Doppler-Sonographie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Doppler-Sonographie ist eine spezielle Variante der Ultraschalluntersuchung und ermöglicht es, den Blutfluss in Arterien und Venen visuell und akustisch darzustellen. Das Verfahren kommt vor allem zur Diagnose von Herzfehlern oder Gefäßverengungen zum Einsatz.
Was ist die Doppler-Sonographie?
Die Doppler-Sonographie ist eine besondere Art der Sonographie, also der Ultraschalluntersuchung. Durch den Doppler-Effekt wird der Blutfluss in den Blutgefäßen hörbar gemacht. Zusammen mit der sogenannten B-Bild-Sonographie und einer speziellen Farbkodierung kann der Blutfluss auch bildlich dargestellt werden. Die Kombination aus B-Bild und Doppler-Verfahren wird als Duplex-Sonographie bezeichnet, mit Farbkodierung als farbkodierte Duplexsonographie.
Bei der Doppler-Sonographie kann zwischen Continuous Wave Doppler (CW-Doppler), Pulsed-wave Doppler (PW-Doppler) und farbkodierter Dopplersonographie unterschieden werden. Die farbkodierte Dopplersonographie wird in der Praxis am häufigsten eingesetzt. Man bezeichnet sie auch als Angiodynographie.
Funktion, Wirkung & Ziele
Anschließend erfolgt im Computer des Sonographiegeräts eine Auswertung der Ergebnisse. Dabei werden die mit dem Ultraschallkopf gemessenen Fließgeschwindigkeiten farblich kodiert. Blut, das zum Schallkopf hin fließt, wird in der Regel in Rot dargestellt. Fließt das Blut vom Schallkopf weg, so erscheint es blau. Die Fließgeschwindigkeiten lassen sich nun anhand der verschiedenen Farbstufen ablesen. Helle Farben stehen dabei für höhere, dunkle Farben stehen für niedrigere Fließgeschwindigkeiten.
Das heißt, dass ein helles Blau eine höhere Geschwindigkeit anzeigt als ein dunkles Blau. Das so entstehende Farbdoppler-Bild wird dem sogenannten B-Mode-Bild aufgelegt. Das B-Mode-Bild ist eine Variante des normalen schwarz-grauen Ultraschallbilds. So kann exakt lokalisiert werden, welche Fließgeschwindigkeiten in welchen Gefäßen vorherrschen. Die Bilddarstellung erfolgt in Echtzeit, sodass Veränderungen jederzeit aktuell angezeigt werden. Mit der Doppler-Sonographie können verschiedene Pathologien aufgedeckt werden. Bei der Echokardiografie kommt die Doppler-Sonographie zur Untersuchung des Herzens zum Einsatz. Hier werden vor allem die Strömungsverhältnisse im Bereich der Herzklappen untersucht.
So können Klappenfehler, sogenannte Insuffizienzen oder Stenosen diagnostiziert werden. Bei einer Klappeninsuffizienz schließt die Herzklappe nicht mehr richtig, bei einer Stenose öffnet sie nicht mehr richtig. Insuffizienzen lassen sich in der Doppler-Sonographie an der falschen Fließrichtung erkennen. Wenn eine Klappe nicht mehr richtig schließt, fließt das Blut aufgrund der Druckverhältnisse zurück. Bei einer Stenose zeigt die Sonographie eine höhere Fließgeschwindigkeit in der Stenose. Diese ist an einer hellen Farbe zu erkennen. Wenn die Klappe nicht richtig öffnet, so muss das Blut durch die verengte Klappe regelrecht gepresst werden. Dadurch erhöht sich die Fließgeschwindigkeit.
Bei der Karotis-Sonographie erfolgt eine Untersuchung der Halsschlagadern, der Arteria carotis. Hier hilft die Doppler-Sonographie vor allem bei der Entdeckung von Stenosen. Die häufigste Ursache für eine Karotisstenose ist Arteriosklerose. Wenn die Stenose sehr ausgeprägt ist, kann es zu Durchblutungsstörungen von Gehirn oder Augen kommen. Lösen sich Thromben aus den Gefäßanlagerungen, kann ein Schlaganfall ausgelöst werden. Mit dem Doppler-Verfahren lässt sich das Ausmaß der Karotisstenose diagnostizieren. Die Karotis-Doppler-Sonographie eignet sich somit auch zur Beurteilung des Schlaganfall- und auch des Herzinfarktrisikos.
Die Doppler-Sonographie kommt auch bei der Diagnose von Thrombosen oder zur Beurteilung von Gefäßwänden zum Einsatz. Ebenso wird das Verfahren auch in der Nephrologie eingesetzt. Der Farbdoppler hilft hier Gefäße in den Nieren zu finden. Auch in der Geburtshilfe können wichtige Gefäße wie der Ductus venosus oder die Arteria cerebri media mit dem Dopplergerät leichter gefunden werden.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Diesen Effekt bezeichnet man als Kavitation. Besonders häufig treten Kavitationen in luftgefüllten Bereichen zum Beispiel beim Ultraschall von Lunge oder Darm auf. Das Auftreten von Kavitationen kann durch den Einsatz von Ultraschallkontrastmittel begünstigt werden. Insgesamt ist das Risiko, dass bei einer Doppler-Sonographie eine Kavitation entsteht, aber eher zu vernachlässigen.
Wie viel Wärme bei einer Ultraschalluntersuchung erzeugt wird, ist abhängig von der absorbierten Schallintensität. Gesundes Gewebe verkraftet eine Temperaturerhöhung von bis zu 1,5 °C auch längerfristig. Ist das Gewebe schon vorher geschädigt, so kann die Temperaturerhöhung den Zustand eventuell verschlimmern.
Da auch in den Kliniken und Arztpraxen diese Risiken bekannt sind, erfolgt dort eine gewissenhafte Anpassung der Schallintensitäten, sodass eine Gesundheitsgefährdung eher unwahrscheinlich ist. Die Vorteile der Doppler-Sonographie liegen deshalb auch in der risikoarmen und vor allem schmerzlosen Anwendung. Im Gegensatz zum Röntgen sind die Patienten zudem keinerlei Strahlen ausgesetzt. Auch wirtschaftlich gesehen bringt die Doppler-Sonographie Vorteile. Die Anschaffungskosten für Sonographiegeräte sind deutlich geringer als bei Verfahren wie der Computertomographie oder der Magnetresonanztomographie. Zudem lassen sich mit der Doppler-Sonographie Flüssigkeitsströme ohne Kontrastmittel und in Echtzeit darstellen.
Nachteil bei der Doppler-Sonographie ist ihre ausgeprägte Untersucherabhängigkeit. Die Ergebnisse werden stark beeinflusst von dem Können und den diagnostischen Fähigkeiten des Untersuchenden.
Grundlage und Geschichte des Verfahrens
Das physikalische Prinzip, auf dem die Untersuchung beruht, wurde 1842 vom österreichischen Physiker Christian Doppler beschrieben und ist nach ihm benannt. Der Doppler-Effekt besagt, dass sich die wahrgenommene Frequenz einer Welle ändert, wenn sich die Quelle oder der Empfänger bewegt. Alltäglich vertraut ist er vom Martinshorn eines vorbeifahrenden Einsatzfahrzeugs, dessen Ton beim Näherkommen höher und beim Entfernen tiefer klingt. In der Medizin übernehmen die roten Blutkörperchen die Rolle des bewegten Gegenübers: Sie werfen die eingestrahlten Ultraschallwellen mit veränderter Frequenz zurück, und aus dieser Frequenzverschiebung errechnet das Gerät Richtung und Geschwindigkeit des Blutflusses.
In die medizinische Anwendung fand das Prinzip ab der Mitte des 20. Jahrhunderts, zunächst in Form einfacher Geräte, die den Blutfluss lediglich hörbar machten. Solche handlichen Stiftsonden, die ein rauschendes oder pfeifendes Strömungsgeräusch wiedergeben, sind bis heute im Einsatz, etwa zur schnellen Prüfung der Fußpulse. Mit der Verbindung von Bild und Blutflussmessung zur Duplexsonographie und später mit der Farbkodierung entstand daraus jenes Verfahren, das heute in Praxen und Kliniken zum Standard gehört.
Ablauf und Vorbereitung
Für die meisten Doppler-Untersuchungen ist keine besondere Vorbereitung nötig. Wer die Halsschlagadern, die Beinvenen oder das Herz untersuchen lässt, kann normal essen und trinken und muss auch verordnete Medikamente nicht absetzen. Anders verhält es sich bei der Darstellung von Gefäßen im Bauchraum: Dort stört Luft im Darm die Schallausbreitung erheblich, weshalb häufig gebeten wird, mehrere Stunden nüchtern zu bleiben und auf blähende Speisen zu verzichten.
Zu Beginn wird die zu untersuchende Körperregion freigemacht und mit einem Kontaktgel bestrichen. Das Gel verdrängt die Luft zwischen Schallkopf und Haut, denn schon ein dünner Luftspalt würde die Schallwellen fast vollständig zurückwerfen. Es ist wasserlöslich, lässt sich anschließend abwischen und wird meist nur als kühl empfunden. Die Untersuchung selbst ist schmerzfrei; spürbar ist allein der Druck des Schallkopfs, der bei der Suche nach tiefer gelegenen Gefäßen oder bei der Prüfung der Beinvenen auch kräftiger ausfallen kann.
Die Lagerung richtet sich nach der Fragestellung. Für die Halsgefäße wird der Kopf zur Seite gedreht, für die Beinvenen wird teils im Liegen, teils im Stehen untersucht, weil sich ein Rückfluss in den Venen erst unter der Schwerkraft zeigt. Bei der Untersuchung des Herzens wird häufig die linke Seitenlage eingenommen, damit das Herz näher an die Brustwand rückt. Mitunter wird gebeten, kurz die Luft anzuhalten, tief einzuatmen oder zu pressen; solche Manöver verändern die Druckverhältnisse und machen bestimmte Strömungsphänomene erst sichtbar. Die Dauer hängt von der Fragestellung und von den Schallbedingungen ab.
Auffällig ist während der Untersuchung das laute, rhythmische Rauschen aus dem Lautsprecher. Es ist kein Nebengeräusch, sondern der hörbar gemachte Blutfluss selbst und für die Beurteilung ebenso wichtig wie das Bild: Aus Klangcharakter und Rhythmus lässt sich ablesen, ob eine Strömung gleichmäßig verläuft oder ob sie sich an einer Engstelle verwirbelt.
Wer die Untersuchung durchführt
Die Doppler-Sonographie wird in vielen Fachgebieten eingesetzt und entsprechend von unterschiedlichen Berufsgruppen durchgeführt. In der Kardiologie gehört sie zur Untersuchung des Herzens, in der Angiologie und Gefäßchirurgie zur Beurteilung von Arterien und Venen, in der Neurologie zur Abklärung der hirnversorgenden Gefäße. Auch in der Geburtshilfe, der Nephrologie, der Urologie und der Inneren Medizin ist sie fester Bestandteil der Diagnostik. Viele Untersuchungen erfolgen ambulant in der Praxis, andere im Krankenhaus, in der Notaufnahme oder direkt am Krankenbett, da die Geräte fahrbar und inzwischen teilweise sehr klein sind.
Da das Ergebnis stark von der Erfahrung der untersuchenden Person abhängt, spielt die Ausbildung eine große Rolle. Wer die Sonde ungünstig ansetzt, misst zu niedrige Geschwindigkeiten und übersieht dadurch womöglich eine Engstelle. Aus diesem Grund werden Befunde in unklaren Fällen wiederholt oder durch ein weiteres Verfahren abgesichert.
Wichtige Anwendungsgebiete im Überblick
Bei Verdacht auf eine tiefe Beinvenenthrombose gehört die Ultraschalluntersuchung zu den zentralen Verfahren. Beurteilt wird dabei nicht nur der Blutfluss, sondern auch, ob sich die Vene unter Druck mit dem Schallkopf zusammendrücken lässt. Eine Vene, die sich nicht mehr zusammendrücken lässt, gilt als verdächtig auf ein Gerinnsel. Der Befund hat unmittelbare Folgen, denn aus einer unbehandelten Thrombose kann sich eine Lungenembolie entwickeln.
Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, umgangssprachlich Schaufensterkrankheit genannt, hilft das Verfahren dabei, Engstellen und Verschlüsse in den Bein- oder Beckenarterien zu lokalisieren. Ergänzend wird häufig mit einer einfachen Dopplersonde und einer Blutdruckmanschette der Verschlussdruck an Arm und Knöchel verglichen. Auch Krampfadern werden mit dem Verfahren beurteilt: Hier interessiert vor allem, ob die Venenklappen schließen oder ob das Blut in die falsche Richtung zurückfließt. Vor jeder Krampfaderbehandlung ist eine solche Untersuchung üblich, weil sich erst daraus ergibt, welche Venen entfernt oder verschlossen werden dürfen und welche für den Rückstrom gebraucht werden.
In der Schwangerschaftsbetreuung wird der Blutfluss in der Nabelschnur, in den Gebärmutterarterien und in Gefäßen des Ungeborenen beurteilt. Auffällige Strömungsmuster können auf eine unzureichende Versorgung über die Plazenta hinweisen und finden sich unter anderem bei einer Präeklampsie oder bei einem Wachstumsrückstand des Kindes. Der Befund beeinflusst dann, wie engmaschig kontrolliert wird und wann eine Entbindung erwogen wird. Die Untersuchung wird nicht bei jeder Schwangerschaft eingesetzt, sondern bei bestimmten Fragestellungen und Risikokonstellationen.
Weitere Einsatzgebiete sind die Beurteilung eines Aneurysmas der Bauchschlagader, die Kontrolle von Bypässen und Gefäßstützen nach Eingriffen, die Untersuchung von Transplantatnieren und die Darstellung der Durchblutung von Schilddrüsenknoten oder Tumoren. Beim transkraniellen Doppler werden die Hirnarterien durch dünne Stellen des Schädelknochens hindurch beschallt.
Grenzen und Aussagekraft
So breit die Doppler-Sonographie einsetzbar ist, so deutlich sind ihre Grenzen. Die gemessene Geschwindigkeit hängt vom Winkel ab, in dem der Schallstrahl auf das Gefäß trifft. Steht der Strahl senkrecht zum Blutfluss, wird trotz kräftiger Strömung kaum eine Frequenzverschiebung gemessen. Die untersuchende Person muss den Schallkopf daher bewusst schräg zum Gefäßverlauf führen und den Winkel am Gerät korrekt eingeben.
Luft und Knochen sind für Ultraschall nahezu undurchdringlich. Darmgas verdeckt Gefäße im Bauchraum, der Schädelknochen erschwert die Beurteilung der Hirngefäße, und stark verkalkte Gefäßwände werfen einen Schallschatten, hinter dem sich nichts mehr beurteilen lässt. Auch ein ausgeprägtes Übergewicht verschlechtert die Bildqualität, weil die Schallwellen eine längere Strecke im Gewebe zurücklegen müssen und dabei geschwächt werden. Sehr tief gelegene oder sehr kleine Gefäße entziehen sich der Darstellung ebenso.
Hinzu kommt die bereits erwähnte Abhängigkeit von der untersuchenden Person. Anders als bei einer Schnittbildaufnahme, die vollständig gespeichert und später erneut durchgesehen werden kann, entsteht der Befund im Moment der Untersuchung. Was nicht aufgesucht wurde, taucht in der Dokumentation nicht auf. Deshalb wird bei widersprüchlichen Ergebnissen oder vor größeren Eingriffen häufig ein weiteres Verfahren herangezogen: die Angiographie mit Kontrastmittel, die Gefäßdarstellung mittels Computertomographie oder mittels Magnetresonanztomographie. Diese Verfahren liefern übersichtlichere Bilder der Gefäßverläufe, sind aber aufwendiger und teils mit Strahlung oder Kontrastmittelgabe verbunden.
Was aus dem Befund folgt
Ein unauffälliger Doppler-Befund bedeutet, dass sich in den untersuchten Gefäßen zum Untersuchungszeitpunkt keine bedeutsame Strömungsstörung gezeigt hat. Er schließt Beschwerden anderer Ursache nicht aus und gilt nicht unbegrenzt, denn Gefäßveränderungen entwickeln sich über die Zeit.
Aus einem auffälligen Befund ergibt sich nicht automatisch ein Eingriff. Eine geringgradige Verengung der Halsschlagader etwa führt in der Regel zunächst zu regelmäßigen Kontrollen und zur Behandlung der Risikofaktoren — dazu zählen Bluthochdruck, ein erhöhter Cholesterinspiegel, Diabetes mellitus und das Rauchen. Erst bei stärkerer Einengung oder nach bereits aufgetretenen Durchblutungsstörungen im Gehirn wird eine Behandlung des Gefäßes erwogen. Wie bei allen Untersuchungen gilt: Der Befund wird gemeinsam mit den Beschwerden, der Vorgeschichte und den übrigen Ergebnissen bewertet, nicht für sich allein.
Weil das Verfahren weder Strahlung einsetzt noch einen Eingriff erfordert, eignet es sich gut für Verlaufskontrollen. Bekannte Engstellen, behandelte Krampfadern, Bypässe oder ein kleines Aneurysma der Bauchschlagader lassen sich in festgelegten Abständen erneut messen, sodass eine Zunahme rechtzeitig auffällt. Die Kosten werden bei medizinischer Begründung von den Krankenkassen getragen; als Leistung ohne medizinischen Anlass, etwa im Rahmen einer reinen Vorsorgeuntersuchung auf Wunsch, kann eine Selbstzahlung anfallen.
Quellen
- Debus, J., Delorme, S., Jenderka, K.-V.: Duale Reihe Sonografie.
ISBN: 9783131519139
- Reiser, M., Kuhn, F.-P., Debus, J. (Hrsg.): Duale Reihe Radiologie.
ISBN: 9783132444621
- Marx, N., Erdmann, E. (Hrsg.): Klinische Kardiologie.
ISBN: 9783662629314
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
- Kaisenberg, C. von, Klaritsch, P., Hösli-Krais, I. M. (Hrsg.): Die Geburtshilfe.
ISBN: 9783662635056
