Chelat-Therapie

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 5. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Chelat-Therapie dient der Entgiftung des Körpers bei akuten und schweren chronischen Schwermetallvergiftungen. Umstritten ist diese Methode jedoch für die Anwendung bei geringfügigen Vergiftungen und zur Vorbeugung von Arteriosklerose.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Chelat-Therapie?

Die Chelat-Therapie dient der Entgiftung des Körpers bei akuten und schweren chronischen Schwermetallvergiftungen.

Die Chelat-Therapie ist eine Methode, die zur Entfernung von Schwermetallen aus dem Körper angewendet wird. Wie der Name schon sagt, werden bei diesem Verfahren sogenannte Chelatbildner eingesetzt. Chelatbildner verbinden sich mit Metall-Ionen zu Komplexen, die dann aus dem Körper ausgeschwemmt werden können.

Bei akuten Intoxikationen stehen für die protokollberechtigte Anwendung dieser Substanzen die Giftzentren zur Verfügung. Chronische Schwermetallvergiftungen werden von Umweltmedizinern und Mitgliedern der Deutschen Ärztegesellschaft für Klinische Metalltoxikologie mithilfe von Chelatbildnern behandelt und entsprechend protokolliert. Dabei ist das Verfahren sehr wirksam bei einer akuten oder schweren chronischen Schwermetallvergiftung.

Andere Anwendungen sind eher umstritten und werden von Fachärzten sogar abgelehnt. So wird in vielen Naturheilpraxen dieses Verfahren jedoch auch zur Therapie oder Vorbeugung von Erkrankungen angewendet, die angeblich durch Schwermetallvergiftungen hervorgerufen werden. Bei diesen Anwendungen konnte bisher kein Beweis für die Wirksamkeit der Chelat-Therapie erbracht werden.

Funktion, Wirkung & Ziele

Bei einer schweren Vergiftung des Körpers mit Schwermetallen wird heute die Chelat-Therapie eingesetzt. Das ist eine sehr effektive Methode, um den Körper zu entgiften. Dabei werden die Komplexbildner in Lösung entweder oral oder als Infusion verabreicht.

Die Giftigkeit der Schwermetalle beruht auf ihrer Fähigkeit, mit lebenswichtigen Enzymen Komplexe zu bilden. Damit stehen diese Enzyme dem Körper nicht mehr zur Verfügung, sodass es zu erheblichen Störungen in den Stoffwechselvorgängen kommt. An dieser Stelle kommen die Chelatbildner ins Spiel, welche mit den Enzymen um die Komplexbildung mit Schwermetallen konkurrieren. Als Chelatbildner fungieren unter anderem EDTA (Ethylendiamintetraessigsäure), DMSA (Dimercaptobernsteinsäure) oder DMPS (Dimercaptopropansulfonsäure).

Diese Substanzen enthalten jeweils mehrere funktionelle Gruppen, mit denen sie sich an ein Metall-Ion binden können. Dabei umschließen sie das Ion, sodass es das Zentrum der resultierenden Komplexverbindung bildet. Dieser Komplex als eigenständige Verbindung ist wasserlöslich und kann gut aus dem Körper ausgeschwemmt werden. Dabei bildet EDTA besonders stabile Komplexe mit Kupfer-, Nickel-, Eisen- oder Kobalt-Ionen. Aber auch Quecksilber, Blei und Kalzium bilden Komplexe mit ETDA.

DMSA hat sich bewährt bei akuten Vergiftungen mit Blei, Quecksilber und Arsen. Für seine Anwendung bei chronischen Schwermetallvergiftungen ist die Datenlage noch nicht ausreichend. Allerdings wurden mit DMSA gute Erfahrungen bei der chronischen Intoxikation von Blei im Kindesalter gemacht. Der Chelatbildner DMPS (Dimercaptopropansulfonsäure) findet unter dem Handelsnamen Dimaval oder Unithiol Anwendung bei Vergiftungen mit Blei, Quecksilber, Arsen, Gold, Wismut, Antimon und Chrom. Für den Einsatz bei Eisen-, Kadmium-, Thallium- und Selenvergiftungen ist es nicht geeignet.

Neben dem Einsatz bei Schwermetallvergiftungen werden Chelatbildner noch bei einer schweren Kupferspeichererkrankung, dem Morbus Wilson, angewendet. Bei dieser genetisch bedingten Erkrankung kann das Kupfer aus der Nahrung vom Körper nicht richtig verarbeitet werden. Es kommt zu Kupferablagerungen in den verschiedenen Organen, besonders in Leber, Auge und zentralem Nervensystem. Diese Erkrankung stellt also eine schwere Kupfervergiftung dar, die tödlich enden kann. Mit der Chelat-Therapie in Kombination mit anderen Therapie-Verfahren ist Morbus Wilson gut behandelbar.


Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

In Naturheilpraxen wird die Chelat-Therapie oft nicht nur bei akuten und schweren chronischen Schwermetallvergiftungen angewendet, sondern auch bei anderen Erkrankungen, die durch leichte Schwermetalleinflüsse entstehen sollen. Diese Wirkungen sind jedoch wissenschaftlich nicht belegt.

Im Gegenteil werden diese Anwendungen von vielen Fachärzten abgelehnt. So heißt es beispielsweise, dass der Einsatz von Chelatbildnern verschiedenen Erkrankungen, wie Krebs, Arteriosklerose, Rheuma, Morbus Alzheimer, Sehschwäche, Schuppenflechte oder Arthrose vorbeugen kann. Die Idee ist dabei, dass der Körper immer einer geringen Konzentration von Schwermetallen ausgesetzt ist, beispielsweise über die Feinstaubbelastung durch Industrie und Straßenverkehr. Die Schwermetalle sollen dann verantwortlich für die Bildung von freien Radikalen sein, die all diese Krankheiten begünstigen oder auslösen können.

Bei der Arteriosklerose wurde sogar ein direkter Einfluss von Kalzium diskutiert. Weil Kalzium aber auch durch die Komplexbildner abgefangen werden kann, sollte die Chelat-Therapie helfen, den Ausbruch von Arteriosklerose zu verhindern. Es hat sich jedoch gezeigt, dass Kalzium für die Entstehung einer Arteriosklerose gar nicht relevant ist. Das mussten sogar die ursprünglichen Verfechter dieser Theorie zugeben. Um den Einsatz der Chelatbildner zur Vorbeugung und Behandlung von Arteriosklerose doch noch rechtfertigen zu können, wird nun ihre antioxidative Wirkung hervorgehoben. Studien haben jedoch ergeben, dass die Anwendung der Chelat-Therapie keinerlei Auswirkung auf den Gesundheitszustand hat und auch zur Vorbeugung von degenerativen Erkrankungen nicht geeignet ist.

Angeblich festgestellte Verbesserungen des gesundheitlichen Allgemeinzustandes beruhten entweder auf Zufällen oder waren dem Placeboeffekt geschuldet. Dabei ist in diesen Fällen die Chelat-Therapie bestenfalls wirkungslos. Schlimmer ist jedoch die Tatsache, dass Komplexbildner nicht zwischen schädlichen Metallen und natürlichen lebensnotwendigen Mineralien unterscheiden können. Wird die Chelat-Therapie nur zur Vorbeugung oder Behandlung von degenerativen Erkrankungen eingesetzt, kann es schließlich sogar zu Mineralmangelzuständen kommen.

Die Anwender dieser Therapie weisen sogar auf die Kontraindikationen bei Herzinsuffizienz, schweren Nieren- und Leberfunktionsstörungen, Lungenerkrankungen oder Demenz hin. Es wird auch darauf hingewiesen, dass die Behandlung immer in Kombination mit einer Mineralstoffsubstitution stattfindet. Allerdings ändert sich damit nichts an ihrer Wirkungslosigkeit bei dieser Anwendung. Im Gegensatz dazu ist die Chelat-Therapie bei einer starken Schwermetallbelastung jedoch immer die wirkungsvollste Methode.

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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