Hypoxämie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 19. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Hypoxämie ist eine Bezeichnung für einen erniedrigten Sauerstoffgehalt im Blut. Verschiedene Lungenerkrankungen können eine Hypoxämie zur Folge haben.
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Was ist eine Hypoxämie?
Bei einer Hypoxämie ist der Sauerstoffgehalt im arteriellen Blut erniedrigt. Häufig wird der Begriff Hypoxämie synonym zum Begriff Hypoxie genutzt. Eine Hypoxie bezeichnet aber eigentlich die Mangelversorgung von Organen und Gewebe mit Sauerstoff. Beide Begriffe bezeichnen also nicht dasselbe: Die Hypoxämie ist ein Messwert des Blutes, die Hypoxie ein Zustand des Gewebes. Eine Hypoxie kann deshalb auch bei normaler Sauerstoffsättigung des Blutes bestehen – etwa bei einer Blutarmut, bei Kreislaufversagen oder wenn eine Vergiftung mit Zyanid oder Kohlenmonoxid die Verwertung des Sauerstoffs in den Zellen blockiert. Normalerweise ist das arterielle Blut sauerstoffreich. Der Normwert ist abhängig von Geschlecht und Alter. Die Hypoxämie ist dabei keine eigenständige Krankheit, sondern ein Messbefund, der auf eine Grunderkrankung hinweist; behandelt wird deren Ursache, und von ihr hängt auch die Prognose ab.
Bei Frauen liegt der physiologische Sauerstoffgehalt im arteriellen Blut bei 18,6 Vol.-Prozent, bei Männern sollte er 20,4 Vol.-Prozent nicht unterschreiten. Der Sauerstoffgehalt im Blut wird mithilfe von verschiedenen Hilfsparametern berechnet. So wird einerseits die Sauerstoffsättigung des Hämoglobins im arteriellen Blut (SaO2) und andererseits die Hämoglobinkonzentration im arteriellen Blut benötigt.
Die Hämoglobinkonzentration wird in Gramm pro Deziliter angegeben. Auch der Sauerstoffpartialdruck spielt eine Rolle bei der Berechnung des Sauerstoffgehalts im arteriellen Blut. Ein Sauerstoffgehalt unter 12 Vol.-Prozent liegt im kritischen Bereich. Durch die Hypoxämie färbt sich die Haut grau oder bläulich. Atemnot, Muskelschwäche und Bewusstseinstrübungen sind mögliche Symptome. Die Blaufärbung ist allerdings kein verlässliches Zeichen: Bei einer Blutarmut bleibt sie trotz schweren Sauerstoffmangels aus, und bei einer Kohlenmonoxidvergiftung ist die Haut sogar auffallend rosig, obwohl das Gewebe erstickt.
Ursachen
Auch Blutarmut führt zu einer Hypoxämie. Sauerstoff wird mithilfe des Hämoglobins transportiert. Bei einem Mangel an Hämoglobin kann nicht mehr so viel Sauerstoff gebunden werden. Blutarmut, eine sogenannte Anämie, kann verschiedene Ursachen haben. Dazu gehören Eisenmangel, chronische Blutungen, Tumorleiden oder Vitamin-B12-Mangel.
Häufiger wird die Hypoxämie allerdings durch Lungenerkrankungen verursacht. Eine gestörte Gasdiffusion innerhalb der Lunge führt zu einer verminderten Aufnahme von Sauerstoff. Die Gasdiffusion kann beispielsweise durch ein Lungenödem gestört sein. Ein Lungenödem ist eine Flüssigkeitsansammlung innerhalb der Lunge.
Das Ödem kann durch Herzinsuffizienzen, Herzrhythmusstörungen, Herzklappenfehler, Medikamente, toxische Stoffe und durch Viren, Bakterien oder Pilze verursacht werden. Eine weitere Ursache für eine Hypoxämie ist Krebs. Insbesondere das kleinzellige und das nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom schränken die Funktion der Lunge ein. Raucher sind von diesen Erkrankungen am häufigsten betroffen.
Dasselbe gilt auch für die chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD). Aus der COPD kann sich ein Lungenemphysem entwickeln. Dabei sind die kleinen Strukturen der Lunge überbläht, sodass in den betroffenen Bereichen kein Gasaustausch mehr stattfinden kann. Der Krankheitstypus „Blue Bloater“ der COPD ist gekennzeichnet durch die Hypoxämie. Diese Einteilung in „Blue Bloater“ und „Pink Puffer“ wurde lange verwendet. Heute wird die COPD stattdessen nach der GOLD-Klassifikation anhand von Lungenfunktion, Beschwerden und Häufigkeit akuter Verschlechterungen eingeteilt.
Eine Hypoxämie kann ebenfalls durch ein Missverhältnis zwischen Lungendurchblutung und Lungenventilation entstehen. Ein Beispiel dafür ist die Lungenembolie. Hier setzt sich ein Thrombus in den Gefäßen der Lunge fest. Auch ein Herzshunt kann eine Hypoxämie zur Folge haben. Ein Shunt ist eine Verbindung zwischen den normalerweise getrennten Anteilen des Körper- und des Lungenkreislaufs. Über den Shunt gelangt sauerstoffarmes venöses Blut in die arteriellen Gefäße.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Die Symptome einer Hypoxämie sind häufig eher uncharakteristisch und erscheinen auf den ersten Blick harmlos. Die Betroffenen sind ständig müde und matt. Sie klagen über Abgeschlagenheit und Konzentrationsschwäche. In fortgeschritteneren Stadien entwickelt sich bei Anstrengung eine Atemnot (Dyspnoe). Um den Sauerstoffmangel im Blut auszugleichen, schlägt das Herz schneller. Ein erhöhter Puls und Herzklopfen sind die Folge.
In seltenen Fällen können auch Herzrhythmusstörungen entstehen. In schweren Fällen beeinträchtigt die Hypoxämie die Funktion des Gehirns. Die Patienten leiden unter Schwindel oder Ohnmacht. Bewusstseinstrübungen bis hin zum Koma sind möglich. Der Sauerstoffmangel macht sich im Herzen durch Angina pectoris-Schmerzen und ein Enge-Gefühl in der Herzgegend bemerkbar.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Erste Hinweise auf eine Hypoxämie liefern das klinische Bild und die Anamnese. Langjähriger Tabakkonsum, Husten mit oder ohne Auswurf, Atembeschwerden bei Belastung und eine bläuliche Verfärbung von Fingern oder Lippen können als Hinweis auf eine Hypoxämie gewertet werden.
Als schnelle und schmerzfreie Voruntersuchung dient die Pulsoxymetrie, bei der ein Clip am Finger oder Ohrläppchen die Sauerstoffsättigung misst. Bei einer Kohlenmonoxidvergiftung zeigt sie allerdings fälschlich normale Werte an, sodass dann zusätzlich das Kohlenmonoxid-Hämoglobin im Blut bestimmt werden muss. Bei Verdacht auf eine Hypoxämie werden der Kohlendioxid- und der Sauerstoffgehalt im Blut in einer Blutgasanalyse gemessen. Für die Blutgasanalyse ist arterielles Vollblut oder Kapillarblut aus der Fingerbeere erforderlich. Die Auswertung erfolgt maschinell und dauert nur wenige Minuten. Die Blutgasanalyse kann deshalb in der Regel als Sofortdiagnostik betrieben werden.
Bestätigt sich die Verdachtsdiagnose Hypoxämie, muss nach der Ursache geforscht werden. Weitere Blutuntersuchungen sowie Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren können zur Ursache führen. Röntgen, Magnetresonanztomografie oder Computertomografie sind denkbare Untersuchungsmöglichkeiten.
Komplikationen
Bei Erkrankungen der Atemwege tritt ebenso eine starke Atemnot auf, die in vielen Fällen zu einer Panikattacke führt. Der Betroffene kann dabei das Bewusstsein verlieren und sich gegebenenfalls bei einem Sturz verletzen. Es treten Schwindelgefühle und eine Übelkeit auf, der Patient ist ebenfalls nicht mehr in der Lage, sich zu konzentrieren. Die Lebensqualität wird durch die Hypoxämie stark eingeschränkt und verringert. Dabei sind viele Tätigkeiten aus dem gewöhnlichen Alltag ebenso nicht mehr möglich.
Die Hypoxämie wird immer ursächlich behandelt, wobei es nicht in jedem Fall zu einem positiven Krankheitsverlauf kommt. Komplikationen können dann auftreten, wenn es sich um ein Karzinom oder um eine Herzinsuffizienz handelt. In diesen Fällen kommt es nicht selten zum Tode des Patienten.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Eine Hypoxämie äußert sich in aller Regel durch eher uncharakteristische Symptome. Ein Arzt sollte dann aufgesucht werden, wenn Symptome wie eine ungewöhnlich starke Müdigkeit und Abgeschlagenheit bemerkt werden, möglicherweise verbunden mit einem erhöhten Puls und Herzklopfen. Wenn der Verdacht auf Herzrhythmusstörungen besteht, wird am besten umgehend ein Arzt hinzugezogen. Auch Schwindel und ein Engegefühl in der Herzgegend sind deutliche Warnzeichen, die einer Untersuchung durch den Arzt bedürfen.
Sollten sich weitere Symptome einstellen, muss noch am selben Tag der Arzt aufgesucht werden. Menschen, die an einer Essstörung oder einer Lungenerkrankung leiden, sind besonders anfällig für die Entstehung einer Hypoxämie. Die erwähnten Symptome sollten in diesen Fällen unbedingt abgeklärt werden. Kinder werden am besten umgehend zum zuständigen Kinderarzt gebracht. Auch Fachärzte für Lungenerkrankungen sowie Ernährungsmediziner können hinzugezogen werden. Bei plötzlicher schwerer Atemnot, blau verfärbten Lippen, Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit muss sofort der Rettungsdienst über die Notrufnummer 112 alarmiert werden. Eine diagnostizierte Hypoxämie muss in jedem Fall engmaschig von einem Arzt überwacht und behandelt werden.
Behandlung & Therapie
Die Therapie der Hypoxämie erfolgt in Abhängigkeit von der Ursache. Liegt der Hypoxämie ein Lungenödem zugrunde, muss auch hier die ursächliche Erkrankung therapiert werden. Eine Herzinsuffizienz wird beispielsweise mit herzstärkenden Medikamenten therapiert. Lange Zeit standen dabei Digitalispräparate im Vordergrund; heute beruht die Behandlung der Herzschwäche vor allem auf ACE-Hemmern beziehungsweise Sartanen, Betablockern, Aldosteronantagonisten und SGLT2-Hemmern. Herzklappenfehler werden chirurgisch behandelt; bei älteren Patienten wird die Klappe zunehmend über einen Katheter ersetzt, statt am offenen Herzen zu operieren. Ist Krebs die Ursache für die Sauerstoffunterversorgung, erfolgt in der Regel eine Chemotherapie. Beim Bronchialkarzinom kommen heute je nach Gewebetyp und molekularem Befund zusätzlich zielgerichtete Medikamente und Immuntherapien zum Einsatz.
Auch Operation oder Strahlentherapie kommen zur Behandlung des Bronchialkarzinoms infrage. Bei einer schweren Lungenembolie mit instabilem Kreislauf wird eine sogenannte Lysetherapie durchgeführt. Dabei soll der Thrombus, der die Lungengefäße verlegt, medikamentös aufgelöst werden. In allen übrigen Fällen genügt heute eine gerinnungshemmende Behandlung, meist mit direkten oralen Antikoagulanzien. In schweren Fällen sind eine zusätzliche Sauerstoffgabe und eine Reperfusionstherapie erforderlich. Auch ein chirurgischer Eingriff kann indiziert sein.
Vorbeugung
Rauchen ist der Hauptrisikofaktor für Lungenerkrankungen wie COPD oder Lungenkrebs. Zigaretten und andere Tabakprodukte sollten deshalb streng gemieden werden. Eine Hypoxämie kann sich aber natürlich auch bei Nichtrauchern entwickeln, sodass eine sichere Prävention nicht möglich ist.
Nachsorge
Hypoxämie lässt sich im Anschluss an die medizinische Therapie durch eine engmaschige ärztliche Überwachung kontrollieren. Abhängig von dem Verursacher für die Erkrankung kommen dabei eventuell herzstärkende Medikamente zum Einsatz. Neben der medikamentösen Begleitung im Verlauf der Nachbehandlung können die Patienten selbst aktiv an ihrer gesundheitlichen Besserung teilnehmen.
Der Verzicht auf Nikotin wirkt sich grundsätzlich positiv auf die Entwicklung aus. Allerdings können auch Nichtraucher unter der Erkrankung leiden. In der Nachsorgephase ist es wichtig, dass die betroffenen Personen ausreichend Ruhepausen einlegen. Mit ausreichenden Schlafzeiten in der Nacht fühlen sich die Patienten allmählich besser. Ebenfalls hilfreich ist eine gesunde, vollwertige Ernährungsweise.
In Kombination mit leichten, sportlichen Tätigkeiten steigert sich die Kondition und das Immunsystem wird stärker. Auch ein Absenken des Stresspegels kann die Lebensqualität positiv beeinflussen. Durch gezielte Atemübungen trainieren die Betroffenen ihre Muskulatur, sodass der Körper anschließend mehr Sauerstoff aufnimmt.
Wie wirkungsvoll diese Ansätze sind, hängt von der Ursache der Erkrankung ab und von der Disziplin der Patienten. Eventuell lässt sich die Nachsorge durch homöopathische Hilfe begleiten. Ein Lungenödem gehört allerdings immer in ärztliche Behandlung; bei plötzlicher Atemnot ist sofort der Rettungsdienst über die 112 zu alarmieren. Für eine Selbstbehandlung eignen sich solche Fälle nicht.
Das können Sie selbst tun
Man kann die angeratenen Therapien durch entsprechende Ruhepausen am Tag und ausreichenden Schlaf in der Nacht begleiten. Eine vollwertige Ernährung, ein paar wenig belastende, ausdauernde sportliche Aktivitäten und eine Reduzierung von Stress können die Lebensqualität steigern.
Generell kann die Atemmuskulatur gestärkt und aufgebaut werden. Dazu sind gymnastische Atemübungen anzuraten. Das richtige Atmen kann erlernt werden und ermöglicht eine bessere Sauerstoffaufnahme durch das Blut. Das Rauchen allerdings sollte möglichst reduziert, am besten jedoch ganz eingestellt werden.
Erleichterungen im Umgang mit der Erkrankung sind abhängig von der Ursache. Bei einem Lungenödem oder einem schweren Pleuraerguss ist von einer Selbstbehandlung – auch durch einen Homöopathen – abzusehen; bei plötzlicher Atemnot ist umgehend der Rettungsdienst unter der 112 zu rufen. Ist die Ursache eine Herzinsuffizienz und der Erkrankte leidet unter Atemnot, kann es ratsam sein, für jede Aufgabe genügend Zeit einzuplanen. Ruhepausen sind erforderlich und wichtig. Wird der Sauerstoffmangel durch eine Veränderung an der Wirbelsäule hervorgerufen, stehen Atemtherapie und Krankengymnastik im Vordergrund; eine ausgeprägte Verkrümmung wird zusätzlich orthopädisch behandelt. Bei einem Sauerstoffmangel, der einen Tinnitus begleitet, wird traditionell versucht, die Durchblutung anzuregen. Ginkgo ist hierbei die am häufigsten eingesetzte Pflanze. Damit sollen die Ohrgeräusche vermindert und eine höhere Lebensqualität erzielt werden. Ein Nutzen ist nach heutigem Kenntnisstand allerdings nicht belegt; die aktuellen Leitlinien empfehlen durchblutungsfördernde Mittel beim Tinnitus nicht mehr.
Quellen
- Bösch, D.: Pneumologie.
ISBN: 9783662714430
- Kroegel, C., Costabel, U., Bals, R., et al. (Hrsg.): Referenz Pneumologie.
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- Lorenz, J., Bals, R.: Checkliste Pneumologie.
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- Larsen, R., Mathes, A.: Beatmung.
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- Marx, G., Muhl, E., Zacharowski, K., Kluge, S. (Hrsg.): Die Intensivmedizin.
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