Mundspülung

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 6. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Ein frischer und gesunder Atem wird in der modernen Gesellschaft nicht selten als ein wesentlicher Garant für den persönlichen Erfolg angesehen. Ergänzend zum Zähneputzen kann die konsequente Anwendung einer Mundspülung darüber hinaus dazu beitragen, Schäden an den eigenen Zähnen zu vermeiden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Mundspülung?

Mundspülung
Bei einer Mundspülung handelt es sich meist um eine antiseptische Flüssigkeit. Die keimreduzierende Flüssigkeit wird grundsätzlich im Mundraum angewendet.

Eine Mundspülung ist meist eine antiseptische Flüssigkeit, die speziell für die Anwendung im Mundraum entwickelt wurde. Ihre Hauptfunktion besteht darin, Keime zu reduzieren und die Mundhygiene zu verbessern. Durch die regelmäßige Anwendung einer zuverlässigen Mundspülung können die meisten Menschen schöne und gesunde Zähne erhalten sowie das Zahnfleisch pflegen. Mundspülungen sind in zwei Hauptkategorien eingeteilt, je nach ihrem spezifischen Anwendungsgebiet und den enthaltenen Wirkstoffen. Rechtlich sind die meisten Mundspülungen und Mundwässer Kosmetika im Sinne der EU-Kosmetikverordnung: Sie durchlaufen keine Zulassung, sondern lediglich eine Sicherheitsbewertung. Enthält eine Mundspülung dagegen einen arzneilich wirksamen Bestandteil wie Chlorhexidin, ist sie ein Arzneimittel und benötigt eine Zulassung.

Die erste Kategorie umfasst kosmetische Mundspülungen, die vor allem darauf abzielen, schlechten Atem zu bekämpfen und für ein frisches Mundgefühl zu sorgen. Diese Produkte können temporär die Anzahl der Bakterien im Mund verringern und sind ideal für den sofortigen Gebrauch, bieten jedoch keine langfristigen gesundheitlichen Vorteile.

Die zweite Kategorie besteht aus therapeutischen Mundspülungen, die aktive Inhaltsstoffe enthalten, die nachweislich die Mundgesundheit fördern. Dazu gehören Substanzen, die Plaque reduzieren, das Zahnfleisch stärken, Karies vorbeugen und Zahnfleischerkrankungen bekämpfen. Fluoridhaltige Mundspülungen zum Beispiel stärken den Zahnschmelz und helfen, Zahnverfall zu verhindern.

Beim Kauf einer Mundspülung ist es wichtig, das Produkt auszuwählen, das am besten zu den eigenen Bedürfnissen passt. Dabei sollte man die Inhaltsstoffe und ihre spezifischen Vorteile beachten. Eine Beratung durch einen Zahnarzt kann ebenfalls hilfreich sein, um die effektivste Option für die eigene Mundgesundheit zu finden.

Geschichte & Entwicklung

Die Geschichte der Mundspülungen reicht weit zurück und ist eng mit der Entwicklung der Mundhygiene über die Jahrhunderte verbunden. Schon in der Antike nutzten verschiedene Kulturen einfache Formen von Mundspülungen. Die Römer beispielsweise verwendeten Urin, der wegen seines Ammoniakgehalts als wirksam für die Zahnaufhellung und Mundreinigung galt.

Im Mittelalter wurden Mundspülungen aus Kräutern und Essig hergestellt, um den Atem zu erfrischen und Zahnprobleme zu behandeln. Diese Praktiken setzten sich in ähnlicher Form bis in die Neuzeit fort, wobei im 18. und 19. Jahrhundert wissenschaftlichere Ansätze in den Vordergrund traten.

Die moderne Entwicklung von Mundspülungen begann im 20. Jahrhundert, als das Verständnis für Bakterien und deren Rolle bei Zahnfleischerkrankungen zunahm. In den 1960er Jahren wurde Chlorhexidin, ein wirksamer antimikrobieller Wirkstoff, in Mundspülungen eingeführt und gilt bis heute als Goldstandard für die Behandlung von Zahnfleischentzündungen und zur Plaque-Kontrolle.

Heute sind Mundspülungen aus der täglichen Zahnhygiene nicht mehr wegzudenken. Sie variieren von einfachen, die den Atem erfrischen, bis hin zu solchen, die speziell zur Bekämpfung von Plaque, Zahnfleischerkrankungen und Karies entwickelt wurden. Die Produktpalette hat sich enorm erweitert, und Forschungen führen weiterhin zu Innovationen, die auf spezifische Bedürfnisse und Probleme im Bereich der Mundgesundheit abzielen.

Formen, Arten & Typen

Eine kosmetische Mundspülung reduziert in den meisten Fällen nur ein Minimum der im Mundraum vorhandenen Bakterien.

Bei einer kosmetischen Mundspülung steht in erster Linie der Aspekt der Ästhetik im Vordergrund. So sollen vor allem die optischen Aufheller der einzelnen Mundspüllösungen für ein optimiertes Gesamtbild sorgen. Kosmetische Mundspülungen sind in der Regel gebrauchsfertig; Konzentrate, die vom Verbraucher vor der Anwendung mit Wasser verdünnt werden müssen, werden üblicherweise als Mundwasser angeboten.

Anders als eine kosmetische Mundspülung fokussiert eine medizinische Mundspülung die Bekämpfung von Bakterien im Mundraum. Eine medizinische Mundspülung wird immer dann eingesetzt, wenn beim betroffenen Patienten bereits eine klinische Symptomatik vorliegt.

Grundsätzlich kann eine Mundspülung jedoch nicht zur Therapie von allen Symptomen und Erkrankungen eingesetzt werden. Sofern ein Patient beispielsweise unter einer starken Zahnsteinbildung leidet, wird eine Mundspülung nicht als ein geeignetes Therapieverfahren angesehen.

Aufbau, Zusammensetzung & Funktion

Die Zusammensetzung einer Mundspülung variiert grundsätzlich von Hersteller zu Hersteller. So verfügen die kosmetischen Mundspülungen in der Regel über natürliche Inhaltsstoffe. Hierzu zählen sowohl Wasser als auch Aloe vera.

Natürliche Kräuter wie beispielsweise Salbei oder Kamille runden die Zutatenliste ab. Sie sorgen in der Regel für einen frischen Atem. Die medizinischen Mundspülungen verfügen in der Regel über die gleichen Inhaltsstoffe wie die kosmetischen Mundspülungen. Darüber hinaus enthalten die medizinischen Mundspülungen noch zwei weitere wichtige Inhaltsstoffe. So sollen sowohl Chlorhexidin als auch Cetylpyridiniumchlorid einer Entzündung des Zahnbetts vorbeugen.

Daher werden manche medizinische Mundspülungen auch im Anschluss an eine Operation zur Unterstützung des Heilungsprozesses eingesetzt. Gleichzeitig kann durch die konsequente Anwendung einer fluoridhaltigen Mundspülung der Zahnschmelz aktiv gestärkt werden. Viele Mundspülungen enthalten außerdem Alkohol. Er dient dabei in erster Linie als Lösungsmittel für ätherische Öle und andere Wirkstoffe und ist nicht selbst der keimtötende Bestandteil. Darüber hinaus wirkt sich der Alkohol positiv auf die Haltbarkeit einer Mundspülung aus.

Da eine zuverlässige Pflege des eigenen Mundraums auch für Kinder stets im Vordergrund stehen sollte, bieten viele Hersteller von Mundspülungen auch alkoholfreie Präparate an. Dennoch können diese Präparate auch von erwachsenen Personen angewendet werden. Ein auf das Alter abgestimmter Gehalt an Fluorid soll in erster Linie die Entstehung von Karies bei Kindern verhindern. Da kleine Kinder die Lösung leicht verschlucken, werden Mundspülungen für Kinder unter sechs Jahren in der Regel nicht empfohlen.


Medizinischer & gesundheitlicher Nutzen

Eine medizinische Wirkung konnte bis dato nur bei medizinischen Mundspülungen nachgewiesen werden. So steht für die medizinischen Mundspülungen in erster Linie die Bekämpfung von Bakterien im Vordergrund.

So kann die Bildung von Plaque vermindert werden. Die antibakterielle Wirkung der einzelnen Präparate geht darüber hinaus mit einem wirksamen Schutz vor Karies einher. Von führenden Medizinern wird ein wirksamer Schutz vor Karies als äußerst wichtig angesehen. Vor allem kranke Zähne werden in der modernen Medizin als eine mögliche Ursache für das Auftreten von Herzproblemen angesehen.

Zwischen einer Parodontitis und Diabetes besteht darüber hinaus eine wechselseitige Beziehung: Eine unbehandelte Zahnbettentzündung kann die Einstellung des Blutzuckers erschweren, umgekehrt begünstigt ein schlecht eingestellter Diabetes Erkrankungen des Zahnbetts. Eine Mundspülung sollte jedoch grundsätzlich nicht als ein Ersatz für eine gründliche Reinigung der Zähne angesehen werden. Die tägliche Reinigung der Zähne mit einer herkömmlichen Zahnbürste wird lediglich unterstützt.

Darüber hinaus kann es im Rahmen einer Anwendung zu mitunter schwerwiegenden Nebenwirkungen kommen. Mit Nebenwirkungen ist immer dann zu rechnen, wenn eine Unverträglichkeit gegenüber einem in der Mundspülung enthaltenen Inhaltsstoff besteht.

Anwendung & Sicherheit

Die Anwendung von Mundspülungen ist im Allgemeinen einfach, doch es gibt einige wichtige Richtlinien, um ihre Effektivität und Sicherheit zu gewährleisten. Typischerweise sollte eine Mundspülung nach dem Zähneputzen verwendet werden. Der Benutzer gießt eine empfohlene Menge (oft markiert auf der Flasche) in ein Becherglas, spült den Mund so lange, wie der Hersteller es angibt, und spuckt die Flüssigkeit dann aus. Es ist wichtig, nach der Anwendung der Mundspülung eine Weile nichts zu essen oder zu trinken, um die Wirkstoffe wirken zu lassen.

In Bezug auf die Sicherheit: Mundspülungen sind generell sicher bei sachgemäßer Anwendung. Probleme können jedoch bei übermäßigem Gebrauch auftreten, insbesondere bei Produkten, die Alkohol oder starke antimikrobielle Wirkstoffe enthalten. Diese können zu Mundtrockenheit, Reizungen oder im schlimmsten Fall zu einer Störung der natürlichen Mundflora führen. Besondere Vorsicht ist geboten bei Kindern, die versehentlich Mundspülung schlucken könnten; hier sind Produkte ohne Alkohol und mit kindgerechten Aromen vorzuziehen.

Die Herstellung von Mundspülungen unterliegt strengen Qualitätskontrollen. Produzenten müssen die Richtlinien für gute Herstellungspraxis (Good Manufacturing Practice, GMP) befolgen, die Reinheit der Inhaltsstoffe, die Konsistenz der Produktion und die Wirksamkeit des Endprodukts sicherstellen. Regulierungsbehörden in verschiedenen Ländern, wie die FDA in den USA oder – bei Mundspülungen mit Arzneimittelstatus – das BfArM in Deutschland, überwachen diese Standards und führen regelmäßige Inspektionen durch, um sicherzustellen, dass die Mundspülungen sicher und wirksam sind und die auf dem Etikett angegebenen Ansprüche erfüllen. Kosmetische Mundspülungen unterliegen dagegen der Überwachung durch die Behörden der Bundesländer.

Alternativen

Neben den traditionellen Mundspülungen gibt es verschiedene alternative Produkte und Therapiemethoden, die zur Verbesserung der Mundhygiene beitragen können. Diese Alternativen bieten unterschiedliche Vorteile und können in bestimmten Situationen oder für spezielle Bedürfnisse besser geeignet sein.

Zahnseide und Interdentalbürsten: Diese Hilfsmittel sind effektiv zur Entfernung von Plaque und Essensresten aus den Zwischenräumen der Zähne, wo eine Zahnbürste möglicherweise nicht hinkommt. Regelmäßiges Verwenden von Zahnseide kann das Risiko von Zahnfleischerkrankungen reduzieren und ist eine ausgezeichnete Ergänzung zum Zähneputzen.

Zungenschaber: Viele Menschen leiden unter schlechtem Atem, der oft von Bakterien auf der Zunge verursacht wird. Zungenschaber entfernen diese Beläge effektiv und können so die Mundhygiene verbessern und den Atem auffrischen.

Natürliche Alternativen: Natürliche Lösungen wie Ölziehen, eine Technik, die Kokosöl oder Sesamöl verwendet, um den Mund auszuspülen, haben an Popularität gewonnen. Dass dabei Giftstoffe aus dem Körper gezogen werden, wie es der Name nahelegt, ist wissenschaftlich nicht belegt; belastbare Studien zur Wirksamkeit des Ölziehens fehlen.

Salzwasser-Spülungen: Das Spülen des Mundes mit Salzwasser ist streng genommen keine Alternative zur Mundspülung, sondern selbst eine einfache Mundspülung. Sie ist kostengünstig, wird besonders nach zahnärztlichen Eingriffen empfohlen und kann helfen, Entzündungen zu reduzieren und Wunden schneller heilen zu lassen.

Fluoridbehandlungen: Fluoridgele und -lacke, die in der Zahnarztpraxis aufgetragen werden, bieten einen hohen Schutz gegen Karies und stärken den Zahnschmelz. Sie sind eine gute Option für Personen, die besonders kariesanfällig sind.

Diese Methoden können je nach individuellen Bedürfnissen und Empfehlungen des Zahnarztes als Ergänzung oder Alternative zu herkömmlichen Mundspülungen verwendet werden. Sie eröffnen vielfältige Möglichkeiten zur Aufrechterhaltung einer gesunden Mundhygiene und zur Vorbeugung von Zahnproblemen.

Forschung & Zukunft

Die Forschung zu Mundspülungen entwickelt sich ständig weiter, um effektivere und sicherere Produkte für die Zahngesundheit zu bieten. Aktuelle Trends in der Forschung konzentrieren sich auf die Erweiterung der Wirkstoffpalette, die Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit und die Minimierung von Nebenwirkungen.

Natürliche Inhaltsstoffe: Ein wachsender Trend ist die Verwendung von natürlichen Inhaltsstoffen in Mundspülungen. Substanzen wie Teebaumöl, Aloe Vera, Neem und ätherische Öle wie Pfefferminz und Eukalyptus werden erforscht für ihre antimikrobiellen und entzündungshemmenden Eigenschaften. Diese natürlichen Komponenten sind beliebt, da sie oft als sanfter und sicherer für den langfristigen Gebrauch angesehen werden.

Probiotika: Ein weiterer innovativer Ansatz ist die Einführung von probiotischen Bakterien in Mundspülungen. Diese guten Bakterien sollen helfen, das natürliche Gleichgewicht der Mikroflora im Mund zu fördern und schädliche Bakterien zu verdrängen, die Zahnfleischerkrankungen und Karies verursachen können.

Zielgerichtete Formulierungen: Forschungen richten sich auch auf Mundspülungen, die spezifisch auf bestimmte Probleme wie Zahnfleischbluten, Zahnempfindlichkeit oder schlechten Atem zielen. Solche zielgerichteten Produkte können Wirkstoffe enthalten, die speziell auf die Ursachen dieser Bedingungen abgestimmt sind.

Langzeitwirkung: Ein weiterer Fokus liegt auf der Entwicklung von Mundspülungen mit verlängerter Wirkdauer. Diese Produkte sollen eine anhaltende antibakterielle Wirkung bieten, die über die übliche Anwendungsdauer einer herkömmlichen Mundspülung hinausgeht.

Biofilme: Die Forschung konzentriert sich auch auf die wirksamere Bekämpfung von Biofilmen im Mund, die oft resistent gegen herkömmliche antiseptische Wirkstoffe sind. Fortschritte in diesem Bereich könnten zu effektiveren Behandlungen für chronische Zahnfleischerkrankungen führen.

Diese Forschungstrends zeigen, dass die Entwicklung von Mundspülungen sich in eine Richtung bewegt, die personalisierte und gesundheitsfördernde Ansätze bevorzugt, und dabei Sicherheit und natürliche Inhaltsstoffe in den Vordergrund stellt.

Was eine Spülung am Zahnbelag ausrichtet

Zahnbelag ist kein loser Schmutz, sondern ein Biofilm: Die Bakterien sitzen in einer selbst gebildeten Schicht aus Zuckerverbindungen, die am Zahn haftet und die äußeren Lagen des Films gegen die inneren abschirmt. Eine Flüssigkeit, die nur wenige Sekunden im Mund bewegt wird, benetzt vor allem die Oberfläche dieses Films.

Wie wenig dabei mechanisch abgetragen wird, hat eine kontrollierte Untersuchung an der zahnmedizinischen Fakultät in Cardiff bereits 1993 gemessen. Binney, Addy und Newcombe ließen zwölf Freiwillige nacheinander sechs handelsübliche Lösungen anwenden und bestimmten anschließend den verbliebenen Belag. Eine einzelne Spülung entfernte weniger als fünf Prozent davon, mit geringen Unterschieden zwischen den Mitteln. Auch als Vorbereitung des anschließenden Putzens erbrachte keine der Lösungen einen Vorteil gegenüber reinem Wasser, und die Autoren sahen keinen Beleg für einen darüber hinausgehenden Nutzen.

Der Befund betrifft ausdrücklich den bereits vorhandenen Belag. Ob ein Wirkstoff die Neubildung bremst, ist eine andere Frage, die mit einer Einmalanwendung gar nicht zu beantworten ist. Er erklärt aber, warum sich der Nutzen einer Mundspülung nicht am Gefühl von Sauberkeit ablesen lässt, das sie hinterlässt.

Fluoridspülungen im Studienvergleich

Für fluoridhaltige Spülungen liegt eine der besser abgesicherten Zahlen der Zahnheilkunde vor. Eine Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration, die Marinho, Chong, Worthington und Walsh 2016 vorlegten, fasste 37 kontrollierte Studien mit 15.813 Kindern und Jugendlichen zusammen. In allen davon wurde die Spülung unter Aufsicht angewendet, ganz überwiegend in der Schule. Gegenüber Placebo oder keiner Anwendung ging der Kariesbefall an den Flächen der bleibenden Zähne um 27 Prozent zurück; die Autoren stufen die Verlässlichkeit dieses Ergebnisses als mäßig ein, weil die meisten Einzelstudien ein hohes Verzerrungsrisiko aufwiesen.

Bemerkenswert ist, was die Übersicht nicht fand: Zu möglichen unerwünschten Wirkungen enthielten die eingeschlossenen Studien kaum Angaben. Drei Arbeiten berichteten unvollständig über Zahnverfärbungen, eine über Schleimhautreizungen, keine über Beschwerden während der Anwendung. Ein gut belegter Nutzen und eine dünne Datenlage zu den Nachteilen können also nebeneinander stehen.

Die Mundflora und der Blutdruck

Dass die Bakterien im Mund auch außerhalb des Mundes etwas bewirken, zeigt ein Stoffwechselweg, der erst in den vergangenen Jahrzehnten aufgeklärt wurde. Nitrat, das über Gemüse aufgenommen wird, gelangt ins Blut und wird von den Speicheldrüsen wieder in den Mund ausgeschieden. Dort wandeln Bakterien, die vor allem auf der Zunge siedeln, es zu Nitrit um. Aus diesem Nitrit bildet der Körper Stickstoffmonoxid, ein Signalmolekül, das die Gefäße weit stellt.

Eine Arbeitsgruppe um Kapil am William Harvey Research Institute in London prüfte 2013, was geschieht, wenn dieser Weg unterbrochen wird. Gesunde Freiwillige verwendeten eine chlorhexidinhaltige antiseptische Spülung; die Nitritbildung im Mund brach daraufhin fast vollständig ein, der Nitritgehalt im Blut sank, und der Blutdruck der Teilnehmer stieg messbar an. Der Effekt zeigte sich binnen eines Tages nach dem Eingriff in die Mundflora und hielt über den gesamten Untersuchungszeitraum an.

Der Befund gilt für eine antiseptische Spülung mit Chlorhexidin und lässt sich nicht auf jedes Erzeugnis übertragen, das im Regal daneben steht. Er zeigt aber, dass die Mundflora nicht nur ein Störfaktor ist, den es möglichst weitgehend zu beseitigen gilt, und dass ein Wirkstoff, der Keime zuverlässig hemmt, dabei auch Nützliches trifft.

Quellen

  • Hellwig, E., Schäfer, E., Klimek, J., Attin, T.: Einführung in die Zahnerhaltung.
    ISBN: 9783769137842
  • Wolf, H. F., Rateitschak-Plüss, E. M., Rateitschak, K. H.: Parodontologie.
    ISBN: 9783131698032
  • Weber, T.: Memorix Zahnmedizin.
    ISBN: 9783132417779
  • Kramer, A., Assadian, O., Exner, M. (Hrsg.): Krankenhaus- und Praxishygiene.
    ISBN: 9783437223136
  • Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
    ISBN: 9783804746541

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