Heparin

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Heparin als Gerinnungshemmer ist aus der heutigen Medizin nicht mehr wegzudenken: Egal, ob in der Behandlung akut lebensbedrohlicher Ereignisse wie eines Herzinfarktes oder einer Lungenembolie, oder als prophylaktische Gabe zur Verhinderung einer Thrombose im Rahmen von Operationen oder längeren Flugreisen, Heparin und seine verschiedenen Abkömmlinge wie Mono-Embolex oder Clexane sind überall wichtiger Grundbaustein ärztlichen Handelns. Dabei handelt es sich beim Heparin eigentlich um eine körpereigene Substanz.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Heparin?

Heparin
Heparin als Gerinnungshemmer ist aus der heutigen Medizin nicht mehr wegzudenken.

Heparin ist eine in der Pharmakologie als Medikament genutzte Substanz, die in die Blutgerinnung eingreift und diese hemmt. Daher wird Heparin auch als Blutverdünner bezeichnet.

Chemisch gesehen handelt es sich beim Heparin um ein Glukosaminoglykan, also eine Kette aus Aminozuckern, welche natürlicherweise in Gewebsmastzellen des Menschen und der Tiere vorkommt.

Gewonnen wird natürliches Heparin daher ursprünglich vor allem aus der Dünndarmschleimhaut von Schweinen, welche besonders reich an diesem Stoff ist.

Pharmakologische Wirkung

Aufgrund der eher kurzfristigen Wirkung des Heparin wird das Medikament vor allem in akuten Notfallsituationen oder kurzzeitig im Krankenhaus gegeben, und nicht als Dauertherapie (wie dies bei anderen „Blutverdünnern“ wie Marcumar® oder Aspirin® der Fall ist).

Die Substanz lässt sich in die Vene geben (intravenös), wo sie sofort ihre Wirkung entfaltet, oder auch per Spritze ins Unterhautfettgewebe, von wo sie dann langsam und kontinuierlich über einen längeren Zeitraum und niedriger dosiert in den Organismus gelangt.

Die pharmakologische Wirkung beruht auf einem Eingriff in den natürlichen Gerinnungsvorgang des Blutes: Diverse Gerinnungsfaktoren schwimmen täglich im Blut umher und verklumpen auf bestimmte Reize hin zusammen mit den Blutplättchen (Thrombozyten), wodurch Wunden gestopft werden, aber auch Notfälle wie Thrombosen, Schlaganfälle oder Herzinfarkte entstehen. Kontrolliert wird diese Gerinnungsaktivität beim gesunden Menschen durch Gegenspielersubstanzen wie das Antithrombin III, welches die ständig spontan koagulierenden Gerinnungsfaktoren wieder unwirksam macht und so übermäßige Blutgerinnung und damit Infarkte und Thrombosen verhindern kann.

Heparin wird vom Körper selbst in kritischen Situationen freigesetzt, um Antithrombin III zu aktivieren und dessen Wirkung auf die Gerinnungsfaktoren um ein Vielfaches zu verstärken. Wird Heparin aus Schweinedarm oder Rinderlungen gewonnen und chemisch aufbereitet, lässt es sich dem Menschen zuführen und dessen Blutgerinnung damit wirksam unterdrücken.

Viele andere Vertreter aus der Gruppe der Heparinoide werden heute auch synthetisch hergestellt und pharmakologisch verändert, um sie länger wirksam oder weniger allergen zu machen.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Das Anwendungsgebiet der Heparine ist weit und über das gesamte Spektrum der Medizin verbreitet: So kann beispielsweise die Spritze ins Unterhautfettgewebe bei langen Flug- oder Busreisen genutzt werden, um die Gefahr einer Thrombose herabzusetzen. Nötig ist das auf Reisen allerdings nur bei einem erhöhten Thromboserisiko: Ohne solche Risikofaktoren ist eine vorbeugende Gabe von Arzneimitteln nicht erforderlich, und auch bei Risikofaktoren stehen einfache Maßnahmen wie Kompressionsstrümpfe vor der ärztlich verordneten Heparinspritze.

Dasselbe machen die Schwestern und Pfleger im Krankenhaus bei längeren Liegezeiten oder vor und nach Operationen. Auch nach Verletzungen der Beine, wenn beispielsweise längere Zeit ein Gips oder eine Schiene getragen werden muss, ist es sinnvoll, die Blutgerinnung kurzfristig durch die tägliche Gabe eines Heparins zu unterdrücken. Hier kommen meist keine ursprünglichen Heparine zum Einsatz, sondern abgewandelte Substanzen mit derselben Wirkung aber besseren pharmakologischen Bedingungen und weniger Nebenwirkungen.

Klassisches Heparin wird aber auch immer noch verwendet: In der Akuttherapie von Herzinfarkt, Darminfarkt, Lungenembolie und Beinvenenthrombose wird Heparin in hohen Dosierungen intravenös verabreicht, um das bestehende Blutgerinnsel nicht noch größer werden zu lassen und damit Schlimmeres zu verhindern; auflösen kann Heparin ein bereits gebildetes Gerinnsel nicht. Eine definitive Therapie, beispielsweise mittels Herzkatheteruntersuchung, schließt sich jedoch meistens an. Beim akuten Schlaganfall durch ein Blutgerinnsel galt die sofortige Gerinnungshemmung lange als Bestandteil der Behandlung. Nach heutigem Kenntnisstand wird der Gewinn an verhinderten Gefäßverschlüssen jedoch durch häufigere Blutungen im Gehirn aufgewogen, sodass eine routinemäßige Heparingabe in der Akutphase nicht mehr empfohlen wird.


Verabreichung & Dosierung

Bei der Verabreichung und Dosierung von Heparin sind mehrere wichtige Aspekte zu berücksichtigen, um eine sichere und wirksame Anwendung zu gewährleisten. Heparin ist ein Antikoagulans, das zur Vorbeugung und Behandlung von Thrombosen und Embolien eingesetzt wird. Die Dosierung richtet sich nach dem Anwendungsgebiet, dem Gewicht des Patienten und dem gewünschten Antikoagulationsgrad.

Es gibt zwei Hauptformen von Heparin: unfraktioniertes Heparin (UFH) und niedermolekulares Heparin (NMH). UFH wird oft intravenös oder subkutan verabreicht und erfordert eine engmaschige Überwachung mittels der aktivierten partiellen Thromboplastinzeit (aPTT), um eine Überdosierung oder Unterdosierung zu vermeiden. Die initiale Dosis beträgt häufig einen Bolus von 5000 Einheiten intravenös, gefolgt von einer kontinuierlichen Infusion, die individuell angepasst wird.

NMH, wie Enoxaparin, hat eine längere Halbwertszeit und erfordert weniger häufige Überwachung. Es wird in der Regel subkutan verabreicht, wobei die Dosis oft basierend auf dem Körpergewicht des Patienten berechnet wird (z. B. 1 mg/kg Körpergewicht). Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion muss die Dosis angepasst werden, da NMH über die Nieren ausgeschieden wird.

Besondere Vorsicht ist bei älteren Patienten, Patienten mit Blutungsneigung, Leber- oder Nierenfunktionsstörungen sowie nach operativen Eingriffen geboten, da das Risiko für schwere Blutungen erhöht ist. Die Anwendung sollte bei diesen Patientengruppen sorgfältig überwacht werden.

Risiken & Nebenwirkungen

Heparin ist, da es sich um eine körpereigene Substanz handelt, im Prinzip recht nebenwirkungsarm. Das Hauptproblem leitet sich daher auch aus der Wirkung der Substanz ab:

Durch die Hemmung der Blutgerinnung steigt die Gefahr von Blutungen, Wunden heilen schlechter, es kann sogar zu lebensgefährlichen inneren Blutungen wie Hirnblutungen kommen. Daher dürfen Patienten kurz nach einer Operation am Gehirn, am Rückenmark oder am Auge, Menschen mit offenen Wunden oder Magengeschwüren, mit starkem Bluthochdruck oder bekannten Gerinnungsleiden oft kein Heparin bekommen. Niedrigere Dosierungen oder verwandte Substanzen wie die Heparinoide sind hier manchmal eine Ausweichmöglichkeit. Die Gabe von Heparin ist letztlich immer eine Abwägung zwischen Risiko der Grunderkrankung und Risiko einer Blutungsnebenwirkung.

Des Weiteren kann es zu allergischen Reaktionen oder Haarausfall kommen, auch Osteoporose als Nebenwirkung einer langfristigen Heparintherapie ist beschrieben. Im Krankenhaus gefürchtet ist das Auftreten einer sogenannten Heparin-induzierten Thrombozytopenie (HIT), also eines Mangels an Blutplättchen durch die Heparingabe. Die tägliche Überwachung der Blutwerte ist daher bei hochdosierter Heparintherapie unbedingt notwendig.

Kontraindikationen

Typische Kontraindikationen bei der Verwendung von Heparin betreffen hauptsächlich Zustände, die das Risiko schwerer Blutungen erhöhen. Eine der wichtigsten Kontraindikationen ist eine bekannte Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT), eine seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Immunreaktion, die zur Thrombosebildung trotz der Antikoagulation führen kann. Patienten mit einer solchen Vorgeschichte sollten kein Heparin erhalten.

Auch aktive, klinisch bedeutsame Blutungen, wie Magen-Darm-Blutungen, hämorrhagischer Schlaganfall oder andere akute Blutungsereignisse, stellen eine Kontraindikation dar, da Heparin das Blutungsrisiko weiter erhöhen würde. Darüber hinaus ist Heparin kontraindiziert bei Patienten mit schweren Koagulopathien oder schwerer Thrombozytopenie, bei denen eine erhöhte Blutungsneigung besteht.

Personen mit schwerer unkontrollierter arterieller Hypertonie sollten ebenfalls kein Heparin erhalten, da das Risiko für Blutungen, insbesondere intrazerebrale Blutungen, erhöht sein kann. Bei Patienten mit einer schweren Leber- oder Niereninsuffizienz muss besondere Vorsicht geboten sein, da diese Zustände das Blutungsrisiko verstärken können.

Nach operativen Eingriffen, insbesondere am Gehirn, Rückenmark oder Auge, ist die Verabreichung von Heparin ebenfalls kontraindiziert, da das Risiko für postoperative Blutungen signifikant erhöht ist. Schließlich sollte Heparin auch bei Überempfindlichkeit gegen Heparin oder ähnliche Substanzen vermieden werden.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Heparin weist zahlreiche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auf, die seine Wirkung beeinflussen oder das Risiko von Nebenwirkungen, insbesondere Blutungen, erhöhen können. Eine der wichtigsten Interaktionen besteht mit anderen Antikoagulanzien wie Warfarin oder direkten oralen Antikoagulanzien (DOAKs) wie Apixaban oder Rivaroxaban. Die gleichzeitige Gabe dieser Medikamente verstärkt die gerinnungshemmende Wirkung, was zu einem erhöhten Blutungsrisiko führen kann.

Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Aspirin sind ebenfalls problematisch, da sie die Blutungsneigung durch Hemmung der Thrombozytenaggregation verstärken. Insbesondere Aspirin, das oft zur Thrombozytenaggregationshemmung eingesetzt wird, kann in Kombination mit Heparin zu schweren Blutungen führen. Andere Thrombozytenaggregationshemmer wie Clopidogrel erhöhen das Blutungsrisiko ebenfalls.

Darüber hinaus können Medikamente wie Penicillin-Antibiotika, Cephalosporine und einige Zytostatika die Wirkung von Heparin durch verschiedene Mechanismen verstärken. Glukokortikoide, insbesondere in hohen Dosen, können ebenfalls das Blutungsrisiko erhöhen.

Heparin sollte auch vorsichtig bei der gleichzeitigen Anwendung von Arzneimitteln eingesetzt werden, die den Kaliumspiegel im Blut erhöhen, wie ACE-Hemmer oder kaliumsparende Diuretika, da Heparin selbst eine Hyperkaliämie verursachen kann.

Schließlich kann die gleichzeitige Anwendung von Digitalisglykosiden, Tetracyclinen oder Antihistaminika die Wirkung von Heparin abschwächen, was das Thromboserisiko erhöhen könnte.

Alternative Behandlungsmethoden

Wenn Heparin nicht vertragen wird, stehen verschiedene alternative Behandlungsmethoden und Wirkstoffe zur Verfügung. Ist eine Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT) aufgetreten, scheidet die gesamte Gruppe der Heparine aus: Solange Antikörper nachweisbar sind oder die Reaktion erst kurze Zeit zurückliegt, ist eine HIT in der Vorgeschichte auch für die niedermolekularen Heparine eine Gegenanzeige, weil das Risiko einer antikörpervermittelten HIT ebenso bei ihnen besteht. Dann bleiben nur Gerinnungshemmer anderer Wirkungsweise. Bei einer Unverträglichkeit ohne HIT sind niedermolekulare Heparine (NMH) wie Enoxaparin oder Dalteparin dagegen eine häufig verwendete Alternative; sie haben eine ähnliche Wirkung und lösen seltener eine HIT aus.

Direkte Thrombininhibitoren wie Argatroban und Bivalirudin sind eine Option, besonders bei Patienten mit HIT. Diese Medikamente hemmen direkt das Thrombin und sind unabhängig von Antithrombin, wodurch sie eine wirksame Alternative zu Heparin darstellen.

Ein weiteres Alternativmedikament sind direkte orale Antikoagulanzien (DOAKs) wie Rivaroxaban, Apixaban oder Dabigatran. Diese hemmen spezifisch entweder den Faktor Xa oder Thrombin und sind einfach zu verabreichen, da sie keine routinemäßige Blutspiegelüberwachung erfordern. DOAKs werden häufig bei der Prävention und Behandlung von Thrombosen und Lungenembolien eingesetzt.

Daneben gibt es auch Vitamin-K-Antagonisten wie Warfarin, die bei Langzeitantikoagulation eingesetzt werden können, insbesondere bei Patienten, die eine stabile Dosierung und Überwachung benötigen. Warfarin erfordert regelmäßige INR-Kontrollen zur Anpassung der Dosierung, bietet aber eine bewährte Alternative bei bestimmten Patientenprofilen.

Die Wahl des geeigneten Alternativmedikaments hängt von der klinischen Situation, der zugrunde liegenden Erkrankung und der individuellen Verträglichkeit ab.

Heparin-induzierte Thrombozytopenie: zwei verschiedene Formen

Hinter der Abkürzung HIT verbergen sich zwei Ereignisse, die wenig miteinander zu tun haben. Die deutsche Fachinformation eines unfraktionierten Heparins trennt sie deutlich.

Die Form vom Typ I tritt zu Beginn der Behandlung auf, ist nach der Fachinformation häufig und beruht nicht auf Antikörpern. Die Zahl der Blutplättchen sinkt dabei nur mäßig ab, und Gerinnsel entstehen nicht. Diese Form ist harmlos und bildet sich meist von selbst zurück.

Die Form vom Typ II ist selten, aber gefährlich. Sie wird durch Antikörper vermittelt, lässt die Zahl der Blutplättchen deutlich absinken und führt zu genau dem, was die Behandlung verhindern soll: zu Thrombosen und Embolien in Venen und Arterien. Hinzu kommen können eine Verbrauchsgerinnungsstörung, Absterben von Hautbezirken, punktförmige Hauteinblutungen und schwarz gefärbter Stuhl als Zeichen einer Blutung im Verdauungstrakt. Zugleich kann die gerinnungshemmende Wirkung des Heparins nachlassen.

Der Zeitpunkt hängt davon ab, ob bereits eine Überempfindlichkeit besteht. Ohne vorherige Empfindlichkeit sinkt die Zahl der Blutplättchen meist in der zweiten Behandlungswoche ab; bei bestehender Überempfindlichkeit kann der Abfall schon nach wenigen Stunden einsetzen. In sehr seltenen Fällen tritt die Form vom Typ II erst Wochen nach dem Ende der Heparinbehandlung auf.

Tritt eine solche Reaktion auf, wird Heparin unverzüglich abgesetzt. Weitere Gaben von Heparin in die Vene oder unter die Haut sind dann untersagt. Diese Gegenanzeige gilt nicht nur für unfraktioniertes Heparin: Die Fachinformation eines niedermolekularen Heparins führt eine allergisch bedingte HIT in der Vorgeschichte ebenfalls als Gegenanzeige auf, solange sie noch nicht lange zurückliegt oder solange Antikörper nachweisbar sind.

Damit die Form vom Typ II früh auffällt, sieht die Fachinformation feste Kontrollzeitpunkte für die Zahl der Blutplättchen vor: vor dem Beginn der Heparingabe, am Tag danach, während der ersten Behandlungswochen regelmäßig und am Ende der Behandlung. Treten unter Heparin neue Gefäßverschlüsse auf, ist an eine HIT vom Typ II zu denken und die Zahl der Blutplättchen zu bestimmen.

Aufhebung der Wirkung

Für schwere, lebensbedrohliche Blutungen steht ein Gegenmittel zur Verfügung: Protamin, ein argininreiches Eiweiß, das üblicherweise als Chlorid oder Sulfat verwendet wird. Es bindet das Heparin und hebt dessen Wirkung auf.

Die Fachinformation rät jedoch zur Zurückhaltung. Protamin soll nur bei lebensbedrohlichen Blutungen gegeben werden, weil nach vollständiger Aufhebung der Heparinwirkung das Risiko für Gefäßverschlüsse steigt. Zuvor sind andere Blutungsursachen auszuschließen, und der Behandelte wird auf einer Intensivstation überwacht.

Bei leichten Blutungen genügt es meist, die Heparingabe zu verringern; bei mäßigen, aber nicht lebensbedrohlichen Blutungen wird die Behandlung unterbrochen. Wie viel Protamin nötig ist, hängt davon ab, wie lange die Heparingabe zurückliegt und auf welchem Weg sie erfolgte. Protamin wird rascher aus dem Blut entfernt als Heparin, sodass die Gerinnungswerte danach wiederholt kontrolliert werden. Bei zu hoher Gabe kann Protamin selbst die Blutungsneigung verstärken, bei zu rascher Gabe in die Vene Blutdruckabfall, verlangsamten Herzschlag, Atemnot und ein Beklemmungsgefühl auslösen. Eine Blutwäsche entfernt Heparin nicht.

Rückenmarksnahe Betäubungsverfahren

Eine besondere Gefahr besteht im zeitlichen Zusammenhang mit einer Betäubung in der Nähe des Rückenmarks. Für unfraktionierte wie für niedermolekulare Heparine sind Einzelfälle von Blutergüssen im Wirbelkanal beschrieben, vor allem bei der Gabe in die Vene und bei höheren Mengen als zur reinen Vorbeugung. Solche Blutergüsse können zu neurologischen Ausfällen bis hin zu dauerhafter Lähmung führen.

Heparin wird deshalb bei geplanter oder bereits erfolgter rückenmarksnaher Betäubung erst nach eingehender Abwägung eingesetzt. Zwischen der letzten vorbeugenden Gabe und dem Legen oder Ziehen eines Katheters wird ein punktionsfreies Zeitfenster eingehalten, das eine Empfehlung der deutschen Fachgesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin vorgibt. Nach dem Eingriff werden die Behandelten neurologisch überwacht, wobei besonders auf anhaltende Gefühls- oder Bewegungsstörungen zu achten ist. Bei Verdacht auf einen Bluterguss im Wirbelkanal sind unverzüglich Untersuchungen und eine Behandlung einzuleiten.

Weitere Nebenwirkungen und Laborveränderungen

Sehr häufig, also bei mindestens einem von zehn Behandelten, steigen unter Heparin die Leberwerte an, namentlich die Transaminasen, die Gamma-GT, die LDH und die Lipase. Ebenfalls sehr häufig treten je nach Menge vermehrt Blutungen auf, vor allem aus Haut, Schleimhäuten, Wunden sowie aus dem Verdauungs- und dem Harntrakt.

Häufig sind örtliche Gewebereaktionen an der Einstichstelle mit Verhärtungen, Rötungen, Verfärbungen und kleineren Blutergüssen. Gelegentlich treten allergische Reaktionen mit Übelkeit, Kopfschmerzen, Fieber, Gliederschmerzen, Nesselsucht, Erbrechen, Juckreiz, Atemnot, Verkrampfung der Bronchien und Blutdruckabfall auf, dazu vorübergehender Haarausfall und Absterben von Hautbezirken.

Selten ist eine Störung des Salzhaushalts beschrieben: Eine verminderte Bildung des Hormons Aldosteron kann zu einem Anstieg des Kaliums im Blut und zu einer Übersäuerung führen, besonders bei eingeschränkter Nierenfunktion und bei Diabetes mellitus. Aus diesem Grund werden die Kaliumwerte bei gefährdeten Patienten kontrolliert. Sehr selten kommt es zu einem allergischen Schock, vor allem bei Menschen, die früher bereits Heparin erhalten haben.

Nach monatelanger Anwendung, besonders in höheren Mengen und bei entsprechend veranlagten Menschen, kann sich eine Osteoporose entwickeln. Heparin verfälscht außerdem die Ergebnisse zahlreicher Laboruntersuchungen, darunter die Blutsenkungsgeschwindigkeit und Tests der Schilddrüsenfunktion; auch die Einstellung auf gerinnungshemmende Tabletten wird dadurch erschwert.

Quellen

  • Barthels, M. (Hrsg.): Das Gerinnungskompendium.
    ISBN: 9783131317520
  • Marx, N., Erdmann, E. (Hrsg.): Klinische Kardiologie.
    ISBN: 9783662629314
  • Braun, J., Preuss, R. (Hrsg.): Klinikleitfaden Intensivmedizin.
    ISBN: 9783437237676
  • Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
    ISBN: 9783804746541
  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437426223

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