Sinustachykardie

Als Sinustachykardie wird eine Herzfrequenz von mehr als einhundert Schlägen pro Minute in Ruhe bezeichnet. Maßgebend ist dabei, dass die Erregung vom Haupttaktgeber, dem Sinusknoten im rechten Vorhof ausgeht und das elektrische Signal dem normalen Erregungsleitungssystem des Herzens folgt. Es wird zwischen der primären Form, bei der keine erkennbaren organischen Ursachen vorliegen, und der sekundären Form der Sinustachykardie unterschieden, die häufig mit einer kompensatorischen Reaktion des Herzens auf eine Grunderkrankung erklärt werden kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Sinustachykardie?

Die Sinustachykardie ist eine Arrhythmie des Herzens, bei der die elektrische Abfolge des Schlagrhythmus von der Erregung im Sinusknoten und der Weiterleitung zu den Kammern über den AV-Knoten dem normalen Reizweiterleitungssystem des Herzens entspricht. Eine Herzfrequenz von mehr als einhundert Schlägen pro Minute in Ruhe wird als Sinustachykardie eingestuft.

Das trifft nicht für einen physiologisch bedingten schnellen Herzrhythmus zu, weil die Schlagfrequenz des Herzens bei entsprechender Leistungsanforderung und bei Babys und Kleinkindern auf über einhundert Schläge pro Minute ansteigen kann, ohne dass eine krankhafte Sinustachykardie vorliegt. Es wird zwischen einer primären und einer sekundären Sinustachykardie unterschieden. Um eine primäre Form der Tachykardie handelt es sich, wenn keine organischen oder exogenen Ursachen für die hohe Herzfrequenz vorliegen.

Die sekundäre Form beruht meist auf einer kompensatorischen Erhöhung der Schlagfrequenz aufgrund bestimmter Sollparameter wie zu geringe Sauerstoffsättigung oder aufgrund einer Blutarmut (Anämie). Der schnelle Herzrhythmus kann auch auf einer hormonellen Störung beruhen oder als unerwünschte Nebenwirkung von Medikamenten verursacht werden. Beispielsweise kann eine Hyperthyreose, eine Überfunktion der Schilddrüse, eine Sinustachykardie verursachen.

Ursachen

Definitionsgemäß sind die Ursachen der primären Sinustachykardie nicht erkennbar, wohl aber die der sekundären Form der Krankheit. Faktoren, die den schnellen Herzrhythmus außerhalb der als physiologisch angesehenen Frequenzsteigerungen verursachen können, sind sehr vielschichtig und liegen im Herzen selbst oder es handelt sich um Anomalien oder Erkrankungen außerhalb des Herzens.

In vielen Fällen handelt es sich um eine kompensatorische Reaktion des Herzens, um eine resultierende oder eine sich abzeichnende Minderversorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen auszugleichen. Typische Verursacher dieser Kategorie sind Sauerstoffmangel (Hypoxie), Blutarmut (Anämie) und anormal niedriger Blutdruck (Hypotonie), der beispielsweise durch einen Flüssigkeitsmangel (Dehydration) verursacht sein kann. Als bedingt kompensatorisch oder bedingt physiologisch können fiebrige Erkrankungen eingestuft werden.

Eine Erhöhung der Körpertemperatur um jeweils ein Grad Celsius bedingt einen Anstieg der Herzfrequenz um circa zehn Schläge pro Minute. Es handelt sich dabei vermutlich um eine Vorsorgemaßnahme des Körpers, um einer drohenden Unterversorgung mit Sauerstoff vorzubeugen. Stoffwechselvorgänge werden mit Erhöhung der Körpertemperatur exorbitant beschleunigt.

Typische Verursacher einer Sinustachykardie, die nicht mit kompensatorischen Vorgängen erklärt werden können, sind Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) und Reaktionen auf Arzneimittel (Sympathomimetika), Genussmittel oder Drogen (Koffein, Ecstasy). Weitere Auslöser einer krankhaften Herzfrequenzerhöhung können im Herzen selbst begründet sein. Es handelt sich dabei meist um Krankheiten wie Herzinsuffizienz, Herzinfarkt oder Herzmuskelentzündung.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine primäre oder sekundäre Sinustachykardie verursacht zunächst nur wenige spezifische Beschwerden. Das gilt besonders bei einer permanenten Erhöhung der Herzfrequenz. Eine nur zeitweilig auftretende Tachykardie wird meist durch spürbares Herzklopfen und hohem Puls begleitet.

Zeitweilig und plötzlich auftretende Tachykardien haben häufig konkrete Auslöser wie Stress, Angst oder körperliche Anforderungen. Eine permanente Sinustachykardie macht sich nicht zwangsweise durch spürbares Herzklopfen bemerkbar, sondern eher durch allgemeine Abgeschlagenheit und durch eine Leistungseinschränkung bei Belastung. Der Puls bleibt auch in Ruhephasen unnatürlich hoch.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die wichtigsten Hilfsmittel zur Abgrenzung einer Sinustachykardie von anderen Herzrhythmusstörungen wie das häufig vorkommende Vorhofflimmern sind Elektrokardiogramm (EKG) und Echokardiografie, die von außen oder als transösophageale Ultraschalluntersuchung (TEE) durchgeführt wird. Bei der TEE wird das Ultraschallgerät unter leichter Sedierung des Patienten in die Speiseröhre (Ösophagus) eingeführt.

Die Ultraschalluntersuchung am schlagenden Herzen liefert wertvolle Daten über das Volumen der Vorhöfe und der Kammern sowie über die Wanddicke des Myokards wie auch Hinweise über die Funktionsfähigkeit der einzelnen Herzklappen. Das EKG-Muster lässt Rückschlüsse auch auf möglicherweise vorliegende kardiovaskuläre Erkrankungen zu. Beide Diagnostiken ergänzen sich bestens und decken auch einen Teil der notwendigen Differentialdiagnostik ab.

Komplikationen

Im schlimmsten Fall kann es aufgrund der Sinustachykardie zu einer Herzinsuffizienz und damit weiterhin zum Tod des Betroffenen kommen. Dieser Fall tritt allerdings nur dann auf, wenn die Erkrankung nicht behandelt wird. Die Betroffenen leiden dabei an einem sehr hohen Puls und auch an einem Herzklopfen. Es kommt zu einer inneren Unruhe und die Patienten können auch Schweißausbrüche oder Panikattacken aufweisen.

Ebenso treten Symptome wie Angst oder Stress auf, die sich negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen auswirken. Die Sinustachykardie kann dabei auch bei körperlichen Anstrengungen auftreten. In vielen Fällen leiden die Patienten an Müdigkeit und Abgeschlagenheit, wobei der Puls auch im Ruhezustand deutlich erhöht ist.

Die Behandlung der Sinustachykardie richtet sich in der Regel nach der Grunderkrankung. In vielen Fällen werden dabei Medikamente eingesetzt, die die Herzfrequenz verringern. Komplikationen treten dabei nicht auf. In akuten Notfällen ist allerdings eine Behandlung durch einen Notarzt erforderlich, um den Tod des Patienten zu vermeiden. Ob es krankheitsbedingt zu einer verringerten Lebenserwartung des Patienten kommt, kann leider nicht universell vorausgesagt werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die Sinustachykardie ist in vielen Fällen wie bei schneller Bewegung oder Aufregung völlig normal. Kommt sie jedoch häufiger vor oder kann sich der Patient ihr Auftreten nicht erklären, ist der Gang zum Arzt ratsam. Er kann feststellen, ob es sich tatsächlich um die physiologische Sinustachykardie handelt oder ob ein anderes Erkrankungsbild vorliegt. Die richtigen Ansprechpartner für diese Diagnostik sind der Hausarzt, der Internist oder der Kardiologe. In vielen Fällen sind mehrere Arztbesuche nötig, denn die ideale Diagnostik setzt voraus, dass die Sinustachykardie in ihrem Auftreten im EKG festgehalten und somit eindeutig beurteilt werden kann.

Auch nach der Diagnostik der Sinustachykardie kann der Gang zum Arzt wichtig sein. Das gilt für Fälle, in denen sich das Auftreten der Herzbeschleunigung von der Art her ändert. Auch neue Symptome wie Schwindel oder gar eine Ohnmacht machen den Gang zum Arzt dringend erforderlich. Das Gleiche gilt für Fälle, in denen sich der Patient durch das eigentliche Herzrasen sehr ängstigt. Hier ist die Gefahr der Herzneurose zu befürchten, bei der sich der Patient in harmlose Symptome hineinsteigert und die Lebensqualität deutlich sinken kann. Hilfreich ist die einmalige Abklärung der Herzgesundheit, aber auch das Gespräch mit dem Psychologen, der auch eine individuelle Verhaltenstherapie in Betracht ziehen kann.

Behandlung & Therapie

Das erste Ziel der Behandlung einer Sinustachykardie besteht in der Ursachenanalyse. Bei bekannter Ursache des schnellen Herzschlags wird vor primär der Ursachenkomplex therapiert, so dass sich bei erfolgreicher Behebung oder Ausheilung der Ursache der schnelle Rhythmus von selbst zurückbildet. Liegt eine primäre Sinustachykardie vor, für die keine konkreten Verursacher diagnostiziert werden konnten.

Besteht die Behandlung vorwiegend in einer symptomatischen medikamentösen Behandlung mit Betablockern. Sie besetzen die sogenannten Beta-Rezeptoren, so dass die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin nicht andocken können und damit nicht wirksam werden können. Die Blockierung der Beta-Rezeptoren im Herzen bewirkt eine Blutdrucksenkung und eine Verlangsamung des Herzschlags.

In der Niere entfalten Stresshormone sogar eine Art Hebelwirkung, weil nach dem Andocken von Adrenalin und Noradrenalin Hormone wie Angiotensin freigesetzt werden, die gefäßverengend wirken und eine Steigerung des Blutdrucks und der Herzfrequenz bewirken. Ebenso wie im Herzen werden auch in der Niere die Beta-Rezeptoren durch Beta-Blocker inaktiviert, so dass die Stresshormone nicht wirksam werden können.

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Vorbeugung

Die besten Vorbeugungsmaßnahmen zur Verhinderung einer Sinustachykardie bestehen in der Vermeidung von Risiken, die eine kardiovaskuläre Krankheit provozieren können. Vor allem wird ein achtsamer Umgang mit Koffein, Nikotin und Alkohol empfohlen. Ebenso wichtig ist eine ausgewogene Ernährung, die auch natürlich belassene Nahrungsmittel enthält. Auch ein Mindestmaß an Bewegung kann in die Kategorie der vorbeugenden Maßnahmen eingeordnet werden.

Das können Sie selbst tun

Die Sinustachykardie ist in vielen Fällen physiologisch und bedarf keiner Behandlung. Wenn sie den Betroffenen jedoch stört oder gar ängstigt, gibt es Mittel der Selbsthilfe, mit denen das Phänomen oft gut beherrscht werden kann. Voraussetzung hierfür ist, dass der beschleunigte Herzschlag vorher kardiologisch oder zumindest hausärztlich abgeklärt wurde. Dies dient nicht nur der Sicherheit des Patienten, sondern auch zu dessen Beruhigung, die für die Bewältigung der Sinustachykardie in psychischer Hinsicht häufig sehr wichtig ist.

Gerade die psychische Komponente ist beim Herzrasen sehr wichtig. Denken Betroffene nämlich, dass sie eine Herzerkrankung haben, verstärkt die Angst das Herzrasen weiter und ein Teufelskreis kann entstehen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass Betroffene sich nach der ärztlichen Abklärung immer wieder vor Augen halten, dass beschleunigter Herzschlag beim Sex, bei Aufregung und beim Sport völlig normal ist. Wenn dies nicht gelingt, ist psychologische Unterstützung oft ratsam, damit sich keine Herzneurose entwickeln kann.

Im Alltag kann eine Beschleunigung des Herzschlages durchaus verringert oder gar vermieden werden. Der Genuss von Nikotin, Alkohol und Kaffee ist ein wesentlicher Faktor für Herzbeschleunigung und daher bestmöglich einzuschränken. Auch Herzrasen nach einem üppigen Mahl ist möglich. Man spricht hier vom Roemheld-Syndrom. Dies kann vermieden werden, wenn Patienten nicht so große Portionen, insbesondere vor dem Schlafengehen, zu sich nehmen.

Quellen

  • Erdmann, E.: Klinische Kardiologie. Springer, Heidelberg 2011
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Roskamm, H., et al.: Herzkrankheiten. Springer, Heidelberg 2004

Von Ärzten geprüft und nach hohen wissenschaftlichen Standards verfasst
Dieser Artikel wurde anhand medizinischer Fachliteratur, aktuellen Forschungsergebnissen und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Autor

Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 1. November 2018

Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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