Schambeinentzündung

In Fachkreisen wird die Schambeinentzündung auch als Osteitis pubis bezeichnet. Der Begriff „Entzündung“ ist insoweit irreführend, als dass die Beschwerden nicht durch Infektionen ausgelöst werden. Viel mehr rühren sie in aller Regel von wiederholten Traumata der betroffenen Stellen durch Fehl- oder Überbelastungen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Schambeinentzündung?

Auffällig sind die Schwellungen im Bereich der Symphyse. Oftmals ist sie empfindlich und reagiert auf Druck, der mit Schmerzen verbunden ist.
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Von einer Schambeinentzündung betroffen sind in erster Linie der Schambeinknochen, die Schambeinfuge (Symphyse) und die drum herum liegenden Strukturen. Die Schambeinentzündung wird auch als Symphysenosteitis oder Pubalgie bezeichnet. Das Schambein bildet einen Teil des Hüftbeins. Die anderen beiden Teile sind das Sitz- und Darmbein. Jeder Mensch besitzt zwei Hüftbeine und ein Kreuzbein, welche wiederum das Becken bilden.

Die sogenannte Schambeinfuge ist eine Verbindung aus Fasern und Knorpel, welche die beiden Schambeine miteinander verbindet. So sind sie zu einem gewissen Grad beweglich. Bei Schwangeren wird Relaxin ausgeschüttet. Dieses Hormon sorgt für zusätzliche Beweglichkeit der Schambeinfuge, um die Geburt zu erleichtern und Brüche möglichst zu verhindern.

Von Schambeinentzündungen sind besonders Sportler getroffen. Bis zu sieben Prozent der Sportler erkranken jährlich an der Entzündung. Dabei liegt die Quote bei Fußballern, Tennisspielern und Basketballern am höchsten. Bei Männern liegt das Durchschnittsalter bei 30 Jahren. Frauen sind im Schnitt erst mit 35 Jahren betroffen. Je nach Schwere der Erkrankung muss der Betroffene längerfristig auf Sport verzichten und kann nur langsam wieder ins Training einsteigen.

Ursachen

Die Hauptursache der Schambeinentzündung ist die Überbelastung und übermäßige Beanspruchung der Symphyse. Hierbei kann Narbengewebe gebildet werden, was zum Abbau von Knochen führen kann. Dieser Abbau löst in angrenzenden Bereichen Zysten aus. Außerdem kann es zu sogenannten Stressfrakturen kommen. Als solche werden stressbedingte Brüche bezeichnet.

Sportarten mit vielen Richtungswechseln, Sprints oder Schusselementen sind besonders häufig betroffen, da hierbei starke Zugkräfte auf die Schambeinfuge wirken. Neben den oben genannten Sportarten gehören auch Laufsportarten und American Football dazu. Sportler sind demnach eine besondere Risikogruppe.

Aber auch Schwangere sind betroffen. Schwangerschaft und Geburt können ebenso Ursache für eine Entzündung des Schambeins sein. Studien zufolge kann es nach der Geburt zu Einblutungen im Bereich der Symphyse kommen. In einigen Fällen ist auch der angrenzende Knochen betroffen. Risse im Knorpel sind dabei keine Seltenheit.

Ursächlich für eine Schambeinentzündung kann auch eine Operation im Beckenbereich sein. Hier tritt die Entzündung als Komplikation auf. Beispiele dafür sind Prostataoperationen oder das Legen eines Katheters für die Blase. Dieser Typ des Blasenkatheters verläuft am Schambein vorbei und kann so ebenfalls zu einer Osteitis pubis führen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Verschiedene Symptome können auf eine Schambeinentzündung hindeuten. Auffällig sind die Schwellungen im Bereich der Symphyse. Oftmals ist sie empfindlich und reagiert auf Druck, der mit Schmerzen verbunden ist. Schmerzen im Bereich der Schambeinäste und der Schambeinfuge sind das wichtigste Symptom der Erkrankung.

Manchmal sind diese Schmerzen stark belastend. Sportliche Aktivitäten können je nach Fall nicht mehr durchgeführt werden, da die Entzündung zu massiven Einschränkungen führt. Außerdem können sich Schmerzen in Hüfte oder Leiste ausstrahlen ausweiten. Nicht selten ist die Schambeinentzündung mit Schmerzen im Unterbauch oder dem Beckenboden verknüpft.

Zudem typisch sind Schmerzen beim Aufstehen nach längerem Sitzen. Dieser „Anlaufschmerz“ lässt zumeist bei gleichförmigen Bewegungen wieder nach. Dem hingegen bereitet Treppensteigen oder das ruckartige Bewegen den Betroffenen oftmals Schmerzen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnosestellung ist nicht leicht. Viele Sportverletzungen gehen mit ähnlichen Symptomen einher. Häufig wird die Erkrankung mit Leistenbeschwerden wie Zerrungen verwechselt. Auch eine Überlastung mancher Sehnen kann ähnliche Schmerzen verursachen.

Eine Schambeinentzündung muss gegen Abrissfrakturen, Knochenmarkentzündungen, rheumatische Erkrankungen und Leistenbrüche abgegrenzt werden. Auch Adduktorenzerrungen oder Erkrankungen im Harn- und Geschlechtstrakt können zu ähnlichen Beschwerden führen.

Zur Diagnosestellung wird der Arzt zunächst die Symptomatik und Krankengeschichte erfragen. Erst dann wird er verschiedene körperliche Untersuchungen anleiten. Um eine Schambeinentzündung zu diagnostizieren, können bildgebende Verfahren dienen. Ähnlich wie bei einer Blutuntersuchung muss hier von entzündlichen Erkrankungen unterschieden werden.

Je nach Infektion sind die Krankheiten nicht immer leicht zu unterscheiden. Bei einer Schambeinentzündung sind die Entzündungsparameter im Blut allerdings nicht erhöht. Zur Abgrenzung können auch Röntgen und MRT zum Einsatz kommen.

Komplikationen

Eine Schambeinentzündung heilt im Normalfall ohne Komplikationen aus. Allerdings können sich die Schmerzen im Verlauf der Erkrankung ausweiten und auf Hüfte, Leiste, Unterbauch und Beckenboden ausstrahlen. Die Schmerzen können gerade bei langwierigen Erkrankungen zu Fehlstellungen und gelegentlich auch zu psychischen Folgebeschwerden führen. Typisch für chronische Erkrankungen sind beispielsweise depressive Verstimmungen, die sich bei einem schweren Verlauf zu einer schweren Depression entwickeln können.

Eine operative Behandlung kann mit Blutungen und Wundheilungsstörungen verbunden sein. Sehr selten treten Nervenverletzungen auf, die einen weiteren Eingriff erforderlich machen. Verordnete Arzneimittel können Neben- und Wechselwirkungen wie Kopfschmerzen, Beschwerden des Magen-Darm-Traktes, Ödeme, Hautrötungen und vorübergehende Seh- und Hörstörungen zur Folge haben. Auch allergische Reaktionen und Unverträglichkeiten sind nicht auszuschließen.

Bei der Kortison-Behandlung sind Komplikationen wie Herz-Kreislauf-Beschwerden, eine gesteigerte Infektanfälligkeit und Gewichtszunahme möglich. Außerdem kann es zu Wassereinlagerungen im Gewebe kommen. Kortison begünstigt außerdem die Entstehung von Osteoporose. Im Rahmen der Elektrotherapie können Hautschäden, Durchblutungsstörungen, Herzrhythmusstörungen, Sensibilitätsstörungen und andere Komplikationen auftreten. Wird nach der Behandlung zu früh wieder mit dem Training begonnen, ist ein erneutes Auftreten der Schambeinentzündung wahrscheinlich.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn beim Joggen oder bei Sit-up-Übungen immer wieder akute Schmerzen auftreten, liegt womöglich eine Schambeinentzündung zugrunde. Ein Arztbesuch ist angezeigt, wenn die Symptome wiederholt auftreten und die sportliche Betätigung erschweren. Die Beschwerden entwickeln sich meist schleichend und sollten frühzeitig abgeklärt werden. Betroffen sind meist sportlich aktive Menschen, die häufig Radfahren, Joggen oder Reiten. Wer beruflich bedingt schwer hebt ist ebenso gefährdet wie schwangere Frauen, Rheumapatienten und Menschen mit einem Beckenschiefstand. Bei Zugehörigkeit zu diesen Risikogruppen wird am besten der Arzt aufgesucht, wenn die genannten Krankheitszeichen auftreten.

Betroffene Personen konsultieren den Hausarzt oder einen Orthopäden. Weitere Anlaufstellen sind Sportmediziner und Schmerztherapeuten. Die Schambeinentzündung kann grundsätzlich gut behandelt werden, insofern sie in einem Frühstadium erkannt wird. Oft liegt der Ostitis pubis jedoch ein anderes Leiden zugrunde, dass ihm Rahmen intensiver Untersuchungen ermittelt werden muss. Begleitend zur symptomatischen Behandlung sollten deshalb weitere Arztbesuche bei Fachärzten stattfinden. Der Arzt muss über eine Zunahme der Beschwerden sowie etwaige Nebenwirkungen der verordneten Schmerzmittel informiert werden.

Behandlung & Therapie

In aller Regel heilt eine Schambeinentzündung von alleine. Ist dies nicht der Fall, kann über eine Injektionstherapie oder Operation nachgedacht werden. In Grundsätzen wird die Entzündung jedoch vor allem konservativ behandelt. Mitunter kann es mehrere Monate dauern, bis die Erkrankung endgültig abgeheilt ist. Schmerzauslösende Bewegungen und Sportarten sollten in der Heilungsphase bestenfalls nicht durchgeführt werden.

Geduld ist während der Therapie unbedingt erforderlich, da es andernfalls zu Rückfällen kommen kann. Eine Möglichkeit der Behandlung bildet die Physiotherapie. Entzündungshemmer wie Ibuprofen können zudem gegen die Schmerzen helfen und kurzfristig Linderung verschaffen. Auch eine Behandlung mit Kortison ist möglich. Andere Optionen sind Elektrotherapien und Ultraschallbehandlungen. Nach ausgeheilter Entzündung ist es wichtig, langsam wieder ins Training einzusteigen. Starke Belastungen des Beckengürtels sind zu vermeiden.

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Vorbeugung

Vorbeugend ist es wichtig, sich vor dem Training aufzuwärmen, um Überlastungen bestmöglich zu verhindern. Das Dehnen der Adduktoren und gezieltes Training der Rumpf- und Bauchmuskulatur senkt das Risiko. Eventuelle Fehlbildungen im Fußgewölbe können mit Einlagen angepasst werden. So wird falschem Auftreten vorgebeugt und die Gefahr einer Schambeinentzündung durch Fehlbelastung minimiert.

Nachsorge

Insofern die Schambeinentzündung gut auskuriert wurde, genügt eine einmalige Nachsorgeuntersuchung. Der Arzt muss abklären, ob der Patient noch Beschwerden hat. Verordnete Medikamente müssen nach der Genesung allmählich abgesetzt werden. Je nachdem, ob Entzündungshemmer oder stärkere Medikamente verordnet wurden, muss das Ausschleichen ärztlich überwacht werden. Nach einer Kryo- oder Elektrotherapie kann unter Umständen eine psychologische Betreuung für den Patienten sinnvoll sein.

Der Arzt wird zumeist eine Pause vom Sport empfehlen. Nach einer Schambeinentzündung sollte noch mindestens ein bis zwei Wochen auf intensive körperliche Bewegung verzichtet werden. Nach einem operativen Eingriff erfolgt die Nachsorge im Krankenhaus. Wurde eine Kürettage angewendet, muss die Operationswunde sorgfältig beobachtet werden.

Leistungssportler benötigen nach einer Schambeinentzündung eine intensive Nachsorge. Andernfalls können die Beschwerden erneut auftreten und die Leistungsfähigkeit erheblich einschränken. Wiederholte Erkrankungen lassen sich zum einen durch eine frühzeitige Therapie vermeiden. Andererseits ist eine umfassende Nachsorge notwendig.

Die Nachsorge bei einer Schambeinentzündung übernimmt der Orthopäde oder der Allgemeinarzt. Bei intensiven Schmerzen, die in den Unterbauch und in den Beckenboden ausstrahlen, ist in der Regel eine weitergehende Behandlung durch einen Schmerztherapeuten notwendig. Gegebenenfalls ist auch der Physiotherapeut in die Nachsorge involviert.

Das können Sie selbst tun

Die Schambeinfuge ist ein neuralgischer Punkt des menschlichen Körpers, was besonders Leistungssportlern regelmäßig feststellen müssen. Entzündungen des Schambeins oder der Schambeinfuge resultieren nahezu ausschließlich aus fortgesetzter Überlastung. Die beste Selbsthilfemaßnahme besteht deshalb darin, den Körper nicht ständig zu überfordern, sondern das Training der eigenen Kondition und dem eigenen körperlichen Leistungsvermögen anzupassen. Insbesondere kurze, schnelle Bewegungen, das Schlagen von Haken oder Sprints mit abrupten Stopps belasten das Schambein über Gebühr. Sofern sich solche Verhaltensweisen nicht vermeiden lassen, was aber nur bei Berufssportlern der Fall sein dürfte, muss regelmäßig gegengesteuert werden.

Physiotherapeutische Maßnahmen können dazu beitragen, die gestresste Körperregion zu stärken und zu entlasten. Sehr häufig ist es aber erforderlich, dass die Betroffenen eine längere Ruhephase einhalten, in der sie keinen oder nur leichten Ausdauersport betreiben. Wer beruflich schwer hebt, muss gegebenenfalls längere Zeit pausieren oder einer anderen Tätigkeit nachgehen. Betroffene sollten hier den Anweisungen ihres behandelnden Arztes unbedingt Folge leisten, da Schambeinentzündungen andernfalls sehr hartnäckig sein oder gar chronisch werden können. Die mit der Entzündung verbundenen Schmerzen können meist mit frei verkäuflichen Entzündungshemmern wie Ibuprofen gut behandelt werden.

Quellen

  • Krämer, J., Grifka, J.: Orthopädie, Unfallchirurgie. Springer, Berlin 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

Dieser Artikel wurde unter Maßgabe der aktuellen medizinischen Fachliteratur und fundierter wissenschaftlicher Quellen verfasst.
Qualitätssicherung durch: Dr. med. Nonnenmacher
Letzte Aktualisierung am: 11. November 2020

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