Affektive Störungen

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 3. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Affektive Störungen oder Affektstörungen können als manische (gehobene) oder depressive (gedrückte) Stimmungs- und Gefühlszustände in Erscheinung treten. Sie gelten demnach als Stimmungsstörungen. Die Ursachen für diese Erkrankung sind noch nicht restlos erforscht. Man geht aber davon aus, dass vor allem psychologische und erbliche Gründe zu affektiven Störungen führen können.

Inhaltsverzeichnis

Was sind affektive Störungen

Affektive Störungen
Affektive Störungen oder Affektstörungen können als manische (gehobene) oder depressive (gedrückte) Stimmungs- und Gefühlszustände in Erscheinung treten.

Bei den affektiven Störungen oder Affektstörungen handelt es sich um mehrere verschiedene Erkrankungen, die alle den Affekt des Menschen betreffen.

Der Betroffene kann daraufhin eine Depression ausbilden, die Krankheit kann sich aber auch auf das andere Extrem zubewegen und eine Manie auslösen.

Der Affekt gilt dabei als die Grundstimmung, von der der Betroffene abweicht. Bei der Diagnosestellung werden Antrieb, Spontaneität, die soziale Interaktion sowie die vegetativen Funktionen des Individuums betrachtet, die beispielsweise den Schlaf oder die Libido einbeziehen.

Es kann im Rahmen der affektiven Störungen auch zu Einschränkungen des Denkens kommen.

Ursachen

Die Ursachen für die Entstehung einer affektiven Störung sind heute noch weitestgehend unbekannt. Organische Ursachen konnten bislang nicht ausgemacht werden, weshalb die affektiven Störungen heute als idiopathisch bezeichnet werden. Sobald jedoch eine Ursache für die Affektstörung erkennbar wird, handelt es sich nicht mehr um die Diagnose affektive Störung, sondern um einen anderen inneren Vorgang. Nach heutigem Kenntnisstand geht man von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren aus: einer ererbten Verletzlichkeit, Veränderungen im Botenstoffhaushalt und Stresshormonsystem des Gehirns sowie belastenden Lebensereignissen. Von einer Erkrankung ganz ohne körperliches Korrelat spricht man daher heute nicht mehr.

So kann beispielsweise eine Depression als Reaktion auf ein Ereignis bestehen, während die depressive Verstimmung durch affektive Störungen keine solche Ursache in der Umwelt kennt. Auch Verflachungen des Affektes, die sich beispielsweise in der Schizophrenie äußern würden oder die bei der Demenz auftreten, sind keine affektiven Störungen, da es dafür organische Ursachen gibt.

Gerade zwischen der Depression als Reaktion und den affektiven Störungen wird im ICD-10 allerdings kein Unterschied erkannt, sodass nach dieser Definition zumindest für affektiv bedingte depressive Verstimmung eine Ursache in der Umwelt ausgemacht werden kann, die als Trigger (Auslöser) bezeichnet wird. Die ICD-10 ist inzwischen von der ICD-11 abgelöst worden, die 2022 in Kraft getreten ist; auch dort bilden die affektiven Störungen eine eigene Krankheitsgruppe.


Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Im Verlauf einer affektiven Störung können diverse Symptome und Beschwerden auftreten. Kennzeichnend für eine affektive Störung sind manische und/oder depressive Zustände, die meist phasenweise auftreten. Eine solche affektive Episode kann depressiv, manisch oder manisch-depressiv verlaufen. Die Symptome können sich innerhalb einer Episode abwechseln oder zeitgleich auftreten.

Die Stimmungsveränderung wird meist von weiteren Symptomen begleitet. So kommt es in vielen Fällen zu Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen, wie zum Beispiel Konzentrationsstörungen oder Hyperaktivität. Eine depressive Phase äußert sich unter anderem durch Niedergeschlagenheit, Antriebs- und Teilnahmslosigkeit, Interessenlosigkeit und gehemmtes Denk- oder Konzentrationsvermögen.

Auch zu innerer Unruhe, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und einer Abnahme der Libido kann es kommen. Eine manische Phase äußert sich durch gegenteilige Symptome, also Freude, vermindertes Schlafbedürfnis, gesteigertes Selbstbewusstsein und emotionale Erregung mit Euphorie oder Gereiztheit. Bei einer affektiven Störung treten tendenziell eher depressive Phasen auf.

Ein typisches Anzeichen ist eine Zunahme der Suizidalität des Betroffenen. Viele Erkrankte äußern sich pessimistisch und sind zunehmend gefühllos. Äußerlich kann eine affektive Störung an einem Gewichtsverlust oder häufigen Gewichtsschwankungen erkannt werden. Depressive Phasen führen zudem zu einer mangelnden Körperhygiene und rufen andere eindeutige Symptome hervor, die umgehend abgeklärt werden müssen.

Verlauf

Die affektiven Störungen haben unterschiedliche Krankheitsverläufe - je nachdem, ob es sich um einen akuten, chronischen oder episodischen Verlauf handelt. Bei der akuten Störung treten die Symptome plötzlich auf und können genauso plötzlich auch wieder verschwinden. Sofern es sich dabei um eine einmalige Angelegenheit handelt, wird noch von akuten affektiven Störungen gesprochen.

Tritt der Symptomkomplex jedoch noch einmal auf, spricht man von episodisch auftretender affektiver Störung, da der Komplex manchmal verschwindet und danach trotzdem wieder auftaucht. Bei der chronischen Form hingegen bestehen die Symptome über längere Zeit hinweg und zeigen entweder nur leichte oder gar keine Veränderungen mehr, geschweige denn Verbesserungen des Zustandes.

In der Regel sind affektive Störungen dadurch gekennzeichnet, dass sie eine Form der Störung hervorbringen: Es handelt sich entweder um eine Depression, Manie oder die bipolare Störung, bei der der Affekt des Menschen ständig zwischen den beiden Extremen schwankt.

Komplikationen

Eine schwere Komplikation bei affektiven Störungen ist Suizidalität, die umgangssprachlich auch als Selbstmordgefährdung bekannt ist. Insbesondere die (Major) Depression erhöht das Risiko für Suizidversuche. Suizidalität besteht jedoch nicht nur aus konkreten Plänen und Handlungen, die sich mit dem eigenen Tod beschäftigen.

Auch allgemeine Gedanken an den Tod und an das Sterben sind ernstzunehmende Symptome. Um die Komplikation unter Kontrolle zu halten, ist zum Teil eine vorübergehende stationäre Behandlung erforderlich. Dies gilt vor allem dann, wenn Betroffene sich nicht mehr sicher vor sich selbst fühlen oder nicht aufrichtig versprechen können, sich nichts anzutun.

Manische Episoden führen oft zu unkontrolliertem Verhalten. Häufige Komplikationen entstehen durch hohe finanzielle Ausgaben, die zur Verschuldung führen können. Gesteigerte sexuelle Bedürfnisse können risikohaftes Sexualverhalten begünstigen oder zu entsprechenden sozialen Problemen führen – zum Beispiel beim Fremdgehen.

Affektive Störungen, die länger andauern, führen zum Teil zu Schwierigkeiten im Familienleben sowie im Freundeskreis. Außenstehenden fällt es oft nicht leicht, die psychischen Probleme dauerhaft zu tolerieren und unterstützend zur Seite zu stehen. In diesem Sinne können auch mildere, aber chronische Verläufe weitreichende Folgen nach sich ziehen.

Wie alle psychischen Störungen können auch die affektiven Störungen zur Arbeitsunfähigkeit führen. In einigen Fällen ist auch eine dauerhafte Berufsunfähigkeit möglich, die eine vorzeitige Berentung erforderlich macht. Weitere Komplikationen sind im Zusammenhang mit Drogen- und Alkoholkonsum, Medikamentenmissbrauch und anderen Störungen möglich, die eventuell infolge der affektiven Störung entstehen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei leichten oder gelegentlich auftretenden affektiven Störungen ist abzuwägen, in welchem Umfang der Betroffene dadurch soziale Beeinträchtigungen erlebt. Auch sein soziales Umfeld kann darüber entscheiden, ob der Betroffene behandlungsbedürftig ist oder trotz seiner affektiven Störung gut integriert werden kann. Ist das der Fall, ist ein Arztbesuch nicht zwingend notwendig. Falls es aber zu stärkeren Akutschüben oder zunehmenden Beeinträchtigungen kommt, sollte immer ein Facharzt für Psychiatrie hinzugezogen werden.

Aus Sicht des Patienten können die mit der Affektstörung einhergehenden Stimmungsstörungen phasenweise ein so belastendes Ausmaß annehmen, dass ein Arztbesuch zwecks Akutbehandlung sinnvoll ist. Eine langfristig angelegte Behandlung der Störung soll depressive und manische Schübe ausgleichen. Sie bringt den Patienten in eine bessere Balance. Die Phasenprophylaxe erfordert wiederholte Arztbesuche.

Der Arztbesuch anlässlich einer ambulanten medikamentösen plus einer Psychotherapie ist in den meisten Fällen sinnvoll. Insbesondere bei manischen Störungen ist es hilfreich, dem Patienten einen ruhigen Ort zu geben. An diesem kann er bei akuten affektiven Schüben Ruhe finden. Unterschieden werden müssen vom behandelnden Mediziner unipolare von bipolaren Störungen. Der jeweils gestellten Diagnose passt sich auch die medikamentöse Behandlung an.

Der Besuch bei einem Psychologen kann begleitend zur gewählten medikamentösen Behandlung erfolgen. Die Psychotherapie ist bei schweren affektiven Störungen jedoch nicht als alleinige Therapie sinnvoll. Bei leichten und mittelgradigen depressiven Episoden gilt sie dagegen nach den heutigen Leitlinien als gleichwertige Behandlung, die auch für sich allein durchgeführt werden kann.

Behandlung & Therapie

Die affektive Störung wird zunächst danach behandelt, ob es sich um eine akute oder chronische bzw. episodische Form handelt. Akute Formen brauchen keine konkrete Behandlung, wenn sie von alleine wieder verschwinden und nicht wiederkehren. Bei chronischen und episodischen Formen wird weiterhin danach unterschieden, ob eine depressive oder manische Verstimmung oder eine bipolare Störung vorliegen.

Anschließend wird medikamentös behandelt, um die Symptome des Betroffenen nachhaltig zu lindern und dafür zu sorgen, dass die extremen Neigungen oder Schwankungen des Affekts langfristig nachlassen. Je nach Einzelfall kann eine Gesprächstherapie Erleichterung verschaffen, bei leichteren Verläufen kann sie sogar ausschlaggebend sein. Auch wenn sich nicht immer eine Ursache in der Umwelt des Betroffenen finden lässt, kann er den Umgang mit den Symptomen erlernen und selbst zur Besserung beitragen.

Nachsorge

In den meisten Fällen stehen dem Betroffenen bei solchen Störungen nur sehr wenige oder gar keine Maßnahmen oder Möglichkeiten einer Nachsorge zur Verfügung. Dabei ist der Betroffene in erster Linie auf eine frühzeitige Diagnose angewiesen, damit es zu keinen weiteren Komplikationen oder Beschwerden kommt. Dabei sollte schon bei den ersten Anzeichen und Beschwerden der Krankheit ein Arzt aufgesucht werden.

Auch die Angehörigen oder die Freunde können den Betroffenen bei dieser Krankheit auf jeden Fall auf die Beschwerden aufmerksam machen und diesen zu einer Behandlung überreden. In vielen Fällen sind dabei auch einfühlsame und intensive Gespräche mit dem Betroffenen sehr sinnvoll, um psychische Verstimmungen oder Depressionen zu verhindern. Eine Selbstheilung tritt bei dieser Krankheit in der Regel nicht ein.

Die Behandlung erfolgt dabei in vielen Fällen auch durch die Einnahme von Medikamenten. Der Betroffene muss dabei auf jeden Fall auf eine regelmäßige Einnahme und auch auf die richtige Dosierung achten. In schwerwiegenden Fällen kann dabei auch die Einweisung in eine geschlossene Klinik notwendig sein, damit die Beschwerden richtig behandelt werden können. Unbehandelt kann die Lebenserwartung des Betroffenen vor allem durch das erhöhte Suizidrisiko verringert sein.

Aussicht & Prognose

Affektive Störungen wie Depressionen oder bipolare Störungen sind häufig rezidivierend. Betroffene sind gehalten, auf sich Acht zu geben und mögliche Auslöser für Rezidive am besten zu vermeiden. Dies kann jedoch nicht immer garantiert werden.

Der derzeitige Stand der Forschung setzt bei der Behandlung von affektiven Störungen vor allem auf Psychopharmaka und Psychotherapie. Doch auch dies ist nachweislich keine Garantie dafür, dass Rückfälle ausbleiben oder der Zustand des Patienten sich nicht verschlechtert. Andererseits gibt es auch immer wieder erstaunliche Recovery-Geschichten von Menschen mit affektiven Störungen, denen selbst die besten Mediziner negative Prognosen erstellt haben.

Dafür gibt es verschiedene Gründe: Betroffene lernen oft, Frühwarnzeichen zu erkennen und selbst Strategien zu entwickeln, um emotionale Schwankungen abzufedern. Häufig ist dann ein normales Leben mit Berufstätigkeit und einem aktiven Privatleben möglich. Eine weitere wichtige Ursache für psychische Stabilität sind Lebensumstände mit unterstützenden sozialen Kontakten, beruflicher Integration und stabilen finanziellen Verhältnissen. Fehlen diese, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall. Umgekehrt setzt oft eine positive Wende ein, wenn sich die Lebensverhältnisse der Betroffenen stabilisieren.

Auch ist bekannt, dass Sport einen positiven Einfluss auf sämtliche psychischen Erkrankungen hat. Betroffene, die gelernt haben, regelmäßige sportliche Aktivitäten in ihren Alltag einzubauen, haben generell eine bessere Prognose.


Das können Sie selbst tun

Zusätzliches Vitamin D kann einer Person, die unter Depression leidet, auch dann helfen, wenn eigentlich kein klinischer Vitamin-D-Mangel vorliegt. Vitamin D kann vom Körper selbst gebildet werden, wenn die Haut Sonnenstrahlung ausgesetzt ist. Eine gesunde Ernährung mit Lebensmitteln, die reich an Vitamin D sind, kann ebenfalls von Vorteil sein. Darüber hinaus ist es prinzipiell möglich, das Vitamin als Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Die Einnahme solcher Präparate sollten Betroffene jedoch mit ihrem Arzt absprechen. Große Studien der vergangenen Jahre konnten einen stimmungsaufhellenden Nutzen bei Menschen ohne nachgewiesenen Mangel allerdings nicht bestätigen; ein Vorteil zeigt sich vor allem dann, wenn tatsächlich ein Vitamin-D-Mangel besteht.

Natürliches Licht spielt nicht nur bei der Bildung von Vitamin D eine wichtige Rolle. Es kann auch im Rahmen der unterstützenden Lichttherapie zum Einsatz kommen. Im Alltag können Betroffene beispielsweise einen morgendlichen Spaziergang machen, um einen ähnlichen Effekt anzustreben. Bewegung kann bei depressiven affektiven Störungen ebenfalls eine hilfreiche Wirkung entfalten. Sport fördert die Synthese und Freisetzung des Neurotransmitters Serotonin.

Bei allen Maßnahmen sind jedoch realistische Erwartungen wichtig. Die genannten Mittel stellen lediglich eine Ergänzung zur psychotherapeutischen und/oder psychiatrischen Behandlung dar. Darüber hinaus ist es wichtig, dass sich Betroffene nicht überfordern oder überhöhte Ansprüche an sich selbst stellen.

Bei allen affektiven Störungen ist es möglich, dass sich Betroffene in Selbsthilfegruppen mit anderen Patienten austauschen. Darüber hinaus ist es oft sinnvoll, um Unterstützung durch Freunde und Familie zu bitten, insbesondere bei Suizidalität oder risikohaftem Verhalten.

Quellen

  • Falkai, P., Laux, G., Deister, A., Möller, H.-J. (Hrsg.): Duale Reihe Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie.
    ISBN: 9783132432659
  • Tebartz van Elst, L., Schramm, E., Berger, M. (Hrsg.): Psychische Erkrankungen. Klinik und Therapie.
    ISBN: 9783437051746
  • Falkai, P., Wittchen, H.-U. (Hrsg.): Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen DSM-5-TR.
    ISBN: 9783801732172
  • Dilling, H., Mombour, W., Schmidt, M. H. (Hrsg.): Internationale Klassifikation psychischer Störungen. ICD-10 Kapitel V (F).
    ISBN: 9783456855608
  • Hautzinger, M.: Kognitive Verhaltenstherapie bei Depressionen.
    ISBN: 9783621293167

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