Mediastinoskopie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 3. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei einer Mediastinoskopie handelt es sich um ein operatives chirurgisches Verfahren, das durch einen minimalinvasiven Eingriff zur Diagnostik angewendet wird. Ziel dieser Untersuchung ist, Erkrankungen im Brustbereich, dem Mediastinum, auszuschließen oder nachzuweisen sowie das Stadium der Erkrankung auszumachen. Es handelt sich um ein Verfahren zur Bildgebung und Entnahme von möglichen pathologischen Gewebestrukturen.
Was ist die Mediastinoskopie?
Die Mediastinoskopie ist ein operatives Verfahren zur Bildgebung und Diagnostik. Ausgehend von der Technik können aber auch anatomische Strukturen präpariert und vollständig entfernt werden, wie beispielsweise einzelne Lymphknoten.
Mittels eines Endoskops wird das Mediastinum begutachtet. Dieses ist Teil des Brustkorbs und setzt sich aus der Luftröhre (Trachea), der Speiseröhre (Ösophagus), dem Herzen und verschiedenen dort verlaufenden Nerven zusammen. Zudem liegen in dem Bereich des Mediastinums auch Lymphknoten und das Bries. Als Bries, auch bekannt unter dem Synonym Thymus, bezeichnet man ein Organ des lymphatischen Systems, das zum Immunsystem gehört. Heute wird die Mediastinoskopie als eine sogenannte Videomediastinoskopie durchgeführt.
Durch die Anwendung dieser Technik kann der zu begutachtende Bereich auf einem Monitor wiedergegeben werden, was die Sicht verbessert, da einzelne Bereiche bis zu 15-fach vergrößert dargestellt werden können. Die anatomischen Strukturen des oberen und mittleren Mediastinums können so wesentlich besser und übersichtlicher eingesehen werden. Bei der klassischen Mediastinoskopie kann nur der Operateur über das Instrument, das Mediastinoskop, den Brustbereich einsehen. Mitwirkende in der Assistenz hatten keinen Einblick in das Operationsgeschehen.
Funktion, Wirkung & Ziele
Sind die vorangegangenen Diagnostikverfahren nicht aufschlussreich oder zeigen Vergrößerungen der Lymphknoten zwischen den beiden Lungenflügeln, so wird eine Mediastinoskopie notwendig. Lange Zeit war die Mediastinoskopie dafür der übliche nächste Schritt. Heute wird zur Beurteilung der Lymphknoten im Mediastinum zunächst meist eine Ultraschalluntersuchung von der Luftröhre aus mit Feinnadelpunktion (EBUS-TBNA) eingesetzt; die Mediastinoskopie kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn deren Ergebnis unauffällig ist, der Verdacht auf einen Lymphknotenbefall aber bestehen bleibt.
Bei einer Mediastinoskopie kann der Operateur so mit einem Endoskop aufschlussreiche Bilder projizieren und Gewebeproben entnehmen. Das Verfahren findet unter einer kurzen Vollnarkose statt. Es muss ein kleiner Schnitt oberhalb des Sternums gesetzt werden. Durch den Schnitt wird das Mediastinoskop vorsichtig parallel zur Trachea (Luftröhre) bis ins Mediastinum geführt. Das Mediastinoskop ist ein spezielles dafür vorgesehenes Instrument, welches aus einem kleinen Rohr mit einer Kamera und einem Sauger besteht. Auf dem Monitor können der Operateur und die Assistenten das Operationsgeschehen verfolgen.
Der Operateur kann sich einen genauen Überblick verschaffen und eine Biopsie durchführen. Hierfür wird eine kleine Zange über das Rohr des Mediastinoskops in das Mediastinum eingeführt und kleine Gewebeproben des betroffenen Areals abgezupft. Die feinen entnommenen Gewebestrukturen werden dem Pathologen zur Untersuchung vorgelegt. Dieser kann mithilfe eines Mikroskops die entnommenen Proben testen und eine Aussage über die Tumorart und Hinweise auf die Herkunft des sogenannten Muttertumors geben.
Angewendet wird diese Art der Diagnostik bei Erkrankungen der Lunge und des Mediastinums, wie beispielsweise Sarkoidose, Lungenkrebs, Lymphome oder Befall der Lymphknoten. Des Weiteren können Arten bestimmter Infekte der Lunge, wie Tuberkulose, nachgewiesen oder ausgeschlossen werden. Grundsätzlich ist diese endoskopische Diagnostik notwendig, wenn Veränderungen an Organen im Brustbereich vorliegen oder vermutet werden. Betroffene Bereiche können die Lungenflügel, das Zwerchfell, Organe des Immunsystems, Luftröhre und die Speiseröhre sowie Lymphknoten sein.
Festzustellen sind Flüssigkeitsansammlungen in der Pleura oder im Herzbeutel, die wässrig oder eitrig sein können, Lungentumore (z.B. Bronchialkarzinom), Sarkoidose (Morbus Boeck oder Morbus Schaumann-Besnier), ein malignes Lymphom oder ein diffus wachsender Tumor (Mesotheliom). Gibt es einen Verdacht durch die Symptomatik und die vorangegangenen Untersuchungen einer solchen Erkrankung, sollte dieses Verfahren durch einen erfahrenen Facharzt durchgeführt werden.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Auch Herzrhythmusstörungen und vorübergehende Beeinträchtigungen der Stimmbänder können als Komplikationen auftreten. Verletzungen im Bereich der Trachea und der Speiseröhre müssen genäht werden, da sie sonst zu undichten Stellen führen können. In sehr seltenen Fällen kann ein Pneumothorax auftreten. Nach dem Eingriff sollte eine lückenlose Verlaufskontrolle durchgeführt werden.
Auftretende Nebenwirkungen wie Fieber, Blutungen aus der Operationswunde, Schmerzen im Brustbereich oder auch Kurzatmigkeit sollten dem Facharzt umgehend mitgeteilt werden. Aber auch Schluckbeschwerden, Schwellungen im Hals und Heiserkeit bis hin zum Verlust der Stimme sind ernstzunehmende Nebenwirkungen.
Über Medikamente, die negativ auf die Blutgerinnung wirken, entscheidet vor der Operation der behandelnde Arzt; eigenmächtig abgesetzt werden dürfen sie nicht, weil auch das Absetzen mit Gefahren verbunden ist. Bei Einnahme solcher Medikamente steigt das Risiko von starken Blutungen während und nach der Mediastinoskopie. Rauchen und der Konsum von Alkohol vor und nach dem Eingriff können zu Wundheilungsstörungen führen.
Um kurz- und langfristigen Nebenwirkungen und Folgen vorzubeugen, sollten postoperativ physiotherapeutische Atemübungen durchgeführt werden. Die Prognose und der weitere Behandlungsverlauf sind von dem jeweiligen Befund, den die Mediastinoskopie erbracht hat, abhängig und werden mit dem behandelnden Arzt im Anschluss besprochen.
Geschichte des Verfahrens
Beschrieben wurde die Untersuchung 1959 von Eric Carlens in der Fachzeitschrift Diseases of the Chest unter dem Titel „Mediastinoscopy: a method for inspection and tissue biopsy in the superior mediastinum". Damit stand erstmals ein Weg zur Verfügung, den Raum zwischen den Lungen unter Sicht zu betrachten und gezielt Gewebe daraus zu entnehmen, ohne den Brustkorb eröffnen zu müssen.Über Jahrzehnte blieb das Verfahren technisch nahezu unverändert: Der Operateur blickte durch das Rohr des Mediastinoskops und war dabei allein auf sein eigenes Auge angewiesen. Mit der Einführung der Videotechnik änderte sich das. Das Bild wird seither über eine Kamera auf einen Monitor übertragen, das Team kann mitverfolgen, was geschieht, und die Untersuchung lässt sich aufzeichnen und für die Ausbildung nutzen.
Auf dieser Grundlage entstanden erweiterte Formen, bei denen nicht nur einzelne Proben entnommen, sondern die Lymphknoten einer Region vollständig ausgeräumt werden. Solche Eingriffe sind aufwendiger und bleiben ausgewählten Fragestellungen und entsprechend erfahrenen Abteilungen vorbehalten.
Welche Bereiche erreichbar sind
Der Zugang über das Jugulum bestimmt, welche Lymphknoten der Untersucher erreichen kann. Das Mediastinoskop wird vor der Luftröhre nach unten geführt; zugänglich sind daher vor allem die Lymphknoten, die seitlich der Luftröhre liegen, sowie jene unterhalb der Aufzweigung der Luftröhre in die beiden Hauptbronchien.
Nicht erreichbar sind über diesen Weg die Lymphknoten neben dem Aortenbogen und in dem Raum zwischen Aortenbogen und Lungenschlagader. Besteht dort der Verdacht auf einen Befall, wird ein anderer Zugang gewählt: ein kleiner Schnitt neben dem Brustbein oder eine Spiegelung des Brustraums von der Seite. Ebenso wenig erreicht die Untersuchung die Lymphknoten im unteren Bereich des Mittelfellraums, entlang der Speiseröhre und am Zwerchfell, sowie die Lymphknoten unmittelbar an den Lungenwurzeln.
Diese Beschränkung ist für die Beurteilung des Ergebnisses wesentlich: Die Mediastinoskopie sagt etwas über die Regionen aus, aus denen tatsächlich Gewebe entnommen wurde, und nicht über den gesamten Brustraum.
Vorbereitung und Ablauf im Krankenhaus
Der Untersuchung geht ein Aufklärungsgespräch voraus, in dem Ablauf, Nutzen, Alternativen und Risiken besprochen werden. Hinzu kommen die üblichen Voruntersuchungen vor einer Narkose: Erhebung der Krankengeschichte, körperliche Untersuchung, Laborwerte einschließlich der Gerinnung und das Gespräch mit dem Narkosearzt. Ob und wie gerinnungshemmende Medikamente pausiert werden, entscheidet der behandelnde Arzt; eigenmächtiges Absetzen ist nicht angezeigt. Vor dem Eingriff muss der Patient nüchtern bleiben.
Die Untersuchung findet in Vollnarkose statt. Der Patient liegt auf dem Rücken, der Kopf wird über eine Rolle unter den Schultern nach hinten geneigt, damit die Luftröhre möglichst weit aus dem Brustkorb heraustritt und der Zugang kurz wird. Über einen kleinen Querschnitt oberhalb des Brustbeins tastet und präpariert sich der Operateur zunächst mit dem Finger und stumpfen Instrumenten bis auf die Vorderfläche der Luftröhre vor. Erst danach wird das Mediastinoskop eingeführt und entlang der Luftröhre nach unten geschoben.
Vor der Entnahme einer Probe wird die verdächtige Struktur dargestellt und, wenn nötig, mit einer Nadel geprüft, ob es sich um ein Blutgefäß handelt. Anschließend werden mit der Zange kleine Gewebestücke gewonnen. Die Blutstillung erfolgt unter Sicht. Zum Abschluss wird das Instrument entfernt und die Haut verschlossen; die Narbe liegt in einer Hautfalte am unteren Hals und fällt später kaum auf.
Der Eingriff dauert in der Regel weniger als eine Stunde. Nach der Narkose wird der Patient überwacht; eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs dient dazu, eine Luftansammlung zwischen Lunge und Brustwand auszuschließen. Der stationäre Aufenthalt ist meist kurz. Bis der Pathologe den endgültigen Befund erhoben hat, vergehen einige Tage, weil das Gewebe aufbereitet und gefärbt werden muss.
Welche Strukturen in der Nähe liegen
Die Risiken des Eingriffs ergeben sich unmittelbar aus der Nachbarschaft. Vor und seitlich der Luftröhre verlaufen große Gefäße: die obere Hohlvene, die Venen, die das Blut aus Kopf und Armen sammeln, der aus dem Aortenbogen abgehende Arterienstamm zum rechten Arm und Kopf sowie die Lungenschlagader. Eine Verletzung dieser Gefäße ist die gefürchtetste Komplikation und kann eine sofortige Eröffnung des Brustkorbs erforderlich machen.
Auf der linken Seite zieht der Nerv, der den Kehlkopf versorgt, unter dem Aortenbogen hindurch wieder nach oben und verläuft dabei in der Rinne zwischen Luft- und Speiseröhre. Wird er gereizt oder verletzt, ist die Folge Heiserkeit bis hin zur Stimmbandlähmung. Das erklärt, warum Veränderungen der Stimme nach dem Eingriff ernst zu nehmen sind. Unmittelbar hinter der Luftröhre liegt die Speiseröhre, seitlich grenzt das Brustfell an – eine Verletzung dort führt zum Pneumothorax. Verletzt der Eingriff den Hauptlymphgang, kann sich Lymphflüssigkeit im Brustraum ansammeln (Chylothorax).
Wann das Verfahren nicht in Frage kommt
Gegen eine Mediastinoskopie können mehrere Umstände sprechen. Dazu zählt eine ausgeprägte obere Einflussstauung, bei der der Abfluss des Blutes aus Kopf und Armen behindert ist: Der Druck in den Venen des Operationsgebiets ist dann erhöht, und es haben sich Umgehungskreisläufe gebildet, was die Blutungsgefahr steigert.
Auch eine bereits durchgeführte Mediastinoskopie oder eine vorausgegangene Bestrahlung des Mittelfellraums erschwert den Eingriff, weil das Gewebe vernarbt ist und sich nicht mehr stumpf auseinanderschieben lässt. Weitere Gründe sind eine nicht ausreichend behandelbare Gerinnungsstörung, eine Halswirbelsäule, die sich nicht überstrecken lässt, und eine stark verlagerte Luftröhre. Ob der Eingriff trotz solcher Umstände vertretbar ist, wird im Einzelfall abgewogen; teilweise steht mit anderen Zugängen ein Ausweg zur Verfügung.
Was der Befund bedeutet
Findet der Pathologe in dem entnommenen Gewebe Tumorzellen, ist der Befall der betreffenden Lymphknoten gesichert. Das hat unmittelbare Folgen für die Behandlung: Beim Lungenkrebs hängt vom Ausmaß des Lymphknotenbefalls ab, ob zunächst operiert wird oder ob eine andere Behandlung im Vordergrund steht.
Schwieriger ist ein unauffälliger Befund zu deuten. Er bedeutet, dass in den entnommenen Proben keine Tumorzellen gefunden wurden. Weil nur ein Teil der Lymphknoten erreichbar ist und aus jedem Knoten nur Gewebestücke gewonnen werden, lässt sich ein Befall damit nicht mit letzter Sicherheit ausschließen. Der Befund wird deshalb immer zusammen mit der Bildgebung und dem übrigen Verlauf bewertet.
Für die Unterscheidung von Sarkoidose, Tuberkulose und bösartigen Erkrankungen des lymphatischen Systems ist der Vorteil der Mediastinoskopie, dass sie größere Gewebestücke liefert als eine Punktion mit der Nadel. Gerade bei Lymphomen kommt es darauf an, nicht nur einzelne Zellen, sondern den Aufbau des Gewebes beurteilen zu können.
Abgrenzung zu anderen Untersuchungen
Die Mediastinoskopie steht heute in einer Reihe von Verfahren, die einander ergänzen. Bei der Bronchoskopie wird ein biegsames Instrument über Mund oder Nase in die Atemwege eingeführt; mit einem Ultraschallkopf an der Spitze lassen sich die Lymphknoten von innen darstellen und durch die Wand der Luftröhre hindurch mit einer Nadel punktieren. Diese Endosonographie kommt ohne Hautschnitt und ohne Vollnarkose aus. Ein entsprechendes Verfahren gibt es von der Speiseröhre aus; darüber sind Bereiche zugänglich, die von der Luftröhre aus nicht erreicht werden.
Bildgebende Untersuchungen wie die Computertomografie und die Positronen-Emissions-Tomografie zeigen, welche Lymphknoten vergrößert oder auffällig sind, können aber nicht zwischen entzündlicher Vergrößerung und Tumorbefall unterscheiden. Diese Entscheidung fällt erst am Gewebe. Die Spiegelung des Brustraums von der Seite erreicht wiederum Bereiche, die dem Zugang vom Hals aus verschlossen bleiben, ist dafür aber der größere Eingriff. Welches Verfahren im Einzelfall gewählt wird, hängt davon ab, wo die fragliche Veränderung liegt, wie viel Gewebe für die Beurteilung nötig ist und wie belastbar der Patient ist; besprochen wird die Reihenfolge in der Regel in einer gemeinsamen Konferenz der beteiligten Fachrichtungen.
Quellen
- Hoffmann, H., Ludwig, C., Passlick, B. (Hrsg.): Thoraxchirurgie.
ISBN: 9783662591628
- Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
ISBN: 9783132431874
- Siewert, J. R., Allgöwer, M., Brauer, R. B., et al.: Chirurgie.
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- Reiser, M., Kuhn, F.-P., Debus, J.: Duale Reihe Radiologie.
ISBN: 9783132444621
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
