Hypersplenismus
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 19. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei einem Hypersplenismus handelt es sich um eine Erkrankung, die unter Umständen im Zusammenhang mit einer Splenomegalie auftritt. Dabei vergrößert sich die Milz, wodurch sich ihre funktionellen Effekte mehr als nötig verstärken und Schwierigkeiten verursachen. Der Hypersplenismus ist damit keine eigenständige Krankheit, sondern die Folge einer Grunderkrankung – am häufigsten einer Leberzirrhose mit Pfortaderhochdruck. Von der reinen Milzvergrößerung unterscheidet er sich dadurch, dass die vergrößerte Milz zugleich vermehrt Blutzellen abbaut.
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Was ist Hypersplenismus?
Grundsätzlich bezeichnet der Begriff Hypersplenismus eine Überfunktion der Milz. Für die Erkrankung wird unter Umständen auch die synonyme Bezeichnung Hypersplenie verwendet. Im überwiegenden Teil der Fälle bildet sich ein Hypersplenismus infolge einer Vergrößerung der Milz aus.
Diese Krankheit wird als Komplikation einer Splenomegalie bezeichnet. Im Zusammenhang mit der Vergrößerung des Organs wird dessen Kapazität deutlich erhöht. Dadurch sammelt sich eine größere Anzahl an Blutzellen im Inneren der Milz an.
Außerdem werden vermehrt Blutzellen in dem Organ abgebaut. In der Folge verringern sich die Blutzellen, was auch als Panzytopenie bezeichnet wird. Dabei sind die verschiedenen Arten von Blutkörperchen wie Leukozyten, Erythrozyten und Thrombozyten unterschiedlich stark involviert. Der Organismus versucht den pathologischen Zustand zu kompensieren, indem er die Blutbildung im Knochenmark steigert.
Ursachen
Grundsätzlich wird dabei in einen primären und einen sekundären Hypersplenismus unterschieden. Um einen primären Hypersplenismus handelt es sich zum Beispiel im Zusammenhang mit der sogenannten Banti-Krankheit. Die Vorstellung einer eigenständigen Banti-Krankheit gilt heute allerdings als überholt; hinter diesem Bild steht in aller Regel ein Pfortaderhochdruck bei einer Lebererkrankung. Ein sekundärer Hypersplenismus ist bei mehreren Erkrankungen möglich, die eine Vergrößerung der Milz implizieren.
Darüber hinaus kommen verschiedene Infektionen als Ursache infrage, etwa Malaria, Kala-Azar oder das Felty-Syndrom. Außerdem führen einige maligne Lymphome, Leberzirrhose oder verschiedene Autoimmunerkrankungen wie etwa der Lupus erythematodes zur Bildung eines Hypersplenismus. Zudem sind diverse Speicherkrankheiten, beispielsweise das Gaucher-Syndrom oder andere Thesaurismosen, in der Lage, einen Hypersplenismus auszulösen.
Grundsätzlich liegt bei einem primären Hypersplenismus keine andere Grunderkrankung vor. Sekundäre Ursachen sind beispielsweise Erkrankungen der Galle oder Leber wie etwa eine Virus-Hepatitis oder eine Cholangitis. Hämatologische Ursachen bestehen zum Beispiel in hämolytischen Anämien, Leukämien oder Morbus Hodgkin.
Mögliche Speicherkrankheiten sind etwa eine Hämochromatose oder Glykogenosen. Infektionskrankheiten, die unter Umständen einen Hypersplenismus auslösen, sind AIDS, Typhus, Mononukleose und Leptospirose. Auch Toxoplasmose, Morbus Bang, Röteln und Paratyphus zählen dazu.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Ein Hypersplenismus geht mit einer Reihe von typischen Symptomen und Beschwerden einher. Durch die Vergrößerung der Milz werden vermehrt Blutkörperchen in dem Organ zurückgehalten und abgebaut. Dabei handelt es sich in erster Linie um Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten.
In der Folge bildet sich eine Panzytopenie, eine sogenannte Zellarmut. Die verschiedenen Typen von Blutzellen sind dabei unterschiedlich stark involviert. Kommt es zu einer Anämie, sind unter Umständen häufige Bluttransfusionen notwendig. Im Rahmen einer Thrombozytopenie wird die Neigung zu Blutungen verstärkt, während eine Leukozytopenie den betroffenen Patienten anfälliger für Infektionskrankheiten macht.
Als Reaktion auf den vermehrten Abbau der Blutzellen erfolgt eine Hypertrophie des für die Blutbildung zuständigen Knochenmarks. Ist die Milz besonders stark vergrößert, führt sie unter Umständen zu Schmerzen, da benachbarte Organe gequetscht werden. Generelle Symptome eines Hypersplenismus zeigen sich zum Beispiel in trockenen Schleimhäuten, Anzeichen einer Anämie oder einem ungewöhnlich starken Verlangen nach süßen Speisen.
Bei einer leichten Vergrößerung der Milz kommen als Ursache zum Beispiel eine Endokarditis oder Typhus in Betracht. Eine mittlere Vergrößerung findet sich beispielsweise bei Leukämie, Hepatitis oder Leberzirrhose. Ist die Milz besonders stark vergrößert, leiden die betroffenen Patienten teilweise unter einem Druckgefühl im oberen Bauchbereich auf der linken Körperseite.
Prinzipiell nehmen die Funktionen der Milz entsprechend dem Grad ihrer Vergrößerung zu. Die Folgen sind eine Zytopenie, Anämie oder Thrombozytopenie. Auch ist eine Hyperplasie des Knochenmarks möglich.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Leidet eine Person an einem oder mehreren typischen Symptomen eines Hypersplenismus, ist ein Arzt zu konsultieren. Der behandelnde Arzt analysiert im ersten Schritt der Untersuchung die Krankengeschichte des Patienten. Im Anschluss an die Anamnese erfolgen diverse klinische Untersuchungen. So wird zum Beispiel die Milz ertastet, die bei einem Hypersplenismus deutlich vergrößert ist.
Im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung zeigt sich die Vergrößerung der Milz eindeutig und weist auf die Erkrankung hin. Der Verdacht auf die Diagnose Hypersplenismus wird durch eine Blutuntersuchung bestätigt. Hier zeigt sich der verringerte Anteil an Blutkörperchen. Durch eine Untersuchung des Knochenmarks ist außerdem die gesteigerte Blutbildung erkennbar. Eine sichere Diagnose ist mittels Szintigraphie zu stellen. Diese Untersuchung wird heute allerdings nur noch selten benötigt; in der Regel genügen der Nachweis der vergrößerten Milz im Ultraschall, das Blutbild und die Abklärung der zugrunde liegenden Erkrankung.
Komplikationen
Durch die Vergrößerung der Milz können auch andere Organe verdrängt oder gequetscht werden, was zu Komplikationen an den betroffenen Organen führt. Leberzirrhose und Leukämie sind dabei nicht Folge, sondern häufige Ursachen eines Hypersplenismus und müssen ihrerseits behandelt werden. Der Betroffene leidet auch an unangenehmen Druckgefühlen auf der linken Seite des Körpers, die den Alltag für den Betroffenen erschweren und die Lebensqualität stark einschränken. Ohne Behandlung kann es für den Patienten im schlimmsten Falle zum Tode kommen.
In seltenen Fällen wird beim Hypersplenismus die Milz vollständig aus dem Körper des Patienten entfernt. Dieses Organ ist zwar nicht lebensnotwendig, doch steigt nach seiner Entfernung dauerhaft das Risiko für schwere bakterielle Infektionen, weshalb vorher Schutzimpfungen erfolgen müssen. In vielen Fällen können die Beschwerden allerdings auch mit Hilfe von Bluttransfusionen eingeschränkt werden, sodass auch kein operativer Eingriff notwendig ist.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Bei auffallender Blässe im Gesicht, einer inneren Schwäche oder Abgeschlagenheit, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Kommt es bei leichten Verletzungen zu starken Blutungen, gilt dies als ungewöhnlich und muss kontrolliert werden. Dem Betroffenen droht durch die vorhandene Blutarmut eine Unterversorgung des Organismus und damit ein lebensbedrohlicher Zustand. Schwindel, Gangunsicherheiten, Kraftlosigkeit und Energieverlust sind Hinweise, die untersucht werden sollten. Leidet der Betroffene häufiger unter Infekten oder ist er anfällig für Entzündungen, ist ein Kontrollbesuch zur Klärung der Hinweise anzuraten.
Schmerzen, eine erschwerte Atmung oder ein Engegefühl im Oberkörper, sind untersuchen und behandeln zu lassen. Mundtrockenheit, trockene Schleimhäute oder Schluckbeschwerden sind ebenfalls medizinisch abklären zu lassen. Hat der Betroffene das Bedürfnis, vermehrt süße Speisen zu verzehren, gilt dies als ungewöhnlich. Ein Arzt sollte aufgesucht werden, sofern dieser Drang nach süßen Lebensmitteln über mehrere Wochen oder Monate unvermittelt anhält.
Kommt es zu Kopfschmerzen, einem verstärkten Herzklopfen oder einer herabgesetzten geistigen Leistungsfähigkeit, ist ein Arztbesuch anzuraten. Bei einer verminderten körperlichen Kraft sowie einer erhöhten Müdigkeit wird ein Arzt benötigt. Antriebslosigkeit, Rückzugsverhalten und eine melancholische Stimmung sind Hinweise, denen nachgegangen werden sollte. Kommt es zu Störungen der Aufmerksamkeit oder Gangunsicherheiten, ist ein Arztbesuch anzuraten.
Behandlung & Therapie
Zur Therapie eines Hypersplenismus stehen verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl. Im Vordergrund steht die Behandlung der Grunderkrankung, etwa die Senkung des Pfortaderhochdrucks bei einer Leberzirrhose; bessert sie sich, geht auch der Hypersplenismus zurück. Zum einen kommen regelmäßige Bluttransfusionen infrage, um den Mangel an Blutzellen zu kompensieren. Dies ist vor allem bei einer Anämie oder Thrombozytopenie der Fall.
Grundsätzlich ist die Milz jedoch kein zwingend für die Lebensfähigkeit des menschlichen Organismus notwendiges Organ. Aus diesem Grund kann bei schweren, anders nicht beherrschbaren Beschwerden die Entfernung der Milz erwogen werden (medizinische Bezeichnung Splenektomie). Lange Zeit galt dieser Eingriff als Standardbehandlung; heute ist er die Ausnahme, weil die Entfernung der Milz dauerhaft anfällig für schwere Infektionen macht. Vor der Operation sind deshalb Impfungen gegen Pneumokokken, Meningokokken und Haemophilus influenzae Typ b erforderlich.
Aussicht & Prognose
Die Überfunktion der Milz kann verschiedene Ursachen haben. Diese sind für die Prognosestellung des Hypersplenismus maßgebend. Tritt die Komplikation als Folge einer Krebserkrankung auf, wird die Prognose in Abhängigkeit von der Aussicht auf eine Heilung, dem Zeitpunkt der Diagnosestellung, dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten sowie der Wirksamkeit der Therapie erstellt. Bei einer erfolgreichen Krebstherapie sowie dem Abschluss aller Nachbehandlungen kann der Hypersplenismus sich vollständig zurückbilden.
Ist die Krebserkrankung soweit fortgeschritten, dass keine Heilung mehr erzielt wird, findet eine Umstrukturierung des Behandlungsplans statt. Das Ziel liegt dann in der Symptomlinderung schwerwiegender Beeinträchtigungen und nicht in der Heilung des Hypersplenismus.
Bei einer chronischen Grunderkrankung ist eine Rückbildung des vergrößerten Organs nicht zu erwarten. In einer Langzeittherapie wird der Organismus regelmäßig mit den notwendigen Blutzellen unterstützt. Eine dauerhafte Regeneration der Milz wird nur selten oder gar nicht erreicht. Sieht der Behandlungsplan eine Entfernung der Milz vor, gehen die mit dem Hypersplenismus verbundenen Beschwerden in der Regel vollständig zurück.
Das nicht lebensnotwendige Organ kann bei starken Schmerzen oder einer Aussichtslosigkeit der Symptomlinderung in einer Operation dem Patienten in einem routinierten Ablauf entnommen werden. Da ein operativer Eingriff grundsätzlich mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden ist, kann es jedoch zu Folgeerscheinungen oder Komplikationen kommen.
Vorbeugung
Konkrete Methoden und Maßnahmen zur wirksamen Vorbeugung eines Hypersplenismus sind aktuell noch nicht bekannt beziehungsweise nicht ausreichend erforscht. Von umso größerer Relevanz ist es, schon bei den ersten Anzeichen eines Hypersplenismus einen geeigneten Arzt aufzusuchen und die Beschwerden untersuchen zu lassen. Denn eine zeitige Diagnosestellung wirkt sich positiv auf die Prognose aus. Da der Hypersplenismus stets die Folge einer anderen Erkrankung ist, besteht die wirksamste Vorbeugung in deren konsequenter Behandlung – etwa der rechtzeitigen Therapie einer Leberzirrhose oder einer chronischen Hepatitis.
Nachsorge
Die Nachbehandlung bei Hypersplenismus richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung und danach, ob die Milz in einer Operation entfernt wurde. Die Erkrankung lässt sich im Allgemeinen nicht durch eigene Vorsorgemaßnahmen verhindern. Für die Patienten ist deshalb eine ärztliche Therapie unerlässlich.
Bei der Nachsorge kommt es darauf an, frühe Anzeichen eines Rückfalls sofort zu erkennen und im Rahmen eines ärztlichen Termins zu untersuchen. Je eher die Diagnoseerstellung erfolgt, desto besser ist die Prognose für die Betroffenen. In der Phase der Nachsorge sollten sich die Patienten außerdem schonen. Körperlich anstrengende Aktivitäten und Stress stellen eine hohe Belastung dar und können sich negativ auf die Gesundheit auswirken.
Bei ausgeprägter Blutarmut erhalten die Patienten regelmäßige Bluttransfusionen. Hier ist eine konsequente Terminabsprache sehr wichtig. Wurde die Milz entfernt, sind die empfohlenen Schutzimpfungen und bei Fieber eine rasche ärztliche Vorstellung besonders wichtig. Gerade im Zusammenhang mit einer Anämie empfehlen die Ärzte eine engmaschige Kontrolle, um eventuelle Mangelerscheinungen oder andere Beschwerden rechtzeitig festzustellen. Gegen die typischen Mangelerscheinungen bei den Patienten gibt es spezielle Nahrungsergänzungsmittel.
Welche Produkte für den individuellen Fall geeignet sind und wie hoch diese zu dosieren sind, kann der behandelnde Arzt abschätzen. Darum sollte die Einnahme von solchen Mitteln unbedingt in genauer Absprache mit dem Mediziner erfolgen.
Das können Sie selbst tun
Der Hypersplenismus kann in der Regel nicht durch Mittel der Selbsthilfe behandelt werden. Betroffene sind dabei in jedem Fall auf eine ärztliche Behandlung angewiesen, damit es nicht zu einer verringerten Lebenserwartung kommt.
Bei dieser Erkrankung gilt es für Patienten sich zu schonen und sich keinen anstrengenden Tätigkeiten oder unnötigen Belastungen auszusetzen. Da die Symptome in erster Linie durch die Behandlung der Grunderkrankung und bei Bedarf durch regelmäßige Bluttransfusionen gebessert werden, sollte auf eine regelmäßige Durchführung geachtet werden. Vor allem bei einer Anämie sind regelmäßige Untersuchungen notwendig. Da einige Betroffene auch an Mangelerscheinungen leiden, können hierbei Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden. Die Art und Menge dieser Mittel sollte allerdings immer zuerst mit einem Arzt besprochen werden.
In schwerwiegenden Fällen sind die Betroffenen beim Hypersplenismus auf die Entfernung der Milz angewiesen; danach ist auf einen vollständigen Impfschutz zu achten, weil Infektionen ohne Milz schwerer verlaufen können. Damit es bei dieser Erkrankung nicht zu Komplikationen kommt, sollte schon bei den ersten Anzeichen ein Arzt aufgesucht werden. Häufig wirkt sich auch der Kontakt und Informationsaustausch mit anderen Erkrankten sehr positiv auf den Verlauf der Krankheit aus. Bei psychischen Beschwerden sind Gespräche mit Familienangehörigen oder mit Freunden sehr hilfreich. In schwerwiegenden Fällen kann auch ein Psychologe Hilfe geben.
Quellen
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- Andreesen, R., Heimpel, H. (Hrsg.): Klinische Hämatologie.
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