Alternans-Syndrom
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 15. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Krankheiten Alternans-Syndrom
Alternans-Syndrome sind Hirnstammsyndrome, die eine gekreuzte Lähmungssymptomatik hervorrufen und meist auf Schlaganfälle im Bereich des Hirnstamms zurückzuführen sind. Denkbare Ursachen sind auch Tumore oder entzündliche Prozesse in diesen Regionen. Die Behandlung erfolgt in Abhängigkeit von der primären Ursache, aber beinhaltet in so gut wie allen Fällen Physiotherapie und Logopädie.
Inhaltsverzeichnis |
Was ist das Alternans-Syndrom?
Als Hirnstamm gelten mit Ausnahme des Kleinhirns alle Gehirnanteile unterhalb des Diencephalon. Das Mittelhirn mit Großhirnschenkel, Mittelhirnhaube und Mittelhirndach macht damit zusammen mit dem Rautenhirn inklusive Brücke und Myelencephalon die anatomische Einheit des Hirnstammes aus. Der Hirnstamm kontrolliert lebenswichtige Körpervorgänge wie die Atmung, den Blutdruck und die Herzaktivität.
Darüber hinaus sind in diesem Teil des Gehirns lebenswichtige Reflexe wie der Brech- und der Hustenreflex angesiedelt. Bei Schädigungen in den Gebieten des Hirnstamms treten sogenannte Hirnstammsyndrome auf. Hirnstammsyndrome hängen meist mit Minderdurchblutungen des Stammhirns zusammen und können unterschiedliche Symptome zeigen.
Das sogenannte Alternans-Syndrom ist ein Hirnstammsyndrom, das auf eine einseitige Minderdurchblutung des Hirnstammes zurückzuführen ist. Kennzeichnend sind Ausfälle von Hirnnerven der betroffenen Hirnseite. Außerdem tritt auf der entgegengesetzten Körperseite eine Hemiparese mit halbseitigen Sensibilitätseinbußen auf. Abhängig von der genauen Schädigungslokalisation entspricht das Alternans-Syndrom dem Jackson-Syndrom, Weber-Syndrom, Millard-Gubler-Syndrom oder Wallenberg-Syndrom.
Ursachen
Die häufigste Ursache eines Hirnstammsyndroms ist eine zerebrale Ischämie. In den meisten Fällen werden die einzelnen Syndrome durch Durchblutungsstörungen in der Arteria basilaris oder Arteria vertebralis verursacht. In Einzelfällen können auch Tumore, entzündliche Erkrankungen wie Multiple Sklerose, mechanische Verletzungen oder Infektionen die Unterversorgung auslösen.
Den Alternans-Syndromen gehen meist vaskulär bedingte Schädigungen durch Schlaganfälle voraus. Abhängig von der genauen Lokalisation wird das Alternans-Syndrom weiter unterteilt. Von einem Millard-Gubler-Syndrom ist bei Durchblutungsstörung im Pons-Bereich die Rede.
Das Weber-Syndrom wird durch eine Durchblutungsstörung im Mittelhirn hervorgerufen und das Wallenberg-Syndrom geht auf durchblutungsbedingte Schädigungen in der Region der Rückenmarksverlängerung zurück. Bei Durchblutungsstörungen und ischämischen Prozessen erreichen die Gewebe keine hinreichenden Blutmengen mehr.
Da das Blut lebenswichtigen Sauerstoff, Nährstoffe sowie Botenstoffe trägt, sterben einzelne Zellen durch die Minderversorgung ab. Die gekreuzte Symptomatik der Alternans-Syndrome liegt daran, dass Hirnnerven auf derselben Seite in ihre Versorgungsgebiete absteigen. Rückenmarksfasern steigen dagegen in die je entgegengesetzte Körperseite ab.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Patienten mit Alternans-Syndrom leiden abhängig von der Schädigungslokalisation an unterschiedlichen Symptomen. Das Weber-Syndrom ruft auf derselben Seite der Hirnschädigung eine Okulomotoriusparese hervor, die einer Art einseitiger Blickstarre gleichkommt.
Auf der gegenüberliegenden Körperseite tritt durch Erhöhungen des Muskeltonus eine spastische Halbseitenlähmung auf, die wegen Schädigungen des Tractus corticonuclearis auch die mimische Muskulatur betreffen kann. Beim Millard-Gubler-Syndrom tritt zur Seite der Schädigung hin wiederum eine Abduzensparese mit peripherer Fazialisparese ein. Auf der entgegengesetzten Körperseite besteht wie schon beim Weber-Syndrom eine spastische Halbseitenlähmung.
Das Wallenberg-Syndrom führt dagegen zum Horner-Syndrom und ruft zusätzlich halbseitige Bewegungsstörungen, Gaumensegellähmungen, dysphonische Heiserkeit und Sprechunfähigkeit hervor. Im Gesichtsbereich ist auf der Seite der Schädigung die Schmerz- und Temperaturempfindung gestört. Außerdem kann Drehschwindel auftreten.
Auf der gegenüberliegenden Seite der Schädigung treten dissoziierte Sensibilitätsstörungen auf, die auf Schädigungen des Tractus spinothalamicus lateralis zurückzuführen sind. Das Jackson-Syndrom hebt sich von den anderen Alternans-Syndromen vor allem durch Lähmungen der Zunge ab.
Diagnose & Verlauf
Die Verdachtsdiagnose des Alternans-Syndroms stellt der Arzt blickdiagnostisch. Diagnoseführend ist in diesem Zusammenhang vor allem die gekreuzte Lähmungssymptomatik. Eine Absicherung erhält der Neurologe durch Bildgebungen des Gehirns. Mittels dieser Bildgebungen lässt sich auch die primäre Ursache des Syndroms lokalisieren. Nach heutigem Kenntnisstand ist bei Verdacht auf einen Hirnstamminfarkt die Kernspintomographie mit diffusionsgewichteten Aufnahmen das Verfahren der Wahl, da kleine Infarkte im Hirnstamm in der Computertomographie häufig nicht zu erkennen sind.
Falls statt Durchblutungsstörungen Tumore im Hirnstamm für die Symptome verantwortlich sind, zeigen diese Veränderungen im MRT ein relativ typisches Bild. Die Prognose hängt für Patienten mit Alternans-Syndrom vom Ausmaß der Schädigung, der Lokalisation und der primären Schädigungsursache ab.
Komplikationen
Kennzeichnend für das Alternans-Syndrom ist eine Minderdurchblutung des Hirnstamms, die zu Nervenausfällen der betroffenen Hirnseite führt. Auf der entgegengesetzten Körperseite treten Lähmungserscheinungen und halbseitige Sensibilitätseinbußen auf. Abhängig von dem genauen Ort der Hirnschädigung erfolgt die Einteilung der Alternans-Syndrome in das Weber-Syndrom, das Wallenberg-Syndrom, das Millard-Gubler-Syndrom und das Jackson-Syndrom.
Durchblutungsbedingte Schädigungen im Bereich der Rückenmarksverlängerung weisen auf das Wallenberg-Syndrom hin, Durchblutungsstörungen im Mittelhirn dagegen auf das Weber-Syndrom. Als Folge dieser Störungen sterben einzelne Körperzellen ab, da sie nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff sowie Boten- und Nährstoffen versorgt werden. Abhängig von dem Ort der Schädigung können spastische Halbseitenlähmungen wie beim Weber-Syndrom auftreten, die zu einer reduzierten Mimik führen.
Eine Lähmung des sechsten und des siebten Hirnnervs, die Doppelbilder und Gesichtslähmungen auslöst, weist auf das Millard-Gubler-Syndrom hin. Bewegungsstörungen, Heiserkeit, Sprechstörungen, Drehschwindel und Sensibilitätsstörungen im Gesichtsbereich sind Anzeichen für das Wallenberg-Syndrom, zu dem zusätzlich ein Horner-Syndrom mit hängendem Augenlid und enger Pupille gehört. Das Jackson-Syndrom zeichnet sich durch die Lähmung der Zunge aus.
Die gekreuzte Lähmungssymptomatik hinterlässt in den meisten Fällen bleibende Schäden, da das Nervengewebe der einzelnen Hirnanteile hoch spezialisiert ist. Daher ist die Aussicht auf Heilung oder zumindest teilweise Regeneration selbst bei rechtzeitiger Diagnose und entsprechender Behandlung sehr gering. Geht das Alternans-Syndrom auf einen Tumor im Hirnstamm oder auf einen Schlaganfall zurück, stellt sich bei konsequenter anschließender Therapie eine verbesserte Lebensqualität ein.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Beim Alternans-Syndrom ist auf jeden Fall eine ärztliche Untersuchung und Behandlung notwendig. Die Beschwerden verschwinden nicht von alleine und es kommt auch nicht zu einer spontanen Heilung oder Besserung dieses Syndroms. Allerdings können nicht alle Beschwerden eingegrenzt werden.
In der Regel hängt die Behandlung auch von der Ursache des Alternans-Syndroms ab. Ein Arzt sollte auf jeden Fall dann aufgesucht werden, wenn es durch das Alternans-Syndrom zu Bewegungseinschränkungen und zu einer Sprechunfähigkeit kommt. Dabei können die Bewegungseinschränkungen auch mit Lähmungen am gesamten Körper verbunden sein.
Auch im Gesicht können Sensibilitätsstörungen auftreten, die ebenfalls einen Hinweis auf das Syndrom geben. Weiterhin leiden die meisten Patienten auch an Schwindel und Übelkeit. Auch bei plötzlichen Sehbeschwerden sollte ein Arzt konsultiert werden, da diese auf Beschwerden im Gehirn deuten können. Ebenso muss dann eine Behandlung stattfinden, wenn vor dem Alternans-Syndrom ein Schlaganfall aufgetreten ist oder der Betroffene an Herzbeschwerden leidet. Hierbei können allerdings nicht alle Beschwerden vollständig gelindert werden, sodass eventuell Lähmungen bestehen bleiben.
Behandlung & Therapie
Schädigungen im Bereich des Gehirns hinterlassen häufig bleibende Schäden. Das Nervengewebe innerhalb der Hirnanteile ist in höchstem Maß spezialisiert. Anders als in anderen Körpergeweben ist die Regenerationsfähigkeit deswegen stark begrenzt.
In andere Gewebe des Körpers können nach Schädigungen zum Beispiel Zellen einwandern und die spezifischen Funktionen der jeweiligen Gewebeart übernehmen. Das ist im Gehirn nur in Maßen möglich, da die Spezialisierungen hier zu groß sind. Allerdings wird gerade an Schlaganfallpatienten beobachtet, dass konsequente Übung und spezifisches Training benachbarte Gehirngewebe zur Funktionsübernahme des defekten Areals bewegen können.
Abhängig von den beschädigten Arealen finden daher physiotherapeutische und logopädische Sitzungen statt, die eine Umverteilung der Gehirnfunktionen begünstigen können. Um Schlaganfällen in der Zukunft vorzubeugen, erhalten die Betroffenen eine supportive Therapie.
Diese Behandlung besteht aus einer Minimierung von Risikofaktoren und eventuell einer medikamentösen Therapie, die blutverdünnend wirkt. In der Akutphase eines Hirnstamminfarkts stehen heute zusätzlich die Auflösung des Blutgerinnsels durch Medikamente (Thrombolyse) und beim Verschluss eines großen Gefäßes die mechanische Entfernung des Gerinnsels über einen Katheter (Thrombektomie) zur Verfügung. Falls nicht ein Schlaganfall, sondern ein Tumor das Alternans-Syndrom hervorgerufen hat, findet eine operative Behandlung statt.
Abhängig vom Grad der Bösartigkeit und der Operabilität des Tumors kann alternativ dazu oder zur selben Zeit eine medikamentöse Therapie in Erwägung gezogen werden. Akute Entzündungen werden wiederum mit Medikamenten wie Cortison oder Antibiotika zum Abklingen gebracht. Bei autoimmunologischen Entzündungen durch Multiple Sklerose erhalten die Betroffenen außerdem eine immunsuppressive Langzeittherapie. Heute wird diese Dauerbehandlung als verlaufsmodifizierende Immuntherapie bezeichnet und je nach Verlaufsform und Krankheitsaktivität ausgewählt.
Aussicht & Prognose
Durch das Alternans-Syndrom kommt es zu vielen verschiedenen neurologischen und geistigen Beschwerden. Die Lebensqualität des Betroffenen wird durch das Syndrom erheblich eingeschränkt, sodass dieser im Alltag möglicherweise auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen ist. Ebenso kommt es zu Störungen der Bewegung und der Koordination. Weiterhin kann auch eine Sprachunfähigkeit auftreten und die Betroffenen leiden teils an Störungen der Sensibilität oder sogar an Lähmungen.
Des Weiteren kommt es oft zu Schwindelgefühlen oder zu einem Drehschwindel. Ebenfalls kann auch eine Lähmung der Zunge auftreten, sodass die Patienten nicht mehr in der Lage sind, Nahrung oder Flüssigkeiten richtig aufzunehmen. Dadurch kann es zu Mangelerscheinungen oder zu einer Dehydrierung kommen. Auch die Angehörigen oder die Eltern des Patienten können durch die Symptome an starken psychischen Beschwerden erkranken.
Die Behandlung des Alternans-Syndroms kann durch verschiedene Therapien erfolgen. Ob es dadurch allerdings zu einem positiven Krankheitsverlauf kommt, kann nicht allgemein vorausgesagt werden. Möglicherweise muss der Betroffene sein gesamtes Leben mit diesen Einschränkungen leben. Die Lebenserwartung kann verringert sein, etwa bei ausgedehnten Schädigungen des Hirnstamms oder wenn ein zugrunde liegender Tumor nicht entfernt werden kann.
Vorbeugung
Da die Alternans-Syndrome meist durch Schlaganfälle verursacht werden, gelten zur Vorbeugung der Symptomatik dieselben Präventionsschritte wie für Schlaganfälle. Das Rauchen sollte zum Beispiel unterlassen werden. Darüber hinaus kann eine Ernährungsumstellung angedacht werden. Auch ausreichende Bewegung stellt einen Schritt bei der Schlaganfallprävention dar. Die regelmäßige Kontrolle der Blutdruckwerte kann ebenfalls hilfreich sein.
Nachsorge
Beim Alternans-Syndrom stehen Betroffenen nur sehr eingeschränkt Maßnahmen der Nachsorge zur Verfügung. In der Regel ist immer eine medizinische Behandlung notwendig, um die Beschwerden zu lindern und den Tod des Betroffenen zu verhindern. Eine Selbstheilung tritt dabei nicht ein, wobei die Beschwerden auch nicht durch Maßnahmen der Selbsthilfe behandelt werden können.
Die Behandlung erfolgt dabei meist mit Hilfe von Medikamenten oder durch Antibiotika. Der Patient sollte dabei immer auf eine regelmäßige Einnahme achten und auch mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten beachten. Bei Antibiotika ist darauf zu achten, dass während der Einnahme kein Alkohol getrunken werden sollte, um Wechselwirkungen und zusätzliche Nebenwirkungen zu vermeiden. Weiterhin sind häufig Maßnahmen der Physiotherapie notwendig.
Dabei können viele der Übungen auch im eigenen Zuhause wiederholt und durchgeführt werden, wodurch die Rehabilitation des Betroffenen unterstützt wird. Im Falle eines Tumors beim Alternans-Syndrom wird dieser meist durch einen operativen Eingriff entfernt. Nach einem solchen Eingriff sollte sich der Patient immer ausruhen und seinen Körper möglichst schonen. Dabei ist von anstrengenden Aktivitäten oder anderen stressigen Betätigungen abzusehen. Auch der Kontakt zu anderen Patienten des Alternans-Syndroms kann sinnvoll sein, um sich über Therapiemethoden auszutauschen.
Das können Sie selbst tun
Das Alternans-Syndrom muss in jedem Fall durch einen Arzt diagnostiziert und behandelt werden. Welche Maßnahmen die Betroffenen selbst ergreifen können, hängt von der Schwere des Syndroms ab.
Ein schwach ausgeprägtes Alternans-Syndrom kann durch physio- und ergotherapeutische Maßnahmen zumindest gelindert werden. Körperliche Bewegung wirkt den körperlichen Ausfallerscheinungen ebenso entgegen wie regelmäßiger Sport, Yoga oder Pilates. Ergänzend dazu helfen auch diätetische Maßnahmen wie eine ausgewogene Ernährung und der Verzicht auf Genussmittel.
Ein schweres Alternans-Syndrom kann selbstständig nicht behandelt werden. Den Betroffenen bleibt meist nur die Akzeptanz der neurologischen und geistigen Beschwerden. Sobald die Erkrankung akzeptiert wurde, kann die Lebensqualität durch die Bildung neuer Hobbys und einen gesunden Lebensstil nach und nach wieder verbessert werden. Auch die Angehörigen der Betroffenen müssen die neuen Lebensumstände annehmen lernen, sei es durch therapeutische Maßnahmen oder eine Umstellung der bisherigen Lebensgewohnheiten.
Durch Akzeptanz und die Ausschöpfung der medizinischen Möglichkeiten kann trotz Erkrankung wieder eine gewisse Normalität im täglichen Leben hergestellt werden. Der zuständige Arzt kann wertvolle Tipps zum Umgang mit dem Alternans-Syndrom geben und den Weg zurück ins Leben begleiten.
Quellen
- Masuhr, K. F., Masuhr, F., Neumann, M.: Neurologie.
ISBN: 9783131359476
- Hacke, W., Poeck, K.: Neurologie.
ISBN: 9783662468913
- Berlit, P. (Hrsg.): Klinische Neurologie.
ISBN: 9783662606759
- Berlit, P., Biesalski, A.-S.: Basiswissen Neurologie.
ISBN: 9783662717486
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
