Azathioprin
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 10. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Wirkstoffe Azathioprin
Azathioprin gehört zu den Immunsuppressiva und findet vielfältigen Einsatz bei Organtransplantationen, Autoimmunerkrankungen und bestimmten chronischen Entzündungen. Die Wirkungsweise des Wirkstoffs wird über eine Hemmung der Nukleinsäuresynthese vermittelt. Da das Medikament mit Verzögerungen wirkt, wird es bei Organtransplantationen immer in Kombination mit anderen Immunsuppressiva eingesetzt.
Inhaltsverzeichnis |
Was ist Azathioprin?
Azathioprin stellt ein Medikament zur Unterdrückung des Immunsystems dar. Damit wird es bei überschießenden, fehlgeleiteten oder unerwünschten Immunreaktionen des Organismus eingesetzt. Das gilt für Abstoßungsreaktionen bei Organtransplantationen, Autoimmunreaktionen und andere fehlgeleitete Immunreaktionen des Organismus.
Der Wirkstoff besteht aus einem Purinring, der über eine Schwefelbrücke mit dem heterozyklischen Imidazolring verbunden ist. Im Stoffwechsel unterliegt diese Verbindung mehreren Abbaureaktionen, im Rahmen derer vielfältige Zwischenverbindungen (Metaboliten) gebildet werden. Wichtige Metaboliten sind 6-Mercaptopurin und 1-Methyl-4-nitro-5-thioimidazol. Dabei passiert 6-Mercaptopurin die Zellmembran unter Umwandlung in weitere aktive und inaktive Metaboliten. 6-Mercaptopurin ist der eigentliche Metabolit, welcher in den Nukleinsäurestoffwechsel eingreift. Azathioprin ist damit ein Prodrug, also ein Wirkstoff, der erst im Körper in seine wirksame Form übergeht.
Er stellt eine analoge Purinbase dar, die anstelle der physiologischen Purinbase in die DNA oder RNA eingebaut werden kann. Zudem wird im Rahmen dieser Stoffwechselvorgänge auch die Bildung von neuen Purinbasen gehemmt. Das führt insgesamt zur Hemmung der Nukleinsäuresynthese. Wegen dieses Eingriffs in den Nukleinsäurestoffwechsel zählt Azathioprin zu den Antimetaboliten, genauer zu den Purinanaloga. Welche Rolle der andere Metabolit (1-Methyl-4-nitro-5-thioimidazol) spielt, ist noch nicht eindeutig geklärt.
Pharmakologische Wirkung
Das Immunsystem muss zur Reaktion auf körperfremde Eindringlinge schnell reagieren und daher schnell neue Immunzellen produzieren, die dann noch einer weiteren Differenzierung unterliegen. Azathioprin wirkt deshalb antiproliferativ, also zellteilungshemmend. Die notwendigen T-Lymphozyten, natürliche Killerzellen und B-Lymphozyten können dann nicht in ausreichendem Maße hergestellt werden. Auch die Sekretion des Tumornekrosefaktors TNF-alpha wird reduziert.
Allerdings erreicht Azathioprin seine volle Wirksamkeit erst nach zwei bis fünf Monaten. Deshalb muss die Therapie mit anderen schneller wirksamen Immunsuppressiva, wie etwa mit Glukokortikoiden oder Ciclosporin, begonnen werden, um von Anfang an eine Wirksamkeit zu erreichen. Die verzögerte Wirksamkeit von Azathioprin ergibt sich aus der langsamen Verringerung der Nukleinsäurekonzentration.
Medizinische Anwendung & Verwendung
Azathioprin besitzt ein breites Anwendungsspektrum. Es ist für viele Einsatzgebiete geeignet, die eine Suppression des Immunsystems erforderlich machen. Das gilt für Organtransplantationen und für Autoimmunreaktionen; überschießende Immunreaktionen wie allergische Reaktionen zählen dagegen nicht zu den zugelassenen Anwendungsgebieten. In vielen dieser Bereiche lassen sich eine Besserung und eine Abschwächung von Entzündungsreaktionen erreichen.
Ein besonders wichtiges Anwendungsgebiet stellt der Einsatz des Medikaments bei Organtransplantationen zur Abschwächung der Abstoßungsreaktionen dar. Azathioprin findet aber auch Anwendung bei Erkrankungen wie Arthritis und Erkrankungen des rheumatischen Kreises, bei multipler Sklerose, Sarkoidose, Myasthenie, Lupus erythematodes, Granulomatose mit Polyangiitis, Morbus Behcet, Autoimmunhepatitis oder Idiopathischer interstitieller Pneumonie.
Die Fachinformation unterscheidet dabei zwei Anwendungsformen. Nach einer Transplantation von Niere, Leber, Herz, Lunge oder Bauchspeicheldrüse ist Azathioprin in Kombination mit anderen Immunsuppressiva zur Vorbeugung von Abstoßungsreaktionen angezeigt; innerhalb solcher Therapieschemata bildet es üblicherweise einen Zusatz zu denjenigen Substanzen, die den Hauptpfeiler der Behandlung darstellen. Bei den übrigen Krankheitsbildern ist der Wirkstoff für mäßig schwere bis schwere Verlaufsformen vorgesehen und wird gewöhnlich mit Glukokortikoiden kombiniert. Diese Kombination hat in der Regel eine glukokortikoidsparende Wirkung, erlaubt also eine geringere Menge des begleitenden Kortisonpräparats. Ebenso kommt Azathioprin infrage, wenn Glukokortikoide nicht vertragen werden oder wenn selbst hohe Mengen davon keine ausreichende therapeutische Wirkung entfalten.
Bei der aktiven rheumatoiden Arthritis ist der Wirkstoff nach der Fachinformation den schweren Verlaufsformen vorbehalten, die sich mit weniger toxischen antirheumatischen Basistherapeutika nicht kontrollieren lassen. Das ist keine Nebenbemerkung, sondern beschreibt die Stellung von Azathioprin in der Behandlungsfolge: Es steht nicht am Anfang, sondern dort, wo verträglichere Mittel nicht ausreichen.
Auch bei einer schweren Neurodermitis wird oft Azathioprin eingesetzt. Das Gleiche gilt für solche Erkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. All dies sind Erkrankungen, welche durch die Reaktion des Immunsystems auf die Organe des eigenen Körpers hervorgerufen werden.
Verabreichung & Dosierung
Azathioprin steht als Filmtablette zum Einnehmen und als gefriergetrocknetes Pulver zur Verfügung, aus dem eine Infusions- oder Injektionslösung hergestellt wird. Die zubereitete Lösung darf ausschließlich in eine Vene gegeben werden; gelangt sie versehentlich in das umliegende Gewebe, kann sie dort Schäden verursachen.
Die verabreichte Menge richtet sich nach dem Körpergewicht und nach dem Krankheitsbild. Für die Autoimmunhepatitis nennt die Fachinformation eine eigene Spanne, für die übrigen Anwendungsgebiete eine andere. Anschließend wird die Dosierung an die eingetretene Wirkung und an die Verträglichkeit für das blutbildende System angepasst. Spricht der Krankheitsverlauf an, wird die niedrigste Menge gewählt, die den erreichten Zustand noch aufrechterhält.
Weil die Wirkung erst nach Wochen bis Monaten einsetzt, verlangt die Behandlung Geduld. Bleibt über mehrere Monate hinweg jede Besserung aus, kommt ein Absetzen in Betracht. Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sieht die Fachinformation dagegen eine deutlich längere Behandlungsdauer vor, weil ein Ansprechen dort klinisch erst nach einigen Monaten erkennbar werden kann. Nach einer Organtransplantation muss die Behandlung dagegen zeitlich unbegrenzt fortgeführt werden, auch mit geringen Mengen, weil es sonst zu einer Abstoßung des Transplantats kommen kann.
Für ältere Menschen sowie bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion empfiehlt die Fachinformation eine Verringerung der Menge und eine Überwachung der betroffenen Organfunktion. Übergewichtigen Kindern müssen unter Umständen Mengen im oberen Bereich der Spanne verschrieben werden; sie werden deshalb besonders engmaschig auf das Ansprechen hin beobachtet. Die Filmtabletten werden mit zeitlichem Abstand zu einer Mahlzeit und insbesondere zu Milch eingenommen, denn die in der Milch enthaltene Xanthinoxidase baut den wirksamen Metaboliten ab und vermindert dadurch die aufgenommene Menge. Ein Zusammenhang zwischen dem Spiegel im Blut und der therapeutischen Wirkung oder der Giftigkeit besteht nach der Fachinformation nicht; die Steuerung der Behandlung erfolgt daher über das klinische Bild und über das Blutbild, nicht über Messwerte des Wirkstoffs selbst.
Risiken & Nebenwirkungen
Eine besonders folgenreiche Wechselwirkung besteht mit Allopurinol und anderen Hemmstoffen der Xanthinoxidase: Sie verlangsamen den Abbau der aktiven Abbauprodukte, so dass sich diese im Körper anreichern. Wird Azathioprin dennoch zusammen mit Allopurinol gegeben, muss seine Dosis deutlich verringert werden.
Durch die verminderte Nukleinsäuresynthese wird auch der Reparaturmechanismus an der DNA bei Mutationen abgeschwächt. Daher sollte in der Zeit der Behandlung eine möglichst geringe Exposition mit Sonnenstrahlung erfolgen, um das Hautkrebsrisiko abzusenken.
Bei Leber- und Nierenfunktionsstörungen, schweren Infektionen oder Schädigungen des Knochenmarks ist bei der Einleitung einer Behandlung besondere Vorsicht geboten; die Fachinformation verlangt dort eine sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiko sowie engmaschige Kontrollen, führt diese Zustände aber nicht unter den Gegenanzeigen. Da Azathioprin embryotoxisch wirkt, darf es während der Schwangerschaft nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko angewendet werden. In der Stillzeit ist die Anwendung dagegen ausgeschlossen; die Fachinformation führt sie unter den Gegenanzeigen.
Manchmal kommt es auch zu unangenehmen oder gar schweren Nebenwirkungen. Dazu zählen unter anderem ein allgemeines Krankheitsgefühl, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Veränderung des Blutbildes mit Ausbildung einer Anämie, einer Leukopenie oder einer Thrombozytopenie.
Für Azathioprin liegt keine klinische Dokumentation nach heutigen Maßstäben vor, die eine genaue Häufigkeitsbeschreibung tragen würde; die Fachinformation weist ausdrücklich darauf hin, dass die Häufigkeit je nach Anwendungsgebiet, Menge und Kombination mit anderen Mitteln unterschiedlich ausfällt. Innerhalb dieses Vorbehalts ordnet sie die Beschwerden dennoch zu: Als sehr häufig gelten die Verminderung der weißen Blutkörperchen und eine Dämpfung des Knochenmarks, als häufig ein Mangel an Blutplättchen sowie Übelkeit, die bisweilen von Erbrechen begleitet wird. Gelegentlich treten eine Blutarmut, Überempfindlichkeitsreaktionen und eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse auf. Selten sind ein vollständiger Ausfall der Granulozyten, eine Verminderung sämtlicher Blutzellreihen sowie Haarausfall.
Die Depression des Knochenmarks ist die häufigste Nebenwirkung überhaupt. Sie hängt von der verabreichten Menge ab und bildet sich in der Regel zurück, wenn der Wirkstoff rechtzeitig abgesetzt wird. Deshalb steht die Kontrolle des Blutbildes im Mittelpunkt der Überwachung: In den ersten Wochen der Behandlung wird es mindestens wöchentlich einschließlich der Blutplättchen bestimmt, danach in größeren Abständen. Häufigere Kontrollen sind bei höheren Mengen, bei älteren Menschen sowie bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion angezeigt. Bei den ersten Anzeichen einer auffälligen Veränderung wird die Behandlung unterbrochen, denn die Zahl der weißen Blutkörperchen und der Blutplättchen kann auch nach dem Behandlungsende weiter sinken.
Weil Azathioprin die Immunabwehr dämpft, steigt die Anfälligkeit für Infektionen durch Viren, Pilze und Bakterien. Bei Transplantierten, die den Wirkstoff mit anderen Immunsuppressiva erhalten, sind solche Infektionen sehr häufig; bei den übrigen Patienten treten sie gelegentlich auf. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Varicella-Zoster-Virus, dem Erreger von Windpocken und Gürtelrose, der unter Immunsuppression schwer verlaufen kann. Vor Behandlungsbeginn wird deshalb geklärt, ob eine solche Infektion bereits durchgemacht wurde. Sehr selten wurde nach der Anwendung zusammen mit anderen Immunsuppressiva über eine progressive multifokale Leukenzephalopathie berichtet, eine durch ein Virus verursachte Erkrankung des Gehirns.
Das Risiko für bösartige Neubildungen ist unter immunsuppressiver Behandlung erhöht. Die Fachinformation ordnet Neubildungen einschließlich lymphoproliferativer Erkrankungen, Hautkrebs, Sarkomen und Karzinomen des Gebärmutterhalses in ihrem Frühstadium als selten ein. Das erhöhte Risiko scheint mit dem Ausmaß und der Dauer der Immunsuppression zusammenzuhängen; ein Absetzen kann eine lymphoproliferative Erkrankung unter Umständen teilweise zurückbilden. Aus diesem Grund wird eine solche Therapie mit der niedrigsten noch wirksamen Menge fortgeführt. Bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, die Azathioprin zusammen mit Arzneimitteln gegen den Tumornekrosefaktor erhalten, wurde zudem sehr selten über eine besondere Form des T-Zell-Lymphoms berichtet.
Ebenfalls beschrieben ist das Makrophagenaktivierungssyndrom, eine lebensbedrohliche Störung, die bei Autoimmunerkrankungen und besonders bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen auftreten kann. Möglicherweise erhöht Azathioprin die Anfälligkeit dafür.
In seltenen Fällen kann es auch zu einer megaloblastären Anämie kommen. Die megaloblastäre Anämie ist eine Anämieform, welche durch die Beeinträchtigung der DNA-Synthese entsteht. Bei Männern kann zuweilen auch eine Einschränkung der Keimzellbildung beobachtet werden. Berichten zufolge bildet sich diese Erscheinung nach dem Ende der Behandlung zurück. Belastbare Daten zum Einfluss von Azathioprin auf die Fruchtbarkeit von Männern und Frauen liegen der Fachinformation zufolge allerdings weder aus Tierversuchen noch aus klinischen Untersuchungen vor. Männern wird deshalb geraten, während der Behandlung und einige Monate darüber hinaus kein Kind zu zeugen.
Kontraindikationen
Als echte Gegenanzeigen führt die Fachinformation nur wenige Punkte auf. Azathioprin darf nicht angewendet werden bei einer Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff selbst, gegen dessen Metaboliten Mercaptopurin oder gegen einen der sonstigen Bestandteile des jeweiligen Präparats. Ausgeschlossen ist ferner die Impfung mit Lebendimpfstoffen, insbesondere gegen Tuberkulose, Pocken und Gelbfieber. Und die Stillzeit gehört zu den Gegenanzeigen.
Davon zu unterscheiden sind die Vorsichtsmaßnahmen, die keine Anwendungsverbote darstellen. Vorbestehende schwere Infektionen, schwere Störungen der Leber- oder der Knochenmarkfunktion sowie eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse schließen die Behandlung nicht grundsätzlich aus. Sie verlangen aber eine sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiko und die beschriebenen engmaschigen Kontrollen. Auch die Schwangerschaft ist keine Gegenanzeige, sondern ein Anlass für eine solche Abwägung.
Eine Besonderheit betrifft das Lesch-Nyhan-Syndrom, einen erblichen Mangel des Enzyms Hypoxanthin-Guanin-Phosphoribosyltransferase. Begrenzte Daten deuten darauf hin, dass Azathioprin bei dieser Stoffwechselerkrankung nicht wirksam ist; die Fachinformation rät deshalb von einer Anwendung bei diesen Patienten ab.
Da eine Impfung mit Lebendimpfstoffen bei geschwächter Abwehr zu Infektionen führen kann, gilt die entsprechende Empfehlung über das Behandlungsende hinaus: Auch einige Monate danach sollten solche Impfstoffe noch nicht verabreicht werden.
Interaktionen mit anderen Medikamenten
Die bereits beschriebene Wechselwirkung mit Allopurinol ist nicht die einzige ihrer Art. Auch andere Hemmstoffe der Xanthinoxidase wie Oxipurinol, Thiopurinol und Febuxostat verlangsamen den Abbau der wirksamen Abbauprodukte. Für Febuxostat rät die Fachinformation von einer gleichzeitigen Gabe ab, weil die vorliegenden Daten nicht ausreichen, um eine angemessene Verringerung der Azathioprin-Menge zu bestimmen.
Ribavirin, ein Mittel gegen Virusinfektionen, hemmt ein Enzym des Purinstoffwechsels und senkt dadurch die Bildung der wirksamen Abbauprodukte. Zugleich wurde über eine schwere Schädigung des Knochenmarks berichtet, wenn beide Wirkstoffe zusammen angewendet wurden. Die Fachinformation empfiehlt diese Kombination deshalb nicht.
Aminosalicylsäurederivate, die bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen häufig verordnet werden – Olsalazin, Mesalazin und Sulfasalazin –, hemmen ihrerseits das Enzym Thiopurin-Methyltransferase. Bei gleichzeitiger Anwendung sind deshalb geringere Azathioprin-Mengen in Erwägung zu ziehen. Diese Wechselwirkung wiegt besonders schwer, weil gerade bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa beide Wirkstoffgruppen zusammentreffen können und der Effekt sich mit einer ohnehin verminderten Enzymaktivität addiert.
Methotrexat erhöht die Verfügbarkeit des wirksamen Metaboliten im Blut, und zwar umso deutlicher, je größer die verabreichte Methotrexat-Menge ist. Bei gleichzeitiger Anwendung hoher Methotrexat-Mengen wird die Azathioprin-Menge deshalb angepasst, damit die Zahl der weißen Blutkörperchen auf einem ausreichenden Wert bleibt.
Arzneimittel, die das Knochenmark ihrerseits belasten, verstärken die entsprechende Wirkung von Azathioprin. Die Fachinformation nennt Zytostatika und Penicillamin und rät, solche Kombinationen nach Möglichkeit zu vermeiden. Für Trimethoprim in Verbindung mit Sulfamethoxazol liegen widersprüchliche Berichte über schwerwiegende Störungen der Blutbildung vor; Einzelfallberichte betreffen außerdem Hemmstoffe des Angiotensin-Konversionsenzyms sowie Cimetidin und Indometacin.
Bei Muskelrelaxanzien, wie sie im Rahmen einer Narkose eingesetzt werden, wirkt Azathioprin in zwei Richtungen: Die Wirkung nicht depolarisierender Substanzen wird abgeschwächt, diejenige depolarisierender Substanzen dagegen verstärkt. Besondere Vorsicht gilt für die gleichzeitige Anwendung von Tubocurarin und Succinylcholin.
Umgekehrt kann Azathioprin die gerinnungshemmende Wirkung von Warfarin vermindern.
Bei Impfstoffen aus abgetöteten Erregern oder aus Toxoiden ist eine verminderte Immunantwort wahrscheinlich; beobachtet wurde das bei einer Impfung gegen Hepatitis B unter der Kombination von Azathioprin mit Glukokortikosteroiden. Der Impferfolg wird deshalb durch eine Bestimmung des Titers überprüft. Für einen mehrwertigen Impfstoff gegen Pneumokokken zeigte eine kleinere Studie dagegen keine Beeinträchtigung der Immunantwort durch übliche Azathioprin-Mengen.
Alternative Behandlungsmethoden
Azathioprin ist innerhalb der immunsuppressiven Behandlung selten der einzige Wirkstoff, und daraus ergeben sich die Alternativen. Nach einer Nierentransplantation gehören Ciclosporin, Kortikosteroide und Mycophenolatmofetil zu den Mitteln, die routinemäßig verordnet werden. In den Studien zum Antikörper Basiliximab wurde ein Dreifachschema untersucht, das entweder Azathioprin oder Mycophenolatmofetil enthielt – beide Substanzen sind an dieser Stelle also gegeneinander austauschbar, ohne dass die Basisimmunsuppression selbst geändert werden müsste.
Ergänzend kommen Antikörper zum Einsatz, die gezielt in die Aktivierung der T-Zellen eingreifen. Basiliximab blockiert eine Untereinheit des Rezeptors für Interleukin-2 und wird zur Vorbeugung der akuten Abstoßung nach einer Nierentransplantation angewendet; er wird dort mit Ciclosporin und Kortikosteroiden kombiniert.
Bei den Autoimmunerkrankungen hängt die Wahl vom Krankheitsbild ab. Für die rheumatoide Arthritis sieht die Fachinformation Azathioprin selbst erst dann vor, wenn weniger toxische Basistherapeutika die Erkrankung nicht kontrollieren – diese Substanzen sind dort also die vorrangige Behandlung, nicht die Ausweichlösung. Bei mehreren der übrigen genannten Erkrankungen bilden Glukokortikoide den Ausgangspunkt, und Azathioprin dient dazu, deren Menge zu senken oder sie zu ersetzen, wenn sie nicht vertragen werden.
Quellen
- Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
ISBN: 9783437426223
- Geisslinger, G., Menzel, S., Gudermann, T., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
ISBN: 9783804736634
- Peter, H.-H., Pichler, W. J., Müller-Ladner, U. (Hrsg.): Klinische Immunologie.
ISBN: 9783437232565
- Distler, J. H. W. (Hrsg.): Therapie-Handbuch Rheumatologie und Immunologie.
ISBN: 9783437238840
- Manger, B., Schulze-Koops, H. (Hrsg.): Checkliste Rheumatologie.
ISBN: 9783131516848
