen. Ist es bereits zu permanenten Schwellungen und Verhärtungen bzw. einem Verschleiß der Gelenke gekommen, kann ein operativer Eingriff notwendig werden, um etwa einen künstlichen Gelenkersatz einzubringen. Die Spondylarthritis ist eine chronische Erkrankung, die zwar meist recht langsam verläuft, jedoch nicht heilbar ist.


Vorbeugung

Da bei der Spondylarthritis eine genetische Veranlagung eine wesentliche Rolle spielt, ist ein Vorbeugen im eigentlichen Sinne nicht möglich. Familiär vorbelastete Personen sollten aber regelmäßig einen Arzt aufsuchen, um gegebenenfalls eine schnelle Behandlung erster Symptome einzuleiten. Dasselbe gilt, wenn Beschwerden auftreten, die eine Spondylarthritis als Ursachen haben könnten. Je früher die Erkrankung erkannt und behandelt wird, umso langsamer wird sie fortschreiten, was die Lebensqualität des Betroffenen deutlich erhöhen kann.

Nachsorge

Da es bei der Spondylarthritis nicht zu einer selbstständigen Heilung kommen kann, sollte der Betroffene bei dieser Krankheit schon bei den ersten Anzeichen und Symptomen einen Arzt aufsuchen. Dabei sind in vielen Fällen die Maßnahmen der direkten Nachsorge deutlich eingeschränkt, sodass in aller erster Linie eine frühzeitige Diagnose erfolgen muss. Eine vollständige Heilung ist in der Regel nicht möglich.

Einige der Beschwerden können relativ gut mit Hilfe von Krankengymnastik oder einer Physiotherapie gelindert werden. Dabei kann der Betroffene auch einige der Übungen im eigenen Zuhause wiederholen und damit den Behandlungserfolg unterstützen. Weiterhin ist häufig auch die Einnahme von verschiedenen Medikamenten sehr wichtig. Dabei sollte der Betroffene immer auf eine regelmäßige Einnahme und ebenso auf eine richtige Dosierung der Arzneimittel achten.

Bei Nebenwirkungen, Unklarheiten oder bei Fragen ist zuerst ein Arzt zu konsultieren. Nicht selten ist auch die Hilfe der eigenen Familie sehr wichtig. Mitfühlende Gespräche können Depressionen und andere psychische Verstimmungen verhindern. Die Spondylarthritis verringert in der Regel nicht die Lebenserwartung des Betroffenen.

Das können Sie selbst tun

Bei einer Spondylarthritis sollten Betroffene möglichst ein Übergewicht vermeiden, damit die Gelenke nicht noch zusätzlich belastet werden. Es gibt zwar keine spezielle Diät zur Behandlung dieser Erkrankung, aber es gibt bestimmte Lebensmittel, die zu einer Linderung der Symptome führen können. Allgemein ist eine Ernährung empfehlenswert, die Patienten dabei hilft, positiven Einfluss auf die im Körper chronisch-entzündlichen Vorgänge zu nehmen.

Dabei sind für Patienten mit einer Spondylarthritis besonders Fettsäuren und hochwertige Fette von Bedeutung. Die Omega-6-Fettsäure „Arachidonsäure“ ist ein wichtiger Ausgangspunkt für die Herstellung der entzündungsfördernden Stoffe im Körper der Betroffenen. Dabei ist die Arachidonsäure vor allem vermehrt in tierischen Lebensmitteln enthalten. Darum sollten Patienten besonders fette Wurst- und Fleischsorten nur in geringen Mengen zu sich nehmen. In den Ernährungsempfehlungen für entzündlich-rheumatische Erkrankungen gilt als Faustregel, dass Erkrankte nicht mehr als zwei Fleischmahlzeiten pro Woche essen sollten. Zudem wird dort eine Beschränkung auf zwei Eier wöchentlich empfohlen, denn auch Eier enthalten einen hohen Anteil der Omega-6-Fettsäure.

Allgemein sollte die Ernährung sehr abwechslungsreich und reich an pflanzlichen Fetten sowie Ballaststoffen sein. Denn zur Bekämpfung der Entzündungsvorgänge benötigt der Körper besonders viele Mineralien und Vitamine. Zudem ist es empfehlenswert, leichte Bewegung in den Alltag zu integrieren. Dies hilft bei der Aufrechterhaltung der eigenen Beweglichkeit sowie bei der Schmerzreduktion.

Quellen

  • Zeidler, H. (Hrsg.): Interdisziplinäre klinische Rheumatologie.
    ISBN: 9783540341048
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655
  • Niethard, F. U., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie.
    ISBN: 9783132443136
  • Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Innere Medizin.
    ISBN: 9783132443471
  • Reiser, M.: Radiologie.
    ISBN: 9783131253248

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