Zyklothymia

Die Zyklothymia zählt zu den dauerhaften affektiven Störungen. Die Betroffenen leiden dabei unter einer Instabilität ihrer Stimmung sowie ihres Antriebs.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Zyklothymia?

Kommt es während der Zyklothymia zu einer depressiven Phase, fehlt es den Patienten an Antrieb. Außerdem leiden sie unter Problemen beim Einschlafen oder Durchschlafen und Konzentrationsstörungen.
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Unter der Zyklothymia wird eine psychische Störung verstanden. Genauer gesagt stellt sie eine anhaltende affektive Störung dar. Sie macht sich durch eine chronische Instabilität der Stimmung des Patienten bemerkbar. Im Verlauf der Zyklothymia, die auch zyklothyme Persönlichkeit oder zyklothymes Temperament genannt wird, kommt es zur Abwechslung von depressiven, manischen und hypomanen Episoden.

Die Betroffenen empfinden die psychische Störung jedoch nicht als extrem, sodass nur in seltenen Fällen eine Behandlung stattfindet. Die Lebenszeitprävalenz der Zyklothymia schwankt zwischen 0,5 und 1 Prozent. Sie zeigt sich besonders häufig bei Menschen, deren Angehörige unter einer bipolaren affektiven Störung leiden.

Bei einigen Personen geht die zyklothyme Störung schließlich selbst in eine bipolare affektive Störung über. Die Beschwerden bei einer Zyklothymia fallen deutlich geringer aus als bei einer bipolaren affektiven Störung. Im deutschen Sprachraum erfolgt häufig eine synonyme Verwendung der Begriffe Zyklothymia und Zyklothymie. Der Zyklothymie-Begriff machte jedoch mit der Zeit einen Wandel in seiner Bedeutung durch.

Geprägt wurde er im Jahr 1880 durch den deutschen Psychiater Karl Ludwig Kahlbaum (1828-1899). Er diente seinerzeit als Begriff für die heutige bipolare affektive Störung und erfasste deren zyklierende Natur. In späteren Jahren fand die Bezeichnung dann Verwendung zur Umschreibung des Krankheitsbildes der zyklothymen Störung.

Ursachen

Die genauen Ursachen der Zyklothymia sind nicht bekannt. Es wird angenommen, dass genetische Dispositionen oder traumatische Ereignisse zu ihrer Entstehung führen. Dabei kann die Störung unabhängig vom Alter des Betroffenen auftreten. Meist sind belastende Erlebnisse oder andere Erkrankungen für sie verantwortlich.

Typisch für die zyklothyme Störung ist der Wechsel zwischen hypomanen (leicht gehobene Grundstimmung) und depressiven Episoden. Die dynamischen Schwankungen zeigen sich entweder spontan oder reaktiv, wobei sie durch bestimmte Ereignisse ausgelöst werden. Die Zyklothymia zeigt sich normalerweise bereits in der späten Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter. Sie kann in manchen Fällen das ganze Leben lang bestehen. Über Monate bleiben dabei Stimmung und Antrieb oft unauffällig.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Kommt es während der Zyklothymia zu einer depressiven Phase, fehlt es den Patienten an Antrieb. Außerdem leiden sie unter Problemen beim Einschlafen oder Durchschlafen und Konzentrationsstörungen. Das Selbstvertrauen der betroffenen Personen ist reduziert. Sie führen weniger Gespräche als sie es normalerweise tun.

Darüber hinaus sind weitere typische Depressionssymptome zu verzeichnen wie der Verlust von Interessen, Schuldgefühle, Grübeln, Pessimismus über die Zukunft sowie sozialer Rückzug. Tritt eine Periode mit gehobener Stimmung auf, fällt der Antrieb stärker aus und das Schlafbedürfnis nimmt ab. Nicht selten ist das Selbstwertgefühl der Patienten stärker ausgeprägt. Sie führen mehr Gespräche als sonst und erweisen sich im Denken ungewöhnlich kreativ. Bei manchen Menschen kommt es während der hypomanen Episode zu einem stärkeren sexuellen Verlangen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose Zyklothymia lässt sich erst dann stellen, wenn die betroffenen Personen mindestens zwei Jahre lang unter dem Wechsel von hypomanen und depressiven Episoden leiden. Außerdem dürfen die symptomfreien Intervalle nicht länger als zwei Monate anhalten. Die hypomanen Perioden führen nicht zu starken beruflichen oder sozialen Beeinträchtigungen.

Auch zu einem Klinikaufenthalt kommt es nicht. Ebenso dürfen keine psychotischen Symptome auftreten, weil sonst die Bedingungen für eine gemischte oder manische Episode vorlägen. In solchen Fällen kann der Arzt keine zyklothyme Störung feststellen. Gleiches gilt, wenn während der ersten beiden Erkrankungsjahre eine Major-Depression zu verzeichnen ist. Auszuschließen sind zudem wahnhafte oder psychotische Störungen.

Die Symptome dürfen auch nicht durch die Einnahme von Medikamenten oder Drogen entstehen. Einen wichtigen Anhaltspunkt bilden zudem bipolare affektive Störungen, die innerhalb der Familie des Patienten vorkommen. Ein bedeutendes Diagnosekriterium für den Arzt ist, dass die Stimmungsschwankungen der Zyklotyhmia normalerweise nicht durch bestimmte Ereignisse im Leben des Patienten hervorgerufen werden.

In der Regel zeigen sie sich spontan. Bei der Differentialdiagnose ist auf Anpassungsstörungen mit depressiver Stimmung, eine bipolare Störung sowie depressive oder dysthyme Störungen zu achten. Die Zyklothymia dauert oft mehrere Jahre lang an.

Da die Patienten sie oft wegen ihrer leichten Ausprägung für gewöhnliche Stimmungsschwankungen oder nicht veränderbare Charaktereigenschaften halten, wenden sie sich nur selten an einen Arzt. In manchen Fällen geht die Zyklothymia auch mit Suchterkrankungen wie Drogen- oder Alkoholmissbrauch einher. Eher selten zeigt sich ein negativer Verlauf, der zu einer bipolaren Störung führt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Verhaltensauffälligkeiten oder plötzliche Veränderungen des Wesens eines Menschen deuten auf eine gesundheitliche Störung hin. Die Wandlungen sollten mit einem Arzt besprochen werden, damit eine Abklärung der Beschwerden erfolgt. Bei Störungen der Konzentration, des Schlafes oder Stimmungsschwankungen ist die Rücksprache mit einem Arzt anzuraten. Kommt es zu einer gedrückten Stimmung, einem starken Grübeln sowie einer grundsätzlich negativen Einstellung sich selbst und dem Leben gegenüber, benötigt der Betroffene Hilfe. Treten parallel dazu im Verlauf der weiteren Entwicklung Phasen einer erhöhten Euphorie und stark gehobenen Stimmung auf, ist ein Arztbesuch notwendig.

Sinkt in diesen Phasen das Schlafbedürfnis auf ein Minimum, ist das Selbstwertgefühl stark angehoben und zeigt der Betroffene in dieser Zeit eine sehr unbekümmerte Haltung dem Leben gegenüber, deutet dies auf das Vorliegen einer psychischen Störung hin. Erleben die Betroffenen einerseits Zeiten der sexuellen Abneigung und einige Wochen oder Monate später ein sehr intensives sexuelles Verlangen, besteht Handlungsbedarf. Charakteristisch für eine Zyklothymia ist einerseits ein apathisches Auftreten und andererseits etwas zeitversetzt ein Verhalten, das sehr risikoreich und verantwortungslos ist. Können die alltäglichen Verpflichtungen nicht ausreichend wahrgenommen werden, zeigt sich eine Interessenlosigkeit oder findet ein starker Rückzug aus dem sozialen Leben statt, ist dies besorgniserregend und muss untersucht werden.

Behandlung & Therapie

Welche Behandlung bei einer Zyklothymia stattfindet, legt der Arzt individuell für den Patienten fest. So ist zum Beispiel die Gabe von Medikamenten wie Antidepressiva möglich. Allerdings wird die Einnahme von Antidepressiva kritisch gesehen. So kann sie bei alleiniger Anwendung bei rund 50 Prozent aller Patienten hypomane oder manische Symptome hervorrufen. Als geeignete Alternative gilt daher die Darreichung von Carbamazepin, Valproinsäure und Lithium.

Darüber hinaus kann auch eine Psychotherapie wie eine Gesprächstherapie oder Verhaltenstherapie durchgeführt werden. Eine weitere sinnvolle Behandlungsmöglichkeit stellt die Wachtherapie dar. Dagegen erwies sich die Anwendung der Elektrokrampftherapie zur Behandlung der zyklothymischen Störung als unwirksam. Wichtig ist, schon rasch nach der Diagnosestellung mit der Durchführung der Therapie zu beginnen, um einer Verschlimmerung der Krankheit entgegenzuwirken.

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Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen gegen die Zyklothymia sind nicht bekannt. So wurden die auslösenden Ursachen der affektiven Störung noch nicht vollständig erforscht.

Nachsorge

Die Nachsorge der Zyklothymia übernimmt meist der Hausarzt oder der Therapeut des Patienten. Ein wichtiger Bestandteil der Nachsorge sind regelmäßige Gespräche zwischen Arzt und Patient. Es gilt, die Ursachen für die Stimmungsschwankungen zu ermitteln. Hierzu kann es sinnvoll sein, die nähere leibliche Verwandtschaft des Patienten zu betrachten, da im näheren Umfeld der Betroffenen übermäßig oft Fälle von bipolaren Störungen vorkommen.

Der körperliche und seelische Zustand des Patienten kann sich mitunter sehr rasch wandeln, worauf entsprechend schnell mit einer Anpassung der Medikation reagiert werden muss. Die Einstellung der Medikamente ist ein essenzieller Teil der Nachsorge. Es obliegt dem Arzt, die dissoziative Störung mittels Antidepressiva zu behandeln oder dem Patienten andere Therapieverfahren vorzuschlagen.

Da die Störung oft ein ganzes Leben lang anhält, ist eine andauernde Beobachtung des Patienten wichtig. In diesem Rahmen kommen auch Beschäftigungstherapien sowie eine ursächliche Behandlung der Zyklothymia infrage. Welche Maßnahmen im Rahmen der Nachsorge im Detail sinnvoll und notwendig sind, hängt von der Ausprägung der Zyklothymia und insbesondere der einzelnen depressiven und hypomanen Phasen ab. In jedem Fall müssen die Patienten regelmäßig betreut werden, um auf Veränderungen im Verhalten zügig reagieren zu können.

Das können Sie selbst tun

Die Zyklothymia beeinflusst Betroffene meistens ein Leben lang. Aus diesem Grund muss der Patient im Alltag mit der Erkrankung umzugehen wissen. Die Möglichkeiten dafür sind sehr individuell. Es gibt keine allgemeine Methode. Der Betroffene muss selbst herausfinden, auf welchem Weg er seine psychische Einschränkung am besten bewältigen kann.

Gesprächstermine beim behandelnden Psychotherapeuten sollten unbedingt wahrgenommen werden. Der Erkrankte hat bei den Sitzungen die Gelegenheit, seine Empfindungen oder Erlebnisse mit einem professionellen Berater erörtern zu können. Manchen Betroffenen fällt es hingegen leichter, in einem informellen Umfeld über die Krankheit zu sprechen. In diesem Fall sind Selbsthilfegruppen geeignete Alternativen. Eine Kombination von psychotherapeutischen Ansätzen und dem Besuchen einer Selbsthilfegruppe ist möglich. Gesprächskreise für Angehörige von Betroffenen werden ebenfalls angeboten.

Der Patient braucht etwas in seinem alltäglichem Leben, das ihm 'Halt gibt' und sich günstig auf seine Krankheit auswirkt. Auch hier muss er selbst entscheiden, womit er für sich persönlich die besseren Erfahrungen gesammelt hat. Hinweis für Angehörige: Manche Betroffene verändern soziale Beziehungen zugunsten der eigenen Lebensqualität. Dies stellt keinen grundsätzlichen Anlass zur Sorge dar. Ein einstweiliger Abstand vom Freundeskreis ist angemessen, solange der Betroffene sich freiwillig dazu entschließt und den Schritt als positive Veränderung wahrnimmt.

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015
  • Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2015

Letzte Aktualisierung am: 12. November 2021

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