Osgood-Schlatter
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Krankheiten Osgood-Schlatter
Morbus Osgood-Schlatter ist eine Störung der Ossifikation (Verknöcherungsprozess knorpeliger Strukturen) im Kniebereich, von welcher in erster Linie Jugendliche zwischen neun und fünfzehn Jahren, insbesondere im Zusammenhang mit Wachstumsschüben, betroffen sind. Jungen sind mit einem Verhältnis von 3:1 bis zu 7:1 häufiger von Osgood-Schlatter betroffen als Mädchen.
Inhaltsverzeichnis |
Was ist Osgood-Schlatter?
© barks – stock.adobe.com
Als Osgood-Schlatter bzw. Morbus Osgood-Schlatter wird eine vergleichsweise häufige aseptische (nicht infektiöse) Osteochondrose der Tuberositas tibiae bezeichnet, die als rauer Knochenfortsatz der vorderen Schienbeinkante den Patellarsehnenansatz (Schienbeinrauigkeit) bildet.
Durch die gestörte Ossifikation kann es zudem bei Überlastung des Knies zu abgelösten Ossikeln (kleine Knochensegmente) kommen, die im weiteren Verlauf absterben können (Osteonekrose). Infolge der Irritation der Patellarsehne manifestiert sich Osgood-Schlatter anfänglich anhand bewegungs- sowie druckbedingter Schmerzen im Bereich der Schienbeinrauigkeit.
Ferner kann die Erkrankung ausgeprägte Schwellungen bedingen, die bei Zugbelastung über die Patellarsehne zu ausgeprägten Schmerzen führen. Im fortgeschrittenen Stadium kann ein Morbus Osgood-Schlatter Vorwölbungen im betroffenen Kniebereich verursachen, die sich teilweise verschieben lassen.
Ursachen
Die Überlastung entsteht durch eine Diskrepanz zwischen Belastbarkeit und tatsächlicher Belastung des knorpeligen Kernes der Tuberositas tibiae aufgrund trainingsbedingter Mikroverletzungen oder Übergewicht. Die Diskrepanz zieht wiederum eine gestörte Ossifikation des Knorpelkernes sowie eine beeinträchtigte Verschmelzung desselben mit dem angrenzenden Schienbeinknochen nach sich.
Auch die hormonelle Umstellung während der Pubertät kann eine reduzierte Belastbarkeit der Tibia (Schienbein) und somit eine ungleich verteilte Belastung im Knie sowie einen verstärkten Patellarsehnenzug nach sich ziehen. Daneben wird angenommen, dass lokal begrenzte Durchblutungsstörungen einen Osgood-Schlatter bedingen können.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Morbus Osgood-Schlatter zeigt sich vor allem durch Schmerzen, die vor allem unterhalb der Kniescheibe und am oberen Ende des Schienbeins auftreten. Diese Schmerzen verstärken sich bei Belastung zusätzlich. Das Hinknien, das Strecken des Beines, ruckartige Trittbewegungen und so weiter sind teilweise stark eingeschränkt. Betroffen sind vor allem sportlich aktive Kinder und Jugendliche zwischen neun und fünfzehn Jahren.
Es kommt zu einer kleinen Rundung, die schließlich sichtbar wird. Diese liegt meist am unteren Ende der Kniescheibe an und stellt eine Schwellung dar. Wird Druck auf sie ausgeübt, kommt es ebenfalls zu Schmerzen. Dabei kann die Rundung sich sehr stark verändern. Ruhepausen lassen sie schnell kleiner werden und wieder zurück nach innen gehen. Belastungen - auch kurzfristige - lassen sie wieder anschwellen und empfindlicher werden.
Insgesamt ist die Symptomatik bei Osgood-Schlatter sehr spezifisch. So kommt es hier auch nicht zu nächtlichen Schmerzen oder zu einer Wärmeentwicklung. Der erste Schmerz ist beim Osgood-Schlatter-Leiden meistens nur indirekt durch einen Druck auf die Patellasehne spürbar. Die sonstigen Schmerzen entwickeln sich über einen gewissen Zeitraum hinweg und können auch lange sehr schwach ausgeprägt bleiben. Die Einschränkungen beim Strecken des Kniegelenks sind ebenfalls ein frühes Symptom.
Diagnose & Verlauf
Charakteristische Symptome wie belastungsabhängige Schmerzen und eine ausgeprägte Druckempfindlichkeit in den typischen Kniearealen geben erste Hinweise auf einen Morbus Osgood-Schlatter.
Im Rahmen sonographischer und röntgenologischer Untersuchungen kann anhand der Auflockerung der knöchernen Strukturen sowie abgelöster Ossikel die für Osgood-Schlatter typische Verschmelzungsstörung des Kernes der Tuberositas tibiae mit den angrenzenden Knochenstrukturen nachgewiesen werden. Zudem sollte die Erkrankung differenzialdiagnostisch von einem Iliotibialband-Syndrom (Läuferknie) abgegrenzt werden.
Gegebenenfalls wird in uneindeutigen Fällen die Diagnose durch eine Kernspintomographie und/oder Szintigraphie, die gleichzeitig Aussagen über mögliche Stoffwechselstörungen ermöglicht, abgesichert. Wird ein Morbus Osgood-Schlatter frühzeitig diagnostiziert und konsequent therapiert, weist die Erkrankung in aller Regel eine gute Prognose auf und heilt in der Regel bis zum Abschluss der Wachstumsphase aus; bei einem kleinen Teil der Betroffenen bleiben jedoch Beschwerden bis ins Erwachsenenalter bestehen.
Komplikationen
Die Patienten leiden dabei an Schmerzen, die vor allem an den Knien auftreten können. Auch das Anspannen der Muskeln ist in den meisten Fällen mit Schmerzen verbunden, sodass die Kinder auch an Sportarten nicht ohne Weiteres teilnehmen können. An den Beinen selbst kommt es dabei ebenfalls zu starken Schmerzen, die auch ohne Belastung in Form von Ruheschmerzen auftreten können. Auch sind die Regionen in vielen Fällen angeschwollen und druckempfindlich.
Die Behandlung dieser Krankheit erfolgt in der Regel konservativ mit Hilfe von Krankengymnastik. Dabei können die Beschwerden eingeschränkt werden. Auch eine Stoßwellentherapie kann zur Heilung beitragen. Die Beschwerden klingen in aller Regel spätestens mit dem Abschluss des Wachstums ab, auch wenn sich der genaue Zeitpunkt im Einzelfall nicht vorhersagen lässt. Die Lebenserwartung des Patienten wird krankheitsbedingt allerdings nicht verringert.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Wenn die Knie bei Belastung schmerzen, vor allem beim Sport und beim Niederknien, sollte ein Arzt kontaktiert werden. Osgood-Schlatter muss zügig diagnostiziert werden, damit die Behandlung eingeleitet werden kann, bevor sich Knochenstücke aus dem Schienbein ablösen. Starke Schmerzen im Bereich des Schienbeins deuten auf ein fortgeschrittenes Leiden hin, das umgehend abzuklären ist. Die Betroffenen sprechen am besten mit dem Hausarzt, der eine erste Verdachtsdiagnose stellen und gegebenenfalls weitere Fachärzte einschalten kann. Die Symptome treten meist zwischen dem neunten und fünfzehnten Lebensjahr auf.
Betroffen sind vor allem sportlich aktive Jugendliche im Wachstum. Bei Erwachsenen können Beschwerden am Schienbeinhöcker fortbestehen, die auf einen nicht vollständig ausgeheilten Osgood-Schlatter aus der Jugendzeit zurückgehen. Wer zu diesen Risikogruppen zählt, sollte mit genannten Symptomen umgehend zum Arzt gehen. Osgood-Schlatter kann gut behandelt werden, wenn es frühzeitig erkannt wird. Die Erkrankten sollten sich deshalb schon bei einem ersten Verdacht mit dem Arzt in Verbindung setzen. Neben dem Hausarzt können Sportmediziner, Orthopäden und Physiotherapeuten hinzugezogen werden. Die Behandlung kann je nach Ausprägung chirurgisch oder durch Schmerzmedikamente und präventive Maßnahmen wie Schonung erfolgen.
Behandlung & Therapie
Da ein Morbus Osgood-Schlatter auf eine Überbelastung zurückgeführt wird, zielen die therapeutischen Maßnahmen vor allem auf eine Entlastung der betroffenen Strukturen. Hierzu ist im Frühstadium in aller Regel eine Belastungskarenz durch Schonung, entzündungshemmende Schmerzmittel (Antiphlogistika), Kühlung und Krankengymnastik angezeigt.
Knie- oder Kniescheibenstraps können zusätzlich zur Schmerzlinderung beitragen. Darüber hinaus werden betroffene Kinder und Jugendliche gegebenenfalls vom Schulsport befreit. Liegen schwerwiegendere Veränderungen bzw. ein fortgeschritteneres Erkrankungsstadium vor, kann eine Ruhigstellung des Knies durch einen Gipstutor (Gipsverband), der die Rotation des Kniegelenks einschränkt, indiziert sein. Dieser Gipstutor wird individuell an das betroffene Knie angepasst, um den Druck auf die Patella (Kniescheibe) und ein potenzielles Abrutschen zu vermeiden.
In einigen Fällen werden auch Unterarmstützen zur vollständigen Entlastung des betroffenen Knies empfohlen. Unterstützend können lokal applizierte Salben zum Einsatz kommen. Ebenso kann ein Negativabsatz (Absatzerniedrigung) der Schuhsohle zur Kniescheibenentlastung beitragen. Ergänzend wird zudem die extrakorporale Stoßwellentherapie zur Heilungsbeschleunigung angewandt, obgleich noch nicht geklärt werden konnte, welche Faktoren für den individuellen Therapieerfolg bzw. –misserfolg verantwortlich sind.
In Ausnahmefällen kann bei abgelösten Ossikeln wie Sequestern (abgestorbenes und demarkiertes Knochengewebe), Gelenkmäusen (freie Gelenkkörper) oder Knochenausziehungen, die die Bänder reizen und die Beweglichkeit des Kniegelenks einschränken, ein operativer Eingriff angezeigt sein. Die chirurgische Ossikelentfernung sollte hierbei erst nach Abschluss der Wachstumsphase durchgeführt werden. Ferner sollte bei von Morbus Osgood-Schlatter betroffenen Kindern, die zusätzlich eine Adipositas aufweisen, eine Gewichtsreduzierung angestrebt werden.
Vorbeugung
Da die zugrundeliegende Ätiologie für einen Morbus Osgood-Schlatter bisher nicht vollständig geklärt ist, existieren keine prophylaktischen Maßnahmen in Bezug auf die Erkrankung. Die Vermeidung von Übergewicht sowie einer einseitigen Belastung der das Kniegelenk unterstützenden Muskulatur kann allerdings einem Osgood-Schlatter vorbeugen bzw. die Beschwerden minimieren.
Nachsorge
Dem Betroffenen stehen bei einem Osgood-Schlatter in den meisten Fällen nur wenige und auch nur eingeschränkte Maßnahmen der Nachsorge zur Verfügung. Die Erkrankung ist nicht erblich bedingt; sie klingt nach Abschluss des Wachstums in aller Regel von selbst ab. Bis dahin ist eine ärztliche Begleitung sinnvoll, damit die Belastung richtig angepasst werden kann.
Die Behandlung selbst kann dabei durch Maßnahmen einer Krankengymnastik oder einer Physiotherapie erfolgen. Dabei kann der Betroffene auch einige der Übungen im eigenen Zuhause durchführen, wodurch die Behandlung eventuell beschleunigt wird.
Dabei sind viele der Betroffenen in ihrem Alltag auf die Hilfe und die Unterstützung durch die eigene Familie angewiesen, wobei sich vor allem die Pflege und die psychologische Unterstützung positiv auf den weiteren Verlauf der Erkrankung auswirken kann. Im Allgemeinen ist auch eine gesunde Lebensweise anzustreben, wobei Übergewicht vermieden werden sollte. Die Lebenserwartung des Betroffenen wird durch diese Krankheit nicht verringert.
Aussicht & Prognose
Osgood-Schlatter bietet eine relativ gute Prognose. Die Erkrankung verschwindet oft von selbst wieder. Viele Patienten sind nach sechs bis 18 Monaten wieder beschwerdefrei. In Einzelfällen kann sich Osgood-Schlatter jedoch zu einer chronischen Erkrankung entwickeln. Zudem leidet ein großer Teil der Patienten an anhaltenden Schmerzen beim Knien. Bleiben die Schmerzen länger als ein bis zwei Jahre bestehen, empfiehlt sich eine radiologische Untersuchung. Der Arzt kann die Diagnose stellen und dem Patienten eine zuverlässige Prognose geben.
Die Aussicht bei Osgood-Schlatter ist gut. Leichte Schmerzen können medikamentös behandelt werden. Zudem schreitet die Erkrankung nur langsam voran und schränkt die Betroffenen im Alltag nicht erheblich ein. Die Prognose stellt ein Orthopäde oder ein Facharzt für Sportmedizin. Hierzu zieht er die Untersuchungsergebnisse sowie Erkenntnisse aus dem Patientengespräch zurate.
Entscheidend für den Verlauf ist vor allem, ob die sportliche Belastung während der Wachstumsphase konsequent angepasst wird. All diese Faktoren müssen in die Prognose miteinbezogen werden. Aufgrund des langwierigen Verlaufs der Erkrankung muss die Prognose in regelmäßigen Abständen an den Gesundheitszustand des Patienten angepasst werden.
Das können Sie selbst tun
Ist ein Osgood-Schlatter ärztlich festgestellt, können Betroffene selbst viel zur Besserung beitragen. Bei leichten Beschwerden genügt es, das Knie zu schonen und für einige Zeit keiner weiteren Belastung auszusetzen. Die Schmerzen sollten nach einigen Tagen bis Wochen zurückgehen.
Sollte der Osgood-Schlatter nicht von selbst abklingen, ist ärztlicher Rat gefragt. Der Mediziner wird zunächst ebenfalls eine Schonung des betroffenen Glieds empfehlen und darüber hinaus Schmerzmittel, Entzündungshemmer und weitere Arzneimittel verordnen. Die Patienten können die Schmerzen lindern, indem sie die betroffene Stelle regelmäßig kühlen. Auch Quarkwickel und andere Hausmittel dürfen in Rücksprache mit dem Arzt verwendet werden, um die Beschwerden zu lindern.
Sollten diese Maßnahmen keine Wirkung zeigen, muss noch einmal der Arzt aufgesucht werden. Womöglich liegt dem Osgood-Schlatter ein ernstes Leiden zugrunde. Sobald die Beschwerden abgeklungen sind, darf das Training in Absprache mit dem Arzt schrittweise wieder aufgenommen werden. Krankengymnastik und Massagen tragen zu einer raschen Genesung bei. Welche Therapie am besten hilft, sollte mit dem Orthopäden erarbeitet werden. Wenn es wiederholt zu Beschwerden kommt, sollten mögliche Ursachen ermittelt und behoben werden. Oft genügt es bereits, die Muskeln vor dem Sport besser aufzuwärmen oder andere Schuhe zu tragen.
Quellen
- Hefti, F.: Kinderorthopädie in der Praxis.
ISBN: 9783642449949
- Niethard, F. U., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Duale Reihe Orthopädie und Unfallchirurgie.
ISBN: 9783132443150
- Engelhardt, M. (Hrsg.): Sportverletzungen.
ISBN: 9783437240935
- Wirth, C. J., Mutschler, W., Kohn, D., et al. (Hrsg.): Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie.
ISBN: 9783131406439
- Konrads, C., Rudert, M. (Hrsg.): Klinische Tests und Untersuchung in Orthopädie und Unfallchirurgie.
ISBN: 9783662693186
