Respiratorische Insuffizienz
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 22. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei einer respiratorischen Insuffizienz kommt es aufgrund einer Störung der äußeren Atmung zu einer verminderten Belüftung der Lungenbläschen. Die Betroffenen leiden unter Luftnot, Husten und Leistungsschwäche.
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Was ist eine Respiratorische Insuffizienz?
Die respiratorische Insuffizienz wird auch als Ateminsuffizienz bezeichnet. Der Gasaustausch in der Lunge ist gestört. Dadurch kommt es zu krankhaft veränderten Blutgaswerten. Es kann zwischen einer akuten und einer chronischen Insuffizienz unterschieden werden. Die Symptome der akuten Insuffizienz ähneln denen der chronischen Insuffizienz. Sie setzen aber viel plötzlicher ein und gehen deshalb häufig mit einer schweren Panikreaktion einher.
Zudem können die Insuffizienzen nach ihrem Umfang in Partial- und Globalinsuffizienzen unterteilt werden. Respiratorische Insuffizienzen sind keine eigenständigen Erkrankungen, sondern vielmehr ein Symptomenkomplex, der durch verschiedene andere Erkrankungen hervorgerufen wird. Die Insuffizienz wird deshalb immer durch die Behandlung der Grunderkrankung therapiert. Sauerstoffgaben können die Beschwerden aber lindern.
Ursachen
Häufigste Ursachen für eine solche Thoraxdeformation sind Traumata oder Skoliosen. Auch eine verminderte Belüftung der Lungenbläschen bei einer Lungenentzündung kann zu einer restriktiven Ventilationsstörung führen. Verwachsungen im Brustkorb (zum Beispiel Pleuraschwarten), Lungenödeme oder neuromuskuläre Erkrankungen können ebenfalls die Dehnbarkeit von Lunge und Brustkorb vermindern.
Bei einer obstruktiven Ventilationsstörung ist der Strömungswiderstand in den Atemwegen erhöht. Dadurch sind der Atemwegswiderstand, die funktionelle Residualkapazität und das Residualvolumen erhöht. Die Lungenbläschen sind nicht gleichmäßig belüftet, sodass die Lunge langfristig überbläht. Des Weiteren wird das ganze Lungen- und Bronchialsystem mechanisch geschädigt.
Auf lange Sicht verringert sich dadurch die Vitalkapazität der Lunge. Mit einer obstruktiven Ventilationsstörung gehen unter anderem ein Asthma bronchiale, eine Mukoviszidose, ein Lungenemphysem oder Chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) einher. Die akute respiratorische Insuffizienz wird meist durch Lungenentzündungen, Aspiration von Wasser oder Fremdkörpern oder durch Verletzungen der Lunge und des Brustkorbs hervorgerufen.
Auch eine Störung des Atemzentrums im Gehirn kann zu einer akuten Ateminsuffizienz führen. Chronische respiratorische Insuffizienzen werden eher von chronischen Lungenerkrankungen oder Krebserkrankungen verursacht. Auch nach der operativen Entfernung eines Lungenflügels (Pneumonektomie) oder eines Lungenlappens (Lobektomie) kann eine respiratorische Insuffizienz entstehen.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Bei der Partialinsuffizienz sinkt der Sauerstoffpartialdruck im arteriellen Blutsystem ab. Der Kohlendioxidpartialdruck kann jedoch noch kompensiert werden, sodass nur eine Hypoxämie aber keine Hyperkapnie entsteht. Bei der respiratorischen Globalinsuffizienz gesellt sich zu der Hypoxämie auch eine Hyperkapnie. Das bedeutet, dass der Sauerstoffgehalt im Blut erniedrigt ist, der Kohlendioxidpartialdruck ist hingegen erhöht.
Bei einer akuten respiratorischen Insuffizienz treten die Symptome plötzlich auf. Die Betroffenen leiden unter anfallsartiger Luftnot mit Erstickungsgefühl. Auch der akute Asthmaanfall mit Husten und erschwerter Ausatmung ist eine vorübergehende respiratorische Insuffizienz. Bei einer Schädigung des Atemzentrums tritt hingegen keine Luftnot auf. Stattdessen werden die Betroffenen zunehmend schläfrig und verwirrt, verlieren innerhalb von Minuten das Bewusstsein und versterben ohne Behandlung rasch. Bei einer flachen, verlangsamten Atmung mit zunehmender Schläfrigkeit ist deshalb sofort der Notruf 112 zu wählen.
Die chronische respiratorische Insuffizienz tritt weitaus häufiger auf als die akute Form. Auch hier kommt es zu Luftnot und Husten. Durch den chronischen Sauerstoffmangel sind die Patienten nicht mehr so leistungsfähig. Eventuell lässt sich eine Blaufärbung der Haut (Zyanose) beobachten. Bei längeren Verläufen können Symptome wie Trommelschlägelfinger oder Uhrglasnägel auftreten.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Am Anfang der Diagnosestellung werden die Patienten gründlich untersucht. Es erfolgt eine Auskultation und eine Perkussion der Lunge. Eventuell sind hier abgeschwächte Atemgeräusche, Nebengeräusche oder Rasselgeräusche zu vernehmen. Bei der Perkussion lassen sich überblähte Lungenabschnitte an einem auffallend hohlen Klopfschall und Bereiche mit Flüssigkeit oder Verdichtung an einem gedämpften Klopfschall erkennen.
Weitere Klarheit bringen bildgebende Verfahren wie der Röntgenthorax oder die Computertomografie. Auch eine Magnetresonanztomografie oder eine Lungenszintigrafie können durchgeführt werden. Mithilfe eines Endoskops können die Bronchien (Bronchoskopie) und der Mediastinalraum (Mediastinoskopie) bildlich dargestellt werden.
Mit den Verfahren der Lungenfunktionsdiagnostik kann die Leistungsfähigkeit der Lunge ermittelt werden. Wichtige Verfahren der Lungenfunktionsdiagnostik sind die Spirometrie und die Bodyplethysmografie. Im Labor zeigt sich bei der partiellen Insuffizienz bei der Blutgasanalyse ein Sauerstoffpartialdruck unter 70 mmHg. Bei der Globalinsuffizienz liegt der Kohlendioxidpartialdruck zudem über 45 mmHg. Die Blutgasanalyse erfolgt in der Regel aus arteriellem Blut, das meist aus der Speichenarterie am Handgelenk entnommen wird. Ersatzweise kann sie auch aus dem Kapillarblut nach Entnahme aus dem zuvor gut durchbluteten Ohrläppchen durchgeführt werden.
Komplikationen
Des Weiteren kann es zu einem starken Abfall des Blutdrucks kommen. Die Herzfrequenz ist oft deutlich erhöht (Tachykardie), weil der Körper den Sauerstoffmangel durch eine schnellere Herzarbeit auszugleichen versucht. Verlangsamt sich der Herzschlag stattdessen (Bradykardie), ist das ein Alarmzeichen für eine drohende Erschöpfung von Atmung und Kreislauf und ein unmittelbarer Notfall. Außerdem wird häufig ein grobschlächtiges Zittern der Hände (Flapping tremor) beobachtet. Diese Komplikationen lassen sich in der Regel nur durch eine maschinelle Beatmung abwenden. Neben der invasiven Beatmung über einen Beatmungsschlauch steht dafür heute die nichtinvasive Beatmung über eine dicht sitzende Maske zur Verfügung, die bei vielen Betroffenen eine Intubation vermeiden kann. Die chronische respiratorische Insuffizienz ist nicht heilbar, da ihr unheilbare Lungenerkrankungen wie Lungenemphysem, COPD oder Lungenfibrose zugrunde liegen.
Bei der chronischen Form der Erkrankung muss deshalb häufig eine Langzeit-Sauerstofftherapie durchgeführt werden. Ansonsten kommt es zu dauerhaften Beeinträchtigungen von Hirn- und Herzfunktion, die zu Langzeitschäden oder gar zum Tod führen können. Der Verlauf einer akuten respiratorischen Insuffizienz kann je nach Ursache moderat, aber auch sehr schwer sein.
Als Ursachen für schwere akute Verlaufsformen kommen unter anderem Sepsis, schwere Herzerkrankungen, Lungenentzündung oder akute Pankreatitis infrage. Zur Verhinderung von schweren Bewusstseinsstörungen bis zum Koma, Herzrhythmusstörungen und plötzlichem Herztod muss hier eine mechanische Beatmung erfolgen. Ansonsten spielen für die Prognose die zugrunde liegenden Erkrankungen eine große Rolle.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
In der Regel sollte diese Erkrankung immer durch einen Arzt behandelt werden. Es kann im schlimmsten Fall zum Tod des Betroffenen kommen, falls die Krankheit nicht rechtzeitig behandelt wird. Je früher sie erkannt wird, desto besser lässt sich die zugrunde liegende Erkrankung behandeln. Eine akute respiratorische Insuffizienz kann dabei vollständig ausheilen; die chronische Form ist dagegen nicht heilbar, weil ihr dauerhafte Lungenerkrankungen zugrunde liegen. Ein Arzt ist dann aufzusuchen, wenn der Betroffene an starken Atembeschwerden leidet. Es kommt zu einem Husten, wobei die Patienten auch sehr müde wirken.
Der Betroffene kann durch die Beschwerden auch das Bewusstsein vollständig verlieren. Sollte sich die Haut blau färben oder der Betroffene bewusstlos werden, so ist sofort der Notruf 112 zu wählen und ein Notarzt anzufordern. Bis zum Eintreffen des Notarztes sollte erste Hilfe geleistet werden. Die Erkrankung wird in der Regel durch einen Internisten behandelt.
Behandlung & Therapie
Die respiratorische Insuffizienz lässt sich nur durch die Therapie der Grunderkrankung behandeln. Um den betroffenen Patienten die Atmung zu erleichtern, kann Sauerstoff verabreicht werden. Bei einer chronischen Globalinsuffizienz muss die Sauerstoffmenge allerdings genau dosiert werden, weil zu viel Sauerstoff hier den Atemantrieb dämpfen und den Kohlendioxidgehalt im Blut weiter ansteigen lassen kann. Eventuell müssen die Patienten dauerhaft künstlich beatmet werden.
Vorbeugung
Nicht alle Lungenerkrankungen, die eine respiratorische Insuffizienz bedingen können, lassen sich verhindern. Es gibt jedoch vermeidbare Faktoren, die die Entstehung einer Lungenerkrankung begünstigen können. Die Vermeidung dieser schädlichen Faktoren kann vor pulmonalen Erkrankungen schützen. Der Hauptrisikofaktor für Lungenerkrankungen ist das Rauchen.
Im Zigarettenrauch sind mehrere Tausend chemische Substanzen enthalten; rund 90 davon gelten als krebserzeugend oder krebsverdächtig. Diese schwächen nicht nur das Immunsystem, sie verringern auch die Selbstreinigungsfähigkeiten des Lungengewebes. Ein weiterer Risikofaktor für Lungenerkrankungen ist Radon im Innenraum. Radon ist ein radioaktives Edelgas, das natürlicherweise im Erdreich und in Gesteinen vorkommt.
Über undichte Stellen im Bodenbereich des Hauses kann Radon in die Wohnräume eindringen. Besonders gefährdet sind schlecht isolierte Altbauten und Häuser ohne Grundbodenplatte. Bei erhöhten Radonwerten im Haus sollte die Isolierung erneuert werden. Der Referenzwert für Innenräume liegt in Deutschland bei 300 Becquerel pro Kubikmeter Raumluft; die Belastung lässt sich mit einfachen Messgeräten über mehrere Monate überprüfen.
Nachsorge
Nach der erfolgreichen Therapie einer respiratorischen Insuffizienz ist es elementar wichtig, die Behandlung fortzuführen, um das erneute Ausbrechen der Erkrankung zu verhindern. Atemhilfen, die die Sauerstoffaufnahme und -versorgung gewährleisten, sollten daher auch bei Abnahme der Symptome weiter genutzt werden. Die Zufuhr von Sauerstoff sollte allerdings immer an den Sauerstoffgehalt im Blut angepasst werden. Hierzu muss dieser regelmäßig vom Arzt gemessen werden.
War eine andere Erkrankung Auslöser einer respiratorischen Insuffizienz, muss diese auch nach dem Abklingen der respiratorischen Insuffizienz weiter behandelt werden. Abhängig von der Grunderkrankung kann hierbei die lebenslange Einnahme bestimmter Medikamente notwendig sein. Die Nachbehandlung sollte spezifisch auf die Grunderkrankung abgestimmt und mit dem Arzt besprochen werden.
War ein Lungentumor die Ursache für die respiratorische Insuffizienz, sind auch nach dessen Behandlung regelmäßige Lungenfunktionstests beim zuständigen Facharzt sowie Kontrollen der Sauerstoffwerte im Blut notwendig. Außerdem sollte die Entstehung einer respiratorischen Insuffizienz insbesondere Rauchern ein Warnsignal sein.
Zur Nachbehandlung ist es unbedingt erforderlich, unter allen Umständen auf das Rauchen zu verzichten, da dies die Lungenfunktion und die Sauerstoffaufnahme im Blut, aber auch die Durchblutung nachhaltig verschlechtert. Daneben können Sport und Bewegung die Lungenfunktion und Durchblutung verbessern und sind zur Nachbehandlung, ebenso wie eine Gewichtsabnahme bei übergewichtigen Patienten, sehr zu empfehlen. Umfang und Art der Belastung sollten allerdings vorher mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden; wer auf eine Sauerstofftherapie angewiesen ist, muss diese auch während der Bewegung fortsetzen. Angeleitete Programme wie eine pneumologische Rehabilitation sind dafür der sicherste Weg.
Das können Sie selbst tun
Unabhängig von der Ursache für die respiratorische Insuffizienz sollten die Patienten den Empfehlungen des Arztes strikt folgen. Das bedeutet, dass die Medikamente nach Plan eingenommen werden. Falls sich der Zustand der Atemprobleme verschlechtert, ist der nächste Arzttermin fällig. Durch eine Grippeimpfung können sich die Betroffenen vor zusätzlichen Beschwerden schützen. Bei chronischen Lungenerkrankungen wird zusätzlich eine Impfung gegen Pneumokokken empfohlen.
Außerdem ist es sinnvoll, bestimmte Sicherheitsvorkehrungen für alltägliche Situationen im Auto und für Reisen zu treffen. So kommt es auch bei längeren Fahrten nicht zu einer Panikattacke. Raucher, die unter respiratorischer Insuffizienz leiden, sollten unbedingt mit dem Rauchen aufhören, denn Nikotin verschlimmert die Beschwerden. Wenn durch die Luftnot ständig Kopfschmerzen auftreten oder die Konzentrationsfähigkeit nachlässt, ist es sinnvoll, die eigenen Beschwerden richtig einzuschätzen und beim nächsten Arzttermin abzuklären. Häufig hängt die respiratorische Insuffizienz mit einer anderen Erkrankung zusammen. Darum kann sie nur zusammen mit der Ursache erfolgreich behandelt werden.
Durch die korrekte Einnahme der verschriebenen Arzneimittel verringern sich die Beschwerden. Bei einem akuten Anfall hilft möglicherweise eine leichte Atemübung, die aufsteigende Panik zu bekämpfen. Wenn dies nicht hilft und die Atemnot zunimmt, ist sofort der Notruf 112 zu wählen. Für länger anhaltende, chronische Atembeschwerden stehen transportable Flüssigsauerstoffsysteme zur Verfügung, welche die Patienten stets bei sich haben sollten.
Quellen
- Kroegel, C., Costabel, U., Bals, R., et al. (Hrsg.): Referenz Pneumologie.
ISBN: 9783132416789
- Marx, G., Muhl, E., Zacharowski, K., Kluge, S. (Hrsg.): Die Intensivmedizin.
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- Lorenz, J., Bals, R.: Checkliste Pneumologie.
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- Ziegenfuß, T.: Notfallmedizin.
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- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
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