Essstörungen
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 18. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Essstörungen sind psychische Erkrankungen, bei denen das Essverhalten und die Beschäftigung mit Gewicht und Figur dauerhaft gestört sind und Körper wie Seele erheblichen Schaden nehmen können. Sie sind keine Frage von Eitelkeit, Willensschwäche oder Erziehungsfehlern, sondern ernste, behandlungsbedürftige Krankheiten.
Essen spielt im täglichen Leben eine lebenswichtige Rolle. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn in diesem Zusammenhang immer mehr Menschen an Essstörungen bzw. Ernährungsstörungen leiden. In der heutigen Zeit haben vor allem Medien und Wirtschaft ein Idealbild geschaffen, welchem viele Menschen nacheifern. So kommt es dann in der Folge dazu, dass es im Bereich der Ernährung immer wieder zu Verhaltensstörungen kommt.
Von den hier beschriebenen Essstörungen abzugrenzen sind die Fütterstörungen des Säuglings- und Kleinkindalters; sie sind unter Essstörungen und Appetitlosigkeit bei Babys und Kleinkindern beschrieben.
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Was sind Essstörungen?
Als Essstörung oder Ernährungsstörung wird jedes abnormale Essverhalten bezeichnet. Allerdings gibt es unterschiedliche Formen von Essstörungen.
Eine der häufigsten ist die Anorexia nervosa, auch Magersucht genannt. Die Betroffenen haben eine stark ausgeprägte Angst vor einer Gewichtszunahme und versuchen diese Angst durch Nahrungsverweigerung zu bewältigen. Patienten mit einer Magersucht sind entweder stark untergewichtig oder nehmen innerhalb kurzer Zeit drastisch ab.
Eine weitere Essstörung ist die Bulimia nervosa, auch Bulimie oder Ess-Brech-Sucht genannt. Dabei kommt es regelmäßig zu Heißhungerattacken, bei denen Betroffene Unmengen an Nahrungsmitteln in kurzer Zeit zu sich nehmen. Anschließend erbrechen sie sich, um eine Gewichtszunahme zu verhindern. Manche Betroffene erbrechen jedoch beinahe jede Mahlzeit, unabhängig von Essanfällen. Diese Form der Bulimie tritt oft gemeinsam mit einer Magersucht auf.
Die Binge-Eating-Störung nimmt einen weiteren Bereich der Essstörungen ein. Betroffene dieser Störung nehmen unverhältnismäßig viele Lebensmittel zu sich. Zudem leiden sie unter Essanfällen, während die Gegenmaßnahmen der Bulimie – Erbrechen, Abführmittel, exzessiver Sport – hier fehlen. Infolge der starken Gewichtszunahme können weitere Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck auftreten.
Seltener, aber vor allem bei Kindern und Jugendlichen bedeutsam ist die vermeidend-restriktive Essstörung, nach ihrer englischen Abkürzung meist ARFID genannt. Betroffene essen sehr einseitig oder viel zu wenig, weil ihnen Geruch, Geschmack oder Beschaffenheit der Speisen zuwider sind, weil sie sich vor dem Verschlucken fürchten oder weil sie schlicht kaum Hunger verspüren. Anders als bei Magersucht und Bulimie stehen dahinter weder die Angst vor einer Gewichtszunahme noch eine gestörte Wahrnehmung des eigenen Körpers.
Ein normales Körpergewicht schließt eine Essstörung nicht aus: Bei der Bulimie und bei der Binge-Eating-Störung ist Normalgewicht sogar die Regel. Man sieht einer Essstörung also in vielen Fällen nichts an. Ebenso wenig sind nur junge Frauen betroffen – bei Männern, älteren Menschen und Kindern werden Essstörungen häufig übersehen, weil dort niemand mit ihnen rechnet.
Ursachen
Die Ursachen für Essstörung sind sehr verschieden. Oberflächlich steht bei vielen Essstörungen eine Gewichtsreduktion im Vordergrund. Die Ursachen liegen jedoch tiefer.
In einem Teil der Fälle spielen Kindesmisshandlung und sexueller Missbrauch eine Rolle. Auch die eigene Persönlichkeitsstruktur spielt bei der Entstehung von Essstörungen eine wesentliche Rolle. Ein niedriges Selbstbewusstsein, Perfektionismus und ein zwanghaftes Kontrollverhalten begünstigen die Entwicklung eines gestörten Essverhaltens. Familiäre Schwierigkeiten, wie etwa gestörte Bindungen, Vernachlässigung oder Überversorgung begünstigen ebenfalls Essstörungen.
Daneben ist eine erbliche Veranlagung nachgewiesen: Essstörungen häufen sich in Familien, und gerade bei der Magersucht sind biologische Faktoren erheblich beteiligt. Eine Essstörung lässt sich deshalb nicht auf einen einzelnen Auslöser und schon gar nicht auf ein Versagen der Eltern zurückführen. Sie entsteht aus dem Zusammenspiel körperlicher, seelischer und gesellschaftlicher Einflüsse.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Ebenso vielfältig wie die Formen der Essstörungen sind auch die Symptome, an denen man sie erkennen kann. Wichtig ist es zu wissen, dass es sich bei der Definition "Essstörungen" um ein psychisch bedingtes Syndrom handelt. Krankheiten mit rein physischer Ursache, die eine erschwerte Nahrungsaufnahme oder -verarbeitung zur Folge haben, werden mit anderen Begriffen bezeichnet.
Typisches Symptom einer Essstörung ist eine starke mentale Beschäftigung mit dem Thema Nahrung und Nahrungsaufnahme. Frauen sind sehr viel häufiger von Essstörungen betroffen als Männer, jedoch kommt das Krankheitsbild auch bei Männern vor. Das Verhältnis zur normalen Nahrungsaufnahme wird zunehmend verkompliziert, die Gedanken der oder des Betroffenen kreisen ständig ums Essen. Sehr häufig geht es dabei auch darum, wie Essen möglichst zu vermeiden ist.
Das Umfeld der Betroffenen bemerkt meist lange Zeit nichts von der Essstörung, da Erkrankte ihr Verhalten sehr gut vertuschen und meist nicht darüber reden. In vielen Fällen ist die Essstörung irgendwann sichtbar, wenn sie mit einem dramatischen Gewichtsverlust einhergeht.
Viele Erkrankte möchten nicht nur schlank, sondern extrem dünn sein, was sie am Ende in die Magersucht treiben kann. Auffällig ist hier eine stark subjektive Betrachtung und Beurteilung des eigenen Körpers. Bereits auffallend schlanke Menschen sprechen gehäuft davon, unbedingt abnehmen zu müssen oder zu dick zu sein.
Diagnose & Verlauf
Die Diagnose von Essstörungen ist nicht immer einfach, zumal die Betroffenen nur selten eine Krankheitseinsicht haben. Betroffene fallen meist durch eine starke Gewichtsab- oder zunahme oder durch Untergewicht auf. Auch die ständige Beschäftigung rund um das Thema Essen kann auffällig sein und sollte aufmerksam machen.
Ein Facharzt kann den Verdacht bestätigen. Dies geschieht durch eine gründliche Untersuchung, die einen Bluttest einschließt. Je nach Typ der Essstörungen geben bestimmte Faktoren Aufschluss darüber, ob eine Essstörung vorliegt oder nicht, da nicht immer das Gewicht ausschlaggebend ist. Liegt jedoch deutliches Unter- oder Übergewicht vor und sind Stoffwechselerkrankungen als Ursache ausgeschlossen, liegt der Verdacht einer Essstörung nahe. Eine eingehende Diagnostik durch einen Psychologen kann den Verdacht bestätigen.
Der Verlauf dieser Erkrankung hängt stark von der Einsicht des Patienten ab sowie vom Schweregrad und den möglicherweise bereits vorhandenen Folgeerkrankungen. Gerade Magersucht nimmt nicht selten einen tödlichen Verlauf, da hier das Herz durch die Mangelernährung irreparabel geschädigt werden kann. Sie hat von allen psychischen Erkrankungen die höchste Sterblichkeit – teils durch die körperlichen Folgen der Unterernährung, teils durch Suizid.
Zeigt der Patient Einsicht und arbeitet mit, kann die Behandlung erfolgreich verlaufen. Es ist jedoch in vielen Fällen eine langwierige und multidisziplinäre Therapie nötig, um eine Essstörung zu heilen.
Komplikationen
Personen die unter Essstörungen leiden, haben natürlich auch mit unterschiedlichen Problemen und Komplikationen zu kämpfen. Bei den Formen mit stark eingeschränkter Nahrungsaufnahme steht der Gewichtsverlust im Vordergrund, der zu einem Nährstoffmangel führt. Der Körper wird nicht mit ausreichend Energie versorgt, sodass sämtliche Fettreserven aufgebraucht werden.
Bei dauerhaften Essstörungen verlieren betroffene Personen innerhalb kurzer Zeit sehr viel Gewicht. Im schlimmsten Fall kann diese Komplikation sogar bis zum Tod führen, falls der Körper mit zu wenig Nährstoffen versorgt wird. Bei manchen Formen sind Essstörungen mit wiederholtem Erbrechen verbunden. Dies geschieht in vielen Fällen unmittelbar nach der Nahrungsaufnahme.
Durch das häufige Erbrechen kann es zu einer starken Reizung der Schleimhäute und des Rachens kommen. In besonders schlimmen Fällen kann sogar die Lunge dauerhaft geschädigt werden, wenn Mageninhalt in die Atemwege gerät. Besonders gefährlich ist der Kaliumverlust durch häufiges Erbrechen und durch Abführmittel: Er kann Herzrhythmusstörungen auslösen und ist die häufigste Todesursache bei der Bulimie. Bei betroffenen Personen, die unter einer Essstörung leiden, ist natürlich das gesamte Immunsystem immens geschwächt. Dadurch ist der menschliche Körper anfälliger für eine Reihe von Krankheiten.
Da dem Körper wichtige Vitamine fehlen, entstehen Infekte häufiger und auch die Genesung gestaltet sich um ein Vielfaches komplizierter. Ein normaler Infekt kann bei einem Menschen mit Essstörungen gefährliche Komplikationen verursachen. Selbst mit entsprechenden Medikamenten wird sich eine Behandlung äußerst kompliziert und langwierig gestalten.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Besteht der Verdacht auf eine Essstörung, sollte immer ärztlicher Rat eingeholt werden, denn Essstörungen heilen nur selten von allein aus. Zusätzlich kann der Betroffene bei Erkennen einer Störung des Essverhaltens selbst etwas tun. Dabei sollte er nach Möglichkeit die Hilfe von Angehörigen mit in Anspruch nehmen. Handelt es sich um eine extreme Fettleibigkeit, also um die Adipositas, könnte auch eine noch nicht bemerkte Krankheit der Grund für das schnelle und übermäßige Zunehmen sein. Das sollte unbedingt von einem medizinischen Fachmann abgeklärt werden. Der Arzt kann ebenso über eine Diät aufklären und weitere Maßnahmen wie eine Magenverkleinerung vorstellen.
Bei der Essstörung, die mit einer radikalen Gewichtsabnahme im Zusammenhang steht, gestaltet es sich für einige Patienten sehr schwierig, von selbst wieder zuzunehmen. Zunächst muss die Einsicht darüber vorhanden sein, dass es sich um eine Krankheit handelt. Auch in diesem Fall ist am besten, den Arzt hinzuzuziehen. Drohen dem Kranken starke Mangelerscheinungen, was so weit führen kann, dass er verhungern könnte, ist die ärztliche Betreuung unbedingt erforderlich. Es liegt in der Regel eine psychische Störung vor, deren Ursache von einem Spezialisten geklärt werden sollte. Um wieder zunehmen zu können, ist viel Geduld notwendig, was ohne ärztliche Unterstützung kaum möglich ist.
Kommen Suizidgedanken hinzu, ist sofort Hilfe nötig: über den Notruf 112, die Notaufnahme einer Klinik oder die rund um die Uhr kostenlos erreichbare Telefonseelsorge unter 0800 1110111 und 0800 1110222.
Behandlung & Therapie
Die Behandlung einer Essstörung ist abhängig von Schweregrad und Folgeerkrankungen. Lange Zeit galt eine stationäre Therapie in entsprechenden Fachkliniken als Regelfall. Heute wird stattdessen zunächst eine ambulante Psychotherapie bevorzugt; eine stationäre Behandlung bleibt schweren Verläufen, ausgeprägtem Untergewicht und bedrohlichen Begleiterkrankungen vorbehalten. In schweren Fällen muss erst eine körperliche Stabilisation erfolgen, bevor die eigentliche Grunderkrankung behandelt werden kann.
Bei stark untergewichtigen Betroffenen darf die Ernährung dabei nicht zu schnell aufgebaut werden. Ein zu rascher Kostaufbau kann das lebensgefährliche Refeeding-Syndrom auslösen, bei dem Salz- und Flüssigkeitshaushalt entgleisen und es zu Herzversagen kommen kann. Der Gewichtsaufbau erfolgt deshalb langsam, mit anfangs kleinen Energiemengen und unter engmaschiger ärztlicher Kontrolle der Blutsalze.
Die Therapie einer Essstörung erfolgt in den meisten Fällen multidisziplinär und schließt in erster Linie eine psychologisch ausgerichtete Therapie ein. In jedem Falle erfolgt eine engmaschige medizinische Betreuung, die eventuelle Folgeschäden, wie Herzerkrankungen, Mangelerscheinungen oder Diabetes überwacht und behandelt.
Des Weiteren können, abhängig vom Patienten, weitere Therapiemöglichkeiten wie Ergotherapie, Esstraining, Körpertherapie, Kunsttherapie, Rehamaßnahmen, Physiotherapie, Sportangebote oder betreutes Wohnen unterstützend wirken.
Wichtig ist es, herauszufinden, wo die Ursache für die Essstörung liegt und diese zu beseitigen oder zu behandeln. Hier kann auch eine systemische Therapie oder eine Familientherapie helfen. Nur in seltenen Fällen, in denen das Kindeswohl ernsthaft gefährdet ist, kann ein erkranktes Kind oder ein Jugendlicher durch das Jugendamt vorübergehend außerhalb der Familie untergebracht werden.
Aussicht & Prognose
Die Prognose einer Essstörung richtet sich nach verschiedenen Einflussfaktoren. Zu ihnen gehören die Form der Essstörung, der Beginn der Erstmanifestation sowie die Ausprägung der Erkrankung. Bestehen weitere psychische Erkrankungen, verschlechtert sich die Prognose. Die ungünstigste Prognose besteht bei einer Magersucht. Ihre Behandlung zieht sich oft über Jahre hin. Nach der häufig zitierten Faustregel heilt etwa ein Drittel der Betroffenen vollständig aus, bei einem Drittel bessern sich die Beschwerden nur teilweise und bei einem Drittel nimmt die Erkrankung einen chronischen Verlauf.
Eine vollständige Genesung braucht dabei meist mehrere Jahre. Die Patienten nehmen an Gewicht zu, ein Teil von ihnen bleibt jedoch dauerhaft untergewichtig. Etwa fünf bis zehn Prozent der Magersüchtigen sterben an den Folgen der Unterernährung oder durch Suizid. Je jünger ein Patient bei Ausbruch der Erkrankung ist und je eher eine Therapie erfolgt, desto besser sind die Heilungschancen.
Ein niedriges Ausgangsgewicht bei Therapiebeginn schmälert die Aussichten auf eine Verbesserung. Bei einer Bulimie hat ungefähr die Hälfte der Patienten eine gute Prognose. 30% erleben einen chronischen Krankheitsverlauf und 20% der Bulimieerkrankten weisen im weiteren Verlauf nur eine geringe Verbesserung der Symptome auf. Die Patienten einer Essstörung erkranken oftmals an Angststörungen, Suchterkrankungen oder Störungen der Impulskontrolle. Je häufiger das Erbrechen selbst herbeigeführt wurde, desto stärker ist eine Bulimie verfestigt. Patienten einer Magersucht erkranken im weiteren Verlauf oftmals an einer Bulimie.
Vorbeugung
Einer Essstörung kann im herkömmlichen Sinne nicht vorgebeugt werden. Jedoch kann die Gefahr reduziert werden, dass ein Kind oder Jugendlicher daran erkrankt, indem wesentliche Faktoren zur Begünstigung entsprechend reduziert werden.
Dazu gehört ein stabiler und fürsorglicher Familienverband, in dem gesunde und stärkende Beziehungen vorhanden sind. Kinder, welche selbstbewusst und selbstsicher sind und genügend tragfähige Bindungen haben, können mit Rückschlägen und eigenen Schwächen besser umgehen und sind so weniger anfällig für Verhaltensstörungen, insbesondere Essstörungen.
Nachsorge
Nach einer abgeschlossenen Therapie ist es sinnvoll, weiterhin die persönlichen Ressourcen zu stärken. Das Selbstwertgefühl nimmt dabei oft eine Schlüsselrolle ein. Essstörungen führen häufig zu sozialer Isolation. Spätestens in der Nachsorge ist es dann an der Zeit, alte Bekanntschaften neu zu entdecken und den Kontakt zu Freunden und Familienmitgliedern zu stärken.
In diesem Zusammenhang müssen sich Menschen, die bis vor Kurzem unter einer Essstörung litten, auch mit der Frage auseinandersetzen, wie offen sie mit ihrer Krankheitsgeschichte umgehen möchten. Da sich Essstörungen oft im Jugendalter entwickeln, müssen viele Betroffene in der Nachsorge erst wieder lernen, sich in der Schule oder im Berufsleben zurechtzufinden. Auch bei Erwachsenen können Bewerbungen oder die Rückkehr in den alten Beruf eine Herausforderung darstellen.
Die Nachsorge bezieht das Verhalten im Alltag ein. Dazu gehört auch das Einkaufen, Kochen und die alltägliche Hausarbeit. Feste Strukturen können dabei helfen, erarbeitete gesunde Verhaltensmuster beizubehalten. Die psychologische Nachsorge besteht zu einem großen Teil aus der Rückfallvorbeugung.
Möglicherweise bestehen neben der Essstörung weitere psychische Probleme, die ebenfalls behandelt werden müssen. Da Essstörungen medizinische Komplikationen nach sich ziehen können, ist unter Umständen auch eine medizinische Nachsorge erforderlich, beispielsweise bei Organversagen und -schwäche.
Die Nachsorge verteilt sich oft auf das Ende der Psychotherapie und ergänzende Maßnahmen wie Selbsthilfegruppen oder Gruppensitzungen in Beratungsstellen mit psychologischer Leitung.
Das können Sie selbst tun
Was Patientinnen und Patienten zur Behandlung ihrer Essstörung selbst beitragen können, hängt von der Art der Störung sowie von dem Ausmaß ab, das die Krankheit bereits erreicht hat.
Personen, die an einer Essstörung leiden, sollten aber stets einen Arzt konsultieren und gegebenenfalls eine Psychotherapie beginnen. Bei regelmäßigen, unkontrollierbaren Essattacken und anschließendem Erbrechen ist es wichtig, die Ursachen für die Anfälle ausfindig zu machen. Die Betroffenen können solche Situationen dann vermeiden oder lernen, mit diesen Herausforderungen besser umzugehen.
Wenn Stress der Auslöser für Essattacken ist, helfen häufig bereits Entspannungstechniken wie autogenes Training oder Yoga. Sofern die Essattacken vor allem nachts auftreten, kann das richtige Einkaufsverhalten dafür sorgen, dass die Anfälle nicht mehr ungehindert ausgelebt werden können. Wer an Bulimie leidet, sollte stets nur die Lebensmittel für den aktuellen Tag im Haus haben. Allenfalls gesunde, kalorienarme Lebensmittel dürfen auch in größeren Mengen eingekauft werden. Solche Regeln sollten allerdings mit dem behandelnden Therapeuten abgesprochen werden: Strenge Diätvorschriften und ständiges Kalorienzählen halten eine Essstörung eher aufrecht, als dass sie ihr entgegenwirken.
Personen, die an Magersucht leiden, hilft oft ein Ernährungsplan, der von einem ausgebildeten Ökotrophologen erstellt werden sollte. Sofern es bereits zu Mangelerscheinungen gekommen ist, kann der Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln sinnvoll sein. Oft fällt es Magersüchtigen leichter, Kalorien in flüssiger Form zu sich zu nehmen. Gemüseshakes und Milchmixgetränke können durch die Zugabe von gemahlenen Nüssen oder Samen in eine gesunde, energiereiche Mahlzeit umgewandelt werden. 100 Gramm Pinienkerne liefern zum Beispiel fast 700 Kalorien und tragen gleichzeitig zur Versorgung mit wichtigen Mikronährstoffen bei.
Quellen
- Herpertz, S., de Zwaan, M., Zipfel, S. (Hrsg.): Handbuch Essstörungen und Adipositas.
ISBN: 9783662635438
- Herpertz-Dahlmann, B., Hilbert, A. (Hrsg.): Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen.
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- Tebartz van Elst, L., Schramm, E., Berger, M. (Hrsg.): Psychische Erkrankungen.
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- Dilling, H., Mombour, W., Schmidt, M. H., Schulte-Markwort, E. (Hrsg.): Internationale Klassifikation psychischer Störungen.
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