Geburtshilfe

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Geburtshilfe ist ein Teil der Medizin, die sich mit der Unterstützung der menschlichen Geburt befasst. An ihr sind Hebammen sowie Ärztinnen und Ärzte, vor allem Gynäkologen, beteiligt: Hebammen betreuen regelrechte Geburten eigenverantwortlich und ziehen bei Regelwidrigkeiten ärztliche Hilfe hinzu; umgekehrt sind Ärztinnen und Ärzte verpflichtet, dafür zu sorgen, dass zu jeder Geburt eine Hebamme hinzugezogen wird.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Geburtshilfe?

Geburtshilfe
Die Geburtshilfe ist ein Teil der Medizin, die sich mit der Unterstützung der menschlichen Geburt befasst. An ihr sind Hebammen sowie Ärztinnen und Ärzte, vor allem Gynäkologen, beteiligt.

Die Arbeit der medizinischen Geburtshilfe beginnt ab der Entstehung der Schwangerschaft und endet mit der Nachsorge der Frau nach der Geburt. Während der Schwangerschaft sieht die Geburtshilfe verschiedene Kontrolluntersuchungen und bei Frauen in Risikogruppen weitere ergänzende Untersuchungen zur Sicherstellung der Gesundheit von Mutter und Kind vor. Diese werden hauptsächlich von einem Gynäkologen durchgeführt.

Bereits ab Bekanntwerden einer Schwangerschaft kann eine Hebamme zur ergänzenden Untersuchung von Mutter und Kind hinzugezogen werden. Bis Ende 2019 führten Männer in diesem Beruf die Bezeichnung Entbindungspfleger; seit 2020 lautet die Berufsbezeichnung für alle Geschlechter Hebamme. Übernimmt die Hebamme schon während der Schwangerschaft einen Teil der Betreuung, kennt sie die Frau bereits, wenn sie sie während der Geburt begleitet. Während der Geburt selbst überwachen die Fachkräfte der Geburtshilfe den Verlauf der Geburt, die Wehen, die Aktivität des Muttermundes und den Allgemeinzustand von Mutter und Kind. Hebammen helfen der gebärenden Frau auch seelisch, mit der Geburt zurechtzukommen; die psychosoziale Begleitung gehört ebenso zu ihren Aufgaben wie die Überwachung des Geburtsverlaufs.

Ergänzend haben sich neben der medizinischen Geburtshilfe andere Tätigkeiten wie die der Doula entwickelt, die der Frau als seelische Stütze dient, ohne medizinische Aufgaben zu übernehmen. In der Klinik ist ärztliche Hilfe während der gesamten Geburt verfügbar; in den regelrechten Verlauf greift der Gynäkologe nicht ein, wohl aber bei Komplikationen. Geburtsoperationen sind Sache des Gynäkologen. Die Nachsorge im Wochenbett übernimmt vor allem die Hebamme; die abschließende ärztliche Untersuchung findet einige Wochen nach der Geburt statt.

Behandlungen & Therapien

Die Geburtshilfe beginnt bei der Feststellung der Schwangerschaft. Hierzu dient zunächst ein Schwangerschaftstest, der das Hormon HCG im Urin nachweist; im Blut lässt sich der HCG-Spiegel zusätzlich bestimmen. Anhand dieses Hormons lässt sich eine Schwangerschaft feststellen. Danach übernimmt der Gynäkologe regelmäßige Ultraschalluntersuchungen, untersucht Blut- und Urinproben zu verschiedenen Zeitpunkten und bietet der Frau je nach Risikogruppe ergänzende, optionale Untersuchungen an.

Im ersten Trimester wird im Rahmen der Geburtshilfe die Versorgung der Frau mit lebenswichtigen Nährstoffen überprüft. Gegen Röteln kann in der Schwangerschaft nicht geimpft werden, weil es sich um eine Lebendimpfung handelt; dieser Schutz muss vor einer Schwangerschaft aufgebaut werden. Empfohlen werden von der Ständigen Impfkommission dagegen Impfungen mit Totimpfstoffen, etwa gegen Grippe und Keuchhusten. Der Urin wird bei den Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig auf Infektionen hin untersucht; ein Abstrich vom Muttermund erfolgt zu Beginn der Schwangerschaft und später bei entsprechendem Verdacht. Während der Ultraschalluntersuchungen kann das Kind auf seine Gesundheit hin überwacht werden. So gilt die Früherkennung von Fehlbildungen als Teil der Geburtshilfe in den ersten Monaten der Schwangerschaft. Der Gynäkologe kann ergänzende Untersuchungen wie die Entnahme von Fruchtwasser durchführen, um Erkrankungen festzustellen oder auszuschließen.

Fällt in dieser Zeit die Entscheidung für eine Abtreibung, wird der Eingriff von einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt vorgenommen; die Betreuung bleibt damit im gynäkologischen Bereich. In Begleitung zu den gynäkologischen Untersuchungen kann eine Schwangere eine Hebamme in Anspruch nehmen, die Mutter und Kind ebenfalls per Ultraschall sowie durch Abtasten untersucht. Sie kann der Frau während der Schwangerschaft Tipps und Hilfsmittel zur Verfügung stellen, mit denen sich der Alltag leichter bewältigen lässt. Während der Geburt selbst gehören sowohl die Begleitung einer normalen Geburt wie auch der Eingriff in eine problematische Geburt zum Spektrum der Geburtshilfe. Während normale Geburten lediglich unterstützend begleitet werden, kommt es bei Problemen zu chirurgischen Eingriffen durch den anwesenden Gynäkologen. Bestenfalls genügen Dammschnitte, schlimmstenfalls kommt es zum Notkaiserschnitt.


Diagnose & Untersuchungsmethoden

Grundsätzlich kennt die Geburtshilfe folgende Diagnose-, Untersuchungs- und Behandlungsverfahren:

  • Blutuntersuchung
  • Urinuntersuchung
  • Abstrich des Muttermundes
  • Ultraschall
  • histologische Untersuchungen
  • Nahrungsergänzungen während der Schwangerschaft (oral, intravenös)
  • operative Verfahren vor und während der Geburt
  • Schmerzbehandlung während der Geburt
  • direkte Geburtsnachsorge

Die Geburtshilfe vor der Geburt untersucht regelmäßig den Gesundheitszustand von Mutter und Kind. Sie klärt ab, ob gefährliche Infektionen bestehen, die durch die veränderte Tätigkeit des Immunsystems in der Schwangerschaft begünstigt werden können. Diese behandelt sie entsprechend der Möglichkeiten während einer bestehenden Schwangerschaft. Fehlentwicklungen und Risiken kann die Geburtshilfe teilweise behandeln, rechtzeitig erkennen oder ausschließen. Ergibt eine vorgeburtliche Untersuchung einen auffälligen Befund, haben die Eltern Anspruch auf eine ärztliche und auf eine psychosoziale Beratung, bevor sie über den weiteren Verlauf der Schwangerschaft entscheiden; ein Schwangerschaftsabbruch ist dabei nur eine von mehreren Möglichkeiten.

Die Geburtshilfe erkennt im Verlauf der Schwangerschaft mittels Ultraschalluntersuchungen ungünstige Lagen des Kindes und kann die Geburt entsprechend vorbereiten oder die Frau bei einer notwendigen Entscheidung für die Art der Geburt unterstützen. Mithilfe von Blutuntersuchungen wird die Versorgung der Frau mit wichtigen Nährstoffen festgestellt, die für ihre eigene Gesundheit und die Entwicklung ihres Kindes nötig sind. Gegebenenfalls kann der Gynäkologe eine Nahrungsergänzung in Tablettenform verschreiben, in Fällen schwerer Mängel kann auch die intravenöse Gabe schnelle Abhilfe schaffen. Besonders bei großem Eisenmangel kommen Eisen-Infusionen in Frage, da sie schneller wirken; sie werden wegen möglicher Unverträglichkeitsreaktionen unter ärztlicher Überwachung gegeben.

Im letzten, körperlich anstrengenden Drittel der Schwangerschaft kommen bei der Geburtshilfe oft Stützen aus dem Sanitätshaus etwa für Rücken- und Bauchmuskulatur in Frage. Häufig wird jetzt ein CTG geschrieben, das den Herzschlag des Kindes und die Wehentätigkeit aufzeichnet; nach den Mutterschafts-Richtlinien ist es in der Schwangerschaft keine Routineuntersuchung, sondern an bestimmte Anlässe gebunden. Während der Geburt überwacht die Geburtshilfe mit Wehenschreibern und körperlichen Untersuchungen den normalen Verlauf. Lange Zeit wurde bei natürlichen Geburten häufig routinemäßig ein Dammschnitt gesetzt; nach heutigem Kenntnisstand wird er nur noch bei einer klaren Indikation durchgeführt, sein Anteil ist deutlich zurückgegangen. Seltener sind Eingriffe mit der Saugglocke oder der Geburtszange. Weiterhin kann die Frau zur Schmerzbekämpfung eine Periduralanästhesie (PDA) erhalten. Im Notfall oder auf ausdrücklichen Wunsch der Frau hin wird ein Kaiserschnitt durchgeführt. Je nach Art der Geburt werden unterschiedliche Maßnahmen der Nachsorge erforderlich, die von Sitzbädern bei Dammschnitt bis zur Wundversorgung nach dem Kaiserschnitt reichen.

Orte der Geburt und Wahl der Betreuung

Wo ein Kind zur Welt kommt, entscheiden die Eltern grundsätzlich selbst. Die meisten Geburten in Deutschland finden in einer Klinik statt. Dort steht rund um die Uhr ein Team aus Hebammen, Ärztinnen und Ärzten sowie ein Operationssaal für einen Kaiserschnitt bereit. Manche Kliniken bieten zusätzlich einen hebammengeleiteten Kreißsaal an: Die Geburt wird von Hebammen begleitet, ärztliche Hilfe ist aber im selben Haus verfügbar und wird bei Regelwidrigkeiten hinzugezogen. Im Belegsystem betreut eine frei praktizierende Hebamme die Frau während der Schwangerschaft und begleitet sie zur Geburt in die Klinik, in der sie einen Belegvertrag hat.

Außerhalb der Klinik sind die Geburt im Geburtshaus und die Hausgeburt möglich, beide in der Verantwortung einer Hebamme. Sie kommen für Schwangerschaften ohne erkennbare Risiken in Betracht; treten Regelwidrigkeiten auf, ist eine Verlegung in die Klinik vorgesehen, weshalb die Entfernung zur nächsten Geburtsklinik eine Rolle spielt. Zeichnen sich Komplikationen ab – etwa eine drohende Frühgeburt, eine Mehrlingsschwangerschaft oder eine Erkrankung von Mutter oder Kind –, wird eine Klinik mit angeschlossener Neugeborenenmedizin empfohlen, damit das Kind nach der Geburt nicht verlegt werden muss. Für die höchste Versorgungsstufe hat sich die Bezeichnung Perinatalzentrum eingebürgert.

Vorsorge: der Mutterpass und die Untersuchungstermine

Zu Beginn der Betreuung wird ein Mutterpass ausgestellt, in dem alle Befunde der Schwangerschaft gesammelt werden. Er enthält unter anderem die Blutgruppe und den Rhesusfaktor, das Ergebnis der Suche nach Antikörpern gegen kindliche Blutmerkmale, den Blutfarbstoffwert als Hinweis auf eine Anämie und die Ergebnisse der Untersuchungen auf bestimmte Infektionen. Der Pass gehört der Schwangeren und sollte in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft immer mitgeführt werden, damit im Notfall jede Klinik die Vorgeschichte kennt.

Die Vorsorgetermine folgen einem festen Raster, das gegen Ende der Schwangerschaft enger wird. Bei jedem Termin werden Gewicht und Blutdruck gemessen, der Urin untersucht, der Stand der Gebärmutter getastet und die Herztöne des Kindes abgehört. Die Mutterschafts-Richtlinien sehen außerdem drei Ultraschalluntersuchungen vor, je eine im ersten, im mittleren und im letzten Drittel der Schwangerschaft. Sie dienen der Bestimmung des Schwangerschaftsalters, der Beurteilung von Wachstum und Entwicklung des Kindes, der Lage des Mutterkuchens und der Fruchtwassermenge. Vorgesehen ist ferner eine Untersuchung auf einen Schwangerschaftsdiabetes, die in zwei Stufen abläuft: Erst bei auffälligem Vorbefund folgt der ausführlichere Test.

Über diesen Rahmen hinaus werden zusätzliche Untersuchungen angeboten, die die Frau selbst entscheiden muss. Dazu gehören Verfahren der Pränataldiagnostik wie die Fruchtwasseruntersuchung oder die Chorionzottenbiopsie, die Erbanlagen des Kindes untersuchen, aber mit einem Eingriff verbunden sind. Zu jeder solchen Untersuchung gehört ein Gespräch darüber, was ein auffälliges Ergebnis bedeuten würde und welche Möglichkeiten sich daraus ergeben – und ebenso darüber, dass ein unauffälliges Ergebnis nur die untersuchten Merkmale betrifft und kein gesundes Kind garantiert.

Häufige Komplikationen in der Schwangerschaft

Ein Teil der geburtshilflichen Arbeit besteht darin, Störungen früh zu erkennen. Steigt der Blutdruck an und treten Eiweiß im Urin oder Wassereinlagerungen hinzu, kann sich eine Präeklampsie entwickeln, die Mutter und Kind gefährdet und engmaschige Kontrollen erfordert. Ein unbehandelter Schwangerschaftsdiabetes kann dazu führen, dass das Kind übermäßig wächst, was die Geburt erschwert. Vorzeitige Wehen und ein früher Blasensprung können eine Frühgeburt einleiten. Blutungen in der zweiten Schwangerschaftshälfte sind stets ein Grund, sofort ärztliche Hilfe zu suchen; eine mögliche Ursache ist ein tief sitzender Mutterkuchen, der den Geburtsweg verlegt.

Auch die Lage des Kindes wird beobachtet. Die meisten Kinder drehen sich von selbst mit dem Kopf nach unten. Bleibt es bei einer Beckenendlage, wird gemeinsam besprochen, ob ein Versuch, das Kind von außen zu drehen, eine Geburt aus Beckenendlage in einer erfahrenen Klinik oder ein geplanter Kaiserschnitt der geeignete Weg ist. Ist die Mutter rhesusnegativ und das Kind rhesuspositiv, kann das mütterliche Abwehrsystem Antikörper gegen die kindlichen roten Blutkörperchen bilden; die Geburtshilfe kennt hierfür eine vorbeugende Behandlung, deren Zeitpunkt ärztlich festgelegt wird.

Der Geburtsverlauf

Die Geburt wird üblicherweise in mehrere Abschnitte eingeteilt. In der Eröffnungsphase werden die Wehen regelmäßiger und kräftiger, der Muttermund öffnet sich; dies ist meist der längste Abschnitt. Es folgt die Austreibungsphase, in der die Frau mitschiebt und das Kind geboren wird, und schließlich die Nachgeburtsphase, in der sich der Mutterkuchen löst und ausgestoßen wird. Die Hebamme prüft anschließend, ob die Nachgeburt vollständig ist, da zurückgebliebene Reste zu Blutungen führen können. Wie lange eine Geburt dauert, ist von Frau zu Frau sehr verschieden; bei einer ersten Geburt zieht sie sich in der Regel länger hin als bei späteren.

Zur Linderung der Schmerzen stehen mehrere Wege offen, die sich kombinieren lassen. Bewegung, Wärme, ein Bad, Massage und die Begleitung durch eine vertraute Person gehören zu den nichtmedikamentösen Möglichkeiten. Medikamentös kommen krampflösende Mittel und Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide infrage, ferner die Periduralanästhesie, bei der ein Betäubungsmittel über einen dünnen Katheter in der Nähe des Rückenmarks gegeben wird. Welche Verfahren im Einzelfall geeignet sind, hängt vom Geburtsverlauf ab und wird ärztlich entschieden.

Kommt die Geburt nicht voran oder verschlechtert sich der Zustand des Kindes, greift die Geburtshilfe ein. Möglich sind eine Unterstützung der Wehentätigkeit, eine Geburtseinleitung, die Entbindung mit Saugglocke oder Zange und der Kaiserschnitt. Ein Dammriss wird nach der Geburt versorgt und genäht. Unmittelbar nach der Geburt wird der Zustand des Kindes anhand des Apgar-Scores beurteilt; ergänzend kann der Säuregrad des Nabelschnurblutes bestimmt werden, um die Sauerstoffversorgung während der Geburt einzuschätzen.

Wochenbett, Nachsorge und Untersuchungen des Kindes

Nach der Geburt beginnt das Wochenbett. Die Gebärmutter bildet sich zurück, es kommt zum Wochenfluss, und die Brust stellt sich auf das Stillen ein. Die Hebamme betreut Mutter und Kind in dieser Zeit auch zu Hause: Sie kontrolliert die Rückbildung und die Wundheilung, wiegt das Kind, beobachtet die Nabelheilung und die Gelbfärbung der Haut und hilft bei Schwierigkeiten beim Anlegen. Später schließt sich häufig eine Rückbildungsgymnastik an.

Zur Nachsorge gehört auch der Blick auf die seelische Verfassung. Stimmungsschwankungen in den ersten Tagen nach der Geburt sind häufig und vergehen meist von selbst. Halten Niedergeschlagenheit, Erschöpfung oder Ängste an, kann eine Wochenbettdepression dahinterstehen, die behandelbar ist und für die es besondere Beratungsangebote gibt. Fieber, übel riechender Wochenfluss oder starke Unterbauchschmerzen im Wochenbett sind dagegen Warnzeichen für eine Infektion – das früher gefürchtete Kindbettfieber – und erfordern rasche ärztliche Abklärung.

Das Kind selbst wird nach einem festen Plan untersucht. Noch im Kreißsaal erfolgt die erste Untersuchung, vor der Entlassung die zweite. Dabei werden Blutstropfen aus der Ferse für das Neugeborenenscreening gewonnen, das seltene angeborene Stoffwechsel- und Hormonstörungen aufspüren soll, solange sie noch keine Schäden angerichtet haben. Hinzu kommt eine Untersuchung des Gehörs. Zur Vorbeugung von Blutungen erhalten Neugeborene Vitamin K; über Form und Zeitpunkt entscheidet die Kinderärztin oder der Kinderarzt. Die abschließende Untersuchung der Mutter findet einige Wochen nach der Geburt bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt statt.

Zur Geschichte der Geburtshilfe

Über Jahrhunderte war die Geburt eine Angelegenheit von Frauen, begleitet von erfahrenen Helferinnen, und fand zu Hause statt. Ärztliche Geburtshilfe entstand erst allmählich und war zunächst auf schwere Verläufe beschränkt. Ein Wendepunkt war die Erkenntnis, dass das Kindbettfieber von den Händen der Untersuchenden übertragen wurde: Der ungarische Arzt Ignaz Semmelweis wies Mitte des 19. Jahrhunderts an einer Wiener Klinik nach, dass eine Desinfektion der Hände vor der Untersuchung die Sterblichkeit der Wöchnerinnen senkte. Seine Beobachtung setzte sich zu seinen Lebzeiten nur zögernd durch.

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts verlagerte sich die Geburt weitgehend in die Klinik. Damit gewannen Überwachungsverfahren wie der Wehenschreiber und der Ultraschall an Bedeutung, und Eingriffe wie der Kaiserschnitt wurden sicherer. In jüngerer Zeit wird stärker darauf geachtet, den normalen Verlauf nicht ohne Grund zu stören: Der Verzicht auf den routinemäßigen Dammschnitt gehört ebenso dazu wie die Möglichkeit, sich während der Geburt frei zu bewegen und die Gebärhaltung selbst zu wählen. Der Beruf der Hebamme hat sich parallel verändert; die Ausbildung erfolgt inzwischen als Hochschulstudium.

Quellen

  • Schneider, H., Husslein, P., Schneider, K.-T. M. (Hrsg.): Die Geburtshilfe.
    ISBN: 9783662450635
  • Weyerstahl, T., Stauber, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe.
    ISBN: 9783131253446
  • Kiechle, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe.
    ISBN: 9783437424076
  • Murken, J., Grimm, T., Holinski-Feder, E., Zerres, K. (Hrsg.): Taschenlehrbuch Humangenetik.
    ISBN: 9783132416871
  • Füeßl, H. S., Middeke, M.: Anamnese und klinische Untersuchung.
    ISBN: 9783132443099

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