Vorderer Kreuzbandriss

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Das vordere Kreuzband hat die Funktion, das Kniegelenk zu stabilisieren. Es sichert dabei die Drehbewegungen und verhindert, dass der Unterschenkel gegenüber dem Oberschenkel nach vorn gleitet. Ist das vordere Kreuzband gerissen, so wird das Knie instabil. Weiterhin können Folgeschäden an den Knorpeln und den Menisken entstehen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein vorderer Kreuzbandriss?

Vorderer Kreuzbandriss
Ein vorderer Riss des Kreuzbands ist im Normalfall mit erheblichen Schmerzen verbunden, die auch im Ruhezustand bestehen können.
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Krafteinwirkungen können das Kreuzband zerreißen. Es kann dabei angerissen oder vollständig gerissen sein. Ein Riss des vorderen Kreuzbandes tritt separat auf oder ist Teil einer größeren Knieverletzung.

Durch den Riss ist das Knie schmerzhaft angeschwollen und in seiner Beweglichkeit eingeschränkt. Es entwickelt sich ein Gefühl der Instabilität und Unsicherheit. Durch das geschädigte Kreuzband kann es zu Wegknickereignissen kommen. Typischerweise verschieben sich dann Oberschenkel und Unterschenkel unkontrolliert gegeneinander.

Bei manchen Betroffenen entstehen die Beschwerden erst später, bei dauerhaften Belastungen. Typischerweise ist der Riss des vorderen Kreuzbandes häufig eine Sportverletzung. Bewegungsintensive Sportarten mit vielen Richtungswechseln können zu einer Kreuzbandruptur führen.

Ursachen

Häufigste Ursache für den vorderen Kreuzbandriss ist ein extremes Verdrehtrauma des Kniegelenks. Diese Rotation im Gelenk bei feststehendem Unterschenkel kann mehrere Verletzungen im Knie bewirken.

Neben dem vorderen Kreuzbandriss kann es zur Beschädigung der Seitenbänder und zu weiteren Begleitverletzungen an Knorpeln und Menisken kommen. Ein vorderer Kreuzbandriss entsteht immer durch eine ungewöhnliche Überbelastung und Krafteinwirkung auf das Kniegelenk. Es wurde dann außerordentlich stark gestreckt, gebeugt oder verdreht. Ein vorderer Kreuzbandriss braucht keinen Kontakt mit einem Gegner oder einem Hindernis. Er kann schon entstehen, wenn das Kniegelenk gewaltsam überstreckt wird.

Da sehr starke Kräfte notwendig sind, können oft Vorschädigungen eine Rolle spielen. So kann das Kreuzband schon längere Zeit leicht angerissen sein oder Knorpel nur noch in degenerierter Form vorhanden sein. Auch ein Schlag von vorn kann das vordere Kreuzband reißen lassen. Fußball, Skifahren oder Kampfsportarten sind dafür bekannt, solche Verletzungen entstehen zu lassen.

Häufig kommt es auch zu der „unhappy triad“, einer unglücklichen Kombination von drei Verletzungsformen. Dann sind neben dem vorderen Kreuzband auch noch Innenseitenband und Innenmeniskus des Knies betroffen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein vorderer Riss des Kreuzbands ist im Normalfall mit erheblichen Schmerzen verbunden, die auch im Ruhezustand bestehen können. In den meisten Fällen bemerken betroffene Personen selbst, dass etwas Ernsteres vorliegt, da ein normaler Bewegungsablauf nicht mehr möglich ist; die Diagnose kann jedoch nur ein Arzt stellen. Die Bewegung ist meist deutlich schmerzhaft, sodass ein Besuch beim Arzt nicht auf die lange Bank geschoben werden darf. Charakteristisch ist außerdem, dass viele Betroffene im Moment der Verletzung ein hörbares Knallen oder Reißen wahrnehmen, das Knie sofort unsicher wird und sich über die folgenden Stunden ein Gelenkerguss bildet. Der zunächst heftige Schmerz lässt dabei oft schon nach kurzer Zeit nach; das spricht nicht gegen einen Kreuzbandriss.

Nur mit einer entsprechenden Behandlung und Versorgung kann ein bestehender Kreuzbandriss wiederhergestellt werden. In vielen Fällen ist ein operativer Eingriff erforderlich, damit das Knie wieder stabil belastet werden kann; bei geringer Belastung und wenig Instabilität kann auch konservativ behandelt werden. Wer an dieser Stelle allerdings auf einen Besuch beim Arzt verzichtet, der muss mit einem deutlich erschwerten Krankheitsverlauf rechnen.

Unter Umständen können sogar dauerhafte Folgeschäden entstehen, die nachträglich nicht mehr beseitigt werden können. In vielen Fällen kommt es zu starken Schwellungen im Bereich des betroffenen Knies. Diese Schwellungen können ohne Probleme mit dem menschlichen Auge wahrgenommen werden.

Spätestens beim Auftreten einer solchen Schwellung sollte unverzüglich ein entsprechender Arzt aufgesucht werden. Somit gilt: Ein vorderer Kreuzbandriss muss immer ärztlich, physiotherapeutisch oder sogar auch stationär versorgt werden. Andernfalls kommt es zu erheblichen Komplikationen, die nicht mehr so schnell behoben werden können.

Diagnose & Verlauf

Kreuzbandriss
Schematische Darstellung der gesunden Kreuzbänder und die verschiedenen Formen von Kreuzbandriss. Klicken, um zu vergrößern.

Sehr wichtig für die exakte Diagnose des vorderen Kreuzbandrisses ist die gründliche klinische Untersuchung. Ein erfahrener Arzt sollte nicht nur den Riss feststellen. Weiterhin ist auch das Ausmaß der Instabilität sehr wichtig.

Mit Bewegungstests lässt sich eine erste Verdachtsdiagnose erstellen. Da das Kniegelenk bei einem vorderen Kreuzbandriss oft nicht vollständig bewegt werden kann, ist die Untersuchung jedoch erschwert. Der Arzt ist darauf angewiesen, dass ihm der Patient so genau wie möglich den Unfall schildert. Um sich ein genaueres Bild zu machen, kann der Arzt eine Punktion des Kniegelenks durchführen.

Dazu sticht er mit einer Nadel in das gebeugte Knie. Die abgezogene Flüssigkeit wird dann genau untersucht. Es wird ermittelt, ob sich Hinweise auf eine Bandverletzung ergeben. Sicherheit, ob es sich wirklich um einen vorderen Kreuzbandriss handelt, bietet die Kernspintomografie (MRT). Sie macht das vordere Kreuzband sichtbar und lässt auch Begleitverletzungen erkennen.

Der Verlauf der Erkrankung wird beeinflusst vom Alter des Patienten, der Bewegungsaktivität und dem Zeitpunkt der Diagnostik bzw. dem Beginn der geeigneten Therapie. Wird der vordere Kreuzbandriss konsequent konservativ oder operativ behandelt, so bestehen gute Aussichten auf das Wiedererlangen voller Funktionsfähigkeit. Allerdings müssen die Beinmuskeln dauerhaft gut trainiert werden.

Komplikationen

Wird ein vorderer Kreuzbandriss umgehend behandelt, treten normalerweise keine größeren Komplikationen auf. Das Risiko für einen späteren Gelenkverschleiß bleibt allerdings auch bei umgehender und konsequenter Behandlung gegenüber einem unverletzten Knie erhöht. Bei einer unzureichenden Physiotherapie und bei älteren Patienten kann eine Ruptur zudem zu einem verfrühten Gelenkverschleiß führen. Aus einer Arthrose resultieren chronische Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und andere Folgebeschwerden.

Im Rahmen einer Kreuzband-Operation können ebenfalls Probleme auftreten. In einigen Fällen kommt es beispielsweise zu Blutungen, Gelenkinfektionen, Thrombosen oder Verletzungen an den Nerven, Muskeln oder Gefäßen. Auch postoperative Komplikationen sind nicht auszuschließen. Gelegentlich kommt es nach der Kreuzband-Operation zu Bewegungseinschränkungen oder einer Lockerung des Transplantats.

In Einzelfällen tritt ein Meniskusschaden oder ein Bruch der Kniescheibe auf. Eine bleibende Instabilität tritt nur in Ausnahmefällen auf. Wenn der Patient Schmerzmittel einnimmt, ist dies immer mit gewissen Risiken und Nebenwirkungen verbunden.

Neben typischen Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Hautirritationen kann selten auch eine allergische Reaktion auf das Arzneimittel auftreten. Wird das Medikament über einen längeren Zeitraum eingenommen, werden zunehmend auch die inneren Organe, vor allem Nieren, Leber und Herz, belastet. Manchmal entwickelt sich auch ein Suchtverhalten oder der Patient verspürt nach der Absetzung Entzugserscheinungen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Treten nach einer Drehbewegung, einem Unfall oder einer Krafteinwirkung auf das Knie gesundheitliche Unregelmäßigkeiten auf, sollte ein Arzt konsultiert werden. Kommt es nach einer starken Überbelastung zu Beschwerden im Bereich des Knies, ist ebenfalls eine Abklärung der Beschwerden anzuraten. Nachlassende Schmerzen sind dabei kein Grund zur Entwarnung: Beim Kreuzbandriss lässt der zunächst heftige Schmerz oft schon nach wenigen Minuten nach, während sich Instabilität und Schwellung erst über die folgenden Stunden entwickeln. In jedem Fall sollte eine ausreichende Entlastung und Schonung stattfinden. Wer beim Unfall ein Knallen im Knie gehört hat, das Bein nicht mehr sicher belasten kann oder eine zunehmende Schwellung bemerkt, sollte auch dann einen Arzt aufsuchen, wenn die Schmerzen bereits nachgelassen haben.

Kann das Knie jedoch trotz einer ausreichenden Ruhephase nicht mehr wie gewohnt belastet werden, entwickeln sich Schwellungen oder kann die Gelenkbewegung nicht mehr wie üblich ausgeführt werden, ist eine ärztliche Konsultation notwendig. Unregelmäßigkeiten der Bewegungsabläufe oder die Unfähigkeit, sich fortzubewegen, müssen untersucht und behandelt werden. Schmerzen, Verfärbungen des Hautbildes sowie ein Unwohlsein bei der Durchführung von nur kleinen Bewegungen weisen auf eine vorliegende Störung des Gelenkes hin. Zur Klärung des Ausmaßes muss ein Arzt aufgesucht werden. Ist das Auftreten des Fußes bereits mit Beschwerden verbunden, benötigt der Betroffene eine medizinische Versorgung. Die Symptome sind als Warnsignale des Organismus zu verstehen. Zur Vermeidung von weiteren Komplikationen sollte keine weitere Belastung auf den Körper ausgeübt werden.

Behandlung & Therapie

Als erste therapeutische Maßnahme bei einem vorderen Kreuzbandriss soll das Gelenk stabilisiert werden. Unmittelbar nach dem Unfallereignis muss das Bein geschont und hoch gelagert werden. Weiterhin macht Kühlung Sinn und das Anlegen eines Druckverbandes. Gegen die Schmerzen kann ein Arzt verschiedene Schmerzmittel und Entzündungshemmer verschreiben oder auch direkt spritzen.

Als konservative Therapiemethoden werden die Kältetherapie und die Physiotherapie eingesetzt. Die genaue Therapieform richtet sich nach dem Ausmaß der klinischen und der subjektiv erlebten Instabilität. Hat der Patient nur ein geringes Belastungsniveau und wenig Instabilität, kann ein nicht-operatives Behandlungsverfahren ausreichend sein. Empfohlen ist ein spezielles Kraft- und Koordinationstraining für das betroffene Knie.

Für sehr bewegungsintensive Patienten, Kinder und Jugendliche wird ein vorderer Kreuzbandersatz empfohlen, ein operativer Eingriff. So können wiederkehrende Wegknickereignisse sowie Folgeschäden vermieden werden. Eine Operation kann erst nach einer Schonphase erfolgen, wenn das Knie wieder vollständig abgeschwollen ist.

Bei einer Operation wird das gerissene vordere Kreuzband durch körpereigenes Sehnentransplantat ersetzt. Häufig werden dafür die innenseitigen Oberschenkelbeugesehnen verwendet. Allgemeine Operationsrisiken kommen vor, sind jedoch bei dieser Methode sehr selten.


Vorbeugung

Um einem vorderen Kreuzbandriss vorzubeugen, macht ein gründliches Aufwärmen der Muskulatur vor jeder sportlichen Betätigung Sinn. Übungen zur Koordinationsfähigkeit sind ebenfalls empfohlen. Weitere Maßnahmen zur Vorbeugung sind eine gut trainierte Beinmuskulatur, umsichtiges sportliches Verhalten und eine geeignete Sportausrüstung.

Wird das vordere Kreuzband operativ behandelt, benötigt das eingesetzte Transplantat mehrere Monate, bis es fest in den Knochen eingewachsen ist. Sportler müssen daher mehrere Monate warten, bis sie das betroffene Knie wieder voll belasten dürfen. Lange galten sechs Monate als ausreichend; heute wird die Rückkehr in Sportarten mit schnellen Richtungswechseln erst nach neun bis zwölf Monaten und nach bestandenen Funktionstests empfohlen, weil das Risiko eines erneuten Risses sonst deutlich höher liegt.

Nachsorge

Die Nachbehandlung eines operierten Kreuzbandes setzt unmittelbar nach der Operation ein. Dabei schont und kühlt der Patient das Knie, um Schwellungen und Schmerzen entgegenzuwirken. Wichtig ist auch die Streckung des Knies, weswegen meist eine Motorschiene Verwendung findet. Sie bewegt und streckt das Gelenk auf passive Weise.

Als empfehlenswert gilt zudem das Tragen einer Knieschiene bis zu sechs Wochen. Sie sorgt dafür, dass sich das Knie in diesem Zeitraum nicht über 90 Grad beugen lässt. In den ersten Rehawochen werden Belastung und Umfang der Übungen an den aktuellen Kniezustand angepasst. In erster Linie erfolgt die Stärkung der Oberschenkelmuskeln wie Kniestrecker und Kniebeuger, die überaus wichtig für die Stabilität des Knies sind.

Zunächst darf der Patient die Muskeln nur anspannen und entspannen. Im weiteren Verlauf führt er auch Kniebeugen durch. Als sinnvolle Trainingsmaßnahmen gelten die Benutzung eines Fahrradergometers, einer Beinpresse oder das Durchführen von Aqua-Jogging. Von dem Physiotherapeuten erfährt der Patient, welche Maßnahmen sich individuell für ihn am besten eignen.

Das können Sie selbst tun

Besteht der Verdacht auf einen vorderen Kreuzbandriss, muss das betroffene Bein zunächst ruhig gestellt und geschont werden. Gegen die Schmerzen und etwaige Schwellungen helfen Kühlpackungen oder Eisspray. Anschließend muss das betroffene Bein mit einem Verband stabilisiert werden. Begleitend dazu muss ein Arzttermin vereinbart werden.

Unmittelbar nach der Operation gelten Kühlung und Schonung. Mittels einer Motorschiene gelingt die passive Streckung des Gelenks. Die wichtigste Selbsthilfe-Maßnahme ist regelmäßige Krankengymnastik. Ein Physiotherapeut muss die gesamte Nachbehandlung begleiten, damit die Intensität des Trainings auf den aktuellen Zustand des Knies angepasst werden kann.

Sobald der vordere Kreuzbandriss weitestgehend verheilt ist, darf mit sanftem Sport begonnen werden, etwa Schwimmen oder Aqua-Joggen. Übermäßige Belastungen gilt es zu vermeiden. Zur Förderung der Muskelkoordination bieten sich 15 bis 25 Tage nach der Operation außerdem Koordinationsübungen an, die nach einer ärztlichen Einführung selbstständig durchgeführt werden können. Die Durchblutung im betroffenen Gelenk wird durch Kalt-Warm-Duschen und lockere Bewegungen angeregt.

Zuletzt gilt es, unkontrollierte Bewegungen zu vermeiden. Gleichzeitig muss eine entzündungssenkende Ernährung eingehalten werden. Auf dem Speiseplan stehen frisches Gemüse, Fisch und ungesättigte Fettsäuren, während Weizen durch Hirse oder Hafer zu ersetzen ist.

Quellen

  • Niethard, F. U., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Duale Reihe Orthopädie und Unfallchirurgie.
    ISBN: 9783132443150
  • Engelhardt, M. (Hrsg.): Sportverletzungen.
    ISBN: 9783437240935
  • Grifka, J., Kuster, M. (Hrsg.): Orthopädie und Unfallchirurgie.
    ISBN: 9783662716083
  • Konrads, C., Rudert, M. (Hrsg.): Klinische Tests und Untersuchung in Orthopädie und Unfallchirurgie.
    ISBN: 9783662693186
  • Harrasser, N., Eisenhart-Rothe, R. von, Biberthaler, P. (Hrsg.): Facharztwissen Orthopädie Unfallchirurgie.
    ISBN: 9783662625354

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