Blasenkrebs
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 16. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Blasenkrebs, der auch als Harnblasenkrebs, Harnblasenkarzinom oder Blasenkarzinom bekannt ist, ist eine Krebserkrankung, die vor allem bei älteren Männern auftreten kann. Er entwickelt sich zumeist in der Schleimhaut der Harnblase und kann im Verlauf zu einem bösartigen Tumor werden. Wenn der Blasenkrebs rechtzeitig – etwa bei einer Blasenspiegelung – erkannt wird, sind die Heilungschancen günstig. Typisches und wichtigstes Anzeichen bei Blasenkrebs ist Blut im Urin ohne Schmerzen; seltener kommen brennende Schmerzen beim Wasserlassen hinzu.
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Was ist Blasenkrebs?
Blasenkrebs bezeichnet eine Krebsart, bei der in der Schleimhaut der Harnblase bösartige Tumoren auftreten, die tief in die Blasenwand hineinwachsen können und in weiterer Folge auch auf umliegende Organe übergreifen können. Blasenkrebs ist auch unter dem Namen Harnblasenkarzinom oder Harnblasenkrebs bekannt.
Die Wahrscheinlichkeit, an Blasenkrebs zu erkranken, ist bei Männern etwa drei Mal so hoch wie bei Frauen. Blasenkrebs ist somit eine der häufigsten Krebsarten bei Männern und drei Prozent aller bösartigen Krebserkrankungen sind Tumore der Blase. Die Wahrscheinlichkeit, an Blasenkrebs zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter.
Daher wird Blasenkrebs sehr selten bei Menschen unter vierzig Jahren festgestellt und entwickelt sich meist erst ab einem Alter von sechzig bis achtzig Jahren.
Ursachen für Blasenkrebs
Blasenkrebs wird durch verschiedenste Faktoren begünstigt, doch bisher sind die genauen Ursachen für Blasenkrebs nicht bekannt. Der mit Abstand wichtigste Risikofaktor für Blasenkrebs ist langjähriger Zigarettenkonsum. Etwa die Hälfte aller Erkrankungen geht auf das Rauchen zurück; nach einem Rauchstopp sinkt das Risiko über die Jahre wieder ab. Eine weitere Ursache für Blasenkrebs können chronische Erkrankungen der Harnblase, wie zum Beispiel Blasenentzündungen oder Blasensteine, sein.
Blasenkrebs wird außerdem durch den häufigen Kontakt mit verschiedenen Chemikalien, wie aromatische Amine, begünstigt. So tritt Blasenkrebs in vielen Fällen auch bei Personen auf, die berufsbedingt über lange Zeit solchen Chemikalien ausgesetzt sind oder waren, zum Beispiel in der Gummi-, Farben- oder Lederherstellung. Blasenkrebs kann in diesen Fällen als Berufskrankheit anerkannt werden.
Der Missbrauch verschiedener Schmerzmittel, die Phenacetin enthalten, gilt ebenso als Risikofaktor für Blasenkrebs. Phenacetin ist in Deutschland allerdings seit den 1980er-Jahren nicht mehr im Handel; die heute gebräuchlichen Schmerzmittel bergen dieses Risiko nicht. Blasenkrebs kann auch durch den Befall von Parasiten, die man in tropischen Regionen findet, ausgelöst werden; gemeint ist vor allem die Bilharziose, eine Wurmerkrankung, die in Afrika und im Nahen Osten vorkommt.
Lange Zeit wurde darüber hinaus ein Zusammenhang zwischen dem Genuss künstlicher Süßstoffe und Blasenkrebs vermutet. Dieser Verdacht stammte aus Tierversuchen mit Ratten und hat sich nach heutigem Kenntnisstand für den Menschen nicht bestätigt.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Blasenkrebs ruft zunächst nur wenige, unspezifische Symptome hervor. Das erste Anzeichen sind oft schmerzlose Blutungen mit rötlich-braun gefärbtem Urin. Sichtbares Blut im Urin ohne Schmerzen ist immer verdächtig und muss ärztlich abgeklärt werden – auch dann, wenn es nur ein einziges Mal auftritt und von selbst wieder verschwindet. Im fortgeschrittenen Stadium verspüren viele Patienten Blasenkrämpfe, Schmerzen beim Wasserlassen und einen verstärkten Harndrang, bei dem jedoch nur wenig Urin ausgeschieden wird.
Die Schmerzen sind meist stechend und können bis in die Flanken ausstrahlen. Auch vergrößerte Lymphknoten sowie Venen- oder Lymphstauung sind typische Symptome. Drückt der Tumor auf umliegendes Gewebe oder Organe, können Druckschmerzen und gelegentlich auch Sensibilitätsstörungen und Lähmungen im betroffenen Bereich auftreten. Im weiteren Verlauf können Knochenschmerzen und Funktionsstörungen der Blase hinzukommen.
Schließlich kommt es zu einem vollständigen Harnverhalt und in der Folge zu weiteren Beschwerden. Typisch sind unter anderem Harnstauungen sowie Fieber, das mit dem Fortschreiten des Harnverhalts an Intensität zunimmt. Auch Nierenschmerzen, Koliken und Krämpfe können im Verlauf einer unbehandelten Blasenkrebs-Erkrankung auftreten.
Da sämtliche Symptome auch bei einer Blasenentzündung und ähnlichen Erkrankungen möglich sind, lässt sich Blasenkrebs allein anhand der Beschwerden nicht erkennen. Sicherheit gibt erst eine Blasenspiegelung mit Entnahme einer Gewebeprobe; auf das Abklingen der Beschwerden unter einer Behandlung zu warten, kostet dagegen wertvolle Zeit. Aufgrund der eher unspezifischen Symptome sollte bereits bei ersten Beschwerden der Hausarzt oder ein Urologe konsultiert werden.
Verlauf
Blasenkrebs wird in den meisten Fällen durch das Auftreten von blutigem Urin angekündigt.
Das Blut kann in manchen Fällen mit dem freien Auge ersichtlich sein, kann jedoch auch erst im Zuge eines Urintests festgestellt werden. Schmerzen treten selten auf, jedoch kann es zu einem Brennen während und nach dem Wasserlassen kommen.
Ein vermehrter Harndrang kann bei Blasenkrebs ebenso beobachtet werden. Da diese Symptome auch auf eine harmlose Erkrankung hinweisen können, sollte man beim Auftreten eines oder mehrerer dieser Symptome einen Urologen konsultieren.
Dieser kann anhand verschiedener Untersuchungen, wie Blasenspiegelungen, Ultraschalls, Proteinmuster-Analysen oder Gewebeproben feststellen, ob es sich um Blasenkrebs handelt. Wenn bereits ein großer Tumor besteht, kann es bei Patienten außerdem zu vollkommenem Harnstau kommen.
Komplikationen
Je früher das Blasenkarzinom entdeckt und somit behandelt wird, desto besser sind die Überlebenschancen des Betroffenen und desto geringer ist das Risiko für Komplikationen. Metastasen, also Tochtergeschwülste, die vom Tumor aus über den Blutkreislauf auf andere Organe streuen können, bilden sich meistens erst, wenn der Blasenkrebs die Muskelschicht der Harnblase erreicht hat.
Diese bietet aufgrund der guten Durchblutung eine breite Angriffsfläche für Metastasen. Damit sinken auch die Überlebenschancen. Häufig tritt nach einem überstandenen Karzinom ein weiteres auf, weshalb die Nachsorge und regelmäßige Untersuchungen sehr wichtig sind. Eine Chemotherapie kann das Risiko für wiederholtes Auftreten senken.
Die unterschiedlichen Therapieformen bergen ebenfalls einige Risiken. Chirurgische Eingriffe können dazu führen, dass weniger Urin in der Blase gehalten werden kann. Außerdem sind Frauen nach einer vollständigen Entfernung nicht mehr gebärfähig und Männer unter Umständen impotent. In den Tagen nach der Operation treten Schmerzen auf, gegen die entsprechende Mittel verschrieben werden.
Eine Chemotherapie der Blase kann neben normalen Reizungen und Beschwerden zu einer Nierenschädigung führen. Nebenwirkungen einer Immuntherapie sind Blut im Urin sowie grippeähnliche Symptome, die von einfacher Abgeschlagenheit über Fieber und Durchfall reichen können.
Zu den möglichen Komplikationen eines Eingriffs an der Harnblase zählen außerdem:
- Verletzung der Harnröhre oder des Harnleiters,
- erhöhte Blutungsneigung,
- Beeinträchtigung von Nachbarorganen.
Da Blasentumoren eine hohe Rezidivrate aufweisen, garantiert die erfolgreiche Entfernung keine lebenslange Heilung. Wer einmal einen Blasentumor hatte, sollte deshalb die empfohlenen Nachsorgeuntersuchungen konsequent wahrnehmen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Blasenkrebs äußert sich zu Beginn nur durch geringe oder gar keine Beschwerden, wodurch es schwer ist, ihn zu erkennen. Hinzu kommt, dass auch harmlose Harnwegserkrankungen ähnliche Symptome verursachen können. Ist der Tumor in der Blase diagnostiziert und behandelt, ist es wichtig, bei erneuten Beimengungen von Blut im Urin oder Schmerzen beim Wasserlassen umgehend einen Facharzt für Urologie aufzusuchen. Auch Symptome wie Harnstau sowie Störungen beim Entleeren der Blase sind Anlass, einen Urologen zu konsultieren.
Sollte der Tumor bereits in andere Organe gestreut haben, ist es notwendig, auch andere Fachärzte hinzuzuziehen. Neben oder anstelle einer operativen Behandlung kann die Strahlentherapie eine Alternative sein. Über diese Behandlung entscheidet dann ein Facharzt für Radiologie.
Darüber hinaus beurteilen Radiologen auch die Lage des Tumors mittels spezieller Untersuchungen, wie der Computertomographie oder der Kernspintomographie. Für den Fall, dass der Blasenkrebs so weit fortgeschritten ist, dass keine Heilungschancen bestehen, übernimmt ein Facharzt für Schmerztherapie/Palliativmedizin die weitere Behandlung.
Behandlung & Therapie
Blasenkrebs kann, wenn er früh diagnostiziert wird, gut behandelt werden. Die Behandlung, die eingeleitet wird, hängt von der Größe und Position des Tumors ab. Bei Blasenkrebs wird zwischen oberflächlichen (nicht muskelinvasiven) und muskelinvasiven Tumoren unterschieden; von dieser Einteilung hängt die gesamte weitere Behandlung ab. Oberflächliche Tumoren können durch eine eher unkomplizierte Operation entfernt werden. Dabei trägt der Arzt den Tumor bei einer Blasenspiegelung durch die Harnröhre hindurch ab (transurethrale Resektion, kurz TUR-B). Je nach Rückfallrisiko wird anschließend ein Medikament direkt in die Blase eingebracht (Instillationstherapie) – entweder ein Zellgift wie Mitomycin oder der Impfstoff BCG, der die körpereigene Abwehr gegen die Tumorzellen richtet. In vielen Fällen können jedoch auch nach erfolgreichen Eingriffen immer wieder erneute Blasentumore auftreten. Aus diesem Grund werden nach der Operation regelmäßige Untersuchungen durchgeführt und Medikamente verordnet.
Bei muskelinvasiven Tumoren, die bereits in die Blasenwand und darüber hinaus gewachsen sind, ist meist eine größere Operation notwendig. Hier wird die gesamte Blase entfernt (Zystektomie) und die Harnableitung umgeleitet. In der Regel müssen dabei bei Männern die Prostata und bei Frauen die Gebärmutter mit entfernt werden. Die Operationen werden teilweise entweder von einer Chemotherapie begleitet oder ersetzt. Heute wird der Entfernung der Blase in der Regel eine Chemotherapie vorgeschaltet (neoadjuvante Chemotherapie), weil sich damit die Heilungsaussichten verbessern lassen. Blasenkrebs kann geheilt werden, vor allem wenn er frühzeitig erkannt wird.
Aussicht & Prognose
Die Heilungschancen eines Patienten mit Blasenkrebs hängen von mehreren Faktoren ab. Handelt es sich um einen oberflächlich auftretenden Blasenkrebs, so hat der Patient die besten Aussichten auf Heilung, insofern die notwendige Therapie zeitnah durchgeführt wird. Zusätzlich ergibt sich eine hohe Chance auf Heilung, wenn bei einem muskelinvasiven Tumor die Blase rechtzeitig entfernt wird und der Tumor noch nicht durch die Wand der Blase gedrungen ist. Dies sind die Fälle, bei denen sehr gute Heilungschancen bestehen.
Kommt es zur Streuung des Krebses, so sind die Chancen auf Heilung gering. Als Streuung wird der Vorgang bezeichnet, bei dem der Krebs die Lymphknoten befällt und es auch zur Bildung von Metastasen in anderen Organen außer der Blase kommt. In diesem Fall wird meist eine Chemotherapie durchgeführt, die jedoch oft nicht zur Genesung, sondern zum Aufhalten des Fortschreitens des Krebses verwendet wird. Seit einigen Jahren stehen bei fortgeschrittenem Blasenkrebs zusätzlich Immuntherapien mit sogenannten Checkpoint-Hemmern zur Verfügung, die das körpereigene Abwehrsystem gegen die Tumorzellen richten. Die angewendeten Therapien bei Metastasen haben das Ziel, dem Patienten eine Linderung zu verschaffen. Dazu zählt es, den Patienten so gut wie möglich von Schmerzen zu befreien.
Zusammenfassend ist anzumerken, dass je früher der Krebs entdeckt wird und je früher die nötige Therapie eingeleitet wird, umso höher die Heilungschancen des Patienten sind.
Das können Sie selbst tun
Bei einer Blasenkrebs-Erkrankung sollten sämtliche Behandlungsschritte und Begleitmaßnahmen in Zusammenarbeit mit dem Arzt erarbeitet werden. In Ergänzung dazu können Betroffene ihr Allgemeinbefinden durch eine Reihe von Hausmittel und Tricks verbessern.
Zunächst bieten sich diätische Maßnahmen an. Lebensmittel wie Kohlgemüse und Olivenöl sind Bestandteil einer gesunden Ernährung und unterstützen das Allgemeinbefinden; die Krebsbildung hemmen oder eine Heilung bewirken können sie jedoch nicht. Um Blasenschleimhaut, Harnwege und Niere zu schützen, sollte außerdem ausreichend getrunken werden.
Zudem empfiehlt es sich, Genussmittel wie Alkohol und Koffein vom Speiseplan zu streichen und vor allem das Rauchen aufzugeben. Welche Ernährung im Detail in Frage kommt, kann im Rahmen einer Ernährungsberatung festgestellt werden. Eine entsprechende Beratung, die in vielen Krankenhäusern und Reha-Kliniken angeboten wird, gibt auch Auskunft über mögliche sportliche Aktivitäten mit Blasenkrebs.
Nach einer längeren Erkrankung lässt sich durch regelmäßige Bewegung meist auch die Lebensqualität wieder verbessern. Der Weg zurück in den Alltag und der Umgang mit der Erkrankung kann überdies durch Gespräche mit einem Therapeuten erleichtert werden. Der behandelnde Arzt kann weitere Möglichkeiten zur Selbsthilfe während einer Blasenkrebs-Erkrankung aufzeigen.
Quellen
- Rübben, H. (Hrsg.): Uroonkologie.
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- Schmelz, H.-U., Sparwasser, C., Weidner, W. (Hrsg.): Facharztwissen Urologie.
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- Böcker, W., Denk, H., Heitz, P. U., Moch, H. (Hrsg.): Lehrbuch Pathologie.
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- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
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