Blepharochalasis

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 16. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Hängende Oberlider, auch Schlupflider genannt, machen das Gesicht älter und lassen es müde und abgespannt aussehen. Oft liegt auch eine medizinische Indikation vor, wenn sich die Betroffenen zu einem operativen Eingriff entschließen. Von Blepharochalasis, dem Fachbegriff für eine erschlaffte, überschüssige Oberlidhaut, sind Männer und Frauen gleichermaßen betroffen. Im engeren Sinn bezeichnet die Blepharochalasis allerdings eine seltene Erkrankung, bei der wiederkehrende entzündliche Lidschwellungen ab dem Jugendalter die Lidhaut dünn und schlaff werden lassen. Die weitaus häufigeren, altersbedingt erschlafften Schlupflider heißen fachlich Dermatochalasis; beide Begriffe werden häufig miteinander verwechselt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Blepharochalasis?

Blepharochalasis
Der Patient kann sich die Schlupflider mit einer Oberlid-Straffung (Blepharoplastik) operativ beseitigen oder mit Botox unterspritzen lassen. Außerdem kann er sich einer Radiage unterziehen. Die gebräuchlichste Methode ist die Oberlid-Straffung.
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Unter Schlupflidern versteht die Medizin eine Fehlstellung des Oberlides: Sein oberer Teil ist vorgewölbt und hängt auch seitlich über den Lidrand hinaus. Die Blepharochalasis im engeren Sinn kommt als akute und wiederholt auftretende Oberlid-Schwellung vor, die nach einer gewissen Zeit von allein wieder verschwindet. Bei Patienten ab der Lebensmitte ist die Erschlaffung der Lidhaut dagegen dauerhaft. Schlupflider sind meist beidseitig und können angeboren oder durch den natürlichen Haut-Alterungsprozess entstanden sein.

Wiederkehrende Lidschwellungen, die mit einer Doppellippe und einem Kropf kombiniert sind, werden unter dem Oberbegriff Ascher-Syndrom klassifiziert. Durch die Lid-Senkung werden die Augen kleiner, auch der Gesichtsausdruck verändert sich. Der Betroffene wirkt müde, abgespannt und älter als er tatsächlich ist. Viele Patienten leiden darunter so sehr, dass sie eine operative Korrektur ihres ästhetischen Problems in Erwägung ziehen.

Das gilt insbesondere dann, wenn zu den unansehnlichen Schlupflidern noch eine Brauen-Absenkung hinzukommt. Sie wird meist ebenfalls durch eine altersbedingte Bindegewebe-Erschlaffung verursacht.

Ursachen

Durch wiederkehrende schmerzfreie Augen-Ödeme oder eine altersbedingte Bindegewebsschwäche erschlafft das Oberlid so stark, dass es herunterhängt. Die wiederkehrenden Schwellungen kennzeichnen dabei die eigentliche Blepharochalasis und beginnen meist schon im Jugendalter, während die Bindegewebsschwäche für die altersbedingte Dermatochalasis verantwortlich ist. In manchen Fällen sind auch ein Fettprolaps, ein Gewebe-Überschuss im Augen-Ringmuskel oder eine Lähmung des Fazialis Schuld am Entstehen von hängenden Oberlidern. Beim Fettprolaps schiebt sich das in der Augenhöhle befindliche Fettgewebe nach vorne und wölbt das Lid vor.

In den meisten Fällen sind Schlupflider jedoch ein rein kosmetisches Problem, das durch den Spannkraft-Verlust der Haut und die Erschlaffung des Bindegewebes bedingt ist. Besonders stark ausgeprägt sind Schlupflider, wenn zugleich auch die Augenbrauen herunterhängen. Mitunter ist sogar die Brauen-Ptosis der alleinige Verursacher des ästhetischen Problems. Das Auftreten von Schlupflidern wird außerdem von einer ungesunden Lebensweise begünstigt: Durch starkes Rauchen, hohen Alkoholkonsum, Schlafmangel und Stress altert die Haut schneller.


Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Schlupflider sind vor allem für Menschen, die Wert auf ein junges und dynamisches Äußeres legen, ein großes psychisches Problem. Sie leiden darunter, dass ihr Gesicht auf andere Menschen unattraktiv wirkt. Die Augenlider werden oft als schwer empfunden und bereiten Kopfschmerzen. In schweren Fällen kommt es sogar zur Einschränkung des Gesichtsfeldes: Die Blickrichtung nach oben und/oder zur Seite ist beeinträchtigt. Das Unfallrisiko ist größer als bei Menschen ohne Schlupflider.

Bei der Blepharochalasis im engeren Sinn stehen dagegen anfallsartige, schmerzlose Schwellungen des Oberlids im Vordergrund. Sie kehren über Jahre hinweg immer wieder und hinterlassen eine dünne, faltige und oft bläulich verfärbte Lidhaut.

Diagnose & Verlauf

Wer Schlupflider hat, die er sich operativ entfernen lassen möchte, sollte zuerst eine augenärztliche Untersuchung durchführen lassen. Der Augenarzt stellt fest, ob der Lidrand normal geformt ist und ob auch keine Schwäche der Lidheber-Muskeln (Ptosis) vorliegt. Außerdem bringt er in Erfahrung, ob der Patient eine neurologische Erkrankung (Fazialis-Lähmung) hat. Handelt es sich jedoch um ganz normale Schlupflider, erfolgt eine Messung des Gesichtsfeldes: Der Augenarzt stellt fest, ob und in welchem Ausmaß es eingeschränkt ist.

Wichtig ist außerdem die Abgrenzung zwischen der altersbedingten Dermatochalasis und der echten Blepharochalasis: Für Letztere sprechen schmerzlose Lidschwellungen, die in Schüben auftreten und schon im Jugendalter begonnen haben.

Komplikationen

Bei einer Blepharochalasis treten in der Regel keine Komplikationen auf. Es handelt sich bei diesem Symptom fast ausschließlich um ein kosmetisches Problem, welches nicht zwingend behandelt werden muss. In vielen Fällen ist der Patient allerdings mit seinem Aussehen nicht zufrieden. Dies kann zu Depressionen und einem verminderten Selbstwertgefühl führen, das vor allem bei jüngeren Menschen auftritt.

Durch die Depressionen kommt es oft zu Stress und Kopfschmerzen. In einigen Fällen können auch die Augenlider so schwer sein, dass sie ebenso zu Kopfschmerzen führen. Nur selten treten dabei auch Defekte am Gesichtsfeld auf, die zu weiteren Komplikationen führen. Betroffene verfügen dann über ein eingeschränktes Sichtfeld und sind damit einer höheren Unfallgefahr ausgesetzt.

Eine Behandlung ist durch kosmetisch operative Eingriffe möglich. Dabei wird eine Straffung durchgeführt, welche unter Umständen wiederholt werden muss. Schwerwiegende Komplikationen sind dabei selten. Nach dem operativen Eingriff kommt es zu einer Schwellung und zu leichten Schmerzen. Diese verschwinden nach einigen Tagen. Eine sichtbare Narbe bleibt in der Regel nicht zurück. Es dauert allerdings ungefähr einen Monat, bis der Patient das Ergebnis der Operation sehen kann.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei der Blepharochalasis muss nicht in jedem Falle ein Arzt aufgesucht werden. Der Besuch beim Arzt ist in den meisten Fällen erst dann notwendig, wenn sich der Betroffene mit dieser Beschwerde unwohl fühlt oder wenn das Gesichtsfeld des Patienten durch die Erkrankung eingeschränkt wird. In vielen Fällen kann auch das Risiko verschiedener Unfälle durch die Blepharochalasis steigen, sodass vor allem bei Kindern oder bei älteren Menschen eine Behandlung durchgeführt werden sollte, damit es nicht zu weiteren Komplikationen oder Folgeschäden kommt.

Ein Arzt muss auch dann aufgesucht werden, wenn die Blepharochalasis zu psychischen Beschwerden oder zu Depressionen führt. Nicht selten leiden die Betroffenen dann an Minderwertigkeitskomplexen oder an einem verringerten Selbstwertgefühl. Auch hierbei ist der Besuch bei einem Mediziner empfehlenswert.

Die weitere Behandlung richtet sich in der Regel nach der Grunderkrankung und kann von einem Augenarzt durchgeführt werden. Bei psychischen Beschwerden ist ein Psychologe aufzusuchen, damit die Beschwerden der Blepharochalasis vollständig gelindert werden können.

Behandlung & Therapie

Der Patient kann sich die Schlupflider mit einer Oberlid-Straffung (Blepharoplastik) operativ beseitigen oder mit Botox unterspritzen lassen. Außerdem kann er sich einer Radiage unterziehen. Die gebräuchlichste Methode ist die Oberlid-Straffung. Sie erfolgt ambulant mit Skalpell oder Laser und wird von einem Facharzt für Ästhetisch-Plastische Chirurgie vorgenommen.

Bei der Blepharochalasis im engeren Sinn wird eine Straffung erst dann vorgenommen, wenn die entzündlichen Schwellungen seit längerer Zeit ausgeblieben sind, weil ein neuer Schub das Ergebnis sonst wieder zunichtemacht.

Er verfügt idealerweise über mehrjährige Erfahrung im Bereich Lid-Straffung. Entsprechende Informationen kann der Patient über die zuständige Ärztekammer erfragen. Bei der Oberlid-Straffung werden die überschüssige Haut und ein Teil des Fettgewebes direkt in der Lid-Umschlag-Falte herausgeschnitten. Mitunter wird dabei auch ein Teil des Lid-Schluss-Muskels entfernt. Die Naht wird in der Umschlag-Falte gesetzt, sodass die Narbe später unsichtbar ist. An der Seite wird sie ohnehin von den dort befindlichen Krähenfüßen verdeckt.

Der 60-minütige chirurgische Eingriff erfolgt unter lokaler Betäubung. Verläuft die Operation normal, sind die im Bereich der Augen entstehenden Hämatome und Schwellungen höchstens eine Woche lang sichtbar. Bei korrekter Durchführung des Eingriffs kommt es nur selten zu Nachblutungen. Brauen-Senkungen können mit Botox unterspritzt werden. Diese schönheitschirurgische Behandlung muss jedoch alle 3 bis 6 Monate wiederholt werden, da das Botulinumtoxin zwischenzeitlich vom Körper abgebaut wird.

Bei der Radiage wird das Oberlid-Gewebe mithilfe der Radio-Frequenz-Technologie erhitzt, sodass sich das in der Haut gespeicherte Kollagen zusammenzieht und die Schwellung zurückgeht. Die ambulant in 30 bis 60 Minuten durchgeführte und noch dazu wesentlich kostengünstigere Radiage hat den Vorteil, dass der Patient unmittelbar nach dem Eingriff wieder zur Arbeit gehen kann.

Je nach Haut-Beschaffenheit können auch mehrere Behandlungen erforderlich sein. Die leichte Rötung im Augenbereich bildet sich oft innerhalb von 24 Stunden zurück. Das endgültige Ergebnis ist spätestens in einigen Monaten zu sehen. Die Radiage sollte nach ein bis drei Jahren wiederholt werden.

Aussicht & Prognose

Die Prognose der Blepharochalasis ist günstig. Viele Menschen entscheiden sich auf den Verzicht einer medizinischen Behandlung, da es sich bei einem Eingriff mehr um eine optische Verbesserung als körperliche Notwendigkeit handelt. Es kommt zu keinerlei Einschränkungen der Funktionsfähigkeiten des Körpers mit einer Blepharochalasis. Die Sehschärfe bleibt trotz des hängenden Augenlids erhalten; ausgeprägte Schlupflider können allerdings das obere Gesichtsfeld einengen. Dennoch können emotionale und seelische Belastungen durch den optischen Makel auftreten.

Aus diesem Grund kann in einem operativen Eingriff eine Korrekturbehandlung erfolgen. Die Operation ist ein einstündiger Routineeingriff, mit einer anschließenden Aussicht auf Heilung und Beschwerdefreiheit. Dennoch ist die Behandlung mit den üblichen Risiken und Nebenwirkungen einer Operation verbunden. Es kann zu Komplikationen und Problemen der Wundheilung kommen. Diese verlängern den Heilungsweg. Mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung kann der Betroffene den Heilungserfolg gezielt unterstützen.

Entscheidet sich ein Patient zu einer kosmetischen Korrektur durch das Spritzen von Botox, ist keine dauerhafte Linderung der Beschwerden gegeben. Innerhalb weniger Monate kehrt die Blepharochalasis schrittweise zurück, bis sie nach 6 Monaten wieder vollständig vorhanden ist. Eine Wiederholung der Behandlung ist dann notwendig.

Durch spezielle Cremes, Massagen oder Trainings der Gesichtsmuskeln kann der Patient eigenverantwortlich vorbeugende Maßnahmen ergreifen. Ebenso unterstützt er damit nach einer Behandlung den Heilungserfolg.


Vorbeugung

Um dem Entstehen von durch Bindegewebserschlaffung bedingten Schlupflidern vorzubeugen, empfiehlt es sich, so gesund wie möglich zu leben. Ausreichend Schlaf, nicht zu viel Stress, ein zumindest eingeschränkter Konsum von Nikotin und Alkohol und das Schlafen mit erhöhtem Oberkörper können dazu beitragen, dass das kosmetische Problem überhaupt nicht oder erst verzögert auftritt. Die Behandlung der Augenpartie mit bestimmten von der Kosmetikindustrie empfohlenen Augen-Cremes kann Schlupflider nicht verhindern.

Nachsorge

Bei einer Blepharochalasis ist eine Nachsorge in der Regel nicht notwendig und auch nicht möglich. Wird ein operativer Eingriff vorgenommen, verläuft dieser meist ohne Komplikationen und lindert die Beschwerden der Erkrankung vollständig. Auch die Lebenserwartung des Betroffenen wird durch die Blepharochalasis nicht negativ beeinflusst oder verringert.

Nach einem operativen Eingriff sollte sich der Betroffene ausruhen und seinen Körper schonen. Dabei sollte von anstrengenden Tätigkeiten oder von sportlichen Betätigungen abgesehen werden. Unnötige Anstrengungen und Stresssituationen sind dabei ebenso zu vermeiden. Im Allgemeinen wirkt sich auch eine gesunde Lebensweise mit einer gesunden Ernährung und regelmäßiger sportlicher Betätigung sehr positiv auf den weiteren Verlauf der Krankheit aus und kann die Heilung beschleunigen.

In den meisten Fällen verschwindet auch die Rötung am Auge relativ schnell wieder, sodass es zu keinen besonderen ästhetischen Einschränkungen kommt. In einigen Fällen kann die Blepharochalasis allerdings zu psychischen Beschwerden oder zu depressiven Verstimmungen führen. Dabei helfen Gespräche mit Freunden und Bekannten, wobei sich auch der Kontakt zu anderen Betroffenen der Erkrankung als sinnvoll erweisen kann. Nach einer Radiage ist allerdings nach ein bis drei Jahren eine erneute Behandlung notwendig, um die Beschwerden vollständig zu lindern.

Das können Sie selbst tun

Blepharochalasis ist in aller Regel ein rein kosmetisches Problem, gegen das die Betroffenen aber auch selbst etwas tun können. Schlupflider lassen eine Person unausgeschlafen und erschöpft wirken und können in ausgeprägter Form die gesamte Mimik verzerren. Wenn die Störung noch mit einer Absenkung der Augenbrauen einhergeht, fühlen sich viele Menschen regelrecht entstellt.

Die beste Form der Selbsthilfe gegen Blepharochalasis sind vorbeugende Maßnahmen, die einer vorzeitigen Hautalterung entgegenwirken. Förderlich ist gesunde, fettarme, vitamin- und ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Schlaf und regelmäßige Bewegung, vorzugsweise an der frischen Luft. Negativ wirken sich dagegen Nikotinkonsum, übermäßiger Alkoholgenuss sowie nährstoffarme Ernährung, Bewegungsmangel und Übergewicht aus.

Sofern sich bereits Schlupflider gebildet haben, können diese im Anfangsstadium noch mit einfachen Hausmitteln und Kosmetika bekämpft werden. Wer vor allem morgens unter geschwollenen Augen und Schlupflidern leidet, sollte jeweils einen Eiswürfel in eine Papierserviette wickeln und auf die Augen legen, was einen abschwellenden Effekt hat. Im Kosmetikhandel sind außerdem Augenroller und Augencremes erhältlich, die kühlend und abschwellend wirken.

Das richtige Augen-Make-up kann die Schlupflider optisch kaschieren und weniger auffällig werden lassen. Entsprechende Schminktechniken können die Betroffenen bei einer ausgebildeten Kosmetikerin erlernen.

In schweren Fällen, insbesondere wenn die Betroffenen auch psychisch stark unter ihrem Schönheitsfehler leiden, sollten sie einen plastischen Chirurgen konsultieren und eine operative Korrektur in Erwägung ziehen.

Quellen

  • Lang, G. K., Lang, S. J. (Hrsg.): Augenheilkunde.
    ISBN: 9783132454446
  • Grehn, F.: Augenheilkunde.
    ISBN: 9783662591536
  • Keserü, M., Dulz, S.: Lidchirurgie.
    ISBN: 9783662700501
  • Salmon, J. F. (Hrsg.): Kanskis Klinische Ophthalmologie.
    ISBN: 9783437234859
  • Kampik, A., Grehn, F., Messmer, E., et al. (Hrsg.): Facharztprüfung Augenheilkunde.
    ISBN: 9783132438002

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