Plasmodium ovale
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Plasmodien sind Malaria-Erreger im Speichel der Anopheles-Mücke, bei deren Biss sie auf den menschlichen Wirt übertragen werden und sich in ihm parasitär vermehren. Plasmodium ovale ist einer von insgesamt vier klassischen Malaria-Erregern des Menschen. Wie auch Plasmodium vivax erregt der Parasit Malaria tertiana mit leichter Verlaufsform.
Was ist Plasmodium ovale?
Plasmodien sind einzellige Parasiten, die zu den Sporozoen zählen. Seit der neuen Systematik gehören sie dem Stamm Apicomplexa an. Die humanpathogenen Plasmodien werden von weiblichen Anopheles-Mücken übertragen, in deren Speichel sich die infektiösen Sporozoiten befinden. Klinisch relevant sind von den rund 200 bekannten Arten nur wenige als Erreger der Malaria.
Malaria-Erreger wie Plasmodium ovale besiedeln in ihren Wirten die roten Blutkörperchen und ernähren sich von Hämoglobin. Der rote Blutfarbstoff wird von Plasmodien wie Plasmodium ovale zu Hämozoin umgebaut. In den besiedelten Erythrozyten tritt diese Verwandlung als bräunlich schwarzes Pigment in Erscheinung.
Die roten Blutkörperchen zerfallen durch die Besiedelung und setzen dabei Erregerbestandteile frei, die eine Abwehrreaktion des Körpers auslösen und dadurch die Fieberanfälle hervorrufen.
Beim Plasmodium ovale handelt es sich neben Plasmodium vivax um einen von zwei einzelligen Erregern der Malaria tertiana. In westlichen Gefilden ist die Verbreitung gering. Im tropischen Raum kommt der Erreger häufiger vor. Malaria tertiana ist eine gutartige Form der Erkrankung. Der Erreger Plasmodium ovale wird seltener mit Fällen der Infektion assoziiert als das ihm verwandte Plasmodium vivax. Das hauptsächliche Verbreitungsgebiet des Erregers ist das westliche Afrika im Süden der Sahara. Auch in Thailand oder Indonesien ist der Erreger anzutreffen. In Westafrika wird der Erreger vor allem von Anopheles gambiae und Anopheles funestus übertragen, den dortigen Hauptüberträgern der Malaria; in anderen Verbreitungsgebieten sind es andere Anopheles-Arten.
Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften
Im Menschen leben die Erreger zunächst in einer Phase der Schizogonie. Sie gelangen als Sporozoiten in den Organismus des Menschen und erreichen das Gewebe der Leber. Dort besiedeln sie die Hepatozyten, wo sie zu Schizonten transformieren. Die Schizonten zerfallen in Merozoiten, die aus der Leber ins Blut vordringen. Ein Teil der Erreger verharrt als Hypnozoit ruhend in den Leberzellen; aus diesen Dauerformen können noch Monate bis Jahre später erneute Krankheitsschübe hervorgehen.
In den Blutbahnen angekommen, befällt Plasmodium ovale in Form der Merozoiten die roten Blutkörperchen. Innerhalb der Zellen entwickeln sich die Erreger zu sogenannten Blutschizonten, aus denen wieder Merozoiten entstehen. Ein gewisser Anteil von ihnen verwandelt sich nicht in Schizonten, sondern macht eine Differenzierung zu Mikrogametozyten oder Makrogametozyten durch. Gamonten werden zurück auf die nächste Mücke übertragen, die den befallenen Wirt beißt.
Im Darmtrakt der Mücken reifen die Gamonten aus. In einem Akt geschlechtlicher Vermehrung kommt es zur Verschmelzung. So entsteht eine Zygote, die die Darmwand der befallenen Mücke infiltriert. In einer Folge bildet sich eine Oozyste. Ab diesem Zeitpunkt findet ungeschlechtliche Teilung statt. Bis zu 10.000 Sporozoiten werden auf diese Weise gebildet. Die einzelnen Sporozoiten werden freigesetzt, sobald die Oozysten platzen. Sie erreichen die Speicheldrüsen der befallenen Mücke und werden so auf den nächsten Menschen übertragen. Der Kreislauf setzt sich fort.
Wie für Plasmodien üblich, macht das Plasmodium ovale unterschiedliche Entwicklungsstadien durch. Leberschizonten sind von rundlicher oder ovaler Form und erreichen etwa 50 Mikrometer. Die einzelnen Merozoiten der Schizonten sind über einen Mikrometer groß. Einzelne Zellen werden vom Plasmodium ovale teils mehrfach infiziert. Sobald sich Trophozoiten bilden, schwellen die roten Blutkörperchen der Wirte an. Neben der Größenzunahme kommt es zur typischen Färbung, der Schüffnerschen Tüpfelung.
Krankheiten & Beschwerden
Nach der Inkubationszeit entwickeln die Betroffenen ein zyklisches Fieber. Die Fieberschübe sind durch jeweils einen fieberfreien Tag unterbrochen. Am Anfang jeder Fieberattacke steht die sogenannte Frostphase, die kaum eine Stunde anhält. In der Frostphase beginnt die Körpertemperatur rasant anzusteigen. Die darauffolgende Hitzephase dauert etwa vier Stunden und ist durch quälendes Hautbrennen, starke Übelkeit, Erbrechen und Abgeschlagenheit charakterisiert. Die Körpertemperatur der Betroffenen erreicht oft Höhen von 40 Grad Celsius.
Schweißausbrüche treten in der dritten Phase ein, die sich über drei Stunden erstreckt und von einer schrittweisen Normalisierung der Temperatur begleitet wird. Die Patienten erholen sich in dieser dritten Phase Schritt für Schritt, bis ein weiterer Fieberschub einsetzt.
Die Malaria tertiana des Plasmodium ovale führt nur in den seltensten Fällen zu akut lebensgefährlichen Zuständen. Vorbeugende Impfungen standen für Formen der Malaria lange nicht zur Verfügung. Seit 2021 empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation Impfstoffe gegen Plasmodium falciparum für Kinder in Endemiegebieten; gegen Plasmodium ovale schützen sie nicht. Vorbeugend stehen die Chemoprophylaxe und der Schutz vor Mückenstichen im Vordergrund.
In Gebieten ohne erreichbare medizinische Versorgung wird Reisenden mitunter ein Arzneimittel zur Notfallselbstbehandlung mitgegeben. Chinin ist als Arznei gegen Malaria bekannt und trägt zur Abtötung der Schizonten im Blut von infizierten Personen bei. Durch Chinin kann sich der Allgemeinzustand eines Malaria-Patienten entsprechend verbessern.
Gegen Malaria stehen außerdem synthetische Medikamente zur Verfügung. Malaria-Erreger wie Plasmodium ovale sind mittlerweile allerdings gegen viele synthetische Malaria-Arzneimittel resistent. Aus diesem Grund wurde lange Zeit umso häufiger auf Chinin zurückgegriffen. Heute gelten Artemisinin-basierte Kombinationstherapien als Mittel der Wahl, während Chinin nur noch in Ausnahmefällen eingesetzt wird.
Systematik und die beiden Formen des Erregers
Plasmodium ovale gehört wie Plasmodium vivax und Plasmodium malariae zur Untergattung Plasmodium im engeren Sinne; mit dem Erreger der Malaria tropica, Plasmodium falciparum, ist es nur entfernt verwandt. Seinen Artnamen verdankt es dem Erscheinungsbild im gefärbten Präparat: Die befallenen roten Blutkörperchen nehmen häufig eine ovale Gestalt an, deren Rand ausgefranst oder eingekerbt wirkt. Beschrieben und benannt wurde die Art 1922 von dem britischen Tropenmediziner John William Watson Stephens.
Molekularbiologische Untersuchungen haben gezeigt, dass sich hinter dem, was unter dem Mikroskop als Plasmodium ovale erscheint, zwei genetisch klar voneinander getrennte Formen verbergen. Sie werden als Plasmodium ovale curtisi und Plasmodium ovale wallikeri geführt und von vielen Fachleuten als eigenständige Arten angesehen. Beide kommen in denselben Gebieten nebeneinander vor, ohne sich untereinander zu vermischen — ein Befund, der für die Trennung in zwei Arten spricht. Unter dem Mikroskop sind sie nicht auseinanderzuhalten; die Unterscheidung gelingt nur über die Erbsubstanz. Im Krankheitsbild ähneln sich beide Formen weitgehend.
Verbreitung und das Duffy-Merkmal
Dass Plasmodium ovale gerade in Westafrika verbreitet ist, hängt mit einer Eigenschaft der dortigen Bevölkerung zusammen. In weiten Teilen West- und Zentralafrikas fehlt den roten Blutkörperchen ein Oberflächenmerkmal, das sogenannte Duffy-Merkmal, auf das Plasmodium vivax für das Eindringen in die Zelle angewiesen ist. Plasmodium vivax kann sich dort deshalb kaum halten. Plasmodium ovale, das dieselbe Krankheitsform hervorruft, benutzt für den Eintritt andere Wege und ist auf das Duffy-Merkmal nicht angewiesen. Es besetzt in diesen Gebieten gewissermaßen die Stelle, die anderswo Plasmodium vivax einnimmt.
Außerhalb Afrikas kommt Plasmodium ovale vereinzelt in Südostasien und im westlichen Pazifikraum vor. Insgesamt bleibt sein Anteil an den Malariafällen überall gering, auch an den nach Europa eingeschleppten Erkrankungen. Ein Teil dieses geringen Anteils dürfte allerdings darauf beruhen, dass der Erreger übersehen wird: Er tritt in geringer Zahl im Blut auf und wird unter dem Mikroskop leicht mit anderen Arten verwechselt.
Ruhende Leberformen und späte Erkrankungen
Von den menschlichen Malariaerregern bilden allein Plasmodium ovale und Plasmodium vivax ruhende Formen in den Leberzellen aus, die Hypnozoiten. Ein Teil der eingedrungenen Sporozoiten entwickelt sich nach der Infektion nicht weiter, sondern verharrt in den Leberzellen, ohne Beschwerden zu verursachen. Erst nach Wochen, Monaten oder Jahren setzt die Entwicklung ein, und es kommt zu einem erneuten Krankheitsschub. Solche Rückfälle aus der Leber werden fachlich von der Rekrudeszenz unterschieden, dem Wiederaufflammen einer nie vollständig beseitigten Infektion aus den roten Blutkörperchen heraus.
Die üblichen Malariamittel erreichen nur die Erreger im Blut; die ruhenden Leberformen bleiben von ihnen unbehelligt. Um sie zu beseitigen, wird im Anschluss ein Wirkstoff aus der Gruppe der 8-Aminochinoline eingesetzt, etwa Primaquin. Bei Menschen mit einem Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel können solche Wirkstoffe einen Zerfall roter Blutkörperchen auslösen, weshalb der Enzymmangel zuvor ausgeschlossen wird.
Dieselbe Eigenschaft erklärt auch, warum Erkrankungen durch Plasmodium ovale oft erst lange nach der Rückkehr aus einem Reisegebiet auftreten. Eine Chemoprophylaxe unterdrückt die Erreger im Blut, lässt die Leberformen aber unangetastet; nach dem Absetzen der Mittel können diese sich entwickeln und die Erkrankung auslösen. Bei einer fieberhaften Erkrankung nach einem Aufenthalt in einem Malariagebiet wird ein solcher Zusammenhang deshalb auch dann bedacht, wenn der Aufenthalt weit zurückliegt.
Nachweis und Verwechslungsgefahr
Der Nachweis erfolgt wie bei den anderen Malariaerregern im gefärbten Blutpräparat, im Dicken Tropfen und im dünnen Ausstrich. Plasmodium ovale bereitet dabei besondere Schwierigkeiten. Weil es wie Plasmodium vivax nur junge rote Blutkörperchen befällt und diese nur einen kleinen Teil aller Blutkörperchen ausmachen, bleibt die Zahl der Erreger im Blut gering; bei geringem Befall kann ein einzelnes Präparat unauffällig ausfallen.
Am größten ist die Verwechslungsgefahr mit Plasmodium vivax, da beide Arten die befallenen Zellen anschwellen lassen und dieselbe feine Punktierung, die Schüffnersche Tüpfelung, erzeugen. Als Unterscheidungsmerkmale gelten die geringere Größenzunahme der befallenen Zellen, deren ovale Form mit ausgefranstem Rand und die gedrungene, unbewegliche Gestalt der Trophozoiten, während sie bei Plasmodium vivax ihre Form fortwährend ändern. Auch die Zahl der Teilungsprodukte in einem reifen Blutschizonten fällt bei Plasmodium ovale geringer aus. Sicher zu trennen sind die Arten mit der Vervielfältigung von Erbsubstanz (Polymerase-Kettenreaktion), die zugleich die einzige Möglichkeit ist, die beiden Formen des Erregers zu unterscheiden und Mischinfektionen mit mehreren Malariaerregern aufzudecken.
Die verbreiteten Schnelltests sind bei Plasmodium ovale nur eingeschränkt brauchbar. Ein Teil von ihnen weist ein Eiweiß nach, das ausschließlich Plasmodium falciparum bildet, und fällt bei Plasmodium ovale grundsätzlich negativ aus. Tests, die alle Arten erfassen sollen, sprechen bei den hier üblichen geringen Erregerzahlen oft nicht an. Ein negativer Schnelltest schließt eine Erkrankung durch Plasmodium ovale daher nicht aus.
Verlauf und Komplikationen
Plasmodium ovale befällt nur junge rote Blutkörperchen, und die befallenen Zellen haften nicht in nennenswertem Umfang an den Gefäßwänden, wie es für Plasmodium falciparum kennzeichnend ist. Beides zusammen begrenzt den Befall und erklärt, warum die durch diesen Erreger ausgelöste Malaria tertiana als der mildere Verlauf gilt.
Harmlos ist sie dennoch nicht. Beschrieben sind Blutarmutsformen, eine Vergrößerung der Milz und in seltenen Fällen ein Riss der vergrößerten Milz sowie einzelne schwere Verläufe mit Beteiligung der Lunge. Auch beim milden Verlauf fallen die wiederkehrenden Fieberanfälle ins Gewicht, zumal sie sich nach Rückfällen aus der Leber über Jahre hinziehen können. Fachlich gilt die frühere Einteilung in gutartige und bösartige Malariaformen deshalb als zu grob; entscheidend sind der Zustand des Erkrankten und der Zeitpunkt, zu dem die Erkrankung erkannt wird.
Der Name Malaria tertiana erklärt sich aus einer Zählweise, die den Tag des Fieberschubs mitzählt: Auf einen Fiebertag folgt ein fieberfreier Tag, der nächste Schub fällt damit auf den dritten Tag. Dieser Rhythmus entspricht dem Teilungszyklus des Erregers in den roten Blutkörperchen, der rund achtundvierzig Stunden dauert. Voraussetzung dafür ist, dass sich die Erreger im Gleichschritt entwickeln, denn der Fieberschub setzt jeweils dann ein, wenn eine ganze Erregergeneration gleichzeitig freigesetzt wird. In den ersten Tagen einer frischen Infektion fehlt dieser Gleichschritt häufig noch, sodass das Fieber zunächst unregelmäßig verläuft. Ein fehlender Rhythmus spricht daher nicht gegen eine Malaria.
Geschichte
Plasmodium ovale wurde erheblich später als die übrigen menschlichen Malariaerreger als eigene Art erkannt. Alphonse Laveran hatte den Malariaerreger bereits 1880 entdeckt, und die Erreger der Malaria tertiana und der Malaria quartana waren in den 1880er und 1890er Jahren voneinander getrennt worden. Dass sich unter den Erregern der Malaria tertiana eine zweite, eigenständige Art verbarg, beschrieb John William Watson Stephens erst 1922 anhand einer Blutprobe aus Ostafrika.
Lange galt Plasmodium ovale als Seltenheit, die vor allem in Lehrbüchern vorkam. Dass es sich um einen in Westafrika regelmäßig auftretenden Erreger handelt, wurde erst nach und nach deutlich, und die Aufteilung in zwei genetisch getrennte Formen ergab sich erst mit den molekularbiologischen Verfahren der jüngeren Zeit. Die Geschichte dieser Art ist damit ein Beispiel dafür, wie stark der Kenntnisstand über Krankheitserreger von den jeweils verfügbaren Nachweisverfahren abhängt. Wie verbreitet der Erreger tatsächlich ist, gilt bis heute nicht als abschließend geklärt.
Quellen
- Löscher, T. et al. (Hrsg.): Tropenmedizin.
ISBN: 9783437216428
- Mehlhorn, H.: Die Parasiten des Menschen.
ISBN: 9783662653142
- Lucius, R., Loos-Frank, B.: Biologie von Parasiten.
ISBN: 9783662548615
- Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
ISBN: 9783662613849
- Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen.
ISBN: 9783642171574

