Supinatortunnelsyndrom

Letzte Aktualisierung am 23. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Beim Supinatortunnelsyndrom handelt es sich um ein selten auftretendes Engpass-Syndrom. Es entsteht durch Schädigungen des Nervus radialis innerhalb der Unterarmsupinatorloge.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Supinatortunnelsyndrom?

In der Medizin trägt das Supinatortunnelsyndrom auch die Bezeichnungen Supinatorlogensyndrom, untere Radialislähmung oder Interosseus-posterior-Syndrom. Gemeint ist damit ein Nervenkompressionssyndrom, das sich am Unterarm in Ellenbogennähe zeigt. Dort nimmt der Nervus radialis seinen Verlauf, der zu den wichtigen Armnerven gehört. Dabei zieht er durch den Musculus supinator.

Kommt es in dieser Region zu einer Kompression des Nervus radialis, hat dies ein Supinatortunnelsyndrom zur Folge. Davon betroffen ist der Ast des Radialisnervs, was zur Schwächung oder Lähmung einiger Muskeln führt. Ein kompletter Funktionsausfall ist jedoch nicht zu befürchten. Der Nervus radialis ist auch als Speichennerv bekannt.

Er zählt zu den gemischten Nerven und verfügt sowohl über sensible als auch über motorische Fasern. Am Ellenbogen erfolgt seine Aufteilung in einen sensiblen sowie einen motorischen Abschnitt. Während sich der sensible Teil in Richtung Handrücken erstreckt, verläuft der motorische Teil durch den Supinatormuskel. Dort versorgt er die Muskeln für die Handstreckung.

Die Beschwerden bei einem Supinatortunnelsyndrom hängen davon ab, an welchem Bereich es zu einer Schädigung kommt. Findet die Schädigung im oberen Abschnitt statt, leidet der Betroffene unter Sensibilitätsstörungen. Bei Schädigungen des motorischen Bereichs sind dagegen Ausfallerscheinungen der Muskeln möglich. Bei Schädigungen in der Oberarmregion können auch beide Beschwerdebilder bestehen.

Ursachen

Die Ursachen für ein Supinatortunnelsyndrom sind unterschiedlich. In sämtlichen Fällen wird jedoch der motorische Ast des Nervus radialis eingeengt und in Mitleidenschaft gezogen. Nicht selten ist eine Fraktur von Speiche oder Elle am Ellenbogen dafür verantwortlich. Dabei kommt es aufgrund eines Blutergusses oder einer Knochenverschiebung zu einer Nervenquetschung, die wiederum für eine Nervenschädigung verantwortlich ist.

Eine weitere mögliche Ursache ist das Auskugeln des Speichenköpfchens aus dessen Bandführung. Infolgedessen droht an der Eintrittsstelle zum Supinatormuskel eine Einengung. In manchen Fällen kommen auch Fettgeschwülste, Entzündungen oder Tumore am Nervendurchtritt für ein Supinatortunnelsyndrom infrage. Das Gleiche gilt für eine Muskulaturvermehrung im Musculus supinator.

Sie bildet sich zumeist durch sich ständige wiederholende Tätigkeiten wie Tennisspielen oder Klavierspielen. Ein anderer Grund für das Entstehen eines Supinatorlogensyndroms ist permanenter äußerer Druck. Dieser wird in der Regel durch einseitiges Tragen von schweren Lasten ausgelöst.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bemerkbar macht sich ein Supinatortunnelsyndrom durch Schwächegefühle beim Strecken der Finger. Mitunter fällt die Schwäche derart intensiv aus, dass sich die Finger überhaupt nicht mehr strecken lassen. Weil ausschließlich der motorische Teil des Nervus radialis betroffen ist, kommt es auch ausschließlich am motorischen Teil zu Beeinträchtigungen.

Dagegen bleibt der sensible Nervenanteil von Beschwerden verschont, sodass keine Empfindungsstörungen am Arm oder an den Fingern auftreten. Besonders betroffen von der Streckschwäche sind der dritte und vierte Finger. Des Weiteren leidet die betroffene Person unter einem dumpfen Spontanschmerz am Unterarm in Nähe des Ellenbogens. Bei Druck verschlimmern sich die Schmerzen noch.

Am häufigsten zeigen sich die schmerzhaften Beschwerden, wenn der Patient die Fläche seiner Hand in die obere Richtung bewegt. Mitunter sind nach mehreren Drehbewegungen des Unterarms auch Ermüdungserscheinungen des Muskels zu verspüren. In einigen Fällen strahlen die Schmerzen bis ins Handgelenk aus.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Um ein Supinatortunnelsyndrom zu diagnostizieren, befasst sich der Arzt zunächst mit der Krankengeschichte (Anamnese) des Patienten. Nächster Schritt ist eine körperliche Untersuchung. Durch einen Nervenarzt lässt sich außerdem das Leistungstempo des geschädigten Nervs ermitteln. So liegt bei einer Beeinträchtigung von Nerv und Nervenscheide meist eine deutliche Verringerung der Nervenleitungsgeschwindigkeit vor.

Weitere wichtige Untersuchungsverfahren sind eine Sonographie (Ultraschalluntersuchung), das Anfertigen von Röntgenaufnahmen sowie das Durchführen einer Kernspintomographie (MRT). Während sich mit einer Röntgenuntersuchung Fettgeschwülste oder gutartige Weichteiltumore wie Ganglien finden lassen, können mit einer Röntgenuntersuchung Knochenbrüche von Speiche und Elle aufgespürt werden.

Mit der Kernspintomographie ist es möglich, die einengenden Strukturen bildlich darzustellen. Wie ein Supinatortunnelsyndrom verläuft, ist schwer vorherzusagen. So hängt die Prognose von Ausmaß und Dauer der Nervenschädigung ab. Mitunter dauert es sogar Monate, bis ein Nerv, der bereits vorgeschädigt war und zu Lähmungen geführt hat, wieder komplett geheilt ist, obwohl keine Druckeinwirkung mehr vorliegt.

Komplikationen

Aufgrund des Supinatortunnelsyndroms leiden die Patienten in erster Linie an starken Bewegungseinschränkungen. Diese treten dabei vor allem in den Fingern auf, sodass die Finger nicht mehr richtig gestreckt werden können. In schwerwiegenden Fällen ist eine Bewegung der Finger vollständig eingeschränkt. Weiterhin können auch die benachbarten Areale von Lähmungen oder Gefühlsstörungen betroffen sein.

Aufgrund dieser Einschränkungen wird der Alltag des Patienten deutlich erschwert, sodass viele Betroffene an Depressionen oder an anderen psychischen Verstimmungen erkranken. Auch Schmerzen an den Fingern oder in der Hand können dabei auftreten und in einigen Fällen auch bis in das Handgelenk ausstrahlen. Da die Schmerzen häufig auch in der Nacht auftreten, kann es durch das Supinatortunnelsyndrom auch zu Schlafbeschwerden und damit zu einer Gereiztheit des Betroffenen kommen. Bei Kindern führt das Supinatortunnelsyndrom zu einer eingeschränkten und verzögerten Entwicklung.

Die Behandlung des Syndroms richtet sich nach der Ursache. In erster Linie wird dabei die Belastung eingestellt, die für die Lähmungen verantwortlich ist. Durch verschiedene Medikamente und Therapien können auch die anderen Beschwerden und Schmerzen eingeschränkt werden. Operative Eingriffe sind dabei nur selten notwendig. In den meisten Fällen kommt es dabei zu einem positiven Krankheitsverlauf und die Lebenserwartung des Patienten wird durch die Erkrankung nicht verringert.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Beim Supinatortunnelsyndrom ist der Betroffene auf einen Besuch bei einem Arzt angewiesen. Da es bei dieser Krankheit auch nicht zu einer Selbstheilung kommen kann, ist eine Behandlung durch einen Arzt unumgänglich. In der Regel wirkt sich auch eine frühzeitige Diagnose positiv auf den weiteren Verlauf des Supinatortunnelsyndroms aus und kann weitere Komplikationen und auch eine Verschlechterung der Beschwerden verhindern. Der Arzt ist beim Supinatortunnelsyndrom dann aufzusuchen, wenn der Betroffene seine Finger nicht mehr richtig ausstrecken kann.

In der Regel ist das Ausstrecken mit starken Schmerzen verbunden und kaum mehr möglich. Auch Empfindungsstörungen im Arm des Betroffenen können auf diese Krankheit hindeuten und sollten ebenso durch einen Arzt untersucht werden. Auch in den Armen kann es zu starken Schmerzen kommen. Diese können ohne einen besonderen Grund und vor allem dauerhaft auftreten und sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen auswirken.

Bei den ersten Anzeichen des Supinatortunnelsyndroms kann ein Allgemeinarzt oder ein Orthopäde aufgesucht werden. Die weitere Behandlung richtet sich nach der genauen Ursache des Syndroms. In der Regel verringert sich durch diese Krankheit nicht die Lebenserwartung des Betroffenen.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung eines Supinatortunnelsyndroms kann entweder konservativ oder operativ vorgenommen werden. Ist eine ungewöhnliche Belastung für das Syndrom verantwortlich und wird diese abgestellt, erholt sich der Radialisnerv oft von selbst wieder, wodurch die Beschwerden zurückgehen. Zur Therapie von akuten Schmerzen eignen sich schmerzlindernde Mittel wie Ibuprofen oder Diclofenac. Neben der Linderung der Schmerzen wird auch die Entzündung von diesen Präparaten bekämpft.

Als hilfreiche Maßnahmen gelten weiterhin krankengymnastische Übungen sowie Wärme- oder Kälteanwendungen. Führen die konservativen Therapiemaßmaßnahmen nicht zur Besserung der Beschwerden, kann eine Operation sinnvoll sein. Liegen Lähmungen vor, muss der chirurgische Eingriff so rasch wie möglich durchgeführt werden. Im Rahmen der Operation legt der Chirurg den tiefgelegenen motorischen Ast des Nervus radialis frei.

Dabei ist jedoch besondere Vorsicht aufgrund der Feinheit des Nervs geboten. Außerdem wird die Eintrittsstelle des Radialisnervs in den Muskel erweitert, weil ihn bindegewebige Fasern überziehen, die seine Einklemmung verursachen können. Eingrenzende Strukturen wie Bindegewebe oder Faserzüge werden durchtrennt.

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Vorbeugung

Präventive Maßnahmen gegen einen Supinatortunnelsyndrom sind nicht bekannt. Nach einer Operation werden Vollbäder empfohlen, um Bewegungsstörungen am Ellenbogen vorzubeugen.

Quellen

  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015


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