Brustvergrößerung
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Für viele Frauen ist sie eine Entscheidung aus ästhetischen Gründen, für andere eine medizinische Notwendigkeit: die Brustvergrößerung.
Was ist eine Brustvergrößerung?
Die Beschäftigung der Medizin mit der weiblichen Brust ist keine Entwicklung der Moderne. Vielmehr gab es schon zum Ende des 19. Jahrhunderts erste Versuche einer Brustvergrößerung bzw. zur Veränderung ihrer Gestalt. Als Pionier gilt dabei der deutsche Onkologe, Chirurg und Hochschullehrer Vincenz Czerny.
Er versuchte, die Brüste einer Frau, die wegen ihres Krebsleidens chirurgisch entfernt wurden, wiederaufzubauen. Dabei verwendete der deutsche Chirurg Fettgeschwülste (Lipome). Von Erfolg war seine Methode aber nicht gekrönt. Obwohl der Brustersatzstoff aus körpereigenem Fettgewebe bestand, wurde er nach seinem Einsatz in den Körper der Patientin nicht ausreichend mit Blut versorgt.
Auch in den folgenden Jahrzehnten kam es zu keinem Durchbruch. Dabei wurden von Rinderknorpel, Wolle, Glaskugel bis hin zu Elfenbein alle erdenklichen Brustersatzstoffe erprobt. Erst Anfang der Sechziger des 20. Jahrhunderts entdeckten US-Amerikaner, dass Silikon als taugliches Mittel in Betracht käme. Anders als die vorherigen Mittel erzeugte das Mittel in Versuchsreihen weder Fremdkörperreaktionen der Patienten, noch erwies es sich als nur kurzfristig brauchbares Mittel, das nach kurzer Zeit seine Struktur verliert und entfernt werden müsste.
Dies war eines der wichtigsten Meilensteine in der Geschichte der Brust-OP, die heute nicht nur aus ästhetischen Gründen, sondern teilweise auch medizinischen Gründen erfolgen. Allein in Deutschland werden derzeit jährlich bis zu 20.000 Brustvergrößerungen vorgenommen; über die Hälfte der Fälle entfallen dabei auf Frauen, die 25 Jahre und jünger sind.
Funktion, Wirkung & Ziele
Als ersten Schritt schneidet der Chirurg eine Hauttasche unterhalb der Brust, durch die die Implantate anschließend eingeführt werden. Wo die Implantate im Endeffekt platziert werden, kommt auf die Statur der Patientin an. Bei schlanken Frauen kann es notwendig sein, das Implantat teilweise oder gänzlich unterhalb des Brustmuskels zu platzieren, da sonst die darauf liegende Hautschicht zu dünn wäre.
Bei allen anderen Frauen wird das Implantat oberhalb des Brustmuskels untergebracht. Zwar verheilt die Hauttasche in der Regel dergestalt gut, dass die zurückbleibende Narbe kaum noch sichtbar ist.
Trotzdem kann, vor allem dann, wenn wegen der Statur der Patientin Wundheilungsstörungen und starke Narbenbildungen zu befürchten sind, die Hauttasche auch unter den Achseln vorgenommen werden. Bei dieser Methode werden die Implantate endoskopisch an ihren Bestimmungsort gebracht. Lange Zeit galt die Verwendung von Eigenfett anstelle von Silikonimplantaten als nicht ausgereift. Nach heutigem Kenntnisstand ist der Eigenfetttransfer ein etabliertes Verfahren; damit lässt sich allerdings nur eine begrenzte Vergrößerung erreichen, weil ein Teil des verpflanzten Fettgewebes vom Körper wieder abgebaut wird.
Bei den Implantaten besteht die Außenhülle aus Silikon; als Füllung wird heute überwiegend ein zähfestes (kohäsives) Silikongel verwendet. Daneben gibt es Implantate, die mit einer Kochsalzlösung gefüllt werden.
Die Vorteile von Kochsalzfüllungen sind erstens der Umstand, dass sie sich langfristig in ihrer Struktur nicht verändern und darüber hinaus nicht giftig sind, sowie zweitens, dass die Implantate erst nach ihrem Einsetzen gefüllt werden können, was eine kleinere Hauttasche notwendig macht.
Nach der erfolgreichen Operation, die im Regelfall nur wenige Stunden dauert, muss die Patientin zum Zwecke ärztlicher Kontrolluntersuchung einige Stunden in ärztlicher Obhut verbleiben, allein schon wegen des Umstandes, dass die Brustvergrößerung normalerweise unter Vollnarkose erfolgt.
Bis zu einer Woche nach ihrer Entlassung bleibt die Patientin arbeitsunfähig; bis zu sechs Wochen nach einem Eingriff dürfen körperlich belastende Tätigkeiten nicht vorgenommen werden, da die Brustmuskeln sich erst noch auf ihre neue Umgebung (Implantate) einstellen müssen.
Darüber hinaus wird empfohlen, mehrere Monate nach der Brustvergrößerung medizinische Brusthalter zu tragen, um einem "Verrutschen" der Implantate in dieser Zeit vorzubeugen.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Der menschliche Körper neigt dazu, Fremdkörper mit einer aus Narbengewebe bestehenden Kapsel einzuschließen. Diese können sich verhärten und zu Schmerzen und im schlimmsten Fall zu Verformungen der Brust führen. Ferner ist zu beachten, dass es sich bei Brustimplantaten um keine lebenslangen Vorrichtungen handelt; es ist davon auszugehen, dass innerhalb von 10 Jahren 20-40 Prozent aller Patienten mit einer Brustvergrößerung erneut behandelt werden müssen. Das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, wird durch die Implantate nach heutigem Kenntnisstand nicht erhöht. Bekannt ist jedoch das sehr seltene implantatassoziierte anaplastische großzellige Lymphom (BIA-ALCL), das vor allem im Zusammenhang mit texturierten Implantaten beschrieben wurde. Frauen mit Implantaten sollten die Brust deshalb regelmäßig ärztlich kontrollieren lassen; anhaltende Schwellungen, Verhärtungen oder Schmerzen sollten zeitnah untersucht werden.
Weitere Symptome und Beschwerden, die nach einer Brustvergrößerung auftreten können sind: Blutergüsse, Schwellungen, Brustspannen, Schmerzen im Bereich der Operationswunde.
Vorbereitung & Beratung
Vor dem Eingriff steht ein ausführliches Beratungsgespräch. Darin werden der Wunsch der Patientin, die körperlichen Voraussetzungen und die realistisch erreichbaren Ergebnisse abgeglichen. Beurteilt werden dabei unter anderem die Beschaffenheit und Dicke des Hautmantels, die Elastizität der Haut, vorhandene Größenunterschiede zwischen beiden Seiten, die Lage der Brustwarzen und die Breite des Brustkorbs. Aus diesen Angaben ergibt sich, welche Implantatgröße und welche Lage überhaupt in Frage kommen: Ein Implantat, das breiter ist als die vorhandene Brustbasis, führt zu einem unnatürlichen Ergebnis und belastet das Gewebe zusätzlich.
Zur Aufklärung gehört, dass die Patientin über die möglichen Komplikationen, über den zu erwartenden Narbenverlauf und über die Notwendigkeit späterer Nachoperationen informiert wird. Zwischen Aufklärung und Eingriff soll genügend Bedenkzeit liegen. Bei rein ästhetisch begründeten Eingriffen wird ausdrücklich davon abgeraten, sich zu einem Termin drängen zu lassen.
Vor der Operation werden Vorerkrankungen, Allergien und die Einnahme von Medikamenten erfragt. Blutverdünnende Mittel und bestimmte Schmerzmittel müssen unter Umständen vorher pausiert oder umgestellt werden; das entscheidet ausschließlich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Rauchen verschlechtert die Wundheilung, weshalb zu einer Nikotinpause vor und nach dem Eingriff geraten wird. Da eine Brustvergrößerung in Vollnarkose erfolgt, ist außerdem ein Gespräch mit der Anästhesie Teil der Vorbereitung. Empfohlen wird zudem, den Eingriff erst nach abgeschlossener Brustentwicklung und bei stabilem Gewicht vornehmen zu lassen, weil starke Gewichtsschwankungen das Ergebnis verändern.
Implantate: Füllung, Form und Oberfläche
Implantate unterscheiden sich nicht nur in der Größe, sondern in mehreren Eigenschaften, die das Ergebnis und die möglichen Komplikationen beeinflussen. Die Füllung besteht heute überwiegend aus einem zähfesten Silikongel; daneben gibt es Kochsalzfüllungen. Kochsalzimplantate fühlen sich weniger natürlich an und können mit der Zeit an Volumen verlieren, wenn die Hülle undicht wird – ein solcher Verlust fällt allerdings rasch auf, während ein Riss bei einem Silikonimplantat oft unbemerkt bleibt.
Bei der Form wird zwischen runden Implantaten und anatomisch geformten, sogenannten Tropfen- oder Teardrop-Implantaten unterschieden. Runde Implantate betonen die obere Brusthälfte stärker; anatomische Implantate ahmen die natürliche Verteilung des Brustgewebes nach, können sich aber verdrehen, was das äußere Erscheinungsbild verändert und eine Korrektur nötig machen kann.
Die Oberfläche der Hülle kann glatt oder texturiert, also aufgeraut, sein. Texturierte Oberflächen wurden entwickelt, um das Verrutschen und Verdrehen der Implantate zu verringern. Stark texturierte Implantattypen stehen jedoch im Zusammenhang mit dem sehr seltenen implantatassoziierten Lymphom; einzelne dieser Produkte sind aus diesem Grund vom Markt genommen worden. Ein festes Verfallsdatum haben Implantate nicht. Ausgetauscht werden sie, wenn sie beschädigt sind, sich verlagert haben oder Beschwerden verursachen. Jede Patientin erhält einen Implantatpass mit Angaben zu Hersteller, Typ und Oberfläche des eingesetzten Produkts; er sollte aufbewahrt und zu Kontrollterminen mitgenommen werden.
Wann von dem Eingriff abgeraten wird
Eine Brustvergrößerung ist ein Wahleingriff, der sich verschieben oder ganz unterlassen lässt. Abgeraten wird davon unter anderem bei akuten Infektionen, bei nicht abgeschlossener Brustentwicklung, bei unbehandelten oder schlecht eingestellten Vorerkrankungen und bei allem, was die Wundheilung erheblich stört – etwa bei fortgesetztem starkem Rauchen, bei ausgeprägtem Übergewicht oder bei schlecht eingestelltem Diabetes mellitus.
Auch die Schwangerschaft und die Stillzeit sind keine geeigneten Zeitpunkte. Wer eine Schwangerschaft plant, wird häufig zum Abwarten geraten, weil sich Brustvolumen und Hautspannung dadurch verändern können.
Ein eigener Punkt ist die Motivation. Wenn eine Patientin sich einen Eingriff von einer Beziehung, von beruflichem Erfolg oder vom Urteil anderer erhofft, oder wenn eine ausgeprägte Störung des Körperbildes vorliegt, wird von der Operation abgeraten. Ein chirurgischer Eingriff kann ein solches Problem nicht lösen; erfahrungsgemäß bleibt die Unzufriedenheit bestehen und richtet sich anschließend auf das Operationsergebnis.
Nachsorge & Kontrollen
Nach dem Eingriff sind Schwellung, Spannungsgefühl, Blutergüsse und eine eingeschränkte Beweglichkeit der Arme in der ersten Zeit üblich. Ein spezieller Stütz-BH ohne Bügel wird für mehrere Wochen getragen, um den Implantaten Halt zu geben, solange sich die Gewebetasche noch nicht gefestigt hat. Wundkontrollen und das Entfernen der Fäden erfolgen nach Vorgabe der Klinik oder Praxis.
Das endgültige Ergebnis ist erst nach Monaten zu beurteilen. Bis dahin verändern sich Form und Lage der Brust noch, weil die Schwellung zurückgeht und die Implantate sich in ihrer Tasche setzen. Auch die Narben reifen über einen längeren Zeitraum: Sie sind zunächst gerötet und verblassen erst allmählich.
Ein Teil der Sensibilität an Brustwarze und Haut kann vorübergehend oder dauerhaft verändert sein, weil bei der Operation Hautnerven durchtrennt werden; Taubheitsgefühl und Missempfindungen bilden sich nicht in jedem Fall zurück. Anhaltende Schmerzen, zunehmende Schwellung, Rötung, Fieber oder eine plötzliche Formveränderung sind Gründe, sich unabhängig vom vereinbarten Termin ärztlich vorzustellen. Da Implantate Fremdkörper sind und über Jahre im Körper verbleiben, gehören regelmäßige ärztliche Kontrollen der Brust dauerhaft zur Nachsorge – auch dann, wenn keine Beschwerden bestehen.
Brustvergrößerung und Brustkrebsfrüherkennung
Implantate erhöhen nach heutigem Kenntnisstand nicht das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Sie erschweren aber die Untersuchung: In der Mammographie ist ein Silikonimplantat für Röntgenstrahlen undurchlässig und verdeckt einen Teil des Drüsengewebes. Deshalb kommen bei Frauen mit Implantaten zusätzliche Aufnahmen zum Einsatz, bei denen das Implantat nach hinten verdrängt und das davorliegende Gewebe getrennt abgebildet wird. Ergänzend werden häufig der Ultraschall und, in besonderen Fällen, die Magnetresonanztomographie (Kernspintomographie) genutzt.
Für die Frau bedeutet das vor allem eines: Sie sollte das untersuchende Personal vor jeder Bildgebung auf die Implantate hinweisen. An der Empfehlung, die regelmäßigen Früherkennungsuntersuchungen wahrzunehmen, ändern Implantate nichts (siehe Brustkrebs Früherkennung). Auch die Beobachtung der eigenen Brust bleibt sinnvoll, weil neue Verhärtungen, einseitige Schwellungen oder Hautveränderungen so früher auffallen und ärztlich abgeklärt werden können.
Schwangerschaft & Stillen
Eine Schwangerschaft nach einer Brustvergrößerung ist möglich. Ob anschließend gestillt werden kann, hängt vor allem davon ab, wie operiert wurde: Bleiben Drüsenkörper und Milchgänge unversehrt und wurde der Zugang nicht über den Warzenhof gewählt, ist das Stillen in der Regel möglich. Werden Milchgänge oder die versorgenden Nerven durchtrennt, kann die Milchbildung oder der Milchfluss beeinträchtigt sein.
Vom Silikon selbst geht nach derzeitigem Kenntnisstand kein Risiko für das gestillte Kind aus. Sinnvoll ist es, den Kinderwunsch schon im Beratungsgespräch anzusprechen, damit die Schnittführung entsprechend gewählt werden kann. Zu bedenken ist außerdem, dass sich die Brust während Schwangerschaft und Stillzeit verändert und das ästhetische Ergebnis danach ein anderes sein kann als zuvor.
Abgrenzung zu ähnlichen Eingriffen
Die Brustvergrößerung wird häufig mit anderen Eingriffen an der Brust verwechselt oder mit ihnen kombiniert. Von ihr zu unterscheiden ist die Bruststraffung: Dabei wird kein Volumen hinzugefügt, sondern überschüssige Haut entfernt und der Brustkörper angehoben. Hängt die Brust ausgeprägt, reicht ein Implantat allein oft nicht aus; dann werden beide Verfahren miteinander verbunden.
Der Gegenpol ist die Brustverkleinerung, bei der Drüsengewebe, Fett und Haut entfernt werden, um Größe und Gewicht der Brust zu verringern. Sie wird überwiegend wegen körperlicher Beschwerden durchgeführt und deshalb anders bewertet als ein rein ästhetischer Eingriff.
Von beiden abzugrenzen ist die Brustrekonstruktion, also der Wiederaufbau einer Brust nach einer Krebsbehandlung. Sie verwendet zwar teilweise dieselben Implantate, verfolgt aber ein anderes Ziel und wird unter anderen Bedingungen durchgeführt: Der Hautmantel ist verändert, häufig bestrahlt, und der Eingriff ist Teil der Behandlung einer Erkrankung.
Kosten & Kostenübernahme
Eine aus ästhetischen Gründen gewünschte Brustvergrößerung ist eine Selbstzahlerleistung. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen sie nicht, und auch die Folgekosten, die durch einen solchen Eingriff entstehen – etwa die Behandlung von Komplikationen oder spätere Korrekturoperationen – können den Versicherten anteilig in Rechnung gestellt werden. Vor dem Eingriff sollte deshalb ein schriftlicher Kostenvoranschlag vorliegen, aus dem hervorgeht, welche Leistungen enthalten sind und welche zusätzlich anfallen können, etwa Narkose, Klinikaufenthalt, Implantate, Nachkontrollen und Verbandsmaterial.
Anders liegt der Fall, wenn ein medizinischer Grund vorliegt, etwa der Aufbau nach einer Brustentfernung wegen einer Erkrankung oder eine ausgeprägte Fehlbildung. Dann kann eine Kostenübernahme in Betracht kommen; sie muss vorher beantragt und von der Krankenkasse bewilligt werden, in der Regel nach einer Begutachtung. Ein genereller Anspruch besteht nicht. Weitere praktische Hinweise zur Auswahl der Klinik und zum Beratungsgespräch enthält der Ratgeber Brustvergrößerung: Darauf sollten Sie bei einer OP achten.
Quellen
- Heimburg, D. von, Richter, D. F., Lemperle, G.: Ästhetische Chirurgie.
ISBN: 9783609768649
- Momeni, A., Hirche, C. (Hrsg.): Facharztwissen Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie.
ISBN: 9783662701966
- Bingöl, A.: Plastische und Ästhetische Chirurgie.
ISBN: 9783437414848
- Kaufmann, M., Costa, S. D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie.
ISBN: 9783642209222
- Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
ISBN: 9783132431874
