Capsaicin

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 3. Mai 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Capsaicin ist ein Alkaloid der Paprika. Die biologische Substanz ist als Speisewürze bekannt, kommt aber auch in der Phytomedizin zum Einsatz. Die Reizung der Wärmerezeptoren ist die Hauptwirkung von Capsaicin.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Capsaicin?

Capsaicin ist ein Alkaloid der Paprika. Die Reizung der Wärmerezeptoren ist die Hauptwirkung von Capsaicin, z.B. durch Wärmepflaster.

Capsaicin ist ein Naturstoff, der in der Paprika (Capsicum) enthalten ist. Besonders die als Chili bezeichneten Sorten weisen Capsaicin in hohen Konzentrationen auf.

Capsaicin zählt zu den Alkaloiden, das sind alkalische (laugenartige) biogene Stickstoffverbindungen. Wie die meisten Alkaloide ist auch Capsaicin hervorragend fettlöslich. Alkaloide kommen in fast allen Nachtschattengewächsen aber auch anderen Pflanzen vor. Sie sind teils als giftig, in medizinischer Dosierung aber auch als Heilmittel bekannt (Beispiele: Das Solanin der Kartoffel, Koffein oder Morphin).

Capsaicin ist in den Früchten der Paprika Teil des Sekundärstoffwechsels der Pflanze. Das bedeutet, dass Capsaicin für die Pflanze zwar nicht lebensnotwendig ist, aber einen Vorteil im „Kampf ums Dasein“ darstellt. Die würzende und auch heilende Wirkung der Paprika beruht im Wesentlichen auf Capsaicin.

Pharmakologische Wirkung

Capsaicin reizt die Schmerzrezeptoren in der Haut und Schleimhaut. Diese „Nozizeptoren“ sind Endigungen von sensorischen Nervenzellen, die auch Hitze und das Gefühl einer Verbrennung registrieren und ans Gehirn weiterleiten. Dort entsteht die Wahrnehmung der bekannten Schärfe, die also im Grunde eine Hitzewahrnehmung ist. Die Wahrnehmung beruht also nicht auf einem Temperaturreiz, sondern auf einem einen biochemischen Effekt. Daher kann man von einer Art Halluzination sprechen. (Analog dazu ist die Wirkung des Menthols im Bereich der Kältewahrnehmung).

Da unser Körper unter dem Einfluss von Capsaicin Wärme oder Hitze empfindet, kommt es zu einer Reihe von Abwehrreaktionen. Zunächst erweitern sich die Kapillaren in der Haut und Schleimhaut (Vasodilatation), woraus eine gesteigerte Durchblutung resultiert. Diese führt nun ihrerseits zu einer physikalischen, also „tatsächlichen“ Wärmeentwicklung. Über den Weg der nervösen und hormonellen Steuerung kommt es beim Kontakt mit Capsaicin zur verstärkten Speichelsekretion und zu einer gesteigerten Magensaftausschüttung. Außerdem versucht der Organismus, sich gegen die vermeintliche Hitzeentwicklung mit Tränenfluss und Schweißabsonderung zu wehren.

Neben diesen direkten Wirkungen auf den Organismus hat Capsaicin auch antibiotische Eigenschaften. Die Abtötung von bakteriellen Krankheitserregern und Pilzen ist bestimmend für die desinfizierende Wirkung von Capsaicin.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Capsaicin ist aufgrund seiner wärmenden und durchblutungsfördernden Eigenschaften in einigen Medikamenten enthalten. Wärmepflaster mit Capsaicin lindern die Beschwerden bei Ischialgie oder rheumatisch bedingten Schmerzen.

Zwar werden die Ursachen der betreffenden Krankheitsbilder durch Capsaicin nicht beseitigt, aber es verschafft dem Patienten eine gewisse Erleichterung. Bei Muskelschmerzen allerdings wird durch eine verbesserte Saustoffversorgung die Selbstheilungskraft des Gewebes gestärkt. Ähnlich könnte es in der Behandlung der Fibromyalgie wirken. Gegen dieses „mutlilokuläre Schmerzsyndrom“ wird der Einsatz von Capsaicin diskutiert.

Daneben gilt Capsaicin als Mittel gegen Juckreiz. Der Wirkmechanismus ist allerdings ungeklärt, genauso wie der ursächliche Effekt, den Capsaicin auf Schuppenflechte hat. In geringer Dosierung wird Capsaicin in Salben gegen Nervenschmerzen eingesetzt, wobei die Wirkung nicht sofort, sondern einige Tage verzögert eintritt.

Capsaicin dient als Speisewürze zur Appetitanregung und als verdauungsförderndes Mittel. Nicht unerwähnt bleiben sollte auch die Anwendung von Capsaicin als verbotenes Dopingmittel im Reitsport. Die zur Selbstverteidigung und zur Abwehr von Schädlingen bekannten Pfeffersprays enthalten ebenfalls Capsaicin.


Verabreichung & Dosierung

Capsaicin, ein natürlicher Bestandteil von Chilischoten, wird als topisches Schmerzmittel verwendet, um vor allem Schmerzen durch Erkrankungen wie Arthritis, Muskelverspannungen und neuropathische Schmerzen zu lindern. Die Verabreichung von Capsaicin erfordert jedoch besondere Vorsicht.

Anwendung: Capsaicin wird in Form von Cremes, Salben, Pflastern und Gelen auf die Haut aufgetragen. Es sollte auf die betroffene Stelle aufgetragen und gründlich eingerieben werden. Kontakt mit Augen, Schleimhäuten und empfindlichen Hautpartien ist zu vermeiden.

Dosierung: Die Dosierung hängt von der Stärke des Produkts ab. In der Regel empfiehlt es sich, die betroffene Stelle zwei- bis viermal täglich zu behandeln. Die Wirkung kann sich mit regelmäßiger Anwendung verstärken, jedoch kann es auch zu einer Toleranzentwicklung kommen, was eine Anpassung der Dosis oder Anwendungshäufigkeit erforderlich macht.

Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen: Während Capsaicin für die meisten Menschen sicher ist, können Nebenwirkungen wie Brennen, Rötung und Hautreizungen auftreten, insbesondere bei empfindlicher Haut. Es ist ratsam, die Anwendung zunächst an einer kleinen Hautpartie zu testen. Menschen mit bekannten Allergien oder Hautproblemen sollten vor der Verwendung einen Arzt konsultieren. Schwangere und stillende Frauen sollten ebenfalls ärztlichen Rat einholen, bevor sie Capsaicin verwenden.

Fazit: Capsaicin kann effektiv zur Schmerzlinderung eingesetzt werden, erfordert jedoch eine sorgfältige Anwendung und Dosierung, um optimale Ergebnisse zu erzielen und Nebenwirkungen zu minimieren.

Risiken & Nebenwirkungen

Capsaicin sollte aufgrund seiner stark reizenden Eigenschaften stets vorsichtig und in den vorgeschrieben Dosierungen angewendet werden. Sonst können sich unangenehme Hauterscheinungen wie Juckreiz zeitigen.

Sogar Ausschlag mit Blasenbildung kann Capsaicin zur Folge haben. Daher empfiehlt es sich, bei der Applikation von Cremes, die Capsaicin enthalten, stets Einmalhandschuhe zu tragen. Capsaicin sollte bei äußerlicher Anwendung immer nur auf den Zielort gelangen, besonders die empfindlichen Schleimhäute müssen geschont werden! Säuglinge und Kleinkinder dürfen in keinem Fall mit dem Alkaloid behandelt werden.

Die orale Aufnahme von Capsaicin (Speisewürze) kann Atemnot und Übelkeit hervorrufen. Bei den in berechtigter Kritik stehenden Wettkämpfen von Chilifanatikern sind daher immer Notärzte anwesend. Dies mahnt zur nötigen Vorsicht im Umgang mit Capsaicin.

Kontraindikationen

Capsaicin, bekannt für seine schmerzlindernden Eigenschaften, hat auch einige Kontraindikationen, die vor der Anwendung beachtet werden sollten.

Hautirritationen und Allergien: Menschen mit bekannten Allergien gegen Capsaicin oder andere Bestandteile der Creme sollten es nicht verwenden. Capsaicin kann bei empfindlicher Haut zu starken Irritationen führen. Vor der großflächigen Anwendung ist daher ein Patch-Test auf einer kleinen Hautstelle ratsam.

Offene Wunden und beschädigte Haut: Capsaicin sollte nicht auf offene Wunden, Schnitte oder gereizte Haut aufgetragen werden, da dies zu starken Schmerzen und weiteren Irritationen führen kann.

Kinder und ältere Menschen: Die Anwendung bei kleinen Kindern sollte vermieden werden, da sie empfindlicher auf Capsaicin reagieren können. Ältere Menschen sollten vorsichtig sein, da sie eine empfindlichere Haut haben und anfälliger für Nebenwirkungen sind.

Atemprobleme: Personen mit Atemproblemen wie Asthma oder chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) sollten Capsaicin mit Vorsicht verwenden, da die Dämpfe bei der Anwendung Atembeschwerden verursachen können.

Schwangerschaft und Stillzeit: Während Schwangerschaft und Stillzeit wird empfohlen, vor der Anwendung von Capsaicin einen Arzt zu konsultieren, da die Sicherheit nicht eindeutig nachgewiesen ist.

Es ist wichtig, die individuelle Gesundheit und die spezifischen Bedingungen zu berücksichtigen, bevor Capsaicin angewendet wird. Ein Arzt oder Apotheker kann die besten Ratschläge zur sicheren Verwendung geben.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Capsaicin kann mit anderen Medikamenten interagieren, obwohl die systemische Absorption bei topischer Anwendung minimal ist. Es ist dennoch wichtig, potenzielle Interaktionen zu beachten, um die Sicherheit zu gewährleisten.

Topische Arzneimittel: Bei gleichzeitiger Anwendung anderer topischer Präparate an derselben Stelle kann die Wirksamkeit von Capsaicin oder des anderen Arzneimittels beeinträchtigt werden. Es wird empfohlen, mindestens eine Stunde Abstand zwischen den Anwendungen zu lassen.

Blutdruckmedikamente: Capsaicin kann den Blutdruck beeinflussen. Personen, die blutdrucksenkende Medikamente einnehmen, sollten Vorsicht walten lassen und ihren Arzt informieren, um die Notwendigkeit von Anpassungen zu beurteilen.

Antikoagulantien: Capsaicin kann bei empfindlichen Personen leichte Hautreizungen oder Blutungen verursachen. Daher sollten Personen, die blutverdünnende Medikamente einnehmen, vorsichtig sein, da selbst kleine Hautirritationen bei ihnen problematisch sein können.

ACE-Hemmer: Patienten, die ACE-Hemmer einnehmen, könnten eine erhöhte Sensibilität für die Nebenwirkungen von Capsaicin aufweisen, insbesondere für Husten oder Halsschmerzen.

Andere Schmerzmittel: Die gleichzeitige Anwendung von Capsaicin mit anderen Schmerzmitteln kann zu verstärkten Nebenwirkungen führen. Die Einnahme anderer Schmerzmittel sollte daher mit Bedacht erfolgen.

Es ist ratsam, einen Arzt zu konsultieren, bevor Capsaicin zusammen mit anderen Medikamenten verwendet wird, um potenzielle Wechselwirkungen zu minimieren und die Sicherheit zu gewährleisten.

Alternative Behandlungsmethoden

Für Personen, die Capsaicin nicht vertragen oder bei denen es kontraindiziert ist, stehen verschiedene alternative Behandlungsmethoden und Wirkstoffe zur Verfügung, um Schmerzen zu lindern.

Topische Schmerzmittel: Cremes oder Gele mit anderen Wirkstoffen wie Diclofenac oder Ibuprofen sind gute Alternativen. Sie wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd und sind bei vielen Arten von Muskelschmerzen und [[Gelenkentzündung]en wirksam.

Physiotherapie: Physikalische Therapie kann eine wirksame Behandlung bei chronischen Schmerzen sein. Sie beinhaltet Übungen, Massagen und Wärmetherapie, um die Beweglichkeit zu verbessern und Schmerzen zu lindern.

Akupunktur: Diese traditionelle chinesische Methode kann bei verschiedenen Schmerzarten, einschließlich Gelenkschmerzen und Muskelverspannungen, helfen. Sie stimuliert bestimmte Punkte am Körper, um die Schmerzwahrnehmung zu beeinflussen.

Kälte- und Wärmetherapie: Die Anwendung von Eis oder Wärme auf die betroffene Stelle kann Schwellungen reduzieren und Schmerzen lindern.

CBD-Produkte: Cannabidiol (CBD), ein Wirkstoff aus der Cannabispflanze, hat schmerzlindernde Eigenschaften und ist in Form von Ölen, Cremes und Tabletten erhältlich.

Orale Schmerzmittel: Bei stärkerem Schmerz können orale Medikamente wie Paracetamol oder nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Naproxen in Erwägung gezogen werden.

Die Wahl der besten Alternative hängt von der Art der Schmerzen, der individuellen Gesundheit und den persönlichen Vorlieben ab. Ein Arzt oder Therapeut kann bei der Auswahl der besten Behandlungsoption helfen.

Quellen

  • "Goodman & Gilman's The Pharmacological Basis of Therapeutics" von Laurence Brunton, Randa Hilal-Dandan, und Bjorn Knollmann
  • "Rang & Dale's Pharmacology" von Humphrey P. Rang, Maureen M. Dale, James M. Ritter, und Rod J. Flower
  • "Basic and Clinical Pharmacology" von Bertram Katzung, Anthony Trevor

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