Influenzavirus
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei dem Influenzavirus handelt es sich um ein Virus, das einen Atemwegsinfekt hervorruft. Bei diesem Virus (auch Grippevirus genannt) gibt es unterschiedliche Gattungen, die zu den Orthomyxoviren gehören. Je nach Gattung des Virus kann eine Influenza mild oder schwer verlaufen.
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Was ist das Influenzavirus?
Die Influenza ist eine Infektionskrankheit. Typisch für das Grippevirus ist eine Ansteckung in den Wintermonaten. Im Sommer ist eine Infektion mit der Influenza selten. Das Influenzavirus unterteilt sich in vier verschiedene Gattungen. Zu diesen Gattungen zählen die Influenza C, Influenza B und Influenza A. Inzwischen ist mit Influenza D eine vierte Gattung beschrieben worden; sie befällt vor allem Rinder und spielt für den Menschen bislang keine Rolle.
Neben den Gattungen gibt es auch unterschiedliche Subtypen. Die Subtypen entstehen durch die Wandlung vom Virus. Jedes Jahr verändert das Virus seine Oberfläche und entgeht so der erworbenen Immunabwehr und dem Schutz bisheriger Impfstoffe. Aus diesem Grund gibt es gelegentlich Epidemien und selten Pandemien. Für die jährlichen Grippewellen sorgen dabei kleine, fortlaufende Veränderungen der Oberfläche (Antigendrift); eine Pandemie entsteht dagegen erst, wenn ganze Abschnitte des Erbguts zwischen Virustypen ausgetauscht werden (Antigenshift).
Eine Grippe kann eine starke Belastung für den Körper darstellen. Ältere und chronisch kranke Menschen erkranken deshalb häufiger schwer als gesunde und jüngere Personen. Selten endet eine Infektion mit der Grippe tödlich.
Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften
Die Grippe verbreitet sich durch die Tröpfcheninfektion. Ein enger Kontakt zu vielen Menschen erhöht das Risiko, eine Grippe zu bekommen. Nicht nur der direkte Kontakt führt zu einer Ansteckung mit dem Influenzavirus. Auch der indirekte Kontakt, der durch das Berühren derselben Gegenstände entsteht, kann das Virus übertragen.
Nachdem eine Ansteckung mit der Grippe erfolgte, dauert es meist nur wenige Tage, bis die Infektionskrankheit ausbricht. Wer sich mit der Grippe angesteckt hat, ist bereits vor dem Auftreten der ersten Symptome selbst ansteckend. Daher ist es so leicht, die Influenza zu verbreiten. In der Regel dauert eine Grippe eine Woche. Bei Kindern oder Menschen mit einem geschwächten Immunsystem kann die Bekämpfung der Influenza länger dauern.
Wenn eine Ansteckung mit dem Influenzavirus erfolgt ist, sind die Symptome immer ähnlich. Die erkrankte Person fühlt sich abgeschlagen und leidet an Fieber. Oftmals führt eine Ansteckung mit dem Virus auch zu Schüttelfrost. Charakteristisch für eine Infektion mit der Influenza ist eine Infektion der Atemwege. Die Betroffenen klagen daher über einen trockenen Husten und Probleme mit der Atmung. Gelegentlich passiert es, dass sich aus dem Atemwegsinfekt eine Lungenentzündung entwickelt.
Eine Grippe geht auch mit einem Schnupfen einher. In einzelnen Fällen kann es auch zu Problemen im Magen-Darm-Trakt kommen. Übelkeit und Erbrechen sowie Durchfall sind daher auch ein Hinweis auf das Influenzavirus. Viele Menschen klagen im Zusammenhang mit einer Grippe ebenfalls über Kopfschmerzen. Infizieren sich Kinder mit dem Grippevirus, kann außerdem eine Entzündung der Ohren drohen.
Nachdem der Infekt überstanden ist, verschwinden auch die Symptome schnell.
Krankheiten & Beschwerden
Besonders schwerwiegend ist eine Lungenentzündung, die einen bakteriellen Ursprung hat. Die bakterielle Entzündung der Lunge führt unbehandelt gelegentlich zum tödlichen Verlauf der Influenza. Menschen mit einer chronischen Erkrankung der Lunge sind häufiger von einer bakteriellen Lungenentzündung betroffen als gesunde Personen.
In seltenen Fällen kann es zu einer Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) kommen. Eine Enzephalitis macht sich durch starke Kopfschmerzen, Übelkeit und die Steifigkeit des Nackens bemerkbar. Der Erkrankte klagt oftmals über Müdigkeit. Krampfanfälle sind ein weiteres Zeichen einer Gehirnentzündung. In der Regel leiden die Betroffenen auch an Verwirrtheit.
Wird die Grippe verschleppt, kommt es in seltenen Fällen zu einer Entzündung des Herzmuskels oder Herzbeutels. Zu Beginn der Entzündung des Herzens sind keine Symptome zu verzeichnen. Verschlimmert sich die Entzündung, sind Kurzatmigkeit und Herzstechen die ersten Anzeichen eines Herzproblems. Ist das Herz betroffen, kommt es in seltenen Fällen zum plötzlichen Herzstillstand. Bei einer Beteiligung des Herzens ist körperliche Schonung deshalb ein wesentlicher Teil der Behandlung.
Ein Anzeichen, dass es sich bei der Infektion mit dem Grippevirus um einen komplizierten Verlauf handelt, ist der Anstieg des Fiebers. Üblicherweise fällt das Fieber nach spätestens vier Tagen ab. Ein erneuter Fieberanstieg nach zunächst rückläufigen Beschwerden gilt als Hinweis auf einen komplizierten Verlauf und ist ärztlich abklärungsbedürftig.
Aufbau des Virus
Influenzaviren besitzen eine Hülle. Sie besteht aus einer Fettschicht, die das Virus beim Verlassen der Wirtszelle aus deren äußerer Begrenzung mitnimmt. In dieser Hülle stecken zwei Eiweiße, die für das Virus entscheidend sind und ihm zugleich seine Kurzbezeichnungen geben: das Hämagglutinin, abgekürzt H, und die Neuraminidase, abgekürzt N.
Das Hämagglutinin ist der Schlüssel zum Eintritt. Es heftet sich an bestimmte Zuckerreste auf der Oberfläche jener Zellen, die die Atemwege auskleiden, und leitet damit die Aufnahme des Virus in die Zelle ein. Die Neuraminidase wird am Ende gebraucht: Sie schneidet dieselben Zuckerreste ab und löst die neu gebildeten Viruspartikel von der Zelle, aus der sie stammen. Ohne diesen Schritt blieben sie an ihrer Ursprungszelle haften. Die Subtypen des Influenza-A-Virus werden nach den Varianten dieser beiden Eiweiße benannt; Bezeichnungen wie H1N1 oder H3N2 geben nichts anderes an als die jeweilige Kombination.
Im Inneren der Hülle liegt das Erbgut. Es besteht aus RNA und ist – anders als bei den meisten Viren – kein zusammenhängender Strang, sondern in mehrere getrennte Abschnitte aufgeteilt. Diese Aufteilung ist die bauliche Voraussetzung für den weiter oben beschriebenen Austausch ganzer Erbgutabschnitte: Stecken zwei verschiedene Influenzaviren in derselben Zelle, können beim Zusammenbau der Nachkommen Abschnitte beider Elternviren in ein und demselben neuen Partikel landen. Ungewöhnlich für ein RNA-Virus ist auch der Ort der Vermehrung. Influenzaviren kopieren ihr Erbgut nicht im Zellplasma, sondern im Zellkern der Wirtszelle.
Wirtstiere und natürliches Reservoir
Das Influenzavirus ist kein reiner Menschenerreger. Sein natürliches Reservoir sind wildlebende Wasservögel, vor allem Enten, Gänse und Möwen. Bei ihnen vermehren sich die Viren überwiegend im Darm, meist ohne die Tiere krank zu machen, und werden mit dem Kot ausgeschieden. Aus diesem Reservoir stammen sämtliche bekannten Varianten des Hämagglutinins und der Neuraminidase; die beim Menschen zirkulierenden Subtypen sind nur ein kleiner Ausschnitt daraus.
Vom Wasservogel gelangen die Viren gelegentlich in Hausgeflügelbestände. Dort können sie sich verändern und Formen hervorbringen, die für Hühner und Puten hoch ansteckend und tödlich sind – die Vogelgrippe. Auf den Menschen springen solche Viren nur selten über, weil ihr Hämagglutinin auf die Zuckerreste des Vogeldarms zugeschnitten ist und nicht auf die der menschlichen Atemwege. Kommt es doch zu einer Übertragung, geht sie in aller Regel auf engen Kontakt zu erkranktem Geflügel zurück und nicht auf eine Weitergabe von Mensch zu Mensch.
Eine Sonderstellung nimmt das Schwein ein. Auf den Zellen seiner Atemwege finden sich Anheftungsstellen beider Art, so dass es sowohl für Vogel- als auch für Menschenviren empfänglich ist. Treffen beide in demselben Tier zusammen, ist die Gelegenheit zum Austausch von Erbgutabschnitten gegeben. Aus diesem Grund gelten Schweinebestände als möglicher Entstehungsort neuer, für den Menschen ungewohnter Subtypen.
Die Gattungen unterscheiden sich in ihrem Wirtsspektrum erheblich. Nur Influenza A kommt in dieser Breite bei Tieren vor und ist deshalb die einzige, von der Pandemien ausgehen. Influenza B zirkuliert im Wesentlichen nur beim Menschen und verändert sich langsamer. Influenza C verursacht meist milde Erkältungsbeschwerden und spielt klinisch eine geringe Rolle.
Widerstandsfähigkeit und Hygiene
Die Fetthülle, die dem Influenzavirus den Eintritt in die Zelle ermöglicht, ist zugleich seine Schwachstelle. Sie zerfällt, sobald ihre Fettbestandteile angegriffen werden – und genau das leisten Seife, Spülmittel und die üblichen Desinfektionsmittel auf Alkoholbasis. Influenzaviren gehören deshalb zu den vergleichsweise leicht zu inaktivierenden Erregern; ein Händedesinfektionsmittel mit der Kennzeichnung „begrenzt viruzid“ genügt gegen sie. Erreger ohne Hülle, etwa die Enteroviren, sind an dieser Stelle deutlich schwerer anzugreifen.
Auch außerhalb des Körpers ist das Virus empfindlich. Auf glatten Oberflächen wie Türklinken oder Haltegriffen überdauert es Stunden, auf saugenden Materialien wie Papiertaschentüchern oder Stoff kürzer. Austrocknung, Wärme und Sonnenlicht verkürzen die Zeitspanne zusätzlich, Kälte und trockene Luft verlängern sie. Darin wird eine der Erklärungen dafür gesehen, dass die Grippe in den gemäßigten Breiten an die kalte Jahreszeit gebunden ist; hinzu kommen der längere Aufenthalt in geschlossenen Räumen und die im Winter trockeneren Schleimhäute der Atemwege.
Weil die Übertragung ganz überwiegend über die Luft und über die Hände läuft, richten sich die Schutzmaßnahmen entsprechend aus: Abstand zu Erkrankten, regelmäßiges Lüften geschlossener Räume, Husten und Niesen in die Armbeuge, Händewaschen. Eine Mund-Nasen-Bedeckung mindert die Menge der freigesetzten Tröpfchen. Keine dieser Maßnahmen verhindert eine Ansteckung sicher; sie senken jedoch deren Wahrscheinlichkeit und verlangsamen die Ausbreitung einer Grippewelle.
Nachweis und Überwachung
Die Beschwerden einer Grippe erlauben keine sichere Unterscheidung von anderen Atemwegsinfekten. Der Nachweis des Erregers gelingt nur im Labor, und zwar aus einem Abstrich von der hinteren Nasen- und Rachenwand oder aus Sekret der tieferen Atemwege. Das Material ist am aussagekräftigsten, wenn es in den ersten Krankheitstagen gewonnen wird, solange die Virusmenge hoch ist.
Standard ist der molekularbiologische Nachweis mittels Polymerase-Kettenreaktion. Er weist das Erbgut des Virus nach, unterscheidet zugleich zwischen Influenza A und B und lässt sich so anlegen, dass er weitere Erreger von Atemwegsinfekten mit erfasst. Daneben gibt es Antigen-Schnelltests, die rasch ein Ergebnis liefern, aber weniger empfindlich sind: Ein negatives Ergebnis schließt eine Grippe nicht aus. Die Anzucht des Virus in der Zellkultur ist aufwendig und bleibt spezialisierten Einrichtungen vorbehalten; sie wird gebraucht, wenn die zirkulierenden Viren genauer charakterisiert werden sollen. Die Bestimmung von Antikörpern im Blut eignet sich nicht zur Feststellung einer laufenden Erkrankung, weil sie erst im Nachhinein aussagekräftig wird.
Über den Einzelfall hinaus wird die Grippe systematisch beobachtet. Ausgewählte Arztpraxen melden fortlaufend, wie viele Patienten mit Atemwegsbeschwerden zu ihnen kommen, und senden Proben an Referenzlabore; ergänzend werden Daten aus Krankenhäusern ausgewertet. Aus diesen Meldungen entsteht das Bild einer Grippewelle, aus den eingesandten Proben ergibt sich, welche Varianten gerade unterwegs sind. Die so gewonnenen Daten aus aller Welt sind die Grundlage der Entscheidung darüber, gegen welche Virusvarianten der Impfstoff der kommenden Saison gerichtet sein soll.
Impfung und antivirale Medikamente
Weil sich die Oberflächeneiweiße des Virus fortlaufend verändern, verliert ein Impfstoff seine Passgenauigkeit von Jahr zu Jahr. Die Grippeimpfung muss deshalb – anders als etwa die Impfung gegen Masern – jährlich aufgefrischt und in ihrer Zusammensetzung angepasst werden. Wie gut sie in einer Saison schützt, hängt davon ab, wie genau die ausgewählten Varianten die tatsächlich zirkulierenden treffen. Auch bei unvollständiger Übereinstimmung mildert sie erfahrungsgemäß den Verlauf.
Die gebräuchlichen Impfstoffe enthalten abgetötete Viren oder Bestandteile davon. Hergestellt werden sie überwiegend in bebrüteten Hühnereiern, zunehmend auch in Zellkulturen, was die Produktion vom Ei unabhängig macht. Für Kinder steht zusätzlich ein abgeschwächter Lebendimpfstoff zur Verfügung, der als Spray in die Nase gegeben wird. Die Grippeschutzimpfung wird in Deutschland vor allem Menschen ab sechzig Jahren, chronisch Kranken, Schwangeren, Bewohnern von Pflegeeinrichtungen und Beschäftigten im Gesundheitswesen empfohlen.
Gegen das Virus selbst stehen daneben Medikamente zur Verfügung. Die am längsten eingeführte Gruppe blockiert die Neuraminidase und verhindert damit, dass sich neu gebildete Viren von der Wirtszelle lösen; ein neuerer Wirkstoff greift stattdessen in die Vervielfältigung des Erbguts ein. Beide können den Verlauf nur dann nennenswert beeinflussen, wenn sie sehr früh nach Beginn der Beschwerden eingesetzt werden. Ihre Anwendung beschränkt sich daher im Wesentlichen auf schwere Verläufe und auf Menschen mit hohem Risiko für Komplikationen. Eine ältere Wirkstoffgruppe, die einen Ionenkanal des Virus hemmte, ist wegen weit verbreiteter Resistenzen praktisch bedeutungslos geworden.
Geschichte
Grippeartige Seuchenzüge sind seit Jahrhunderten beschrieben, ihr Erreger blieb jedoch lange unbekannt. Am Ende des 19. Jahrhunderts galt ein Bakterium als Ursache, das aus dem Auswurf Erkrankter gezüchtet worden war; sein Name Haemophilus influenzae erinnert bis heute an diesen Irrtum. Tatsächlich handelt es sich um einen Besiedler der Atemwege, der Grippekranke zusätzlich befallen kann, die Grippe selbst aber nicht verursacht.
Als Virus erkannt wurde der Erreger zunächst beim Schwein, kurz darauf, im Jahr 1933, auch beim Menschen: Einer britischen Arbeitsgruppe gelang es, aus Rachenspülwasser Erkrankter ein Virus zu gewinnen und damit Frettchen anzustecken. Wenige Jahre später wurde das Influenza-B-Virus beschrieben, danach Influenza C – und erst im 21. Jahrhundert die bei Rindern verbreitete Gattung Influenza D.
Mit der Möglichkeit, Influenzaviren im Labor zu vermehren und zu vergleichen, wurde auch ihre ständige Veränderung sichtbar. Sie ist der Grund dafür, dass die Zusammensetzung der Impfstoffe seit den Anfängen der Grippeimpfung regelmäßig überprüft und angepasst wird. Ein internationales Netz von Laboratorien, das Proben und Befunde aus aller Welt zusammenführt, besteht seit den 1950er-Jahren.
Quellen
- Modrow, S., Falke, D., Truyen, U., Schätzl, H.: Molekulare Virologie.
ISBN: 9783662617809
- Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
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- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
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- Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Innere Medizin.
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- Brodt, H.-R. (Hrsg.): Infektionstherapie.
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