Medikamenteninduzierter Kopfschmerz (Kopfschmerzen durch Schmerzmittel)
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 20. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Medikamenteninduzierter Kopfschmerz gehört zur Gruppe der sekundären Kopfschmerzen, welche i. d. R. durch Schmerzmittel oder andere Arzneimittel hervorgerufen werden. Diese Art von Kopfschmerzen kann sowohl ein- als auch beidseitig auftreten. Medikamenteninduzierter Kopfschmerz lässt sich im Allgemeinen gut behandeln.
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Was ist medikamenteninduzierter Kopfschmerz?
Ein medikamenteninduzierter Kopfschmerz liegt vor, wenn an mind. 15 Tagen pro Monat dauerhafte Kopfschmerzen auftreten. Diese Kopfschmerzen liegen vor, nachdem über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten schmerzstillende Medikamente an 10 oder mehr Tagen pro Monat eingenommen wurden. Dabei gelten je nach Wirkstoff unterschiedliche Schwellen: Triptane, Opioide, Mutterkornpräparate (Ergotamine) und Kombinationsschmerzmittel führen bereits ab 10 Einnahmetagen im Monat zu einem medikamenteninduzierten Kopfschmerz, einfache Schmerzmittel mit nur einem Wirkstoff wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure erst ab 15 Einnahmetagen im Monat.
Medikamenteninduzierter Kopfschmerz ist kein primärer, sprich eigenständiger Kopfschmerz wie z. B. Migräne oder Spannungskopfschmerzen. Jedoch sind die primären Kopfschmerzen Voraussetzung dafür, dass ein medikamenteninduzierter Kopfschmerz erst entstehen kann.
Man unterscheidet beim medikamenteninduzierten Kopfschmerz drei Arten: chronifizierte Migräne, chronifizierter Spannungskopfschmerz und chronifizierter Kombinationskopfschmerz.
Neben Analgetika (Schmerzmittel) können auch andere Arzneimittel einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz auslösen. Hierbei muss berücksichtigt werden, ob das Medikament primär zur Behandlung von Kopfschmerzen oder für eine andere Erkrankung eingesetzt wurde, da der medikamenteninduzierte Kopfschmerz auch als Nebenwirkung bei einer Dauermedikation auftreten kann.
Ursachen
Die Ursache für medikamenteninduzierten Kopfschmerz ist ein Kopfschmerz, der übermäßig mit Schmerzmitteln therapiert wurde. In der Regel sind Migräne und Spannungskopfschmerzen die primären Kopfschmerzen.
Nicht jede Form von Kopfschmerz führt automatisch zu medikamenteninduzierten Kopfschmerzen. Clusterkopfschmerzen führen i. d. R. auch bei übermäßiger Einnahme von Analgetika nur in Ausnahmefällen zu medikamenteninduzierten Kopfschmerzen.
Es ist des Weiteren zu beachten, dass gegen rheumatische Erkrankungen, Verletzungen und andere Krankheiten eingenommene Schmerzmittel nicht als Ursache für medikamenteninduzierte Kopfschmerzen gelten.
Da eine konkrete Ursache für medikamenteninduzierte Kopfschmerzen bis jetzt nicht eruiert werden konnte, geht man davon aus, dass eine genetische Veranlagung infrage kommt. Nach heutigem Kenntnisstand spielen daneben Veränderungen der zentralen Schmerzverarbeitung eine Rolle: Der ständige Wirkstoffeinfluss schwächt die körpereigene Schmerzhemmung, so dass das Gehirn zunehmend empfindlicher auf Schmerzreize reagiert.
Typische Symptome & Anzeichen
- drückend-dumpfe bis stechende (auch pochende) Kopfschmerzen
- Lichtempfindlichkeit
- Flimmern vor den Augen
- Lärmempfindlichkeit
Diagnose & Verlauf
Diagnostiziert wird der medikamenteninduzierte Kopfschmerz sowohl durch den Allgemeinmediziner als auch durch den Neurologen. Nach einer ausführlichen Anamnese wird dem Betroffenen i. d. R. empfohlen über einen längeren Zeitraum ein sog. Kopfschmerztagebuch zu führen.
Des Weiteren erfolgen eine allg. körperliche Untersuchung sowie eine Blutanalyse. Der Neurologe untersucht den neurologischen Status des Patienten mithilfe von EEG und weiteren neurologischen Untersuchungsmethoden. Das EEG gehört nach heutigen Leitlinien allerdings nicht mehr zur Standarddiagnostik bei Kopfschmerzen; um andere Ursachen auszuschließen, wird stattdessen eine Bildgebung des Kopfes mittels Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt.
Ergeben sich in der Blutanalyse Auffälligkeiten, kann zudem ein Internist hinzugezogen werden. Vor allem nach jahrelangem Schmerzmittelmissbrauch können Nieren und Leber geschädigt worden sein. Der Zustand der inneren Organe wird mithilfe von weiteren Blutanalysen festgestellt. Des Weiteren werden bildgebende Verfahren wie Ultraschall eingesetzt, um festzustellen, ob und in welcher Ausprägung Schäden an den Organen vorhanden sind.
Der Verlauf bei medikamenteninduziertem Kopfschmerz ist als gut zu bezeichnen. Bei adäquater Therapie liegt die Erfolgsquote bei 80 Prozent.
Je nachdem wie lange der medikamenteninduzierte Kopfschmerz schon vorhanden ist bzw. wie lange der Schmerz- und Arzneimittelmissbrauch betrieben wurde, kann es im weiteren Verlauf zu Komplikationen kommen. Neben Leber und Niere können Magengeschwüre und Blutungen im Magen-Darm-Trakt auftreten. Bei Betroffenen mit medikamenteninduziertem Kopfschmerz liegen zudem häufig Depressionen vor, die durch eine Verhaltenstherapie jedoch gut behandelt werden können.
Komplikationen
Die Schmerzen breiten sich vom Kopf nicht selten auch in andere Regionen des Körpers aus und können auch dort zu Beschwerden führen. Mitunter kommt es auch zu einer Lichtempfindlichkeit, sodass die Kopfschmerzen durch grelles Licht noch weiter verstärkt werden. Auch eine Lärmempfindlichkeit kann eintreten. Die Patienten haben oft ein Flimmern vor den Augen und können ihre gewöhnlichen Tätigkeiten nicht mehr durchführen.
Die Beschwerden selbst können einfach eingeschränkt werden, indem die jeweiligen Medikamente abgesetzt oder durch andere ersetzt werden. Vor allem auf Schmerzmittel müssen die Betroffenen verzichten. Dabei kann es auch zu Entzugserscheinungen kommen. Sollte keine Behandlung dieser Beschwerde stattfinden, so kann es auch zu Entzündungen am Magen oder im schlimmsten Falle zu einer Niereninsuffizienz kommen, die ohne Behandlung tödlich verläuft. In der Regel wird auch die Lebenserwartung durch die Krankheit verringert, wenn es nicht zu einer Behandlung dieser Beschwerde kommt.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Kommt es nach der Einnahme eines Medikaments wiederholt zu Kopfschmerzen, sind in einem ersten Schritt die aufgeführten Nebenwirkungen der Packungsbeilage zu lesen. Werden mehrere Arzneien gleichzeitig eingenommen, sollten ebenfalls die Informationen über mögliche Wechselwirkungen der Präparate nachgelesen werden. Treten die Kopfschmerzen wiederholt auf oder nehmen sie an Intensität zu, ist der behandelnde Arzt auf die Nebenwirkungen anzusprechen. Eine eigenverantwortlich entschiedene Unterbrechung des Behandlungsplans wird nicht empfohlen, da die vorliegende Grunderkrankung therapiert werden muss. Gemeinsam mit dem Arzt sollten mögliche Alternativen der Medikamentengabe besprochen werden, damit es zu keiner weiteren Verschlechterung des Allgemeinzustands kommt.
Bei einer vorhandenen Lichtempfindlichkeit, einer flimmernden Wahrnehmung vor dem Auge oder einem verschwommenen Sichtfeld sollten die Beobachtungen mit dem Arzt besprochen werden. Kommt es zu einer Lärmempfindlichkeit, einer weiteren Abnahme des Wohlbefindens oder Schlafstörungen, ist ein Arztbesuch erforderlich. Bei einer inneren Unruhe, einer Abnahme der körperlichen wie auch der geistigen Leistungsfähigkeit und einer Störung der Aufmerksamkeit wird ein Arzt benötigt. Werden über einen längeren Zeitraum Medikamente eingenommen, können sich die Kopfschmerzen langsam ausbilden und kontinuierlich an Intensität zunehmen. Hierbei handelt es sich um einen schleichenden Prozess des medikamenteninduzierten Kopfschmerzes. Ein Arzt sollte auf die Unannehmlichkeiten angesprochen werden, damit eine Optimierung des erarbeiteten Behandlungsplans erfolgen kann.
Behandlung & Therapie
Eine erfolgreiche Behandlung eines medikamenteninduzierten Kopfschmerzes sieht vor, dass gleich zu Beginn die auslösenden Schmerz- und Arzneimittel abgesetzt werden.
Da im Laufe der Monate und Jahre der Erkrankung diese häufig suchtbedingt ist, ist eine Entgiftung bzw. ein Entzug das Mittel der Wahl. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Patient dies zu 100 Prozent möchte, denn durch den Verzicht auf Schmerzmittel setzt ein sog. Rebound-Effekt ein, das heißt, die Schmerzen intensivieren sich durch das Absetzen der Medikamente. Diese Entzugskopfschmerzen können in der Regel bis zu drei Wochen anhalten. Genau an dieser Anfangsphase scheitern viele Betroffene: Die Beschwerden werden in den ersten Tagen zunächst schlimmer, bevor sie sich bessern. Wer das weiß und die Zeit überbrückt, hat gute Aussichten auf Erfolg.
Da neben dem medikamenteninduzierten Kopfschmerz häufig auch Depressionen bei den Betroffenen vorhanden sind, ist es ratsam einen stationären Entzug zu machen. Neben der Behandlung der Schmerzen und anderer Entzugssymptome durch spezielle Medikamente, ist eine Verhaltenstherapie ein wichtiger Faktor, um den Erfolg der Behandlung zu sichern. Enthalten die übergebrauchten Präparate Opioide, Benzodiazepine oder Barbiturate, dürfen sie keinesfalls eigenmächtig und abrupt abgesetzt werden: Ein unbegleiteter Entzug kann hier schwere Entzugserscheinungen bis hin zu Krampfanfällen auslösen. Das Absetzen muss deshalb ärztlich begleitet und schrittweise erfolgen.
Wenn die Beschwerden abgeklungen sind, ist es wichtig, die Ursache für den zugrunde liegenden Kopfschmerz zu finden und zu behandeln. Die Therapie beginnt schon während des Entzuges und wird langfristig in den Folgemonaten fortgesetzt. Neben einer adäquaten Schmerztherapie und einem psychologischen Verhaltenstraining, ist es wichtig, dass auch physiotherapeutische Maßnahmen ergriffen werden, insbesondere dann, wenn Spannungskopfschmerzen die Ursache für den medikamenteninduzierten Kopfschmerz sind.
Die Behandlung des medikamenteninduzierten Kopfschmerzes sieht auch die Behandlung der Folgen des Schmerzmittelmissbrauchs vor. Durch den übermäßigen Gebrauch von Schmerzmitteln werden vor allem Magen, Leber, Nieren sowie die Blutgefäße geschädigt. Magenschleimhautentzündungen, Magengeschwüre, Hepatitis und Niereninsuffizienz sind nur einige der Krankheiten, die als Folge des Schmerzmittelmissbrauchs auftreten können.
Aussicht & Prognose
Die Prognose bei einem Kopfschmerz, der durch Medikamente induziert wurde, ist günstig. Nach Absetzen der verwendeten Arzneien kommt es schrittweise zu einer Rückbildung der Beschwerden. Im Normalfall wird innerhalb einiger Wochen eine Beschwerdefreiheit erreicht. Daher ist eine Spontanheilung zu erwarten, wenn der Betroffene die eingenommenen Schmerzmittel zukünftig nicht mehr verwendet.
Unterstützend kann der Betroffene die Aufnahme von Flüssigkeiten erhöhen. Dies trägt dazu bei, dass die eingenommenen Medikamente aus dem Organismus abtransportiert und ausgeschieden werden. Sofern die Wirkstoffe, die im Organismus die gesundheitlichen Beeinträchtigungen ausgelöst haben, dem Körper erneut zugeführt werden, ist mit einer Rückkehr der Beschwerden zu rechnen. Der Betroffene sollte daher dauerhaft auf Ausweichpräparate zurückgreifen. Es ist anzuraten, die aufgetretenen Nebenwirkungen mit dem behandelnden Arzt zu besprechen. Der Behandlungsplan für die Therapie der Primärerkrankung wird entsprechend überarbeitet und angepasst.
Sollte keine Grunderkrankung vorliegen, genügt ein Verzicht auf die zugeführten Schmerzmittel. Dennoch ist anzuraten, zur Klärung des Schmerzauslösers, eine ärztliche Behandlung in Anspruch zu nehmen. Damit eine dauerhafte Beschwerdefreiheit des medikamenteninduzierten Kopfschmerzes gewährleistet ist, sollte im weiteren Verlauf über die Lebensspanne eine Kontrolle der enthaltenen Wirkstoffe in verschriebenen oder erworbenen Arzneien stattfinden. Ein langfristiger Verzicht auf die auslösenden Elemente ist notwendig.
Vorbeugung
Einem medikamenteninduzierten Kopfschmerz lässt sich gut vorbeugen. Wichtigster Punkt ist, dass bei Kopfschmerzen an nicht mehr als max. drei hintereinander liegenden Tagen und an nicht mehr als max. zehn Tagen im Monat Schmerz- und Migränemittel eingenommen werden.
Liegt ein primärer Kopfschmerz vor, so sollte man Schmerzmittel nur in der erlaubten Dosierung und Dauer gem. des Beipackzettels einnehmen. Sollten die Kopfschmerzen nicht innerhalb von 48 Stunden abklingen, ist ein Arzt zu konsultieren, der ggf. andere, wirksamere Medikamente verordnen kann.
Da ein medikamenteninduzierter Kopfschmerz Folge von anderen Kopfschmerzen ist, ist es ratsam ein sog. Kopfschmerztagebuch zu führen. Auf diese Weise kann man die Diagnose- und Ursachenfindung erleichtern. Zudem dient das Tagebuch als Überwachungsorgan, so dass eine versehentliche oder beabsichtige Mehreinnahme von Schmerzmitteln vermieden werden kann.
Da primäre Kopfschmerzen häufig durch verspannte Muskeln ausgelöst werden (Spannungskopfschmerzen), ist es sinnvoll physiotherapeutische Maßnahmen zu ergreifen, so dass aus dem primären kein medikamenteninduzierter Kopfschmerz entsteht.
Das können Sie selbst tun
Patienten mit einem medikamenteninduzierten Kopfschmerz können versuchen, auf alternative Möglichkeiten zur Schmerzbekämpfung auszuweichen. Als besonders hilfreich haben sich Entspannungsverfahren erwiesen. Diese können nach dem Erlernen bestimmter Übungen eigenverantwortlich und ganz nach eigenem Ermessen jederzeit durchgeführt werden. Über unterschiedliche Techniken wird die mentale Stärke des Betroffenen aufgebaut und Stress kann reduziert werden. Als förderlich haben sich Methoden wie Meditation, autogenes Training oder Yoga gezeigt. Vielen Patienten ist es darüber erfolgreich gelungen, die Dosis der Schmerzmittel herabsetzen zu können oder auf ein weniger wirkstoffreiches Medikament umsteigen zu können.
Darüber hinaus gibt es verschiedene Naturheilmittel, die sich bei der Schmerzbekämpfung bewährt haben. Zu ihnen zählen die Teufelskralle, Ingwer, Weidenrinde, Arnika oder Curcumin. Können die Schmerzen darüber gelindert werden, kann die Schmerzmedikation ebenfalls umgestellt und verändert werden. Weidenrinde enthält allerdings Salicin, einen nahen Verwandten der Acetylsalicylsäure; sie wirkt damit selbst wie ein Schmerzmittel und eignet sich bei einem medikamenteninduzierten Kopfschmerz nicht als dauerhafter Ersatz.
Bei einem Kopfschmerz sollte der Patient nach Möglichkeit ausreichend und unter guten Bedingungen schlafen. Die Schlafhygiene ist daher zu optimieren und der Tagesablauf ist auf die Bedürfnisse abzustimmen. Eine weitere Möglichkeit, um die Schmerzmittel reduzieren oder absetzen zu können, ist die Methode der Akupunktur. Je nach Schmerzursache kann der Patient durch das Naturheilverfahren eine Linderung der Beschwerden erzielen. Diese kann zu einer Schmerzfreiheit führen, so dass keine Medikamente mehr benötigt werden.
Quellen
- Göbel, H.: Die Kopfschmerzen.
ISBN: 9783662688724
- Diener, H.-C., Gaul, C., Kropp, P. (Hrsg.): Kopfschmerzen.
ISBN: 9783132004917
- Masuhr, K. F., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie.
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- Hufschmidt, A., Lücking, C. H., Rauer, S., Glocker, F. X. (Hrsg.): Neurologie compact.
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- Aktories, K., Förstermann, U., Hofmann, F., Starke, K. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
ISBN: 9783437426223
