Schizotypische Persönlichkeitsstörung

Bei der schizotypischen Persönlichkeitsstörung handelt es sich um eine schwere psychische Störung. Dabei leiden die Betroffenen unter erheblichen Veränderungen im Gefühls- und Beziehungsbereich.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine schizotypische Persönlichkeitsstörung?

Als denkbare Auslöser kommen unter anderem genetisch bedingte Faktoren in Betracht. So zeigt sich die schizoztypische Störung oftmals innerhalb von Familien, in denen bereits Schizophrenie auftrat.
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Die schizotypische Persönlichkeitsstörung ist auch als schizotype Störung bekannt. Sie darf nicht mit der schizoiden Persönlichkeitsstörung verwechselt werden. Bei dieser psychischen Erkrankung kommt es zu starken Verhaltensdefiziten, die den psychosozialen und zwischenmenschlichen Bereich betreffen.

Die medizinische Einordnung der schizotypischen Persönlichkeitsstörung fällt nicht eindeutig aus. So rechnet der ICD-10-Schlüssel die Krankheit nicht den Persönlichkeitsstörungen, sondern den wahnhaften und schizophrenen Störungen zu. Dagegen wertet die US-amerikanische DSM-IV-Klassifikation die psychische Störung durchaus als Persönlichkeitsstörung. Dadurch wird eine exakte Klassifikation der schizotypischen Persönlichkeitsstörung erschwert. Eine Abgrenzung zur schizoiden Persönlichkeitsstörung fand erst in jüngerer Zeit statt.

Ursachen

Die genauen Ursachen der schizotypischen Persönlichkeitsstörung konnten bislang noch nicht eindeutig ergründet werden. Fachleute vermuten eine multikausale Entstehung der psychischen Störung. Als denkbare Auslöser kommen unter anderem genetisch bedingte Faktoren in Betracht. So zeigt sich die schizoztypische Störung oftmals innerhalb von Familien, in denen bereits Schizophrenie auftrat. Daher nehmen Mediziner an, dass eine gemeinsame genetische Disposition für beide psychische Erkrankungen besteht.

Ebenfalls eine Rolle können traumatische Erlebnisse in der frühen Kindheit spielen. Zum Beispiel wurden Menschen mit einer schizotypischen Störung in ihrer Kindheit oftmals körperlich misshandelt oder sexuell missbraucht. Als traumatische Erfahrung gilt außerdem eine schwere Geburt. Eine andere mögliche Ursache ist die Vernachlässigung der betroffenen Person in der frühen Kindheit. Dabei verfügten die Patienten in diesem Zeitraum nicht über eine enge Beziehung zu ihren Eltern. Ein denkbarer Grund dafür kann eine psychische Erkrankung der Mutter sein, wodurch diese ihre Rolle nicht in genügendem Maße ausfüllt. Als weitere Ursache wird eine Hospitalismus angenommen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Im Rahmen der schizotypischen Persönlichkeitsstörung kommt es bei den betroffenen Personen zu tiefgreifenden zwischenmenschlichen und sozialen Defiziten. So vermögen die Patienten nicht, enge Beziehungen einzugehen, weil diese ihnen Unbehagen bereiten. Darüber hinaus leiden sie unter Verzerrungen beim Denken und Wahrnehmen. Soziale Kontakte werden von den Betroffenen nur sehr selten geknüpft. Aufgrund ihres tiefen Misstrauens gegenüber anderen Personen sind ihre Beziehungen nicht von langer Dauer.

Selbst, wenn sie längere Zeit mit einem Menschen zusammen sind, können sie ihr Misstrauen nicht abbauen. Meist ist sogar das Gegenteil der Fall und die Gefühle des Argwohns verstärken sich noch. Nicht selten zeigen sich die Betroffenen reizbar und aggressiv. Des Weiteren wirken sie gefühlsarm, gleichgültig und unzugänglich.

Darüber hinaus entwickeln Menschen, die an der schizotypischen Persönlichkeitsstörung leiden, ein Verhalten, das als unkonventionell eingestuft wird. Dazu gehört unter anderem ein ungepflegtes oder skurriles Äußeres. Außerdem bedienen sich die Patienten einer eigentümlichen Sprache. Diese kann zerfahren, gekünstelt und umständlich sein. Einigen Betroffenen gelingt es, außergewöhnliche Kunstwerke zu erschaffen, was auf ihre ausgeprägte Sensibilität zurückzuführen ist.

Bei Menschen mit einer hochgradigen Schizophrenie ist allerdings nur sehr selten eine künstlerische Begabung vorhanden. Stattdessen fällt ihr Denken eher abstrakt oder technisch-funktionell aus. Weitere mögliche Symptome der schizotypischen Persönlichkeitsstörung sind das Entwickeln von paranoiden Ideen, Beziehungsideen oder autistisches Versinken. Außerdem grübeln die Betroffenen oft zwanghaft, wobei ihr Denken nicht selten aggressiv oder sexuell motiviert ist. In schweren Fällen sind auch Halluzinationen möglich. Bei rund zwei Dritteln aller Patienten bestehen weitere psychische Störungen. Dabei kann es sich um Depressionen, Angststörungen, Suchterkrankungen oder Essstörungen handeln.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Eine schizotypische Persönlichkeitsstörung festzustellen, ist nicht immer leicht. So wird von den Patienten kaum ein Arzt aus eigenem Antrieb aufgesucht. Der Therapeut orientiert sich bei seiner Diagnostik an der Krankengeschichte des Patienten sowie an den typischen Symptomen der Störung wie zwanghaftem Grübeln, paranoiden Ideen, exzentrischen Verhaltensmustern, eigenwilligem Äußeren, sozialem Rückzug oder Halluzinationen.

In der Regel nimmt die schizotypische Persönlichkeitsstörung einen chronischen Verlauf. Die Intensität fällt dabei individuell unterschiedlich aus. In manchen Fällen kann es zu einer klaren Schizophrenie kommen. Der Verlauf der psychischen Krankheit entspricht zumeist einer herkömmlichen Störung der Persönlichkeit.

Komplikationen

Schizotypische Persönlichkeiten leben oft zurückgezogen und haben nur wenig Kontakt zu anderen Personen. Viele von ihnen verfügen über mangelhafte soziale Kompetenzen. Daraus ergeben sich zum Teil Komplikationen für Freundschaften, Bekanntschaften und das Familienleben. Auch die berufliche Karriere kann unter den sozialen Defiziten leiden – sowohl im Umgang mit Kunden als auch mit Kollegen und Vorgesetzten.

Aggressives Verhalten ist möglich, betrifft jedoch nicht alle Menschen mit schizotypischer Persönlichkeitsstörung. Wenn der Betroffene unter paranoiden Gedanken leidet, können diese ebenfalls zu Komplikationen führen. Das starke Misstrauen stellt in einigen Fällen ein Hindernis für die Behandlung dar, da die schizotypische Persönlichkeit möglicherweise keine Hilfe sucht.

Manchmal wird nicht nur psychologische Hilfe abgelehnt, sondern auch medizinische, zum Beispiel bei einer Verletzung oder einer Krankheit. Dadurch ist es möglich, dass sich eine solche körperliche Erkrankung unnötig verschlechtert. Die schizotypische Persönlichkeitsstörung kann mit einer anderen Persönlichkeitsstörung einhergehen oder von einer weiteren psychischen Krankheit begleitet sein. Häufige Komorbiditäten von Persönlichkeitsstörungen umfassen Angststörungen und Depressionen.

Einige Betroffene entwickeln eine Essstörung oder eine Substanzabhängigkeit. Diese entsteht teilweise in dem Versuch, ein „Medikament“ gegen die schizotypischen Beschwerden zu finden. So trinken einige Betroffene beispielsweise Alkohol, um in sozialen Situationen lockerer und weniger gehemmt zu sein. Solche Versuche können leicht in den Teufelskreis der Sucht führen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Verhaltensauffälligkeiten oder Besonderheiten der sozialen Interaktion sollten grundsätzlich von einem Arzt begutachtet werden. Bei einer emotionalen Distanziertheit, der Unfähigkeit soziale Bindungen aufzubauen oder einem starken Misstrauen anderen Menschen gegenüber, empfiehlt sich eine Abklärung der Symptome. Charakteristisch für eine schizotypische Persönlichkeitsstörung ist ein fehlendes Krankheitsbewusstsein. Die Betroffenen erleben sich selbst als normal und sehen die Probleme bei den Menschen in ihrem Umfeld. Daher ist es eine Herausforderung, den Betroffenen zu einem Arztbesuch zu bewegen. Eine enge und stabile Bindung ist notwendig, die jedoch krankheitstypisch abgelehnt wird.

Bei einem emotionalen Leidensdruck oder einem Unwohlsein im Kontakt mit anderen Menschen, sollte die Rücksprache mit einem Arzt gesucht werden. Kommt es zu einem aggressiven Auftreten, emotionalen Verletzungen oder der wiederholten Missachtung von sozialen Regeln, ist ein Arztbesuch anzuraten. In besonders schweren Fällen sollte ein Amtsarzt gerufen werden.

Selbstgefährdende oder verletzende Handlungen sind besorgniserregend. Sie sollten einem Arzt vorgestellt werden. Bei Halluzinationen, Wahnvorstellungen, starken Ängsten oder einem depressiven Auftreten benötigt der Betroffene Hilfe. Ein Arzt wird benötigt sobald die Beschwerden im Alltag zu einer Belastung werden oder neue Symptome hinzu kommen. Störungen des Essverhaltens oder Tendenzen einer Sucht sind ebenfalls charakteristisch für die Persönlichkeitsstörung und untersuchen zu lassen.

Therapie & Behandlung

Ähnlich schwierig wie die Diagnostik gestaltet sich die Behandlung der schizotypischen Persönlichkeitsstörung. So wehren sich nicht wenige Patienten in der Anfangsphase gegen eine Therapie. Erst durch Überredungskunst oder Zwang durch Partner oder Angehörige lässt sich eine Zusammenarbeit mit ihnen erreichen. Dabei spielen auch weitere Gesundheitsprobleme wie Suchterkrankungen oder Depressionen eine Rolle.

Genau wie bei allen anderen Persönlichkeitsstörungen steht auch bei der schizotypischen Persönlichkeitsstörung nicht die Heilung der Krankheit im Vordergrund. Vielmehr sollen die soziale Kompetenz sowie das soziale Umfeld des Patienten verbessert werden. Dabei kommen die Psychotherapie und die Soziotherapie zur Anwendung. Zu Beginn der Behandlung gilt es als wichtig, eine vertrauensbildende Beziehung zwischen Patienten und Therapeuten herzustellen. Dies ist jedoch zumeist eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Gelingt der Aufbau einer tragfähigen Beziehung nicht, endet dies mit dem Abbruch der Behandlung.

Leidet der Patient unter weiteren psychischen Störungen, erhält er entsprechende Medikamente wie zum Beispiel Antidepressiva im Falle einer Depression. Besteht dagegen eine begleitende Angststörung, werden ihm häufig Neuroleptika verabreicht. Als weitere Mittel kommen Lithium und Carbamazepin infrage, die Stabilität gewährleisten. Zur Behandlung von Panikattacken eignen sich Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine.

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Vorbeugung

Da die Ursachen der schizotypischen Persönlichkeitsstörung nicht genau bekannt sind, stehen keine geeigneten Vorbeugemaßnahmen zur Verfügung.

Nachsorge

Eine psychotherapeutische Nachsorge ist bei einer schizotypischen Persönlichkeitsstörung notwendig. Dauer und Intensität (also die Häufigkeit der Therapiestunden) hängen vom Schweregrad der Erkrankung ab. Schizotypische Persönlichkeitsstörungen gehen mit Verhaltensauffälligkeiten einher. Parallel zur Psychotherapie empfiehlt sich daher eine verhaltenstherapeutische Nachsorge.

Nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie wird der Betroffenen bei seiner Rückkehr ins alltägliche Geschehen nachsorgend begleitet. Das Ziel ist ein weitgehend beschwerdefreies Leben nach einer abgeschlossenen Behandlung. Das gegenseitige Vertrauen zwischen Arzt und Erkranktem ist Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Nachsorge. Der Patient erlernt bei der Nachsorgebehandlung einen bewussten Umgang mit seiner Krankheit.

Gleichzeitig soll sein Selbstwertgefühl gestärkt werden, da Betroffene häufig eine gesellschaftliche Stigmatisierung erleben. Dies kann am Arbeitsplatz, im Bekanntenkreis oder innerhalb der Familie passieren. Überforderte Angehörige haben ebenfalls die Möglichkeit, sich mit persönlichen Fragen an den Psychotherapeuten zu wenden. Bei einer medikamentösen Behandlung überwacht der Therapeut die langfristigen Heilungsfortschritte.

Eine daraus resultierende Medikamentenabhängigkeit soll verhindert werden. Bei ausbleibenden Fortschritten oder einer Verschlechterung wird die Dosis erhöht, adäquatere Medizin verabreicht oder der gesamte Therapieansatz abgeändert. Im Rahmen der Nachsorge veranlasst der Facharzt eine Klinikeinweisung, wenn sich der Zustand des Patienten deutlich verschlimmert und/oder er selbst danach verlangt.

Das können Sie selbst tun

Die schizotypische Persönlichkeitsstörung kann in eine Schizophrenie übergehen. Eine Schizophrenie zeichnet sich im Wesentlichen durch stärkere und eindeutigere Symptome als die schizotypische Persönlichkeitsstörung aus. Die Art der Symptome ist jedoch ähnlich. Deshalb ist es sinnvoll, wenn sich Betroffene gut beobachten und bei einer Verschlechterung der Symptome ihren behandelnden Arzt bzw. Therapeuten darüber informieren.

Auch die äußeren Lebensumstände verdienen Beachtung. Nicht alle Lebensbedingungen lassen sich steuern – ein Jobverlust oder eine Scheidung ist in der Regel nicht gewollt. Betroffene sollten sich jedoch vor Augen führen, dass in solchen Lebensphasen die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall oder eine Verschlechterung besonders hoch ist. Eine gute Selbstfürsorge ist in diesen Zeiten deshalb besonders wichtig.

Ein gefestigtes Umfeld trägt dazu bei, die Psyche zu stabilisieren. Menschen mit einer schizotypischen Persönlichkeitsstörung können im Alltag darauf achten, regelmäßige soziale Kontakte zu pflegen, die sie als angenehm empfinden. Allerdings gehört es zu den Charakteristiken der schizotypischen Persönlichkeitsstörung, dass Betroffene Schwierigkeiten dabei haben, tiefe Beziehungen aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Deshalb erachten Psychologen ein gezieltes Training von sozialen Fertigkeiten für sinnvoll. Wenn die Selbsthilfe dabei nicht ausreicht, kommt zum Beispiel ein behaviorales Sozialtraining infrage.

Quellen

  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015
  • Morschitzky, H.: Angststörungen – Diagnostik, Konzepte, Therapie, Selbsthilfe. Springer, Wien 2009
  • Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2015

Dieser Artikel wurde unter Maßgabe der aktuellen medizinischen Fachliteratur und fundierter wissenschaftlicher Quellen verfasst.
Qualitätssicherung durch: Dr. med. Nonnenmacher
Letzte Aktualisierung am: 18. Mai 2020

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