Botulinumtoxin

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Botulinumtoxin ist ein Nervengift, das seit vielen Jahren erfolgreich als Arzneistoff in der Neurologie genutzt wird. Allgemein bekannt geworden ist Botulinumtoxin jedoch als Botox, das Wirkmittel gegen Mimikfalten. Was genau ist Botulinumtoxin? Und wie wird Botulinumtoxin angewandt?

Inhaltsverzeichnis

Was ist Botulinumtoxin?

Botulinumtoxin
Botulinumtoxin ist ein Nervengift, das seit vielen Jahren erfolgreich als Arzneistoff in der Neurologie genutzt wird. Allgemein bekannt geworden ist Botulinumtoxin jedoch als Botox.

Bei Botulinumtoxin handelt es sich um ein Neurotoxin - also um ein Gift, das speziell auf Nervenzellen einwirkt. Botulinumtoxin kommt in der Natur vor und entwickelt sich unter sauerstoffarmen Bedingungen vor allem im Erdboden. Gebildet wird es von dem Bakterium Clostridium botulinum, dessen widerstandsfähige Sporen im Erdboden verbreitet sind und das nur unter Sauerstoffabschluss auskeimt und Toxin bildet.

Aber auch Fleischprodukte wie Wurst oder Wurstkonserven waren in der Vergangenheit häufig mit Botulinumtoxin belastet. Daher rührt auch der Name des Giftes, der von dem lateinischen Wort „botulus“ für Wurst abgeleitet ist. Der Verzehr mit Botulinumtoxin verseuchter Lebensmittel führte vor allem im 19. Jahrhundert nicht selten zu einer schwerwiegenden Nervenstörung, dem Botulismus.

Denn Botulinumtoxin hemmt die Signalübertragung von Nervenzellen und führt somit zu Muskelschwäche bis hin zur Lähmung der Atemmuskulatur. Somit gilt Botulinumtoxin als eines der stärksten Gifte. Schon 1822 wurde die Möglichkeit erkannt, dass Botulinumtoxin in geringen Mengen als Arzneistoff gegen nervöse Störungen in Frage kommen könnte. Doch erst in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts kam Botulinumtoxin zum ersten Mal als Medikament gegen „Schielen“ zum Einsatz.

Seither wird Botulinumtoxin zur Behandlung verschiedener Nervenkrankheiten genutzt. Seit einigen Jahren wird Botulinumtoxin verstärkt in der ästhetisch-kosmetischen Medizin verwendet. Hier dient Botulinumtoxin unter dem besser bekannten Begriff „Botox“ als effektives Wirkmittel gegen Gesichtsfalten.

Pharmakologische Wirkung

Gelangt Botulinumtoxin in den Körper, so wird die Erregungsübertragung von Nervenzelle zu Muskel eingeschränkt. Der Muskel lässt sich, je nach Dosierung des Nervengifts, nur noch beschränkt oder gar nicht bewegen und entspannt sich auf diese Weise.

Bei einer medizinischen Behandlung wird Botulinumtoxin gezielt in die entsprechende Körperstelle gespritzt. Dabei werden winzig kleine Mengen des hochgradig giftigen Botulinumtoxins benutzt. Im Muskel führt Botulinumtoxin dazu, dass die Freisetzung des Botenstoffs Acetylcholin, der für die Übertragung der Nervenimpulse zuständig ist, blockiert wird. Durch die geringe Dosis und die gezielte Anwendung ist lediglich der gewünschte Muskel betroffen.

Er kann sich nicht mehr wie gewohnt anspannen, während Sinneswahrnehmungen wie Fühlen und Tasten nicht beeinflusst werden. Je nachdem, zu welchem medizinischen Zweck und in welchen Mengen Botulinumtoxin verwendet wird, erreicht die Wirkung, die sich langsam aufbaut, nach etwa zehn Tagen ihren Höhepunkt.

Danach beginnen sich die Nerven wieder zu erholen, und die Wirkung des Botulinumtoxin lässt nach, bevor sie meist nach sechs Monaten gar nicht mehr zu spüren oder zu sehen ist. Je nach Wunsch, Bedarf oder Notwendigkeit erfolgt nun eine erneute Behandlung mit Botulinumtoxin.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Seine medizinische Anwendung findet Botulinumtoxin vor allem in der Neurologie. Dabei wird es vorwiegend zur Behandlung bestimmter Bewegungsstörungen eingesetzt. So können etwa Patienten, die unter Krämpfen wie dem Lidkrampf, dem Mund-, Zungen-, Schlundkrampf, dem Schreibkrampf oder dem Stimmbandkrampf leiden, mit Botulinumtoxin therapiert werden.

In der Fachsprache tragen diese Krankheitsbilder eigene Namen. Der Lidkrampf heißt Blepharospasmus; dabei schließen sich die Augenlider gegen den Willen der Betroffenen. Verkrampfen sich die Muskeln des Halses und wird der Kopf dadurch in eine Fehlhaltung gezogen, spricht die Medizin von einer zervikalen Dystonie oder einem Schiefhals; hier lindert die Behandlung nicht nur die Fehlhaltung, sondern auch die begleitenden Nackenschmerzen.

Auch spastische Syndrome wie beispielsweise der Spitzfuß oder Krämpfe, die nach einem Schlaganfall auftauchen, können mit Botulinumtoxin behandelt werden. Dabei kann es zu einer deutlichen Verbesserung der Störungen kommen. In vielen Fällen, wie etwa beim Lidkrampf, ist sogar ein zeitweilig gänzliches Verschwinden der unangenehmen Nervenstörung möglich. Allerdings wirkt Botulinumtoxin lediglich gegen die Symptome und muss deshalb erneut gespritzt werden, sobald die Wirkung nachgelassen hat.

Ein weiteres Anwendungsgebiet liegt außerhalb der Neurologie. Bei einer Dranginkontinenz, die auf die üblichen Mittel nicht anspricht, können Injektionen von Botulinumtoxin in den Blasenmuskel helfen; als weiteres Verfahren steht dort die sakrale Neuromodulation zur Verfügung. Der behandelte Blasenmuskel entspannt sich, und der plötzliche, kaum beherrschbare Harndrang lässt nach. Diese Anwendung zeigt, dass das Wirkprinzip nicht auf die Skelettmuskulatur beschränkt ist: Auch die glatte Muskulatur innerer Organe wird von Nerven gesteuert, die Acetylcholin freisetzen.

Daneben findet Botulinumtoxin auch Anwendung gegen Beschwerden wie chronische Migräne, erhöhten Speichelfluss sowie gegen starke Schweißbildung unter den Achseln. Am meisten verbreitet ist jedoch die sogenannte „Botoxbehandlung“ mit Botulinumtoxin.

Nachdem Anfang der neunziger Jahre der faltenreduzierende Effekt nach einer Injektion mit Botulinumtoxin nachgewiesen wurde, erfreut sich Botulinumtoxin seit seiner Zulassung für den kosmetischen Bereich zu Beginn der 2000er Jahre großer Beliebtheit. Wird eine geeignete, geringe Dosis Botulinumtoxin in den Muskel unter einer Mimikfalte gespritzt, entspannt sich der Muskel und verursacht damit eine Glättung der sich über ihm befindlichen Haut.


Verabreichung & Dosierung

Die Verabreichung und Dosierung von Botulinumtoxin erfordert höchste Präzision, da es sich um ein potentes Neurotoxin handelt, das die Freisetzung von Acetylcholin an den neuromuskulären Endplatten hemmt. Die richtige Dosierung hängt von der Indikation, der behandelten Muskelgruppe und der individuellen Reaktion des Patienten ab. Botulinumtoxin tritt in mehreren Serotypen auf; therapeutisch werden vor allem Präparate mit Toxin vom Typ A eingesetzt. Die Einheiten der einzelnen Botulinumtoxin-Präparate sind nicht von einem Präparat auf ein anderes übertragbar – es gelten ausschließlich die Angaben des jeweils verwendeten Präparats. Eine Verwechslung der Einheiten kann zu einer erheblichen Überdosierung führen.

Vor der Injektion muss die genaue Platzierung der Injektionspunkte bestimmt werden, um eine optimale Wirkung zu erzielen und Nebenwirkungen zu minimieren. In der ästhetischen Medizin werden beispielsweise geringere Dosen als in der Behandlung neurologischer Erkrankungen wie Spastiken oder Dystonien verwendet. Die maximal zulässige Dosis pro Sitzung sollte nicht überschritten werden, da eine Überdosierung zu Muskelschwäche oder in schweren Fällen zu systemischen Effekten wie Dysphagie oder Atemproblemen führen kann.

Das Toxin muss vor der Injektion korrekt verdünnt werden, meist mit physiologischer Kochsalzlösung, wobei die Verdünnung je nach Präparat und Behandlungsziel variiert. Es sollte stets mit sterilen Techniken gearbeitet werden, um Infektionen zu vermeiden. Nach der Injektion sollte der behandelte Bereich nicht massiert oder stark belastet werden, um eine ungewollte Diffusion des Toxins zu verhindern. Die volle Wirkung tritt nicht sofort, sondern erst mit mehrtägiger Verzögerung ein und hält je nach Anwendung mehrere Monate an.

Risiken & Nebenwirkungen

Nebenwirkungen von Botulinumtoxin betreffen vor allem eine Überdosierung, die unbedingt zu vermeiden ist. Da es sich bei Botulinumtoxin um ein sehr starkes Nervengift handelt, kann eine falsch verabreichte Injektion schwerwiegende Nervenschäden verursachen.

Zudem darf Botulinumtoxin auf keinen Fall in die Blutbahn gelangen. Patienten, die sich einer „Botoxbehandlung“ unterzogen haben, beklagten als Nebenwirkungen mitunter ein Herabhängen des Oberlids (Ptosis), Störungen des Auges sowie Mundtrockenheit. Des Weiteren kann Botulinumtoxin als Mittel gegen Mimikfalten dazu führen, dass es bei nicht gezielt gesetzten Injektionen zu Einschränkungen der Mimik kommt, wodurch ein maskenhafter Effekt entsteht.

Sehr selten breitet sich das Toxin über die Injektionsstelle hinaus aus und ruft Muskelschwäche, Schluckstörungen oder eine Beeinträchtigung der Atmung hervor; in Einzelfällen verliefen solche Ereignisse tödlich.

Für eine solche Ausbreitung über die Einstichstelle hinaus wird der Begriff des iatrogenen, also des durch die Behandlung selbst verursachten Botulismus verwendet. Im Dezember 2025 wurde entschieden, die Produktinformationen der nicht zentral zugelassenen Präparate mit Botulinumtoxin vom Typ A um einen Warnhinweis auf den iatrogenen Botulismus und um Anweisungen für den Fall entsprechender Zeichen zu ergänzen; die Packungsbeilagen werden ebenso angepasst. Treten nach einer Behandlung Schwierigkeiten beim Schlucken, Sprechen oder Atmen auf, ist umgehend ärztliche Hilfe erforderlich. Besonders gefährdet sind Patienten mit einer neurologischen Grunderkrankung sowie mit Schluckstörungen oder Verschlucken in der Vorgeschichte.

Ein besonderes Risiko birgt die Anwendung außerhalb der zugelassenen Anwendungsgebiete. Die europäische Produktinformation eines inzwischen nicht mehr zugelassenen Präparats mit Botulinumtoxin vom Typ B hielt für dieses Präparat ausdrücklich fest, dass seine Sicherheit außerhalb des zugelassenen Anwendungsgebiets nicht nachgewiesen war und die Risiken den möglichen Nutzen überwiegen konnten; dasselbe galt dort für die Anwendung bei Kindern. Welche Anwendungsgebiete zugelassen sind, unterscheidet sich allerdings von Präparat zu Präparat.

Ein eigenes Thema ist der Verlust der Wirkung bei wiederholter Behandlung. Botulinumtoxin ist ein Eiweiß, und wie gegen andere körperfremde Eiweiße kann das Immunsystem dagegen Antikörper bilden. Wie oft das geschieht, hängt davon ab, wie lange und wie häufig behandelt wurde. Der Nachweis solcher Antikörper bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass die Behandlung nicht mehr anschlägt; welche Bedeutung ihm zukommt, ist noch nicht abschließend geklärt.

Bei Menschen mit einer Störung der Blutgerinnung und bei Menschen, die gerinnungshemmende Arzneimittel einnehmen, ist bei der Injektion Vorsicht geboten.

Grundsätzlich sollte bei der medizinischen Behandlung mit Botulinumtoxin auf die Erfahrenheit des Arztes Wert gelegt werden und auch bei einem kosmetischen Eingriff mit Botulinumtoxin ist es wichtig, sich in kenntnisreiche Hände zu begeben.

Kontraindikationen

Die Anwendung von Botulinumtoxin ist in bestimmten Fällen kontraindiziert, da sie schwerwiegende Nebenwirkungen hervorrufen kann. Eine absolute Kontraindikation besteht bei bekannter Überempfindlichkeit gegen das Toxin oder gegen Bestandteile des Präparats, da dies zu schweren allergischen Reaktionen führen kann.

Neuromuskuläre Erkrankungen wie Myasthenia gravis, Lambert-Eaton-Syndrom oder amyotrophe Lateralsklerose (ALS) stellen ebenfalls eine Kontraindikation dar, da Botulinumtoxin die neuromuskuläre Übertragung weiter hemmt und zu schwerer Muskelschwäche führen kann. Die europäische Produktinformation eines inzwischen nicht mehr zugelassenen Präparats mit Botulinumtoxin vom Typ B führte bekannte neuromuskuläre Erkrankungen und bekannte Störungen der Übertragung zwischen Nerv und Muskel ausdrücklich unter den Gegenanzeigen auf und nannte dabei sowohl die amyotrophe Lateralsklerose und Erkrankungen der peripheren Nerven als auch die Myasthenia gravis und das Lambert-Eaton-Syndrom. Patienten mit aktiven Infektionen oder Hauterkrankungen im Injektionsbereich sollten nicht behandelt werden, um das Risiko von Komplikationen wie Infektionen oder schlechter Wundheilung zu minimieren.

Vorsicht ist bei Schwangeren und Stillenden geboten, da keine ausreichenden Studien zur Sicherheit vorliegen. Ebenso sollten Patienten mit Blutgerinnungsstörungen oder unter Antikoagulationstherapie nicht ohne sorgfältige Abwägung behandelt werden, da es zu Hämatomen oder Blutungen an der Injektionsstelle kommen kann.

Bei bestimmten neurologischen oder systemischen Erkrankungen sollte die Behandlung nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Zudem können psychische Erkrankungen oder übertriebene ästhetische Erwartungen eine relative Kontraindikation darstellen, da der Patient möglicherweise mit dem Ergebnis unzufrieden ist oder unrealistische Vorstellungen von der Wirkung des Toxins hat.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Botulinumtoxin kann mit verschiedenen Medikamenten interagieren, insbesondere mit solchen, die die neuromuskuläre Übertragung beeinflussen. Eine Verstärkung der muskelentspannenden Wirkung kann bei gleichzeitiger Einnahme von Aminoglykosid-Antibiotika wie Gentamicin, Tobramycin oder Streptomycin auftreten. Diese Antibiotika hemmen die Freisetzung von Acetylcholin und können in Kombination mit Botulinumtoxin zu einer verstärkten Muskelschwäche führen.

Ähnliche Wechselwirkungen bestehen mit anderen Medikamenten, die die neuromuskuläre Funktion beeinträchtigen, wie Muskelrelaxantien (z. B. Baclofen oder Dantrolen) und Magnesiumsulfat. Ausdrücklich genannt werden in den Produktinformationen auch die kurareartigen Substanzen, die in der Narkose zur Erschlaffung der Muskulatur eingesetzt werden; ihre gleichzeitige Anwendung ist sorgfältig abzuwägen.

Nicht geklärt ist, was geschieht, wenn Präparate mit unterschiedlichen Serotypen des Toxins gleichzeitig gegeben werden. In den Zulassungsstudien lagen zwischen der Gabe eines Typ-A-Präparats und der eines Typ-B-Präparats mehrere Monate.

Wie folgenreich die fehlende Übertragbarkeit der Einheiten ist, zeigt der Vergleich der Präparate mit Toxin vom Typ A und der Präparate mit Toxin vom Typ B. Die Zahlenwerte für die Präparate mit Toxin vom Typ B liegen weit über denen der Typ-A-Präparate. Würde ein Typ-A-Präparat in der für ein Typ-B-Präparat vorgesehenen Menge gegeben, könnte dies zu einer Vergiftung des ganzen Körpers mit lebensbedrohlichen Folgen führen.

Patienten, die unter einer chronischen Behandlung mit Antikoagulantien oder Thrombozytenaggregationshemmern wie Aspirin oder Clopidogrel stehen, haben ein erhöhtes Risiko für Blutergüsse an den Injektionsstellen, jedoch beeinflussen diese Medikamente nicht die eigentliche Wirkung des Toxins.

Vor einer Behandlung sollte eine detaillierte Medikamentenanamnese erfolgen, um mögliche unerwünschte Wechselwirkungen zu vermeiden.

Alternative Behandlungsmethoden

Wenn Botulinumtoxin nicht vertragen wird oder kontraindiziert ist, stehen verschiedene alternative Behandlungsmethoden und Wirkstoffe zur Verfügung, je nach Indikation.

Für die Behandlung von muskulären Verspannungen oder Spastiken können Muskelrelaxantien wie Baclofen oder Tizanidin eingesetzt werden. Diese wirken zentral auf das Nervensystem und reduzieren die Muskelspannung. Eine weitere Möglichkeit sind physiotherapeutische Maßnahmen wie Dehnübungen, manuelle Therapie oder Elektrostimulation, die helfen können, Muskelverkrampfungen zu lindern.

In der ästhetischen Medizin gibt es Alternativen zur Faltenbehandlung, beispielsweise Hyaluronsäure-Filler, die die Haut aufpolstern und Volumen verleihen. Auch nicht-invasive Verfahren wie hochintensiver fokussierter Ultraschall (HIFU) oder Laserbehandlungen können zur Hautstraffung beitragen.

Bei chronischer Migräne, die oft mit Botulinumtoxin behandelt wird, können Medikamente wie CGRP-Antikörper (z. B. Erenumab oder Fremanezumab) als präventive Therapie eingesetzt werden. Zudem zeigen Akupunktur und biofeedbackbasierte Methoden in einigen Fällen eine lindernde Wirkung.

Bei einer Dranginkontinenz stehen vor der Injektion in den Blasenmuskel zunächst andere Wege offen. Anticholinergika setzen die Überaktivität des Blasenmuskels herab; sie sind allerdings für ihre unerwünschten Wirkungen bekannt. Beta-3-Agonisten wie Mirabegron entspannen den Muskel auf einem anderen Weg und kommen ohne die typischen anticholinergen Beschwerden aus. Bleiben beide Wege ohne Erfolg, ist neben der Injektion von Botulinumtoxin auch die sakrale Neuromodulation eine Möglichkeit, bei der die Nerven des Beckenbodens elektrisch beeinflusst werden.

Für übermäßiges Schwitzen (Hyperhidrose) sind Aluminiumchlorid-haltige Antitranspirante, Iontophorese oder medikamentöse Optionen wie Glycopyrronium eine mögliche Alternative. In schweren Fällen kann eine chirurgische Durchtrennung der Schweißdrüsen-nervalen Versorgung (Sympathektomie) erwogen werden.

Quellen

  • Sattler, G., Bradfisch, F., Kolster, B. C.: Bildatlas der ästhetischen Botulinumtoxin-Therapie.
    ISBN: 9783868677577
  • Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
    ISBN: 9783662495445
  • Berlit, P. (Hrsg.): Klinische Neurologie.
    ISBN: 9783662606742
  • Diener, H.-C., Gerloff, C., Dieterich, M., Endres, M. (Hrsg.): Therapie und Verlauf neurologischer Erkrankungen.
    ISBN: 9783170399662
  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437426223

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