Severe Combined Immunodeficiency

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 23. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Severe Combined Immunodeficiency (SCID) ist ein Sammelbegriff für schwere angeborene Immundefekte, bei welchen immer T-Lymphozyten fehlen. Einem SCID liegt stets eine Genmutation zugrunde. Unbehandelt führt dieser Immundefekt unweigerlich zum Tod.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Severe Combined Immunodeficiency?

Severe Combined Immunodeficiency
Meist macht sich der SCID bereits im Säuglings- oder Kleinkindalter bemerkbar. Nur in sehr seltenen Fällen treten die ersten Symptome später auf. So gibt es sogar Verlaufsformen, die erst im Erwachsenenalter beginnen.
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Die deutsche Übersetzung für den englischen Begriff Severe Combined Immunodeficiency lautet sinngemäß schwerer kombinierter Immundefekt. Dabei fasst die Severe Combined Immunodeficiency oder SCID mehrere unterschiedliche erblich bedingte Immunstörungen zusammen. Das gemeinsame Merkmal aller unter diesem Begriff bezeichneten Erkrankungen ist das Fehlen von T-Lymphozyten.

Je nach Immundefekt können teilweise auch B-Lymphozyten und natürliche Killerzellen (NK-Zellen) fehlen oder unzureichend vorhanden sein. Die T-Lymphozyten steuern die zelluläre Immunantwort. Beim SCID findet also die Abwehr von infizierten Zellen nicht mehr statt. Gleichzeitig kann aber auch die antikörperbedingte Abwehr von Antigenen durch die B-Lymphozyten oder die Funktion der natürlichen Killerzellen beeinträchtigt sein.

Der Immundefekt beginnt bereits kurz nach der Geburt und führt zu schweren und immer wiederkehrenden Infektionen mit ungewöhnlichen Krankheitserregern. Infektionen, die bei Personen mit gesundem Immunsystem normalerweise harmlos sind, verlaufen bei diesen Immundefekten sehr schwer und enden unbehandelt gewöhnlich tödlich.

Die Severe Combined Immunodeficiency muss differenzialdiagnostisch von den erworbenen Immundefekten aufgrund von schweren Erkrankungen oder schädigenden Umwelteinflüssen unterschieden werden, um die richtige Behandlungsstrategie festzulegen. Insgesamt kommen auf 100.000 Neugeborene ein bis zwei Kinder, die von SCID betroffen sind.

Ursachen

Ein SCID wird immer durch einen Gendefekt verursacht. Meist handelt es sich um autosomal-rezessive oder x-chromosomale Veränderungen. Aufgrund der Ursachen kann der SCID in drei Formen eingeteilt werden. Die Severe Combined Immunodeficiency wird unter anderem durch Defekte von Zytokinrezeptor-Genen, Antigen-Rezeptor-Genen oder Adenosin-Desaminase-Gene (ADA-Gene) ausgelöst.

Bei den entsprechenden Zytokinrezeptoren handelt es sich um Rezeptoren für die Bindung von Interleukinen. Interleukine sind bekannt für die Aktivierung der Immunreaktion. Wenn wiederum Antigen-Rezeptoren defekt sind, können die Antigene nicht an der Zelloberfläche gebunden werden, sodass eine zelluläre Immunantwort ausbleibt. Schließlich sorgen die ADA-Gene für den Abbau von Purinen.

Bei einem Gendefekt an einem der ADA-Gene sammeln sich die Purine im Körper an und werden größtenteils in dATP (Desoxyadenosintriphosphat) umgewandelt. Desoxyadenosintriphosphat hemmt wiederum ein Enzym, welches für die DNA-Synthese verantwortlich ist. Die verringerte DNA-Synthese verhindert eine schnelle Bildung von T-Lymphozyten und anderen Immunzellen. Beim SCID spielen Defekte der Zytokinrezeptor-Gene die größte Rolle.

Zu fast 50 Prozent ist eine Mutation auf einem x-chromosomalen Gen für die Severe Combined Immunodeficiency verantwortlich. Dieses Gen codiert für mehrere Interleukin-Rezeptoren wie unter anderem den Interleukin-2-Rezeptor. Aufgrund dieser Mutation können keine Vorläufer mehr von T-Lymphozyten und NK-Zellen gebildet werden. Bei den restlichen meist autosomal-rezessiv vererbbaren Gendefekten kommt es außerdem zu Veränderungen von Interleukin-Rezeptoren, Defekten von Antigen-Rezeptoren und Störungen der DNA-Synthese.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Meist macht sich der SCID bereits im Säuglings- oder Kleinkindalter bemerkbar. Nur in sehr seltenen Fällen treten die ersten Symptome später auf. So gibt es sogar Verlaufsformen, die erst im Erwachsenenalter beginnen. Für betroffene Säuglinge und Kinder sind besonders Gedeihstörungen typisch, die sich in Wachstums- und Entwicklungsverzögerungen äußern.

Charakteristisch sind außerdem ständig wiederkehrende und schwere Infektionen. Besonders häufig werden rezidivierende Lungenentzündungen beobachtet. Aber auch Mittelohrentzündungen, Bronchitis oder Pilzerkrankungen kommen oft vor.

Des Weiteren treten ständig Durchfälle und Verdauungsstörungen auf. Die Infektionen verlaufen in der Regel sehr schwer. Wie bei anderen Immundefekten erkranken die betroffenen Patienten häufig an Infektionen mit normalerweise harmlosen Keimen, Viren oder Pilzen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Ein SCID kann durch die Bestimmung der Antigene auf Leukozyten nachgewiesen werden. Diese Antigene werden fluoreszenzmarkiert und durch Immunphänotypisierung bestimmt. Wenn keine oder nur wenige T-Lymphozyten gefunden werden, kann von einem SCID ausgegangen werden.

Typisch sind außerdem ein kleiner Thymus, eine Lymphopenie unter 1500 Zellen pro Kubikmillimeter, fehlende Lymphknoten und fehlende Mandeln. Im Gegensatz zu den Lymphozyten ist die Anzahl der Granulozyten meist normal. Mittels einer Elektrophorese kann ein Fehlen von Gammaglobulinen festgestellt werden. Auch ein Impfversagen deutet auf einen SCID hin.

Vor der Durchführung genetischer Untersuchungen wird jedoch noch kontrolliert, ob eventuell bestimmte Antikörper gebildet wurden. Bei der molekulargenetischen Untersuchung kann nun der genaue Typ des SCID bestimmt werden. Möglich ist auch bei fast allen SCID-Erkrankungen bereits eine pränatale Diagnostik.

In Deutschland gehört ein Test auf SCID seit 2019 zum Neugeborenenscreening. Dabei wird in der Blutprobe aus der Ferse nach sogenannten TRECs gesucht - Erbgutresten, die bei der Reifung von T-Lymphozyten entstehen und fehlen, wenn keine T-Lymphozyten gebildet werden. So lässt sich ein SCID erkennen, bevor die ersten schweren Infektionen auftreten.

Komplikationen

Die Severe Combined Immunodeficiency führt zu einer Reihe unterschiedlicher Beschwerden und Symptome. In der Regel treten diese dabei schon im Kindesalter auf und wirken sich sehr negativ auf die Entwicklung des Kindes aus. Die Betroffenen leiden an starken Verzögerungen der Entwicklung und des Wachstums. Bei Kindern kann es dadurch häufig zu Mobbing oder zu Hänseleien kommen, was mit psychischen Beschwerden oder leichten Depressionen einhergehen kann.

Auch Schluckstörungen können sich im Verlauf der Severe Combined Immunodeficiency bemerkbar machen und sich negativ auf das Essverhalten des Kindes auswirken. Die betroffenen Kinder leiden dabei häufig an Entzündungen in der Lunge und ebenso an einem chronischen Durchfall. Die Lebensqualität der Patienten wird von der Erkrankung deutlich verringert und eingeschränkt.

Die Behandlung von Severe Combined Immunodeficiency ist ihrerseits mit erheblichen Risiken verbunden: Die wichtigste heilende Therapie, die Übertragung von Blutstammzellen, erfordert eine vorbereitende Chemotherapie und kann eine Abstoßungsreaktion des Transplantats gegen den Empfänger auslösen. Mit Hilfe von Antibiotika und anderen Medikamenten können die Infektionen und Entzündungen zwar häufig eingedämmt, aber nicht dauerhaft verhindert werden. Die Entwicklungsstörungen werden durch Frühförderung oder durch verschiedene Therapien behandelt. Ob es dabei allerdings zu einer vollständigen Heilung kommt, kann nicht universell vorausgesagt werden. Ohne Behandlung ist die Lebenserwartung stark verringert; nach einer rechtzeitigen und erfolgreichen Stammzelltransplantation kann sie dagegen weitgehend normal sein.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Severe Combined Immunodeficiency bedarf in der Regel immer einer medizinischen Untersuchung und Behandlung. Es kann bei dieser Erkrankung nicht zu einer Selbstheilung kommen, da es sich um eine angeborene Krankheit handelt, die auch eventuell an die Nachfahren vererbt werden kann. Sollte beim Betroffenen ein Kinderwunsch vorliegen, so sollte eine genetische Beratung durchgeführt werden, um über das Risiko einer Vererbung an die Nachfahren aufzuklären.

Ein Arzt ist beim Severe Combined Immunodeficiency dann aufzusuchen, wenn der Betroffene an starken Gedeihstörungen leidet. Dabei kommt es zu einem stark verzögerten Wachstum, wobei im Allgemeinen die Entwicklung des Kindes erheblich eingeschränkt und verringert ist. Alarmierend sind vor allem schwere, ungewöhnliche oder immer wiederkehrende Infektionen in den ersten Lebensmonaten, ein hartnäckiger Mundsoor und eine ausbleibende Gewichtszunahme. Sollten diese Beschwerden auftreten, muss ein Arzt aufgesucht werden. Weiterhin können auch dauerhafte Durchfälle oder starke Störungen der Verdauung auf die Severe Combined Immunodeficiency hindeuten und sollten durch einen Arzt behandelt werden.

Ein erster Verdacht kann durch einen Allgemeinarzt oder Kinderarzt geäußert werden; gesichert wird die Diagnose in einer auf angeborene Immundefekte spezialisierten Kinderklinik, wobei sich die Behandlung selbst nach den genauen Beschwerden richtet. Ohne rechtzeitige Behandlung ist die Lebenserwartung des Kindes durch die Severe Combined Immunodeficiency deutlich verringert.

Bei einem Kind mit SCID ist jede Infektion ein Notfall. Bei Atemnot, ungewöhnlicher Schläfrigkeit, grau-blasser oder fleckiger Haut, Krampfanfällen oder hohem Fieber mit Trinkschwäche muss sofort der Notruf 112 gewählt werden.

Behandlung & Therapie

Ein schwerer kombinierter Immundefekt muss zunächst symptomatisch behandelt werden. Dabei geht es vor allem darum, das Infektionsrisiko zu minimieren. Das wird unter anderem dadurch erreicht, dass die betreffenden Patienten unter sterilen Bedingungen leben müssen. Dabei müssen sie sich beispielsweise ständig unter einem Plastikzelt aufhalten, welches sie von der Außenwelt abschirmt. Solche Isolierzelte werden heute allerdings kaum noch eingesetzt; stattdessen werden die Kinder in speziell belüfteten Isolierzimmern betreut und so früh wie möglich transplantiert.

Wenn eine Infektion auftritt, ist eine sofortige medikamentöse Behandlung notwendig. Bei einer bakteriellen Infektion werden entsprechende Antibiotika eingesetzt. Pilzinfektionen erfordern den Einsatz von Antimykotika und Vireninfektionen den von Virostatika. Durch diese Maßnahmen kann allerdings lediglich das Leben verlängert werden.

Impfungen mit Lebendimpfstoffen - etwa gegen Masern, Mumps, Röteln, Windpocken oder die Rotaviren-Schluckimpfung - dürfen bei einem SCID nicht verabreicht werden. Die abgeschwächten Erreger solcher Impfstoffe können bei fehlender Immunabwehr selbst eine schwere, lebensbedrohliche Erkrankung auslösen.

Eine wirkliche kurative Therapie stellt eine Transplantation von Blutstammzellen geeigneter Spender dar. Dabei ist eine dauerhafte Heilung möglich. Allerdings kann es dabei auch zu gesundheitlichen Nebenwirkungen aufgrund der notwendigen Chemotherapie kommen. Versucht wurden auch direkte Gentherapien, die anfänglich gute Erfolge versprachen und später jedoch häufig Leukämien auslösten. Bei neueren Gentherapien werden veränderte Genfähren verwendet, mit denen dieses Risiko deutlich geringer ausfällt; für einzelne SCID-Formen sind solche Verfahren inzwischen zugelassen.


Vorbeugung

Eine Vorbeugung vor einem SCID ist nicht möglich, weil es sich um eine genetisch bedingte Erkrankung handelt. Bei familiärer Häufung und Kinderwunsch wird eine humangenetische Beratung über das Risiko für die Nachkommen empfohlen.

Nachsorge

Unter den Begriff 'schwerer kombinierter Immundefekt' fallen verschiedene Immunerkrankungen oder Syndrome, die das Immunsystem betreffen. Solche Defekte sind in der Regel erblich bedingt und werden nicht erworben. Die Diagnose wird bereits im Kindesalter gestellt, häufig auftretende Krankheiten aufgrund des geschädigten Immunsystems zählen zu den häufigsten Merkmalen des SCID.

Sowohl eine engmaschige Therapie als auch eine strenge Nachsorge sind notwendig, um dem Immundefekt weitgehend entgegenzuwirken. Ohne Behandlung entwickelt sich das SCID hingegen lebensgefährlich. Es gibt folgende Verfahren zur Behandlung: Die medikamentöse Variante, bei der antibiotische oder antivirale Mittel in kombinierter Form verabreicht werden oder eine Stammzellenspende. Beide Methoden können mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden sein, bei der Stammzellenspende besteht überdies die Gefahr, dass sich das Transplantat gegen den Körper des Empfängers richtet.

Im Rahmen der Nachsorge muss auf eine solche Abstoßungsreaktion geachtet werden. Konsequente Betreuung durch einen Facharzt ist außerdem erforderlich, um bösartige Veränderungen im Blut rechtzeitig zu erkennen. Bei der Medikamentenvergabe wird die Verträglichkeit kontrolliert. Treten Nebenwirkungen auf, werden dem Patienten alternative Präparate verordnet. Im Fall einer unerwarteten Verschlechterung ist ein sofortiger Arztbesuch oder eine Einweisung ins Krankenhaus notwendig. Ein lebensbedrohlicher Ausgang muss unterbunden werden, der Patient ist umgehend zu stabilisieren. Auch nach dem Klinikaufenthalt wird die Nachsorge von einem Facharzt weitergeführt.

Das können Sie selbst tun

Die Severe Combined Immunodeficiency bedeutet für die Patienten ein extrem hohes Infektionsrisiko. Im Alltagsleben sollten sich die Betroffenen deshalb so gut wie möglich vor Ansteckung schützen.

Die Ärzte raten in solchen Fällen zu einer Abschirmung von anderen Personen, auch wenn dies im normalen Alltag schwer durchführbar ist. Betreut werden die Kinder heute in speziell belüfteten Isolierzimmern der Klinik, doch das soziale Leben reduziert sich dabei auf nur wenige Kontakte. Um so wichtiger ist der innige Zusammenhalt mit der Familie. Die Eltern von erkrankten Kindern sollten diese genau beobachten, um eventuelle Infektionen sofort zu erkennen. Wenn der Organismus infiziert ist, braucht er eine schnelle Behandlung mit Medikamenten. Disziplin und liebevolle Zuwendung sind für die positive Stimmung unverzichtbar.

Ohne Therapie ist die Lebenserwartung sehr gering. Wird die Erkrankung früh erkannt und rechtzeitig durch eine Übertragung von Blutstammzellen behandelt, überleben heute dagegen die meisten Kinder. Unabhängig von der Art der Behandlung ist eine große Nähe zwischen Eltern und Kindern enorm wichtig. Sie hilft den Betroffenen durch schwere Zeiten. Wenn die Erkrankung schon früher in der Familie aufgetreten ist, empfehlen die Ärzte eine umfassende humangenetische Beratung. Die Themen des Gesprächs beziehen sich einerseits auf die Gefahr für die Nachkommen, andererseits auf die möglichen Optionen, dieses Risiko zu senken.

Quellen

  • Peter, H.-H., Pichler, W. J., Müller-Ladner, U. (Hrsg.): Klinische Immunologie.
    ISBN: 9783437232565
  • Murphy, K., Weaver, C.: Janeway Immunologie.
    ISBN: 9783662560037
  • Kaufmann, S. H. E., Blasczyk, R. (Hrsg.): Basiswissen Immunologie.
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  • Speer, C. P., Gahr, M., Dötsch, J. (Hrsg.): Pädiatrie.
    ISBN: 9783662572948
  • Niemeyer, C., Eggert, A. (Hrsg.): Pädiatrische Hämatologie und Onkologie.
    ISBN: 9783662436851

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