Hirnatrophie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 19. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Hirnatrophie bezeichnet den fortgehenden Schwund von Gehirnmasse und neuronalen Verbindungen im Gehirn. Ursachen können eine Reihe von Erkrankungen sein. Betroffene leiden an Einschränkungen ihrer mentalen und/oder motorischen Fähigkeiten.
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Was ist eine Hirnatrophie?
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Hirnatrophie oder Gehirnschwund ist eine häufige Nebenerscheinung von mehreren neuronalen Erkrankungen. Es kann sowohl das gesamte Gehirn als auch einzelne Teile vom Rückgang der Zellen betroffen sein. Welche Auswirkungen die Störung hat, ist stark davon abhängig, welche Teile des Gehirns betroffen sind. Eine Hirnatrophie ist damit kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Befund, der auf eine zugrunde liegende Erkrankung hinweist. Ein gewisser Rückgang des Hirnvolumens gehört zudem zum normalen Altern und hat für sich genommen keinen Krankheitswert; entscheidend ist, ob der Schwund über das altersübliche Maß hinausgeht und mit Beschwerden einhergeht.
Häufige Symptome sind Demenz, Krämpfe, Verlust von motorischen Fähigkeiten, Schwierigkeiten beim Sprechen, Lesen oder allgemeinen Verstehen. Die Demenz zeichnet sich durch Gedächtnisverlust und die Unfähigkeit aus, alltägliche Aufgaben zu erledigen. Die Intensität kann variieren und im Laufe der Krankheit zunehmen.
Ursachen
Auch eine Vielzahl von genetischen Erkrankungen, Entwicklungsstörungen und chronisch fortschreitenden Nervenerkrankungen kann eine Hirnatrophie hervorrufen. Dazu zählen Alzheimer, Zerebralparese (Gruppe von neuronalen Erkrankungen, die Bewegung, Balance und Haltung beeinflussen), Demenz, Chorea Huntington (genetisch bedingte degenerative Hirnkrankheit), Leukodystrophie (genetisch bedingte Stoffwechselkrankheit), Multiple Sklerose, Picksche Krankheit (neurodegenerative Erkrankung, heute meist als frontotemporale Demenz bezeichnet).
Eine wichtige und häufige Ursache ist außerdem der langjährige Missbrauch von Alkohol: Er schädigt Nervenzellen unmittelbar und führt zusätzlich zu einem Mangel an Vitamin B1, der das Hirngewebe weiter angreift.
AIDS, Hirnhautentzündung und Syphilis können ebenfalls zu Hirnatrophie führen. Zu den Risikofaktoren zählen Gehirnverletzungen, hohes Alter, familiäre Krankheitsgeschichte von neuronalen oder Autoimmunkrankheiten und Kopfverletzungen.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Eine Hirnatrophie kann abhängig von ihrer Ursache verschiedene Symptome und Beschwerden hervorrufen. Im Allgemeinen kommt es bei einer Atrophie zu Krampfanfällen, Halluzinationen und Bewusstseinsstörungen. Begleitend dazu können Sprachstörungen, sogenannte Aphasien, auftreten. Diese Aphasien nehmen im Verlauf der Erkrankung an Intensität zu und äußern sich zum Beispiel durch das Verschlucken von Wörtern oder eine stark verwaschene Aussprache.
Die sensorische Aphasie macht sich dadurch bemerkbar, dass der Betroffene gesprochene Sprache nicht mehr versteht, obwohl er selbst flüssig, aber oft unverständlich spricht. Bei einem Teil der Patienten treten zudem epileptische Anfälle auf. Die betroffene Person erleidet dann immer wieder starke Krämpfe, verliert das Bewusstsein oder führt ungewöhnliche Bewegungen aus.
Typisch ist auch eine anhaltende Desorientierung. Eine mögliche Langzeitfolge einer Hirnatrophie ist Demenz. Patienten verlieren im Lauf der Zeit die Fähigkeit, zu lernen und zu verstehen, und komplexe Handlungen wie Organisieren und Planen sind nicht mehr möglich. Mit dem Fortschreiten der Hirnatrophie nimmt die kognitive Leistungsfähigkeit weiter ab.
Daraus resultieren häufig psychische Beschwerden wie Stimmungsschwankungen oder Depressionen. Auch Wahngedanken und bleibende Veränderungen der Persönlichkeit gehören zum Krankheitsbild einer Hirnatrophie. In schweren Fällen verläuft die Erkrankung tödlich.
Diagnose & Verlauf
Betroffene fallen nicht selten durch einen Wechsel in ihrem Verhalten oder der Persönlichkeit auf, sind desorientiert und haben Schwierigkeiten, Gedanken zu fassen. Schwindel oder verschwommene Sicht können ebenfalls erste Symptome sein.
Spätestens beim partiellen Verlust des Bewusstseins oder der Gefährdung des eigenen und anderer Wohlseins sollte interveniert werden. Beim Erscheinen der aufgeführten Symptome, besonders in Verbindung mit den erwähnten Erkrankungen, gibt es eine Reihe von Diagnoseverfahren, mit denen eine Hirnatrophie festgestellt werden kann.
Dazu zählen die Computertomographie, bei der aus verschiedenen Winkeln eine Vielzahl detaillierter Röntgen-Schnittbilder des Gehirns angefertigt wird; die Magnetresonanztomographie, auch Kernspintomographie genannt, hier werden Schnittbilder des Gewebes zur Analyse hergestellt; die ähnlich verfahrende Positronen-Emissions-Tomographie oder Einzelphotonen-Emissionscomputertomographie.
Als genauestes Verfahren zur Beurteilung einer Hirnatrophie gilt heute die Magnetresonanztomographie, da sie das Hirngewebe deutlich feiner abbildet als die Computertomographie und auch geringe Volumenverluste sichtbar macht.
Komplikationen
Es kommt dabei zu Lähmungen verschiedener Körperregionen und zu Ausfallerscheinungen. Weiterhin treten auch Sprachstörungen oder Gedächtnisstörungen auf und ein klares Denken und Handeln ist für den Patienten in den meisten Fällen nicht mehr möglich. Die Anzahl der Gehirnzellen sinkt drastisch ab, wodurch sich eine Verringerung der geistigen Leistungsfähigkeit und damit ein fortschreitender geistiger Abbau einstellt. Nicht selten kommt es zu psychischen Beschwerden und zu Persönlichkeitsstörungen.
Die meisten Patienten leiden darüber hinaus an Stimmungsschwankungen. Die Hirnatrophie führt auch zu Schwindel und zu einem verschwommenen Sehen, wobei eine Sehhilfe keine Besserung bringt. Eine ursächliche Behandlung der Hirnatrophie ist nicht möglich. Ihr Verlauf kann zwar eingeschränkt werden, allerdings ist es nicht möglich, die Beschwerden rückgängig zu machen. In den meisten Fällen ist der Patient dann auf die Hilfe anderer Menschen im Alltag angewiesen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Menschen, die unter Krampfanfällen leiden, sollten zur Abklärung der Ursache einen Arzt konsultieren. Kommt es zu Halluzinationen, Verwirrtheit oder falschen Sinneswahrnehmungen, ist ein Arzt aufzusuchen. Eine ärztliche Untersuchung ist notwendig, sobald sich Verhaltensauffälligkeiten und Änderungen der Persönlichkeit zeigen. Zeigt der Betroffene eine depressive Stimmung oder ist er aggressiv, sollten die Beobachtungen mit einem Arzt besprochen werden. Bei starker Euphorie oder einem grundlos weinerlichen Stimmungsbild besteht Anlass zur Besorgnis.
Ein Arztbesuch ist notwendig, um die Ursache zu ermitteln. Auffälligkeiten der Gedächtnistätigkeit, Erinnerungslücken, Merkfähigkeitsstörungen oder offensichtlich falsche Erinnerungen sollten näher untersucht werden. Bei Orientierungsstörungen oder einer Unfähigkeit der Alltagsbewältigung benötigt der Betroffene ärztliche Hilfe. Ist die Leistungsfähigkeit reduziert oder können die erlernten sozialen Kompetenzen nicht angewendet werden, sollte ein Arztbesuch erfolgen.
Bei einem Verlust der Sprachfähigkeit, einem apathischen Verhalten oder einem Gefühl der Befremdheit ist ein Arzt um Rat zu bitten. Da die Hirnatrophie sich in schweren Fällen zu einem tödlichen Verlauf entwickeln kann, ist ein Arztbesuch frühestmöglich bei einem ungewöhnlichen Verhalten des Betroffenen einzuleiten. Ein nicht nachvollziehbares Rückzugsverhalten oder ein plötzliches überschwängliches Verhalten weisen auf eine Erkrankung hin, die ohne eine Behandlung weiter fortschreitet. Bei unerklärlichen motorischen Problemen, Gangunsicherheiten oder Krampfanfällen ist ein Arzt aufzusuchen.
Behandlung & Therapie
Eine Heilung für Hirnatrophie gibt es bisher nicht. Der Verlust von Hirnzellen ist unwiederbringlich. Behandelt werden können lediglich die zahlreichen Symptome der Krankheit. Die häufig auftretende Demenz kann mit Medikamenten behandelt werden, welche in den Stoffwechsel der Botenstoffe im Gehirn eingreifen und die Folgen abmildern.
Neue Studien zeigten erste Erfolge bei der hochdosierten klinischen Verabreichung von Vitamin-B-Komplexen. Diese Ergebnisse stammen aus den Jahren um 2010 und ließen sich in späteren Untersuchungen nicht bestätigen; eine allgemeine Empfehlung für hoch dosierte B-Vitamine gibt es nach heutigem Kenntnisstand nicht. Physiotherapie verbessert die körperlichen Möglichkeiten tägliche Aufgaben zu bewältigen. Psychologische Beratung kann zusätzlich erwogen werden.
Grundsätzliche Therapie, um den Fortgang der Hirnatrophie zu stoppen, ist die Wahrung eines gesunden Lebensstils. Dazu zählt eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit reichhaltigem Gemüse und Obst, regelmäßigem körperlichen Training und mentalen Aktivitäten wie Lesen, Schach oder Gedächtnissport. Richtige Ernährung hat hier einen hohen Stellenwert. Erhebungen haben gezeigt, dass Menschen, die mindestens ein Mal in der Woche Fisch essen, eine um 60 Prozent reduzierte Gefahr haben, an Alzheimer zu erkranken. Im Fisch enthalten sind die prophylaktisch wirkenden Omega 3 Fettsäuren. Solche Beobachtungsstudien belegen allerdings nur einen Zusammenhang und keine Ursache-Wirkung-Beziehung; in Untersuchungen mit Fischöl-Kapseln ließ sich der Schutzeffekt bisher nicht nachweisen.
Auch Folsäure, die zum Beispiel in Spinat, vielen Kohlsorten, sowie Tomaten, Spargel, Roggenvollkorn, Hefe, Weizenkeime, Leber und Eigelb enthalten ist, ist ein Gesundheitsfaktor. Dem Lecithin, das in Mais, Soja, Samen und Hülsenfrüchten vorkommt, werden positive Auswirkungen auf die Gedächtnisleistungen nachgesagt. Alternative Therapien können Betroffene ebenso unterstützen mit ihrer Erkrankung zurechtzukommen und das körperliche und geistige Befinden zu verbessern. Hier sind Verfahren wie Akupunktur, Massage oder Yoga zu nennen.
Aussicht & Prognose
Die Prognose der Hirnatrophie ist ungünstig, da es sich bei dieser Störung um einen irreparablen Schaden des Hirngewebes handelt. Trotz zahlreicher Therapieansätze lassen sich eingetretene Funktionsstörungen nicht mehr vollständig korrigieren. Bestenfalls kann der weitere Krankheitsverlauf der vorliegenden Erkrankung positiv beeinflusst werden. Dies ist abhängig von der vorhandenen Grunderkrankung sowie dem Alter des Patienten. Zudem muss die detaillierte Aussicht des weiteren Verlaufs nach Vorliegen der Gesamtdiagnose individuell bewertet werden.
In schweren Fällen leidet der Patient unter einer Krankheit, bei der sich der Gesundheitszustand innerhalb kurzer Zeit immens verschlechtert. Zudem droht dem Patienten das frühzeitige Ableben aufgrund der Schäden sowie der Folgeschäden. Bei einer vergleichsweise weniger schwerwiegenden Grunderkrankung wie der Multiplen Sklerose kann dank der modernen medizinischen Möglichkeiten bei einer umfangreichen, frühzeitigen und guten Behandlung der Krankheitsfortschritt verlangsamt werden. Zudem bestehen verschiedene Möglichkeiten, die weiteren Symptome der Erkrankung schnell und gut zu behandeln. Das hat einen positiven Einfluss auf den allgemeinen Gesundheitszustand, da dadurch die Lebensqualität des Patienten insgesamt deutlich verbessert wird.
Bei einer Hirnatrophie versuchen die Ärzte durch die passenden Behandlungsmethoden das Leben des Betroffenen zu verlängern und gleichzeitig das Wohlbefinden nach den besten Möglichkeiten zu stabilisieren. Eine Heilung oder Genesung ist nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Stand nicht möglich.
Vorbeugung
Gegen eine genetische Disposition zu Erkrankungen, in deren Rahmen eine Hirnatrophie auftritt, gibt es keine Allheillösung. Eine gesunde Lebensführung beugt Krankheiten wie Alzheimer jedoch vor, hier überschneiden sich Behandlung und Prophylaxe. Regelmäßige Bewegung, ein aktiver Alltag und geistige Fitness sind das A und O. Hoher Blutdruck sollte frühzeitig therapiert werden, ebenso wie Übergewicht. Diese Faktoren können im Alter zum Nährboden von Hirnatrophie werden, da sie fördernde Krankheiten nach sich ziehen.
Nachsorge
Bei einer Hirnatrophie stehen dem Betroffenen meistens nur sehr wenige oder sogar gar keine Maßnahmen und direkten Möglichkeiten einer Nachsorge zur Verfügung. Daher steht im Vordergrund bei dieser Krankheit die frühzeitige Erkennung und Behandlung dieser Krankheit, damit es zu keinen weiteren Komplikationen und Beschwerden kommt und damit sich die Beschwerden nicht weiterhin verschlechtern. Eine Selbstheilung kann bei einer Hirnatrophie nicht eintreten.
Die Behandlung der Hirnatrophie erfolgt dabei meistens durch die Einnahme von Medikamenten. Hierbei ist auf jeden Fall auf eine richtige Dosierung mit einer regelmäßigen Einnahme zu achten. Dabei sind auch alle Anweisungen des Arztes zu beachten. Bei Unklarheiten oder bei Fragen ist immer zuerst ein Arzt zu konsultieren. Häufig wirkt sich auch die Pflege und die Unterstützung durch die eigene Familie oder durch Freunde positiv auf den Verlauf dieser Erkrankung aus.
Auch eine psychologische Beratung kann dabei sinnvoll sein. In vielen Fällen ist die Umstellung der Ernährung notwendig, wobei auch ein Arzt einen Ernährungsplan erstellen kann. Dabei wirkt sich im Allgemeinen eine gesunde Lebensweise mit einer gesunden Ernährung immer positiv auf den weiteren Verlauf der Krankheit aus. Eventuell ist durch die Hirnatrophie auch die Lebenserwartung des Betroffenen verringert.
Das können Sie selbst tun
Abhängig von der ursächlichen Erkrankung, kann die medizinische Therapie der Hirnatrophie durch verschiedene Selbsthilfe-Maßnahmen unterstützt werden.
Liegt den Beschwerden ein Schlaganfall zugrunde, konzentriert sich die Behandlung darauf, die neurologischen und geistigen Fähigkeiten wiederherzustellen. Unterstützt werden kann dies zum Beispiel durch Bewegungsübungen, Denkspiele und allgemein durch einen aktiven Lebensstil, der körperlich und geistig fordert. Auch infolge von Schädel-Hirn-Traumata muss der Betroffene durch Übungen und die Unterstützung von Angehörigen langsam wieder zurück ins Leben finden.
Sollte die Hirnatrophie infolge von Multipler Sklerose oder Epilepsie auftreten, müssen zunächst diese Erkrankungen behandelt werden. Die Hirnatrophie selbst kann durch die Therapie der Grunderkrankung zumindest verlangsamt werden. Eine medikamentöse Therapie ist aber in jedem Fall erforderlich. Sollte der Gehirnschwund auf Alkohol- und Drogenmissbrauch zurückzuführen sein, muss umgehend ein Entzug durchgeführt werden. Begleitend dazu sind physiotherapeutische und psychotherapeutische Maßnahmen zu ergreifen.
Bereits entstandene Schäden durch Hirnatrophie können zwar nicht vollständig behoben werden, durch entsprechende Veränderungen im Lebensstil lässt sich der Alltag für Betroffene jedoch spürbar erleichtern. Eine engmaschige Überwachung durch den Arzt ist bei einem diagnostizierten Gehirnschwund immer notwendig.
Quellen
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- Masuhr, K. F., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie.
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- Trepel, M.: Neuroanatomie.
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- Brandt, T., Diener, H.-C., Gerloff, C., et al. (Hrsg.): Therapie und Verlauf neurologischer Erkrankungen.
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